Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 20 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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-egen Abhilfe schaffen kann. AVer eben wegen der Furcht, die jetzt alles beherrscht, sind die Menschen gegenwärtig zu einer ruhigen Analyse unfähig, sie sehen daher nur dte einzige Hilfe in Anwendung von Gewalt. In der Form deS Faschismus z. B. so wie er z. B. in Italien sich entwickelt hat, in einer geistigen Form, wie z. B. im'amertkanischen FundamentaliSmuS. durch welchen den Menschen einfach vorgeschrteben wird, -atz sie kein Recht haben, anders zu denken oder etwa anderes zu glauben, als die Kirche eS will. Der Klan ist nur eine Form dieser Gewaltanwendung, die sich bloß dadurch unterscheidet, -atz sie im Geheimen wirkt, denn es ist schon eine alte Tatsache, datz man Dinge, die man sich schämt bei Tag und offen zu tun. bet Nacht maskiert sich gestattet. Infolge der Tatsache des Weltkrieges glauben jetzt die meisten nicht an die Möglichketr von Frieden, an die Wirksamkeit geistiger Argumente, sonder» nur an Krieg, Unwissenheit und Gewalt. Daher ist man geneigt, alle Neger für Idioten und Räuber zu erklären, im Katholizismus den Antichrist zu sehen, in den Fuden internationale Verschwörer nach den Vorschriften der Protokolle der Weise» von Zion Religiöse Menschen sehem-atz in -er gegenwärtigen Zeit die alten Vorschriften der Moral. Religion usw. nicht beachtet werden. Anstatt den Geist deS Unglaubens und Zweifels durch logische Argumente zu bekämpfen, die Gegner zu überzeugen zu suchen, greift man zur Gewalt und zur Hilfe -es Pöbels. Durch diese Einstellung, welche durch die allgemeine Furcht hervorgebracht wirb, kommt eS, datz der Klan so große Anerkennung gefunden hat. Die Amerikaner fürchten den Einwanderer, den Juden, den Neger. »Sie sehen, datz -er Amerikaner englischer Abkunft physisch und geistig das Land nicht mehr beherrscht: daß Amerika lebt und blüht eben deshalb, weil es den fremde« Einwanderer hat mit seinem starken Arm, seinem einfachen Leben, seinem Glauben und seiner Hoffnung. Sie sehen ein, datz keine Gruppe in den Ber. Staaten härter daran arbeitet, sich höher empor, zuarbetten, als der Neger, davor haben sie Angst," daher werden die Kampfmethoden des Klan begrüßt. Du Bois schließt damit, -aß er auf dte Gefahren hinweist, die iu der Anwendung solcher Kampfmethoden Liegen. Wenn es Möglich ist, eine wett ausgedehnte unterirdische Bewegung gegen Juden, Neger und Katholiken hevrorzubringen, warum soll eS dann nicht möglich fein, ähnliche Bewegungen gegen Juden, Neger und Katholiken hervorzubringen. usw. zu organisieren? Gewiß ist eS gegenwärtig leichter, große Mafien gegen die Juden, dte Schwarzen oder gegen dt« katholische Kirche zu mobilisieren. Es braucht aber nicht für alle Zeiten so zu bleiben und nicht überall zutreffen, eS können Situationen eintreten, in denen die Kampfweise -es Klan von anderen Gruppen ausgenommen und gerade gegen die Elemente gerichtet werden wird, welche jetzt das Vorgehen des Klan begünstigen. * Wir haben die Argumente der gegnerischen Parteien wiedergegeben. Sie zu kommentieren ist wohl überflüssig. ES darf aber wohl gesagt werden, daß die Grundsätze der Freiheit und der Demokratie in Amerika doch viel zu fest verankert sind, als daß eine ernstliche Erschütterung dieser Grundpfeiler -er ganzen Struktur Amerikas durch den Klan zu erwarten wäre. Es scheint sich doch hierbei um eine vorübergehende Erscheinung zu handeln, ähnlich denjenigen, die wir eingangs erwähnt haben. Sprechsaal Für dies« Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich die preßgesetzliche Verantwortung. Zur Frage deS ..anserwählten Volkes". Frageob laut der Bibel unser Volk oder unsere Religion von Gott »auserwählt" sei, ist nach meiner Meinung von entscheidender Bedeutung -aS Buch Ruth. Ruth war laut deS ganzen Buches, das ihren Namen führt, keine Israelitin oder Jüdin, sondern eine Moabiterin fl 4. 