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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-05-20 · 20 (20.5.1927) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
20 (20.5.1927)
Date
1927-05-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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7. Jahrgang Nummer 20 Beilage 20. Mai 102? ZMchÄemleZeiümg Die Stellung des liberale« Zudealums zum"" 7' ' . Eine Resolution hes Vorstandes der Vereinigung für das liberale Judentum. Der Vorstand -er Vereinigung für -aS liberale Judentum & B., hat sich in seiner Sitzung vom 8. Mai mit dem Verhältnis -es liberalen Judentums zum Zionismus befaßt. Tn -er Sitzung nahmen teU: Dr. Appel-Mannheim, Dr. Daeck-Berlin, Bayer-Breslau, Dr. DreSlauer-Verlin, Fabian-Königsberg. Frau Falkenberg-Derlin. Dr. Geiger-Frankfurt a. M., Goetz- Verlin, Dr. Aatzenstein-Bielefeld, Dr. Kaufmann-Köln, Krorcheim-Magdeburg, Dr. Lilienthal-Berlin, Ostberg- Berlin, Dr. Seligmann-Frankfurt a. M., Dr. Seligfohn-Verlm, Stern-Berlin, Balk-Hamburg, Dr. Bogelstein-VreSlau, Woy-a-Berlin. Nach eingehenden Beratungen wurde gegen eine Stimme von sämtlichen Anwesenden folgerte Resolution beschlossen: Der Borstauder Bereinigung für das liberale Judentum erblickt i» der Religion die Grundlage und das Wesen des Judentums. Entscheidend für die Angehörigkeit znm Judentum ist das Bekenntnis zur jüdischen Religio« und die Erfüllung ihrer Pflichten. Wer feine« Glaube« wechselt, scheidet and' der jüdische« Gemeinschaft ans? wer sich zur jüdische« Religion bekennt und ihre Wlichte« erfüllt, ist vollwertiges Mitglied der jüdische» Gemeinschaft. Hieraus ergibt sich die Ablehnung aller Bestrebungen, die Stammes-, Bolks- oder nationale Zugehörigkeit an die £ elle der Religio« setze» ober für gleichwertig mit ihr erachten. Pflicht jedes Inden ist es, fein religiöses Bekenntnis in feiner Lebensführung, sowie durch Teilnahme an jüdischen und allgemeinen Gemein« schaftsaufgaben zu betätigen und überall da, wo Juden wohnen» für ihre geistige und materielle Hebung und für Wiedererweckung jüdischer Religiosität besorgt zn sein. Nur eiue in sich gefestigte, ihrer selbst bewußte Glaubensgemeinschaft wird imstande sei«, beispielgebend unter den Böller» zu wirke« und die ihr von -er Vorsehung zngewiefene Sendung in der Menschheit zu erfülle«: daS Gebot der Erhebung zu Gott, der Nächstenliebe, der Gerechtigkeit nnd des Friedens in der Menschheit zu verwirklichen. * . * Durch diese Resolution ist eine erfreuliche Klärung geschaffen worden. Immer wieder wurde in der letzten Zeit versucht, einen Keil zwischen liberale Rabbiner und liberale »Laien" zu treiben. Die Aussprache aber, die stattfand, zeigte. daß der Gegensatz, non dem zionistische Presseorgane und einzelne zionistische Rabbiner so oft sprechen, gar nicht vorhanden ist. Gewiß gibt es auch im liberalen Judentum Rüarieierungen. Aber sie sind keineswegs gruppiert nach der Zugehörigkeit zum sogenanten Rabbiner- oder Laienelement. und sie betreffen nicht die Grundlagen unserer Weltanschauung. DaS beweist wohl am besten di« Tatsache, daß die vom Arbeitsausschuß der Bereinigung vorgeschlagen« Resolution von den anwesenden liberalen Rabbinern Dr. Baeck, Dr. Seligman« und Dr. Dogelstein angenommen wurde. Bolle Einmütigkeit bestand bei den Beratungen darüber, daß daS Entscheidende. daS Schicksal unserer Gemeinschaft gestaltende Prinzip nicht Stammeszugehörigkeit oder Stammesbewußtsein, sondern ausschließlich die jüdische Religion und ihre Betätig»«« ist. Mag man einen iüdischen Stamm anerkennen. mag