Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 20 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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\ Sine Diskussion über Den Sn Slnx Sinn. Vo» Dr. N. Lewirr. Jeder ZeitungSleser kennt jetzt «eutgftenS Le» Name» Le- Ku Ktur Klan-Ordens, -er zu eine« nicht zu unterschätzende» Machtfaktor im politische« Leben -er Bereinigten Staaten von Nordamerika geworden ist. Eist daeine Gehetmorganisation, die sich die Bekämpfung bet Katholiken, Neger und Jude» zur Ausgabe stellt und das -um teil auf die Weise betreibt, daß die Mitglieder dieser Organisation «acht-, in phantastische Kostüme gehüllt, mit dem Zeichen bei Kreuzeauf der spitze» Mütze und mit ma-kiertem Gesicht, ihre Gegner verprügeln, oft auch schwere Verbrechen begehen, die nicht immer gesühnt werden könne« eben infolge de-geheime« Charakters der Organisation. Auf politischem Gebiet bekämpft der Klan die Einwanderung ^unerwünschter" Nationalitäten, die katholischen religiösen Volksschulen usw. Die Letter diese- Ordentragen recht possenhafte Titel. Organisation und Name« de- Ordenfind dem Ku Klux Klan entliehe«, der sich im Jahre 1887, einige Jahre nach dem Ende de- Bürgerkriegein de» Der. Staaten, tu de« Südstaaten gebildet hat, »um Zweck, die freigemachten Neger daran zu verhindern, fich an de» Dahlen zn beteiligen und überhaupt die Rechte zu genießen, welche ihnen die Verfassung alb gleichberechtigten Bürgern gewährt. Die Mitglieder de- Ordenvollsührte« damals ihre Heldentaten meistennacht-, in weiße Kleider verhüllt wodurch ste de« abergläubische« Neger» eine« große» Schreck einjagten. Da- Haupt des Ordenim ganzen Land nannte fich damals „The Grand Wizard“ (der große Zauberer). da- Haupt in einem Staat wurde „Grand Dragon", t» einer Grafschaft „Grand Giant" (großer Riese) usw. genannt. Die vom Orden begangenen Verbrechen wurden damals so zahlreich, baß der Kongreß im März 1871 eine Un» tersuchung-kommtsfion einsetzte, um die Tätigkeit -e- Ku Klux Klan aufzukläre» und am 28. April 1871 ein Gesetz annahm. welchede« Orden verbot. Darauf verschwand diese ganze Organisation von -er Oberfläche. Sie lebte wieder erst vor 11 Jahren auf, hatte zuerst nur wenige Mitglieder, bald aber wurde die Mitgliederschaft so zahlreich, daß die Anführer fetzt von mehreren Millionen sprechen. Da die Organisation eine geheime ist. läßt sich die Richtigkeit dieser Zahlenangave natürlich nicht nachyrüfen. Bei den letzten Wahlen in Amerika war der Einfluß des Klan sehr bedeutend und die politischen Parteien hatten mit ihm in vielen Teilen des Landes als mit einem sehr einflußreichen politischen Gebilde zu rechnen. In den fünfziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts hatte eschon übrigens ebenfalls eine starke politische Störung gegeben, welche sich gegen die Einwanderung richtete und den Grundsatz vertrat, dag Amerika für die in Amerika geborenen Bürger erhalten werden müffe. Es war das eine Folge der starken Einwanderung au- Irland, die damals einsetzte. Die Partei nannte sich „Know Nothing" (Nichtwiffer). Dieser Name erklärt sich dadurch, daß die Mitglieder der Gesellschaft sich verpflichteten, nichts „zu wissen" d. h. nichts anzuerkennen, rvas den Interessen de- Vaterlands widerspricht. Sie existierte aber nur einige Jahre und verlor schließlich jeden Einfluß. In der „North .American Review" ist nun im vorigen Jahre eine Reihe von Artikeln abgeöruckt worden, in denen sowohl der Führer des Klan, Hiram Wesley Evans, welcher sich „Imperial Wirard and Rmperor. Knigths of the Ku Klux Klan , nennt, als auch eine Reihe von Gegnern des KlanS, ~ der katholische Geistliche Rev. Martin Scott, der jüdische Rabbiner Rev. Dr. Joseph Silverman. ein Vertreter der Neger W. E. Burghardt Du Bois und ein Professor der rrinceton