Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 20 (20.5.1927)
- Date
- 1927-05-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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-er Zeitereignisse und -er MeinHerrschaft -er wirtschaftlichen Funktionen -«morden ist, -esto stärker ist die Empfindung. -ah nicht alles mit dem verstände er, klärt werden kann, -ah das Innere -er Dinge eine tm* endliche irrationale Liefe hat, etwas Geheimnisvolles, da» erfühlt wenden mutz. Es ist -ine neue, gesunde Romani«, -ie uns in die feinsten, oft unentwirrbare« Fäden -er Seel« hineinführt und auch in der Hvrache «ns diesen neuen Geist erleben lasse« will. Ru« dieser Richtung ist die im Erscheinen begriffene Verdeutsch««- -er Schrift zu erklären, die Martin Buber und Franz R-s-n^veia unternommen baden. 4. Dirvmantische Uebersetzung lVuLer-Rosenzwel-). Die neue, vvn zwei für jüdische Wesensart heget» sterten und tätigen jüdischen Menschen geschaffene Uebertzaanüg soll «ns dag Wesen und Wirken altjüdi, scheu GeffteS durch eine innerliche Analeichnna des deutschen an das hebräische Sprachgefühl vermitteln. Dazu reicht de, gangbare deutsche Wortschatz nicht aus. ES müssen neue Wortbildungen, Worddtlder mit rrner* härter Sprachkunst gemalt werden, um den Bildreichtum und dar Konkrete des hebräischen Sprachempfindens zu treffen. Das Abstrakte liegt dem Altertum nicht. Begriffe werden zu Sinnbilder« und erscheinen in gleichsam plastischer Sichtbarkeit. Und daun werde« va« BuLer und Rofenzweia Worte wieder in die deutsch, Sprache eingesetzt, die ihr einst angehört mrd allmählich ihre Geltung in der Entwicklung der Sprache verkoeen oder ihren ursprünglichen Sinn und Klang eingobützt HM«. Aus Le« Klang, auf die Musik der Sprache kommt es ihnen an. Hier erscheint eine Gewalt des Ausdrucks, die nur eine großartige Kmnpofftion der Tonkunst in uns hervorbringt. Man lese arm Anfang: «Und die Erde war Wirrnis und / Finsternis allüber Abgrund. I Braus Gottes ft allüber den Wassern." yfter Jakobs Segen an Rüben: „Rüben. * mein Erstling du. / meine Kraft, meiner Mannheit Anfang! i Ragende Würde, ragende Macht! I Ueberschwall wie Wassers / ragest nimmer!" Oder endlich das Wort des Siegesliedes, das in unseren Gebeten wiederkehrt (mi chornauchos: Wer gleicht dir / unter den Göttern. Du, / wer gleicht dir, i Hehrer in der Heiligkeit. / Furchtbarer der Preisungen, / der Entrückten Täter!" Ist diese Uebersetzuna geeignet, unser moderne- Sprachempfinden zu befriedigen? Gibt sie unS den Sinn de- Originals so wieder, daß auch der des Hchräischen Unkundige ihn versteht? Must nicht wiederum der Kenner der heiligen Sprache mit fragender Verwunderung über so manchen deutschen Ausdruck verständnislos beiseite stehen? Für einen kleinen Kreis von Auserwählten ist diese Uebersetzung geschaffen, dem deutschen Juden kann sie kaum in großem Ausmaß den neuen Zugang zu unserer alten heiligen Schrift ebnen und erleichtern. Wie unser drittes Zitat zeigte, wirft der vierbuchstabtge Gyttesname durch das persönliche Fürwort bezeichnet, um die göttliche All» Persönlichkeit auszudrücken. Dann erscheint etwa -adritte Wort der Zehn Gebote in formender