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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-03-25 · 12 (25.3.1927) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
12 (25.3.1927)
Date
1927-03-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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faugreicheS Meldesystem bringt die einzelnen Kaffe» unter, einander in engsten Konnex, so daß i«de einzelne Kaff« leicht in der Lage ist. sich über da- Schicksal jede- Wandererin Deutschland zu orientieren. Bon den durch die Hauotstelle zwsammenaejaßten Unter, neroan-au sind wahrend der Bericht-Periode im ganzen zirka 25 000 Wanderer erfaßt worden. ES handette sich zum allergrößten Teil um Persorren. die die Reife nach kdrem Hetmatsorte antreten mußten. (12DOO Personen.) 8400 Personen befanden sich auf der Arbeitssuche, zirka 2000 Personen wurden zum Arbeitsantritt befördert» der Rest waren An-, mawderer und Personen, die zu Anverwandten reisten. An Reisekosten wurde ein Betraa von zirka 140 000,— M. aufgewandt. Unterstützung wurde in Höhe von 00 000,— M. gewahrt. Am neuen Arbeitsjahr wird die Hauptstelle nach Beendi» gung der Orgauisationsarbeiteu. insbesondere dem Problem der Produkttvie rung der jüdischen Wanderung ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Bedeutende Fachleute haben -er Hruptstelle Gutachten über die Errichtung einer Arbeiterkolo nie fiir jüdische Wanderer zur Verfügung gestellt. Die Generalversammlung der Hauptstelle, die am 8. Mai diese- Jahres in Berlin stattsindet, wird endgültige Beschlüsse über diese Pläne fassen. Berlin. (Neuer Landesverbands ab geordnet e r.) Da- Mitglied des Berbanüstages des Pretttsischen Landesverbandes indischer Gemeinden. Jsaae Levy, Altona, hat sein Mandat niederaelegt. Hierfür tritt Dr. Müller, Altona, neu in den Berbandstag ein. Berlin. (60. Geburtstag.) Am 28. März d. I. vollendet der Seniorchef der Berliner Speditionsfirma nach dem Orient. I. Wittner u. Co.. Herr Handelsgerichtsrat Martin Wittner, sein 60. Lebensjahr. Die Firma, deren Stammhaus in Leipzig stand und dort patrizisches Ansehen genoß, besteht (Heutzutage eine Seltenheit!) seit nahezu drei Biertü Jahrhunderten. Da die Tätigkeit der Firma sich hauptfachlich auf den ewigen Brandherd Europas, den Balkan, und dort insbesondere auf Rumänien erstrecke, war es ihr und ihren jeweiligen Chefs, da sie auch eine im nahen Orient eine nicht eben häufige Einflußsphäre vertraten, geaefteit, bei den in regelmäßigen Abständen wiederkehrenden Judenverfolgungen (speziell auf dem Hoheitsgebiete Rumäniens) helfend und lindernd in die Röte der bedrängten Glaubensgenossen eirrzugreifen. — Im Jahve 1017 wurde der Seniorchef von der Berliner Handelskammer durch die — vom Justizministerium alsbald bestätigte — Eingabe zum Handelsgerichtörat geehrt, während der Juniorchef, ein Bruder des Jubilar-, wiederholt zu dem Ehrenamt eines Geschworenen herangesogen ward. Der jüngste Bruder der an 14 Geschwistern reichen Familie. Dr. Otto Wittner. ein jugendlicher Literarhistoriker, der schon viel von sich reden gemacht iurd sich besonders durch eine vorzügliche Biographie Moritz Hartmanns. mit dessen Familie er freundschaftlich verbunden war. sowie eine Sammlung österreichischer Köpfe und eine — leider — mruollendet gebliebene »Deutsche Literaturgeschichte" ausgezeichnet hatte, fiel gleich zu Beginn des Weltkrieges in den ersten mörderischen Schlachten Ostpreußens als Opfer deutscher Vaterlandsliebe. ' Der Jubilar ist ein Schwiegersohn des namhaften, auch unseren Lesern durch seine Artikel hinlänglich bekannten Berliner Publizisten — Dr. I. Leon. Redakteur der „Bossifchen Zeitung" — und Gatte unserer ständigen Mitarbeiterin, Frau Doris Wittner. Sein Haus bildete daher von je. insbesondere vor denk Weltkrieg, einen Mittelpunkt mannig- . faltigster, geistiger, künstlerischer und politischer Elemente, führender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Reichshauptstadt. Persönlich von eingeborener, vielleicht sogar unzeit- "^aernäßer Bescheidenheit, wird der Jubilar, der deu mehr uud ' mähr aussterbeuden Typus des alten. honetten Kaufmanns verkörpert, seinen Ehrentag in aller Stille im Kreise seiner Mkasten Familie verleben. Was uns nicht hindern soll, dem ^^Kkoteren Mitbürger unsere herzlichsten Glückwünsche dar- ' zubringen. Berlin. (Jubiläen.) Kantor S. Blaustem, Raabestr. 