University, W- S. MyerS, zu Worte kommen. Diese Diskussion liefert ein sehr lehrreiches Material über die politischen Gedanken, welche der Organisation deS KlanS zugrunde liegen, ebenso auch über die Argumente, mit denen seine Gegner ihn zu bekämpfen suchen. Man kann die Ausführungen des „Imperial Wizard and Emperor“ auf die Formel zurückführen, daß die Vorherrschaft in Amerika daS Vorrecht der weißen, protestantischen, nordischen Rasse sein müsse. Er sucht die bekannten europäischen Rassegedanken den amerikanischen Verhältnissen anzupassen. Der Klan, sagt er, ist mehr als eine Organisation, er ist „eine Idee, ein Glaube, ein organisierter Kreuzzug". Amerika soll in erster Reihe daS Gut der Nachkommen der Pioniere sein, welche Amerika geschaffen Haben, um eS im Geist ihrer Vorfahren weiter bestehen zu lassen. DaS Grunöelement der richtigen, bodenständigen sold-stoeü) Amerikaner, ist ein Gemisch von verschiedenen Völkern der sogenannten nordischen Rasse, Derjenigen Rasse also, welche bei all ihren Fehlern der Welt säst die ganze moderne Zivilisation gegeben hat." In den ersten Jahrhunderten der Besiedlung Nordamerikas konnten es nur sehr mutige und starke Menschen wagen, über den Ozean zu gelangen, um Kolonisten zu werden. In diesem Kolonisationsprozeg starben die weniger tauglichen bald auS, so Laß daS Gemisch der nordischen Völker, welches in Amerika entstand, wahrscheinlich das höchst qualifizierte in der Geschichte ist. Dieses suScrwählte Nassegemisch lieferte, zusammen mit den günstigen natürlichen Verhältnissen des amerikanischen Kontments, ihrer Nachkommenschaft die reichste Erbschaft, die es je gegeben hat. Durch die Flut der Emigration anderer yolkSelemente, binicht zu dieser auSerwählten nordischen Nasse gehörten, wurden aber die politischen, geistigen und moralischen Begriffe der ursprünglichen amerccansschen Siedler untergraben, ,-aile unsere tradionellen moralischen wurden über Bord geworfen und so mißachtet, daß ste ausgestört haben, maßgebend zu sein". Dabei gaben diese neuen Einwanderer nicht ihren Zusammenhang mit ihrer früheren Heimat aus. Der Weltkrieg bewies, „vast Millionen, denen wir eö erlairbt haben, unsere Erbschaft uno Blüte nur uns zu teilen, von denen wir angenommen hatten, daß sie ein Teil von uns geworden sind, in Wirklichkeit eS nicht ganz waren". Sie hatten alle andere Verpflichtungen: jedes dieser fremden Elemente war bereit, das Interesse des Landes, welches ihm Zuflucht gewährte, den Interessen desjenigen Landes zu opfern, welches eS angeblich hinter sich gelassen hat." Die richtigen Amerikaner sahen ein, daß „sogar die Fahrt über daS Salzwasser noch keinen einzigen Fleck von der Haut des Leoparden abgewaschen hat, daß der Fremde gewöhnlich ein Fremder bleibt". Sie sahen ein, daß der Glaube, Amerika sei ein „meltlns pot" — ein SchmelztIgel. in dem alle verschiedenen ethnischen, fremden Elemente zu einer neuen Einheit zusammengeschmolzen werden —, ein Fehler gewesen ist und „erinnerten sich daran, daß sogar diese- Schlagwvrt von einem Juden gemünzt worden war. dem Mitglied einer der Rassen, welche sich zu verschmelzen am entschiedensten weigert" (der Ausdruck „msliinS poi für Amerika stammt Lekantlich vom unlängst verstorbenen Zangwill, ber ich» in einer seiner Erzählungen gebraucht hat». Sie sahen ein, daß die fremden Einwanderermassen den amerikanischen Lebensstandard heravörücken, fremde Ideen in Umlauf bringen, die vielleicht an sich nicht schlecht find, aber dem Wese« der Amerikaner nicht paffen, daß daS, was sich Liberalismus nennt und vollständige Gleichheit aller Raffen verlangt, in Wirklichkeit „nichts weniger als nationaler. Raffen, und geistiger Ber. rat bedeutet." Daraus ergab sich die Notwendigkeit der veschränkung der Einwanderung in Amerika und „der Klan ist stolz daraus, daß er imstande