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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-05-06 · 18 (6.5.1927) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
18 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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*e» christliche» Herrschern. Todesstrafe. Vermögen-tonsiSkatiou. Verlust der Zeng»»»i>gskraft, La»»desver Weisung natürlich geschmückt mit Folterungen aller Art — das waren die Strafe» für Apostasie, wie man den Uebertritt zum Judentum nannte. Das Damoklesschwert härtester Strafandrohungen schwebte noch bis weit in die Neuzeit hinein über dem Haupte desjenigen, der es wagte, die göttlichen Gebote der Hc»ltsen Schrift nach ihrem Wortlaute für richtig und daher das Judentum als die zu ihrer Befolgung und Verbreitung ansersehene Religion zu halten. ES ist merkwürdig, daft sich trotz der harten Strafen, trotz der heftigen Ablehnung seitens der Rabbiner dennoch manche nicht abhalten liehen, das Judentum mit all feinen schweren Lasten auf sich {,»» nehmen. Da auch den Inden bei schwerer Leibes- und Lebensstrafe untersagt »var. Proflelnten zu machen, so vollzogen die von der Wahrheit des indischen Glaubens Ueberzeugten die Beschneidung an sich selber, oder sie gingen später nach Amsterdam. wo die spanischen und portugiesischen Juden nach ihrer Austreibung eine Freistatt mit freier Religivnsübung gefunden hatten. In Amsterdam erklärten sie dann formell den Uebertritt und siedelten sich zum Teil auch dort au. R. J'sak Granbom. der Sohn eines schwedischen Edelmannes, war sogar Nabbincr in Amsterdam und Verfasser rabbinischcr Schriften. Gleichfalls ein Prosclnt war R. Isaak Papons. der um llKH.) in Eibcuschitz in Mähren das Rabbinat bekleidete. Die Legenden non jüdischen Sultanen und gar jüdischen Päpsten sind hingegen nicht ernst zu nehmen, obwohl der kaiserlich deutsche Gesandtschastspredim'i- Stephan Gerlach in seinem „Tagebuch" ernsthaft nersichcrt. der Sultan Sclim II. habe ganz wie ein J"de gelebt und den Sablmt gehalten. Katiiolische und evangelische Geistliche, die zum Judentum übertraten, gab es eine ganze Anzahl. Im dreizehnten Jahrhundert soll es so viele jiidn-che Prosetnten gegeben haben, das; sogar väpstlicbe Bullen dagegen erlassen wurden. Doch der Flammentod bedrohte die ihrer lleberzengnng gefolgten, und die meisten non ihnen fanden auch den Märtnrertod. Am l. Juli l-7(i lnnrde nebst anderen auch der Prosclnt Rabbi Abraham verbrannt, der früher Ordeusgcneral der Llar süße rm buche gewesen sein soll. Die Anfkliirnngszcit brachte nicht überall Milderung der Gesetze: auch dort, wo die Religionsfreiheit von einem aufgeklärten Monarchen dekretiert worden >var. blieb sie es meistens, besonders was die Inden anbelangt, auf dem Panier. Der Scheiterhaufen brannte noch im achtzehnten Jahrhundert für die jüdischen Prvselnten. und die jüdischen Gemeinden inLittaneu gedenken aulästlich der Seelenfeiern noch immer des Grasen Valentin Potocki, der im Frühling 174» den Holzstoff besteigen mutzte. »veil er von dem Judentum, das er ans innerster ttebcrzengnng angenommen hatte, nicht lassen wollte. Sehr interessant ist die Geschichte des englischen