7. früher Kantor in Gnesen und Briefen (Westpr.), wurde am Frertag. den 18. März. 80 Jahre alt. Am Freitag, den 1. Avril, feiert Las Svezial-Putzgeschäft B. Selowsky. Inhaber Martin Beigel, Berlin O27. Andreasstraße 60. das 40jährige Geschaftsjubiläum. Bteicheroüe. (7 5. Geburtstag.) Hier beging der Ehrenvorsitzende der SyuagogeugemeittLe, Herr Max Schönheim. der mehr als drei Jahrzehnte an der Spitze unseres Gemeinwesens stand und allen religiösen Dorgäugen und Einrichtungen das lebhafteste Interesse entgegeubrachte und heute auch noch beweist, unter reger Beteiligung seiner zahlreichen Fremrde den 75. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. Zu den besonderen Aerdtensten des Fünfurvdsieüzigjährigen gehören die Errichtung der schönen Synagoge und die Anlage eines sorgfältig gepflegten Friedhof-. fttfctit. ivetsetzuua»feier.) Die Beisetzung de» verstorbenen Borstehew» Jakob PelS gestaltete sich zu «totes imposanten TrauerkuvdaeLuna für den allgemein geachtete» Bürger, der als Mitglied zahlreicher Organisationen und Verbände» als BÜrgervorsteLer. Vorstandsmitglied de» ProvinzialverbandS hannoverscher Gemeinde» u. a. zahlreich« Ehrenämter bekleidete und daher bei allen Konfessionen große Achtung genoß. Im Rathanse wurde infolge seine» Ablebens ein« Trauersitzung abgehalten. wobei auch bekannt wurde, daß der Verstorbene wiederholt zum Senator ernannt werden sollte, wenn ihn di« Majorität nicht «egen seiner GlaubenSzugehürtakeit abgelehnt hätte. Die Gemeinde hatte eine Trauerfeier tut GemeindeberatungSzimmer abgehalten, bei der Landrabbiner Dr. Blum eine eindrucksvolle GedächniSrede hielt und das gemeinnützige Wirke» deS Heimgegangenen mit Worten de» Dankes und der Anerkennung hervorhob. Im Namen der Gemeinde sprach Vorsteher Nord- Helmer dem verblichenen Freund deu Dank für sein selbstlose- Wirken au». Weitere Ansprache» hielten noch Oberbürgermeister Dr. Mützelburg als Beauftragter des Magistrats, Wortführer Holtmeyer für da» Bürgervorsteher. Kollegium und die demokratische Partei. Vorsteher van Dyk. Aurich. für Len LanderaLbinatSbezirk, Sandrabviner Dr. Freund, Hannover, für Len ProvinzialVerband und die konservative Fraktion deS Landesverbandes. Nachdem die sterbliche Hülle zum Friedhof geleitet war. hielten noch SanitätSrat Dr. Sternbera und Lehrer Klein. Norden, im Namen der Schule, des Waisenhauses, Altersheims und LehrervereiuS de» Bezirks kurze Ansprachen. Mit kurzem Gebet und MschiedSwort des Landräbviners Dr. Blum wurde die ergreifende Trauerfeier beschlossen. Geila. (75. Geburtstag.) Die einzige überlebende Mitbearünderin des Israelitischen FrauenvereinS, Frau Cruestme Stern, beging in letzter Woche körperlich und geistig frisch ihren 75. GeourtStaa. Die Greisin erfreut sich wegen ihrer soziale» Hilfsbereitschaft bei allen Bewohneru des Ortes großer Wertschätzung und konnte an ihrem Wiegenfeste mancherlei Aufmerksamkeiten entgegennehmen. Allgemein wurde der Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß sie auch das im Laufe dieses Jahres zu feiernde 50jährige Bestehen deS FrauenvereinS in derselben Rüstigkeit und Frische begehen könnte. Hannover. (AuSfchutzsitzung deS Provinzialverbaüdes hannoverscher Svnagogeugemeinden.) Bor kurzem fand eine