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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-04-01 · 13 (1.4.1927) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
13 (1.4.1927)
Date
1927-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Wahrheit eine «9f6?cdjiittttß mit Herr»» Dr. Wohlgemuth" lbei I. Kausfmam», Frankfurt a. M., 1913 erschienen) hielt, die ihm unvergesseu bleiben soll. Er führte Karin ebenso feinsinnig wie zivingend den Nachweis, daß das Prinzip der Freiwilligkeit ungewußt auch bei der Orthodoxie herrscht, so wie der Liberalismus dieses Prinzip bewußt auf, stellt,- und in Anlehnung an ein Mendelssohnsches Wort schrieb er damals: „Das einzig wertvolle Motiv der religiösen Tat ist die Freiwilligkeit. Religionsg es e tz ist eine contradictio inuidiecto. Gesetz beruht auf äußerer Bin, > düng, Religion auf innerer Gesinnung." -- Anch diesem Worte iü Dr. Seligmann treu geblieben, und seine Gegner sind ihm treu geblieben mit ihrer Gegnerschaft: sie zetern heute wieder. — nachdem der von Scligmann mitbegründete W e l t v e r b a n d des religiös-liberalen Inder»-! tums im Juli 1920 in London ins Leben getreten und der Kamps geger» den jüdischen Liberalismus dadurch aufs neue entfesselt mordet» ist — die Gegner zetern heute »nieder über „religiösen Nihilismus", »venu sie Scligmann in feinen Borträgen von dem Prinzip der „freiwilligen Bindung" reden Horen. Aber möchten sie ihn doch nur richtig hören: in jenem Ansspruch von der freirvilligen Bindung ist das Wort „Bindung"' ebenso bedeutsam wie das Wort „freiwillig". „Wir »vollen einander nicht verdammen, iou&ern zu verstehen suchen" — auch dieses lbercits angeführtes Seligmannsche Wort haben sie nicht gehört. — Doch wolle»» wir diesen Iubiläumsartitel nicht länger Seligmairns und unfern Gegnern »vidinen. So »ch v n e* ist, ihm bei »eine»» Kamp» gegen ungerechtfertigte Angriffe zuzusehen, — schriftstellerisch-künstlerisch sind fei »re polemischen Altfsätze vielleicht die interessantesten — er hat im Grunde diese knmpte nicht gewollt. Seine eigentliche Ausgabe sicht er teinesmegs in der Belehrung orthodoxer Jude»» zirnr Liberalismus, sondern vielmehr in der Wiedergewinnung aller derer, die unter de»n Einfluß „nroderner Ideen" dein Judcntu»»» den Rücken zu kehren drohen. Daß diese Un- oder Antireligiösen nicht den» orthodoreu, sondern nur dem liberalen Judentum iviederaewoiule»» iverden können, bedarf keiner Erläuterung. Und so buchen »vir den»» als »vettere positive Tat in» Dienste des liberaler» Judentums »eine l19v.'> bei I. Kauffmaun. Irauksurt a. M.» erschienene) Schrift „Judentum mrd moderne Weltanschanung", in der er sich mit der Naturwissenschaft, mit Spinoza. Schopenhauer. Nietzsche u. a. Dcrrkern und Gedankenrichtungen unserer Zeit auöeinandersetzt Diese Schrift sollte insbesondere jungen Menschen in die Hand gegeben werden, und unsere liberale»» Theologen benutzen sie ja anch erfrenlicheriveise vielfach bei»»» Barrnizrvah- und Konsir»r»anden- Unterrichi. Das Seligmann unserer Bcrveguug aeleistet ha» nird leister — es kann unmöglich alles hier anfgezähll »verden. Drei Dinge nur sollen noch erwähnt werden. In seiner Gemeindc Frauksurr a M. hat er sich eii» bleibendes Deutmal geietzi durch das von ihm verfaßte Gebetbuch, dessen