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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-04-08 · 14 (8.4.1927) · page 9

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
14 (8.4.1927)
Date
1927-04-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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tt c r, den die Sozialdemokraten zum städtischen Finanz- , minister gemacht hatten, gelang es. diesen Ausweg zu vermeiden. die mit schwerem Defizit behafteten Unternehmungen wieder lukrativ zu gestalten und die Gemeindekasse zu füllen, ohne — Schulden zu machen. Eine solche Herkulestat war natürlich nur mit Hilfe einer Steuerpolitik möglich, deren Genialität ihren Ersinner nicht davor bewahren konnte, in weiten Schichten unpopulär zu werden. Und diese Unpopularität der sozialdemokratischen Steuerpolitik Vot den Parteien der Regierungskoalition die langgesuchte, hochwillkommene Plattform für den durch Ablauf der Funktionsperioöe des Nationalrats unvermeidlich gewordenen Wahlkampf. , t . . Natürlich wissen die Regierungsparteien sehr gut, daß jede Steuer unpopulär ist. aber sie vertrauen darauf, daß die breiten Massen zwischen den staatlichen Steuern, die die Regierung einhebt, und den städtischen nicht zu unterscheiden vermögen, so baß eine geschickt demagogische Verhetzung die , gesamte Verantwortung dafür, daß in Oesterreich überhaupt Steuer gezahlt werden muß. dem Finanzreferenten der Stadt Wien, der noch obendrein Jude ist. in die Schuhe zu schieben vermag. Bei denen aber, die den Unterschied zwischen den Steuersystemen des Staates und der Gemeinde Wien sehr gut kennen: bei den Finanz- und Banksachverständigen, konnten die Regierungsparteien von Haus auf die größeren Sympathien rechnen als die Wiener Stadtverwaltung. Denn die Finanzpolitik der Regierung beruht ganz ans Anleihen. bei deren Begebung für die Banken manch fetter Bissen abfällt, während die Wiener Gemeindeverwaltung nicht nur keine Kredite aufnimmt, sondern sogar selbst unter die Kreditgeber gegangen ist. indem sie die österreichischen Provinzstädte finanziert und so den Banken noch Geschäfte weg nimmt. Es ist also kein Wunder, daß die Vertreter des Großkapitals ohne Unterschied des Glaubens und der Rasse mit dem Herzen im Lager der Regierungsparteien sind. Wer aber darüber staunen sollte, daß die einst antikapitalistischen und offiziell noch heute antisemitischen Christlichsozialen ihrerseits diese Bnndesgenossenschaft zu pflegen und zu vertiefen suchen, der vergißt oder verkennt eines: daß diese Partei in erster Linie klerikal ist. Unter Lueger hat sie einst im Zeichen eines konfessionell verfälschten Sozialismus den bürgerlichen Liberalismus zu Tode getroffen, dem die katholische Kirche das Reichsvolksschulgefetz und die Simultan-Schule nicht verzeihen konnte. Heute, unter dem Prälaten Seipel, sucht sie sich der sozialdemokratischen Trennungsversuche von Staat und Kirche zu erwehren und ihr angeblicher Kampf gegen das marxistische Wirtschaftsprogramm ist also nichts anderes als ein geschickt maskierter — Kulturkampf. Der Bundeskanzler Seipel hat vor einiger Zeit im Parlament verkündet, daß die Reform des Ehegesetzes nur „unter Blitz und Donner" den Christlichsozialen werde abgerungeu werden können. Und doch ist diese Reform eine der dringendsten Forderungen der Zeit, an deren Zustandekommen auch die Juden lebhaft intereffiert sind, obwohl diese den Katholiken gegenüber im Vorteil sind. Während nämlich katholisch Geschiedene nicht