Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 17 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ge-ankerrgänae war. Etiv«s von den Gaben eines Mose könnte der künftigen Rabbinergencratioir nichts schaden. Dann stellt das rechte Wort zur rechten Zeit fwft ei" Bon Rabbiner Dr. Arthur RosentHal, Berlin- Lrchtenberg. Prinz Max von Baden über Walter Raihenau und Max Marburg. Der folgende Aufsatz zeigt all Hand des jüngsten Memotrenwerkes erneut die Unsinnigteit der Legende vom „jüdischen Dolchstoß". Selbstverständlich svll durch seine Wiedergabe nicht zu der in das Gebiet der allgemeinen Politik gehörigen Frage Stellung genommen werden, welches Borgehen bei den Entscheidungen des Jahres 1618 für Deutschland zweckmäßiger und nützlicher sein mußte: Das erneute Aufräumen gegen die Kriegsgegner oder die schnellste Liquidierung des Weltkrieges . Die Red. Die Juden haben den Weltkrieg angezettelt. Jedenfalls haben sie planmäßig Deutschlands Niederlage herveigeführt. So versichern die geistigen Erben jener Fanatiker, die im Mittelalter behaupteten, die Juden hätten die Brunnen vergiftet. die Pest erfunden, Hostien gemartert und Christenkinder geschlachtet, weshalb sie die Juden erschlugen, beraubten. verbrannten und austrieben. Unter den Juden der Neuzeit, die im Kriege oder nach dem Krieg eine Rolle spielten, haben zwei besonders von den Rassenschnüffleru gehässige Angriffe erfahren. Walter Rathenau ist schließlich ermordet worden: Max Warburg war das Ziel so wüster Schmähungen, daß er die Stinkbombcnwerfer den Gerichten Überlieferte. Ueber diese beiden Juden finden sich bemerkenswerte Aeußerungeu in den soeben erschienenen „Erinnerungen und D o k u m e n t e n". die Prinz Max von Baden, der letzte Reichskanzler Wilhelms II.. herausgegeben hat. Sic zeigen, wie inbrünstig der Vetter des Kaisers um die Erhaltung der Monarchie und um das Wohl und die Ehre deS deutschen Volkes bemüht mar. Er sträubte sich auS Leibeskräften gegen Ludcndorffs Verlangen, sofort um Waffenstillstand und Frieden zu bitten. Sollte er sich auch schließlich der stürmischen Forderung der Obersten Heeresleitung fügen, so erzwang er -och wenigstens einen kurzen Aufschub und setzte seine Hoffnung immer noch in ein „letztes Aufgebot" Auf diesem seinem Gedankengang begegnete er sich mit Walter Rathenau- Er schreibt über die Vorgänge vom 7. Oktober 1618: . . Gerüchte über die Gesundheit des Generals Ludendorfs vermehrten unsere Besorgnis. Oberst Bauer war dienstlich in Berlin und hatte sich mehreren Chefs gegenüber sehr pessimistisch über den Zustand des Generals ausgesprochen. Da drang mit einem Male der Alarmruf „Ludendorff muß fort, er har die Nerven verloren" in die Oeffentlichl'eit. aller Kriegszncht zum Trotz, der sich die Prelle vier Jahre lang so geduldig nnterworfen hatte. Walter Rathenau schrieb in der „Vossischen Zeitung" (vom 7. Oktober 1918) unter dem Titel „Ein dunkler Tag" . . . Und nun gibt Prinz Max von Baden den ganzen Wortlaut des Artikels wieder, der mit den Worten beginnt: „Der Schritt war übereilt. Wir alle wollen Frieden. Wir. die wenigen, haben gemahnt und gewarnt, als keine Regierung ^daran dachte, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Nun hat man sich hinreißen lassen, im unreifen Augenblick, im unreifen Entschluß. Nickt im Weichen mußte mau Veryanötzzngen beginnen, sondern zuerst die Front belast i g e n. Die Ge-mer mußten