22. 2 2. 6. io. 4 5. 10). Aber sie nahm unsere jüdische Religion an und heiratete den Juden Boas. Dieser zeugte mit ihr den Obed, Obezeugte den Jischai, und Jischai zeugte David. David aber ist nächst MoseS unser größter jüdischer Nationalheros, defien Stamm-Mutter ist also eine Nichtjüdin. Ja, noch viel mehr. Aus dem Stamme Davids sollte nach allgemeiner Vorhersage unser MefitaS hervorgehen, Ruth ist also auch dessen Stamm- Mutter: auch die Stamm-Mutter des Messias, den wir erwartet haben, ist also eine Nichtjüdin. Und da soll unsere AuS-erwähltheit nickt unserer Religion zukvnnnen, sondern unserem Volke? Dies glaube, wer mag. aber der Bibel gegenüber ist eS n i ch t haltbar. Der Zionismus aber spricht unsere AuSerwähltheit nicht unserer Religion, sondern unserem Volke zu Die Stellung zum Zionismus kann daher nicht, wie unsere Meralen Rabbiner jüngst ausgesprochen haben, jedem Einzelnen freigogeben werden, sondern vom Standpunkte der Bibel aus mutz jeder religiös« Jude gegen den Zionismus Steilung nehmen. 3WH»n«t Dr. Sitkism« — Fürth i. »aotrti. Yerklungenes Leben. Biblische Novellen von Else Dahlberg. * (Schluß.) Debora. Debora saß in sieb gesunken unter dem Baum, die Haare fielen in ihr Gesicht, der Rücken neigte sich über den Schoß, die Hände lagen müde und schlaff zu ihren beiden Seiten. Die Augen starrten ins Weite, ohne jedoch das Land, das vor ihnen gebreitet lag, zu fassen. Die ganze Gestalt war gleichsam unter einem Druck, der die Kraft und Schönheit zu Boden drückte. Aber es schien nicht ein Übermaß körperlicher Anstrengungen zu sein, das die versunkene Tran überkommen hatte, dazu brauchte es. wohl weit mehr, um sie in solche Müdigkeit zu versenken. Sie saß allein auf der Anhöhe, im Schatten des Baumes; im Tale herrschte ein lebhafter Verkehr zwischen den Zelten. Dort wurde noch einmal und immer wieder die Tatsache des jähen Todes des Sisera durch den Nagel seiner Wirtin Jael besprochen und der große starke Anführer des israelitischen Heeres, Barak, stand mit einem Mann am Brunnen und staunte über die Bewegung der Masse. Die Frau auf der Höhe brach ganz bewußt das leere Starren ihres Blickes, sie suchte in dem Gewimmel zu ihren Füßen einen festen Punkt, der ihr durch die hohe Gestalt am Brunnen bestimmt wurde. Sie zuckte ein wenig zusammen, als sie den Mann an seiner Seite erkannte: Lapidot, ihren Gatten. Das feste Anschauen der kleinen Gruppe führte wieder ihr Auge zu ihr selbst zurück. Fast unbewußt schlang sie die Hände in ihrem Schoß fest ineinander, und so, über sich selbst gebeugt, ihr körperliches Ich in den engsten Raum zusammengepreßt, legte Debora sich Rechenschaft ab über die Ereignisse der letzten Zeit. Doch durch den Druck ihrer verkrampften Hände, die stark und schwer ihren Leib preßten, kam ein so starkes Gefühl des eigenen Selbst über sie, daß sie hilflos sieh den Gedanken hingab, die durch sie gingen. Debora, die Siegerin, die noch vor einer Stunde klar und tapfer unter den Männern im Tale stand, beugte sich dem Weibe, das in ihr anfschrie. Und die Frau wußte um das Kämpfen in sich und ließ die beiden ringen, bis sie fast zusammenbrach. Die Einsame sah in ihre Jugend. -- Das wilde, lachende Mädel war allem voraus, lachte in das Leben hinein und den Männern entgegen Es war ihr, als ob sich alle zusammengetan hätten, um ihr, Debora, Freude zu bringen. Doch sie batte nicht genug an ihrem brausenden Sehnen, sie wollte alles, alles besitzen, in sicheren Händen halten. So heiratete sie Lapidot, den jungen Spielgefährten, der so still zur Seite trat, wenn sie erhobenen Hauptes sich aus den Reihen der jungen Männer einen Jüngling zum Tanzen holte. Sie hatte geglaubt, an der Seite ihres Gatten ihr fröhliches Leben weiterfuhren zu können. Aber es war alles anders geworden Die Augen des stillen Mannes blickten sie aus jedem Winkel an, der Schatten seines Wesens verscheuchte jedes Lachen. Diesem Menschen mußte sie alles sein, diese Augen forderten ihre Seele. Aus der starken Debora wurde die schweigende Frau, die an den Untiefen ihres Ichs vorbeiging, die ihre hungernden Blicke von Lebenslust und -freude abwandte und dem Manne eine gute Hausfrau war. Doch die Gedanken wollten nicht schweigen, sie bohrten und zuckten in ihr; ihre Tatkraft, die brach lag, suchte sich doch im Stillen zu betätigen. Und da sie das Wenige, das zu ihrem kleinen Heim kam, besonders tief erfassen konnte, ordnete sie ihre Pläne sorgsam in sich, um sie vielleicht später zu verwerten. Nur zu bald sollte sie aus ihrer Ruhe gerissen werden, denn der Feind bedrückte Israel schwer und schwerer. Im Anfänge hatte sie zu den Gesprächen der Männer wenig gesprochen, bis eines Tages Barak, der junge Barak, kam. An seinem weichen Charakter, der sich unter einem fast wilden Äußeren versteckte, fühlte sie selbst sich erstarken. Und ihre Kraft, die so lange in ihr gebändigt war, brach aus ihr. umhegte und umfaßte ein möglichst weite» Gebiet. Alle, alle kamen zu ihr und ließen sich helfen. Der Mann mit den stillen Augen ließ alles geschehen, und die Frau erschien ihm langsam als ein Wesen, das nicht nur zu ihm gehörte und die er nicht verdiente. Und Debora sah das in ihm wachsen und auch sie — schwieg. Sie hatten kein Kind und so kam es, daß sich die Zweiheit ihrer Ehe bald zu einer Mehrheit steigerte, daß fremde Menschen zwischen ihnen standen. Aber keiner kam ihr zu nah, sie sorgte sich um jeden in gleicher Weise und ein neues Glück blühte in ihr, ein so reines und tiefes Glück des Gebens, daß sie oft aufseufzte vor Seligkeit. Alle durften fordern, allen konnte sie geben — sie war stark und reif. Sie hatte kein Kind — gut, so waren alle Notleidenden ihre Kinder! Was galt da noch Stille der Ehe und Sehnsucht der Jugend, vor ihr lag Arbeit und sommerschweres Reifen — ja, und der Mann mußte mit in diese Wogen des Erlebens. Es gibt kein Leid, Sagte sie sich damals, das man nicht um werten könnte; es gibt keinen Todf, der dem Schaffenden die Möglichkeit nehmen kann, die Strahlen seiner Persönlichkeit über ihn hinaus wirken zu lassen! Alles war ihr so leicht erschienen; war ihr eine Garbe, die ihre kräftigen Schultern wohl zu tragen vermochten! Sie wurden nur noch stärker dadurch, und Debora trug die Garben des ganzen Volkes gern und ihr weiter Schritt führte sie allem voran. Debora zwang sich dazu, ihre Gedanken in diese vergangenen Tage zu führen, in denen sie stark und sicher war. Wenn sie sich mit der Frau jenes Sommers verglich, deren Herz sich mit allem Leben freuen konnte, deren Augen um jedes fremde Leid weinten, so schien es ihr die Gestalt einer Fremden, Unbekannten zu sein! Das Weib, das