wieder heiraten können, ist dies für Inden in zwei Fällen möglich: 1. Wenn die Ehetrennung in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt und 2. Wenn der Mann seiner Frau einen Ehebruch Nachweisen kann. Wohl gemerkt: der Mann seiner Frau — nickt umgekehrt? Die jüdische Frau ist also in einer den altjüdischen Gesetzen, aber nicht den heutigen Zeitverhältuisteu Rechnung tragenden Weise benachteiligt. Ist auch der Mann der Schuldtragende an der Zerrüttung der Ehe. so ist der jüdischen Frau doch die Initiative zur geofetzlichen Lösung des Ehevandes verwehrt. Das einzige, ^was ihr zu tun übrig bleibt, ist der Versuch, den Gatten zur freiwilligen Scheidung zu bewegen, was sie nicht selten ' icklter großen materiellen Opfern erkanfen muß. Andrerseits kann auch die des Ehebruchs überführte Frau die Ehetrennung sabotieren, indem sie sich weigert, den Scheidebrief cntgegenznnehmen. Und das bat schon einmal in der Wiener Kultusstube zu einer blutigen Tragödie geführt, da der Mann sein ehebrecherisches Weib, das sich aus Bosheit weigerte, ihn freizugeben, mit einem Revolverschutz schwer verwundete. Noch verhängnisvoller wirkt sich die Alleingeltnng der rituellen Ehegesetze für die Katholiken aus und cs ist bekannt, daß sogar im Familienkreise ch r i st l i ch s o z i ct I e x Führer oft von dem Ehedispens der sozialdemokratischen Stadtregierung Gebrauch gemacht wird, obwohl der oberste Gerichtshof diesem Dispens die gesetzliche Geltung versagt. Es herrscht also so ziemlich rn allen Bevölkerunasfchichteu ohne Unterschied der Konfession und politischen Weltanschauung eine große Sehnsttcht nach einer Emanzipation der staatlichen von der religiösen Ehegesetzgebung nach reichsdeutschem Muster und Dr. Seipel dürfte bereits erkannt haben, daß sein Wort vom „Donner und Blitz" auch in seiner nächsten Umgebung nur wenig zündend gewirkt hat. Er mußte sich deshalb nach einer geeigneteren Kampf- Jch kam also nach Schwerin und erzählte meinem Bruder von diesem Heiratsprojekt. Ich erzählte ihm auch, daß ich in Kopenhagen gewesen sei. wo ich mit einem gewissen Jakob Gnmpertz aus Gütig in einem Gasthof logierte. Michel Bendix war nun bei Gnmpertz zwei Jahre auf dem Kontor in Stellung gewesen, und ich benutzte die Gelegenheit, mich über den jungen Mann zu erkundigen. Gnmpertz rühmte mir dessen Tüchtigkeit und Redlichkeit. Er sagte mir. er wäre von den Preußen ins Lager berufen, sei zum Kriegskommissar ernannt worden und habe, da man ihm wegen seiner Tüchtigkeit viele Geschäfte übertragen hatte, wohl an die zehntausend Reichstaler verdient. Uebrigens wußte R. Gnmpertz nicht, daß wir mit Michel verwandt seien, noch weniger von meinem Heiratsplan. Alles das erzählte ich nun meinem Bruder, und dieser war sehr zufrieden, bat mich aber, selbst mit Vögelche zu sprechen. Es seien ihr schon viele Partien angetragen worden, sie habe jedoch alle ausgeschlagen. Vielleicht könne ick bei ihr mehr ausrichten. Ich war jetzt fünf Jahre nicht in Schwerin gewesen. Ich ging also zu ihr in ihr Zimmer und stellte ihr den Heiratsplan vor. Doch hatte ich kaum von dem jungen Manne zu reden begonnen, da unterbrach sie mich schon: „Lieber Onkel," sagte sie. „ich weiß, daß Sie mich lieb haben, und ich liebe Sie so wie einen Vater. Wollen Sie mir aber noch weiter gut und treu sein, so sprechen Sie mir nie wieder vom Heiraten." Ich war nicht wenig erstaunt. „Mein Kind," sagte ich. ,-was sind das für Gedanken? Du gehst nun in dein zwanzigstes Jahr, dein Vater ist schon ein Mann bei Jahren und kränklich: wenn nun. Gott behüte, eine Veränderung eintreten sollte, wie würbe es mit dir aussehen? Eine Mutter, die sich um dich bekümmern würde, hast du nicht. Sei doch vernünftig und denke selbst ein wenig nach." Sie aber blieb fest, sie wolle nicht heiraten. „Meine Tochter," sagte ich zu ihr. „entdecke dich mir ruhig. Hast du dich mit jemand versprochen, so sage eS mir. Und wenn es der «llerärmste Junge ist. es soll in Ordnung gebracht werden, und du sollst ihn haben, ehe ich noch wegreisc." 