Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-04-14 · 15 (14.4.1927) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
15 (14.4.1927)
Date
1927-04-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613895-2613910--2226-2619674
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

11 entity mentions

7. Jahrgang Nummer 15 IMchÄemleZeitlW Beilage 14. April 1927 Der jüdische Till Eulenspiegel. (Zur Jahrhundertfeier seiner Geburt.) Von Hermann Blumenthal. In -ieseri Tagen jährt sich zum hundertsten Male der Geburtstag eines seltsamen Spaßvogels, -essen Name in Osteuropa heute noch viel genannt wird. Esroim Greidinger, der iübische Till Eulenspiegel, -essen Andenken in -er Legende fortlebt, führt feinen Zunamen nach seinem Geburtsorte Grodek-Greiding. Seine lustigen Streiche und Abenteuer, die uns der Volksmund überliefert, werden niemals in Vergessenheit geraten. Seine Lebensgeschichte ist nur in großen Umrissen bekannt. Schon als Knabe heckte er viele Streiche aus und machte sich über seine Mitmenschen lustig. Seine Eltern wollten ihn durch eine frühe Heirat gefügig machen, aber seine Frau war eine Lantippe, die ihm den Aufenthalt daheim verleidete. Da ihm sein Eheleben nicht gefiel, verließ er bald darauf seinen Heimatsort. Nun durchwanderte er viele Jahre Polen und die Moldau und verstand eS, in den kleinen Städten die Leute so sehr zu düpieren, daß er auf ihre Kosten großartig leben konnte. Er kannte die Schwächen der Mensche», die er sich zu Nutze machte. Wo ihm eine Mahlzeit oder ei» Obdach verweigert wurde, verschaffte er sich beides durch List, denn überall gab es Leichtgläubige, in deren Vertrauen er sich einzuschleichen wußte. Er trat als Wanderprediger und Handelsmann auf und gab sich dey Anschein eines Biedermannes. Es war die gute alte Zeit, da ein geschickter Abenteurer die Behörden nicht zu fürchten brauchte. Esroim haßte die Geizhälse und Frömmler und machte sich ein, Vergnügen daraus, ihnen Verlegenheiten zu bereite«. Wenn ihm ein Streich glückte, verlieb er zur selben Stunde den Ort, um sich vor der Rache des Geprellten zu schützen. Aus der großen Zahl, der Anekdoten, die sich mit seiner Person befasse», seien hier einige rbiedererzählt? Esroim kam mit einem Kaufmann an einem Fluß vorüber, wo ein Weib gerade Wäsche wusch. Sie schlug mit einem Holzschlager auf ein paar Unterhosen mit aller Kraft los. Da lachte Esroim laut auf. „Warum lachst du?" fragte der Kaufmann. „Ich freue mich, daß ich nicht in diesen Hosen stecke." An einem Freitag nachmittags erreichte Esroim ein Städtchen, wo er über Sabbat bleiben wollte. Es gab aber zu viel Wanderarme in dem Orte und Esroim konnte keine Unterkunft finden. Da hörte er von einem geizigen Juwelier, der niemals einen Sabbatgast zu sich lud. Diesen suchte er in der Dämmerstunde auf, gab sich als Handelsmann aus und fragte ihn: „Was zahlt Ihr für einen Brillanten. der so grob wie eine Wallnuß ist?" Der Juwelier, der sich von diesem Handel viel versprach, erwiderte: „Gerne möchte ich einen Stein von solcher Größe erwerben, aber der Sabbat ist vor der Tür und ich darf jetzt kein Geschäft mehr abschließen. Darum bitte ich euch? Bleibt mein Gast über Sabbat. Wenn der Ruhetag vorüber ist, will ich den Brillanten abschätzen." Esroim nahm die Einladung an und ließ es sich bei seinem