Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-04-08 · 14 (8.4.1927) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
14 (8.4.1927)
Date
1927-04-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613895-2613909--2213-2619660
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

7. Jahrgang Nummer 14 IMhÄeMMU Die «erneute Feststellungdes Berliner Wahlergebnisses. Wie lange noch. Kareski . . .? Bon Dr. Max Mayer. In dem Bescheid vom 1. Februar 1927. der dein Gemeindevorstand bezüglich der Nachprüfung des Wahlergebnisses verschiedene Auflagen macht, ersucht der Polizeipräsident „aus Grund dev 8 27 des Statuts erneut das Wahlergebnis durch die vereinigten Wahlausschüsse ermitteln zu lassen". Im Nahmen dieser Neuermittlung sind die von den Protesterhebern gerügten Einzelverfehlungen gegen die Wahlvorschriften des Gemeindestatuts besonders nachzuprüfen. Der 8 27 des Gemeindestatuts besagt, daß der Abgeordnete der Aufsichtsbehörde „die vereinigten Wahlausschüsse zu einer Sitzung zur Ermittlung des Wahlergebnisses" einzuberufen hat. Was aber wacht Herr Kareski aus dieser Auflage des Polizeipräsidenten, in der es ausdrücklich heißt, -atz das Wahlergebnis durch die vereinigten Wahlausschüsse neu zu ermitteln ist? Welche Fassung gibt er der Einladung zu der Sitzung, die. wie 8 27 des Gemeindestatuts sagt, zur Ermittlung des Wahlergebnisses dienen soll? Höchst einfach: An dem Bescheid des Polizeipräsidenten nimmt Herr Kareski eigenmächtig eine dessen Sinn völlig entstellende Korrektur vor. Die Punkte, die der Polizeipräsident als Nebenpunkte erwähnt hat. die bei der Neuermittlung des gesamten Wahlergebnisses besonders berücksichtigt werden sollen, macht Herr Kareski zum alleinigen Gegenstände der Tagesordnung für die Sitzung der vereinigten Wahlausschüsse am kommenden Sonntag. Er versendet an die Mitglieder der vereinigten Wahlausschüsse Einladungen, die den Anschein erwecken, als habe der Polizeipräsident nur die Prüfung dieser Nebenpunkte angeordnet. Nicht genug aber damit, daß die Fassung dieser Einladung gegen den klaren Wortlaut und Sinn des Bescheides des Polizeipräsidenten verstößt, bedeutet sie auch ein neues schweres Vergehen gegen die Vorschrift des 8 27 des GemeindestatntS. Nach ihr muß der Vorsitzende zu einer Sitzung zur Ermittlung des Wahlergebn '..U e * .eütla&cit. Jede Sitzung der vereinigten Wahlausschüsse. die unter Bekanntgabe einer anderen Tagesordnung einberufen wird, ist demgemäß nicht ordnungsmäßig einbernsen Jede Verhandlung, dre in ihr geführt wird, ist null und nichtig. Daß die verkehrte Einladung aber nicht, wie man glauben konnte, nur ein Formfehler ist. mutz leider angenommen locrdcn. Sämtliche Mitglieder der vereinigten Wahlausschüsse. nicht nur die liberalen, müssen darauf aufmerksam gemacht werden, daß man im Begriff ist, nicht sich ihrer zur Durchführung der Auflage des Polizeipräsidenten zu bedienen, sondern sie zu einer Scheintätigkeit zu mißbrauchen. Die Ermittlung des Wahlergebnisses darf aber nicht zu einer .varce gemacht werden. Nach 8 26 des Gemeindestatnts entschcidet der Wahlausschuß in sedem einzelnen Bezirk „über d?e Gültigkeit der Stimmzettel vorbehaltlich der Nachpriifl'.ng durch die vereinigten Wahlausschüsse". Aus dieser Bestimmung ergibt sich natürlich klar, daß den vereinigten Wahlausschüsse» die Nachprüfung der Gültigkeit sämtlicher Stimmzettel möglich gemacht werden muß. Soweit infolge Fehlens der Stimmzettel die Möglichkeit zu dieser Nachprüfung nicht besteht, wird das am kommenden Sonntag also im Protokoll über die