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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-05-13 · 19 (13.5.1927) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
19 (13.5.1927)
Date
1927-05-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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AUF ALLE FALLE Halb so teuer wie andere gleichwertige Tafelwasser. Äntlich empfohlen bei Zucker- Nieren,-Maqen,-Darm-und Stoffwechsel* Krankheiten DEUTSCHE MINERALQUELLEN A.-L JÄGERSTR.6 MERKUR' 4664/4666 HARTWIG-QUELLE Ausserdem vorrätiq in allen einschläqiqen Geschähen u.allen verka ufsstellen d*l.l>ech A-L tfrael. Prof. Dr. Eugen Mittwoch und Landgerichtsdirektvr >r. I- Stern. > - In Uebereinstimung mit bereits früher gefaßten Verschlüssen wurden Grundlinien für die Arbeit des Hilfsvereins in R n ß l a n d aufgestellt, und es wurden Anregungen für eine Beteiligung am H i lf s w er k für -hie in Deutschland befindlichen r u ss i sch-- j ü d i s che it Flüchtlinge gegeben. Des weiteren wurde prinzipiell beschlossen, eine Hilfstätigkeit im Orient im Rahmen der zur Verfügung stehenden Mittel aufzunehmen. Zu der obigen Mitteilung erfährt der Jta-Vertreter weiter, daß die Absicht besteht, in die geplante neue Orientarbeit Palästina mit einzuschlietzen. ' Berit«. (K a n to r e n s o r tb i l d u n g s t u r s u s.j In 'der Zeit vom 4. bis 28. Juli findet in Berlin ein Kantorcn- Fortbildungskursus statt. Im Lehrplan sind alle einschlägigen Fächer des Kantorats vorgesehen. Das Dozentenkollegtum besteht aus den Rabbinern Dr. Bergmann und Dr. Löwenthal sowie dem Musikhistoriker Dr. Leichtentritt. Die fachliche Fortbildung haben wieder die Oberkantoren Davidsohn und Asch übernommen. Der Unterricht ist unentgeltlich und findet an den sechs Wochentagen in den Vormittagsstunden statt. Den Teilnehmern wird nach Maßgabe der verfügbaren Mittel Reise- und Aufenthaltszuschuß gewährt. Meldungen sind bis spätestens 10. Juni an Oberkantvr Davidsohn, Berlin W15. Knesebeckstr. 4:1/44, zu senden. Spätere Meldungen können nicht mehr berücksichtigt werden. Berlin. (50. Geburtstag.) Am Freitag, den 13. Mai, begeht die Abgeordnete zum Preußischen Landtag. Frau Dr. Gertrud Klausner, ihren 50. Geburtstag. Frau Dr. Klausner ist die Tochter des verstorbenen führenden jüdischen Publizisten Deutschlands, M. A. Klausner. Sie ist seit Jahren Schriftführerin des Demokratischen Franen-Arbeitsansschusses. Danzig. (Bes e u u g d c s R a b Ü i n a t s.) Zinn Nachfolger des verstorbenen Rabbiners Dr. Kälter ist Rabbiner Dr. Kronheim in Bielefeld gewählt worden. Wie wir hören, wird Rabbiner Dr. Kronheim der ehrenvollen Berufung Folge leisten. Frankfurt. (D c r ,.R atliciiaucau nt".) Das Frankfurter Staedelsche Kunstinstitut birgt als neuen Schah zwölf Bilder, die die Mutter Rathcnaus der bekannten Gemäldesammlung vermacht hat. Ihrem letzten Willen folgend sind sämtliche Gemälde in einem besonderen Raum uirtergebracht worden. Bon deutschen Malern ist der jüngere Liebermann mit „Arbeiter am Webst,thl", und Mar Älinger mit den: „Bildnis einer Dame aut dem Dache eines römischen Hauses" vertreten. Ausländische Namen von gleichem Klang reihen M. Melcher. Manet. Zulogga. tzvenepoel. Amand-Jcan. f. Buillard. Sassoferrato und andere mehr findet mau er hochherzigen Stiftung. Das größte Interesse wird aber zweifellos das „Selbstbildnis Ralüenaus" beanspruchen, das im Geaensatz zu der