Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 18 (6.5.1927)
- Date
- 1927-05-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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§ \i \4 i;i fi i j? I f I j i fröficn werben, so bars sie nicht mit zu brückenden Gewichten beschwert sein. Die Beschneidung ist aber eine Operation, die. mag sie auch nicht gefährlich sein, doch Erwachsene zurückschrecken läßt. Der Ausweg» den Proselyten zu verpflichten. seine Kinder beschneiden zu lassen, würde vollständig genügen, wenn man nicht so wett gehen will, von der Beschneidung überhaupt abzusehen. waS sedoch. schon vom hugienischen Standpunkte auS. nicht gerade zn empfehlen wäre. Die ärztliche Statistik spricht da eine gewichtige Sprache. Auch bezüglich der anderen religiösen Vorschriften müßte eine wesentliche Erleichterung eintreten. Aber es fei doch dazu bemerkt: gerade die Proselyten — Frauen wie Männer — zeichnen sich durch eine besondere strenge Beobachtung aller Vorschriften aus. waö sich aus der seelischen und gemütlichen Einstellung der Proselyten ohne weiteres erklären läßt. Nur da. wo der Uebertritt reine Formsache ist — weil die Eltern des jungen Mannes oder des Mädchens sonst die Ehe nicht gestatten würden — fällt die Beobachtung der rituellen Vorschriften weg. Auch aus diesem Grunde haben die alten Rabbiner deshalb die Liebe als keinen genügenden Anlaß zur Aufnahme ins Judentum erachtet. Das Religionsgeietz kennt aber im allgemeinen irgendwelche strenge Forderungen, die mit der Aufnahme ins Judentum verbunden waren, nicht. Mau unterschied zwar den Ger Toschab non dem Ger Zedek: der eine hatte sich nur zur Beobachtung der sieben sogenannten noachidischen Gebote zn verpflichten, während der andere bas ganze Gesetz anznnchmen sich bereit erklärte. Aber um in das Juden- -tnm ausgenommen zu werden, dazu bedarf es auch aus religionSgesetzlicben Gründen keiner arohen Verpflichtungen. Es bestellt kein Hindernis, sich die Lehren und Anordnungen der Schule Oillels zu eigen zu machen und denen des R. Josua zn folgen, der nur das rituelle Bad, die jüdische Taufe erfordert, ein Vorgang, der sicher viel mehr Verständnis und Entgegenkommen finden wird als die Beschneidung. Und nichts steht dem im Wege, den für das Judentum Gewonnenen klar zu machen, daß er seine neugeborenen Söhne auch der Beschueidnna nnterzictien lassen möge. Inwieweit man den Proselyten zur Beachtung der Speise- und anderer rituellen Vorschriften anhatten soll, das muß dem Proselyten selbst überlassen bleiben. Er allein hat zu bestimmen, welche äußeren Formen seiner innere« religiösen Einstellung entsprechen. Man vergesse nicht, daß sich jeder Mensch das religiöse Haus, in dem er wohnen will, allein bauen muß. wenn die Religion nicht durch leeren Formelkram ersetzt werden soll. Die Wahrheiten und die Schönheiten einer Religion liegen in ihrer Innerlichkeit, nicht in der Aeußcrlichkeit. Gewiß: ein würdevoller, erhabener und auch glanzvoller Kultus kann die Ekstase stcigcrtl. ebenso auch mystisches Dunkel, einsames Beten, gläubiges Versenken. Das Wichtigste jedoch ist, die Wahrheit Israels erst einmal ausznzeigen. recht vielen Menschen der verschiedensten Glaubensbekenntnisse, namentlich aber denen, die nach einem wenn auch nicht ganz richtigen Worte, noch im Heidentum leben: das zu erklären, was Israel ist. Wenn in China, in Japan, in Indien und sonst in alter Welt die christliche und die islamische Mission ein reiches Arbeitsfeld sucht und findet, so ist nicht einzusehen, warum nicht auch Israel sein Licht soll leuchten lassen. Das Neligionsgesetz verbietet cs nicht und Israels Zukunftshoffnung und Zuknnftsverheißuug ist fest begründet in den Worten des Propheten Eecharja: Und der Ewige wird König fein über die ganze Erde, und an diesem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name der Einzige. DieNol der russischen Juden inDeulschland Der Verband der russischen Juden in Deutschland hat für den 3. Mai die Vertreter der Presse zu einem 5-Uhr-T«e ins Hotel Eden geladen, um ihnen die verzweifelte Lage der russisch-jüdischen Flüchtlinge zu schildern und sie zu bitten, den Verband bei seiner bevorstehenden Aktion zu unterstützen. Neben zahlreichen Vertretern der Presse hatten sich — um dem Appell Nachdruck zu verleihen — die führenden Personen der großen Hilfsorganisationen