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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-04-22 · 16 (22.4.1927) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
16 (22.4.1927)
Date
1927-04-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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dies bisher in vollem Umfange getan und werde es auch weiter iuri, Niemand und nichts wird mich dazu bringen, voü dieser Lmte abzugehen. Die Gleichheit aller vvedem Vesstz. ohne Unterschied -er Abstammung und des Bekenntnisses, ist und bleibt-die Richtschnur meines Handeln» al» Kanzler. Die» liegt ebensosehr im Interesse der Juden als der Nichtjuden. Selbstverständlich müssen auch dies« die Gewißheit vollen Schutze» habend Diese reinliche Scheidung zwischen dem zur Objektivität verpflichteten Regierungschef und dem auf da» christlichsoziale Parteiprogramm, alsp auch auf den in diesem Pro. Bmm betottten Antisemitismus eingeschworenen Parteirer ist indes gerade in bezug auf die Person Seipels Rückschritt. Denn Seipel hat,vor Jahren, als er Noch kein Regierungschef, sondern nur Parteimauu war, einmal sehr scharfe Wort« der Ablehnung des Antisemitismus gefunden. Seine heutige Stellung verrät also -in« Entwicklung, die für die Juden nicht sehr erfreulich, ist. Auch die Sozialdemokraten haben einen Apell au dt« Wiener Inden gerichtet, und zwar in Form eines Auf. ruf» „werktätiger Juden", in dem e» u. a. heißt: »Niemand darf und kann uns das Recht nehmen, uns als Inden zu bekennen." Wichtiger als schöne Worte sind freilich Taten. Ein Zufall hat «» nun gefügt, baß die beiden feindlichen Heerlager Ssloäenheit zu «Mer Probe aufs Sxempel erhielten. Für den «ömrttsr plant der deutsche und österreichische Alheuvereln eine Tagung in Wien und hat zu dieser die Repräsentanten des Staates und der Stadt etngelaben. Während die Regierung sofort annahm und ihrerseits einen festlichen Empfangsabend für die touristischen Gäste in Aussicht stellte, hat die Gemeindevertretung von Wien jede Beteiligung mit dem Hinweis darauf abgelehnt, daß dte meisten Ortsgruppen des Älpenvereins denArier- »aragraphen im Statut führen, was den von den Befürder, stets zu schützenden Staatsgrundgesetzen nicht ent. vrache. Eine nicht üble Belehrung für die Regierung, die ich doch setzt ebenfalls heiß um die jüdischen Stimmen jemüht, eine gleich rigorose Achtung vor der verfassungsmäßig garantierten Gleichberechtigung aller Staatsbürger wie die sozialdemokratische Stadtverwaltung aber vermissen laßt! Hakenkreuzlerifche Schnorr Methoden. Die Deutsche Reichsbahnges.ellschast ist durch ein Schreiben auf angebliche Unzukömmlichkeiten aufmerksam gemacht worden, die sich bei der Bewerbung stt bischer Bittsteller um Fahrpreisermäßigungen nach Bädern und Kurorten ereignet haben sollen. CS wird diesen Bewerbern Ser Borwurf gemacht, daß sie in betrügerischer Weise den Anschein der Bedürftigkeit erwecken und sich im Amte unverschämt benehmen, andere Bewerber rücksichtslos verdrängen. statt zu warten, bis sie drankommen, usw. ES wird der Neichsbahngesellschaft empfohlen, sich die Mischen Gesuchsteller „näher anzusehen", ihre ärztlichen Atteste von christlichen Aerzten Überprüfen zu lassen und — dem Ratgeber für den so geleisteten, „nicht unerheblichen Dienst" durch-nun wodurch? — zu belohnen: Durch Zuweisung eines Freifahrscheins für sich und feine Familie zur einmaligen Hin- und Rückreise von Berlin nach Bonn a. Nh. Es wäre verfehlt, sich Wer dieses Schreiben zu entrüsten. Ganz im Gegenteil muß man dem famosen Verfasser dafür