war, bei diesem Werk, welchevon vital« Bedeutung war, Hilfe geleistet tu bähen". Der Kampf gegen die Katholiken ist kein religiöser, sondern politischer. Die nordische Raffe ist fast ganz protestantisch, ste hat in ihrer Mentalität die Erinnerung an den historische» Widerstand der römische» Kirche gegen de« Kampf der nordischen Rasse für Freiheit wachgehalte». Die römische Kirche ist durch die Organisation und ihre Leitung, in der Politik, in ihren Gedanken, auch ihrer völkische» Zusammensetzung nach, ««amerikanisch, gewöhnlich auch antiamerikanisch. „Die Päpste und die ganze katholische Hierarchie waren im Laufe von Jahrhunderten fast immer italienisch, es ist sinnlos, anzunehmen, daß ein Man», der Mitglted einer Kirchenorganisation wird, seine Rasse oder Ratto» nalität einbützt. Die römisch-katholische Kirche ist daher, wie ihr Name auch besagt, römisch und sie kann unmöglich, im Einklang mit dem AmerikaniSmuS stehen. Noch schlimmer ist eS, daß die Italiener sich als eines der Völker erwiesen, welche sich am wenigsten assimilieren lassen." Bei den Wahlen treten die fremde» katholische» Einwanderer stetals ein fremder Block auf, sie stimmen nicht als amerikanische Bürger, sondern alS Katholiken, sie sind die Hauptstütze solcher Organisationen, wie z. v. die Tamm&ny Hall tn New York. Die weiße Raffe muß vorherrschen, nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen Welt. Der Gedanke, daß alle Rassen nebeneinander friedlich leben können und daß ihre Rechre und Interessen nicht in Konflikt geraten müssen, ist absurd. Die ganze Weltgeschichte ist die Geschichte von Rassenkonflikten, die Welt ist so gemacht; daß jede Rasse für ihr Leben kämpfen muß, sie muß erobern, in Sklaverei geraten oder sterben. Die Zukunft des Fortschritts und der Zivrlisation hängt von der Aufrechterhaltung der Vorherrschaft ber weißen Rasse ab. Ebenso mutz der Protestantismus vorherrschen. Protestantismus ist mehr alS eine Religion, er ist in der Religion der Ausdruck desselben Geistes der Unabhängigkeit, Selbstvertrauens und Freiheit, welche die höchsten Errungenschaften der nordischen Rasse bilden. Er ist die einzige Religion, welche die ungehemmte Entwicklung der Individualität gestattet, welche notwendig war, um Amerika zu besiedeln. Alle unsere Pioniere waren Protestanten, denn wenn Franzosen und Spanier auch viele unbekannte Länder erforscht und erobert haben, und daver große Heldentaten begingen, machten st« doch wenige von diesen Ländern zu ihren eigenen. „Amerika war von Geburt auf protestantisch." Der Klan betrachtet den Neger als ein besonderes Problem des weißen Amerikaners. Der Neger ist in Amerika nicht durch seinen eigenen Wunsch, seine Vorfahren wurden als Sklaven gegen ihren Willen nach Amerika gebracht, das sind wir verpflichtet, cm Auge zu behalten und müssen dem Neger daher vollen Schutz gewähren. Aber die ihm gestellten Grenzen liegen klar zu Tage, wir wollen ihm nicht gestalten, genügende Macht zu erlangen, um unsere Zivilisation beeinflussen zu können, ebenfalls können wir keine soziale Gleichheit versprechen, die nie realisiert werden kann. Der Klan erwartet, daß ein Tag kommen werde, an welchem daS Negerproblem auf einer gesünderen BasiS, als durch Vermischung, gelöst werden wird uvd an dem jeder Staat durch Gesetze geschlechtlichen Verkehr zwischen Weißen und Farbigen für ein Verbrechen erklären wird. Wir haben im allgemeinen Mitgefühl mit den Fremden, wir können ihn aber nur dann endgültig willkommen heißen, wenn er wahrhaft Amerikaner wird. „Der Jude ist ein verwickelteres Problem. Seine Fähigkeiten sind groß, er gibt viel jedem Land, in welchem er lebt. DaS ist namentlich wahr bei den Westjuden, denjenigen Juden, die wir so lange gekannt haben. Sie sind von unS mehr durch Religion als durch Rasse getrennt. Diese Juden