1 Parole nmsehen und hat diese endlich in der eingangs besprochenen Fehde-Ansage gegen das sozialistische Steuer- und Wirtschaftssystem gefunden. Mit dieser Taktik ist es ihn: geglückt. auch solche Kreise, die er in einein offen geführten Kulturkampf eher im gegnerischen Lager gefunden hätte, an sich zu ziehen. So konnte er die programmatisch antiklerikalen Großdeuffchen für die Aufstellung einer Einheitsliste mit den Klerikalen gewinnen. Um -ie „liberalen" Vertreter des Bank- und Industriekapitals brauchte er sich gar Nicht erst zu bemühen. Die sind ihm ans lauter Hatz gegen die Sozialdemokratie von selbst zugelaufen und leisten ihm in ihren Zeitungen die schmählichsten Zutreiberdienste. Diese Würdelosigkeit hat sich gerächt. Denn die christlichsozial-großdeutschen Einheitsstrategen glaubten nunmehr, den bürgerlich gesinnten Juden alles zumuten zu dürfen und stellten, um auch die rechtsradikalen Bölkifchen, deren man sich noch nicht ebenso sicher fühlte, zu ködern, einen ausgesprochenen H a k e n k r e u z l e r auf die Einheitsliste, noch dazu in dem von Juden am meisten bewohnten Wahlkreis Leopoldstadt-BvigitteNau. Es ist dies der Rechtsanwalt Dr. Riehl, der seine Gesinnung schon dadurch dokumentierte, daß er sogar auf seiner Firmentafel ein Hakenkreuz prangen läßt. Von der Anwaltskammer deshalb zur Rechenschaft gezogen, antwortete er, daß er niemals ans „raffende Juden", sondern stets nur auf „schassende Arier" als Klienten reflektiere In konsequenter Durchführung dieses Entschlusses verteidigt er eben jetzt den im Mittelpunkt eines Sensationsprozesses stehenden Marek, der verdächtigt ist, zur Erlangung einer hohen Versicherungssumme sich den Fuß abgehackt zu haben. Ein kurioser Vertreter des schaffenden Ariertums! Die Aufstellung dieser Kandidatur mußte in den jüdischen Kreisen, die wirklich an eine Art Burgfrieden im Zeichen der anti-marxistischen Einheitsfront geglaubt hatten, als ein Schlag ins Gesicht empfunden werden. Auch jenen Zeitungen, die unter der Maske des Liberalismus die Geschäfte des Bank- und Industriekapitals besorgen, wurde es einigermaßen um die Gefolgschaft ihrer Leser bange und sie haben den Listen-Strategen die taktische Dummheit einer solchen Brüskierung der jüdischen Mitläufer in beredten Worten vorgehalten. Damit haben sie die Negierungsparteiler, die auf Widerspruch von dieser Seite offenbar gar nickt gefaßt waren, in schwere Verlegenheit gebracht. Denn entschließen sie fick dazu, die Kandidatur Riehls wieder zu streichen, dann haben sie den Hakenkreuzlern den Beweis in die Hand gegeben, daß sie sich jüdischen Wünschen gefügig zeigen. Stellen sie sich aber unnachgiebig, dann sind einige tausend, schon für sickeren Besitz gehaltene jüdische Stimmen in Gefahr! In diesem Dilemma haben sie durch ein ihnen besonders gewogenes „liberales" Organ die Parole lrnieren lassen, die Gefahr für Oesterreich sei jetzt nicht der Antisemitismus. sondern der sozialistische Steuersadismus. Sollten