Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-04-22 · 16 (22.4.1927) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
16 (22.4.1927)
Date
1927-04-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2613366-2613895-2613911--2234-2619683
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Len anderen ist kaum daran zu denken, Laß sie je aushören, Zuschußkolonien zu sein. Natürlich, die Kolonien, die die Jca, Lie Baron Rothschild gegründet haben, sind vielfach gut gediehen und stehen Lann aus eigenen Küßen. A-ber in diesen Kolonien gibt es zum großen Teil jüdische Bauern und arabische Arbeiter. Das beweist für die Juden gar nichts. Anders die jüdischen Kolonien, die seit dem Ende des Weltkrieges dort entstanden sind! Alle Achtung vor denen, die sie aufgebaut haben. Mit einem Heroismus ist Dort gearbeitet worden, vor dem jeder fühlende Merffch den Hut abnohmen muß. Aus Malarialändereien und elenden Steinwüsten haben diese Pioniere in wenigen Jahren fruchtbare Ländereien gewacht. Wir haben unter andern eine kleine Kolonie zwischen Jerusalem und Jaffa gesehen, rings herum die üblichen Steppen und Steimvüsten, aber in der Mitte blühende Ländereien. Wir fahren hinein. Uns empfängt ein arbeitermäßig aussehender Mann. Er war früher drei Jahre Bankbeamter in Odessa gewesen und erzählte uns, daß Liese blühenden Ländereien früher genau so ausgesehen hätten wie die Umgebung, aber man> hätte ldaraus unter Einsetzung aller Kraft fruchtbares Land gemacht. Ganz eingebürgert haben sich dort die Bauernsitten freilich noch nicht. In welche Kolonien man auch kam, man sah, daß eS eben städtische Bauern waren. Nun ist ja das alles nicht schlimm,* wenn die Ar- Leiten gemacht werden, mögen die Leute Zeitungen lesen und Klarier spielen. Ob aber das vie,le Geld, das dort nötig ist, in dem Ausmaße verantwortet werden kann, wie eS jetzt gegeben wird.das ist eine Irage, die «usereFührer sich überlegen mögen. Vielleicht ist eS doch richtiger, dieses Geld zu teilen und den Juden iw Osten ein gut Teil davon abzugeben. Die Frage drängt sich öem auf, der Palästina gesehen Hai. Denn was haben wir von dem ganzen Kolonisationswerk in Palästina an dem Tage, an dem im Osten die Juden in die größte und gräßlichste Not geraten? Wenn man daran denkt, daß vor noch nicht zehn Jahren in der Ukraine durch Petljura und seine Mannen 120 000 Juden, nur weil sie Inden waren, abgeschlachtet worden find, wenn man daran denkt, daß sich solches Schlachten in unserer Zeit in noch größerem Maßstabe wiederholen kann, dann muß man doch sagen, daß wir Juden bei aller Notwendigkeit, auch für Palästina Geld zu geben, gut daran tun, aus die Verhältnisse im Osten genügend Bedacht zu nehmen. Die Arbeit in Palästina ist also eine reine Geldfrage. Kommt Geld dorthin, dann können die Kolonien blühen. Ohne ausländisches Geld ist dort gar nichts zu machen. Daß Leute mit ihrem eigenen Geld hingehen und sich dort ansiedeln, ist ia so gut wie ausgeschlossen. Dort herrscht ja politisch, sozial und wirtschaftlich so etwas wie das Chaos. Eine Dame, die früher drei Jahre lang in Prag als Lehrerin gewirkt hat, sagte uns: Wir sind durchaus kommunistisch, wir kümmern uns nicht um das Judentum,' wer heiraten will, mag heiraten, wer den Feiertag halten will, mag ihn halten,' wir haben sonst mit dem Judentum religionsmäßig gar nichts zu tun, wir sind reine Kommunisten. Dagegen gibt es Kolonien, die im Gegenteil nnr auf das religiöse Moment sehen. In Tel Aviv töbt der heftigste Streit zwischen den kommunistischen und den religiös gerichteten Juden. Ich weine nun, selbst wenn es den Juden gelingt, mit den Arabern fertig zu werden, wie wollen denn diese widerstrebenden Elemente unter sich ein erträgliches Verhältnis schaffen? Engländer, Araber nnd Inden. Wie die Engländer die Juden behandeln, dafür ein kleines Beispiel. Die Engländer sind reine Demokraten, wenn es ihnen paßt,' sie können auch anders. In Jerusalem wohnen jetzt 90 000 Menschen, davon 86 000 Juden. Dort werden jetzt 12 Stadtverordnete gewählt, davon 5 Mohammedaner, 3 Christen und 4 Juden. Also *U Juden in der Stadt, aber nur Y unter den Stadtverordneten, so daß sie von Anfang an zur Ohnmacht verurteilt sind. Im gesetzgebenden Rat sind 22 Mitglieder. 