Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-04-29 · 17 (29.4.1927) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
17 (29.4.1927)
Date
1927-04-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613895-2613912--2243-2619693
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

I r t! x \ j: < | t I! j l I ■ i' i: h (:!, I; <!!?! V' i;; l l: & Hevr. Grammatik: Das Verbum mit Exerzitien. — Talmud Traktat SynHedri'n in Auswahl. Traktat Maccdt vollständig. Traktat SHebuot Fol. 30—38 mit Tossaphot und Ascheri. Dr. Bernays las: Griechisch, Homers Ilias Buch 9—12, Herodot Buch Ü und 7. Plato, Alkiviades I, n und Pyädon. — Latein: Birgil Aene'is Buch K und 7. Auswahl aus Horaz' Oden. Tacitns Annalen Buch 13—18. — Geschichte: Mittelalter und orientalisches Altertum. — Deutsche Stilübungen verbunden mit Prosalektüre aus Goethe und Lessing. Dr. Zucker m a u n las in der oberen Abteilung Geometrie: Stereometrie, Trigonometrie. Arithmetik: Gleichung und Lösung synthetischer Ausgaben. Physik: Wärme, Magnetismus, Elektrizität und Elektromagnetismus. In -er zweiten Abteilung las er Geometrie: Quadratur des Kreises und Lösung geometrischer Aufgaben. Arithmetik: Gleichungen ersten Grades und Logarithnren. — Physik: Statik und Mechanik der festen Körper. Dr. Joel las in der zweiten Abteilung: Xenophons Memorabilien Buch 2. Platos Apologie. Homers Odyssee 14—16. Ilias Buch 1. — Uebersetzungen aus dem Deutschen ins Griechische. Latein: Ausivahl aus Livius, Cicero und Virgil. Gramatik mit allwöchentlichen Exerzitien. Deutsch: Tasso und Iphigenie. — Geschichte: Von der Reformation bis zur franz. Revolution. Französisch: Anfangsgründe der Grammatik mit angemessener Lektüre. Von den 3 3 Hörern — davon 8 Ausländer, besuchten 12 die Universität. Im Lehrerseminar unterrichteten Dr. Grätz, Dr. Joel, Dr. Zuckerwann und Kantor Deutsch. Als Hilfslehrer wirkten Herr Baranek und Herr Seligsohn. Lehrfächer waren: Religions^egenstände unter Kombinierung mit der unteren Rabbinerabteilung, Deutsch, Geographie. Geometrie, Arithmetik, Rechnen (Regeldetri uiw.), Physik, Gesang. Das Lehrerseminar zählte 8 Hörer, hierunter einen Oesterreicher. Bon den zur Zeit am Seminar wirkenden Dozenten lehren die Herren: Dr. Seinemann und Dr. Lewkowitz Religionsphilosophie und allgemeine Philosophie unter Berücksichtigung der Systeme großer Meister. Dr. Rabin und Professor Guttmann dozieren Talmudica, Dezisvren, Schulchan Aruch. Außerdem wird Hebräische Grammatik, Targumim, leichte Partien des Talmud von Dr. Heinemann behandelt, von Dr. Ra bin Bibelexegese, exegetische Literatur, jüdische Geschichte, historische Uebungen und Geographie Palästinas. Um das Gebiet der Pädagogik un-d die Methodik des jüdischen Religionsunterrichts macht sich Dr. Lervlorvitz wohl ve Ee nt. So ist die Kette ununterbrochener Arbeitsenergie zum Ruhme der Anstalt von Anbeginn bis heute kraftvoll weitergeführt, nur daß meines Erachtens von -.allzu eisiaer Starrheit im Laufe der Zeit abgewichen und die Entwicklung jüdischer Lebensrdeen ausdrücklicher betont und bejaht worden ist. m ' 3. Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Das Bestehen und die Entwicklung des Judentums steht mit dem vorurteilslosen Ausbau seiner Wissenschaft in unlöslichem, ganz harmonischem Zusammenhang. Verwaiste Lehrhäuser, fehlende Lehrer in Israel, einseitige Bestrebungen und MethodenveralteterArt.dieden Grundstein des Jakobzeltes in bedenkliches Wanken geraten ließen, riefen den Wunsch wach, neben der zur Zeit nur in Breslau bestehenden Anstalt auch in Berlin eine Lehranstalt zu schaffen. Der Staat hatte der Pflege jüdischer Wissenschaft auf seinen Hochschulen