dankbar sein, daß er hier einmal, in konzentriertester und daher besonders durchsichtiger Weise die Ziele - und Methoden der Hakenkreuzler dargelegt hat. Deren ganze politische Weisheit besteht ia darin, das. was sieselbst gern möchten, als das Ziel jüdischer Taktik hinznsiellen und es gerade durch diese Falschmeldung anch ztzä eL»4ichen.' In Oesterreich, wo das. Hakenkreuzlertum von-öen-Hegieruna gefördert-. einigen Einfluß im Wirtschaftsleben erlangte, haben „arische" Banken jene Skrupellosigkeit, die sie aus Konkurrenzneid, den sogenannten „Jude nv anke n" nachsagteu. im weitesten Ausmaß selbst an Len Tag gelegt, und so wahre Verheerungen auf dem Wirtfchaftsmarkte angerichtet.. Auch in Deutschland hat man wiederholt sehr bedenkliche FäulniSerscheinungeu gerade in solchen Kreisen beobachtet, die aus ihrer Judenreinheit ganz besondere Ansprüche auf das Vertrauen ihrer Mitmenschen zu ziehen suchten und solches woHk auf fanden. Oh der Verfasser des eingangs zitierten Briefes die gewünschten Freikarten bekommen hat, wissen wir nicht. Einen Erfolg, wenn auch nur einen ihm selbst wahricheinitch nebensächlich erscheinenden, hat er aber jedenfalls zu verzeichnen: Die ReichSlbahiigesellscheft hat das Pamphlet vervielfältigen und den Bezirksämtern der Stadt Berlin zugehen lassen, mit dem Ersuchen, den angegebenen Mißstänben nachzugehen. Unid schon durch dieses Vorgehen einer staatlichen Gesellschaft ist erwiesen, daß der hakenkreuzlerische Freikartenschnorrer wenigstens in einem Punkte seiner Beschuldigungen recht hat: Nämlich dort, wo er konstatiert, daß wir in einer »glorreichen Republik" leben, in der man sich reichlich viel gefallen zu lassen gewöhnt ist . . . Prompte Berichtigung. Jüngst habe ich an dieser Stelle bemerkt, daß das „Israelitische Familienblatt" zwar eine eigene Beilage für Geschichte und Kultur besitze, die größten historischen „Sensationen" aber in seinem politischen Teil brächte. Ich wurde sehr rasch eines Besseren belehrt. In Nr. 13 des „Israelitischen Familienblatts" enthielt die geschichtliche Beilage einen Artikel „Gras Sternb e r g s Ruf an die I n d e n" von Heinrich G u Lima n n - Paris. Und es muß doch sicher als Sensation e r st e n R a n g e s gewertet werden, wenn von dem Grafen, der im altösterreichischen ReichSrat als t s ch c ch t s ch - k l e r tkaler Abgeordneter saß, behauptet wird: „Seine geistige und politische Lebensgrundlage war setn Germanentum" (Von uns gesperrt. Die Red. der „Jüd.-lib. Ztg."), und an anderer Stelle: „Ihm mußten Päpste (sic!), Kaiser, Könige und Juden ein Greuel sein." Erst aus einem jetzt erschienenen Buche des Grafen hat Herr Guttmann erfahren, daß sich Sternberg „zur katholichen Monarchie bekehrt hat . .. und sich als glühenden I n d e n f r e u n d erklärt". Das ist reichlich spät! Schreiber dieser Zeilen hat daS schon vor zwanzig Jahren gehört, und zwar vom Grafen Sternberg selbst, der damals gelegentlich ln — ziontsttschen Bersammlungeu als Redner auftrat, was tm allgemeinen nicht die Gewohnheit von Leuten ist, denen „die Inden ein Greuel sind" . . < Das „Jsr. Familtenblatt" aber hat mit diesem Artikel bewiesen, baß seine Beilage für Geschichte und Kultur dem politischen Teile an Sachlichkeit und sorgfältiger Redigierung nicht Nachsicht. Höflichkeit und Rassenoerhetzung. Eine neue Ullstein-Wochenschrift, „Die grüne Post", tritt in ih:er ersten Nummer für Höflichkeit in der Politik ein und läßt zu diesem Thema Politiker aller Parteien zu Worte kommen. Nur die Mitglieder der „Völkischen Fretheitspartet" haben ihre Mitarbeit