10 Mitglieder werden von der englischen Regierung ernannt, 12 gewählt. Davon, müssen, sage und schreibe, 2 Juden sein. Die englische Regierung hat der Deklaration von 1917 LaS Statement von 1922 folgen lassen. Daraus ersieht man, daß für die Inden dort derselbe Platz ist rme für die Araber, aber nicht ein Deut mehr. Die englische Regierung tut nichts mehr für die Juden. Es ist Ihnen ja bekannt, daß es Herbert Samuel ein Leichtes gewesen wäre, die blutigen Unruhen von 19A. zu unterdrücken, daß aber die englische Regierung weder in Haifa noch in Jerusalem die Hand gerührt hat. Me Ernennung des Feldmarschalls Plnmer zeigt ja am besten, was England aus Palästina machen will: eine Festung, die den Weg nach Indien deckt. Der Jude wird in Palästina von Regierungs wegen weder bedrückt noch gefördert, aber der Jude hat von England nichts zu erwarten, den» England weiß, daß es 15 Millionen Juden in der Welt gibt, aber 300 Millionen Mohammedaner, von denen der größte Teil unter englischem Zepter lebt. Wenn die Araber in einem arabischen Staatenbnnd vereinigt wären, würde für die Juden die Situation noch schlimmer sein. Es gibt in Palästina 700000 Araber, 160 000 Juden und 75 000 Christen. Wie bei diesem Zahlenverhältnis die Inden eine beherrschende Ralle spielen sollen, das ist dem Realpolitiker absolut unverständlich. Der Aufbau der Juden ist auch ganz anders, als wir ihn uns vorstellen. Wenn man die Zionisten hört, dann denkt man, Palästina ist jetzt ein Bauernland geworden, wo sich die Juden produktiven Berufen zuwenden. Das ist nicht wahr. Iw Gegenteil, die Juden, die in Tel Aviv sitzen — es sind 46000 — treiben ihre spekulativen Geschäfte, es sind Händler und Geschäftchenmacher, einer beutet den anderen aus. Wenn man durch die schmutzigen, elenden Gaffen von Liberias kommt, dann überrvikgt, wenn man mit europäischem Matze mißt, LaS Gefühl des AbscheuS. Für den Orientalen ist Las nicht befremdlich, aber jedenfalls ist keine Rede davon. Laß die Juden in TiberiaS sich irgendwie geändert hätten. Wir waren ergriffen, als wir am Grabe des großen Maimonides standen, nnd wir konnten von dieser fitttäi itjUbt ais ttita MBMI US*'. ÄfflC«* ein freundlicher Beter aus eigenem Antrieb einen Tegensspruch sprach, nur um nachher Las Honorar zu bekommen. Es war doch eine weihevolle Stunde an dieser echt Mischen Stelle. Was wir sonst in Liberias nnd in Nazareth nnd in Jaffa gesehen haben, waren meist unfreundliche Bilder. In Haifa bewunderten roir die herrliche Lage an der See und am Karmel. Wir konnten in Ler Billa eines bekannten Malers sehen, wie schön es dort sein kann. An solchen Möglichkeiten habe ich nie gezweifelt. Wenn einer unserer reichen Leute sich in Haifa ein schönes Haus baut, dann wird er dort auch ein sehr behagliches und angenehmes Leben führen können. Aber gleich im Garten der Billa standen ein paar Holzhütten für Einwanderer. Der erste Aufenthalt für Einwanderer ist das Zelt, dann kommt die Holzhütte, dann der Stall und dann das steinerne Haus. Steine scheinen ja in Palästina billiger zu sein als Holz, Steine hat Palästina wahrlich genug. Früher waren mehr Oelbämne da. Die haben großenteils die Truppen im Weltkriege