Habnschen Büste mehr den Arbeiter und Schaffer als den Philosovhen und Denker Rathenau zeigt. Nicht ohne tieferen Sinn hat man den „Rathenauraum", der seinen Namen nach einem Manne trägt, der früher als andere Grundwerte und 'Gesetze seiner Zeit erkannte, dicht neben dem Saal der jüngsten und mvdernsteil unserer Maler gewählt. Königsberg. (W a h l p r o t e st gegen die R e p r a f e utantenw ahl.) Gegen die Wahl der auf die Dauer von drei Jahren gewählten Repräsentanten, die aus der Liste des Großblocks lOrthvdoxe. Gemeinde vereinigte Mittelparteiler. Chassiden. Zionisten sowie Liberale) gewählt wurden, haben Mitglieder der jüdisch-religiösen MittelpartZ Protest beim Regierungspräsidenten eingelegt. Der Protest stützt sich darauf, daß er die am 20. März erfolgte Wahlhandlung der auf die Dauer von drei Jahren nnd auf die von sechs Jahren zu wählenden beanstandeten Repräsentanten, bei der bekanntlich zwei Listen für ungültig erklärt wurden, als einen Wahlgang ansieht. Der WahUeitcr dagegen steht auf dem Standpunkt, daß es sich um zwei selbständige Wahlgänge handelt, bei denen seitens der Vorschlagsliste der jüdischen Mittelpartn die Vorschriften der Wahlordnung nicht erfüllt waren. (Mit diesem Vorgehen gibt die Mittel-Partei eine neue Illustration ihrer Parole „Für Frieden und Einheit in den Gemeinden". Die Redaktion.) Magdeburg. (Das Jüdische Wochenblatt ^i m Dienste der Gemeinde.) Das Jüdische Wochenblatt in» Magdeburg und Umgegend hat an die in Magdeburg bestehenden jüdischen Organisationen eine Umfrage gerichtet, deren Antworten in der letzten Nummer veröffentlicht wurden. Unter anderem heißt es da: Jüdisch-liberaler I u g e n d b u n d ,.H e i m a t". Diese drei Worte, die znsammengettommen den offiziellen Bereinsnamen des Magdeburger „Jli" ergeben, umfassen eigentlich Programm. Zweck und Ziel unseres Vereins, geben tvieder, was wir sind bzw. erreichen wollen. Zuerst Jugeudbunb. d. h. wir sind eine Gemeinschaft von jungen jüdischen Menschen, die. wie das Wort „südtsch-libe ral" sagt, sich dazu bekenne», daß auch die Religion als eine Kulturerscheinung den Gesetzen der Entwicklung unterworfen ist. und für die die Verbundenheit mit deutscher Kvltvr — Heimat — eine Selbstverständlichkeit ist. Auf diesem Boden stehend wolle» wir durch eine gemeinfame Arbeit ein gewisses Gefühl der Zusammengehörigkeit erwecken und in Diskussionen. Vorträgen und Feiern uns bemühen, die ethischen Werte unseres Judentums zu erfassen. seine Formen und Gebräuche schätzen zn lernen und endlich auch moderne jüdische Probleme uns nahe zu bringen und dazu Stellung zu nehmen. Hierbei wollen wir uns gleichzeitig erziehen — und bas müssen wir. sonst wäre unsere Arbeit Schädigung am Judentum — diese wichtigen Fragen immer in einer mit dem Geiste des Judentums zn vereinbarenden Weise zu behandeln. Denn auch das gehört mit dazu, wenn wir unser letztes Ziel erreichen wollen, nämlich durch diese, unmittelbare Berührung und Beschäftigung mit dem Judentum zu nützlichen und'brauchbaren Gliedern unserer Gemeinschaft, oder enger gefaßt, einer jeden jüdischen Gemeinde zu werden. Die V e x e t n i g u u g für das L i b e r a l e I u d c n 1 u m e. V. hat den Zweck einer Förderung des liberalen Judentums. Wir wollen die von der Vorsehung bestimmte Ausgabe Israels, seine Religion in ihrer Reinheit zu bewahren und zn verkünden, durch die lebendige Kraft des Beispiels und der Hingabe bezeugen. Wir