Ermittlung des Wahlergebnisses >-Ivirrd)_öte vereinigten Wahlausschüsse zu vermerken sein. " Die Teilnehmer der Sitzung werden Sonntag also darauf zu achten haben, ob sämtliche Stimmzettels, die gültigen sowohl wie die ungültigen, der Repräsentautenwahl vom 30. Mai 1926 noch vorhanden sind. Man hätte gewünscht, daß die neuen Feststellungen nicht durch Herr» Kareski, sondern durch eine unbelastete Persönlichkeit geführt worden wären: denn in weiten Kreisen wird bezweifelt, ob von Herrn Kareski das Maß von Ob;ektivität erwartet werden kann, das für das Amt eines Wahlkonnnissars erforderlich ist. Herr Kareski muß bei den jetzigen (Feststellungen als Partei angesehen werden. Nachde;n der Polizeipräsident dem Wahlkommissar eine schwere Verletzung des Statuts nachgewiesen und in seinem Bescheid au den Gemeindevorstand festgesteüt hat. daß „eine mit so zahlreichen Unregelmäßigkeiten behaftete Wahl der gewählten Vertretung der Gemeinde nicht das nötige Vertrauen gewinnen kann.und nicht der Würde einer öffentlichrechtlichen^ Körperschaft entspricht", hätte man erwarten dürieu, daß Herr Kareski sich für die neu angeordneten FestttcUr.i'- w als besangen bezeichnen würde. Herr Kareski hat den hier..« erforderlichen Takt nicht besessen. Statt auf den Lorbeeren auszuruhcn, die ihm der Polizeipräsident in leiuem Bescheid so reichlich geboten hat, glaubt Herr Kareski dem Kranz seiner Verdienste neue Ruhmesblätter hinzusugen zu müssen. Man wird nicht behaupten können, daß das Ansehen der Jüdischen Gemeinde, die objektive Feststellung des Wahlergebnisses, die Ersülluna der gesetzlichen und statntarischeil Bestimmungen sowie der behördlichen Anordnungen durch Herrn Kareski und sein System gefördert Werden. IIII Aus den Gemeinden x Berlin. (M it g l i c d e r v e r s a m m lu n g der Z e nt r a l w v h l f a h r t s st e l l e) Am Sonntag, den 3. April fand im Nepräsentanten-Sitzungssaal der Jüdischen Gemeinde zu Berlin die Mitgliederversammlung der Zcntralwohlfahrtsstelle der deutschen Inden statt, die aus allen Teilen des Reiches zahlreich besucht war. Erschienen waren insbesondere Vertreter von Landesverbänden jüdischer Gemeinden, Landes- und Prvvinzmlwohlfahrtsstcllen. Grotzorganisatioueu, Gemeinden, Vereinen und Anstalten. Die Verhandlungen wurden am Vormittag von Herrn SanitätSrat Dr. Seeligso'./u. Berlin, am Nachmittag von Herrn Prof. Dr. Seligmann, Berlirr und Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseldorf, geleitet und wurden durch eine Begrüßungsansprache des Vorsitzenden des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Herrn Kammergerichtsrat Wolfs, eingc- U’itet. Der Geschäftsführer Herr Dr. Ollendorff erstattete den Tätigkeitsbericht; den Rechnungsabschluß legte für den Vorstand Herr Otto Eskeles. Berlin, vor. Dem bisherigen geschäftsführenden Vorstand wurde Entlastung erteilt. Die neue Satzung der Zentrahvohlfahrtsstellc, für die die cingegangenen Abänderungsvorschläge verwertet waren, und deren Beratung durch eine Vorbesprechung am Vormittag vorbereitet war. — wurde einstimmig angenommen. Zum Vorsitzenden der Zcntralwohlfahrtsstellc wurde Herr Rabbiner Dr. Lev Baeck, Berlin, gewählt. Die Wahl einer Anzahl Sachverständiger zu Mitgliedern des Gesamtvorstandes folgte. An die Mitgliederversammlung schloß sich eine ebenfalls zahlreich besuchte Sitzung des neuen Gesamtvorstandes an, der sich konstituierte und einen geschäftsfüyrendeu Vorstand von zunächst 33 Mitgliedern bestimmte. Nachdem auch dieser engere Vorstand zu einer kurzen Beratung zusammenactrcten war, vereinigten