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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-04-22 · 16 (22.4.1927) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
16 (22.4.1927)
Date
1927-04-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Me nur ans dem Wunsche entstanden, in diesem Lande das zu sehen und kennenzulernen. was dort sehenswert ist und was man auf kurzer Retse kennen lernen kann. Die Landschaft Palästinas. Wenn ich darum vielleicht ein wenig mehr impressionistisch, als das in einer politischen Rede der Fall sein würde, sagen darf, welches die Dinge sind, die den stärksten Eindruck auf mich in Palästina gemacht haben, so muß ich zunächst einmal sagen: es ist die Landschaft an sich. Ein seltsames Land, Palästina! Voll herber Schönheit. Schon der Weg von Gaza hinauf nach Jerusalem führt durch Steppe und Steine, nichts als Steinet ein ewiges Steingeviet, nur selten von Fruchtboden unterbrochen. Aber diese Steine, dieses Land bieten einen romantischen Eindruck. Judäa selbst, die feste Burg der Verteidiger, ein hock anfragendes Gebirge, mitunter erinnernd an den heiligen Berg Monsalvatsch, der bei Barcelona sich turmgleich erhebt. Eindrucksvoll in Größe und Schauer oer Weg von Jerusalem nach Jericho und dem Toten Meer, in dem heute wie zu biblischen Zeiten ketn lebendes Wesen existieren kann. Wer nur als Reisender, losgelöst von jedem politischen Empfinden, die unfruchtbarsten Teile Palästinas wie Judäa und das Gebiet um das Tote Meer bis zum Jordan bereist, der wird ergriffen sein von der Eigenartigkeit dieser Landschaft, von der seltsamen Beleuchtung, in die sie mitunter getaucht erscheint, von den wechselnden Höhen, die von Jerusalem auf 800 Meter Höhe plötzlich nach Jericho bis 300 Meter unter dem Meeresspiegel abfällt, also bei kaum 40 bis 50 Kilometern Entfernung einen Höhenunterschied von 1200 Metern genießen läßt,' der wird in dem jetzt am meisten gefeierten Tale Em ek mit Vergnügen die weiten Flächen der Fruchtbarkeit erblicken, der wird aber von den beiden Punkten, die landschaftlich wohl die schönsten und hervorragendsten sind, von Liberias mit dem See Genezareth und von Haifa mit dem darüber ragenden Karmel, den schon das Hohelied besungen hat, ganz besonders entzückt und ergriffen sein. Von Haifa nach Akko führt eine seltsame Antomobilsahrt durch den Dünensand unmittelbar am Meer: Schakale trotten im Sonnenuntergang über den Weg. So ist in der Tat eurer der stärksten Eindrücke, den der unpolitische Reisende ans Palästina milnimmt, das Gefühl, in einem Lande bizarrer Landschaft, seltsam geformter Berge, selten schöner einzelner Partien gelebt zu haben. Größenverhältnisie. Der nächste Eindruck, der sich unmittelbar an den der romantischen Landschaft anschließt, ist der der Kleinheit des Landes. Hierüber ist oft und viel geschrieben worden, aber wenn man durch das Land fährt, treten diese Verhältnisse ganz besonders sinnfällig in die Erscheinung. Die größte Ausdehnung Palästinas, von Danbis Versah a, beträgt 200, und die Breite des Landes ist im Durchschnitt kaum mehr als 60 oder 70 Kilometer. Die Gesamtfläche Palästinas steht nicht einmal absolut fest, weil die Grenzführung durch den Wüstenteil nicht ganz genau festgelegt ist, wobei es auf einige tausend Quadratkilometer mehr oder weniger nicht anzukommen scheint. Im ganzen aber wird nach den offiziellen Schätzungen von zionistischer Seite, die in dem Büchlein des Leiters der Informationsabteilung enthalten sind, die Größe des Landes auf 28 Trillionen Dunam angegeben, das heißt, auf deutsche Maße übertragen, auf etwa 23 000 