an einem „jüdischen" Berlagserzeugnis abgelehnt, dagegen hat der ehemalige Führer dieser Partei, der kürzlich ins Hitler- Lager abgeschwenkte GrafReveutlowdaSUnternehmen begrüßt und sich gegen das Schimpfen in der Politik, gegen persönliche üble Nachrede und Schnüffelet, gleichzeitig aber für den R a s s e n k a m p f erklärt, von dem er wünscht, baß er „mehr und mehr in den Mittelpunkt aller öffentlichen Fragen und bis zu einem gewissen Grade auch des gesellschaftlichen Lebens trete." Nun schließen Kampf und Höflichkeit einander durchaus nicht aus. Man kennt ja die berühmte historische Schlacht- Szene, in der die englischen Ritter den feindlichen Franzosen zurtefen: „Schießen Sie zuerst, meine Herren!" Es bleibt abzuwarten, ob sich, wenn erst der Reventlowsche Geist die Hitlerschen Jungmannen durchdrungen hat, Ueberfälle auf jüdische Passanten des Kursürstendammes nach dem Vorbild der erwähnten Schlacht-Szene abspielen werden. Die schwergeplagte Polizei würde es wahrscheinlich sehr begrüßen. r^enn schon am bevorstehenden Stahlhelmtag bet etwaigen Zusammenstößen die Gegner einander durch — Liebenswürdigkeit entwaffnen wollten. Leider erscheint solcher Optimismus nicht allzuverechtigt. Denn die wirkliche Höflichkeit, nämlich die, die auch in kritischen Situationen nicht Farbe läßt, ist der letzte äußere Anstrich einer auf stolzem Gipfel ragenden Kultur. Nach dem berufenen Urteil des Literarhistorikers Scherer hat aber die deutsche Kultur nur ganz vorübergehend solche ' Gipfelpositionen gehalten, und ihr Niedergang war in allen Jahrhunderten durch das Auftreten der konfessionellen und nationalistischen Hetzer gekennzeichnet. Rassenhetze bedeutet daher Abkehr von der Kultur und deren Symptomen, also auch von der Höflichkeit. Uebrigens hat gerade in einer Zeit deutscher Höchstkultur ein Dichter konstatiert: „Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist." In fuUitrcUeit Verfallszeiten lauen konseanenterweise jene Herren, die Scherer als Symptome des Niedergangs wertet, auch dann die Höflichkeit vermissen, wenn sie mit der Wahrheit auf Kriegsfuß stehen. Die Rassenhetzer wären sonst wahre Ausbünde von Höflichkeit ... WochenendrAusstellung in Berlin. Ans dem Berliner Kaiserdamm ist jetzt eine Ausstellung eröffnet worden, die von den Antisemiten,--wenn diese nicht mit Blindheit geschlagen wären, unbedingt als ein Symptom fortschreitender Welteroberung durch das Judentum gewertet werden müßte. Denn diese Ausstellung registriert sorgfältig die Bemühungen der heutigen Zeit, ein Gesetz zu verwirklichen, das den Juden schon vor etlichen Jahrtausenden als eine der physischen und sittlichen Grundlagen höheren Menschentums gegeben wurde: das Gesetz der Sabbatruhe. Merkwürdiger Weise spürt aber das sonst so wachsame Äölklein der Hakenkreuzler, das hinter den unwahrscheinlichsten Dingen die Juden als Urheber zu entlarven pflegt, diesmal den Teufel nicht, obwohl er sie beim Kragen hat. Denn unter den eifrigsten Agitatoren der ,LSochenend"-Heiligung finden wir in der Ausstellung auch den Deutschnationalen Hände l sgehtlfenverband. Dieser hat in seiner Koje eine Statistik der unter seinen Mitgliedern vorherrschenden Krankheiten und Gebrechen. Als Grundlage dient dabei das Ergebnis einer ärztlichen Untersuchung der deutschnattonalen Turnergilde» dflo der körperlichen Elite der deutschnattonalen Handelsangestellten. Welches Gebrechen, glaubt Ihr wohl, ist bet dieser Auslese retttrassigeu Edelmenschentums am stärksten vertreten? Ihr ahnt eS nicht: es ist der Plattfuß, bzw. Anlage zum