sich die auswärtigen und die Berliner Teilnehmer an den Verhandlungen am Abend zu einem geselligen Zusammensein in den Räumen des Loaenhauses. Hier wurden die Gäste durch eine Ansprache von Herrn Dr. Meier Hildesheimer, Berlin, begrüßt; namens der Auswärtigen dankte Herr Justizrat Dr. Eli Strauß. München. Ein ausführlicher Bericht über die für die Entivicklung der jüdischen Wohlfahrtspflege bedeutsamen Verhandlungen bleibt für später Vorbehalten. Berlin. (P r o d n k t i v e H i l f e.) Die Gesellschaft „Ort" Abt. Deutschland hat am 1. April in Berlin einen Kursus zur Ausbildung jüdischer Chauffeure errichtet. Dank einem mit dem Verbände der Droschkenbesitzer abgeschlossenen Vertrage ist die Anstellungsmöglichkeit der den Kursus absolvierenden und einen entsprechenden Führerschein erlangenden Chauffeure gesichert. In dem ersten Kursus sind zehn junge Leute ausgenommen worden. Bei der Wahl der Kandidaten sind in erster Linie Schlosser und Mechaniker berücksichtigt worden. Ihrer Staatsangehörigkeit nach zählt man unter den Kursnsteilnehmern: 4 Preußen. 3 Staatenlose. 1 Russe, 1 Palästinenser und 1 Tschechoflowake. Die Dauer des ersten Kursus beträgt 6 bis 8 Wochen. Die Abhaltung weiterer Kurse ist vorgesehen. Berlin. (Ein Organ d c s D e u t s ch e n Kantorenverbau des.) Unter der Redaktion von Leou Kornitzer, Hamburg, erscheint feit 1. April eine Zweimonatsschrift des Allgemeinen Deutschen Kantoren-Berbandes unter dem Titel „Der jüdische Kantor". Es ist dies vielleicht das erste publizistische Organ einer Kontore n-Bereinigimg. Die Zeitschrift soll den wissenschaftlichen und sozialen Interessen des Kantorenstandes dienen. Mitglieder der Redaktionskommission sind die Kantoren I. B. Levy, A. Nutzbaum und H. Zivi. Die Zeitung enthält neben einer Anzahl Aussätzen auch eine Nvtenbeilage zn „Lithurgisches Uebungsheft". Berlin. (Die G c s ch ä f t s f t s f ü b r n n g des Preußischen Landesverbandes.) Zum Generalsekretär des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden wurde Herr Rechtsanwalt Dr. Charig gewählt. Herr Dr. Charig war bisher in Emden Rechtsanwalt,' er hat sein Amt am 4. April d. Js. angetreten. Berlin (Jubiläum). In dieser Woche konnte Herr Eugen Großmann, Neue Minterfeldstr. 29. das 25jährige Jubiläum als Bezirksvorstelier begehen. Die Jüdische Gemeinde kann auf diesen Mann, der Jahrzehnte im Ehrendienst dem deutschen Volke gedient hat, stolz sein. Die Verdienste des Herrn Großmann, der der an Jahren älteste Bezirt'Svorsteher Berlins ist, um das Wohl der Berliner Bevölkerung wurden von einer Deputation der Stadt Berlin gewürdigt, die eine vom Oberbürgermeister Unterzeichnete Adresse übergab. Zahlreiche Blumenarrangements zeugten von der Achtung, der sich der Jubilar in weitesten Kreisen erfreut. Eisenach. (70. Geburtstag.) Das langjährige Vorstandsmitglied der hiesigen Gemeinde, Herr Markus Großmann, beging kürzlich in erfreulicher körperlicher Gesundheit und Geistesfrifche unter mancherlei Ehrungen und Aufmerksamkeiten seinen 70. Geburtstag. Auch im Vorstand der Chewra Kadischa hat sich Herr Großmann, die in allen Kreisen der Bevölkerung Achtung und Wertschätzung genießt. um die Förderung religiöser Interessen verdient gemacht. Frankfurt. ( A m t s j n b i l ä n m v o n R a b b i n e r Selig mann.) Die Gemeinde der Köuigsteiner Synagoge konnte am 1. April das seltene Fest des 25jährigen Amtsjubiläums ihres Rabbiners feiern. Selten mag eine so große Menge ehrfürchtig den erhabenen Ban der Synagoge gefüllt haben, wie an diesem Ehrentag eines Mannes, der