Ausschutzsitzung statt, bei der folgende Gemeinden vertreten waren: Hannover. Htlbesheim. Emden. Bremerhaven, Verden. Harburg. Osnabrück. Lüneburg. Hameln, Nienburg und vom Preußischen Landesverband wäre» erschienen Dr. ISumr Freund und Justizrat Dr. Makower-Berlin. Auf der Tagesordnung stand: Besprechung und Beschlußfassung über die Uevergangsbestimmungen für die Provinz Hannover in Berbtnduirg mit dem Entwurf zum Preußischen Judengesetz. Nach eingehenden Beratungen erfolgte «ine Abstimmung, in der sich, sämtliche Anwesenden einstimmig damit einverstanden erklärten, daß die Einrichtung deS LandrabbinatS in einer Form bestehen bleiben soll, die den heutigen Anschauungen und Bedürfnissen entspricht. Dr. SchletSner-Hannover empfiehlt. in die Uebergangsbestimmungen folgendes aufzunehmen: 1. materiell, was man von den alten Gesetzen. Statuten und Verordnungen erhalten haben möchte, und 2. daß eventuelle Abänderungen nicht mit Genehmigung des Ministeriums, sondern ans dem Wege der inneren Verwaltung vorgenommen werden können. Schließlich wurde Dr. Schleisner mit der Ausarbeitung der Uebergangsbestimmungen betraut. Hannvver. (Enthüllung des Gefallenendenkmals.) Am VolkStrauertag fand in der Synagoge eine Gedenk- und Seelenfeier statt, die mit der Enthüllung des Gefallenendenkmals verbunden war. Aufder Estrade hatten die Fahnenabordmmgen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Ortsgruppe Hannover, der Verbindung Suevia im KC.. des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, der hannoverschen Kriegerveretne. sowie des Vereins ehemaliger Braunschweiger Husaren Aufstellung genommen. Neben den jüdischen Veteranen von 1870 sah man u. a. Geh. Oberregie-! rungsrat Kriege. Bizevräsident des Oberpräsidiums. Bürgerj Vorsteher Dr. Libernickel. StaLtrat Dr. Hofmann. Präsident! a. D. von Alten (vom Volksbund deutscher Kriegsgräberl Mrsorge),Geh. Regierungsrat Dr. Thöne (vom Kysfhäuservundl. Hauptmann im Generalstab Trierenberg (von der Standortkommandantur). Polizeimajor Suffert (von der Echutzvolizei), drei Mitglieder des Vorstandes des BezirkSkriegerverbandes Hannover-Linden, den Vorsitzenden des Hannoverschen LanökriegerverbandeS Rump, den Vorsttzeitden der Synagogengemeinbe Hildesheim Rehfeld, sowie die Herren, die an der Herstellung des herrlichen Denkmals mitgewirkt haben. Gesänge von Oberkantor und Chor umrahmten die zu Herzen sehende Predigt de» Laudrabbtuer« Dr. Freund. Nach der Enthüllung legte» Kranze nieder btt BolkSSund deutscher KriegSgräberfürsorge, da» Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, der hannoversche LandeSkriegerverVand und die Standortkommandantur. Harburg. (8 0. Geburtstag.) Der zweite Vorsitzende der hiesigen Synagogengemeinbe. Herr Josef Daltrog. konnte letzten Donnerstag in bemerkenswerter körperlicher und geistiger Frische sein 80. Lebensjahr vollenden. In den vier Jahrzehnten, die der Jubilar im Dienste der Gemeinde verbrachte. hat er sich um die Förderung der religiösen Interessen besonders verdient gemacht, u. a. auch als erster vvsitzeuder der Chewra Kadischa und der Schulkommission. Leipzig. (Aus der Gemeinde.) Der hiesige HtliSverein israelitischer Gewerbetreibender e. V. konnte dieser Tage mit einem Festkonzert sein 40jähriges Bestehen festlich begehen. In seiner Begrüßungsansprache konnte der Vorsitzende Herr Dr. jur. Alberstam darauf Hinweisen, wie dieser Verein, der zur Zeit rund 2000 Mitglieder umfaßt, eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltet har. Die Geschichte der 40jährigen Entwicklung ist in einer Festschrift veröffentlicht worden. — Die Leitung des Instituts für vergleichende Relrgionsgeschichte an der Universität Leipzig ist Herrn Professor Dr. Leipolbt übertragen worden. Norde». (Gründung eines jüdischen Unterftützungsvereins.) Der jüdische Frauenverein beschloß i« seiner diesjährigen Generalversammlung die Gründung eines Vereins zur Unterstützung bedürftiger Bräute und Lehrlinge und gedachte der um den Verein verdienten verstorbenen Mitglieder, besonders der Ehrenvorsitzenden, Frau Hauptlehrcr Leoy. Rattvor. (Jubiläen.) 