Fassung: „Trage nicht / Seinen deines Gottes Namen / aus den Wahn, / denn nicht sreißpricht Er ihn,! der seinen Namen trägt auf den Wahn." Wenn die hebräische Wendung „reach nichauach" sliedlicher Duft), die bei den Opfern iBuber-Rysenzweig) „DcrrnaHunpen") so oft wiederkehrt, mit Much des Geruhen-" Übertragen wird, so ist die Klangmalerei ins Gegenteil verkehrt, da der hebräische Ausdruck nur helle Vokale als Zeichen freudigen Wohlgefallens bat, unsere Uebersetzung aber dumpfe Saute gibt, die kein Entzücken bezeichnen. Eigenartig wirkt die Uebersetzung des SchausädenaeLoteS: „sie sollen sich ein Fransengeblätter machen am die Zipfel ihrer Kleider, für ihre Geschlechter, und sollen an das Zipselgeblätter einen hyazinthenen Faden geben, so seis euch zu einem Blattmal." Da wir im Rahmen dieses Aussatzes uns nicht ausführlicher mit dieser Uebersetzung beschäftigen können, wollen wir unser Urteil dahin zusammenfassen: Einzelnes und das ist nicht wenig, ist nach Inhalt und Form mit Meisterschaft und in Harmonie mit dem deutschen und hebräischen Sprachgefühl gelungen. Im ganzen aber ist viel Gewaltsamkeit hei dieser Sprachgewolt, das deutsche Mittelalter mit seiner Unfrohheit steigt mehr in uns aus als das sinnensrohe jüdische Altertum, die Sonne Palästinas verbreitet Ln dieser Uebertraguna nicht ihren glänzenden und wärmenden Schein. Die Bibel ist nun einmal, ebenso wie das Judentum, trotz allen SebenSernstes ein innerlich heiteres Buch, und sie wird uns erst durch den Genius wieder ganz in Leben und Seele verwandelt werden, der alten und neuen jüdischen Geist und seine Sprache erfühlt, versteht und offenbart durch Begreifen des modernen Lebens, seiner Seele und seiner Sprache. Forderungen. % sind wir nach einer raschen Wanderung durch bei unserem Aus,; zwei Jahriauseiche bei unserem Ausamvgspryiblem wieder angelangt. Die Geschichte der Bivelübersetzungen hat die Grundfrage nach der Möglichkeit einer vollkommenen Uebertragunq verstärkt. Bei allem Segen, den die bisherigen Uebersetzungen verbreitet haben, sind wir uns der Unbesrieöigung über die voMrachten Leistungen noch schärfer bewußt. Und doch ist «S ein treffendes Urteil GoetheS: «ES liegt in der deutschen Natur, alles Ausländische in seiner Art zu würdigen und sich fremder Eigentümlichkeit zu bequemen. Dieses und die große Fügsamkeit unserer Sprache macht denn -ie deutschen Uebersetzungen durchaus treu und vollkommen." Die besonderen Schwierigkeiten einer modernen deutschen Bibelübersetzung finden wir zunächst in -er völligen Verschiedenheit de» hebräischen und deutschen SprachgeisteS, die noch gesteigert wirb durch die Tatsache, -atz -ei -er Bibel das Hemäifche zum Teil in -er ersten, zualeich klassischen Entwicklung, das heutige deutsche Gprachgut im Bau, Laut und Ton da- VrsebniS einer langen Werdenist. Allerdings ist auch dt« biblische Literatur innerhalb eines Zeitraums von tausend Jahren entstanden, fio -atz der Uebersetzer, rvie -er Sprachforscher auch mit der Entwicklung der Sprache des Originals selbst rechne« must. Dazu »mmt die Mannigfaltigkeit der einzelnen Teile der eiligen Schrift: Geschichtsschreibung, der vratorische sttl