Quadratkilometer- und es wird gesagt, daß von der Gesamtfläche etwa 10 Millionen Dunam, also 9000 Quadratkilometer bebaubar seien. Wem diese Zahlen lebendig werden sollen, dem muß gesagt werden, daß die Provinz Brandenburg 40000 Quadratkilometer groß ist, also mehr als viermal soviel bebaubaren Boden enthält als ganz Palästina,' daß Elsaß-Lothringen, das uns verloren gegangen ist, 15 000 Quadratkilometer enthielt, also etwas weniger als die ganze Größe Palästinas beträgt,' und daß M e ck l e n b n r g - S ch w c r i n 13000 Quadratkilometer mtßt. Bon den 10 Millionen Dunam bebaubaren Boden befinden sich — ich stiitze mich immer auf die zionistischen Quellen — eine Million Dunam, also 900 bis 1000 Quadratkilometer, injüöischemBesitz. Um auch da eine Vergleichszahl zu suchen, sei gesagt, daß das Fürstentum Schwarzburg-Ruoolstadt 941 Quadratkilometer zählte, also ungefähr so groß war wie der jüdische Landbesitz in Palästina: Er ist etwa doppelt so groß wie das Stadtgebiet von Hamburg mit 415 Quadratkilometern. Deutschland zählte vor dem Kriege 540 000 Quadratkilometer, war also mehr als 540mal so groß wie der jüdische Landbesitz in Palästina, 54mal so groß wie der der gesamte bebaubare Landbesitz in Palästina überhaupt. Diese Kleinheit des Landes tritt gerade in seiner asiatisch-afrikanischen Umgebung besonders mqrkant hervor. Zählt doch Aegypten 000 000 Quadratkilometer, das nördlich von Palästina liegende Syrien 156 000, Transjordanien 40 000, der daran anschließende Jvak 371000 und gar Arabien 840000 Quadratkilometer. Bevölkernngsziffer. In diesem Lande, das durch diese Ziffern in seiner Begrenztheit und in der Begrenztheit seiner Möglichkeiten gekennzeichnet ist, wohnten nach der Volkszählung von 1932 — 760 000 Menschen, heute wohl etwas mehr. Vielleicht geht es allmählich schon an das neunte Hunderttausend heran. Hamburg hat bereits mehr als 1,1 Millionen, so daß also allein das Stadtgebiet von Hamburg eine größere Einwohnerzahl enthält als ganz Palästina. Uns interessiert nun ganz besonders die Frage nach dem jüdischen Anteil an dieser Bevölkerung. Palästina zählte, als der Krieg zu Ende ging, 70 000 bis 80 000 Juden. Bei nicht in Rechnung gezogen. Die Einwanderung, die 1926 etwa 86 000 Menschen betrug, wird für 1926 von der zionistischen Parteileitung auf etwa 12 090 Menschen geschätzt. Ich glaube aber Grund zu der Annahme zu haben, daß diese Zahl die Ziffern der beiden letzten Quartale 1026 nctf) niiht vvllkoni'.nen berücksichtigtdenn im letzten Quartal 1928 sind nur rund 1900 Menschen insgesamt »rach Palästina eingewandert und 2600 ausgewandert. Diese stärkere Rückwandcntiift hält etwa seit August vorigen Jahres ununterbrochen an und hat, wie mir die Herren in Palästina bereitwilligst mttgeteilt haben, auch im Januar, Februar 1927 noch fortgodauert, die Märzzahlen lagen noch nicht vor. Aber selbst wenn man der zionistischen Zahl folgt und annimmt, daß es jetzt in Palästina 150 000 Juden gibt, so würde sich eine Gesamteinwanderungszayl nach dem Kriege von etwa 80 000 ergeben. Man würdigt aber die Zahl der Einwohner Palästinas nicht erschöpfend, wenn man nur absolut die Zahl der Juden dort feststellt. Man muß die Juden in Beziehung setzen zu der Umwelt, in der sie leben, also insbesondere zur arabischen Welt. Da ist immer noch die Tatsache unbestreitbar, -atz auch heute noch auf vier bts fünf Araber höchstens ein Jude kommt, und -aß der Stillstand oder Mar die Abnahme der Zahl -er Juden seit -er zweiten Halste des Jahres 1928 nicht imstande ist, diese Relation für die Juden günstiger zu gestalten. Gliederung -er