Plattfuß. . . Nicht weniger als 50% der untersuchten Teutonenjünglinge zeigen diese Anlage, die meist als ein Symptom der — Verjnbung gewertet wird. Melleicht liegt hierin der geheimnisvolle Schlüssel zu der paradoxen Tatsache, daß aitch der Deulschnationale Hanbelsgehilfenverbanb für ausgiebigste Sabbatruhe eintritt? Rassenforscher heraus! Ihr habt das Wvrt. .. Natürlich treten auch die anderen Angestellten-Orgmrisattonen für die Wochenendruhe, und zwar für die 86st1tudige «in. In Oesterreich ist sie in dieser Ausdehnung schon lange Gesetz, und da dieses Land auch mit landschaftlicher Schönheit der mannigfachsten Art reich gesegnet ist, tst es ganz in der Ordnung, baß es auf der Ausstellung mit nicht weniger als sechs Kojen (218—223) vertreten ist. Doch mutz die Auswahl des dort Gezeigten dem Kenner als nicht besonders glücklich und noch weniger als erschöpfend bezeichnet werden. Das klassische „Weekend"- Land ist England. Leider hängt am Zugang zu der diesem Jnselreich gewidmeten Abteilung ein Zettel mit der Inschrift „Gesperrt!" Doch vielleicht ist gerade das sür den englischen Sonntag charakteristisch, dessen sprichwörtliche Langweiligkeit besser als durch noch so schöne Ansstellungsobjekte durch den Witz gekennzeichnet wird, der einem Kind auf die Belehrung, daß im Hi mme l alle Tage Sonntag sei, die Antwort in den Mund legt: „Nicht wahr, Mama, wenn ich besonders artig bin, darf ich auch mal in die H ö l l e?" Das amerikanische Weekend erscheint lediglich durch einen Tisch symbolisiert, der dicht mit kleinen Forö-Automobilen besät ist... Der größte Teil der Ausstellung ist naturgemäß Deutschland gewidmet, dem „schönen Deutschland", wie die Ueberschrift über einer Bilderserie, Sehenswürdigkeiten aus den verschiedensten Gegenden des Reiches zeigend, lautet. Man sieht da rollende Meereswogen — leider auch das Maschinenrädchen, das dieses Rollen besorgt —, Binnengewässer — vor allem die märkischen Seen und ragende Ber^e. Das Hauptproblem der Wochenend-Propaganda ist die Nutzbarmachung der gezeigten landschaftlichen Reize für die wenig bemittelten, die arbeitenden Klassen. Diesem Problem diente ein Preisausschreiben sür i>a$ zweckmäßigste Modell eines Wochenend-Wohnhäuschens. Die preisgekrönten Modelle sind auf der Galerie der Funkhalle ausgestellt, rechts die der Erwachsenen, links die der Schuljugend, und beim Anblick dieser Form gewordenen Sehnsüchte nach einem noch so kleinen, noch so primitiven Eigenheim „proeul negotiis" geht mir ganz plötzlich der tiefere Aron gsak. Eine LevenSgefchichte. Bearbeitet von D r. B. S ch i d l o f. (Schluß.) Als David S. einige hundert Taler besaß, nahm er WohnungKrecht und ließ seine Frau mit den anderen sechs Kindern hierherkommen. Es war aber nach dem schwedischrussischen Krieg und es gab allerlei zu tun mit Wechselei, Reichsgelü und Obligationen. Niemand aber wollte diesem David Geld anvertrauen, um durch ihn wechseln zu lassen. Endlich vertraute ihm R. Lob Nack einige hundert Reichstaler an. Als dieser merkte, daß David immer pünktlich bezahlte, gab er ihm endlich einen Kredit über viele tausend Taler. Bis auch unter*) ihnen Streit entstand. Man erfuhr nicht, was geschehen war, aber sie blieben von da an Feinde. R. Löb sagte, David hätte ihn so betrogen, daß er sich schäme es nur zu erzählen. Dieser David machte viele schlechte Streiche, leider auch bei Nichtjuden für Tausende Reichstaler, wie mau ihm nachrechnen konnte. Kein Jude wollte schließlich mehr mit ihm verkehren. .Da fit aber nun zu Vermögen gekommen war. hielt er sich für den größten Mann