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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-04-01 · 13 (1.4.1927) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
13 (1.4.1927)
Date
1927-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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«eübteS Mittlertum zwischen dem »Alles oder Nichts" aulnünmt und die religiös völlig entarteten Teile der palästinensischen Judenheit auf dem Mutterboden eines frei sich entwickelnden, religiöse» Gemeinschaftsbewußtseins zurückfüHrt. Will aber der zweite -Herr Referent behaupten, daß tasächlich nur auf dem Boden Palästinas eine Erneuerung LeS Judentummöglich ist, und daß die Setzhastmachung »on kleinen Teilen unseres Stammes begrifflich notwendig ist. um LaS Judentum als solches auch in der Zerstreuung zu erhalten? Es gibt nationale Juden die das behaupten. Diesen Rationalismus müssen wir ablehnen, denn er verurteilt alle religiöse Tätigkeit iedes Ringen um die Seelen der Juden in der Zerstreuung zum Tode. So richtig es ist, Latz da» Judentum gebunden ist an einen gesunden Stamm, so strikte müssen wir es ablehnen anzunehmen, daß eS gebunden ist an den Ansenthalt dieses Stammes in einem bestimmten Lande. Soweit also der Zionismus das Judentum zentralisieren will und damit gewissermaßen einen neuen Kirchenstaat zu schassen bemüht ist. ein sichtbares religiöses Zentrum, ein Territorium als Papst, müssen wir ihn ablehnen. Sie sehen also, meine geehrten Herren, daß, um die Frage zu beantworten, ob Liberalismus und Nationalismus . miteinander verträglich find, erst sestgesteüt werden mutz, wohin der Zionismus steuert. Ein Zionismus, der nur ein sichtbarer Ausdruck für den uns allen innewohnenden Gedanken deS K'lal Jtfroel im religiösen Sinne ist. ist wohl verträglich mit dem liberalen Judentum, wie jede Gemeinschaftsarbeit mit ihm nicht nur verträglich, sondern seine Voraussetzung ist. Ein Zionismus, der es für nötig hält. zur Erhaltung des Judentums die Juden in ihren Heimatländern zu entwurzeln, aus dieser ihrer Heimat ein GoluS zu machen — immer nicht im religiösen Ginne gemeint —. ein solcher Zionismus ist mit dem liberalen Judentum nicht vereinbar. Diefenigen Herren unter Ihnen, die sich Liberale und Zionisten nennen, werden nicht in unserem Kreise, sondern in dem Kreise deS NationaljudentumS dahin zu wirken haben, daß jene ober charakterisierten Funktionen eines jüdischen Nationalismus fallen. Fallen sie, so ist eS ganz gleichgültig und für uns nur ein Wort, ob das GemeinschaftSjudentum der Zionisten ein National- Urdentum genannt wird oder nicht. * * * Diese Diskussionsrede hätte ich auf der heute stattgehabteu Tagung der liberalen Rabbiner halten mögen oder hätte gewünscht, daß ein anderer sie gehalten hätte. Leider ist es nicht möglich, festzustellen, ob dies geschehen ist. Der Verband der liberalen Rabbiner hat es für richtig gehalten, seine mit Spannung erwartete Aussprache über eine der Grundfragen unserer Zeit hinter verschlossenen Türen zu halten. Er hat es für richtig gehalten, trotzdem er zunächst den Vorstand der Bereinigung für das liberale Judentum, die liberalen Jugendvereine und die Gemeindekörperschaften Berlins offiziell und ohne Einschränkung zu seiner Tagung eingeladen hat Ich will hier nicht davon sprechen, daß eS dem Gast ein peinliches Empfinden ist. nach einer gewissen Zeit bedeutet zu werden, daß er überflüssig sei. Etiketlefragen hätten ja zurückzutreten hinter Notwendigkeiten. Für viel bedenklicher halte