jüdische« Bevölkerung. Sieht man aber die jiidische Bevölkerung mit ihren höchstens 150 000 Menschen an und versucht, sie geographisch und b c r u f l i ch z u gliedern, so ergibt sich, immer nach denselben Quellen, daß Jerusalem, das heute 96 000 Einwohner zählen soll, 50000 Juden hat, daß die rein jüdische Staat Tel Aviv 45 000 Juden enthält, daß Haifa, wie mir der Maler Hermann Struck sagte, die Zahl von 15 000 Juden bereits überschritten hat, und daß auch in Liberias 7000 Juden wohnen. Nimmt man dazu die kleineren Städte, wie Gaza, Akko, Safed, Nabln, so ergibt sich, daß in den Städten allein 120 000 bis 130 000 von insgesamt 150000 Juden wohnen, daß also eine Kolonisation im engeren Sinne nur stattgefunden haben könnte in einer auf höchstens 20 000 bis 30 000 Menschen beschränkten Zahl. Ader auch diese Zahl ist noch zu hoch, wenn man sie etwa nur der Einwanderung nach dem Kriege zugute halten möchte, denn auch in dieser Zahl sind vor allen Dingen die großen Rothschildschen und sonstigen nichtzionistischen Kolonien enthalten, die ja schon vor dem Kriege zum Teil recht bUrhend gewesen sind, von denen Rischon le Zion 2000, Petach Tikwah 6000, Zidron Jakob 1500 Siedler zählt, und die insgesamt weit mehr als 10 000 Kolonisten bergen. Die gewaltigen Anstrengungen, die zweifellos gemacht worden sind, der ungeheure Heroismus und der große Idealismus, mit dem die einzelnen Menschen sich dort in die Bresche geworfen und versucht haben, aus einem zum Teil sumpfigen Lande Kulturboden zu machen, sotten gar nicht abgestritten werden. Sie erscheinen als Leistungen der einzelnen Menschen ungeheuerlich, weil sie sehr oft eine Aufopferung des eigenen Seins bedeutet haben. Gemessen aber an der Not der Juden und an den Notwendigkeiten schrumpft das zionistische landwirtschaftliche Kolonisationswerk ans die Ansiedlung von 10 000 oder, wenn es hoch kommt, von 15 000 Juden zusammen. Daß cs aber nicht der Sinn Mischer Siedlungen in Palästina sein darf: Jrrderrviertel in den alten Städten neu zu schaffen oder vorhandene zu vergrößern, wird uns allen einleuchten. Die Rechsstellnng der Juden in Palästina. Das, meine Damen und Herren, ist also der zweite Einbruch, der mich sehr stark besängen hat. Der erste war, wie ich sagte, die romantische Schönheit dieses seltsam anfgebauten Landes, der zweite war das Gefühl der Kleinheit und der verhältnismäßigen Unbedeutenheit dieses Landes in feinem Ausbau, war das Gefühl, daß die Juden, die dort mitten zwischen den Arabern leben, wenn auch nicht bedrohlichen Gefahren unmittelbar ausgesetzt zu sein scheinen, so doch vor die größten und schwierigsten Probleme gerade mit Bezug aus die Erk amps ung der Emanzipation un d der Gleichberechtigung noch gestellt sein werden. So grotesk es klingen mag: der Kamps um die Gleichberechtigung wird in Palästina erst eins etzen zu einer Zeit, in der w i r si e, wi e ich an nehme, theoretisch und praktisch längst errungen haben werden. In Paläst'nm ist heute weder von einer politischen noch von einer tatsächlichen Gleichberechtigung der Inden mit dem übrigen Teil der Bevölkerung zu sprechen. Ein Mann, der im Rat von Palästina sitzt, ein Qesterreicher, glühender Zionist und Palästinenser, erklärte mir: „Sagen Sie Ihren Freunden vom Ceniralverein, daß ich selbstverständlich in den antisemitischsten und schlechtesten Zeiten in Oesterreich und in Wien unendlich viel mehr politische Rechte gehabt habe, als ich sie hier in Palästina je haben werde. Aber ich bin ja nicht nach Palästina gegangen, um politische Rechte zu halben, sondern um eine Aufgabe zu erfüllen." Das ist eine