Gastgeber gut ergehen. Am Ausgang des Sabbat sagte der Juwelier zu ihm: „Nun zeigt mir den Stein!" Doch ruhig erwiderte Esroim? „Wo sollte ich einen so kostbaren Brillanten hernehmen?" Sprachlos starrte der Juwelier seinen Gast an, der nun zu seinem Wanderstabe griff. „Ich wollte bloß wißen, wieviel ein solcher Stein, falls ich ihn fi.töe, wert sein mag" bemerkte noch Efroim und verließ das Haus. In einem Städtchen unternahm es Efroim, einem Knaben die Anfangsgrüude des Hebräischen beizubringen. Als der Vater deS Knaben eines Tages, während des Unterrichts die Stube betrat, hörte er zu seinem Entsetzen, daß der Knabe das Totengebet lernte. Da er darin ein böses Omen sah. rief er angsterfüllt: „Wie kamt ihr nur auf den Gedanken, dem Kinde gerade das Totengebet beizu bringen?" „Fürchtet nichts," beschwichtigte ihn Efroim. „Wenn ihr nur so lange am Lebe» bleibt, bis euer Sohn das Totengebet hersagen kann." Als Esroim seine Frau, die ihm böse Stunde» bereitet hatte, durch den Tod verlor, suchte er einen Heiratsvermittler auf, der eine wunderschöne Frau sein Eigen nannte und teilte diesem mit, daß er den Wunsch habe, sich wieder zu verheiraten. „Willst du ein junges Mädchen zur Frau?" fragte der Vermittler. ,^Veiß Gott, wie sie sich als Ehefrau benehmen wird." meinte Efroim mißtrauisch. „Kann es eine Witwe sein?" „Sie ist imstande, auch mich unter die Erde zu bringen," versetzte Efroim mit einem Seufzer. „Dann wirst du mit einer Geschiedenen fürlieb nehmen müssen", meinte der Vermittler. „Wenn der erste Mann mit ihr nicht leben konnte, wie soll ich es zustande bringen?" rief Efroim aus. „Was willst du also." fragte der Heiratsvermtttler unwillig. Darauf erwiderte Efroim mit Seelenruhe: „Ihre Frau möchte ich heiraten, wenn Sie ihr den Scheidebrief geben wollen. Wenn sie Ihnen gepaßt hat, wird sie auch für mich eine gute Ehefrau sei«." Efroim sprach bet einem Geizhals vor und bat ihn um ein Mittagessen. Dieser wieS ihn schroff ab. Da sagte der Schelm mit ernster Miene: „Dann bleibt mir nichts anderes übrig, als daS zu machen. waS mein Vater in ähnlicher Lage gemacht hat." „Was hat denn ihr Vater gemacht?" fragte der Geizhals neugierig. „Das kann Ihnen doch einerlei sein," erwiderte Efroim und wandte sich zum Gehen. ch will eS aber wissen," rief der Geizhalz. ^enn Sie meine Bitte erfüllen, gerne." „Gut. du sollst ein Mittagessen erhalten," sagte der Geizhals und ließ ein Mahl auftragen. Kaum hatte Efroim den letzten Bissen verschluckt, da rtef der Geizhals: „Jetzt will ich endlich wissen, was dein Vater gemacht hat." „Wenn er nichts bekam, so verzichtete er." erwiderte Efroim und verlieb eilends das Haus. Aus den Gemeinden /m*Hk Cr FALCKE 'ÖL1 blÜmen^äu7/tellunq BERLINS Ö6 LL MAUERSTR. 7Q FERNRUF: ZENTRUM 3C23U. 3024 BLUMENSPENDEN - TOAUBR*P^EN/TAFEL* SCHMUCK. INNENDEKORATION INKöNSIMpRiscHER AUSFÜHRUNG. 