geschlagen, um sich zu erwärmen. Me Wälder sind unter der Herrschaft- -er Türken geschlagen. Allah wirds schon wachen! Das war das Wahrzeichen der türkischen Verwaltung, und man sieht heute noch die Folgen in Palästina. Nur die Straßen sind schön. Im Kriege hat man herrliche Autostraßen angelegt, und es ist manchmal ein wunderlicher Anblick, wenn-man Neger und Araber im Auto angesaust kommen sieht. Me Bedeutung für die jüdische Gesamtheit. Manche von den Kolonien, die wir gesehen haben, wiesen eine wundervolle Entwicklung auf. Wenn man hört, daß es 200 bis 300 solcher Kolonien gibt, dann kommt man aber zu einer ganz falschen Vorstellung. Man weiß oft nicht recht, warum diese Kolonien verschiedene Namen bekommen haben, so dicht liegen sie nebeneinander. Es gibt Kolonien von 25 und 30 Seelen, und alle 200 bis 300 Kolonien zusammen zählen vielleicht 16 000 bis 16 000 -Seelen, also ein Nichts im Verhältnis zur Not der jüdischen Gesamtheit. Eine enorme Leistmrg, wenn man auf die Einzelleistung sieht. Darin aiber hat Freund Weil vollkommen recht, daß eine ungeheure Selbstüberwindung dazu gehört und daß es eine ungeheuerliche Schädigung darstellt, wenn ein gebildeter Mensch aus Westeuropa nach Palästina geht, um dort zu siedeln. Es wäre besser, wenn er deutscher Bauer wird und hier in Deutschland Moorland urbar macht. Wir sollten uns endlich daran geben, deutsche Juden in Deutschland in größerem Maßstabe §uf eigener Scholle anzusiedeln. So schwer es aussieht, es mutz doch gemacht werden, damit wir hier zur Geltung kommen. Dann bleibt er deutscher Volksgenosse und bleibt in der europäischen Kultur. Mau kann nicht gleichzeitig kultivierter Europäer und oreutalischer Bauer sein. Man braucht nur einmal zu sehen, wie die Araber dort hausen. Das ist nach unseren Begriffen menschenunwürdig. Das Land wirft aber nicht so viel ab, um eine andere Art des Lebens zu gestatten, wenigstens in dem Moment nicht, wo einer auf eigenen' Füßen stehen soll. Bis dahin ist es nicht schwer. Wenn ich das Geld geschenkt bekomme, um mir alles Nötige zu kaufen — denn Verzinsung und Amortisation stehen ja meist nur aus dem Papier —, dann kgnn ich schon vorwärtskommen. Wenn ich sechs uckermärkischen Vauernknechten das Geld gebe, dann können sie auch in der Uckermark selbständige Bauern werden. Was dort in Palästina geschieht, ist nicht das, was wir unter einer die Bedürfnisse der Gesamtjudenheit befriedigenden Kolonisation verstehen. Die Juden der Welt können so viel Geld aufbringen, daß eine beschränkte Zahldort siedeln kann. Was will das aber sagen? Wir können doch nicht die Millionen Juden, die es nötig haben, dorthin verpflanzen und denen das nötige Geld geben, ganz abgesehen davon, daß gar kein Boden dafür da ist. Ich denke an die heillose Gegend um 'das Tote Meer, wo das Autofahren wahrhaftig kein Vergnügen tft, wo es über Stock und Stein, durch Erdrrffe und Klüfte geht,' da kann niemand siedeln. Auf der ganzen riesigen Strecke zwischen der Sinaigrenze bis dicht vor Jerusalem sehen wir Wüste und Steppen,' da kann kein Mensch siedeln. Es bleibt nur der knappe Küstenstrich, die Ebene Emek und der Nordzipfel nach Syrien zu. Dort gibt es einzelne -Oasen. Man fragt sich aber, wenn man dort die Juden auf dem Felde sieht: Was ist das alles für die Gesamtheit? — Mn Nichts! Und was kann es werden? — Auch nur nicht viel. Es kann für die Gesamtheit nichts bedeuten. Es kann noch nicht einmal das dort entstehen, was in einem einzigen Kreise in Deutschland gemacht werden kann. Nicht einmal das kann dort für die gesamte Judenheit geleistet werden. Bilduugsiustitute. — Me hebräische Sprache. Ich bleibe bei meiner Meinung stehen, daß wir deutschen Juden gut tun, die palästinensischen