wie Joint, Hilfsverein der deutschen Juden, Hias-Jea-Emigdirekt. Arbeiterfürsorgeamt usw. eingefunden. Die Veranstaltung verlief sehr eindrucksvoll. Der greise Vorsitzende des Verbandes russischer Juden, der frühere russische Landesgerichtsrat und wirklicher Staatsrat Exzellenz Dr. Jakob Teitel. der nun sein Leben ganz der Fürsorge der russisch-jüdischen Flüchtlinge widmet, schilderte die wachsende Not unter den russisch-jüdischen Flüchtlingen. Er erinnerte an den Ausspruch Wittes, des Ministers Alexanders III.. der sagte: Da man nicht alle russischen Juden in einem Wassertümvel ersaufen lassen kann, so muß man ihnen Menschenrechte geben. Das Problem der russisch-jüdischen Flüchtlinge heischt nun ebenfalls eine radikale Lösung: es acht um Sein oder Nichtsein! Der Verband der russischen Juden, der sich seit 1920 um die Besserung der materiellen und juridischen Lage der Flüchtlinge bemüht, ist außer Stande, die FlüchtttnaSsrage aus eigenen Kräften zu lösen. Die Zabl der durch Krieg und Revolution aus ihrer Heimat Vertriebenen ist zu groß, als haß ihnen aus privaten Mitteln geholfen werden könnte. Ohne tatkräftige Hilfe der Negierungen, vbne rege Teilnahme der Oeffentlichkeit, sind Huuderttanscnde von Flüchtlingen zum Hnngertode verurteilt. Die Frage ist akur und mnß ohne weiteren Aufschub gelöst werden. Dies zu verschweigen, wäre ein Verbrechen. Die russisch-indische Flüchtlingskolonie, fuhr Dr. Teitel fort, ist im Deutschen Reiche, das die erste Etappe für alle Flüchtlinge bei ihrer Wanderung ans dem Osten bildet, viel Dank schuldig. Der Verband russischer Juden ist eifrig bemüht, die Weiterreise der Flüchtlinge in die westlichen Länder und nach Amerika zu erleichtern. Der Verband muß auch denen helfen, die in Deutschland geblieben sind. Es ist die heiligste Pflicht der Menschheit, schloß der greise Vorsitzende seinen Appell, die notleidenden russisch-jüdischen Flüchtlinge vor dem Untergang zn bewahren. Zum Schluß gedachte Präsident Dr. Teitel Paul Nathans, des vor kurzem verstorbenen Freundes der russischen Juden: die Anwesenden hörten die Gedenkworte stehend an. Rechtsanwalt Dr. A. Goldenweiser, der Leiter der juristischen Abteilung des Verbandes russischer Juden, hielt sodann ein eingehendes Referat über die materielle, soziale und juridische Lage der Flüchtlinge. Das Flüchtlingsvroblcm. sagte er. ist ein soziales Problem, das mit den Mitteln der Philantropie allein nicht zn lösen ist. Nach den Angaben des Jnternationalcu Arbeitsamtes beträgt die Zahl der russischen Flüchtlinge in Europa lauster Deutschland und Belgiens mindestens 725000. Eine Statistik für Deutschland fehlt. Insgesamt kann man die Zahl der Flüchtlinge ans zirka 800 000 einschätzen. Diese grobe Menschenmasse lebt unter höchst unnormalen rechtlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen. Die Flüchtlinge haben kein ständiges Aufenthaltsrecht und kein Recht auf Arbeit. Sic geniesten nur teilweise die Vorteile der staatlichen Sozialfürsorge. Wegen Sichtvermerks- und Quotaschwierigkeiten besteht für sie fast keine Auswanderungsmöglichkeit in andere Länder. Ihre Repatriierung nach Rußland wird von der Sowjetrcgierung nur in den seltensten Fällen gestattet. Die Lösung der Flüchtlingsfrage kann in allen Ländern nur auf der Basis ihrer wirtschaftlichen Assimilation erfolgen. Dazu mußten in erster Linie die Beschränkungen des Aufenthaltsrcchts, des Arbeitsrechts. der sozialen Rechte und der Bewegungsfreiheit für die Staatenlosen gemildert und zum Teil ganz beseitigt werden. Ein Schaden für die deutsche Wirtschaft und eine Vergrößerung der Arbeitslosigkeit ist davon bei der geringen Zahl der Staatenlosen in Deutschland nicht zu befürchten. Der Redner gab zum Schluß einen Ueberblick über die Tätigkeit des Verbandes in den Jahren 1920 bis 1927. 