12. ERSTE PRBHÖL Berlin. (Die Nachprüfung des Wahlergebnisses.) Am vergangenen Sonntag fand die erneute Feststellung des Ergebnisses der Repräsentantenwahl vom 16. Mai 1926 statt, die vom Polizeipräsidenten in Verfolg der Wahlproteste angeordnet war. Bei der Feststellung stellte sich einwandfrei heraus, daß eine korrekte Ermittlung des Wahlergebnisses heute nicht mehr möglich ist. Es ergab sich, daß eine größere Anzahl Stimmzettel nicht mehr vorhanden ist. Das Resultat des vorgenommenen Versuchs einer erneuten Ermittlung des Wahlergebnisses lautete dahin, daß die zionistische Liste ein Mandat weniger erhielt, als ihr bei der ersten Feststellung ^gesprochen wurde, und daß dieses Mandat der Liste der Poale Zion zusiel. Nach diesem Ergebnis wären also gewählt: Liberale 10, Jüdische Bolkspartei 7, Mittelpartei 2, Konservative 1, Poale Zion 1. Wir werden aus die Angelegenheit noch zurückkommen. Berlin. (Arnold Zweig über Antisemitismus ' und Jugend in der „Jüdischen W a i s e n h i l f e".) Im schönen Heim von Herrn und Frau Siegfried Hirsch sprach vor einer größeren Gesellschaft des geistigen jüdischen Berlin der Dichter Arnold Zweig über „Antisemitismus und Jugend". Der Vortag fand im Rahmen eines Zyklus über Erziehungsfragen statt, der von der „Jüdischen Waisenhilfe E. B.. Gesellschaft zur Förderung und Erziehung jüdischer Waisenkinder zu produktiver Arbeit" veranstaltet wird. Nach einer feinsinnigen Einführung seitens deS Gastgebers entwickelte Arnold Zweig in gedrängter Form seine Gedanken über Erziehung der jüdischen Jugend, die er — wie er sagte — in einem demnächst erscheinenden Buche „Caliban oder Politik und Leidenschaft" breiter und gründlicher behandelt. Daß die jüdische Jugend unter dem Antisemitismus zu leiden hat, sagte er, ist kein normales Phänomen. Sogar im Tierleben kämpfen die Erwachsenen gegeneinander, die Kinder bleiben außer Spiel: man kämpft ja nur gegen seinesgleichen. Nur bei großen Katastrophen werden diese Lobensgesetze überschritten. Der Antisemitismus aber hat Katastrophen-Charakter, da er nicht der Ueberlegung, sondern Affekten entspringt. Erst nachträglich sucht man für diese Affekte eine „wissenschaftliche" Grundlage. Aber gerade diese Form des „Krypto-Antisemitismus". der sich als kühl abwägend gibt, aber doch vom Affekt vergiftet ist, ist der gefährliche, weil er sich schwerer abreagiert. Man schämt sich, mit nackten Affekten herumzulaufen und drapiert sich mit „Wissenschaft". Der Antisemitismus tritt als Gruppenaffekt auf und hat darum ansteckende Kraft. Er infiziert die weniger widerstandsfähige Jugend leichter. Die traurigsten Erscheinungen zeitigt der Antisemitismus unter der jüdischen Jugend. Dies zeigt sich am charcck-- teristischsten im „Fall Rathenau". Dieser geniale Mann war. sobald er in die Oeftentlichkeit trat, wie erstarrt, als ob ein Eis an ihn gefallen wäre. Er war von dem Gefühl beherrscht: wie verhalte ich mich, um bei den Antisemiten Gnade zu finden? Er wollte als der „edle Jude" erscheinen. Diese Gefahr der Vergiftung des Eigenlebens ist bei der jüdischen Jugend akut. Der junge Jude wirb durch das immerwährende Verneintwerden besinnlich, statt tataffektisch Der Wille wird gebrochen. Er weiß im Anfang nicht, wie er mit seinem Weg fertig werden wird, ob er ihn zu Ende gehen wird. Er wird zu sehr vergeistigt, oder zaghaft, ober hochmütig ablehnend der Welt gegenüber. Das Losesten dieser Jugend von ihrer seelischen Isolierung ist im Interesse der Gemeinschaft notwendig. Die Gruppenerziehung ist ein Mittel zu diesem Ziel: die Jugend kann sich gegenseitig jene Stütze sein, die zum Bestehen des Lebenskampfes als Jude und Mensch notwendig ist. Er pries die Arbeit der „jüdischen Waisensürsorge", die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Waisenkinder