der Welt. So ist eS oft bet solchen Leute«, die nichts besessen haben und dann zu etwas kommen, daß sie nicht wissen, was sie zuerst tun sollen. Er machte solche Aufschneidereien, daß man alle gar nicht beschreiben kann. So ließ er ein silbernes Schild zum Schmuck für eine Thorarolle ansertigen, auch einen Vorhang für die heilige Lade und brachte beides in die Synagoge, wo der Synagogendiener die Gegenstände anbringen mutzte"). Auf dem Vorhang, der übrigens aus einem ölten Seidenkleid angefertigt schien, standen die Worte saus nodaw hakozen R. David weöischten mvouvn?) aufgenäht. Dasselbe stand auch auf dem Silberschild. Man nahm es aber herab und schickte den Synagogendiener zu David mit der Frage, ob er diese Kultaegenstänbe dem Tempel gespendet habe, dann wolle man sie behalten, aber sie wären dann Tempel- Eigentum und er bekäme sie nicht wieder. Sollte das aber nicht feine Meinung fein, dann solle er diese Dinge bei sich zu Hause behalten, man brauche sie nicht, denn eS seien ge. nttgend heilige Kultgeräte vorhanden. *) Aron Jsak gebraucht das berlinische Wort „mang". ’) De Gemeinde Satte mit Unterstützuna Aron JsakS vom HandelSkollegium den ehemaligen städtischen Auktionssaal auf SS Jahre gegen eine jährliche Miete von 2V0 Reichstalern baneo gemietet. Im Jahre 18iS kaufte die Gemeinde bas Haus für 6200 ReichStaler baneo. s) Dieses stiftete der reiche Herr David, dessen Frau und Kinbek, Da lief er mit den Sachen zum Statthalter und ließ alle Juden auf die Schloßkanzlei vorladen. Der Statthalter wußte nicht, wie er sich anstellen solle. Wir erklärten ihm, daß die Worte „saus nodaw" bedeuteten, daß man in Erfüllung eines Gelübdes der Synagoge den betreffenden Gegenstand stifte. Wir hätten viele solcher Tempelgeräte, auch solche mit Namen darauf, aber wenn saus nodaw darauf stünde, bedeute cs ein Gelübde. Er aber als am hoorezZ bestreite, daß saus nodaw „ich gelobe das" bedeute. Der Statthalter sagte, er würde uns am anderen Tage seine Entscheidung Mitteilen. Er schrieb an den Rabbiner ein Billett, er möge ihm Mitteilen, was „saus nodaw" eigentlich bedeute. Der Rabbiner konnte natürlich nur unsere Erklärung bestätigen. Nun ließ der Statthalter den S. wieder rufen und sagte ihm. er möge das «saus nodaw" wieder wegrnachen lassen, dann würde der Prozeß aus sein. Dabei blieb es auch und S. ließ richtig daS „saus nodaw" abmachen. Einige Monate nachher fand eine große Gemeindeversammlung statt, zu der alle Haushaltungsvorstände zusammenberusen wurden, darunter auch David S. Er kam mit seinem Sohne, der war aber noch ledig und hatte keinen eigenen Hausstand. Er besaß auch kein eigenes Wohnungsrecht, sondern lebte hier als Kochgehilse in der Küche des Herzogs Karl. Die Gemeindeältesten sagten ihm nun. er wäre nicht miteingeladen worden, denn er sei kein Haushaltunasvorstand und habe auch kein Wohnvecht. Sofort sina der ehemalige Schnallenmacher an zu schreien, nahm seinen Stock, schlug zwei Fenster entzwei, sprang auf die Straße hinaus und schrie immerzu: Gewalt! Dabei hatte von uns kein Mensch gegen ihn ein Wort gesagt. Wie wir ganz erstaunt um de-r Tisch Herumsitzen, erzählt der Synagogendiener. als er dem S. die Einladung zur Versammlung gebracht habe, hätte dieser geschrien. er wird wohl kommen, aber auch die Fenster einschlagen. Wir verklagten ihn bei der Poltzei und er wurde verurteilt, in der Synagoge öffentlich Abbitte zu leisten und fünfzig ReichStaler Strafe zu bezahlen. Er sagte, er würde Berufung einlegen. aber niemand von der Gemeinde hatte Lust, noch mit ihm herumzuprozessieren. Es