ich es. daß der Rabbinerverbanö geglaubt hat. die Diskussion dieser Frage vertrage nicht daS Licht der Oeffentlichkeit. Der Eindruck mußte erweckt werden, als fürchteten die religiösen Führer des liberalen Judentums den Widerhall ihrer Aussprache vor ihren Zuhörern, die doch gewiß keine „Oeffentlichkeit", sonbern nur den KreiS der nächstinteressierten Freunde darstellten. Dieses Gefühl der Unsicherheit und der OeffentlichkeitSscheu wird nicht vorteilhaft für die Führerstcllung -er' liberalen Rabbiner sein. Es tut der Stellung eines Führers keinen Abbruch, wenn er einmal fehlgeht, und wenn gesehen wird, daß er fehlgeht. Wenn der Führer in der Stunde der Entscheidung aber einen Vorhang zwischen sich und seine nächsten Gefolgsleute zieht, so leidet die GefolgStreue. Das ist es, warum wir alle es auf das tiefste bedauert haben, daß wir. die geladenen Gäste der liberalen Rabbiner, den Saal verlassen mutzten, als eine Aussprache einsetzte, von der wir Anregung und Erhebung erwarteten, die aber nun nicht nur wirkungslos verpufft ist. sondern auch in unS. den treuesten Anhängern des deutschen liberalen RabbinatS. ein Gefühl der Bitterkeit und der Enttäuschung zurückläßi. Protest der Jugend. Wer als Gast zur Tagung der Bereinigung liberaler Rabkiner eingeladen war. mußte zu seinem Staunen in der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden erfahren, daß die Ein, Ladung sich nur auf das Anhören der Referate, aber nicht der Debatte erstreckte. Der Vorsitzende, der damit nur einen Beschluß des Kollegiums bekannt gab, sprach davon, Laß die Rabbiner zwar die Oeffentlichkeit nicht scheuten, ' aber doch bet der Dtstusston die Gefahr vermeiden wollten, im Hinblick auf die Oeffentlichkeit zu sprechen. Nach den Referaten wurde von Seiten der Gäste noch einmal dringend um die Aenderung dieses Beschlusses und um die Zulassung der wenigen Gäste zu der Debatte, soweit sie sich auf das Thema der Referate erstreckte, gebeten. ES wurde darauf hingewiesen, daß die anwesende »Oeffentlichkeit" doch nur in einigen Männern der jüdischen Wissenschaft, in den Führern der Liberalen Bereinigung und ihrer Jugend und in Schülern der Hochschule für die Wissenschaft im Judentum bestände. Allein vergeblich, der Beschluß auf Ausschließung aller Nichtmitglieder der Liberalen Rabbinervereinigung wurde aufrecht erhalten. Man bedenke, daß es sich bei der Diskussion nicht um eine Standesfrage der Rabbiner handelte, sondern um die Lebensfrage des heutigen Judentums, nämlich um die »Stellung des religiösen Liberalismus zum Zionismus". Ueber dieses Thema halten Herr Rabbiner Dr. Bogelstein, Breslau, und Dr. Wiener, Berlin, zwei Referate gehalten, aus deren gegensätzlicher Stellung die Meinungsnnterschieöe klar hervorgingen, mit denen wir jar jetzt alle zn ringen haben. Wir wissen alle, daß ebenso wie wir — die Laien — auch unsere Lehrer und geistigen Führer, die Rabbiner, verschiedene Anschauungen zum Problem des Zionismus haben; wir können ja fast von jedem der bekannten Geistlichen sagen, wie und auf welcher Seite er steht. Das also konnte uns doch die heimliche Debatte nicht verheimlichen. Wir sind doch auch des Glaubens, daß unsere Rabbiner Menschen sind wie wir, ringenum Wahrheit, aber auch irrend. Daß auch sie sich in ihrer Stellung zu Problemen wandeln und der zeitlichen Entwicklung sich beugen müssen. Das also konnte uns doch die heimliche Debatte nicht verheimlichen. Wir hatten aber doch ein Bedürfnis zu hören, mit welchen Gründen und Argumenten sich unsere Rabbiner