sehen, daß der neue Geist deS Staates und Volkes auch den Geist und Willen der Kämpfenden kräftigt." Und er fuhr fort: „Kommt die unbefriedigende Antwort, die Antwort die den Lebensraum uns kürzt, so müssen wir vorbereitet sein. Die nationale Verteidigung, die Erhebung des Volkes muß eingeleitet, ein Verteidiqnngsamt errichtet werden." Und er zeichnete die Richtlinien vor für die ievöe cn masse und schloß mit den Worten: ..Einer erneuten Front werden andere Bedingungen geboten als einer ermüdeten. Wir wollen nicht Krieg, sondern Frieden. Doch nicht den Frieden der Unterwerfung." Was sagt Prinz Max von Baden zu diesem Aufsatz Rathenaus? Er sagt: „Das war der Herzensschrei eines großen Patrioten. Er traf mich hart. Seit dem 5. hatte ich versucht. mich auf den Boden der Tatsachen zu stellen, nach vorn zu sehen und nicht zurück auf den Kamvf. den ich gegen das Wafsenstillstandsangebot geführt und verloren hatte. Nun auälte und fragte ich mich wieder aufs neue: war auch wirklich das Letzte geschehen, um öeu übereilten Schritt zu verhindern? Erst Jahre später habe ich von Freunden erfahren, daß R a t h e n a u am 2. Oktober w i e ein Kind geweint hat und seinen erfindungsreichen Geist zermarterte, ob er nichts tun könnte, um das Angebot anfzuhalteu. Wäre er doch an jenem Tage zu mir gekommen! Ich hätte diesen Bundesgenossen brauchen können." So Prinz Max von Baben. Er stellte auch den Vorschlag RathenauS in der Kabinettsberatung mit Ludendorff zur Erörterung. Aber der General erklärte — am 8. Oktober — kurz und schroff: „Ich verspreche mir trotz Menschenmangels von levse en masse nichts . . . Lev&e en masse würde mehr zerstören, als man vertragen kann." Dennoch bleibt eS bei dem Urteil des Prinzen Mar: Rathenaus Aufsatz war der „Herzensschrei eines großen Patrioten." In nähere persönliche Fühlung als mit Ratheuau kam Prinz Max mit Warburg. Als sich Anfang 1918 aus den öffentlichen Reden Lord Lansdownes die Möglichkeit eines Berftändignngsfriedens zu ergeben schien, reiste Max Warburg im Einvernehmen mit dem Grasen Hertling nach dem Haag, um dort gemeinsam mit der deutschen Gesandtschaft das Terrain zu studieren. Auch ein Vertrauensmann des Prinzen Max wohnte den Beratungen bei. Ueber das Ergebnis erstattete Warburg sowohl dem Reichskanzler Bericht wie dem Prinzen, dem die Aufgabe zufiel, dem englischen Staatsmann öffentlich zu antworten. Als schließlich der badische Thronfolger selber an die Spitze der Reichsregierung trat, wurde Warburg vielfach zu Beratungen zugezogen, insbesondere schon beim Kampf des neuen Kanzlers gegen das unverzügliche Waffenstillstandsangebot. „Was geplant wird, bedeutet ein Jena, das ist die weiße Fahne", hatte der Vertrauensmann des Prinzen dem Vertreter der Obersten Heeresleitung, Oberst von Haesteu, telephonisch zueerufen, aber die Antwort erhalten: „Sie kennen die militärische Lage nicht" „Ich beschloß." schreibt Prinz Max. „Herrn Max Warburg zu Hilfe zu rufen, um gegen die Illusion anzukämpfen. Amerika würde Entgegenkommen zeigen, wenn mir uns demütiaten. Warburg mar als einer der besten Kenner Amerikas von unseren militärischen und politischen Behörden mehrfach zu Rate gezogen worden." Warburg kam, und der Prinz berichtet: „Er hatte schon von der furchtbaren Zumutung gehört, die an mich gestellt wurde (bei Uebernahme deS Kanzleramts alsbald das WaffenstillstandSgesuch an Wilson zu richten), und war