Lord Görden, eines Fenerkopfes. der als eifriger Protestant einen Aufruhr gegen die Katliolitei» anzetteltc. schließlich, durch eingehendes Studium der Bibel dazu kam. sich in der hchräischen Sprache und im hebräischem Schrifttum auszubilden und am Ende zu dem Entschlüsse gelangte, Jnde zu werden. Er ging nach Amsterdam, unterzog sich der Bcschneidnng und lebte streng nach jüdischem Ritus. Bel seiner Rückkehr nach England wurde er verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. aber dort doch ziemlich rücksichtsvoll behandelt. Seine Gefangenschaft sollte zwei Jahre dauern: eine akute Krankheit. nach Schilderung der Snmptome dürste cs eine heftige Grippe gewesen sein, starb Gordon als Jude. Die Zeitungen, die sonst »Wer feineTaten und seine Reden — er war ein ungewöhnlich gebildeter Mann — osr ausführlich berichteten. schwiegen über sein Begräbnis. Joseph Steblickt, den Rektor und Stadtkämmerer von Nikolai in Schlesien liest man auf ein eigenhändiges Reskript "^Friedrich II. hin unbehelligt. Steblicki hatte durch eingehendes Bibelstndinnr die Neberzcugnug gewouueu, das; der jüdische Glaube der rechte wäre. Da in seiner Heimat die Juden sich weigerten, ihm beim Uebertritt irgendwelchen Vorschub zu lcistcu. beschnitt er sich als fnnfuudfünszigjährigcr Manu selbst und nahm an den jüdischen Gottesdiensten teil, lebte und betete auf jüdische Art. Zur Anzeige gebracht, leugnete er die Tatsache nicht. Da er sich eines sehr guten Leumundes erfreute, wurde die Sache dem König zur Entscheidung vorgelegt, der bestimmte, mau solle Steblicki als Juden ruhig seinen Weg gehen lassen'!. In neuester Zeit gibt die Statistik Auskunft über die Hebcrtritte zum Judentum. Während früher mehr Männer als Frauen jüdisch wurden — es geschah, weil sich die Männer mehr mit wissenschaftliche» und auch religiösen Studien beschäftigten — ist heute das Verhältnis umgekehrt. Bei Frauen. die zum Judentum übertrete»», ist das liberwic- ') itcöcr Joseph Steblicki. den schlesischen Ger Zcdek. berichteten wir in einem besonderen Artikel. Die Redaktion. *************************** mm<***+*m>4 ii!|§ Sersammlungskaleuder j||;i BeM«,Norden. Liberale Synagoge Norden lim AnerbqchsÄen Waisen» hairö. Schönhauser Allee Ivrs. Gottesdienst; Freitag, den 6. Mai, abends 7,15 Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Galornonffi. Sonnabend, den 7. Mai, vormittags 18 Uhr. Liberaler Verein für die Angelegenheit«« der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. B.. BezirkSgrn-oe Norden und Liberale Synagoge Norden. Am Dienstag, den tO. Mai, findet im Anerbawsche« Waisenhaus, Schönhauser Allee 168, abends 8,30 Uhr. der 7. Gemeindeabend statt. Iran Vanla Ollendorf-BreSla«. Mitglied des Landesverbandes, spricht über „Amerikanisches Judentum". Freie Anssprache. Gäste herzlich willkommen. Bresla«. Jli „Abraham Geiger", Sonntag, den 8. Rai. bei günstigem Wetter TagesauSslvg Dbernigk-Dyhernsnrth. Abfahrt Hanvtbahnhof 8.82 Uhr. Treffpunkt 8.15 Uhr Nord? Hotel. Führung; Ludwig Frennd. Ncndorfstr. 