blieb aber doch bei dem Urteil und S. wurde auf der Polizei so heruntergekanzelt. daß wir uns selber beinahe schämten. Aber S. kannte keine Scham und keine Schande. Wieder nach einiger Zeit ließ er sich über den Fenstern seiner Wohnung ein Schild machen, darauf waren alle Geldsorten aufgemalt. Er hatte zugleich eine Anzahl Kausleute beredet, wenn sie Wechsel verkauften, sollten sie kein Retchssondern nur Bankogeld nehmen. Er wolle ihnen das ogelb bann mit einem Aufschlag abwe-hmen. Die Kaufleute taten das, und nun stieg daS Bankogeld. Wer Wechsel *) Ignorant, unwissender Tölpel. brauchte und keine bekommen konnte, mußte nun zu diese« Schnallenmacher hingehen und ihm den Kurs bezahlen, den er verlangte. Der König erfuhr nun. wie der Kurs täglich stieg es war unerhört. Nun wurde aber dem König erzählt, die Juden hätten daran schuld. Sie Latten mit den 5laufleuten Schiebungen gemacht, daß diese Las Banko Hochtreiben sollten. Sogar über die Türen hätten sie Schrlder mit allen Geldsorten anbringen lassen. Da erließ der König einen Befehl: Die Juden hätten durch seine Gnade in Schweden Wohnuugsrecht bekommen. Da sie aber sich gegen die Landesgesetze vergangen und eine Wechselbank haben, so sollen sie wieder aus dem Lande, sobald man hören werde, daß ein einziger nur einen Stüber gewechselt habe. Auch sollten sie sofort die Schilder mit der Wechselet abnehmen« Es war viel Judenhaß dadurch unter den Leuten. 3WN gemein sagte man, die Juden hätten Schuld und sie mühten wieder aus dem Lande. Die Gemeinde trat sofort zusammen. und man machte eine Eingabe an den König, die man auch im Wochenblatt veröffentlichte. In dieser Eingabe wurde nachgewiesen, daß von allen hier wohnenden Juden sich kein einziger mit Geldwechseln abgegeben habe als dieser David S. Daß nicht ein einziger Jude ein Schild mit Geld angebracht hätte außer diesem David S. Man habe ihn oft gewarnt, er solle bas Schild abnehmen, die ganze Welt spräche schon davon, aber er habe sich nicht darum ge^ kümmert. Nun wurde David S. zum Statthalter zitiert, und dieser sagte ihm. er habe königlichen Befehl, ihn sofort auszuwetsen. Der Statthalter war aber ein guter Mensch und half dem S. noch einmal. Kein Jude war dagegen, obwohl er es zehnfach verdient hätte, so viel haltlose Denunziationen hatte er schon gegen Juden eingebracht. Sagte er doch immer, er werde nicht früher Ruhe geben, bis alle Juden ausgewiesen würden. ' Man nahm ihn aber nirgends mehr ernst. Er war ein Maulaufreißer und wollte, man möge vor ihm Angst haben. Seit dieser letzten Geschichte wurde er aber still und drohte nicht mehr. Bloß wenn er einen vom Gemeinöovorstand auf der Straße traf, sandte er ihm die schrecklichsten Flüche nach. Schließlich beschwerten sich einige Leute beim Ober-- slatthalter und nun wurde ihm angedroht, daß er bei der geringsten Klage gegen ihn. ohne Gericht und Urteil ins Gefängnis gesteckt werden würde. Da war er endlich still« Noch einer war da. der hieß Mos.es Feibem. der hat auch einmal ein Inserat ins Tageblatt setzen lassen, daß er alle Sorten Geld wechsle. Das wurde ihm gleichfalls bei desverweisung verboten. Er war ein armer Schlucker, hatte bereits einmal Konkurs gemacht bei den hiestaen Juden, unL es gab viel Spektakel mit ihm. Dabei ist er kein Jude und kein Christ. Das sind so allerlei schlechte Leute, die Überall in der Welt sich heru-mtreiben und Betrügereien machen. Kommen sie dann zu etwas Geld, das sie zu ve. sitzen nie gewöhnt waren, dann wollen sie jedem Trotz UP*

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