stellen bei voller Würdigung der ewigen Wahrheiten und sitilicheu Grundgebote unserer geschichtlichen Religion auf dem Standpunkt der Anerkenung einer fortschreitenden Entwicklung. Das liberale Judentum verlangt religiöses Empfinden, es ver wirft aber die Bewertung der Frömmigkeit nach dem Maß der äußeren Uebungen: wertvoll ist für uns die Kraft des einzelnen, fromme Gesinnung hervvrzurnfen und Liebe für die Heimat zu erwecken. Die Magdeburger Ortsgruppe im besonderen unterstützt die liberalen Jugendorganisationen und sucht durch Vorträge und Anregungen liberale Anschauungen zu pflegen. Für eine liberale Gemrfndeyolitik einzutreten, nnh hei Gemeinde, wählen im Sinne des liberalen Judentums Einfluß zu nehmen, sind die Aufgaben unserer liberalen Ortsgruppe. So hoffen wir die überlieferte Religion mit dem Denken und Fühlen und mit den Lebensmöglichkeiten auszugleicheu. und glauben damit, die religiöse Teilnahmslosigkeit und Entfremdung vom Judentum zu überwinden und die durch Jahrtausende bewährte Treue den kommenden Geschlechtern zu erwerben. Plauer». M. G e öu rtsta g.j Unter dein Anteil unserer ganze»! Gemeinde feierte die überaus verdienstvolle. 1. Vorsitzende des Israelitischen Franenvereins. Frau Her- Mine Löwenthal, ihren 60. Geburtstag. Tie tatkräftige Fra»! entfaltet eine aufopfernde charitaiive Tätigkeit unter unseren Hilfsbedürftigen und wird namentlich »ton unseren Ostfndeu »pie eine Gemein demntter geliebt und verehrt. Aber auch unter den Andersgläubigen wird sie ob ihres sozialen Wirkens sehr geschätzt. Würzburg (T ay u ng der G ro ß - Gemeinde ul. Die Konferenz der lüdischen Grotzgemeinden Deutschlands, die von Zeit zu Zeit znsaimnentritt. um Erfahrungen auszutanfcken. ist für den 15. Mai nach Würzburg berufe» worden. An dieser Konferenz nehmen die Vertreter aller deutschen Großgemcinden »vie Berlin, Frankfurt a. M.. Hamburg. Köln, München. Königsberg usm. teil. Die Konferenz ist insofern diesmal von besonderem Interesse, als eine Woche später die Vertreter der Landesverbä»de in Dresden zur Prüfung der Möglichkeiten eines Reichsverbanües znianunelitreten werden, und weil anznuehmeu ist. daß bei der Wür?.burger Zusammenkunft die Frage des Reichsverbandes zum .mindesten - inoffiziell Gegenstand d'r Aussprache bilden wird. Wie der IH-Bertreter erfährt, sind Aussichten dafür vorhanden, daß die süddeutschen Lande?» verbände in Dresden den norddeutschen Wünschen auf stärkere demokratische Ausgestaltung des zu begründenden Reichsverbandes entgegenkommen werden. Die preußische Landesversammlnng hat bekanntlich den in Borverhand lnngen mit dem süddeutschen Verbände zustande, gekommen Entwurf einstimmig abgelehnt. jj|j Sprechsaal |||j Für diele Rubrik übernimmt die Schriftleitung lediglich die - preßgesetzlichc Veranimortnug. Das Ideal der Prormetkn. Herr Naübitrer D r. I. M a y b a u m - B c u gen hat sich auf der letzten liberalen Rabbinertonserenz sehr stark für den Zionismus exponiert: Als Verfasser des offizielle rr V e r f a in rn l u n g »•. p v v t o i o II *; auf das tik Presse angesichts des;n• örciem Blatte schon gerügten Ausjchlustes der Oeffentlichkeic angewiesen war. hat er die antizionistischen Redner jetzr stark geneiistber den zionismnö- »renndlichen b c n a ch t e i l i g i. find als R c d u e v hat er litt) u. a. die Behauptung geleistet, ,/ö e r Eha lu z" repräsentiere den Stand, der dein I d e a f d c r tz r o :> li e t