ihre Anschauung gegründet haben, wie diese Gründe und Argumente mit einander ringen können, welche tieferen Seiten und Züge die Erörterung eines solchen Problems ausrühren muß. Gerade unter t>em verflachenden Einfluß einer bloßen politischen Behandlung des zionistischen Problems in Zeitung nnd Wahlversammlung war dieses Bedürfnis besonders -ringend, einmal in einer höheren geistigen Sphäre das Ringen ttm Klarheit und Wahrheit zu erleben. Warum also schloß man uns ans? War die Befürchtung berechtigt, daß die höhere geistige Sphäre in der Debatte nicht erhalten werden konnte? Ich glaube, damit täte man unseren Rabbinern bitter Unrecht; das war gewiß nicht zn befürchten! Sollte es aber vielleicht für die Rabbiner der kleinen Gemeinden unangenehm sein, wenn ihre Stellung für oder wider den Zionismus bekannt würde? Wo bliebe dann der Bekennermut, wo die Möglichkeit, geistiger Führer zu sein, wenn man vor offener Stellungnahme sich scheute? Außerdem, wenn ein Rabbiner einer kleineren Gemeinde es wagen kann, in aller Oeffentlichkeit dem liberalen Rabbineroerband anzugehören, dürfte wohl auch seine Gemeinde zum größeren Teil liberal sein, und dann auch zum Zionismus Stellung nehmen müssen mit ähnlichen Gründen wie ihr liberaler Geistlicher. Die Rabbinerversammlung ist doch keine Versammlung der Führer einer politischen Partei, für die es möglicherweise im Interesse der geschlossenen Aktion notwendig sein kann, Divergenzen in den eigenen Reihen vorher hinter verschlossenen Türen auszutragen. Ich könnte mir denken, daß es für die Stellung der Geistlichen in -er katholischen Kirche notwendig ist, im Geheimen ihre Meinungsverschiedenheiten auszutragen, denn die Heilsbotschaft, die sie künden, soll einheitlich und übereinstimmend sein Aber bei uns sind doch die Rabbiner — und besonders im liberalen Lager müßten sie es feint — auch nur Menschen! Im Geisteskampf sollten sie ihre Führerrolle zeigen durch ihre Teilnahme in den vordersten Reihen nicht durch das Zurückbleiben in der Etappe unter vergeblichen Versuchen, Gegensätze nnd gegenteilige Ansichten zu vertuschen. Gerade unter diesen Bertuschungsversuchen — nnd leider nicht zuletzt von Seiten der Rabbiner — hat unser jüdisches geistiges Leben so gelitten, ist die Stagnation eingetreten, die nun alle beklagen. All denen, die den Rabbinern wieder größere Geltung im geistigen Leben der Gemeinde verschaffen wollen, die die Rabbiner nicht als Theologen, sondern als wirkliche Führer und Lehrer haben wollen, all denen ist durch die Ausschließung der Gäste bei der Debatte ein harter Schlag versetzt worden. Nicht aus die Maßnahme nnd die dadurch betroffenen Gäste kommt es an. sondern ans den Geist, der sich darin zeigte! In diesem Geist kann man eine religiöse Erneuerung und neues Leben in unserer deutschen Judenheit nicht erwarten! Ludwig L e w i n, namens der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine und des Jli, Berlin. Aron 3fak. Eine LebenSgeschichte. Bearbeitet von D r. B. S ch i b l o r (16. Forsetzung.j Wie wir aber mit den drei Kommissären und der Dienerschaft nach Stockholm kamen, sahen uns alle Leute nach. Der Polizeidiener Dickmann sagte, ich müsse mit ihm nach -er Polizei hinfahren, denn er hätte keinen Auftrag, daß ich nach Hause fahren könne. Er müsse auch erst von der Polizei eine Order hekommen weger der Fahnehielmer. und wo diese bleiben sollten. Wir fuhren also nach der Polizei und kamen dabei am Hause des Grafen Mnnk vorüber. Als ich zur Polizei kam, sagte der Polizeimeister: ,^Jch habe keine Order. Sie nach Hause gehen zu lassen Ich weiß auch nicht, wo das Geld und die Akten hinkommen sollen. Ich will Anstalten treffen, daß Sie so lange im FiSkalzimmer bleiben, bis ich von dem Riksdrost') Weisungen bekomme. Schicken Sie nach Hause und lassen Sie Ihre Frau und Ihren Schwiegersohn zu Ihnen Herkommen " Wie wir so standen und miteinander redeten, kam Gras Munks Kammerdiener und brachte ein versiegeltes Papier darin lagen sechs Fahnehjelmer. Er schrieb an den Polrzeimeister: „Da ich vernommen habe, daß Aron Jsak hier als Arrestant angekommen ist. sende ich anbei die sechs Scheine. Wenn seine Scheine ebenso stnd, so bitte ich. Aron Jsak frcizulassen. denn er hat von mir für 27 000 Reichstaler eingewechselt." Nun. dann kann ich ja wohl wieder nach Hause gehen." sagte ich. ,Hch muß Sie erst beim Riksdrots anmelden. Aber ich will sehen, daß ich es möglich mache. Sie noch heute nach Hause zu entlassen." Ich Heß mm meiue Frau, meinen Schwiegersohn und «eine übrige Familie holen. Als der Vottzetmeister von -em RiksdrotS zurückkam. sagte er. er könne nicht früher Bescheid geben, bis man mit dem Könige gesprochen und *) ReichSdrost. Vertreter des Königs in obersten Gerichts- und VerwaltungSangelegenheiten. diesem daS Billett des Grafen Munk gezeigt habe. Morgen um 10 Uhr solle er sich Antwort holen. Ich mußte also über Nacht aus der Polizei bleiben und meine Leute brachten mir Betten herauf. Am nächsten Morgen um 10 Uhr ging der Polizeimeister wieder zum RikSdrots. Er kam um 12 Uhr zurück und brachte die Weisung, ich könne wohl nach Hause gehen, aber ein Polizeidiener solle bei mir bleiben, bis Munk mit mir vor dem Kammergericht gewesen sei. Er solle seine Aussagen vor Gericht abgeben, und das solle bereits am nächsten Morgen geschehen. Am nächsten Morgen wurde ich auch von einem Polizeidiener zum Kammergericht vorgeladen, aber Gras Mnnk erschien nicht. Er schickte einen Bevollmächtigten namens Olaf Holm. Der hatte sechs solche Fahnehjelmer mit und einen gleichen Zettel, wie ihn Munk an den Polizeimeister geschickt hatte. Der Kammergerichtsrat sagte, wir haben Weisung, den Grafen Munk persönlich zu verhören, von wem er die Scheine bekommen habe. Wir wurden aus den nächstfolgenden Tag bestellt. Ich ging also wieder nach Hause und bekam abermals einen Polizeidiener als Wache mit. Dieser aber erklärte, er könne allein bei mir nicht Mache halten. Es wären zuviel Türen in meiner Wohnung, und die Wohnung besäße auch zwei Treppen. Ich bekam also zwei Soldaten ins Haus geschickt, die beide Treppen zn bewachen hatten. Am anderen Tage, es war ein Freitag gingen wir wieder zum Kammergericht, aber Gras Munk erschien auch diesmal nicht, sondern schickte abermals seinen Bevollmächtigten Olaf Holm und ließ sagen, ein finnischer Kaufmann sei zu ihm gekommen und habe aefragi. ob der Graf ihm Mr HO 000 Reichstaler Fahnehielmer einmechseln würde. Das hake er auch getan. Die Kammergerichlsräte erklärten jedoch sie hätten keine andere Weisung, als daß Graf Mnnk selbst kommen müsse, und zwar am nächsten Montag. Aber am selben Abend wurde der König leider bet einem Maskenball angeschossen?) Am Montag erschienen wir wieder am Kammergericht, doch auch diesmal kam Graf Munk nicht selbst, sondern nur sein Bevollmächtigter. Auch kam ein Fiskaladvokat aiffs Kammergericht, der alles mit untersuchen sollte. Er hatte Z Durch Jakob Johann v. Anckarström in der Nacht vom 16. mm 17. März 1702. Hj Aus den Gemeinden Ahlem. (Jubiläum.) Am 1. April 1927 ist