überzeugt, daß mir verloren wären, wenn mir dielen Weg muaen. Ick dürfe nicht annehmen, der nene Kanzler wäre von vornherein lahmaeleat. „Wenn die Militärs die Lage so anselien, so lassen Sie sie selbst mit der weißen Fahne hinübergehen." Ich sollte mich nicht mißbrauchen lassen: es käme der Tag. wo man mir die Verantwortung znschicben würde. Ich entaeqnete ibm, der Schritt von Armee zu Armee wäre die Kapitulation im Felde. So weit wären wir noch nicht. Das von mir berbeiaefnhrte Gespräch zwischen Warbura und .ftaeften fand in meiner Gegenwart! statt. Warburg schilderte die Amerikaner, wie er sie von seiner Gefchästserfahrnna bcr kannte: die besten Vertreter in ihrer Vornehmheit und ihrem Verantwortungsgefühl, und dann die eurovgfremden eigensinnigen Formalisten. Wenn wir uns setzt demütigten, dann würde nicht der gute Tnp die Lage bcherrsch-'n. sondern der andere. ..Wilson kann sich dann ge^en das Rart-iwe^-'n nickt durchsetzen, passen Sie ans. er fordert die deutsche Republik." Zum Schlnlle sacite er s^vvbnrctz; . Es kommt mir seltsam vor. daß ich als Zivilist d"n Militärs zurn?en muß: Kämpfen Sie weiter! Ich weiß, daß m e i n einziger S n h n . der jetzt a u s g e b i l d e t wird, tu vier Wochen iw Schützengraben ist: aber ich beschwöre Sie. machen Sie jetzt nicht Schluß!" Haelten aber zog sich aus die Parole rnrück. die in diesen Tagen wie eine Zwauosoorstellnug das militärische ' Denken zu beherrschen schien: Die Armee braucht Rnbe."; So weit Prinz Mar non Raden. Be, Vorbereitung der; Rede, die der Reichskanzler dann zu halten batte, wurde Hae'wn nnd Hapb^anu als ^qck'"--stäub^aer auch Wf»vbyra zn Rat ae-naen. d^r Eutwnrl wurde so. daß die Oberste .st>e-"-es^?tnua ..Tie Rede da*s nicht aehalten werden. Weil ne den Wasf-'nstillstand verhindern > ittt ddie Arwee b-rauckt Rntz«'" Dann aalt es di" drittbeantworten. In den Entwurf ließ Prinz die Satze ausnebweu: .Die dentra«^ Ve»i"ru'^^ erwartet V^r'ch'"^«' siir einen Wgtfenstillstgntz v?rM das AiL'vv"n -p*"" ^oll der °>Massenstillstavd einen RechssE"'"den einteit-'n, der den gz^nn^^'^tzea des w^äNd'»'ten e"ttvricht so darf e« dew dänischen Volke nicht die Möecjchke't nebwen. den Einzelheiten des Friedensnertraoes in freier En^ckEZmna znznstiwwen." Im Anschluß an diesen Text berichtet Prinz Meix in seinem Ertnnerungswerk weiter: „Ich legte entscheidendes Gewicht auf die Antithese: Waffenstillstand — Wafscustreckung. darin bestärkt durch Max W a r b u r g. der sonst uie ungerufeu kam. aber am SS. -Oktober in der Reichskanzlei erschienen war. voll Empörung über die Note WilsonS: „Ich bin mir der ameririkanifchen Volksseele durchaus sicher: wir dürfen uns nm keinen Preis länger treten lassen, sondern so I11 c it uns auflehnen. Es müßte etwas in die Note hinein, das dte Feinde vor der Entschlossenheit eines Volkes warnt, das man zur Verzweiflung treibt." Aber die schärfere Tonart des Reichskanzlers fand keine Zustimmung mehr, und es wurde „ein gottergebenes, len-den-- lahmes Machwerk", das über den Ozean ging. Angesichts dieser Zeugnisse des Prinzen Max von Baden darf man fragen: Haben die Juden Walter Rathenau und Max Warburg das deutsche Vaterland verraten? Haben sie an seinem Niedergang gearbeitet? Haben sie seinen Zusammenbruch gewollt und ersehnt? Oder sind sie nicht vielmehr, der eine wie der andere, in Geist und Tat. mit Herz und Haupt „große deutsche Patrioten" gewesen? Doch Rathenau