haben, nachdem ste von der Verfolgung befreit worden sind, eine Neigung zum Zerfall und zur Verschmelzung gezeigt. Wir können hoffen, daß in kurzer Zeit die Juden dieser Art in der freien Athmosphäre Amerikas aufhören werden, ei» Problem zu sein. Ganz verschieden sind die Ostjuden der neuen Emrgration, die Juden, welche alS Aschkenazim bekannt sind. -Anthropologen lehren unS jetzt, baß ste keine richtigen Juden, sondern judatsierte Mongolen. Ehasaren, sind. Diese zeigen zum Unterschied von den wahren Hebräern eine so starke Abweichung vom amerikanischen Typus, daß wenig Hoffnung auf Assimilation vorhanden zu sein scheint." Der Führer deS Klan gibt zu, daß -er Klan auf nicht sehr hohem geistigen Niveau steht. Wir sind, schreibt er, „eine Bewegung einfacher Leute, wir verlangen und wir hoffen, daß es uns gelingen wird, die Macht in die Hände deS Durchschnittsbürgers der alten Amerikanerschtcht, dte nicht hoch kultiviert, nicht überintellektualisiert ist, daher aber ganz ihr Amcrikanertum behalten hat. Unsere Mitglieder und Führer gehören alle zu dieser Klasse. Daher ergibt sich der fast automatische Widerstand gegen unS, der Intellektuelle und Liberalen, welche die Führerschaft hatten und den AmerikaniSmuS verraten hatten." Dieses niedrige geistige Niveau ist „zweifellos eine Schwäche, -aS geben wir zu. sie erschwert es unS, unsere Gedanken und unseren Kreuzzug wirksam zu verteidigen. ES fehlt unS an geschütten Führern, wir sind aber überzeugt von der fundamentalen Gerechtigkeit unserer Sache, wir glauben, daß eS keine Frage ist, ob die Kinder der Menschen, die Amerika geschaffen haben, drS Recht haben, Amerika zu besitzen und zu beherrschen. Wir glauben, daß wir das Recht haben, Amerika amerikanisch und für Amerikaner zu machen." Andererseits „glaubt der Klan nicht, -aß -er Umstand, baß er durch Instinkte un- Emotionen unnicht durch kalten Geist geleitet wird, eine Schwäche ist. Jede Handlung kommt vom Gefühl, nicht von der Ueberlegung. Unsere Gefühle und die Instinkte, auf welchen sie beruhen, sind in den Menschen tausende von Jahren vorhanden gewesen, viel länger als der Verstand im menschlichen Gehirn gewohnt hat. „Wir wissen, daß wir recht haben, ebenso wie ein guter Christ weiß, daß er erlöst worben ist und daß Christus lebt, ein Ding, welches ein Intellektueller nie verstehen kann. Ueber diese Ueverzeugung läßt sich ebensowenig streiten, wie üder unsere Liebe zu unseren Kindern." Verschiedene Raffen haben nie nebeneinander harmonisch gelebt. Rassenantrpathien sind viel zu tief irnd stark. Wäre ein Staat möglich, in welchem -ke verschiedenen Raffen vollständig gleich sind, so wäre die Nation viel zu uneinig, um zum Forrschritt fähig zu sein. ES hat stets eine Rasse geherrscht, eine muß immer herrschen. eS wird immer Kampf uno Zwangsmittel geben, bis diese Herrschaft gesichert ist, und „wir wollen sehen, daß -er amerikanische Gramm die Oberhand behält". * Dte angegriffenen Parteien antworten in derselveu Zeitschrift sehr ausführlich. Die Sache der Katholiken vertritt Martin I. Geott, G. I. vom College of St. Francis Xavier in New York. Er führt aus, bis zum Beginn deS IS. Jahrhunderts seien die Ger. Staaten bei weitem überwiegend ein protestantisches Land gewesen, größere Massen von Katholiken kamen erst gegen die Mitte des 19. Jahrhundertdurch Einwanderung herein, es waren das meistensehr arme Menschen, die sich aber tn ihrer neuen Heimat sehr schnell und erfolgreich emporarveitete«. „Während noch vor einem halben Jahrhundert ein katholischer RechtSanwaU, Arzt oder Bankier eine Ausnahme bildete, ist jetzt KaS Land voll von Katholiken in auen gebildeten Berufen." Kein Bolksftamm hatte fich so gründlich mit dem Volk ihres AboptivlandeS vermengt, wie es die Katholiken getan haben. Der Kampfe der gegen die katholische» Gemetndeschulen