in Kinderrepubliken zu erziehen und der Jugend die Möglichkeit zu geben, konfliktlos zu leben. Der Antisemitismus, schloß Arnold Zweig, soll nicht durch Proteste, nicht durch falsche Agressivität bekämpft werden, sondern er soll dort getroffen werden, wo er am gefährlichsten ist: in unserer eigenen Seele. Im Verlauf des Abends sprachen noch einige Mitarbeiter von Dr. Siegfried Lehmann, des Schöpfers der schon zum Begriff gewordenen „Korvnoer Kinderhauses", so u. a. Herr Czuczka, Rabbiner Dr. Wiener, der die Anregung zur Bildung eines Junggesellen-Derbandes für Waisenerziehung gab, und Fräulein Dr. Duoas. die namens des Arbeitsausschusses die Geschichte der Lehmannschen Gründung erzählte und insbesondere das Erwachen der Persönlichkeit der früher dem Verkommen preisgegeben gewesenen Waisenkinder schilderte. Unter der Devise „Bon der Straßenhorde zur Gemeinschaft" sammelte Dr. Lehmann die in den Straßen sich herumtreibenden jüdischen Kriegs- und Progromwasten, konzentrierte sie in dem Kownoer Kinderhaus, wo er sie zu stolzen und nützlichen Menschen erzog. Diese etwa 200 Kinder sind jetzt zum größten Teil in der schönen Kolonie „Ben Schemen" in Palästina untergebracht, die Kinder verwalten ihre Kolonie musterhaft, führen alle Arbeiten, sogar die Baulichkeiten, mit eigenen Händen aus. Geplant ist die Schtstfung einer Musterkolonie von 800 bis 1000 Waisenkindern. Laut der Statistik des Joint gibt es in Osteuropa zirka 26 000 jüdische Waisen. Herr Dr. Mark Wischnitzer schilderte die Tätigkeit des Hilfsvereins der Deutschen Juden auf dem Gebiete der Waisenerziehung. Zum Schluß appellierte der Gastgeber, Herr Siegfried Hirsch, an die Anwesenden, den Gedanken der jüdischen Waisenhilse in weitere Gesellschaftskreise zu tragen, damit das von Dr. Siegfried Lehmann begonnene große Werk zu einem guten Ende geführt werde. (Jta.) Berlin. (Professor Greßmann gestorben.) Auf einer Amerikareise ist in Chicago der Professor der Theologie und LEer des Jnstitutum jwdaicum an der Berliner Universität, Pros. Hugo Greßmann, der aus einer BortragSreise durch die Bereinigten Staaten begriffen war, plötzlich gestorben. Seine Leiche wirb in die deutsche Heimat überführt. Professor Hugo Greßmann. der am 21. März 60 Jahre alt geworben war, galt in wissenschaftlichen Kreisen als erste Kapazität aus dem Gebiete der alttestamentlichen und altorientalischon Religionsgeschichte. Sein besonderes Interesse wendete er den juöaistischen Wissenschaften und der jüdischen Geschichte der alten und der neuen Zeit zu. Vor einigen Jahren ist auf seine Initiative das Jnstitutum judaioum an Ser Berliner Universttät gegründet worden, dessen Leiter er bis zuletzt war. und dessen Ausgestaltung er feine besondere Sorgfalt widmete, Zu den Vorträgen dieses Instituts, die sich in der wissenschaftlichen Welt hohe» Ansehens erfreuten» lud er bekannte Vertreter der jüdischen Wissenschaft ein. Er wohnte persönlich allen Borträgen bei und leitete ste ein. Im letzten Semester wurden unter seiner Einführung Vorträge über Abraham Geiger. Samson Raphael Hirsch, Theodor Herz! und Achab Haam gehalten. Sein Interesse galt in der letzten Zeit der neuen von Martin Buber und Rosenzweig veranstalteten deutschen Bivelübertraaung. Für die theologische Fakultät der Berliner Universttät bedeutet Greßmanns