Auswirkung auf dem Gebiete der Lit»»raie der de»»tschcn Judenheit sich erst in den kornmenden Jahrzehnten zeigen wird. Unserer Bereinigung, der er ja als Mitbegründer und Vorstandsmitglied angehört, ist er dauernd verbunden durch die klar disponierte, fesselnd geschriebene „Geschichte der jüdischen Refvrmbeivegung" II. Kaufsmami. Frankfurt a. M., J022) und ferner durch seine langjährige Tätigkeit als Herausgeber der Monatsschrift „Liberales Judentum": -aber daun hat er noch eine zahlreiche Anhäugerschar unter einer Menscheugrnppe. die sich nicht so »nit dem Namen einer Organisation — weder als Snnagogengemcinöe Frankfurt noch als Bereinigung »irr das liberale Judentum — bezeichnen läßt. Wer diese Menschen sind'? mrd wo und durch was sie vereinigt sind? Jüdische Menschen sind es. Eltern und Kinder, die alljährlich jubelnd nach der von ihm verfaßten P e ss ach-H a g g a d ah greifen, der alten hebräischess^mnd der wundervollen, poetischen deutschen Texte sich erfreuen, die Seliginanns Freund, der vor zwei Jahren verewigte. langjährige Kantor des Hamburger Tempels. Moriz Heule, in sangbare Weise» gefaßt hat und die auch mit schönen Bildern reich durchsetzt sind. Die Texte, die Melodie»», die Bilder — sie sind traditionell urrd ne»r zugleich. „liberal aus Konservativismus", wie Selrgmanu den psychologischer» Untergrund aller jüdisch-liberalen Betätigung einmal treffend gekennzeichrret hat: und wer teilnehmen will an des Verfassers jetzigem Jubiläum, der möge zum kommenden Pesfachfest diese Haagadab seinen Kindern schenken. Aus ihr spricht der Poet und feinsinnige Künstler, der Deutsche und Jride, der Theologe mit historischem und philosophischem Empfinden, der aus vielerlei Duellen zusammengeflossene, lebendig eilte Mensch Cäsar Seligmann. Die Bereinigung für das liberale Judentum nimmt von Herzen teil an den Freuden seines Jubilämnstages: sie hot Cäsar Seligmann zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt, weil es ihr Ehre mrd Freude ist, diesen Mann mit seiner warrnherzigen Freudigkeit, seiner inneren Beschwingtheit und seinem leistenden Können in ihrer vordersten Reihe zu sehen. Und eines ist gervitz: Cäsar Seligmann und die Bereinigung für das liberale Judentum werden einander treu bleibe»». Sie gehören einander an: was von dein Wirken der Bereinigung der Geschichte des Judentums ar»gehört, ist mit dem Name»» Seligmann verbunden: und umgekehrt wird auch sein Na»ne von späteren Geschlechtern stets in Verbindung mit unserer Bereinigung genannt »verden. So beglücklvünscheu wir ihn und uns zu seinem Jubeltage: der Idee, die ih»» und uns beseelt — wie oft hat er dock» von der Ausbreitung jüdischer Gotteserkeuntnis und Ethik, von der „Mission des I u d e»»t u n» s" gesprochen und geschriebdn! — dieser Idee soll er noch lange, lange Jahre erhalten bleiben — zn ge»nei»»samer Arbeit, zu gerneinsamem Ersola! George G v e tz. Luigi Luzzattt gestorben. :Uoiu, März. (I. T. AI Kurz »»ach Bvllend»»ng des Sti. Lebensjahres »fr heute hier der große italienische Staatsmann und treue Jude, der frühere Ministerpräsident Lnigi Luzzatt», gestorben. Luikigi Luzzatt» entstannnte einer der angesehenste»» jüdischen Fainilien Venedigs und blieb Zeit seines Lebens dem I »»dentn»n treu. Erst vor »venigen Monaten