geführt wird, sei unberechtigt, denn diese Schulen stehe« auf einer sehr hohe» wissenschaftlichen Stufe, dabet geben sie aber »och eine sehr gründliche religiöse Erziehung. Erziehung ohne Religion mag geschickte und fähige Menschen schaffe», aber daS Land ist voll von geschickten und fähigen Menschey, die eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen. Wisse« ohne Bildung de» Charakterist eine gefährliche Errungenschaft Biele der schlimmsten Verbrecher tn unserem Land find Menschen, dte eine höhere alS die übliche Erztebung genossen haben." „Sin fundamentaler Satz de» katholische» Glaubens ist Achtung vor der Obrigkeit, ei» Mensch kan» nicht guter Katholik und schlechter Bürger sein. Die katholischen Schulen streben durchaus nickt danach, die Bürger in besondere Gruppen zu spalten. Biele Angehörige verschiedener anderer Konfessionen gehen kaum zur Kirche oder Jur SonutagSschule. sie stehen auch unter keinem relig^sen ktnfluß zu Hause, woraus sich „ein fast heidnischer Geist ergibt", welcher gegenwärtig einen groben Teil des Volkes be- -erfcht. Selbst wenn ein Schüler die Sonntagsschule besucht, so heißt daS, daß er „eine Stunde der Woche sich der Religion widmet, während er in den übrigen 167 Stunden «ichtdavon hört". Dagegen ist tn den katholischen Schulen der 8anz« Unterricht vom religiösen Geist durchdrungen, da»!ind wird fortwährend mit den hohen Idealen de» Evangeliumdurchtränkt. „Gott wird für eS keine Abstraktion, sondern eine Lebensrealität". Die katholische Kirche ist keine fremde Macht, ihre Macht ist eine rein geistige, sie schreibt ihren Anhängern keine politische Richtlinien vor. der römische Papst enthält sich jeder Einmischung in den innere« Angelegenheiten deS Landes. eS sei also kein Grund vor. Hauben, den Katholizismus als nicht amerikanisch zu erklären. Der Vertreter -der Juden in dieser Polemik, Räbbiner Dr. Joseph Silverman vom Emanuel-Tempel in New York, führt au», der Klan, der sich angeblich als Vertreter des amerikanischen Volkes erklärt, sei in Wirklichkeit eine unsicht. bare Regierung einer Klique. Wenn Lincoln in seiner berühmten Rede gesagt hat, die Regierung Amerikasoll eine Regierung „des Volkes, durch da» Volk und für da» Volk" fein, so ist der Klan eine Regierung „einer Klique. durch diese Klique und für diese Klique". Sein Vorgänger, der Klan der 60er Jahre deS vorigen Jahrhunderts, hatte noch wenigstendie Entschuldigung für sich, baß er unmittelbar in der erregten Athmosphäre nach dem Bürgerkrieg entstanden war. wo die Leidenschaften sich noch nicht beruhigt hatten. Jetzt aber, -a der Neger zum integrierenden Be. standteil der amerikanischen Nation geworden ist, sich einen Platz auf den verschiedensten Gebieten des LebenS erobert hat, hat die barbarische Organisation deS Klan gar keine Berechtigung. Ist der Neger eine minderwertige Rasse, so hat die überlegene Rasse, welche der Klan angeblich vertritt, keinen Grund, ihn zu fürchten. Befürchtet etwa der Klan, daß Amerika judaisiert werden kann? „Ich hege keine solche Furcht, auch keine solche Hoffnung", schreibt Stlvermann. ES ist einer der Grundsteine der amerikanischen Bersassung, daß der Staat mit der Religion nichts zu tun hat, Katholiken. Juden, Atheisten oder Irreligiöse sind also ebensolche Amerikaner wie die Mitglieder des Klan. „Ist der Protestantismus eine bessere Religion als der Katholizismus? Sinü sie nicht beide Teile des Christentums? Ist ein Protestant oder Katholik aus der Negerrasse Gott weniger angenehm alS ein weißer Protestant bzw. Katholik? Oder will der Klan unS glauben lassen» daß eS für Gott auch die Farbenschranke gibt?" „Ich wäre versucht" — fährt Silverman fort — „auch den Juden gegen die Beschuldigung des Klan wegen seiner Religion zu verteidigen, aber ich enthalte mich dessen, wenn ich mich