Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 19 (13.5.1927)
- Date
- 1927-05-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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JhiffC')! fjir feinen Unterhalt sich vermindern. Uebcrdies sind eiinge junge Fn la scl, as in Deutschland, die cine bessere südkühe und allgemeine Erziehung erhalten und zu .-.vrndmertcrn ansgebildet werden; alle Stellen, die mit ihnen nr Berührung kommen, rühmen ihren Ernst und ihren l.mrpathischen Charakter. Tie Haupikvsten bc* jüdischen Mtsstvnswerks unter den na lagt,us iverden von Amerika getragen. Für uns in Deutschland ist es eine Ehrenpflicht, diejenigen Beträge aufzubringen, die zur Erhaltung der Falasckas in Deutschland und zur Entsendung des dcntfchen Lehrers erforderlich sind. .-Sie und nich» sehr aroß und wir müssen unsere Rcligian zuliebe dieses jCpfcr bringen. id)ly fordern jene Glaubens- > genosieir von uns als religiöic Festigung und stielehrnng, wir dürfen ihnen diese nicht versagen!! Geldsendungen für das Fasasckawerk nimmt die Firma j Gebrüder Opplcr. rftankkonnnandite. Berlin LZ l'i. Kurj fürsten dämm >07 Hv,, Postsckecllonto »10;JS, Berttn. ent ( gegen.! Uebergabe des Paläftinamandats an Italien? Ter Londoner „Daily Mail" hatte am 'Montag einen Artikel des Besitzers des Blattes. Lord Rvthermere. veröffentlicht, in welchem Mussolini und dem Faschismus gehuldig r nnd festgeßetl, wird, dass England bei feiner fetzigen wirtschaftlichen Lage sich die groben Kosten für du: Mandate tu Palästina und Mesopotamien nicht leisten könne nnd es überhaupt leinen Zweck habe, sich noch fremde Sorgen ansbalsen zu lassen. Der reaktionäre Lord schlägt vor. diese beiden Mandate au Italien zu übertragen, das dadurch für leinen Bevvtterniigsüberschnß ein Kolonialgebiet und für seinen politischen Drang ein Ventil bekommen wird. Ter römische ..Mcssagerv" antwortet in einem für diesen Vorschlag begeisterten Lcitartilel. Er meint, das; sowohl die katholische Well als auch das Fudentnm ein italienisches Mandat in Palästina nur begrüben würden. Die erstere ans naheliegenden Gründen, das letztere, weil Italien das einzige Land, in dein cs einen Antisemitismus nicht gebe. ist. Som Preußstchen Landesverband jüdischer Gemeindeic. Am 8. Mai d. F. fand unter dem Vorsitz des Herrn Kammergericiüsrac Wnlff die erste Sitzung des Großen Notes des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemein, den nach der Verbm»dstagnng im März 10st7 statt. Die Beratungen dauerten von morgens tj.'tt Uhr bis 8 Uhr abends. Für die verstorbeueu oder ansgeschiedenen Vecbandstagsabgeordneten. die Zerren Pels. Levy. Sonneufeld nnd 'Brienitzer wurden die Damen Frau Barnch-Harburg, Frau Hamburger-Berlin, sowie die Herren Dr. med. I. Möller-! Altona nnd Lehrer Willi Frenndlich-Breslau als Ersatz- Mitglieder sestgesteilt. Verschiedene Mibüünde. d'e sich bei der letzten Perbandstaguug während der Verhandlungen als störend erwiesen hatten, sollen beseitigt werden. So sollen künftig grundsätzlich Sitzungen des Groben Rates nicht stattjinden. während das Plenum tagt. Das Präsidium des Verbandstages soll ersucht werden, zu verhindern, das; auch die Ausschüsse des Verbandstages während der Plenarberatnng zusammentreten. Es wurde festgcstellt. da» die Abgeordneten des Rats für die Verhandlungen des VerbandStages nur den Standpunkt des Rates, nickt aber ihre etwa davon abweichende Meinung vertreten dürfen. Da die provisorisch in dem Gemeiudegebäude Oranten- ^.billMer Straße st0 nntergcbrachteu Bnreauräumlichkeilen Preüsinchen