wurde meuchlings abgetan und Warburg mit Unflat überschüttet. Wie sagt der Dichter in bitterer Erkenntnis: Ucbers Niederträchtige niemand sich beklage. Denn es ist das Mächtige, maS man dir auch sage . . . für. I. Levy. Line Weltfriedenskonferenz aller Religionen. Der 1914 von Andrew Carnegie begründete Verband der Kirchen für Frieden in der Welt teilt mit, daß im Jahre 1928 eine Vorkonferenz zwecks Vorbereitung einer Weltkonferenz aller Religionen für Frieden in der Welt, die im Jahre 1939 abzuhalten sein wird, stattfinden wird. Zweck dieser Konferenzen wird es sein, alle Religionen in der Welt gegen die Möglichkeiten von Kriegen und gegen Kriegsrüstungen zu mobilisieren. (Jta) Kleine Zeiiglossen. Die Wahlen in Oesterreich. Die Wahlen in Oesterreich haben rein äußerlich leine besondere Veränderung der Machtverhültnisse gebracht. Die Sozialdemokraten haben ihre heißumstrittene Positiv n im Wiener Rathaus glatt gehalten und im N a t t o n a l r a t einige Mandate erobert, ohne aber die bürgerliche Regierungsmehrheit zu brechen. Während sedoch die frühere Opposition im Wiener Gcmeinderate rein christlichsozial war, weist sie jetzt dank der bürgerlichen Einheitsliste einen grotzdeutschen und vielleicht auch einen liberalen Einschlag ans. Doch ist diese Bereicherung der Parteinuancen im Wiener Stadtparlameut nicht, wie geplant gewesen, auf Kosten der Sozialdemokraten, sondern auf dem Rücken der Christlichsozialen und Z i o n i st e u erfolgt. Die Jüdisch nationalen, die nach dem Umsturz im Rathaus zuerst mit drei, dann mit einem Mandat vertreten waren, sind diesmal leer ausgegangen. Ihrem letzten Vertreter, dem Rechtsanwalt Dr. LeopoldPlaschkes. muß nachgerühmt werden, daß er die jüdischen Jnteresien mit Eifer verfocht, wozu freilich in einer Körperschaft mit sozialdemokratischer Zweidrittelmehrheit keine besondere Ztvilkourage gehörte. Seine Kühnheit verriet er eher dadurch, daß er bei vielen Abstimmungen auf Seite der auli* semitischen Opposition zu finden war. Den Sozialdemokraten hat er mit dieser Taktik nicht weiter geschadet, wohl aber, wie sich zeigt, seiner eigenen Partei. Die Mehrheit Mfa Wiener Juden hat das zionistische Mißtrauen gegen me Sozialdemokraten nicht geteilt, sondern es auf die bürgerliche Einheitsliste übertragen, auf der kein einziger Jude, dafür aber prononzierte Hakenkrcuzler prangten, i Diese haben die versprochene Werbekraft nicht anfge- ' bracht, sondern sind glänzend durchgefallen. Dafür sind die; ihnen nahestehenden Großdeutschen, fossile Ucberbleibsel aus der Zeit des altösterreichischen Nationalitätcnhaders. durch die Einheitsliste vor dem Untergang, den sic : bei einer Kandidatur auf eigene Faust sicher gefunden! hätten, noch einmal bewabrt worden. Sie werden sicher ihre Existenzberechtigung durch antisemitische Reden, da sie ja sonst der Welt nichts zu bieten haben, zu erweisen trachten, und cs bleibt nur abzuwarten, wie weit ihnen dabei die Christlichsozialen, die nach wie vor die stärkste bürgerliche Partei im Parlament, den Landtagen und Gemeindevertretungen sind, Gefolgschaft leisten werden. Es muß sich! erst zeigen, welche Konsequenzen Bundeskanzler Seipel ans dem Wahlresultat ziehen wird, ob er die Kräftigung des „Mit Gottes Hilfe werden wir sie stufenweise aufsteigen lassen und dafür Sorge tragen, daß beim Bortraa der Halacha aufmerksame, tüchtige, scharfsinnige, im Pilvul gewandte Gelehrte