man StammeSbewußtsein als Fühlen eines Ä historischen Zusammenhanges fördern, mit Hermann sagen wir: »Wer mit der ganzen Glut deS Herzens mit Zittern und Beben fein Schema JiSrael betet, der, und er allein, befestigt sein jüdisches Ich unerschütterlich in Geist und Seele. Der hingegen das jüdische Selbstbewutztsein im letzten Grunde auS dem StammeSgefühl herleitet, -er geht an dem lebendigen Brunnen vorbei, der -er Jungbrunnen -eS Ewigen ist." Solche Betrachtungen führten zwangsläufig zu dem in der Resolution niedergelegten Ergebnis: «Entscheidend für die Zugehörigkeit zum Judentum ist das Bekenntnis zur jüdischen Religion und die Erfüllung ihrer Pflichten. Wer seinen Glauben wechselt, scheidet auS der iüdischen Gemeinschaft auS: wer sich zur jüdischen Religion bekennt und ihre Pflichten erfüllt, ist vollwertiges Mitglieder jüdischen Gemeinschaft." Unter dem Namen Nationaljudentum und Zionismus bergen sich heute verschiedenste Anschauungen. Sehen wir einmal von der Gruppe der Mitläufer ab. die sich zwar Zionisten nennen, deren »Zionismus" sich jedoch in der Unterstützung der Palästinasiedlung erschöpft, ohne -atz sie auS dieser Unterstützung, die sie als Hilfsaktion für die jüdische Gesamtheit werten, irgendwelche Folgerungen für die jüdische Idee und für die Lage der Juden in den Ländern außerhalb Palästinas ziehe«, sieht man von diesen Mitläufer« ab. so läßt sich als daS die verschiedenen Richtungen einigende Band feststellen: sie alle machen Stammes», Volks» oder nationale Zugehörigkeit zur Grundlage oder zum Dosen deS Judentums. Hieraus ergibt stch der Gegensatz, den der Vorsitzende -er liberalen Dereinianng kürzlich so formulierte: »Grundsätzlich ist der Unterschied der: Wir liberalen Juden verkenne« keineswegs. daß das Judentum die Schöpfung des Stammes Israel, daß eS ursprünglich vom Stamme Israel um seiner Erhaltung willen geschaffen wurde. Wir glauben jedoch, daß heute die Religion auS einer StammeSreliaion zu einer Weltreligion geworden ist, daß nicht mehr das Judentum -er Judenheit wegen da ist, sondern die Judenheit wegen deS Judentums, wogen der jüdischen Idee als solcher. Wir wollen die Judenheit, den jüdischen Stamm, erhalten als Gefäß dieser Idee, als feinen Träger. DaS Judentum ist daS Primäre: di« Judcnheit war ursprünglich -aS Primäre und ist heute zum Sekundären gegenüber dem Judentum geworden. ES ist theoretisch wohl denkbar, daß daS Judentum als Idee erhalten SlieSe, auch wenn derjenige Stamm Menschen auSstirbt. der heute fein Träger ist und wen» an seiner Stelle ein« andere Gruppe Menschen stch zum Träger dieser Idee machen würde ES ist theoretisch ausgeschlossen. daß die heute als jüdischer Stamm eristierende Gruppe von etwa 15 Millionen Menschen als Judenheit fortbestehen kann, wenn sie Re Idee, das JudenMm. von sich tut." Dieser Unterschied in -er Grmv-auffasiung deS Judentums wirb durch die Resolution klar zum Ausdruck gebracht. DaS hindert natürlich nicht, in praktischen Einzelfragen auch mit Zionisten, besonders mit religiösen, nicht gesetzeStreuen Zionisten, gemeinsame Arbeit zu leisten. Daß aber der in der Praxis -eS jüdischen Lebens immer wieder tu die Erscheinung tretende Gegensatz zwischen Liberale« und Zionisten seine Berechtigung hat, dawird durch de» Beschluß, den führende deutsche Rabbiner gemeinsam mit den so oft befehdeten »Laien" in der liberalen Bereinigung gefaßt haben, klar ausgesprochen. Luch mit dem Vorwurf. die Liberalen wollen auS dem Judentum »bloß eine Konfession" machen, macht diese Resolutton einmal Schluß. DaS bloße Bekenntnis ist noch