an der Front des Judentums für die letzte Seele noch kämpft, von vielen verkannt, die nichts von ihm wissen, von allen bewundert, die ihn nnr einmal gehört haben. Unter den erhabenen Klängen altjüdischer Melodien betritt Rabbiner Dr. Selignrann gefolgt von einem Vorstandsmitglied der Gemeinde und den beiden Sunagogeuvorsitzendcn das festlich geschmückte Gotteshaus. Nach Beendigung des üblichen Frcitagabendritus preist die Festpredigt von Rabbiner Dr. Salzberger den Jubilar. In kunstvoll aufgcbauter, feingeistiger Weise zeigt sie Wesen und Wirken des Rabbiners, der mst seiner Zeit und seiner Gemeinde lebt. Ein Nachkomme der Propheten müsse der Rabbiner mit göttlichem Funken die Kraft der Wahrheit in sich tragen, ei» Nachfolger der Schriftgelehrten habe er die Pflicht, so wie einst Esra die Thora durch Ucbersetzen in die Landessprache vor dem Bcrgesscnwerdcn rettete, auch beute wieder die heilige Schrift für unsere Zeiten zn übersetzen und so die Gegenwärtigkeit unserer Vergangenheit zn beweisen. Und schließlich solle der Rabbiner ein Gcisteserbe der Rabbis sein, die einst in lebendiger Gemeinschaft das Judentum ausbauten und die kein Gesetz gelten ließen, das mit den Erfordernissen ihrer Zeit nicht vereinbar war. Im Gegensatz zu Wortklaubern und Schwärmern haben solche Männer die Thora uns erhalten. Nicht im heiligen Schrein, aber in der Mitte Israels! Wissen und Glauben vereinigen. Leben und Lehre binden, das bedeute Harmonie im Leben Israels! Mit der Bitte, daß Gott seinen Lehrer und Meister der Familie und der Gemeinde noch lange erhalte, schloß die ans liebendem Herzen stammende Rede. Dr. Baerwald stellt fest, daß die hohen Erwartungen, die an Dr. Seligmann seitens der Gemeinde geknüpft wurden, voll erfüllt wurden. Er habe durch die Neuordnung des Gottesdienstes auch die neuen Formen der Gottesverehrung für das deutsche liberale Judentum geprägt. In jahrelanger Arbeit habe er das neue Gebetbuch geschaffen, über das sich dann später der herrliche Vau dieser Synagoge gewölbt habe. Hier habe er dann, wie in seinem Religionsunterricht, in neuer Form die alten Wahrheiten der jüdischen Lehre vorgetragen. Dabei habe er immer noch Zeit gefunden, um jedem Mitmenschen ein Berater zu sein und vor allem so wundervolle Bücher heranszugeben wie die von ihm verfaßte Pessach-Haggadah. Schließlich dankt Dr. Baerwald namens der Gemeinde noch dem Jubilar für die unverdrossene Mitarbeit an der neuen Gemeinöeverfassung und für die Anregungen/ die er in unendlicher Fülle der Gc'.neindc gab. Ueberwältigt und tief gerührt von all der Liebe, die ihm in dieser Stunde entgegenströmt. ergreift der Jubilar selbst das Wort. Mit bebender Stimme erzählt der 67jährige, wie er von Hamburg nach Frankfurt gerufen wurde, wie damals kluge und ernste Männer um die Zukunft des Judentums gezittert, ja wie man sogar, ein Zeichen der Zeit, einen Antitanfverein gründen mutzte. Er spricht weiter davon, wie falsch und irrig der junge Priester, der gerade vom Seminar komme, von dem Leben denke, welch falsche Vorstellungen von dem wirklichen jüdischen Leben er habe. r?QOOoonaononaQncxDaaot=ODDa=3C!onDC3oacaac3Dc 8 Tage vor Ihrer Reise müssen Sie bei Ihrem zuständigen Postamt die Ueberweisung beantragen, wenn Ihnen die „Jüdisch-liberale Zeitung" ans kürzere vöer längere Zeit in die Sommerfrische nachgesandt werden soll. I. Beilage 8. April 1927 Nichts nutze es, wenn der Rabbiner sein Judentum, und die Gemeinde ihr Judentum habe. Religion lei zwar für ihn wie ihm oft falsch vvrgeworfen werde, nicht nur Sittlichkeit, nicht