auch aus deutschen Gemeinden und sogar gegen Entgelt anwesend sind, um sich an angemessener Disputation zu beteiligen." Der Sohn R. Diviös. Dr. med. et phi-1. Abraham, will sich ganz dem Lehrfach widmen: „Ich. Staub und Asche, der Sohn Abrahams Provenzalr, der hilflose Arzt, harre des Heils in vvrbezeichnetcr Weise, euch und uns jederzeit zum Guten. Ich bin gewillt, mich nicht weiter mit der Ausübung der Arznetkunst zu befassen, wenn Gott mich würdigt, daß ich mich der großen Wohltat anfchließen kann." „Alles Obige habe ich, David, wohlweislich erwogen, führt bas Programm weiter aus. „um die ersten Männer der Gemeinde zu erwecken, daß sie dazu beitragen, der Thora und der Wissenschaft an einem bestimmten Orte nach obiger Weise eine Stätte zu bereiten, ja noch mehr, eine große Gelehrtenakademie zu errichten mit einem Rektor an der Spitze mit Hille allgemeiner Beiträge. Denn dies Unternehmen ist ein höchst verdienstliches, das alle Angehörigen unseres Volkes unterstützen sollten, damit es möglichst vollkommen auSgeführt werde, und zahlreiche Gelehrte, jeder in seinem Fache, sich dabei beteiligen können. Denn es ist unmöglich, das einer oder zwei alle obenerwähnten Vorlesungen halten können, außer mit großer Schwierigkeit und übermäßiger Anstrengung, zumal in verschiedenen Abteilungen und Klassen von Schülern. Wohl aber können durch Beisteuer öer Gemeinden zahlreiche Gelehrte für die verschiedenen Fächer angestellt werden. Ferner können auf diese Weise arme Jünglinge, die die projektierte Anstalt besuchen wollen, unterstützt werden." R David erklärt sich auch bereis, für das leibliche Wohl öer Studenten zu sorgen, für sie ein Hans zu mieten, wo sie unter Beaufsichtigung von Aufsehern leben und ihrem Studium obliegen können. Die Idee wurde leider nicht verwirklicht. Deshalb die erhoffte Unterstützung der Gemeinden und der reichen Leute in ihnen ausblieb, weiß man nicht. Der Name des Provengalt batte in der Geiehrtenwelt einen sehr guten Klang, daran konnte es also nicht liegen. Vielleicht war aber, trotz aller betonter Strenggläubigkeit. bas Unterrichtsprogramm doch zu liberal und man erblickte in der Pflege fremder Sprachen eine Gefahr für den Glauben. Die jüdische Universität blieb ein gutgemeinter Plan. Als ein Dokument der Zeit darf der Aufruf des N. David tz. Atznadam Provenzali wohl Interesse Ve^nsvrnchc'n. Ser jlidllche Palm. In Rom, in der vormals allbekannten deur- 'chen Buchhandlung von Löscher, nunmehr P. Maglione & C. Strini, ist vor einigen Jahren ein Buch des ictzt in Palästina weilenden Dr. Giacomo Blustein: Storia degli Ebrei in Roma — Geschichte der Juden in Rom — berauSgckommen, aus dem wir eine Probe in der autorisierten Uebersetzung von Margarete Marasse zum Abdruck bringen. Ein sebr fruchtbares Terrain für Legenden bildete die jüdische Abkunft d's Papstes AnaklZnS. welcher der Familie der Pierleoni entstammte. Das einfache Faktum mar geeiauet. die Einbildungskraft zu erhitzen. denn der Kontrast zwischen der untergeordneten bürgerlichen Stellung der Juden und dem Schicksal. w"lckes einem von ihnen durch eine seltsame Kombination der Ereignisse beschicdcn war, gab Anlaß aenug dazu. Diese Legende war in vielen Varianten verbreitet, sie glichen sich nicht völlig, da sie wahrscheinlich in verschiedenen Onellen ihren Ursprung hatten. Dem frommen Rabbiner Simon sollte ein Sohn geraubt worden sein, der narb seiner Danse