Direktor Silberberg 30 Jahre als Leiter der Israelitischen Gartenbauschulc Ahlem tätig. Die im Jahre 1893 gegründete Anstalt sollte nach dem Willen ihres Stifters, des amerikanischen Vizekonsuls Moritz Simon, Hannover, Handwerk und Bodenkultur unter den Juden fördern und Ausgangsstätte all dieser Bestrebungen werden. Ihm erstand ein Helfer großzügiger Art: Albert Silberberg. Heute genießen etwa 80 Knaben die Vorteile einer geregelten Erziehung, einen den neuzeitlichen Grundsätzen der Pädagogik entsprechenden Unterricht und eine grundlegende Ausbildung in Gartenbau bzw. Schneiderei oder Schuhnvacherei. Möge der durch Krieg nnd Inflation behinderten Entwicklung ein neuer Aufstieg folgen, möge Direktor Silberberg in bewährter Weise noch lange an der Spitze der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem stehen! Allenstein. (N o r d o st d e u t s ch e t Rabbinerver - band.) Kürzlich traten die ostpreußischen Rabbiner in? Gemeindehaus in Allenftein zu einer Konferenz zusammen. Der Vorsitzende, Jakobovits-Königsberg, begrüßte die Amtsbrüidcr und hielt dann einen einstündigen Vortrag über das Thema: „Die religiöse Erfahrung alö Zentralproblen^ der modernen Reltg-ionsphilofophie". Er zeigte an der -Hand zahlreicher L-iteraturproben, wie die gewaltige Umstellung der Geisteswissenschaften im letzten Jahrzehnt die einseitige Herrschaft der rationalistisch-materialistischen Denkweise gebrochen und die Philosophie und die Religionswissenschaft bis in die Fundamente hinein umgestaltet hat. Sodann entwickelte er die psychologischen Grundlagen der religiösen Erfahrung, die heute im Mittelpunkt der philosophischen und religionswissenschaftlichen Forschung stehen, und wies darauf hin. daß im gegenwärtigen Stadium der wissenschaftlichen Entwicklung in immer deutlicher werdenden Umrissen ein neues Weltbild hervortritt, von dem auch das religiöse Judentum eine Bereicherung erwarten darf. Sodann wurden religiöse und rituelle Interessen der ostpreußischen Judenheit besprochen. Es wurde allerseits mit tiefem Schmerz sestgesteüt, daß die Heilighaltung selbst der höchsten Feiertage nicht mehr als Ehrenpflicht der jüdischen Gewerbetreibenden angesehen werde. Im Schachtwesen wurden gern Verbesserungen anerkannt. Zur Stärkung des religiösen Lebens in den Provinzgemeinden wurde die Schaffung mindestens eines neuen Bezirksrabbinats gefordert. An dem vom allgemeinen Raobiiierverbaiid eingesandten Entwurf eines Normalvertrages wurden mehrere die rechtliche Stellung des Rabbiners berührende Verbesserungen vorgenommen. Der bisherige Borstand (Jakobovits als Vorsitzender, Neufeld als Stellvertreter) wurde miedergewählt. Die übrigen Punkte der Tagesodnung mußten aus Mangel an Zeit nach achtstündiger Beratung abgeseht werden. Berlin. (H e r a b s e tz u n g >d e r G e m ei n d e st e ue r n.) Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat beschlossen, die Steuern für das Jahr 1927 auf 10 Prozent der Rcichseinkommensteuer des Jahres 1926 (im Vorjahre 15 Prozent) herabzusetzen. Berlin. (25 Jahre Synagogen verein Aha - wath Zion.) Am Sonntag, den 3. April d. I. feiert der Synagogenverein Ahawath Zion das Fest seines 25jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß findet am Nachmittag 4 Uhr ein Festgottesdienst mit anschließender Thoraeinweihung, abends 8 Uhr ein Festbankett in Gerecht's Festsälen, Königsgraben 4, anschließend jüdisch-musikalische nnd deklamatorische Vorträge statt. Breslan. (G e m e i n d e v e r t r e t e r - S i tz u n g.) Den