87; Fernsprecher: Stephan 83 820. Gäste bnrch Mitglieder eingeftihrt. willkommen. Äoranzeige: Dienstag, den 17. Mai. von 8.15 Uhr abends an. bei icder Wftternng zwangloses Beisammensein im Friedberg-Garten. aWaeaam»W>»»>a»»»WW>>WWWMWWaaae>aMaW«n>M»»M»AilaW«a»M>WW gcr»dc Motiv die Liebe und de,- Wunsch. den Glauben des Gatten zu teilen. Ost ist dcr Wille der Eltern oder Rücksicht gegen diese mastgebenj». um den Mann zu veranlassen, seine Braut dem Jnsertt,,»,» znznführen. Der religiöse IndisfercutismuS lätzl den Uebertritt jedoch häufig nur als eine Form erscheinen — man geht so wenig in die Snnagoge. wie mau vorher in die Kirche gegangen ist. Interessant ist es aber, dasi uachweisbac nicht selten die Jüdin gewordene Frau den »eligibs gleichgültigen Manu am Frömmigkeit erzieht. Sv sebr. die weitherzige A ui Hauung des R. Jvsu.» der aitzustrengen des R. Jose vvrzuziehen ist. so wäre cs doch angebracht, bei der Aufnahme ins Judentum nicht nur darauf zu sehen, datz einzelne Gebetsformeln und Glaubenssätze gelernt werden, sondern das; denen, die Aufnahme suchen, auch die Bedeutung des Juürutums in seiner ganzen Grütze und Schönheit so klargelegt werde, dgst sich mit dem Ucbertritt auch Liebe und Begeisterung für den neuen Glauben verbinde. „Ein Proselvt der sich mit der Heiligen Schrift beschäftigt, gilt mehr als der frommste Schristgelehrte" lautet eine talmndische Tendenz Wer sich aber mit der Heilige;» Schrift befaßt und ihren Sinn ohne Künstelei zu verstellen sich bemüht, darf und wird freudig eintreten in die Pforten Israels. Religionsgeseß und Mission. Von Dr. S. Elbc. Die Frage, vb die Juden Mission treiben sollen, schien — ohne eine allgemein befriedigende Antwort gesunden zu haben — ans dem Gebiet der Diskussion verschwunden zu sei»;, Ja Deutschland war diese Frage eigentlich nie sehr aktuell, in den östlichen Ländern wurde sie überhaupt nicht gros; aufgeworfen. Dort, wo noch die alten Satzungen in strengster Observanz Geltung hatten, konnte von einer MissionSidee oder gar einer Mifsionöprppqganda keine Rede sein, auch dann nicht, als staatliche Gesetze, die m dieser Hinsicht Beschränkungen auferlegt hatten, nicht mehr in Geltung waren. Der Aufnahme von Proselyten wurde« vo»» seiten Ser Rabbiner solche Hindernisse in den Weg gelegt, dgß ein wirklicher Uebertritt zum Judentum upr sehr selten zustande kam. Mission z»r treiben. Andersgläubige von de« Wahrheiten des Judentums zu überzeugen, daran dachte man schon ans dem Grunde nicht, weil mail ei»» solches Unternehmen für zwecklos hielt: wer »vürde, auch »venu mau ihm die Lehre Mosis noch sv deutlich und darum annehmbar machte, sich zu einem Glauben bekennen, deren Anhänger unter Hatz, boshafter Verleumdung, zumindest herabsetzender Behandlung zu leiden haben und die außerdem noch vielfach in ihrem wirtschaftlichen Fortkommen durch einen gesetzlichen oder stillschweigend geduldeten numrnerus claiisus oder gar einen nummerus exclusivus gehemmt werden? Die Zahl der stark religiös empfindenden Menschen, die sich durch Bibelstndinn» und tiefschürfende Spekulation mit dem Golökeru des Judentums vertraut gemacht haben, wnrde von dem Augenblick an geringer, in dem staatliche und kirHlnHe Mächte darauf üinarbeiteten. ans dem Inden de» Paria per Gesellschaft, aus seiner Religio» ein Zerrbild und eine abschreckende und lächerlich wirkende