keine Beachtung geschenkt. Nur einige Fächer, die zufällig als Teile anderer Disziplinen anzuseben sind, wurden betrieben: semitische Sprachen nur Bibelexegese. Andere und die wichtigsten Teile wie Geschichte der Juden, ihrer Kultur und Literatur, Religionsphilosophie usw. waren ausgeschlossen. Wie unabweisbar war die Aufgabe, dieser'Wissenschaft eine Heimat zu bereiten, wo sie gesichert, geordnet und unabhängiaaelehrt und gemehrt werden konnte! Wahres Wissen — so fühlte man deutlich — könne nur auf dem Wege freier Forschung gefunden werden. Pietätvoller Fleiß und wahrheitsdurstige Freiheit sollten die beiden Hebel sein zur Erhaltung lind Hebung des Wissens vom Judentum. Als Quelle für die Entstehungsgeschichte der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ist ihr „Gedenkbuch" anzusehen. Nach diesem Bericht kam ein kleiner Kreis von Männern auf Einladungder Herren Stadtrat Moritz Meyer und Professor Dr. W. Lazarus- Berlin im Hause des Herrn Meyer im Sommer 1867 zusammen. Sie beschlossen, zu Beginn des Wärters 1867 eine größere Versammlung zn,berufen. Es sollte beraten werden, welche Möglichkeit sich für die Errichtung einer Lehranstalt ergäbe, und ob überhaupt die Notwendigkeit hierzu vorliege. Nack stattgehabter Versammlung wurde ein Aufruf erlassen, der den Ausdruck des Willens für Errichtung einer höheren Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums kundgab. Aeußere Umstände verhinderten die Förderung des Gründungsgedankens, bis endlich im Frühjahr 1869 Dr. Paul Meyer, der Sohn des inzwischen verstorbenen Stadtrats, die ideale Arbeit seines Vaters energisch weiterbetrieb. Im Mai 1869 ging ein neuer Aufruf in die Welt hinaus, der die Namen folgender würdiger Persönlichkeiten trug: Professor Lazarus, Kommerzienrat B. Liebermann, Dr. Paul Meyer, Dr. I. Neumann und Professor Dr. H. Steinthal. Man entwarf einen vorläufigen Grünöüngs- und Lehrplan. Am 26. Dezember 1869 und am 5. Januar 1870 waren die Vorarbeiten zu Ende geführt. Die hervorragende Kulturstätte war gegründet. Die Hochschule sollte eine selbständige Lehranstalt werden, „von den Staats-, Gemeinde- und Synagogenbehörden unabhängig." Ihr Zweck war die Erhaltung, Fortbildung uno Verbreitung der Wissenschaft des Judentums. Aus diesem Grunde wurden zunächst Vorlesungen gehalten, die der gesamten Wissenschaft des Judentums gewidmet waren. Es war vorgesehen, daß die Vorlesungen die Universitätsstuöien ergänzen sollten, insbesondere dergestalt, daß diejenigen, die sich dem Rabbinats- und Predigtamt hingeben wollten, Gelegenheit zu ihrer vollständigen Ausbildung fanden. Nach dem großen Krieg 1870/71 ist die Hochschule am 6. März 1872 eröffnet worden. Am selben Tage fand die Eröffnungsfeier im Saale des Brüdervereins statt. Gesänge, komponiert von Musikdirektor Lewandowski, begannen und beschlossen die Feier. Philippson, Geiger und Lazarus haben Fest- und Weihereden gehalten. Von Mai 1872 bis April 1874 war das Lokal der Lehranstalt in der Spandauerbrücke 8. Dann wurde es nach dem Haus Unter den Linden 4a „Brüderverein zur gegenseitigen Unterstützung" verlegt. Jetzt hat die Hochschule ihr ansehnliches Heim in der Artilleriestraße. Die ersten Lehrer der Hochschule waren die Herren: Dr. Cassel. Dr. Abraham Geiger, Dr. Israel Lewy, Professor Dr. H. Steinthal. — In die erste Matrikel waren zehn Hörer einaezeickuet. Vom Lehrplan im Sommersemester 1872 seien folgende Vorlesungen genannt: D r. C a s s e l: 1. Geschichte der Juden zur Zeit des zweiten Tempels bis zum Beginn der Römer- Herrschaft in Judäa. 2. Das Anamäische in der jüdischen Literatur. D r. Geiger: 1. Einleitung in die Wissenschaft des Judentums. 