der Propheten, epische und lyrische Dichtung, die stische Spvachfvrm der Gesetze. Alletzteunter Versammlungskalender Verltu-Ryp-e«. Morale Suuagoae Narbe» st« Auerbachfche« Watte«, ha«K. Gchöahauler Mlee 16«; Sotte-dieust; Waiiag. -«» -v. Mai, abev--7.1ä Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Gala« «ouili. Sonuabrud, den St Mai. vormittags 1tthr. Bre-lan.Aegiritz Do»«erStaa. d«r rll Mai lHirn«r«lfaSrti: Trefsaftrt des LiUMtzer «ud -e- Breslauer Ist «ach Kalstch sWeftcherg —OderWald—LenbnSi. i»S' PÄ BMS? M‘Ä«SS 8,55 Uhr. Für BreSka*: Mfa-rt Hbf. 7,47 Uhr; Treffv««kt 7,15 Uhr vor Hm Roröhotel. Sö»«<ag-sahrkarte s. Klasse «ach Moltsch 11.00 M s selbst l-iex. MrmW Lndchig Freund, Äendorffstr. -7; Kernivr.: Stephan SSV». Zahlreiche Betesiia»«» der Mitglieder erwünscht. Gäste -ei beide« Bercineu herzlich willkommen. Hlberfevd. DienSta«. de« ht Mai 18-7, abend» Uhr. i« Hotel „Hände lshoss'. Neustrabe. „DqS Verhältnis -ejüdisch, religiöse« Liberalismus zum Rationaliudentnm*. Stete, reuten: 1 George Goetz lBerliuj. Generalsekretär der Per, einianng für daS liberale Andentn« e. B.r l. Rabbiner Dr. Norde« IScherteld). Ankchsteßend Auskprache. Frankfurt a. M. Jüdisch-liberalc Jugsrr-gemeinschaft: Dien-tag, de« rs. Wa^ 1927. aven-S 8 v, Uhr, im Sitzungszimmer -er Synagoge Königsteiner Str. Rituelle Tagessrage«. Anregungen. Wünsche. Sommerprogramm. diesen gleichsam formalen Elementen, das aber den tiefsten Gehalt der Sprache zur Erscheinung bringt, erscheint „die Naivität im Stil der Bibel" sCohen) im Gegensatz zum Raffinement der AnSdruckSsorm in -en modernen Sprachen, die unvergleichliche Unmittelbarkeit und Frische, die Natürlichkeit und Bildhaftigkeit der alten hebräischen Sprache im Gegensatz zur verstandesmästigen Abstraktheit uriH Kompliziertheit der jetzigen deutschen Sprache. WaS wir im ganzen weinen, hat Fritz Mauthner überaus scharf mit folgenden Worten charakterisiert: „Die Uebersetzung dealte« Testaments der Juden in- Griechische, die Septuaginta, und Luthers deutsche Bibelübersetzung mögen eine unmeßbare Wirkung auSgeiibt haben, Luther- Werk besonders mag als die Tat eines Sprach^ewalti-en bewunöerunaSwüröis fein, ein restloser, to auch nur ein ruhiger Uebergang vyn der eine« Sprache in die andere ist nicht vorhanden. Die Diskrepanz der Seelensituatwnen bei den Juden einerseits, bei den Griechen, bei den Deutschen anderseits ist zu stark. In diesem Falle wird die Unmöglichkeit der Uebersetzung nicht ganz klar, weil eine herrschende Religion die Unmöglichkeiten siegreich verteidigt hat.^ In der Tat müssen wir sagen, daß das Christentum den Geist der Bibel zum Sie^e geführt!>at, freilich so. wie es von seiner Grundanschauung aus diesen Geist verstanden und auLaelegt hat. Und hier sind wir an der wurzelhaften Schwierigkeit der BibelWersetzung, woraus Hernrann Cohen in prägnanter, tiefsinniger Art bereits hingewiesen hat. Der christliche Sinn sei in wichtigen religiösen Urgedanken ein anderer als der jüdische. Wir brauchten nirr an Begriffe wie Erlösung und einziger Gott, an Bilder wir Hirt oder Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, zu Lenken. Die Bibel ist eben in den