34m 25. März 1827 feiert unser Mitglied, der Seelensorger der hiesigen Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Kreugel die Silberhochzeit. Am 27. März 1927 begeht in körperlicher und geistiger Frische Frau Jeanette Braß ihren 80. Geburtstag. Aus der Bewegung Berlin. (Liberaler Verein der jüdischen Gemeinde.) Am Dienstag, den 8. März, fand eine Mitgliederversammlung der Bezirksgruppe Schöneberg im LogenHaus, Kleiststr. 10/11. statt mit der Tagesordnung: ^Neuwahl des Vorstandes". Die Wahl ergab folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender Zahnarzt Schwersenz, 2. Vorsitzender Max Klein, Schriftführerin Frau Berlowitz, Beisitzer: Moritz Rosenthal, Dr. Fleischer, Frau Justizrat Müller. Frau Olga Lublin. Direktor Ostberg, Karl Aronsohn. Bandmann. Im Anschluß daran hielt Herr Rabbiner Dr. Auerbach- Göttingen einen Vortrag: „Die jüdische Seelsorge unter Hinweis auf die Psychoanalyse", der die Zuhörer durch die inhaltsreichen Ausführungen außerordentlich fesselte und ein« angeregte Diskussion hervorrief. die den Wunsch zeitigte, die jüdisch« Seelsorge weiter auszubauen. Zahlreiche Beitrittserklärungen waren der Erfolg des Abends. Liegnitz. (Liberaler Bereit» der Synagogengemeinde.) Unser Vortragsabend am 7. März, der uns zum erstenmal Gelegenheit gab. Herrn George Goetz-Berlin. den Generalsekretär der Vereinigung. Lei uns zu begrüßen, hinterließ bei allen Anwesenden einen so tiefen Eindruck. Laß wir nur wünschen können. Herrn Goetz bald wieder einmal bei uns zu sehen! Der Abend war erfreulich gut besucht (zirka 50 Personen) und das Thema „Ueber den Sinn des Betens" — erweckte lebhaftes Interesse. Herr Dr. Scheyer hieß den Redner, der schon seit längerer Zeit bei uns erwartet wurde, herzlich willkommen und erteilte ihm sodann das Wort. Herr Goetz selbst bezeichnete sein Referat als eine religionsphilosophische Studie und ein ganz persönliches Bekenntnis. Er führte ungefähr folgendes aus: Viele Menschen verkennen das Wesen der Religio». Sie lernen biblische Geschichte und Hebräisch, sind aber sonst religiös indifferent. Man glaubt nicht an die Wunder der Bibel. Glauben und Wissen sind als Denkvorgang genau dasselbe. — Das größte der Wunder ist Gott! Wen» man aber an Gott nicht glaubt, kann man auch nicht zu ihm beten. — Wir finden zur Religion zurück, wenn wir es endlÄ lernen, sie als etwas anderes zu begreifen als bisher. Den» wir es lernen. Wissenschaft und Religion als zwei vollkommen getrennte Gebiete voneinander abzugrenzen. Gott ist nicht mit dem Verstände, sondern nur gefühlsmäßig m erfassen. Beten ist Symbol ebenso wie die heiligen Bräuche, die uns Nachdenken lernen lassen und läutern und erhÄen sollen. — Religion heißt Verbundenheit. Wir kennen unser eigenes Ich nicht und können es auch nicht erforschen. Was die Wissenschaft Seele nennt, ist ganz etwas anderes. Mr Schwiegersohn nach Gefle, um den König meinetwegen zu sprechen. Er erhielt auch Audienz und stellte dem Könige mein Unglück dar. Laß ich in Abo keinen Menschen kannte und dort in strenger Hast sähe. Der König tröstete ihn und sagte: „Reiset nur nach Hause. Ich werde nach Wo schicken." ES war ein sehr harter Winter, so daß man aus dem gewöhnlichen Wege nicht nach Abo reisen konnte über die vielen Seen, sondern uran mutzte ganz über Norden herumfahren. dasind gegen dreihundert Meilen. Der König schickte von Gefle einen Obersten Jägerhorn und einen Polizetdiener »ach Abo. und der Justizkanzler JeoriusZ von Abo sollte mit ihnen eine Kommission bilden utrd mich ins Verhör nehmen. Die beiden Abgesandten waren drei Wochen unterwegs von Gefle nach Abo. Ich wurde indetz alle Tage auls Kammergericht zitiert und mutzte ein Verhör bestehen. Aber eS war ohne Bedeutung und drehte sich immer um dieselben Punkte: für wen ich gewechselt, und wieviel ich dafür bekommen hatte. Zur Hauptsache selbst konnte ick auf dem Kammergericht auch nichts anderes aussagen als aus der Schloßkanzlei. 