Karikatur zu machen. Dennoch gab es zu alle« Zeiten solche Märtyrer des Glaubens, die ihre Ueberzengurlg. im Judentum ihr zeitliches und noch mehr ihr ewiges Heil zu finden, mit Marter und Flammentod nicht zn teuer erkauft wähnten. Diese Proselyten wurden aber nicht durch Mission gewönne»». sie gelangte»» aus eige»»er Eingebung dazu, allen Vorurteile», j<» allen angebrohten Strafen Trotz zu bieten llnd sich in Ahrahamß Bund aufuehmen zn lassen. Sv ruhte denn die Frage über eine Missio»» der Juden lange Jahrhunderte. Erst als die sogenannte Anfklärungsjcit begann — das Ende des achtzehnten Jahrhunderts — als sich Gesellschaften zur „Förderung des Christentums »tut« den Juden" bildeten, alö von christlicher und auch von jüdischer Seite an eine An»»ähernna und schließlich Verschmelzung von Judentum und Christentum — natürlich »mmer unter Bevorzugung des Christentums — gearbeitet »vurde. dg »vnrde der Gedanke rege, ob nicht auch das Judentum versuchen könnte, mit Erfolg Mission zu treiben. I« Amerika, wo sich die Religion viel freier anstebcn kann, »vo es jedem ohne Schaden an seiner gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Stellung überlassen bleibt, in welcher Art er sich seine»»» Gott vorstelle»» und iu welcher Form er ihm diene»» »vill» in Amerika »vurde die Frage durch die zahlreichen llebertritte zun» Indent»»»»» altneil. Die Rabbiner hatte» sich im,»»er häufiger »>»it dein Problem zu beschäftigen, in »velcher Weise dieser Ilebertritt zun» Jndentm»» vollzogen rverden sollte, ob man sich nach den» geltenden talmnöischen Gesetz — der Halacha — oder nach einer moderne» oder doch »vieder sehr alten, ebenfalls tal»»»udischcu Auffassung richten sollte. Rabbtnerversarnrnlirugeu beschäftigte»» sich mit dieser Frage, ohne datz cs zu einer Lösung gekommen »väre. Es ist nun interessant festz,»stellen, »vic »veit die Meinungen auch der alten Gesetzeslelircr in diese»»» Punkte auseinanderginge»». Es gab da vier Ausichte»»: R. Elieser meinte, datz die Beschtteidnng genüge und datz der ins Judentun» Aufzunehmendc sich sonst nur zur Beobachtung der sittlichcn Gebote verpflichten rnüsse. R. Jvsua hielt sogar die Bescimeidnng für nicht »»»bedingt erforderlich, sondern nur das Lauchbad sdie Tauses. Dazu sei bcnrerkt, das; die Taufe eirre altjüdische Ei»>rrchtnr»g ist, von der» strengglär?bigen Esiäern. z« denen anch Johannes n«d später Jesus zählten, besonders heilig gehalten wnrde. R. Jehuda verla»»gte für die Airfnahiue ins Inden tun» Beschneidung oder Taufe m»£ überließ es de,», Proselyten. ob er da^ .ftichei» des Bundes an sich vollziehen lassen ivolltc. R. Jose aber, der strengste unter den Lehrern des Gesetzes, verlangte Beschneidnng »»»» d Ta»»sc. »»»»& diese stre»»ge Forderung trug den Sieg davo»» und »vurde zur Halacha, znn» bi»»deuden Gesetz. Die Berpflichtung. alle Gebote »»ud Verbote genau inue.zuhalte»», alle Berenionien zu beobachten, wurde»'» später noch verlangt: ouherdem »vurde die Anfnahrne »»och erschrvert allen denen, die »»icht aus rein religiösen» Eifer und i»,ucrcr Ueberzeltgung beit Eintritt iils Jndeniitn» gustrebteir. Die rabbinische Vorschrift fordert^ datz jeder ansznschsietzen sei. der aus Furcht vor