2. Einleitung in die biblischen Schriften, allgemeiner Teil. D r. Lewy: Verschiedene Zweige des Talmud, und zwar: 1. Misebnah, 2. Gemarah kursorisch, 3. Gemarah statarisch, 4. Dezisoren, Jore Dca. Dr. Steinthal: Erklärung des Deuteronomium. Welch ein Gei st in diesem Plan! Welch ein Symbol! Die Präparandie umfaßte junge Männer aus den Ländern minder entwickelter Kultur. Sie hatten Gelegenheit, sich für das Abiturium vorzubereiten. Zwar hatten ste gute rabbinische Kenntnisse, sie sollten jedoch Zöglinge der Hochschule und Jünger der Wissenschaft des Judentums werden. G nwartig find Männer als Lehrer der Hochschule tätig, nc sich eines klangvollen Namens in der Welt der Wissenschaft erfreuen. Die Herren Dr. »A h l b e ck und Professor B a n e t h lehren Talmud und Dezisoren, Prof. Dr. Elbogen, dem wir gelehrte Werke auf dein Gebiet der Entwicklung des Gottesdienstes und der Geschichte verdanken, doziert hauptsächlich Geschichte, Rabbiner Dr. B a e ck, der Präsident der Grotzloge und vielseitiger Wissenschaftler, behandelt Pädagogik, Homiletik und vergleichende Religionsphilosophie. Dr. Torcziner lehrt scharfsinnig die Bibel und ihre Kritik und doziert auch hebräische Grammatik und hebräische Stilistik. Dr. Freund läßt in seinen Vorlesungen kunstvoll Zusammenhänge entstehen, die das Band der Entwicklung um die Entstehungsgeschichte und den geistigen Ausbau des Gemeindelebens der preußischen und deutschen Judenheit schlingen. Prof. Dr. Guttmann ist der Dozent der Religionsphilosophie. Bemerkung: Bei dieser Gelegenheit will ich nicht verabsäumen, der Prüfungskommission des liberalen Rabbinerverbanöes Deutschlands Erwähnung zu tun. Diese Kommission tritt von Zeit zu Zeit je nach Bedürfnis zusammmen, um Kandidaten, die aus triftigen Gründen, ihr Studium an einer der bestehenden Lehranstalten, wie z. B. am orthodoxen Rabbinerseminar, nicht beendigen zu dürfen glauben, als Extraner einer Prüfung zu unterziehen. Selbstredend muß jeder Kandidat bei der Meldung seine wissenschaftliche Reife erweisen. Er bat schriftliche Arbeiten, die ihm aus den verschiedenen Gebieten gestellt werden, anzufertigen und ein mündliches Examen zu absolvieren. *7 Altsklang. Im Buche Iosua ist das bemerkenswerte Wort zu lesen: „Du sollst darüber Nachdenken Tao und Nacht!" Ist das nickt die Ausführung des Vermächtnisses unseres unsterblichen Lehrers Mole, wenn Iosua in lebenstiefer Erfassung jüdischer Werte den Gedanken der steten Forschung seinem Volke mahnend ans Herz legt? Das Mysterium des Moseheiligtums sollte schon zu seinen Zeiten, als das Volk doch gewiß noch auf einer tiefen Kulturstufe stand, nicht im nächtlichen Dunkel zu einem bedeutungslosen Etwas herab sinken, sondern immer und ewig ourchglüht und entflammt werden von einem nicht ausgehenden Altarfeuer. .„Das bedeutet nichts anderes als die echt jüdische Forderung, die Fackel unseres Geistes hineinzutra^en in das Allerheiligste des Glaubens. Denn das Judentum, ist kein Privilegium einer Priesterkaste, wie es eistst^iu den Uranfängen der Fall war. Das religiöse Genie, das Erlebnis des frornmen Forschergeistes, die nie verlöschende Gotte s f l a m m e des er tamid“, das symbolisch die Ewigkeit der Entwicklung darstellt-- —, diese Faktoren leisten uns Bürgschaft für die nicht versiegende Offenbarung auch in unseren Tagen. Die Kulturstätten Mischer Wissenschaft in unserem Vaterlande mögen Männer heranbilden, die echte Knlturträ er und wahre Führerpersönlichkeiten der jüdischen Gemeinden zu nennen sind. Eine Rednergabe, wie sie Cicero oder Demosthenes hatten, ist eine ganz schöne Beigabe, bleibt aber nur blendende Leuchtkugel von schwindendem Glanz, wenn sie isoliert