allgemeinen Kulturgeist in christlicher Färbung eingegangen^ Die ideale Ausgabe und Forderung ist naturgemäß, jüdisches Gedankengut im Geiste des Judentums zu sehen und zu tGertragen. Jede künftige deutsche Uebersetzung wird diesem Ziel gerecht werden oder wenigstens den Versuch zur Vollendung dieser Aufgabe machen müssen. Eine Arbeit freilich ist hier auferlegt, die, schon um die sprachlichen Schrvierrgkeiten zu überwinden, die 5krast eines einzelnen Menschen weit übersteigt. Jede Zeit hat auch ihre Übersetzungen, und so wird die deutsche Bibelübersetzung einer hoffentlich nahen Zukunft die gesicherten Ergebnisse der Sprachwissenschaft und Bilbelforschuna, der altfüöischen Geistes- und Kulturgeschichte und der Entwicklung der religiösen Gedanken vereinigen müssen mit einer treuen Mchempkindung und Nachbildung de- Originals in Klang, Ausdruck und Rhythmus, Dann wird eine neue Epoche moderner jüdischer Religiosität anbreche^ Rabbiner Dr. Löw enstamm-Spandau. Der Numerus clausus in Ungarn bleibt. Im Rahmen der Beratung des Kultus- «nd Unterrichtsbudgets kam eS in der vergangene« Woche t« Abgeordnete», haus nach längerer Zeit wieder einmal »v einer Auseinandersetzung über den ftlumoru» clausii», dessen Abbau der Minifteroräsident und der Kultusminister zwar schon wiederholt in Aussicht gestellt habe«, für dessen tatsächlichen Abbau ste iedoch bisher noch keinerlei Schritte unternahmen. Abg. Fabian führte in längerer Rebe den Nachweis, daß da» Weiterbestehen des ftlumaru, eUuau« nur vor» Dille» der Regierung abhänge. ES müffe endlich mit der Legende auf, geräumt werden, daß Graf Bethlen Len I^umeru, eiLneug aufgeben möchte, nur könne er öteS. wie er Vebaupte. derzeit nicht tun. Do, einigen Monate«, zur Zeit der Wahle», höbe man die Abfchaffuno zum Zwecke de» WählerfangeS versorochen. heute wolle aber niemand etwas davon wissen, vbg. Fabian reichte einen Befchlußantrag ,ht. der MeichStag möge auSsprechen. bab der dlumerus elausus. der von Rassen und nicht von Kontesstone» lvrickt. kür die Mttatteber der israelitischen Konfefiron alS ungültig erklärt werde. Am Schlüsse der Yudgelberatung kam ed zu einer Ab. stimmunq über das Numeros elausns-Gefeü. die. wie bei der im ungarische» Parlament herrschenden Stimmun« z« n« warten war, zugunsten der vetbebaltuns de» Gesetzes auSfiel. Die Rückwanderung aus Palästina, Jerusalem. 16. Mai lJ. T. A.). Erst fetzt werden di« Zahlen der Li«, und Auswanderung t« Palästina für den Monat März bekannt. Danach kamen im Derianf« deS März 238 Juden i»S Land: gleichzeitig wanderten 688 Jude» aus. Im Februar zählte man 226 Einwanderer gegen 829 Auswanderer, darunter 380 Juden. Im Januar IM «änderten 181 Juden ei« und 586 auS. Der revisionistische Sturm gegen die zionistische Leitung. Eine intoreffante ZnstiMU»»^ Palästina»,,tra- Der gm kV. August in Basel beginnende 15. Zionisten» kongreß, auf üsm es voxavsstchtlich zu einer entschei-eude» Luseinauderietzung »wische» den verschiedenen Richtungen im Zionismus. stesonoerS i« de» Fragen der Jewifh Agene«, »er Außenpolitik und deS neuen WirtschaftSprogrammS t« Palästina kommen wird, wirft schon jetzt seine Schatten vorn aas. Der