oder ans Ltebe zn eilten» Menschen das Judentum annehrne» »volle. Damit sollte verhütet »verdeu. datz etwa Verbrecher aus Angst vor einer gerichtlichen Verfolgung sich iu das Judentun» flüchten »nöchteu. u»n durch Aenderung des NamenS. der Barttracht, der Kleidung, der Lebensweise sich unkenntlich zu »nachen, oder datz blinde sinnliche Leidenschaft je»»»and zn einer Handlung veranlassen kötutte, die ih»n später nicht nur leid tnr», sondern ih,» wahrscheinlich sogar zum Hatz gegen die Inden erfüllen könnte, weil ein Jude oder eine Jiidin eine so starke Reigm»g er- »veckt hatte. Die wenigen Nichtjuden. die sich trotzden» de»»» Jndentm»» zvivenheten, taten eS auch aus Ueherzengung, bcitit kein Vorteil. nur Nachteile hatten sie zn errvarten. Das jüdische Ressgionsgefetz aber hatte ihnen den Weg nicht erleichtert und »»»ernals hat es Rabbiner gegeben, die ohne »veiteres rnit einen» leichten Lächeln die Bekehrung vollzogen haben. Dermoch zeigte sich die Nottvendigkeit einer Erleichterung und eine Rrickkehr an den milderen Anschauungen des R. Jvsua, des R. Jehuda und der A»»ffass»»ng. die der edle Hittel von der Aufnahme ins JilLentn»»» hatte. Doch rvie stark die konservative Einstclltmg attch der sortst jeder Reform geneigten Rabbiner war. geht daraus hervor, datz ejn bereits 1860 gestellter Antrag. Proselyte» auch ohne Besch»»ei-ung anfzn»eh»r»en, erst 1892 zur A»»nahi»»e gelangte. Bon den deutschen Rabbinern, die ihre Justirnntung zu diese»»» atnerikanjsche»» Beschlnh gahen. »st Abraham Geiger zu erivähne»». In Europa hat bisher keine Gemeinde offiziell zn dieser Frage Stellung genonrmen, in einzelnen Fällen wird wohl immer ein besonderer Beschluß gefaßt werden. Für die jüdische Missio»» ist aber diese Frage von sehr großer Bedeutung. Soll die Wahrheit unter alle Völker ge- Wer kan»» sagen, »vie Sagen entstehe»». Es gibt ragende Gestalten, die gleichsam von Natnr ans mit einer»» Dämmerschein umgebe»» smd: das sind jene als Sageuntedie»» anztlsPrechenden Männer, mtt die sich die Sagen und Legenden wuirdersain »naterialisierei». Znroeilen aber ist es ganz einfach das Kliina, das die Sager»bildung begü»»stigt: es gibt wa»»ch schönen Erdstrich, »vv die Sage»» wachse»», »vie Blutne»» a»»s der Erde sprießen. Die Sagen vo»»» hohen Rabbi Lv»v haben ihre Wurzeln »nehr im Boderr Prags als in der Persönlichkeit Lölve ben Bezalels. Der hohe Rabbi Lö»v war kein Meöiitm der Sage: cs fehlten bei ih»n alle Voranssetznngerr znn» Sagenhelder». Er »var ein groher Gelehrter und eine starke Persönlichkeit, eilt Wundermann »var er nicht. Er ko»»nte »veder Gold mache»» noch eine tote Maise beleben, noch ähnliche W»»»»derdinge tun. Er »var kein Alchimist, kein Astrolog, nicht einmal ein richtiger Kabbalist. In seine,» zahlreiche»» Schriften findet sich Kabbalistisches karnn die Spur. Wohl beschäftigte er sich auch mit Astronomie und mit Kabbala, mit Philosophie und Mathematik, aber er beschäftigte sich damit n»cht anders als »vie ein Professor der Mathematik sich etwa mit Literatur beschäftigt: teils aus Neigung, teils zur Erholung. Datz der hohe Rabbi Lö»v ein Held der Sage ivnrde. ist vor allem der Sagcnträchtigkeit von Zeit und Ort zuznschreibcn. In