öafteht. Der große Mose hatte eine „schwere Zunge", konnte also nicht so gut reden, wie er ein Mann tiefer Ein jüdisches Universitätsprojekt im XVL Jahrhundert. Bon Dr. B. Schiblof. Mit der Zerstörung Jerusalems und der Zerstreuung der Jaden in alle Welt.gingen auch die jüdischen Lehrhäuser zugrunde und auch die Möglichkeit, im eigenen Lande bas Unterrtchtswesen der steigenden Erkenntnis entsprechend auSzubauen. Was sich nachher wieder an Schulen gründete — dem Juden war eben das „Lernen" Lebensbedürfnis geworden — beschränkte sich einseitig auf streng jüdisches Wissen. Gab eS anch in der Diaspora zahlreiche jüdische Gelehrte, die neben den Kenntnissen in der rabbinischen Literatur auch profane" Sprachen beherrschten und sich dadurch die Quellen vieler Wissenschaften erschlossen, so hatten sie sich diese umfangreiche Bildung zumeist autodidaktisch oder in Privatunterricht erworben. Eine jüdische „höhere" Schule gab es nirgends, wenigstens keine, die den Rahmen des rein reli- > gtösen Unterrichts überschreiten durfte. j Profanes Wißen, soweit es nicht aus der Thora oder dem I rabbinischen Schrifttum geschöpft wurde, galt ja überhaupt; als verpönt: es konnte allzu leichi zur Sünde verleiten. Deshalb war der Besuch von Hochschulen — soweit er Juden überhaupt möglich war — nicht gerne gesehen, ja. als unsromm. direkt verpönt, weil — Erfahrungen sprachen da sicher mit — er leicht zu Zweifeln oder gar zum Abfall führen konnte. Darum blieb, von Ausnahmen abgesehen, die Gelehrsamkeit in enge Schranken gepreßt. Kluge, erleuchtete Köpfe erkannten das früh. Sie halsen sich für ihre eigene Person, indem sie ihre Studien nach eigenem Geschmack und eigenen geistigen Interesse« einrichteten. Die Möglichkeit, den Weg zu freiem Forschen zu bahnen, ohne der Strenggläubigkeit Abbruch zu tun, sahen sie für andere nicht oder dachten zumindest nicht daran, eine solche Möglichkeit in eine Wirklichkeit umzuschaffen. In Italien, wo Wissenschaft und Künste in höchster Blüte standen, wo die Toleranz immerhin schon so weit ging, geistig hervorragende Juden an die Höfe der Päpste und Fürsten zu ziehen, sich ihrer nicht nur als Aerzte und Astronomen, sondern auch als Lehrer der „schönen Wissenschaften". als Künstler, darstellende und schassende, zu bedienen, sich freundschastltch an sie anzuschließen — wie Bocaccio und Dante intime jüdische Freunde besaßen — in Italien konnte auch der Plan iu eine, jüdischen iMversität geboren werden. Man darf also sagen, daß die Gründung der jüdischen Universität in Jerusalem zwar in der Ausführung, nicht aber in der Idee neu ist. Es war ein Verdienst Halberstams, dieses geschichtlich und wissenschaftlich interessante Projekt in seiner Zeitschrist „Libanon" veröffentlicht zu haben, und Güdemann hat darüber in der Festschrift zu A. Berliners 70. Geburtstage seinerzeit eine Essay veröffentlicht. Wenn die Idee nicht verwirklicht worden ist, so lag es sicher nicht an dem Sendschreiben, das der Vater der Idee, der Morenu Hachacham — heute würde das Geheimrat Prof. Dr. heißen — R. David b. Abraham Provenzali an die jüdischen Gemeinden versendet hatte, gemeinsam mit seinem Sohne Abraham. Das Sendschreiben wurde unter dem Datum vom 9. Nissan 1584 in Mantua gedruckt. R. David fordert darin die Gemeinden auf. ihm bei seinem Plane, in Mantna eine Universität zu gründen, zu unterstützen. Allerdings vorerst in seinem Hause. Aber daran darf man sich nicht stoßen: von den mittelalterlichen Universitäten haben manche in einer Stube begonnen, und auch die Anfänge der neuen Universität in Jerusalem waren sehr klein. R. David weist vor allem darauf hin, daß sich innerhalb der Judenschast ein