Landesverbandes jüdischer Gemeinden bei '-^stijtdÄl'^tzr'otzen Geschäftsbetriebe nicht mehr ausreichen, wurde beschlvfsen. einen Aufschub einzusetzen, der geeignete Räume ohne allzu große Belastung; des Etats beschaffen sott. In den weiteren Erörterungen des Groben Rates nahm di« Frage viel Zeit in Anspruch, ob der Rat dem von seiner Vorlage iu einigen Punkten abweichenden Beschlüsse des VerbandStages hinsichtlich deS der Regierung einzureichen- . den Entwurfs eines Gesetzes betr. die Rechtsverhältnisse der .indischen Religionsgemeinschaft in Preußen beitreten soll. Gemäß einem Anträge Makower wurde der Beitritt im .ganzen beschlossen. ES soll jedoch, um möglichst eine Einigung mit dem Preußischen Landesverband gesetzestreuer Snuagogeugemeinden lLitz Halberstadtj herbeiznführcn, vor der Einreichung des Entwurfs bei der Regierung eine Verhandlung darüber mit diesem Verbände stattsinden. Inzwischen soll auch wegen der Uebergangsbestimumngen für i die neuen Provinzen Hessen. Kassel. Hannover, Hessenj Nassau. Schleswig-Holstein mit deren Vertretern weiter vcrj handelt werden. j Dem PhUv-Vertag in Berlin wurde für die Druck-! legung des von Prof. Dr. Michael Guttmaun-Breslau ver-! faßten Werkes „Das Judentum und seine Umwelt" eine! . Beihilfe von 1000 M. gewährt, ferner 3000 M. /einschließlich j der bereits bewilligten 1300 M. für das Jüdische Quellenz lesebnch von Dr. Höxter. Frankfurt a. M. sowie 13 000 M. Gibt es einen $all Jeßner? Von Doris W i t t n c r. Gibt es eigentlich eiiren Fall Jetzner? Und wenn, was ist und worin' besieht dieser ..Fall", der immer einen so angenehm prickelnden Beigeschmack von Sensation nnd Pitanterie hat'? Seit im November 1018 der große Kladderadatsch über Deutschland hereinbrach und in seinem Gefolge alle Potentaten und Potentätcheu tcs waren so ungefähr zwanzig au der Zahlt unter dem demonstrativen Schweigen aller bisherigen Stützen von Thron nnd Altar geräuschlos ihre Krönchen unter den Arm nahmen nnd ihre Dhrönchen mehr vder minder fluchtartig verlieben, taten es ihnen die etwelchen aus königlichen oder fürstlichen Privatschatnllen subventionierten Repräsentationsbühnen schleunigst nach, indem auch sie elastisch auf den Boden der Tatsachen rutschten und ans devoten Hostheaieru zu aufrichtigen gesinuungstüchtigeu Staatstheatcrn wunden. Da man nun bislang für die Besetzung solcher Posten nicht eben geeignete .Kräfte erzogen und herangebildet hatte, waren die Anwärter ans die republikanischen Jntendantenscssel nicht gerade üppig gesät. Bis zu dein „dies ater" des 9. November hatte die übliche Mischung von Verständnislosigkeit, submisser Knnstsremdheit und Byzantinismus völlig genügt, um Persönlichkeiten zur Leitung der finanziell am kräftigstem dotierten Bühnen des Reiches zu qualifizieren. Ein kommandierender General taugte zu dem Amt eines Hoftheater — Intendanten ebenso wohl als ein emeritierter Hofmarschall. Staatserhaltende Gesinnung, schranzenartige Unterwürfigkeit, kurz: der vorschriftsmäßige „beschränkte Untertaneuverstand". der flugs in sich selbst zusammenknickte. wenn es dem „Allerhöchsten" gelegentlich belieben mochte, persönlich in die Maschinerie des Knnstbetriebs einzugreisen. Entfaltung höfischen Gepränges und — nicht zu vergessen — sorgfältige Wahrung von Tugend und Keuschheit aus eben den Brettern, die fürwahr — diese Welt nicht bedeuteten: 'das waren, nehmt alles nur in allem, die Eigenschaften, die einen tadellosen Hvftbeater-Jnteudanten auSznzcichnen hatten. Nach diesem Rezept war füglich anch für den Verein zur Gründung und Erhaltung einer Akademie fiir die Wissenschaft des Indem ums. 