dein Prag des sechzehnten Jahrhunderts waren die sageirbildenben Kräfte im Volke stark lebendig, und ein besonders »nerkwürdiges Ereignis trug dazu bet, daß sich diese Kräfte an der Person des hohen Rabbi Löw answirkten.?l»n 23. Februar 1502 trat ein Ereignis ein, das in der Prager jüdischen Ger»»ei»öe ungeheueres Aufsehen erregte: an diesem Tage harte nämlich Kaiser Rudolf II. den hohen Rabbi Löiv nach den» Hradschin zur Privataudienz befohlen. Für die Leute im Prager Ghetto bedeutete dies eine Sensation ersten Ranges. Kaiser und Rabbi, Rudolf H. und Lö»ve ben Bezale», Hradschin und Josefstadt — das »var ja au sich schon ettvas Sagenhaftes, Phantastisches Unfaßbares, kurzum ein Ereignis, das nicht aufhörte ein Wunder zu sein, obgleich es da mit ganz natürlichen Dingen zuaina. Man trifft, glaube ich. das Richtige, wenn man diese Audienz als die Keimzelle bezeschnet. aus -er in der Folgezeit die Sagenblüten i»m den hohen Rabbi Löw empvrivuchsen. Der Anlaß zu dieser Privatanbienz »var freilich recht merkwürdig. Kaiser Rudolf »var. wie bekannt, der Alchimie eifrig ergeben, und der hohe Rabbi Lö,v galt als einer der Reisesten der Zeit: nun war der KaiferE offenbar der Ansicht. ein »veiser Rabbi »nüsse anch in der Kunst des Oold- »achens Bescheid »visseu, und so gab er denn den Beseht, datz er hohe Rabbi Lürv vor ihn» erscheine. Es ist so gut wie cher — und fast alle Lvlve-Biographen stimmen darin überii» —, datz die Unterredung sich hauptsächlich u»n die Knust es Goldrnachens gedreht hat: ebenso sicher »st es. datz der Kaiser von» weisen Rabbi nichts über diese Kunst erfahren imutc, denn, um es noch einmal zu sagen, der hohe Robb»!öw »var kein Alchiinist. Ein in hebräischer Sprache abgefatzter Bericht über die lndienz, geschrieben von Isaak Kohen, ei»»en» Schwiegerohne des hohe»» Rabbi Lörv, »st vor Jahren a»»fgefu»»den »ud in der HEäischen Zeitschrift „Hamagid" sJahraang 872, Nr. 14) abgedruckt worden. Der Bericht hat in >eutscher Uebertragung fvlgertöen Wortlaut: „Heute, am Sonntag, den 10. Adar 5362 nach Erschaffung >er Welt, erging durch den Fürsten Vertier ein Befehl des laisers Rudolf an Mordccha» Meisel und Isaak Weist, daß nein Schrviegervater hiabbi Löwe in die Burg, und zrvar in üe Wohnung des genannte», Fürsten sich eiuznsinden habe. D»cse»n Befehle gemäh begab er sich dahin, von seine»»» Srudcr Rabbi Tina» und mir begleitet. Daselbst angeangt. führte uns sofort ei», Diener des Fürsten in einen saal. »velcher mit vielen andern Sälen i« Perbindung tand, von des Kaisers Wohnung sind auch mehrere Zu- »änge zn der Wohnung des Fürsten. Der Fürst erschien »ald nach unserer Ankunft, er begrüßte uns »nit vieler Freundlichkeit, reichte jedem von uns die Hand, geleitete ans sodann in einen andern Saal, »voselbst er uns zum Litzen einlud. »r»»d es nicht zuließ, daß wir unsere Kopf- »edecknng ablcgten. Hieraus führte er meinen Schwiegervater in ein ändcrcs Gemach, »vo er ihn» einen Ehreufitz rnn»ieS. während er selbst ihm gegenüber Platz nahm. Der ^ürst nnterredcte sich mit ihm über geheimnisvolle Diuge. sprach aber so laut, datz »vir alles hören konnten. Das laute Sprechen hatte seinen g»»teu Grund, es geschah deSivegen. damit