Ethik, nicht persönliches Frommsein sondern vor allen das freiwillige Beugen unter die Religion der Väter. Leicht hätten es diejenigen freilich, die sich auf Satzungen berufen, die seien ihres Lohnes gewiß. Schwerer aber diejenigen, die auch um die letzte Seele noch kämpfen würden. Heute aber fei für ihn ein froher Tag der Ernte gekommen, beim Anblick dieses Gotteshauses, beinr Anblick einer solchen Gemeinde. Wunderbare Worte des Dankes an alle, die mit ihm des Weges gezogen sind und noch heute ziehen, ein Gebe: um Erhaltung der Kraft und Segen über die Gemeinde schließen die unvergeßliche Feier. Der überaus starke Besuch des Gottesdienstes möge dem Jubilar die liebende Verehrung seiner großen Gemeinde gezeigt und ihm auch das beste Zeugnis dafür gegeben haben, daß sein Werk nicht in den leeren Raum gebaut worden ist. Dem 67jährigen Rabbi, der immer nach dem Dichterwort gelebt hat: Man soll das Leben nicht nach Jahren zählen Und kann das Ziel sich nicht nach Wunsche wählen: Nach Ellendasein wirst du nicht gemessen. Und strebst du in die Zukunft nicht hinein. Wirst du für Zeit nud Ewigkeit vergessen. Wünschen auch wir nochmals: Möge er noch lange Lehret: seiner Schüler und Führer seiner Gemeinde zum Wvhle des deutschen Judentums wie zum Segen der gesamten jüdischen Welt bleiben. Ferner wird uns geschrieben: Am Samstag, den 2. April empfing Herr Rabbiner Dr. Seligmann die Glückwünsche seiner Freunde und Anhänger. Keiner Berichterstattung dürfte es möglich sein, auch nur skizzierend die Fülle der Gaben, die Anzahl der Gratulanten und Worte des unauslöschlichen Dankes, die hier ans freudigem Herzen immer und immer wieder gesprochen wurden, wiederzugeben. Ein registrierender Auszug, den der Chronist nur mit Mühe in Ordnung bringen konnte, tautet daher kärglich folgende offzielle' Glückwnuschüberbringer: Dr. R. Geiger für Bereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. Mit lieberreichnng einer Adresse und Ernennung znm Ehrenmitglied. San. Dr. E t t l i n g er für den freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben und für den Weltverband des liberalen Judentums. Mit Vorlesung eines Glückwunschschreibens von Cl. G. Montefiore. Dr. Hvfsmanü für die jüdisch-liberale Jngendgeureinschast. Dr. Baerwald für den Vorstand der Gemeinde Frankfurt. Dr. R. Merzbach für die Gemeindevertretung. Herr Dr. Dienemann für den allgemeinen deutschen Rabbinerverband, siir den liberalen Rabbinerverband, für den snöwestdentschen und hessischen Rabbinerverband. für die Nachbargemeinde Offenbach. F e r d. Stiefel für die Hanptsynagoge. A u g. Landsberg für die Synagoge Königsteiner Straße. Heurv Rothschild für den Verein Hauptsynagoge. Geh. Oberbaurat Collen für den Verein Synagoge Königsteiner Straße. Dr. Ed. Strauß für die. Frankfurt Loge, für die Hermann Collen Loge, für die Großlogc. Dr. Jul. Höxter für die Markus Horowitz Loge und für die Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen Dr. Fäßlil für die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Knnstoenkmälcr. Offizielle schriftliche Gratulationen, liefen n. a. von folgenden Körperschaften ein: Städtische Schuldeputation Frankfurt a. M.. Rat des preußischen LandeSve'rbaMes. Jüdisch-Theologisches Seminar Breslau, Hamburger Tempel. Deutsch-Israelitische Gemeinde -Hamburg, J-umsrhe Volkspartei. A. H. V.» Nassvvia im K. E. Die größte Freude aber werden dem Jubilar die Hunderte non Gratulanten bereitet haben, die noch vor Jahren dem Judentum entfremdet, gerade durch seine Tätigkeit, heute als Träger eines