Siedlungsbestrebungen zu unterstützen. In einer Zeit, in der die Juden der ganzen Welt Geld dorthin geben, sollen auch wir es tun. Daß dort mit völkischen Ideen gearbeitet wird, braucht uns davon nicht abzuhalten, denn es sind wirklich Ideen, die wir hier viel ernster anfohen, als sie dort praktisch etwas bedeuten. Dort ist von Volkstum und derlei Dingen nur eins zu merken: die hebräische Sprache. Das paßt ganz zum Orient. Ms ich 1913/14 zum ersten Male in Aegypten war, waren die Straßennamen überall französisch, kaum hie und da auch arabisch. Heute, im Zeichen des nationalistischen Gedankens ist alles rein arabisch. Abgesehen von Cairo und Alexandria kaum noch französische Inschriften. An den Plakatsäulen arabische Plakate ohne Uebersetzung. Wer konnte 1914 arabisch lesen? Das arabische Volk nicht. Heute lesen die Chauffeure arabische Zeitungen. Wenn vor dem Kriege ein Araber oder gar ein Neger es gewagt hätte, in ein besseres Hotel zu kommen, dann hätten ihn die Engländer hinausgeworfien. Heute sitzen Araber und auch Neger im Hotel Shephlard und im Katarakthotel in Assuan, wie wenn sie dazu gehören. Die Zeiten haben sich geändert. Der Orientale hat durch den Weltkrieg gelernt, daß die Europäer viel wehr von sich hergemacht haben, als hinter ihnen ist. Wir oder unsere Nachkommen werden das Essen, das uns die Engländer apgerichtet Mm. noch Mer hWMes Mss-es, Darum paßt die hebräische Sprache in Palästina auch ganz gut in dieses nationalistische Getümmel hinein, väer und orientalischer Bauer sein. Man braucht nur sannnenzufassen, denn ungleichartigere Elemente kann man sich kaum denken. Sie haben nichts, was sie miteinander verbindet. Ein palästinensisches Volk gibt es nicht, kann es schon wegen der vielen zuaewandertcn Juden nicht geben. Höchstens die bodenständigen Araber könnte man als Palästinenser bezeichnen, wenn sie überhaupt solche Volksgedanken hätten, die aber bei ihnen mit dem mohammedanischen Gedanken znsammenfallen. Von den 180000 Juden drüben sind 50000 oder 60000 alteingesessen. Das Schulwesen scheint gut zu sein. Sie kernen die hebräische Sprache. Was sollen aber diese armen Menschen mit der Sprache anfangen? Wenn sie urit ihren Landsleuten sprechen wollen, müssen sie Arabisch können,' wenn sie mit Europäern sprechen wollen, müssen sie Französisch oder Englisch können. Das Hebräische ist ein Etikett, ein Symbol, ein Zeichen, auf das sie stolz sind, aber einen praktischen Nutzen haben die Menschen öavon nicht, denn wer versteht sie denn mit ihrem Hebräisch? Unßere Rabbiner sind nicht dort — sie bleiben hier und sollen hier Aieiben und andere verstehen sie ganz gewiß nicht. Me Bildungsbestrebungen in Palästina konzentrier ren sich t« zwei Instituten, in dem Technikum in Haifa und in der Universität in Jerusalem. Das Technikum in Haifa will die Einwanderer zu nützlichen, ßür den Agrarstaat brauchbaren Elementen erziehen. Wer die Universität besteht aus vier oder fünf Zimmern mit chemischen Instrumenten. Ein Professor ist da und 70 ober 80 Shiüler, die mau bei uns kaum alle als »riO* reife Studenten ansprechen würde. Dann gibt eS noch ein paar Zimmer in der Stadt, in denen gelehrt wird. Biel anderes ist nicht da. Me Universität ist 20 bis 25 Minuten zu Fuß von der Stadt entfernt,' den Namen Universität verdient sie heute noch nicht. Nachdem sie einnml da ist, soll man sie fördern, damit sie in der Kultumvelt wirklich mit Stolz genannt werden kann. Wir dürfen sie nicht fallen lassem, sondern sollen sie unterstützen. Alles in allem ist dieses Land eine große Gefahr für das Judentum geworden. Das Schlimmste an allem scheint mir Tel Aviv zu sein. Da ist wirklich so eine Lemberg-Pariser Stadt entstanden, zum Teil mit