Hauptberatungsgegenstand der Gemeindevertretersitzung vom 23. März d. I. bildete die Vorlage des Vorstandes über die Erhebung der Synagogenbeiträge für das Kultussteuerjahr 1927/28. Der Vorstand schlug vor, iu ilebereinstimmung mit den Kirchensteuern 12 K* Prozent von der Staatseinkommenstener zu erheben (gegen 18 Prozent im Vorjahre). Das würde nach Abzug der voraussichtlichen Ausfälle nnd der Einziehungskosten etwa 527 000 M. ergeben. Mit 5cn rückständigen Steuern des Vorjahres, die schätzungsweise 100 000 M. ergeben, und einem vorhandenen Betriebsfonds von 360 000 M. würde das nach dem Haushaltspläne erforderliche Zuschnßsoll von 985 000 M. aufgebracht werden. Der Vorstand betonte in seiner Vorlage, daß er entschlossen wäre, unbedingt mit diesem Steuersätze auszukommen und damit den Gcmeindcmitgliedern jeden Anlaß zu nehmen, sich über die Höhe der Kultussteuer zu beklagen. Der Referent Gins legte schärfsten Protest dagegen ein. das; die Gemeindevertretung gezwungen würde. Stenern zu bewilligen, ehe sie den Etat verabschiedet habe, und daß die Vorlage bereits vor ihrer Genehmigung durch die Gemeindevertretung in der „Breslauer Zeitung" veröffentlicht worden wäre. Nun sei mau vor die Notwendigkeit gestellt. alle Protokolle vor sich und stellte an mich einige Fragen» hauptsächlich, wieso ich dazu gekommen sei. dem Grafen Mnnk die Scheine cinzuwechseln. Olaf Holm leugnete es auch nillt, allein es wurde auch diesmal nichts aus der Sache, wir sollten morgen wiederkommen, und der Graf Munk müsse persönlich erscheinen. Wir kamen also wieder hinauf, doch der Gras war ebensowenig da wie früher. Ich erklärte nun dem Kammcrgcrichtspräsidcnten: „Sie halten mich für einen Verbrecher nnd lassen mich durch zwei Soldaten in meiner Wohnung bewachen. Ich will diese Wache in meiner Wohnung nicht mehr haben. Sie können mich hier aus dem Rathaus in Haft fetzen. Ich gehe nicht mehr nach Hause, ich will hier inhaftiert bleiben." Der Fiskaladvokat sagte, cs wäre keine Verfügung da, mich in Haft zu halten. „Dann machen Sic, was Sie wollen," sagte ich. »InGutem gehe ich nicht mehr nach Hause. Sie müssen also Gewalt anrvenden." Man hieß mich, für einige Minuten hinauszugehen, man rief mich bald wieder hinein und sie erklärten mir. sie wollten zum Hofgericht gehen, da befände sich der Riksdrots, den wollten sic fragen, wie sie sich zu verhalten hätten. Der Kammerpräsident und der Fiskaladvokat gingen gleich zum Hofgericht. Nach einigen Stunden kamen sie wieder und fragten mich, ob ich mich zufriedengeben würde, wenn nur ein Polizcidicner bei mir sein würde. Das märe ia keine Schande nnd es würde anch nicht mehr lange dauern. Ich erklärte mich damit einverstanden; es kam aber -lickt mehr dazu. Nach zwei Tage« wurde ich wieder vorgelaöen und mir das Urteil verlesen, der Graf habe an mich für die Fahnehjelmer zu bezahlen. Das waren ungefähr «mr 18 90V Reichstaler. die auf dem Kammergericht sich befanden und für die ich Reichszettelgeld gegeben hatte. Mit den Scheinen, die ich noch in Stockholm eingewechselt hate, sollte ich nichts mehr zu tun haben, denn die hatte Olaf Holm bereits cingelöst. Als nämlich die Leute, die Fahnehjelmer bekommen hatten, ermhren. ich sei in Abo verhaftet worden, hatten sie meinen Schwiegersohn verklagt. Olaf Holm hatte zwar die Scheine nachher cingelöst, aber die Kosten hatten wir zu bezahlen. Ich ließ mir aber alles gefallen, um nur endlich den Prozeß loszuwerden. (Fortsetzung folgt.)

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