der Kaiser, der unter eine,»» Vorhang stand, die gau.ie Unterredung hören könne. Der Vorhang öffnete sich dann olötzlich, und der Kaiser trat hervor, richtete a»» memy» Lchwiogervator einige auf die Unterredung sich beziehLndv Fragen, und nog sich dann »vieder unter den Bo^Haug zurück. Der Fürst geleitete dann »neiueu Schwiegervater in das Zimmer, »vo »vir uuS befanden, verabschiedete sich von »ms m»ter der» freundlichsten Berbettgungen. reichte wieder jedem vvn uns die Hand und begleitete «ns bis in den Hofraum. Den Gegenstand der Unterredung müssen wir aber, wie eS bet königlick>en Angelegenheiten üblich ist, geheimhalten." Mau kan« aus diesem Bericht förmlich das Wort heraushören, das im Prager Ghetto Flügel ansetzte und von Mund zu Munde flog: „Der Fürst nnterredcte sich mit ih»»» über geheim»»»svolle Dinge." Die Leute hörten eS. raunte»» sich es einer dem andern »ns Ohr, knüpften daran allerhand Vermutungen, allerhand Schlüsse, bis i»n Laufe der Jahre ans den „geyeimnisvollen Dingen" wundersame Sagen wurden, in deren Mittelpunkt Kaiser Rudolf »md der hohe Rabbi Lölv standen. Man erzählte sich, datz der Kaiser nächtlicherweile den Rabbi in seiner Studierstube in der Josefstadt zu besuchen pflegte: er habe da Wunder über Wunder erlebt. So soll der Rabbi einmal seinen hohen Gast »nit einer wunderbare»» Erscheinung überrascht haben: mitten in der engen Studierstube sah plötzlich der Kaiser die kaiserliche Burg in ihrer ganze,» Herrlichkeit. In dieser Sage rvirö der hphe Rabbi Lö»v, dreihundert Jahre vor der Entdeckung des Radio, als der Erfinder des Fernbildes gefeiert, Der Sagenkreis, der sich rund um Kaiser und tziabb» gebildet hat. ist getvissermaßen ein offenes Geheimnis: sei»» Ursprung ist ersichtlich. Welche Belvandtnis hat es indessen mit der Golemsage? Sagen sind Blmnen: rationalistisch zerpflückt, verlieren sie an Duft. Dennoch möchte ich die Deutung des Dr. Grün »viedergeber», »veil sie mir der Wahrheit uahezukommen scheint. Dr. Grün vertritt die Ansicht, die Geschichte vom Golem habe der Hobe Rabbi Löw in einer seirter Predigten als Gleichnis erzählt. Der Sinn der Geschichte ist klar: Der Golem ist der Mensch, das heilige Täfelchen ist der göttliche Odem, der den Mensche»» beseelt: das menschliche Leben ist Mühe »»»»d Plage und Nnrnh, und Arbeit, und wenn -er Tag des Lebens sich neigt und die Nacht des Todes hereinbricht. da »vird dem Vienschen bgS heilige Täfelchen genommen und er finkt zn Boden als eine Tomnasse — ein Golem. Das Gleichnis vom Golem gefiel -en Leuten, sie erzählten es »veiter. sie überlieferten eS ihre« Kindern, diese »viederum den ihren. eS rvanderte von Geschlecht ans Geschlecht und eS »vandcrte svlangc, bis schließlich der Märchenerzähler selber in das Märchen binübergeivandert »var: das Gleichnis »var vergessen nnd zurück blieb die Geschichte vom Golem des hohen Rabbi Lö»v. Aus allem aber. »vaS wir vom hohen Rabbi Lörv »visien und »yas die Sage Wer ihn berichtet, läßt sich nur das eine schließen: Ex war eine faszinierende Erscheinung, im eigentlichen nnd im übertragenen Sinne hvchgcwachie,» und eines Haupts länger denn alles Volk.

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