auf die Masseu iin Tal starrte, war eine andere als jenes Wesen; sie trug die Garbe nicht mehr froh, nein — sie ward von ihr zu Boden gedrückt. Debora empfand eine Müdigkeit, die sie vollkommen erschöpfte. — Sie konnte dieses Gebrochen-Sein nicht als Verzweiflung fühlen, noch als Schmerz: dumpf und fast gefühllos gab sie sich dem Erdrückenden hin. Der Kopf aber — durch das angestrengte Arbeiten der letzten. Zeit überreizt — dachte unabhängig um ihr Wollen weiter, riß sie in wilder Jagd in den Wirbelsturm der Gedanken. Und aus dem Wirren formte sich vor Deboras innerem Auge ein Männerkopf. In sebarfgezeichnetem Profil prägte sich Mut und Kraft aus. Sisera, der Fürst — der Feind. Als Abgesandte des Volkes war sie zu ihm gekommen, um ihn Fehde anzusagen, den Handschuh, den er hingeworfen, aufzuheben. Sie standen allein Im Zelt: der Manu und das Weib. Die Frau blickte ihm frei ins Auge und sah das Fordern und Befehlen in ihnen. Sie straffte ihre Gestalt, und ihre Worte zeugten Blitz gegen Blitz, Kampf gegen Kampf. Die beiden Menschen waren sich nicht bewußt, daß aus ihrer jähen Rede nicht nur der Streit der beiden Heere loderte, sondern daß es die Probe zweier gleichwertiger Menschen war, die sich maßen. Wären sie Freunde gewesen, eo hätten sie gemeinsam ein Ganzes gegeben, das sich gegen jede Macht hätte wehren können. Als Feinde jedoch mußte eine Kraft die andere verzehren. — Ob es dem Manne, Sisera, je klar wurde — Debora zweifelte daran. Aber s i e wußte, wie sie nach Hause gekommen und die Angen ihres Mannes sie ansahen, daß sie nie mehr unter seinen Blicken würde ruhig sein können. Sisera — der Feind. Da sie ihn nicht zu eigen bekommen kennte, sollte ihn auch keine andere Frau bekommen! Der Kampf tobte und Debora suchte sieh in ihm und der Arbeit zu veraressen. Aber es gab immer wieder Stunden —• und stille Augen, die mahnten und wühlt«. Und Debora wußte, daß es nicht die Taten waren» die beglückten, nein, daß es ein Glück ira Leben gab, das die Natur selbst verlangte: das Glück des Erlebens. Fern und ferner glitten die Tage, da sie ein Glück im Schweigen und Arbeiten konnte, fern war Freud« und Schmerz. Sie »ah die Freunde fallen, sah die Augen Lapidois unstet werden — alles ward ihr gleichgültig. Nur nach Ruhe sehnte sie sich, nach Ruhe oder Tod. Sie verfolgte den Sisera, und sie wußte, sie würde siegen. Aber wie nie ihn erreichen würde, ob tot oder lebend — das durfte sie nicht denken! Jeder Sieg ließ das Volk auf jubeln, sie feierten Debora. Sie aber sagte stets: „Weiter!“ Keiner kümmerte sich um sie, um ihre Leiden.. Sie empfand es zuerst bitter, daß sie, die sich um ein« jeden gesorgt hatte, bei keinem Hilfe fand. Und die Einsamkeit umkrallte sie; das verzweifelnde Weh überwältigte sie, formte sie zu einer Frau, die Arbeit als Last und das Leben als Mühsal ansah. Doch bevor sie alles zur Seite warf, mußte sie ihr Ziel erringen: Sisew. Sie hatte sein Heer geschlagen, er selbst war geflüchtet, verschollen. Mitten im Getümmel hatte sie still in sich hineingejubelt: er lebt! Und dann plötzlich die Botschaft: Sisera ist tot. Jaftl, die ihn in ihrem Zelte beherbergte, hatte ihn getötet! Eine Frau hatte den Helden besiegt. Nicht Frauenkraft hatte ihn gebrochen, Frauenlist bezwang ihn! Debora schämte sich für ihr Geschlecht, sie empfand diesen Mord als ein ihr gerauhtes Vorrecht. Sie sah einen Augenblick das blasse herrische Gesicht auf einer Bahre — aber noch immer war ihr nicht die ganze Tragweite des Geschehens klar geworden. Erst jetzt, als