1926 z. B. hat der Verband 129 229,78 Reichsmark an einmaligen und monatlichen Unterstützungen sowie für Stndentenfnrsorge ausgegebcn. Außerdem gewährt der Verband den Flüchtlingen kostenlose ärztliche und juridische Hilfe. Ein besonderer Ausschuß gewährt Darlehen an Handwerker, Kleinkaufleute usw. Der Verband richtete Lehrknrfe für Znschneiden und Nähen? für deutsche und russische Stenographie, für Massage und Schönheitspflege (Teilnehmerzahl zirka 200s ein. dis den Flüchtlingen die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Umstellung gewähren. In allen diesen Tätigkeitsgebieten befriedigt der Verband jedoch nur einen minimalen Teil der wirklichen Bedürfnisse. da ja seine Mittel beschränkt sind. Der Verband sieht sich nun zu durchgreifenden Maßnahmen genötigt und hofft, daß sein Appell an di« Oeffentlichkeit das nötige Verständnis für die wirklich« Schwere und Größe des Problems wecken wird. Herr Dr. M. Wischnitzer. der Generalsekretär des Hilfö- Vereins der Deutschen Juden, der in seinem 26jährigen Bestände einen dauernden Kontakt mit dem russischen Judentum unterhält, sagte, der Verband russischer Juden ln Deutschland verdiene um seiner großen Arbeit willen dtzn Dank auch der deutschen Juden. Insbesondere sei es zu begrüßen. daß der Verband den Weg der reinen Philantropie verläßt, um sich produktiver Hilfe zuzuwenden. Der Redner wünschte namens des Hilfsvereins dem Verband Erfolg zu seiner neuen Aktion. 'Es sprachen noch Rechtsanwalt Dr. Mandel und Dr. Josef Cahn. Der letzte Redner wies darauf hin. daß der Verband russischer Juden in Deutschland vielleicht die größte Flüchtlings-Organisation der Welt sei. lJta.j f Aus der Bewegung Dortmund. Donnerstag, den 28. April d. I. veranstaltcte unsere Ortsgruppe einen Berichterftattnngsabend über die beiden letzten, die jüdische Oeffentlichkeit interessierenden Tagungen in Berlin. Rabbiner Dr. Appel sprach über die Versammlung der liberalen Rabbiner am 29. März. Der Bericht unterschied sich wesentlich von dem in jüdischen Zeitungen veröffentlichten offiziellen Protokoll der Tagung. Während dieses durch die Art seiner Darstellung die Meinung aufkommen lassen konnte, als ob in Kreisen der liberalen Rabbiner der Zionismus vorherrsche, ging aus den Ausführungen des Redners klar hervor, daß nur eine Minderheit der dort anwesenden Rabbiner sich in der Diskussion im zionistischen Sinne aussprach. Als zweiter Redner berichtete der Abgeordnete deS Landesverbandes, Konrektor Em. Goldschmidt über die letzte Tagung des Landesverbandes. Einleitend gedachte er zunächst in zu Herzen gehenden Worten des schweren Verlustes, den der Landesverband und mit ihm die deutsche Judcuheit durch den Tod des Präsidenten Hugo Sonnenfeld erlitten, zu dessen Ehren sich die Versammlung erhebt. Er berichtete weiter über die einmütige Wahl des Vorsitzenden der liberalen Vereinigung R.-A. Heinrich Stern zum Nachfolger des Verstorbenen. In klarer, fesselnder Weise entrollte er hierauf ein Bild der umfangreichen Verhandlungen in Plenar- und FraktionSsitzungcn. wie Hemmungen sich ergaben und überwunden wurden, um ein möglichst brauchbares neues Judengcsetz zu schassen. Beide Referate zeichneten sich durch die Klarheit der Darstellung aus. erweckten das Interesse des Hörers, fesselten seine Aufmerksaqrkeit und gaben einen Abriß der Fragen, die heute zu den wichtigsten der deutschen Judenheit gehören. KaiendariumM die Zeit vom r.5.b. 14.5.1922 Mai 1927 Jjar 5687 Sonnabend 7 Sonntag 8 Montag 9 Dienstag 10 Mittwoch 11 Donnerstag 12 Freitag 13 Sonnabend 14 6. Wochenabschnitt: Emor Haftarah: Ezechiel. Kap. 47,15—31 Sabbat-Ausgang: 8,29 Nhr 6. 7. 8. 1 8 9. 10. fl 11. 12. Wochenabschnitt: B'har Haftarah: Jeremia Kap. 32,6—27: Sabbat-Ausgang: 8,43 Uhr llBlerslüffl das" ' ' Der Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, e.V., Berlin hat in seiner Organisation alle Berufe vereinigt und ist jederzeit in der Lage, leistungsfähige Handwerksmeister nachzuweisen. Gesdiäftsstelle: Louis Wolff — Berlin NO 18 — Gr. Frankfurter Straße 80/81. Amt Königstadt 2490 Amt Königstadt 2490 Condüorei u. Cafe „Am Hallescgen Tor“ König gräfzer Siraße 72 Neu eröffnen ftouis Wolff Tapezierer und Dekorateur 10 18, dr. Frankfurter Str. 80-81 - Egst. 2490 Werkstatt für Innendekoration und alle Arien Polstermobei Reichhaltiges Lager solider Schlaf-, Herrenu. Speisezimmer, Küchen sowie Einzelmöbel Kulante Zahlungsbedingungen. oooooooooooooooooooooooooooooooI Malerarbeiten jeder M J führt aus O Robert Gutheim | Serlin w SS, Lulmbacher Straße? £ V Lühotv 6260 g - — Kostenanschläge gratis. - 0 Sooooocooooooooooooooooooo^oooo BAD Koran! 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Derlaa: Becetntjunft HU das liberal, hudentu» e.»* »erlia £048. s verantwortlicher Redalteur: DWI.-tzna. »runo wovda. Berlin NW 23. Druck: Gebrtna a Reimer*. Berlin SW 88, SUUerstr. 78. A-:D 2768