Anschauung. die den idealen Sinn dieses Mannes in glänzendstem Lichte erscheinen läßt, die aber für denjenigen, der verantwortungsvoll an die Zukunft der Gemeinschaft, die dort lebt, denkt, eine einfach unmögliche Beantwortung einer sich natnrnotwendkg dort ausmerfenden politischen Frage ist. Religiöse Fragen. — Die Baudenkmäler. Das Vierte, weine Damen uud Herren, was mich innerlich aufgewühlt hat und was einen besonders starken Eindruck hervorries, sind die religiösen Fragen gewesen. Ich bin kein gesetzestteuer Jude, aber ich muß sagen, in Palästina erscheint mir die Ausübung der Vorschriften der jüdischen Religion als etwas Naturnotwcndtges, und der Aufbau eines jüdischen Gemeinwesens in Palästina, das sich vom Gesetz lossiagt, ein Widerspruch in sich selbst zu sein. Wer nun nach Palästina kommt, sei er ein liberaler oder ein gesetzestreuer Jude, der ist naturgemäß erfüllt von dem Gefühl, an heiliger Stätte, durch Mischen Bekennermut tausendfach geheiligter, durch ungezählte Opfer cm Leib und Leven, erlitten für das Gesetz, für alle Zeit geweihter Stelle zu stellen. In diesem Gefühl erleidet er leider nah mindestens zweifacher Richtung eine herbe Enttäuschung. Einmal ist doch Palästina und die nahe arabische Wüste die Stelle, von der aus die drei großen Weltreltgionen ihren Weg zur Menschheit airgetreten liallen. Wenn Aegypten das mit reichen Schätzen der Welt einst Überladene Land gewesen ist, das seine steinernen Denkmäler für die Jahrtausende geschaffen hat, so hat es doch eins nicht zuwege gebracht. Bon den ägyptischen Religionen weiß heute nnr der Forscher des Altertums, und er weiß, daß nicht einmal oer Versuch, diesen Religionen Geltung über die ägyptischen Grenzen hinaus zu verschaffen, von den Aegyptern in ihrer Geschichte mit großer Energie unternommen worden ist. Palästina aber, ein armes, ein kleines, ein armseliges Land, hat das in der Weltgeschichte unendliche, niemals wegzuleugnende Verdienst, mit Arabien zusammen der Menschheit die drei großen Weltreligionen gegeben zu haben. Wo stammten die seelischen .Kräfte her, die in unerhörtem Zusammenströmen hier den Glauben an einen Gott wachsen ließen? Wo sind die steinernen Zeugnisse dieses in der Weltgeschichte einmaligen und einzigartigen Geschehens? Wenn Christen und wenn Juden und wenn Mohammedaner nach Palästina kommen, die das Land nicht kennen, s>o erwarten sie, die großen Kulturdenkmäler dieser glorreichen Vergangenheit auch in architektonisch stolzen Gebäuden zu erblicken. Was aber ist der Fall? Ja, die Christen, die nach Palästina wallfahren, finden aus Schritt und Tritt große Kirchen, errichtet zum Lob und Preis der christlichen uud der katholischen Gemeinschaft- und gar die Mohammedaner Hallen sich auf dem Platz, wo einst der Tempel Salomos gestanden hat, die schönste Moschee geschaffen, die die arabische Baukunst wohl überhaupt hervorgebracht hat. Aber von den großen Zeugnissen der jüdischen Vergangenheit ist nur wenig mehr zu finden, und wäre nicht das Grab der Rachel, und wäre nicht die Klagemauer, die als Letztes davon noch lebt, so würde in der Tempelstadt Jerusalem der jüdische Blick vergeblich suchen, wo die großen Denkmäler der Vergangenheit einst standen. Hier erwächst eine ganz unabhängig von jeder Parteietnstellung im Judentum zu erfüllende Aufgabe, nämlich die Bemühungen zu fördern, um die Zeugen der Vergangenheit, die ja nicht tot sind, sondern die unter dem Schutt leben und nur darauf warten, aus der Erde geholt zu werden, von Staub und Schutt zu .befreien und sie zu neuem Leben erstehen zu lassen. Bisher aber wird diese Arbeit int