die Juden der Levpoldstadt trotzdem an der Kandidatur Dr. Niehls Anstoß nehmen, dann mögen sie eben — zio - nisti s ch wählen ... So einfach, wie sich's die Herren vorstellen, ist diese Lösung aber denn doch nicht, denn man kann es noch eher begreifen, daß liberale Inden aus wirtschaftlichen Gründen ihre Weltanschauung zugunsten einer machtvollen Regierungskoalition hintanstellen. Daß sie aber ein solches Gesinnungsopfer zugunsten einer kleinen Partei bringen sollen, deren einzige gute Seite ihre absolute Bedeutungslosigkeit ist. dürfte denn doch zuviel verlangt sein.... Der zionistische Kahlausrnf. Die Aufstellung einer antimarxistischen Einheitsliste bedeutet sicher einen energischen Schritt vorwärts ans dem in Oesterreich längst angebahnten Weg zu dem in England bestbewährten Zweiparteien-System. In dem jetzigen Wahlkampf erscheint dieses aber noch nicht erreicht, denn nicht weniger als acht Listen sind bisher schon eingereicht. Außenseiter der Hakenkrenzler, Monarchisten und „wirtschaftspolitische" Eigenbrötler haben ihre Donderkandidatur angemeldet. Ihnen reihen sich die Z i o n i st e n an, die in ihrem Wahlaufruf folgende Hiebe nach rechts und links ansteilen: Die beiden großen Parteien, welche die Herrschaft über Staat und Stadt unter sich geteilt haben, gehen rücksichtslos über die Interessen der Inden hinweg. Die christlichsoziale Partei ist grundsätzlich antisemitisch und ihre Funktionäre üben ihre Macht in diesem Sinne aus. Diese Partei hat anläßlich der bevorstehenden Wahlen ein Bündnis mit. den rohesten Pogromhetzern, mit den nationalsozialistischen Hakenkreu'.lern, geschlossen. Die österreichischen Sozialdemokraten, die sich vielfach auf jüdische Stimmen stützen, und in deren Programm der Judenpunkt fehlt, huldigen den antisemitischen Instinkten der Massen. Ncberall sind also die Juden der leidende Teil. Weder die christlichsoziale Bundesverwaltung, noch die sozialdemokratische Gemeindeverwaltung stellen jüdische Beamte oder jüdische Arbeiter an. Die Erlangung von Konzessionen oder Lizenzen wird den Juden erschwert oder unmöglich gemacht. Die Steuerpraxis ist tendenziös gegen die Juden gerichtet. In den Schulen ist unsere Jugend Verfolgungen ausgesetzt der Zutritt zu den höheren Lehranstalten wird ihr vielfach verwehrt. Das Heimatrecht wird den Juden verweigert und die Ausweisungspraxis ihnen gegenüber rücksichtslos gehcmdhabt. In Versammlungen, Zeitungen und Plakaten werden die Juden beschimpft und bedroht. man scheut nicht davor zurück, direkt ihre Ermordung zu fordern. Die Behördern und die herrschenden Parteren stehen diesem zügellosen, gesetzwidrigen Treiben teilnahmslos gegenüber. Auch das den Juden durch die Friedensvertrüge und das österreichische Gesetz gewährleistete Minderheitsgesetz. wird ihnen vorenthalten. Die österreichische Jndenschaft muß Mandatare in die Vertretungskörper entsenden, die rücksichtslos der herrschenden, auf die moralische, wirtschaftliche und politische Entrechtung gerichteten Tendenz, entgegentreten soll. Dieser Aufruf übertreibt vieles und — verschweigt noch mehr. Was z. B. die Verweigerung des Heimatrechts betrifft, so wird verheimlicht, daß eö sich um solche Juden handelt, die zwar im alten Oesterreich, aber nickt im neuen, um so viel verkleinerten, Bürgerrechte besaßen, hauptsächlich also um Ostjuöen. Der .Friedensvertrag von St. Germain erlaubt der österreichischen Regierung nicht die konfessionelle, wohl aber die nationale Auslese der Optanten. Die antisemitische