'Den Aendenmgen, die der Verbandstag an dcr EtatSvorlage des Groben Rates vorgenommeu hatte, wurde zu einem Teile zugestimmt und im übrigen ein Bcschlutz Vorbehalten. Dem Gesuch des Allgemeinen deutschen Kantorenverbandes um Gewährung eines Zuschusses für die Teilnehmer: an dcr Hauptversammlung des Verbandes wurde zugcstimmt: cr erhielt 17*00 M. bewilligt. Herr Dr. Jsmar Freund-Berlin berichtete über die Einschränkung der Sonntagsruhe in jüdischen Betrieben. Die Frage der Dvppelbes'teucrnng der jüdischer, Zevsnen. die einen doppelten Wohnsitz haben, soll zunächst non dem Rechrsausschnß geprüft werden: diesem soll auch die Frag« der Einsetzung eines Wahlprüfungsgertcht» überwiesen iverden, das für die Prüfung der Wahlen zu den Gemcittdelörperschaitcn an Stelle der staatlickerr Behörden treten soll. Herr Bruno GalewsLi Berlin erstattete Bericht über die in Berlin ueugegründete Schächterschnlc. Es wurde ein Kuratorinin eingesetzt, daö die Vermattung und Beaufsichtigung der Anstalt übernehmen wird. Zum Vorsitzenden wurde Herr Galewski gewählt, zu Mitgliedern des Kuratoriums die Herren Klee und Liltenthal sowie die Herren Rabbiner Dr. Hoffmann-Frankfurt a. M., Dr. Hvfsmaun« Breslau, Dr. Loewenthal-Berlin, Prof Dr. (tznttmaun- Breslau. Dr. Jacvbowitz-Königsüerg — im Falle seiner Nebersiedlnng nach Berlin — und Kantor Ahlbeck. Für Schüler dieser Anstalt wurden zehn Stipendien a 73 P,'. t rv Rio na t aufgesetzt: über die Verteilung dieser Stipendien wird das ebengenauntc Kuratorium der Anhalt be. kchltetzen. Für^ die Einberirsuug einer >-'ouserenz aller ftidiscken Organisaüouen. die sich mit der Frage der Taufen. Miscoelleu und Austritte aics dem Fndeulum besckästigen soll, wird der WohlsahrLsaussäutü des Landesverbandes unter dem Vorsitz des Herrn Prof. Dr. Türk Riclulinien und Pläne anssicllen nnd darüber dem Rate berichten. Der Preufüschc LaudeSuerbaub jüdischer Gerne,irden har zusainmen mir dem Doutsch-JSraeMischcn Gemeindebnnd an sämtliche deutschen Landesverbände jüdischer Gemeindcrr Einladungen ,)n einer B e s p r c ch n u g über die G r ü n - d u n g e i n c s jüdische n 01 e i ch s v e r b a u d e s e r - gehen lassen, die am S o ir n tag. de u iO? it i d. F. i n D esden stattsinderr »uivö. Otachdem der erste Versassiuigseuiwurf in der Tagung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden vom ■2\. isiovember 102«; abgelehnt worden ist.?vird es sich iit der bevorstehenden Zusammenkunft dcr Vertreter sämtlicher Laiidesverbüllde in erster Linie darum handeln, einen Weg irr finden, der den Wünschen aller Bcreiligten Rechnung trägt und die baldige Schaffung einer Oleichsorganisatiou ermöglicht. Fu der vorigen Woche fand unter dem Vorsitz von Herrn Galewsti eine Sitzung der Sitbveiitiuns.ttstommlssivn statr. Zn Al Angelegenheiten mußte Stellung aenommetl werden. Aus der Mitte der Kmnmissivn ist vor k'.lrzem der Vorschlag gemacht worden, einen größeren Betrag von irgendelncnt Fnstitnt als langfristiges Darlehen aufznneymen. Dieser Betrag soll dann solchen Ge>neinden. die ihre Sunagogeu, Friedhöfe usrv. in Ordnung bringen lassen »vollen und dazu gröbere Beträge benötigen, zur Verfügung gestellt werden. Vorausgesetzt wird dabei, daß die Gemeinden selbst Vermögen besitzen, aber die notwendigen Arbeiten weder ans eigenen Mitteln, weil das vorhandene Vermögeil fejtgelegt ist. noch durch Erhöhung der Stenern aufbringen können. Diese für gemeinnützige Zwecke zu beschasfeitdeu und weiter zu verleihenden Gelder