liberalen und damit positiven Judentums ihm so schöne und wahr empfundene Worte des Dankes aussprachen. Hannover. (Sitzung de * R c p rn i c it t an ten - kollegiums.) In seiner Sitzung vom 29. März ermächtigte das Kollegium den Vorstand, die bisher gepflogenen Verhandlungen betr. Aufnahme einer Oprozentigen hypothekarisch sichergestellten Anleihe von 380 000 Mark bei der Stadtschast der Provinz Hannover zum Abschluß zu bringen. Das Geld wird für die Errichtung non Baulichkeiten auf dem neuen Friedhof in Bothfeld Verwendung finden. — Es folgt Beratung und Festsetzung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1927/28. Es ist eine Gesamtausgabe von 228 Mt M. vorgesehen (gegen 211526 M. im Vorjahr). Demgegenüber stehen an Einnahmen: Ans Synagvgenstellen 25 000 M., Magistratsznschnß znur, Religionsunterricht 6000 M.. ans Schächtnngen 3500 M., so daß ein Rest von 193 930 M. bleibt, welcher ans Stenern zu decken ist. Die Repräsentanten nehmen Veranlassung, bei einzelnen Bewilligungen und Voranschlägen z.,B. für das Krankenhaus, den Disvositionsfouds des Vorstandes,, den Biblrotheksfouds, die Meyer Michael Davidsche Freischulc, den deutsch-jüdischen Wanderbund „Kameraden" nsw. über den Voranschlag um die Gesamtsumme von 5650 M. hiuanszugehen. Dem Talmud Thora Verein, dem von. der Gemeinde bereits unentgeltlich Schulränmc zur Verfügung gestellt worden, soll ein Jahresznfchuß von 600 M. nur dann gewährt werden, wenn er sich erneut verpflichtet, die Kinder in deutscher Sprache (statt in jiddisch) unterrichten zn lassen. Hieraus wird der Haushaltsplan einstimmig angenommen. Die Abgaben für das erste Vierteljahr des neuen Rechnungsjahres werden wie folgt festgesetzt: Es wird als Vorauszahlung auf die Svuagogcnabgaben für das Verwaltungsjahr 1627/28 ein Viertel der im verflossenen Rechnungsjahr gezahlten Steuern erhoben. Der Tarif der Friedhofsverwaltung für das Rechnungsjahr 1927/28 wird genehmigt. Der Zentralwohlfahrtsstelle werden nachträglich für das verflossene Rechnungsjahr 2060 M. bewilligt, die als Zuschuß für Mehranfwendnngcn zu Pessach zu betrachten sind. Das Kollegium erklärt sich damit einverstanden. daß die Notstandsküche unter diejenigen Institutionen eingereiht wird, für die in der Synagoge geschnobert werden kann. Das Kollegium nimmt mit Dankbarkeit davon Kenntnis. daß Herr Regierungsbanrat Roseuseld in anerkennenswerter Weise die Beschaffung geeigneter Bebauungspläne siir den neuen Friedhof zugesichert hat. so daß sich die Ausschreibung eines kostspieligen Wettbewerbs erübrigt. Es werden sechs neue Gemeiudemitglieder ausgenommen. Zum Schluß wurde ans der Mitte des Plenums dem 1. Vvrsltzenden. Herrn Kommerzienrat Berliner, für die musterhafte Aufstellung und insbesondere für die frühzeitige Vorlage des .Haushaltsplanes gedankt Kaffel. (Reform des I n d e n g e s e tz e s.) Mit der zur Zeit geplanten Reform des JudengesetzcH, die im Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden zur Debatte steht, hing eine vorbereitende Zusammenkunft von Vertretern einiger Vorsteherämter der Israeliten, der Gemeinden und jüdischen Lehrerschaft Hessens zusammen, die kürzlich zur Prüfung der einschlägig hessischen VerhäLtnisse und ihre etwaigen Neuerungen znsannnengetrcten waren. Zwei Vertreter des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden nahmen an den Beratungen teil, die keine endgültigen Beschlüsse zeitigten, sondern mit einer provisorischen Regelung endigten, während einer Uebergangszeit die bestehest,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.