schöner, zum Teil mit schrecklicher Architektur. Irgendwelcher Untergrund, auf dem das Erwerbsleben dort blühen kann, ist nicht vorhanden. Die jüdische Industrie in Palästina ist sehr schwach entwickelt. Wir haben zwar einige Fabriken, auch eine große Mühle, wir haben eine Zündholzsabrik in Akkon. Die meisten Juden leben aber vom Handel und führen dasselbe Leben weiter, das sie vorher in ihrem Ghetto geführt haben. Das kann auf die Dauer nicht Mt tun, und die Krise ist schon da. In der Mitte von Tel Aviv steht eine Synagoge, die nicht fertig ist. Als ich einen Ortskundigen fragte, warum sie nicht fertig ist, sagte er, wenn sie fertig wäre, dann würde kein Geld mehr nach Tel Aviv gegeben werden. Das sind doch Dinge, die zu denken geben. Del Aviv ist kein Aktivposten im jüdischen Hauptbuch in Palästina. Für Deutschtum und Judentum. Meine Damen und Herren! Was da drüben ist, so sagte uns einer der Führer der Zionisten, das ist nnr ein Anfang. Ja, aber soviel können wir doch sehen, ob und inwieweit der Anfang eine Fortsetzung finden kann. In diesem kleinen, bergigen, fast überall einer Wüste gleichenden Lande ist nicht viel für die Jude« der Welt zu erhoffen. Es kann nichts weiter werden als eine Geste, ein Symbol, es kann nicht die erlösende Tat werden. Wir müssen Palästina festhalten als das Symbol des Messiasgedankens, als Symbol der großen jüdffchen Vergangenheit, die schon unseren Vätern und Vorvätern heilig gewesen ist. Das moderne Palästina kann uns nicht das* selbe Symbol werden, denn es will, abgekehrt vom biblischen Gedanken, lediglich im Wege eines neuen interessanten Völkchens im Orient der großen jüdischen Not helfen, ohne daß die Möglichkeit eines Erfolges gegeben wäre. Meine Damen und Herren! Bei Heißem jüdffchen Herzen habe ich mich mein Leben lang als Deutscher dem Volke nach gefühlt, besonders aber, als ich durch die verschmutzten, echt orientalischen Gaffen Jerusalems ging. Wer die Bibel mit ihren Stätten im Herzen halten will, der gehe ja nicht nach Palästina, denn imt das ansjehen zu können, was man dort sieht, braucht man schon ein übermenschliches Bekenntnis zum Ideal des Judentums. Es ist für den Europäer geradezu unfaßbar, wie man in diesem Jerusalem leben Lann. Das Jüdische tritt dort ganz zurück, das Christliche unL das Mohammedanische treten in den Vordergrund, aber, von wenigen Stätten abgesehen, auch nicht gerade besonders schön. Unter den heiligen Stätten, die man sieht, sind einige als solche bezeichnet durch die Phantasie oder durch die Fremdenindustrie. Denn Las ist doch klar, daß kein Miensch heute mehr weiß, wo all die einzelnen historischen Stätten in Wirklichkeit gewesen sind, und man wird enttäuscht, wenn man dort hingeschleift wird, lediglich, um denen, die von der Fremdenindustrie leben, gefällig zu sein. Schön ist z. B. der Felsendom, die Omarmoschee. Wenn man hinterher am Grabe Saladins die Mädchen, die dort sind, beten sieht, oder in Damaskus die Gebete derer hört, die dort lernen, dann sieht man, wie die frommen Juden in der Cheders zu Jerusalem und Liberias echte und rechte Orientalen bis heute geblieben sind. Ueber diese Art des Betens, über Las sich in das Mystische Versenken haben wir nicht das Recht, zu kritisieren. Wir haben aber das Recht, zu empfinden, Latz wir durch Welten vom Orient gettennt stnd. Wir wollen dem Judentum dienen wie dem Deutschtum, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Vermögen, aber nach unserer Art. nach deutscher Art. Nie habe ich mehr empfunden, daß ich Deutscher bin, als zu der Zeit, da ich von Palästina zurückkam. Deutsche wollen wir sein, und Inden wollen mir lein, ahcx m Wserer, fcg MpoMWer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.