sollen dann innerhalb! zwanzig Jahren zurückgezahlt werden. Der Landesverband j würde, wenn der Vorschlag zur Verwirklichung käme, die i Garantie dem Geldgeber gegenüber übernehmen, wogegen! die Schuldner ihrerseits dem Landesverband Sicherheiten irgendwelcher Art stellen müßten. Sobald der Plan durchgeführt wird, werden drejeuigen Gemeinden, welche um Hergabe von größeren Darlehen bereits eingekommrn sind vder sich später dazu gemeldet haben, benachrichtigt werden. Olatürlich muß jedes Gesuch unter Einreichung amtlicher Unterlagen eingehend geprüft werden: selbstverständlich wird dies in jeder Weise wohlwollend geschehen. Es wird darübe,- noch weiter berichtet werde». Es braucht nicht besonders betont zu werden, daß nur wirklich leistungsschwache Gemeinden mcd auch diesen nur in der durch die Verhällniise gebotenen Weise geholfen werden kann. Gesuchen von Gemeinden und Einzelpersonen, die mit der Erhaltung und dem Ausbau des Religionsunterrichts zufammenhäugen, wird natürlich tu erster Linie statlgcgeben werden, da die Erfüllung solcher Aufgaben zu deu vornehmsten Pflichten des Landesverbandes gehört. Dagegen können Eingaben von Gemeinden oder Privatpersonen, die Dinge betreffen, die nicht im Ausgabenkreise des Landesverbandes liegen, grundsätzlich nicht berncksichkigt werden. Ans Anregung des Rates des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden ist nunmehr in Berlin endgültig die Eröffnung der Schäckterschnlc zum 13. Mai b. I. bescklollen wurde». An der Spitze der Verwaltung dieser Anstatt steht ein Kuratorftnn. das fid) aus drei Mitgliedern des engeren RatcS deS Landesverbandes und vier Rabbinern zufam'simnsetzt. von denen je ecncr in Breslau und Frankfurt a. M. nnd zwei in Berlin amtieren. Mit der techntichen Leftuua der Schifte wird Herr B. Gc» rendasi beirarft, der smon sri'her eine größere dlnzahl von Schiftern au-gebildct hat. reiche Erfahrungen auf diesem Gebiete und alle erforderlichen Äcnittitific besitzt. Die Schule wird eine ganze Reihe von Schülern ausnehmen tön neu. Die theoretische Ausbildung wird in die Hände eines Rabbiners gelegt, der als Autorität in Schächtfragen gilt. Die Ausbildungszeit ist auf anderthalb Fahre festgesetzt worben, kann aber bei außerordentlicher Befähigung der Zöglinge etwas verkürzt werden. Ger „reaktionäre" Liberalismus. Belanntttch gibt es im Judentum heute brei Strömungen: die an die Lebensformen des mittelalterlichen Lebens anknüpfende Ordhodoxte, den noch weiter zumick. nämlich am den jüdischen Eigenstaat des Altertums grciseudeu Zionismus und den eine modernem .'.inlturleben angepaßte Renaissance des Judentums anstrebcudeu Liberalismus. Von diesen drei Richtungen fußen also zwei iu ocr Vergangenheit und nur eine im Heute. Es uc daher paradox, wenn just diese eiue von Anhängern der anderen als — „reaktio»ar zeichner wird. Dieses Kunststück haben die Berliner F ü d i s ch n a t i o n a l c n zustande gebracht, indem sie an einem Tage zioei Berfammlungeu mit der Parole „Gegen den reaktionären Liberalismus!" einberrefen. Eine solche Gelegenheit, meine politische Bildung zu bereichern, konnte ich mir nicht entgehen lassen und so eilte ich in das eine Versammlungslokal, die Stadthakle in dcr Klostersi ratze. Fch hatte mir Zeit lassen können: Für acht Uhr abends war der Veriainuftungsboginn angesagt. Um halb nenn tauchten auf der Rednerestrade ein paar „leuchtende" Köpfe aus. zogen sich aber diskret wieder zurück, da sie bis dahin offenbar selbst noch nicht im Älaren waren, wieso der Liberalismus als reaktionär geschildert