Auftakt zur Auseinandersetzung im Hinblick aus die hevorftehtznoe« siougretzwahlen geschah in Berlin, wo gegenwärtig führende zionistische Persönlichkeiten aye» zionistischen Richtungen weilen. Am Montag, den 18. Mai, fand in oen Sophiensälen im Norden Berlins, eine von Le« radikalen Zionisten arrangierte Versammlung statt, in der Sejmdeputierter Iizchak Grünbaum. Warschau, der Haupt, redner war. Am Dienstag, den 17. Mat. wurde im Weste« Berlins, im Logenhaus Kleiftstrahe. eine von der Berliner Zionistischen Vereinigung arrangierte Versammlung abge, halten, in der der bekannte Orientschriftsteller Dr. v. DeiSl» ei« Führer der Zionisten-Revisionisten, sprach. In beide« Versammlungen traten als Diskussionsredner aus die sütz, renöen Persönlichkeiten im Zionismus, der Präsident der Z. B. f. D., Herr Kurt Blumenfeld. Dr. Btleski und Dr. Förder, die die Weizmannsche Richtung verträte«. W. Jabotinsky und Richard Lichtheim von der Partei der Zionisten-Revisionisten, Dr. M. Solowesischik «nd Dr. Nabum Goldman», der Führer der radikalen Zionisteru In beiden Versammlungen platzten die Meinungen scharf aufeinander, die Stimmung war oft sehr erregt. In der Versammlung im Logenhaus sprach Dr. v. Weis» über daS Thema „Zionistenko»mretz und Parlamentarismus". Er stellte eine wachsende Desorganisation der Bewegung fest. Böser als die Krise der Arbeit und der Wirtschaft in Palästina ist die Krise deS Vertrauens in die Leitung. für Grundlage seiner Ausführungen machte Dr. v. WeiSl ie sechs von Dr. Weil, in dem von uns veröffentlichten Reisebericht angeführten Punkte. Er erkannte den Willen zur Objektivität und den vornehmen Ton in den Ausführungen von Dr. Weil an und fügte hinzu, man könnte versucht sein, anzunehmen, datz die Ausführungen Dr. WetlS den revisionistischen zionistischen Blättern entnommen ftien, müßte man nicht, datz Dr. Weil und Staatsrat Dr. Cohn in der Tat ihre Reise nach Palästina unternommen haben. Dr. v. WeiSl schloß seine Ausführungen mit der nochmaligen Betonung, daß die von Dr. Weil erhobenen Borwürfe nach seiner Meinung tatsächlich zuträfen. Freilich gingen nach seiner revisionistischen Weltanschauung die Ausführungen von Dr. Weil zum Teil insofern von falschen Voraussetzungen aus, als sie nicht den Zionismus angreifen. sondern die gegenwärtige Leitung, die Wirsichast und die Geldverwaltung in Palästina, die die schärfste Kritik heransfordern müssen. * . Ist der sehr lebhaft verlaufenen Diskussion vertraten Jabotinsky. Lichtheim, Goldmann, Soloweitschik den Stan!^ vunkt des Redners, daß der Wechsel des Systems unbedingt einen Wechsel der Personen nach sich ziehen müsse. Zum Schluß der Diskussion sprach vlumenfeld. der vielfach durch Zurufe unterbrochen wurde. Ein großer Teil der Remsionisten verließ spontan den Saal. Blumenseld erklärte er bekämpfe den reinen Machtgedanken. Für Palästina fti hie Idee immer noch die beste Wahl. Er^wenhet' sichern scharfen und erregten Worten gegen Dr. Weist, der durch seine Privataefpräche mit Dr. Weil und die hier vorgetragene Zustimmung zu den Weil'schen Ansichten Mangel an polttischen Instinkt beweise. In unseren Kämpfen, sagt Bsumenfeld. gibt es nur eine