wies er in einem Interview mit den» Bertrcter der Jüdischen Telegraphen-Agentnr voller Empörm»g die Aeußerung emeo »!»,»»ü»»ischen StaatSrnanneS zurück, der erzählt hatte, Luzzatti wäre aus dein Judentum ausgetreten. Wenn er sich auch uiernals lärigere Zeit speziell jüdischen Angelegenheiten miömci» konnte, da er als Gelehrter und Staatsn»a»»n seine ganzen Kräfte Italien widmete, so hatte es Luzzatt» nie verfehlt, wo i»»»mer Inden Verfolgungen und Rechtsbeschräukullgeu ausgcseht waren, bei diplomatischen Znsamnienkünften diese zur Sprache »md — wo hierzu keine Gelegenheit wa»' — durch die Presse vor das europäische Form»» zu bringen. In den letzten Jahren seines Lebens hat er sich gegenüber dein JTA-Bertreter oft über sein jüdisches Credo ansgcfproche»», sich mit Empörung gegen die Jlkdeuverfolgnuge»» in Rurnänier» gewandt und dem jüdischen Aufbau i>» Palästina Interesse vczengt.! S i 2ws der Bewegung j || | Breslau. (Iüdi f Ä liberaler I n g e n d v e r e i n „Abraharn Geiger") Am Sonnabend, den 19. März, fand unter starker Beteiligung unserer Mitglieder und Frcirnde in den schön geschmückten Räumen der Gerhardt Hauptmann - Loge unser Purimsest statt. Ein packe »»her Prolog, den uns in zündenden Versen liebenswürdigerweise pnser verehrtes MUglieü Herr Rechtsanwalt Dr. Tarnowski gewidmet hatte, vorgetragei» von Ruth Pollack, leitete das Fest ein. Frau Dr. Grünthal erfreute uns durch stimmungsvolle Lieder zur Laute. Frau Fröhlich durch Chansons. Alfred und Bruno Fuchs durch Klavier- und Flötenvvrtrag, durch Gesang fortreißend wie immer Herr Kantor Wartenberger. Zu mitternächtiger Strmde begrüßte unser Vorsitzender. Herr Rabbiner Dr. Halpersohn, in launigen Worten alle Anmcfeitöeit und zeichnete sinnreich Wesen und Bedeutung des Pnrimfestes. Herr Dr. Heinrann feierte in zündenden Worten die mühevolle mustergültige Arbeit des Festausschusses, für den in erster Reihe unser treuer Freund. Herr Kautckr Darteilverger. int Verein mit »einer Gattin verantwortlich zeichnete. Alfred Berger »vies unter stürrnischcr Zustimmung auf die Notwendigkeit der Förderung unserer Arbeit bei alle»» denkenden Kreisen unserer Glaubensgenossen hin und unterstrich die Bedeutung der Jlis int jüdischen Leben der Gegenwart. Den Kritikern und den abseits Stehenden ries Berger zu: der Dienst au» Jli ist Opfertat und heiliger Die»»st für die Gesamtheit. Daß für alle Teilnehmer der Tanz a»n Purimfest zu seinem vollen Rechte kan», ist selbstverständlich. Der arbeitende Kreis unser Mitgkieder vereinigte sich am Mittlvoch. den 23. März, im Bereinslokal, um Referate unserer Delegierter» vom fünften Dclegiertentag der Jlis in Berlin entgegenznnehmen. Die Versammlung leitete in Behinderung der beiden Vorsitzenden Ludlvig Frerrnd. Alfred Berger faßte seine Eindrücke von der Delegiertentagung in eine»»» einstündigen Referate z»»samn»en. Dte Kleinarbeit aller Jlis iit ihrer'Verschiedenheit und wieder»»»»» in der Einheitlichkeit der Gruppierung der Hauptfrage»», der rege Geda»»keuaustausch am Vorabend der Tagung, die Stellungnahme der Führer zu allen Gegen» wartsproblemen, die großen Frager» des deutscher» Judentums, die in jeder Jliarbeit verankert sind, »orrrdeu den Zuhörer», in lebendiger Form vor Augen geführt, verbunden »nit den