werden konnte. Um drei viertel neun war es endlich so weit. Das Publihtm, das die jüdifchnationalen Bersammlnngsg^pflogenheiten 201)111 schon kannte, kam größtenteils auch zu spät. Erster Redner war der Redakteur der Jüdischen Rundschau. Herr W a l d m a n u. Er sprach mm den letzten Repräserltanteuwahleik, deren Durchführung eine -eu Le-'sern der „Jüdisch-liberalen Zeitung" bekannte, w e u i g schmeichelhafte Kritik seitens des Polizeipräsidiums gefunden hat. und meinte, cs sei nichts besonderes, wenn bei einer Wätzlerzahl von 70 000 etliche 100 Fälschungen irorfamcu. Das Ungehörige liegt für Herrn Waldmanü erst öari'k, daß die.se Mogeleien bemerkt nnd zum Gbgenstaud von Reklamationen gemacht wurden. Und »veil die Liberalen sich solcher Tat vermaßen, sind sie für Herrn Walömaun H e it d> 1 c r. Da bisher nur die D u r ch f ü h r e r eines Schwindels, aber nicht dessen E n t la r v e r als Heuchler galten, bedeutel die zionistische Terminologie einen sprachlichen Umsturz, an dem gemessen der Liberalismus wirklich als reaktionär erscheint . . . Er ist es aber auch noch in anderer Beziehung, nnd diese hot der zweite Redner. Herr Dr. Sandler, beleuchtet. Er verübelt es de„ Liberalen sehr, daß sie von dern Indengesetzt von 1817 nichts mehr wissen wollen, sondern eine Neuregelung anitreben. Diese Neucrungssucht ist in den Augen des Doktor Sandler ein Zeichen — reaktionärer Gesinnung. Wohingegen der Redner den Per sammelten einen Vorgeschmack z i o n i st i s ch e n Fo r t sch r it t s e ife r s durch die Ankündigung verschaffte, daß die IüLischnationalen in der neuen Repräsentantenversammlung mit den — Orthodoxen Zusammengehen werden. Nun waren die Unbefangenen, deren es nach den zahlreichen Zwischenrufen zn schließen nicht wenige im Saale gab. über die liberale „Reaktion" hinlänglich im Bilde und der dritte Redner, Tr. Klee, konnte sich, statt dieses Bild um neue Nuancen zn bereichern, mit der Angabe von Mitteln begnügen, wie der an sich löbliche Liberalismus aus dem reaktionären Fahrwasser, in das er geraten, wieder herausgerissen werden könne. Herr Dr. Klee gab erstaunliche Beispiele zum Besten, wie honett, objektiv und gerecht er selbst handeln würde, wenn er ein Liberaler wäre. Vermutlich ist c? gerade deshalb — Antiliberalcr geworden .... Sein Gegenstück ist ein Zwischenrufer» der aus die Deklarierung der Liberalen als Heuchler den Einwand wagte: „Wenn ick Zionist wäre, ginge ich nach Zion." So ergab sich für mich als Fazit aus der lehrreichen Versammlung die wehmütige Betrachtung, wie wohlbestellt es um Israel wäre, wenn nicht alle Juden, die genau wißen, was der und jener jüdischen Partei frommen würde, tragischerweise immer — im anderen Pciteilager ständen .... lebendigen Bewegung sn immer versah reu worden. Die „weißen höflichen Manschetten" bsieben unbefleckt. U n d d e r R e st w a r S ch lv e ig e n. Die Äunst, insbesondere aber die aus dem Geiste der Zeit erwachsende ftunst, rannte iu Tiebemneilensiieselu an den berüchtigten höfischen Instituten vorbei. Die Kulturträger des Landes mieden oder höhnten sie. Und iu den pomphaften Häusern schichtete sich aller Staub und Moder überholter Traditionen: tobten ein verlogenes Pathos und noch verlogeneres Ethos fick ungehemmt aus: mimten Heroinen biblischen Alkers jugendliche ktzaive: und das Ergebnis erntete dafür den wohltemperierten Beifall verkalkter Abonnenten und standesgemäßer Abonnentinnell un unverwüstlichen „Schwarzseideuen", Ridiküle und Lorgnette im Schoß. Die jungen Töchter des Landes, sofern sie hochgeboren