wesentlichen von uichtjirdischer Seite verrichtet. Die Synagoge von Kap er na um, ein selten schöner Bau, der von der Größe und dem Reichttrm der Gemeinde, die dort gelebt hat, auch heute noch Zeugnis ablegt, wird von katholischen Priestern und Mönchen aus der Erde geholt. Das alte Jericho mit seinen großen Mauern hat der De karr der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Berlin aus dem Staube gehoben, und Sichern, die alte Königsstadt, wird jetzt von dem gleichen Manne, Professor Sellin, der uns bereitwilligst durch die neuesten Grabungen geführt hat, Stück für Stück dem Boden wieder entrissen. Mer nicht einmal zur dauernden Erhaltung der dritten großen Mauer Jerusalems reichen die Mittel, die von jüdischer Seite zur Verfügung gestellt sind. Es ist ein gemeinsames Interesse oer Juden der ganzen Welt, daß die Erinnerung an die große Kulturleistung des jüdischen Bowes in PalMna aufrechterhalten werde. Und müßte nicht auch PalMna eine Synagoge bergen, würdig und reich an Ausstattung, ein Gotteshaus, der historischen Stellung des Landes würdig? Wo sind die Männer, die zum großen Tempelbau rufen? Das ist die eine, die architektonisch-religiöse Seite. Religion oder Richtreligion? Die andere Seite ist, daß in Palästina auf Schritt und Tritt, wo man hinkommt und mit den jüdischen Menschen spricht, ein heftiger Streit über die Frage: Religion oder Nichtreligion entbrannt ist. Wenn ein in der dortigen zionistischen Leitung tätiger Mann sagt: ein einziger Dunam Land im Emek sei ihm wichtiger als das ganze salomonische Heiligtum und seine Wiedererweckung, so ist das vielleicht mit einer leichten und beabsichtigten Uebertreibung gesagt und soll auch nicht wörtlich aufgefaßt werden, aber es bringt doch den Gedankengang eines wichtigen Teils des Zionismus in Palästina zum Ausdruck. Es gilt in Palästina ja beinahe als etwas Selbstverständliches — ich sage diese Einzelheiten nicht, weil sie besonders bedeutend sind, sondern nur, um zu charakterisieren —, daß die jüdischen Gemeinschaften ihre Fußballspiele am Sabbatnachmittag veranstalten. Es berührt auch nicht angenehm, daß, als der Sabbat unterging, in der Stunde des Abendgebets, im Hotel in Jerusalem Jünglinge und junge Damen rauchend bei Jazzband, Tanz und Tee sitzendenn dies sind doch Menschen, die nicht wie wir nach Palästina gegangen sind, um dieses Land zu sehen, sondern um erneut die jüdische Gemeinschaft zu schaffen und sie fester zu untermauern. Und diese Gemeinschaft ist uns, vom Bande der Religion gelöst, unverständlich und unerwünscht. Darin werden mir doch viele zusttmmen: Was man hier tut, ist, in Palästina getan, nicht dasselbe. Darum führen auch uns nahestehende reichsdeutsche Frankfurter Freunde, die streng gesetzestreu eingestellt sind, einen sehr heftigen und erbitterten Kampf gegen diese Anschauung eines sehr erheblichen Teils der zionistisch-kommunistisch gesinnten Arbeiterschaft und Kolonisten in Palästina. Tel Aviv, Stadt von 45000 jüdischen Einwohnern, jüdische Stadt, hat auch heute noch seine Synagoge unvollendet. Das religiöse Gefühl kommt also in Palästina nur ungenügend auf seine Rechnung. Dem Gedankengang, das Religiöse müsse durch das N a t i o n a l e ersetzt werden, widerstrebt unsere Erfahrung, daß nur die gemeinsame Religion das Judentum durch die Jahrtausende gerettet hat, und unser Gefühl, daß es mit ihm zu Ende sein wrrb, wentt es aufhört eine religiöse Gemeinschaft zu sein. Krisis in Palästina. Dazu kommt nun ein Weiteres. Wir sind in einer! Zeit der schlimmsten Krise in Palästina. >

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