nicht jüdische Religion. Erst wenn Religion nicht nur bekannt, sondern gelebt wird, ist sie. was sie sein soll. Darum betont der Vorstand der liberalen Bereinigung in seiner Resolution «achdrücklichst. daß die Pflichten der Religion tätig geübt werden solle«. Der religiöse Mensch hat Pflichten. Pflichten gege« sich selbst, gegen seine Familie und di« Menschen seines beruflichen Umgangs, gegen seine Glaubensgemeinschaft und gegen seinen Staat und schließlich gegenüber der ganzen Menschheit. ©o hat der Vorstand seine Stellung »um Zionismus «rneut überprüft. Die Beratungen führten zu einem Ergebnis. das eine Fortsetzung der bisherige« Stellung- »ahme, mie sie im besonderen in der Kundgebung de« liberalen Bereinigung von ISIS festgelegt ist. bedeutet. Damals hieb eS: »Die neueste Entwicklung, die der Zionismus durch den Weltkrieg genommen hat. nötigt uns zu klarer Stellungnahme gegenüber dem nationalen Judentum. Uns wäre selbst ein etwaiger, auS den Zeitnmständen zu erklärender, äußerer Erfolg des national-jüdischen Gedankens kern Beweis für seine innere Wahrheit. Eine historische Gemeinschaft der Religion zu sein und zu bleiben, ist unser Wille und Stolz. In der Hoheit seiner vettgiösen Idee und der Reinheit seiner sittlichen Forderung liegt für «ns die weltgeschichtliche Bedeutung deS Judentums. Religion und Sittlichkeit aber sind unabhängig von nationalen Schranken. I» der Zerstreuung der Juden unter die Völker erblicken wir darum kein GoluS (Verbannung), sondern ein Walten der Vorsehung zu höheren Zwecken. Der mesiianische Glaube an einen sittlichen Ausstieg der Menschheit läßt unS den Kampf um unser Recht und um unsere Geltung unter den Völkern mit ungebrochener Hoffnung weiter führen. Ist daS die Ueberzeugung. die in uns selbst lebt und für die wir auch bei der jüdischen Jugend werben «ollen, so treten wir denen nicht hinderlich in den Weg, die sich tn ihrem bisherigen Vaterland seelisch und leiblich so bedrückt fühlen, daß sie ihr Heil nur in einer neuen iüdischen Heimat tn Palästina finden zu könne« glauben Ihre Siedlung in Palästina bedeutet unS et« großes jüdisches HilfSwerk. Wir aber, die wir n« unserer religiösen Auffassung deS Judentums will«« und aus Liebe zu unserer deutschen Heimat in jede« Beziehung unS mit unserem deuttchen Vaterlande verbunden fühlen, beanspruchen daS Recht, unser Leben t« unserer Heimat nach unserem Willen zu gestatten." > Auch beute hegen wir den Wnnsch. daS Palästtnawerk 5« einem groben jüdischen HilsSweri zu gestalten, und Nicht an unS liegt eS daß der Aufbau noch immer daS De« einer Partei und nicht der jüdische» Gesamtheit ist. Go hat die Aussprache, die erforderlich wurde, zu einer erfreulichen Klärung geführt, und ganz gewiß wird die Scheidung, die die Resolution aufzeigt, eher dazu beitragem Brücken zu schlagen, als ein« Verwischung der Gegensätze dieses vermöchte. Eröffnung der simultanen pädagogischen Akademie. Die feierliche Eröffnung der so hart «mstrMenea ffimtltauen pädagogischen Akademie tn Frankfurt a. M., die in Anwesenheit der Vertreter staatlicher und städtischer Behörden stattland. gestaltete sich zu einer eindrucksvolle« Kundgebung für Gemeinschaftsgeist und GrmeinfchaftSbildung, für Duldsamkeit und neue Geistigkeit. Die Eröffnungsrede hielt der Preußische Kultusminister Profeffor Dr. Becker. Er sagte u. a.: Nach langen Erörterungen hatte im Vorjahre der Landtag die Begründung einer simultanen Akademie auf christlicher Basis in Frankfurt beschloffen. Daun war von einer großen Partei die VerfassungSmStzigkeit dieses Beschlusses angezweifelt