Hingang einen unersetzlichen Verlust. In den deutschen christlichen wie jüdischen Gelehrtenkretsen wird sein Tob viel betrauert. Von Professor Greßmann sind u. a. folgende Werke erschienen: „Ursprung der israelitisch-jüdische» Eschatologie" „Altorientalische Texte und Bibder zmn Alten Testament". „Mose und seine Zeit". Seine Arbeiten verfolgen daS Ziel» die Beziehungen der biblischen Kultur und Religion zu den Nachbarkulturen, vor allem zu der ägyptische« und babylonisch-syrischen aufzustellen und damit daS Wesen deS «11» testamentarischen und neutestamentlichen Geistes tiefer als bisher zu erfassen. Später wandten sich seine Forschungen hauptsächlich der Geschichte des nachexilischen Judentums zu. Seine bedeutendste Schrift über die apokalyptische» Dichtungen des Judentums sollte i« neuer Bearbeitung erscheinen. föta.) Berlin. (Gr ündung einer Jüdisch-Ko nservativen Vereinigung.) Die GründungSversammlung der JWisch-Konservativen Bereinigung fand am Dienstag, den 29. März, in Berlin statt. Moritz A. Loeb-Berliu überbrachte die Grübe des Vereins zur Erhaltung deS überlieferten Judentums. Bon den zahlreich anwesenden urifö» Nischen Führern, so von Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal- Köln, Nabbiner Dr. Hoffmann-Breslau, Rabbiner Dr. Hvrovitz-Frankfurt a. M. und anderen wurde, gleichfalls ans die Wichtigkeit der Bestrebungen der neuen Bereinigung für eine gedeihliche Entwicklung der konservattve« Richtnug hingewiesen. lieber die im Entwurf vorliegenden Satzungen der Istdisch-Konservativen Vereinigung berichtete Herr Moritz Ä. Loob-Berlin. Es gilt, die bereits vorhandenen Viel« Tausende konservativ gerichteter Juden in Preuße» bzw. Deutschland aus ihrer Isolierung und Vereinzelung zu erlösen. Diesem doppelten Zwecke patzt sich der vorliegende Entwurf an. der den Beitritt von Verbänden. Gemeinde» und Eiuzel* Personen vorsreht. Ihren Rückhalt soll die Vereinigung an den schon bestehenden konservativen Vereinen Berlin, Breslau, Frankfurt a. M. und Köln finden, die bereUS ihre« Beitritt vollzogen haben. Ebenso ist in der Satzung den konservativen Mitgliedern des preußischen Landesverbandes eine Mitwirkung an hervorragender Stelle gesichert. Nach einer kurzen Mittagspause wurden die Verhandlungen fortgesetzt und zunächst ein provisorischer Arbeitsausschuß eingesetzt, der sich aus folgenden Herren zusammensetzt: Dr. Ist Kahn. Siegbert Seckelsohn, Bruno Galewski, Max Bauer, Dr. N. Nachmilowitz. Maurice Glogau, Dr. Jakob Segall, Moritz A. Loeb, alle aus Berlin: Nechtsamvalt Horovitz-Frankfuri a. M.. Justizrat.Hirschberg-BreSlau, Dr. M. Lissauer-Köln, Emannel Pinczower-Beuthen. Direktor Hermann Marx-KönigSberg i. Pr.. Dr. I. Möller-Mtona, Rabbiner Dr. Neuhaus-Mülheim-Ruhr, Felix Struck-Berlin, Durch Delegierte vertreten waren folgende Orte: Köln, 4" Frankfurt a. M.. Kiel. Hamburg Altona, Trier,^mnovex.,/^ Mülheim. Beutheu, Gleiwitz, Schwedt, Liegnitz».