Abweisungspraxis der Regierung stützte sich daher im wesentlichen auf das — z ionistische Axiom, daß die Juden eine eigene Nation bilden... Soweit die Abgewiesenen eine längere Seßhaftigkeit i n W i e n Nachweisen konnten, hat übrigens die sozialdemokratische Stadtverwaltung das durch die Negierung begangene Unrecht gutgemacht, indem sie 'diesen Leuten das Heimatrecht in Wie n und damit automatisch die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen. Es ist grober Undank. dies den Sozialdemokraten zu vergessen. Daß die Sozialdemokraten keine Juden anstellen, ist direkt erlogen. Natürlich gibt die bloße Zugehörigkeit zum Judentum noch kein Anrecht auf besondere Bevorzugung durch eine Partei, deren Anhang in der überwiegenden Mehrheit arhch ist. Doch ist zweifellos der Prozentsatz jüdischer Gemeinde-Angestellter heute größer als trnter dem früheren, christlich-,ozialen Regime und es ist sehr die Frage, ob er nach Durchführung des zionistischen „M i n d e r he it s pr og r a m ms" eine Erhöhung erführe. Die Inden Oesterreichs werden gut daran tun. es nicht auf eine Probe ankommen zu lassen. . . Dr. Hugo Spieg l e r. BÜCHER8CHAU Alfred Bertholet: Kulturgeschichte Israels. Güttingen, Vaudenboek und Ruprecht. 294 8., br. M. 8.—, geh. M. 10.—. Bertholet arbeitet jenem weit verbreiteten Fehler des Laien entgegen, der als Leser so leicht geneigt ist, zeitliche und örtliche Verhältnisse der eigenen Gegenwart in das Milieu des Alten Testamentes hineinzutragen. Dies bestimmt den Aufbau des Buches, der die Gesichtspunkte der Betrachtung allgemein hält und diese in enger Anlehnung an den Text, auf den immer hingewiesen wird, darlegt. Der erste Teil behandelt die vorisraelitische Kultur Palästinas und die Kultur des einziehenden Israels. Israels Kultur in Palästina selbst macht den Hauptteil des Buches aus, gegliedert nach den Abschnitten: Das Leben in Familie und Haus, das berufliche Leben, das soziale, das politische, das geistige Leben (Recht, Wissen, Kunst und Religion). Bezüglich der Abhängigkeit Israels von der umgebenden Kultur stellt Bertholet fest, daß eine solche in religiöser Hinsicht nicht existiere, und findet in dieser religiösen Selbständigkeit die Originalität Israels. — Das ausführliche Register am Schluß des Werkes sei als wertvolles Hilfsmittel für den um die alttestamentliche Wissenschaft Interessierten sonders hervorgehoben. y Rabbiner Dr. Maybaum, Bingen a. R«~„ KalrndarlvmsürdieZelt vom 9.4. {>.16.4.1927 April 1027 Nista« 5887 Sonnabend 9 Sonntag 10 Montag 11 Dienstag 12 Mittwoch 13 Donnerstag 14 Freitag 15 Sonnabend 18 7. Wochenabschnitt: Mezanro Haftarah: II. Buch Könige Kap. 7,3—20 Sabbat-Ausgang: 7,35 Uhr 8. 9. 10. 11. 12. 18. 14. Sabbat Hagadvl Wochenabschnitt: Achare Mauß Haftarah: Maleachi, Kap. 3,4—24 Sabbat-Ausgang: 7,48 Uhr Sie aber schwur mir bei Gott, daß sie keinen Menschen hätte, an den sie denke. Ich konnte also nichts ausrichten und sagte das meinem Bruder. Dieser war sehr ärgerlich und erklärte, seinetwegen könne sie nun ewig sitzen bleiben, ehe er ihr noch einmal etwas sage. Ich ging nun zu ihrer verheirateten Schwester Sarche und deren Mann R. Herz und erzählte ihnen die ganze Angelegenheit. „Du. Sarche. und dein Diann." sagte ich. „müßt nun mit ihr reden, denn der junge Mann wird in einigen Tagen hier sein." „Lieber Onkel." jagte sie, „wenn Sie nichts ansrichten, können wir es gewiß nicht. Doch wollen wir beide heute zu ihr hingehen und sie auszanken." Sie taten das auch, aber sie hatten