sie fern der auf gepeitschten Menge war, machte sich die Wucht des Lebens geltend. Aber die dumpfe Starrheit hielt sie gefangen und anstatt des großen Schmerzes um Sisera, konnte sie nichts als das beengende Etwas empfinden, das sie an der Kehle hielt und auf ihr Hera drückte. Sie hatte kein Ziel mehr zu erstreben und das war auch gut so. Denn sie war müde, unendlich müde. Eifrig bemühte sie sich, ihr Leben in der Zukunft klar zu sehen! -- Die Arbeit im Heim — die Arbeit um ander« Menschen. Arbeit und Vergessen, endloser Weg! Aber woher sollte sie die Kraft zum Weiterleben nehmen? Etwa aus jenen stillen Augen, die sie ans Haus fesselten? Oder aus den Volksgenossen, die nur den Fednd in Sisera, dem Einzigen, sahen? Sie brach in sich zusammen, kraftlos, müde. Sie fand keinen Weg mehr zum Leben, da sie keinen mehr zu sich selbst wußte. Das Ich, die Frau des Frühlings und des Sommers, war tot in ihr. Sie verlangte nient einmal mehr eine Freude vom Schicksal, sie wollte nur einen Schmerz spüren, um ihr einstiges Ich wieder zucken zu sehen! Gleichgültig gegen alles war sie. — Sisera war tot. — Sie hatte in Erwartung des Ereignisses gebangt, hatte nach ihm gezittert — und eine andere hatte ihr es vorweg genommen! Der Starke war tot; nun war es wohl auch an der Zeit, daß sie starb. Sie konnte nicht mehr tragen, sie war zu müde. Wenn sie doch weinen könnte wie früher! Vorbei. — Sie war so zerrissen, daß sie nie mehr ein Ganzes werden konnte. Sie war nicht länger Leiterin und Gattin, nicht mehr Trägerin.: die Siegerin war besiegt! Zu was hatte ihr Körper gedient? Sisera —> da mußte er schweigen. Den Manne mit den stillen. Augen reizte nur ihre Seele, dem Volke galt sie als Mann- Weib! Wenn sie ein Kind hätte — verzichten, auch da verzichten. Debora barg den Kopf in den Händen. — So ein kleines Wesen, das mit seinen unbeholfenen Liebkosungen ihre Seele wieder eingefangen hätte, das zu dem Mann gelaufen wäre und von „Mutter“ geredet hätte! Sie war so sehr in sich versunken, daß sie nicht bemerkte, daß sich im Tal die Volksmenge Instrumente holte und schreckte auf, als sie die ersten Tone de« Jubelgelangs hörte. Sie schaute hinab und lauschte dem Chor. Was sangen sie? „Es lebe Debora, die Mutter in Israel!“ „Die Mutter iu Israel“ — so hieß sie. Ach, wie schön das war, wie schön — Mutter zu sein! Nicht mehr kämpfen, nicht für alle dastehen müssen! Nie konnte das sein, sie mußte dieses Leid verschweigen wie sie auch alles andere verschwieg. Und Debora würgte an ihrem Schmerz, doch er war starker denn sie, und brachte sie zu einem endlosen Weinen, das alles Harte und Erstarrte mitriß. Sie gab sich ihm ganz hin und tauchte erst wieder aus dieser Flut auf, als eine leise Hand sie an der Schulter berührte und sie ihrem Manne in die tiefen Augen sah. Er flüsterte: „Mutter Debora, liebes Weib!“ Die Augen redeten zu ihrem Herzen, sie wußte, daß ein Mensch mit ihr durch alles gegangen war und fühlte ein leises, zartestes Werden in sich wachsen, das sich dankbar dem Weichen, Lautlosen in ihrem Gatten zuneigte. An seiner Hand richtete sie sich auf, der Wind nahm ihre Haare und zauste sie. Der Nacken steifte sich, die Brust stemmte sich gegen den Sturm und ihre Hand suchte die ihres Mannes. So stiegen sie zu dem Volke hinab. Debora hatte wieder die Garbe auf ihre Schulte« geladen. /TBAHLO-rALCKE EM-UM EN <AU//TELt-UNG E 5E&LIN-WÖ© LL MAUERSTR. 70 FERNRUF: ZENTRUM 5C23 U. 5024 BLUMENSPENDEN - TRAUERSPENDEN - TA' SCHMUCK. INNENDEKORATION IN KUNSTL ERI AUSFÜHRUNG. 12 ERSTE PREISE