^MgnKmL. a. O., Königsberg i. Pr., Osterode i. Ostpr., Prcnzlau, Mannheim. Oppeln, Dortmund. Berlin. (Dokumentensammluug jüdischer Gemeinden der Grenzmark.) Wir wir vom Gesamtarchiv der deutschen Juden erfahren, ist die in letzter Zeit unternommene Aktion zur Sicherstellung «der Akte« aus den jüdischen Gemeinden der deutschen Grenzmark jetzt zu einem Abschluß gekommen. Es ist dem Gesamtarchiv gelungen. aus einer Reihe der wichttgsten, bzw. der am meisten gefährdeten Gemeinden dieser Grenzgebiete die Gemeindeakten zu erlangen. Die neu hinzugekommenen Bestände sind teilweise sehr umfangreich und gehen mit ihren Nachrichten mehrfach bis in das 18. Jahrhundert zurück. Die Bergung dieses für Gemeinde- und Familiengeschichte wichtigen Materials ist dem Gesamtarchiv durch das Entgegenkommen der Gemeindeverwaltung und durch die unermüdliche Mitarbeit des Herrn Rabbiner Neufelo in Elbing ermöglicht worden. Die Neuerwerbungen bilden eine erfreuliche Ergänzung zu den im Gesamtarchiv bereits vorhandenen Aktenmassen aus den jüdischen Gemeinden der jetzt polnisch gewordenen Teile von Posen. Westpreutzen und Overschlesien. Gerade diese Akten stellten eine durch Umfang, Reichhalttgkeit und Alter ganz besonders wichtige Geschichtsquelle dar. Mit ihrer Konzentrierung im Gesamtarchiv ist der Wissenschaft ein unersetzliches Hilfsmittel für die Erforschung der Geschichte dieser einst so berühmten Gemeinden erhalten worden. Es ist dies umso bedeutsamer, als der Umschwung der polittschen Verhältnisse die meisten dieser Gemeinden entvölkert, wenn nicht vollständig vernichtet hat, und andererseits die Verbindung mit den östlichen Staats- und Stadtarchiven unterbunden worden ist. Bei den Bemühungen um die Sicherung der Akten auS den in ihrem Bestände bedrohten Gemeinden war und ist das Gesamtarchiv naturgemäß auf die ständige tätige Mithilfe der weitesten Kreise angewiesen. Nur wenn ihm alle zweckdienlichen Mitteilungen über gefährdete Archivalien umgehend und direkt zugeleitet werden, kann das Gesamtarchiv seiner geschichtlichen Aufgabe gerecht werden. Die Berliner Jüdische Gemeinde, die ihr Archiv ebenfalls Sem Gesamtarchiv zur Aufbewahrung anvertraute, hat dem Gesamtarchiv in ihrem Verwaltungsgebäude in der Oranienburger Straße 28 ausgedehnte Räume zur Verfügung gestellt. die den Anforderungen der neuen Zeit entsprechen und eine dauernd gesicherte Aufbewahrung des Archivbepots gewährleisten. DaS Gesamtarchiv, eine gemeinsame Gründung des Deutsch-Israelitischen GemeindeVundes und der Großloge des Ordens Bnei Brich wird neuerdings auch vom Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden durch eine namhafte Subvention ganz wesentlich gefördert. Berli«. (60. G e b u r t s t a g.) Am 14. April! feierte Herr Baumeister Georg Jaeobowitz, Berlin-Grunewald. Fontanestraße 10, seinen 56. Geburtstag. Wir wünschen auch an dieser Stelle dem eifrigen Förderer «deS Liberalismus., der unS stets nttt Rat und Tat zur Seite steht, für die Zukunft alles Gute. Dresden. (Aus dem G eure i »berat.) Der Gemeiuderat gab in der letzten Märzsitzung seine grundsätzliche Zustimmung zur Anbringung der von der Ortsgruppe Dresden des Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten gestifteten Ehrentafel für die Gefallenen an der Autzenfront der Synagoge. Das Rabbinat, dessen Gutachten eingeholt worden ist, hat dagegen keine Bedenken geltend gemacht. Auf Antrag des Vorstandes. dem ein Antrag des Gemeindeverordneten Rechtsanwalts Dr. Hirsch hinzugefügt wurde, beschließt das Kollegium einige Aenderungen der Gemeindesatzung pom 1. November I022, someit ste die .Anberaumung der Dahlen. Ausstellung der Wahlliste» und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.