Sorgen, Hoffnikngel» i»ud Wünschen für die Aufbauarbeit tu aller» Gruppe»». Das Wort des Herrn Prediger Dr. Rosenthal-Berlin, das in der Aussprache nach de»»» Bortrage Ludlvig Lewins über „Wirtschastöcthik" fiel: „Kein Werk ist heute vergebens", »oll und »nutz u»»s Ansporn und Richtlinie sein. Starker Beifall und eine sehr anregend vor, lüitteite Aussprache war der schöne Erfolg dieses Abends. Die Diskussionsredner. Herr Kantor Wartenberger, Herr Dr. Heirnann u»»d Herr Känlpfer unterstrichen die Äus» führungen des Referenter» »n»d gaben wertvolle Ergänzu»»«lel» aus den» reichen Schatz ihrer nielseitigen Erfahrungen zu der» Grnndprvblemeu und den Organisations« frage»». I»» seinem kurzen Schlußwort konnte Berger unter lebhaftem Beifall die Richtigkeit der von unserer Vcrbanösleitrrng geleisteter» Arbeit seststellen und mit den» Mahnruf schließen, daß, mein» auch n»cht jeder Führer und Stampfer sein kann, doch jedes einzelrre Mitglied Mitarbeiter der Organisation werden sollte. Dortmund. Am Mittwoch. den 16. März, fa»»d hier die Generalversammlung unserer Ortsgruppe statt. In derselben sprach der Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentun», Herr George Goetz-Berlin, über den „Jüdischen Liberalismus »rnö die Parteien im deutschen Judentum". Ter tiesreligiös angelegte Vortrag, dessen In» ' halt in diesen Blättern bereits »viedergegeben wurde, entrückte das Problem der politischen Sphäre m»d hi»»terließ bei der» Hörern den nachhaltigsten Eir»üruck. Wir hoffen, Herrn Goetz bald wieder bei uns begrüßen zu dürfen. Herr Richard Flörsheim legte sein Amt als 1. Vorsitzender nieder: an seine Stelle ward einstimmig Herr Artur Rosenberg gewählt. Ter Vorstand setzt sich aus folgenden Damen und Herren zusammen: 1. Vorsitzender Artur Rosenberg. 2. Vorsitzender: Em. Goldschmidt, Schriftführer: S. Nußbaun», Kassierer: S. Riesenscld. Beisitzer: Frau Klara Heinemanu, Frau R.-A. Sondheim, Frau Vorreuter, Richard Flörsheim» S. Eppinghause»», S. Benjamin, Rabbiner Dr. 2lppel, S. Schnell. Frankfurt a. M. Zun» Abschluß ihrei- Winterarbeit batte die „jüdisch-liberale JugenögerneinschafL" ein Kostümfest, unter der künstlerischen Oberleitung von Herrn Dr. H. Hofsmann, in der Frankfurt Loge veranstaltet. Der Festsaal mit allen Reizen einer liebensivürdigen Kunst von Frl. Hanna May ausgestattet, bereitete durch seine zündende Phantasie den Besuchern einige Stunden »vahrhafteu Vergnügens. Mit Eiltzücken folgte man dein Treiben tn«t diesen heiteren, frohgemuten Bezirken, in denen mit Ele» ganz und Beschwingtheit sich geschmackvolle Kostüme sehe«2 ließe»». Zwischendurch zeigte die ,^zli" ldas Luftschiff des Jahres I960) auf der Bühne mit welche»: Geschwindigkeit »nan in den nächsten Jahrzehnten unseren Liliputplaneten »nnfliegen wird. Dann aber wiöinete man sich wieder mit Hingebung dem Charleston, so lange es die federnden Knie erlaubten. Um 7 Uhr »norge»»s verließ der berühmte letzte Gast die gastliche Stätte. Ilnlersffllit das" ' ' Der Verein selbständiger Handwerker jüdischen (Manbens, e.Y.,Bertia hat in seiner Organisation alle Berufe vereinigt und ist jederzeit in der Lage, leistungsfähige Handwerksmeister nachzuweisen. Geschäftsstelle: Louis Wolff — Berlin NO 18 — Gr. 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