erinnere, daß das, CHMeytum dem Judentum die höchste Anerkennung zollte, die je einer Rasse ober Religion zuteil geworden ist. als es erklärte, Gott habe einen Sohn Israels erwählt, um ihn vor 2000 Jahren den Messias der heidnischen Welt werden zu lassen und diese zu einem besseren Glauben, einer höheren Kultur und einer edleren Zivilisation zu bringen. Wir Juden haben noch jetzt dieselbe Religion, die JesuS ursprünglich bekannte uneS scheint unS bei Anhängern von JesuS nichts anderes als Wahnsinn zu sein, wenn sie erklären, daß nur selbsterwählte weiße protestantische Christen Amerikaner sein können, daß Juden aber, auS denen JesuS hervorging, zum amerikanischen Leben nicht zugelassen werden sollen. Wahrhaftig, der Klan vergewaltigt die Religion, indem er ibr leinen eigenen ReligionStypus aufzwingen will." Zum Schluß macht Silverman den Klan darauf aufmerksam, seine Agitation könne eben daS zur Folge haben, was er befürchtet, nämlich, daß der Kampf gegen Katholiken, Juden, Neger, Fremde usw. dazu führen könne, daß sich eben diese Elemente zur Selbstverteidigung vereinigen, das heißt ein Bündnis schaffen. daS bis jetzt noch nicht existiert. Zusammen mit den Millionen von liberalen .Protestanten, die ebenfalls den Klan bekämpfen, würde baS eine Macht werben, ber gegenüber „die zwei Millionen der Ku-Klnx-Klaner ebenso viel Aussicht auf Erfolg haben können, wie ein Schmetterling in der Mitte eines CyklonS". Den Kern des Problems trifft sehr richtig der Vertreter der Neger. W. E. Burghardt du Bois, Leiter der National Association for the Advancement of Colored People (Nattonalverband für den Fortschritt der Farbigen). Er stellt zuerst fest, der Klau sei wirklich eine große Macht geworden, sogar in solchen Staaten, wie z. B. Ohio, in denen sich die Traditionen der Freiheit und der Demokratie des alten Amerikanertums am stärksten erhalten haben. Auch dort werden Juden auS den öffentlichen Schulen verdrängt, Neger werden verfolgt usw. Worin liegt die Ursache dieser Macht des Klan? ES kann kein Zweifel sein, schreibt Du BoiS, daß der Klan in seiner jetzigen Form eine Erbschaft deS Weltkrieges ist. denn früher hatte er keine wesentliche Bedeutung. Infolge deS Krieges wird nämlich jetzt die ganze Welt von der Furcht beherrscht. „Deutschland fürchtet Sen Juden. England den Hindu, Amerika den Neger, der Christ fürchtet den Moslem, Europa fürchtet Asien, der Protestant den Katholiken, die Religion fürchtet die Wissenschaft, vor allem fürchtet ber Reichtum die Demokratie." Diese Arten von Furcht hat eS auch früher gegeben, sie sind aber jetzt unendlich stärker geworden, weil im Weltkrieg „daS Unerwartete eingetrosfen ist". Man sprach jahrelang von der Möglichkeit eine» europäischen Krieges, man gewöhnte fich schließlich daran, diesen Gedanken als etwas kaum mögliches zu behandeln, jedenfalls glaubte man nicht, daß es in unseren T«men dazu kommen werde. Und dann war aber ber Weltkrieg aus einmal plötzlich da, schrecklicher alS alle-, was die Menschen überhaupt erträumen konnten. Auf einmal also wurde also daS, wovor man fich fürchtete, realisiert, und nun wirb dte Furcht immer gröber. Man verlor den Maßstab dafür, was möglich und waSunmögltch ist, man hält alles für möglich. „Abd el Krim kann znm Führer der Borhut Asiens gegen Europa werden; Ghandt und DaS können das britische Reich zerstören; ber amerikanische Neger kann eS soweit bringen, daß er in den Kongreß gelangen Wall Street erobern und weiße Frauen heiraten wird. Feder fürchtet, deklassiert zu werden, seine Ersparnisse zu verlieren» setne Hoffnungen, die Hoffnungen für seine Kinder vernichtet zu sehen, arbeitslos zu werden usw., man steht überall Schreckgespenster. Bei ruhiger Ueberlegung könnte man bet jeder Art dieser Schreckest jeststellen. paß an ihm wahr ist und wie man d»-