ebensowenig Erfolg, wie ich gehabt hatte. Nach einigen Tagen kam dieser Michel Bendix nach Schwerin und nahm sich da ein Zimmer. Am nächsten Morgen kam er zum Hause meines Bruders, fragte nach mir und ließ mich bitten, zu ihm zu kommen. Ich ging hin, traf also meinen lieben Bendix an, fürchtete aber, er werde sich die Reisekosten vergeblich gemacht haben. Ich nahm ihn aber trotzdem nach meines Bruders Haus und stellte ihn vor. Mein Bruder hatte noch zwei kleine Töchter mit seiner zweiten Frau, die ältere war ungefähr dreizehn Jahre alt. Die lief also zu Vögelche hinauf und sagte ihr. ein Bräutigam wäre angekommen. Vögelche aber kam gar nicht herunter, sogar nicht zum Mjttagstisch. Bendix fragte mich nun. wo sie wäre. Ick sagte, sie sei unpäßlich. Das dauerte so drei Tage, daß sie sich nicht sehen ließ. Am dritten Tage saß ich mit Bendix bei schönem, lindem Wetter vor der Türe. Da machte Vögelche ihr Fenster auf. Wir hörten das. Bendix stand sofort auf und machte ihr seine Verbeugung. Da war sie gezwungen, auf den Gruß zu danken, aber sie machte das Fenster wieder zu, und Bendix ging nun nach seinem Logis. Jetzt wurde ich aber böse. Ich ging zu ihr hinauf und sagte ihr: „Morgen früh mußt du herunterkommen. Bis jetzt habe ich gesagt, du seiest krank: aber nun. da -er dich am offenen Fenster gesehen und wohl bemerkt hat. daß du nicht krank bist, geht das nicht mehr. Nun befehle ich dir. herunterzukommen. Aufzwingen wird ihn dir niemand." und ick sagte ihr noch tüchtig Bescheid. _ _ . „Lieber Onkel, seien Sie nur nicht böse. Ja. ich werde hinunter kommen." Am nächsten Morgen kam Bendix zum Kaffee, und ick holte Vögelche auch herunter. Sie war ein wirklich hübsches Mädchen und recht klug. Bendix war ein ansehnlicher Kerl und machte seine elegante Verbeugung. Vögelches Schwester Lea hatte sich aber bisher immer mit ihm unterhalten. Sie war zwar erst dreizehn Jahre alt, aber sehr vernünftig und geschickt. Sie wußte ihre Rolle sehr gut zu spnelen, daß sie immer zu Vögelche sagte, wie glücklich diese sei, einen solchen feschen Bräutigam zu bekommen, und sang Bendix' Lob in allen Tonarten. Wenn sie mit ihm spazieren ging, hängte sie sich immer an seinen Arm. Endlich, nach dem Abendbrot, setzten wir uus wieder vors Haus aus die Bank. Da setzte sich Lea neben Bendix. faßte ihn bei der Hand und sagte: „Lieber Bendix bei diesem schönen Wetter hier so still zu sitzen, das ist nichts. Kommen Sie. wir wollen ein wenig spazieren gehen " Da stand er natürlich auf. nahm Lea auf die eine und Vögelche auf die andere Seite. Diese mußte also mit. und wir begaben uns zur Schwester Sarche. wo wir sehr freudig empfangen wurden. Der Schwager Herz trieb mit den Mädchen viel Spaß, man wurde rasch miteinander bekannt und man blieb auch zum Abendbrot. Sarche und ihr Mann begleiteten uns dann noch nach Hause. Am andern Morgen konnte ich mit Vögelche schon vernünftiger über die Sache reden. Mein Bruder wollte wegen seines Leidens nach Pyrmont fahren, um dort J>tc Brunnenkur zu gebrauchen. Da Pyrmont nun 13 Merlen von Bleichrode entfernt ist. so wollten wir Michels Vater hinkommen lasten und in Pyrmont Verlobung feiern. Michel war damit sehr zufrieden. Wir reisten also alle nach Pyrmont und feierten dort Verlobung. Die Hochzeit wurde auf ein Jahr später festgesetzt. Es wurde auch festgemacht, daß ich Michel Bendix als Teilhaber annebmen müßte. Wir fuhren dann nach Schwerin zurück. (Fortsetzung folgt.) /

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