Front unh nur einen Gegner. Nämlich die NiKtzionisten. w Ä . In seinem Schlußwort erklärte Dr. WeiSl, alle» was er Dr. Weil gegenüber erklärt habe, entspricht seiner innersten Ueherzeuguna« „Der Feind hat die Schwächen gesehen und die Wahrheit gesagt." ES ist falsch, jetzt Berhüllungstaktck zu treiben. Offenes Bekenntnis der Fehler und der Versuch sie zu bessern bedeutet mehr, als Verhüllungstaktik. ES handelt sich für die Richtungen im Zionismus nicht um WeltanschauungSfragen. sondern um Wirtschastssragen. ES wird keine kleine Aufgabe sein, tn Palästina das Erbe eines verrotteten Systems zu übernehmen. Segen IK Uhr nachts wurde die Versammlung geschlossen. _ Religionskreis, nicht Religionsunterricht. Bon Rabbiner Dr. Gottschalk. Frankfurt a. M. Die erneute Beschäftigung mit Pestülvzzi kann Beranlassung geben, auch unsere religiöse Unterrichtslase wieder einmal grundsätzlich zu überprüfen. Wo ist denn bezüglich deS allgemeinen Unterricht- Pestalozzi — im tiefsten Sinne — heute wirklich er* fttlltk Allenfalls in gewissen Familkenfchulen bekannter Reformer: aber auch da nicht restlos, da eS sich ja Mer nur um eine Angelegenheit für Begüterte hanmlt. Ueberav «ftc, — und so ist eS doch zu mvist — wo dieses N »H e nfystem. Schule genannt, besteht, ist Pestalozzis Wort unßchört geblieben. Alle neuen Versuche könne» eS nicht zuwege bringen, baß in einem solchen System die mütterliche Erziehung Platz greise. Alle neuen Schlagworte beseitigen die Uebel nichr, die mit diesem System verbunden sein müssen. Masse verleitet und zwingt zur Massenbehandlung, züchtet den Massengeist, ertötet die besten Vorsätze gemütsvoller Lehrer. Masse wirkt sich immer wieder unheilvoll in der Schülerschar ans: hemmt die Begabten, behindert die Schwachen, reizt die Verführer, verdirbt Moral und Charakter. Nichts hat sich daran geändert. Und so lange man nicht einsieht. daß Ster ungeheuer wichtige »nd wuchtige Zusammenhänge zwischen Schule und Menschheit nur den Charakter der Schule wiberspiegeln, so lange nicht eine pädagogische und soziale Revolution dieses System zerschlägt und zu Pestalozzi zurüökehrt oder genauer ihm Wirklichkeit verleiht, so lange nicht an Stelle de» Schulunterrichts der SchulkretS tritt, der an der Hand des Lehens und der Seele der Kinder, nicht bloß des Kindes, in luftigen Räume« mit Parkv «nd Werkstatt, mit Bühne und Kino, mit Wald und Garten und einer Wohngemeinschaft sogar erst mirklich eine -Schule de- Lebens" sein würde, so lange nur Systeme de» Massensystems oft weltliche Schule oder nickt? Simultan- oder Konfessionsschule? — umstritten werde», so lange Geldfragen über Geist und Seele entscheiden, so lange hat Pestalozzi umsonst geredet und entbehren Schulkinder ihrer Schul-Mntter, die sich im Lehrer »errhrpern soll. Bedarf eS hier aber gewaltiger Erschütterungen, um wirklich grundsätzlich Neu»S §U schaffe», so ließe sich mit viel weniger Err«g«ng die Anwendung aus unseren ReligionSunterricht machen. Fst doch von allen Fächern, die unter dem geschilderten System Not leiden, die Religion am meisten gefährdet, jede und so auch die mrserige. ES bedarf keiner nähere« Begründung hierfür. Ader das rpuß