c n am vollkommensten entspräche. Von Stande s dünke l erscheint denurach Herr Rabbiner Dr. Maybaum uicktk belaste). Das mag dem einzelnen als Tugend angercchnei iverüen, ol» chm aber seine Kollegen namens des Berufes, den e r vertritt, lehr dankbar dafür sein werden, daß er einem >°; n ii e c e n S t a n d ieue Gloriole zubilligt, die naturg-emnß ein Privileg des Rabbinertum-> fein sollte, daraus darf mau neugierig fei::. Tenn wenn auch dem ganze!! Volke Israel vatmibci worden ist: „Ein Volk van Priestern sollt ihr Mir sein ', io hat es doch uremals gezaudert, den Berufs p * i e ß c rn eine höhere Weihe, beruhend ans einem t i e i e r e n Du r ch o r u n g e us e i n v v m W a r t e G ntte s u n dsei n c r Pr opheten. zuzusprechen. Das »sr ja auch die natürliche Voraussetzung fitr die Autorität, deren der geistliche Führer nicht entbehre:! kann. Denn schließlich soll ja er den Vertretern der anderen Stände als Vorbild dienen — nicht rungekehrt -- und es wird sicher auch unter den Zionisten viele geben, die froh wären, wenn sich die ChaluziMi w wacker sie sonst sein mögen, zur Religiosität des Rabbiner Dr. Manbaum bc* kehren wollten, währenbisher noch kamn jemand dern Herrn Doktor Maybaum zugemutet hat, seinen wunderschönen Rabbinersitz am deutschen Rhein zu verlassen, um das Beispiel der Chaluzrm nachznahmen .... Auch muft sehr, stark bezweLscli »verden. ob ihm dies gelingen würde. Denn die seelischen Doranssetzuugeu für den Stand des Chaluz sind ganz andere, ja vielleicht die entgegengesetzten wie für de» des Seelsorgers. Mit M o r a l» svrücheu baut man bekanntlich kerne Eisenbahnen, nicht einmal gewöhnliche Straßen. Darum hat man öd der Auswahl von Kolonisten für kulturelles Neuland niemals besondere moralische Qualitäten verlangt — eher das Gegenteil. wofür die Gründung Roms, das als Freistaat für Verbrecher seine später so ruhmvoll gestaltete Geschichte begonnen hat. charakteristisch ist. Auch unter den H'-halnzim »nag sich manch einer befinden, der in der Heimat nicht gut getan hat und -essen überschüssige Energien sich nutzbringender im Aufbau eines neuen Gemeinwesens entsalten als im engen Rahmen von Gesetz und Sitte, die sich in den alten sozialen Gemeinschaften sorterben. Natürlich gilt dies nicht für alle Ehaluzim. »me denn Verallgent ei it e r li li ss c ti ü üerlsaupt stets von U e b e l s i n d> Besonders wir Inden haben allen Grund, verallgemeincnden Werturteilen moralischer Natur überall entgegenzutreien. Wir würden es als ungerecht empfinden, alle Chalnzim in Bausch und Bogen als unbotmäßige Abenteurer zu bezeichnen, müssen aber als nriu-estens ebenso übertrieben ihr Pausclmllob ablehnen, das sie samt und sonders als Verkörverer des Prophetenideals feiert. Es geschieht damit den Ehaluzim. die ebenstnoeniq eine moralisch homvzene Masse darstelleu wie die gesamte Judenschaft, kein Dienst - und den Propheten erst recht nicht.... Hans E l e n s b n r g e r. WWWMiM!W>!IIi!Ii>!!iiiI!>!IIi!ii!i>iIII>!I!IlII!I!I!I>IiIIIIIlII>III!I!!lIIIi Voranzeige! Demnächst erscheinen als Broschüre die in Nr. 16 der Jüdischliberalen Zeitung veröffentlichten Palästina-Vorträge von Dr. Bruno Weil-Ber In von Staatsrat Dr. Cohn-Dessau Voraussichtlicher Preis Mk 0.80 ' Vorbestellungen können schon jetzt erfolgen beim Philo- Verlag und Buchhandlung G. m. b. H., Berlin SW 68, Lindenstraße 13. Condüorei u. 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