in ein acistsschrs Seminar aesteckt. von Stufe zu Stute stieg, bis er schließlich Pavst wurde. Aber b^r Keim des Zweifels lebte, dunkel und beunruhigend in seiner Seele. Der Pavst wird zur Beute seiner quälenden Zweifel an der Wahrheit des christlichen Dogmas. Und so kommt es dazu, daß er seine Untergebenen mit dem Tode bedroht, wenn sie ihm das Geheimnis seiner Geburt nicht enthüllen. Sie bekennen es ihm und sehen darin eine qistKiche Füanna. welche ihn zum Herrn der Welt erkoren. Darauf befiehlt der Va'sst den Vater Simon zu sich und befraat ilm nach der Zahl seiner Kinder. Der fromme Rabbiner zählt sie alle ans. einen ansqenommen. Elhanan. — aber durch die Hartnäckigkeit des geheimnisvollen Befragers bezwungen, erzählt er, daß dieser Sohn ihm geraubt worden war. Aus verschiedenen Kennzeichen, welche anzugcben der Vater nicht umhin kann,! durchschaut der Papst die Wahrheit und bekennt sich als ein! Sohn des Simon. Alsdann, einer Eingebung des Vaters folgend, hält er dem Volke eine Rede, in welcher er klipp ' und klar die übernatürliche Geburt von Jesus und die Wahrheit des Christentums leugnet. Und als ihn die Bischöfe, in der Meinung, der Pavst habe den Verstand verloren. umringen, um ibn fortzuführen, schreit er laut, ihr . Glanb:n sei d<r helle Wahnsinn .... Darauf wirft er sich! in tiefer Tragik von dem Turm, aus welchem er die Rede gehalten, herab: offenbar eigneten sich des Umstürzlers . Gedanken nicht für seine Stellung. Dem Vater blieb nichts anderes übrig. alS ein Tvauergebet beim abermaligen Tod von „Elhanan", seinem verlorenen Sohn, zum Himmel zu schicken. Eine andere Version hat wahrscheinlich ihren Ursprung : in irgendeiner Gemeinde germanischer Länder. Auch hier! wurde dem Vater der Sohn von einer christlichen Magd i geraubt, während die Elternin der Synagoge beteten. Aber hier ist dem Sohn seine Herkunft bekannt, und bewegt von der Sehnsucht, den Vater wicderzusehcn, stachelt er zu einer Verfolgung der Inden von Mainz an. in der Hosf- . nnng. daß Simon, sein Vater, als geachteter Rabbiner an ■ der Spitze einer Deputation zu ihm gesandt werden würde. um ihn zu besänftigen. Und so geschah cs in der Tat. Die , römischen Juden sind nicht wenig befremdet über die Hal- ) tung des neun: Papstes, der sich ihnen so geneigt zeigt.! daß er die Gesellschaft eines Juden, mit dem er Schach spielt, nicht verschmäht. Auch Simon bewundert die Gelehrsamkeit und die Kenntnisse des neuen, in hebräischen Studien so bewanderten Papstes. Er nimmt die Einladung zu einer Partie Schach an. Der Jiabbiucr. ein berühmter Spieler, wird zu seinem grenzenlosen Erstaunen vo^. Pavst besiegt, und als Simon darauf die herben Leiden seiner Glarcvensgenvssen von Mainz zur Sprache bringt, hält der Sohn nicht mehr an sich und enthüllt dem Vater die Wahrheit. Die beabsichtigte Verfolgung wird natürlich sogleich inhibiert, und der Papst selbst verfaßt eine polemische Schrift gegen das Christentum, deren Lektüre er seinen sämtlichen Nachfolgern auf dem Thron St. Peters auferlegt. Darauf flüchtet er in seine Vaterstadt, während man ihn in Nom auf Nimmerwiedersehen verschwunden glaubt. So lebte, gerade durch die harte Wirklichkeit, die Phantasie auf. und die Legende des jüdischen Papstes nahm un- , bewußt sarkastische Formen an, sie wurde zur Herausforderung der katholischen Welt mit ihren heimlichen, ver» ' geblich durch Mysterien verschleierten Schwächen.