worden, und der StaatSgerichtShvf hatte ausdrücklich bestätigen müssen. -atz die preußische Regierung verfassungsmäßig berechtigt sei. eiue^kimnltan« Lehrerbildungsakademie zu begründen. Dann erfolgte -Hs« Ablehnung der Mitarbeit an -ec Akademie durch das Episkopat. Trotzdem hat Ser Landtag die Regierungsvorlage angenommen. In Frankfurt also wird daS Experiment der simultanen Lehrerbtlduna gemacht werben. — Der Minister sprach dann von der Notwendigkeit der Schaffung eines Reichs fch ulgesetzes. daS alle Teile befriedigen könne unter der Voraussetzung, daß jeder Teil darauf verzichtet, bem anderen feine Meinung aufzwtngen zu wollen. Eines sieht dabet fest: alle Schultypen werde« der staatlichen Arrf^ sicht unterstehen, die Wiederkehr einer mittelalterliche« Kirchenschnle oder der kirchlichen konfessionellen Schulaufsicht der Vorkriegszeit ist ausgeschlossen. Der simultane Gedanke tn brüderlicher Zusammenarbeit ist ein so grober unhehrer Gedanke, baß er sich auf die Dauer durchsetzen wird-. Der Minister schloß mit einem Appell an die Dozenten der Akademie: Die Frage der Frankfurter Akademie sei durch echte Sorgen und roch mehr durch Partetlaktik ins politische Fahrwasier geraten: die Lehrer müßten sie wieder zu dem mache», was sie ihrem Wesen nach sei» wird und Voranzeige? Demnächst erscheinen als Broschüre die in Nr. 16 der Jüdisch-liberalen Zeitung veröffentlichten Palästina- Vorträge von Dr, Bruno Weil, Berlin von Staatsrat Dr. Cohn-Dessau Voraussichtlicher Preis Mark 0.80 Taib—nTlnnirn können schon jetet erfolgen heim Philo-Verlag und Buchhandlung 6. m. b. H., Berlin SW 68, Llndanstraßn 13 ► ► ► ► t ► ► Leipslgar Strassa JUexantforplats Prankfairtar AHoe Wilmorsdorffor Strassa e Brunnenstrassa e (hausseastrasse illige Ocher Fteetauflageit Heuawgebra Berühmte Romane der Weltliteratur u.a. nmmin*u»iMwmHHim<tmiwtwi»»TO<H«mwMmmniiwuiniwnm«iitwHnmniuwrttiwwwiiu>mmtHwiiiwwwwwMHm>^n,iwinwiiiiuiiuiiwinuiwwHwmnwimiwiiwitimwwtBinHHwuiiimiiiiiiiiiiiiiiiiii'iiiiiiiii(m In MtocMR HallilnlnnnMindnna Out« Auswahl und Bnurhuttung, klarer Druck Jsclsf Bund Alexis, Bis Hoaoa Cts Hem ▼ es Bredow. Artrtfisaskew, Seesla» Asesfeseb. Berits ael* Belass, Dis HO niUnlstit Oeaehlebtes. neseassls, Deeiseiei. BiMlmfel, Fried «nana Baal. Baiwar. Bis letataa Tees vea Pompeji Balwsr, Bl e aal. Casaaees, A k s ■ t ei et Caaper, Der rete fretkeitefc rnrt*. dtttlteka KtatiU Blsksas, David Copperfield. Jtaetetfewakl, in aiaarn Totem« lass BesteJeweM, Der Bplsler u DwUfmU, Baakelaikev. Baaeas,Oraf vea Beate Ohrtete« SBaeketiere-Eerrder'Welt- Die Tateakaad - SO Jakre aaehher - Lady Bamiltea- Dia Dame mit Kamelle* - Joaef Balsame - Pall Cie« arnteia Bemas, Mepoleoa Boaaparte- Srltla Oharap. Ptaahert» Madame Fiuhert. Bitaaba Trampele, Die letale Baeftealargeria. BPaptar» Iaf e aad Xafralsi - Das Beat dar Saaakdalr*- Dis Brldsr vorn Deiteefcas Baaae - Mareaa KOaiff - Die aaafcviatsr -Ata elaer kleiaea Stadt SaiiMw, Dis BefiUtarsm UerstMkesv Bold, nasal» Dis tetaa Seele* Uartrl, XoietereratlUafen Hahbertea, Balaaa Blader« ekea am WasMSmdaa» lareptlaehea BkUriilibet (Va,). ■eaffi Liohtesateia. Haue. Dia Blendern Haie Olftekner v. Netra Seme. Jaeebeem, Ml ela Lphaa Melle*, Lta^e reo Soldwpl«. KeUev, Marita Balaadaa Kelle«, Zfirlaher Korallen. KBmema.fafettderlaaeraagea. imaSsa, Beftbrliake Lieh- ekaften. IaesriSf. BBata Betliam inesrlW, Jeraaaleaa laMB Xvlaakea Nimmst aad Brda, ■anjra*, Der »iiereade Bellte der. K—pasaaai Der sekftae Beer». MetaBeH, DloKl oatorhoaofla.). 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