bedauerlicher Mangel an gebildeten Männern bemerkbar mache, bei denen sich universales Wissen mit Frömmigkeit paare. Aus diesem Grunde habe er beschlossen, in seinem Hause und Wohnorte in Mantua ein „der Thora gewidmetes Heiligtum und wissenschaftliches Institut zu errichten." „Mein Mitvarbeitcr", heißt es im weiteren Verlauf des ziemlich umfangreichen Aufrufes, „wird mein ältester Sohn, den Gott erhalte, sein Er ist Doktor der Philosophie und derMcdizin und hat sich anch in diesen Fächern hervorgetan, nachdem er den Grund in der göttlichen Lehre gelegt hat. Er wird mein Beistand sein, miteinander werden wir die Sache durchführen, so zwar, daß wir beides, die Thora und die Wissenschaften betrieben. Folgendes ist unser Programm, baß wir. obgleich es zahlreiche Bestimmungen enthält, mit allen Kräften unter Gottes Beistand auszuführen gedenken." Der Unterrichtsplan ist in der Tat ein für die damalige Zeit sehr vielseitiger und übertraf die Lehrpläne mancher weltlicher Universitäten. Hauptgcgeustand ist natürlich Religionswissenschaft iu strenggläubiger jüdischer Auffassung. So heißt eilt Absatz: „Zuweilen werden wir Abschnitte aus den Werken der gutgesinnten jüdischen Philosophen lesen, die mit den Wegen der Thora und unserer Wersen harminteren. um den Glauben zu befestigen und Jrrtümer fernzuhalten." Bei aller Strenggläubigkeit geht jedoch auch ein starker lebender Zug durch R. Davids Programm: „Bestimmte Stunden sollen auf den Unterricht im Lateinischen verwendet werden, das jetzt beinahe notwendig in unseren Gegenden ist. Wir bedürfen dieser Sprache täglich im Verkehr mit den Fürsten und Edlen, um so mehr, als man den Hausgenossen Rabbis wegen ihrer Beziehungen zu Hofe sogar erlaubte, sich nach heidnischer Art zu scheeren. Die Schüler werden deshalb Aufsätze sowohl im Hebräischen wie im feinen Italienischen und Lateinischen machen unter Anwendung aller Genauigkeiten und Feinheiten, die jeder Sprache eigentümlich sind; was nur zum Rühmen, zur Ehre und Zierde gereichen kann. Die des Lateinischen Mächtigen werden sich mit der über Logik. Philosophie und Mathematik vorhandenen Literatur stufenweise vertraut machen, so daß, wer Arzt werden will, nicht erst seine Tage bei sündhafter Vernachlässigung der Thoraschulung zuzubringen braucht. Er wird nach und nach das Erforderliche lernen und alsdann nach kurzem Aufenthalt im Studio IR. David gebraucht auch im Hebräischen das Wort studio), „zur Ordination gelangen. worauf er sich in die Praxis tauch hier schreibt R. David „Prarüs") begeben kann im Verkehr mit geübten jüdischen und christlichen Aerzten. Auch die nicht des Lateinischen Kundigen sollen die Wissenschaften ans hebräischen Ueberseoungen. die bereits vorhanden sind, kennenlernen, und sie werden ihre Zeit sparen, denn bei den Wissenschaften kommt eS vornehmlich auf die Sache, nicht auf die sprachliche Fassung an. und alles hängt vom Verständnis ab." Das ist ein für das 16. Jahrhundert sehr fortschrittlicher Standmivk» „Die Schüler", so heißt es rveiter, „sollen von den Sachverständigen in den verschiedenen Arten christlicher (also nicht hebräischers Schrift geübt werden, ebenso in den verschiedenen Arten der Rechenkunst, in der Arithmetik. Geometrie, danach in der Kosmogravbie und Astrologie. Alles werden ste bei uns finden, ohne sich anderswo hinbeaeben zu müsien, soweit wir daö Ziel für unseren Unterricht gesteckt haben. Bon da an nnd weiter werden mir für einen Gelehrten sorgen, der in unserer Anstalt vortragen soll." Für den reliaionSwissenschastlichen Teil ist ebenfalls die Zuziehung von Gelehrten in Aussicht gestellt: » > )

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.