waren, erhielten in diesen Häusern vcrvzerrte ikicd ans „Sittsainkert" zugeschnittenc Darstellungen unserer Klassiker: erste Eindrücke, die ihnen die größten Geister der Nation für Zeit nnd Ewigkeit verleideten. Die junge brausende Gegenwart aber stürmte draußen vor den Pforten dieser Tempel wider den Heiligen Geist in zügelloser Diinamit und mit dem revolutionären Rhvthmus aller Werdenden. Wachsenden und Wollenden, vorüber. Kunst wollte sich nickt mit Gunst identifizieren lassen und darum erscholl aus der Straße die jubelnde Rvveille der Kommenden. Nicht ein Ton jedoch drang von draußen nach drinnen: kein Widerhall antwortete aus dem duaupfen Gemäuer »dem großen Wecken der Gegenwart, geschweige denn den Sendboten der Zulun st. Und doch: eines schönen Tages mar Zukunft unversehens Gegenwart geworden und ritt die Vergangenheit mitsamt all ihren kommandierenden Generälen, emeritierten Hofmarschäüen, erlauchten Perrücken und Zöpfen, ihrer prunkenden Staffage, ihren fünffüßigen Jamben, ihren stelzbeinigen Heroinen und ihrem vergeblichen Bemühen, den Geist der Zeit zu verfälschen oder ,m unterdrücken, ganz einfach über den Häufet». Air alle, die wir die neuen Morgenröten dämmern sahen, haben eS freudig begrüßt, als der Wirbelstnrm einer jungen Welt auch alle Tore zu den wohlbehüteten Tempeln des U n g e i st e s ausriß »rnd frische Luft rinströmen hieß in die Katakomben musischer Gespenster. Die alten Tafeln waren zerbrochen: neue wollten gebildet und mit den Buchstaben heißputtenden Lebens bedeckt werden. In revolutivttären Zeitläufen, vor denen j-eweils dräuend das 'M c ö w t e w h anpt der A n a r ch i e emporragt, sinden sich gemeinhin weder Mutze noch Mut genug, Stürzendes zu stützen oder Llndrängendes aufzuchalten. Und so geschah cs. daß iiLer Nacht aus den morschen Kerkern byzantinischer lleberlicfernngen und zerschlissener Menschheitsknlisseu die Brutstätten jener neuen Ideen und Ideale erwnchsev. die mit Stolz von sich sagen durften: „Ich bin di« Flamme, ich bin das Schwert." Wohlan! die Stätten waren gefunden. Okicht immer nr:d allenthalben aber die Träger und Vertreter von Flamme und Schwert. Der R e i ch sh a upt st ad t war der Zufall gnädig gesinnt, indem er den vormaligen Leiter der Königsberger Stadt. Bühne, Leopold Jetzner, nach Berlin vorscklug. Er schien den Männern des politischen neuen stieg!meö als der gegebene Mann auch für den neuen Kurs „in l»Ueri5 ct artibus". So waltet und schaltete Leopold Jeßner alsbald auf dem Posten, von dem sein Vorgänger. der höfisch geschniegelte und gestriegelte Theatergvaf. Exzellenz von Hülsen, mit dem lockig gekrausten Fernschmeckerkopf über der riesenhaften Kürassiergestalt hatte weichen müssen. Botho. Graf non Hülsen-Haeseler. war dank seiner nie versagenden Glätte und Gefälligkeit eine in der Berliner Gesellschaft ungemein populäre Erscheinung. Angesichts seines allen Adels und seiner offensichtlichen Be- «orzugung durch den Kaiser rechnete man ihm seine perfdnliche Liebenswürdigkeit und seine Fähigkeit, den erlesenste« Tafelfreuden elegant zu präsidieren, als individuelle Verdienste an. Anders Leopold Jeßner! Auch er hochragei«- von Gestalt, ohne äußere Merkmale der Zugehörigkeit zu dem Wüstcuwanderstamm, liebt er es doch, insbesondere bei einem auch von ihm geschätzten edlen Tropfen. seÜsst dev arglosesten Gesprächspartner zu überraschen, ja zn überrumpeln durch die unvermittelt plötzliche Mitteilung, daß er beengten und beschränkten Verhältnissen entstaurme. -atz seine Eltern als orthodoxe Indem irgend einer kleine» Ge-