'Die Leute aus den zwei Städten, wohin ich meinen Angestellten geschickt und Lieser für einige tausend Taler eingewechselt hatte, kamen auch hierher und beklagten sich, sie wollten ihr Geld wiederhaben. Ich sagte. eS käme ganz auf das Urteil des Gerichts an, denn Geld hatte ich in meinem Koffer. Eines Abends, ich saß eben in meiner bewachten Stube, kam der Polizeidiener Dickmann auS Stockholm zu mir herein und sagte mir. ich möchte am nächsten Morgen um 10 Uhr zum Obersten Jägerhorn kommen. Der König habe ihn von Gefle hierhergeschickt. Dickmann erzählte mir auch von meinem Schwiegersohn, Laß er beim König gewesen sei und der König sehr gnädig mit ihm gesprochen habe. Lm nächsten Morgen kam also der Polizeidieuer und bolte mich ab. Ich kam in die Wohnung des Obersten. Dieser saß mit dem Justizkanzler Jeorius zusammen, aber ich kannte ihn nicht. „Heißt Ihr Aron Jsak?" fragte mich der Oberst. jawohl." ^sagte ich. ^Nu». ich habe Euch etnen Gruß von König Gustav IU. zu bestellen. Seine Maiestät wissen. Laß Ihr ein ehrlicher Man» seid. Hier sind zwölf FahnehjelmSscheine, seht, sie sind mit einem Faden zut ammeng eh es tet und mit dem Gregel LeS Königs versehen. Sind öaS die Scheine, die Ihr von Munk eingewechselt habt?" *) Soll wobl GoorgiuS heißem Ich bejahte Las. Darauf «fing er an. mich zu verhören. Er sagte mir, ich Ntte Lie Stempel für die ersten Fahnebielmers gemacht, ich müßte meine Arbeit also erkennen. Ich erklärte. eS gäbe jetzt schon wehr Graveure, die so etwas ebenso machen könnten wie ich. Er nahm nun einen echten Schein heraus, verglich Lie beiden und sagte, sie wären egal, also hätte ich beide gemacht Las wäre zweifellos. Ich konnte nichts anderes tun. als der Wahrheit gemäß das zu bestreiten. Er kam noch mit vielerlei Fragen, es dauerte über zwei Stunden. Schließlich sagte er zum Jnstizkanzler: „Was sagen Sie dazu? Er will ja nicht gestehen. Als wenn er nicht gewußt hätte, daß es falsche Scheine waren." ,Fsch habe die Akten schon gestern durchgesehen." sagte der Justizkanzler. „Ich mutz nun offen sagen, daß ich den Aron Jsak nicht beschuldigen kann, daß er gewußt habe, die Scheine wären falsch. Wenn er dies gewußt hätte, wäre er nicht ausgerechnet hierhergekommen wo alle anderen gedruckt worden sind, und er hätte nicht selbst den Rat gegcveti. sich wegen der Echtheit beim Buchdrucker zu erkundigen." Da zog der Oberst einen königlichen Befehl hervor und las: „Der Jude Zlron Jsak soll mit dem Polizeidiener Dickmann nach Stockholm kommen. Dickmann habe aber nichts wegen der Reise anzubefehlen, sondern Aron Jsak solle nach Bequemlichkeit reisen." 2tun fragte mich der Oberst, wann ich zu reisen wünschte. Ich sagte, ich hätte noch viel zu tun. ich wolle mit allem Geld, das ich noch bei mir habe, die Scheine, die ich eingewechselt hätte, wieder zurücklösen. Der Oberst sagte, ich könnte tun. wie es mir beliebte, aber mich hier zurückzuhalten, habe niemand mehr das Recht, denn es liege jetzt eiu königlicher Befehl vor. Wenn ich aber ausgeyen wolle, dann könne mich ja der Polizeidiener begleiten. Das war an einem Donnerstag. Ich ging herum und wechselte Mr alles Reichsgeld. Las ich besaß, die Fahnehjelmer wieder ein. Lm Freitagabend kamett drei KriegskommtsiLre nach ALo und fragten, ob ich enLlich frei sei. Sie hätten gehört. ich sei frergesprochen. Da sie am nächsten Tage nach Stockholm reisten, wollten sie fragen, ob ich mit ihnen reifen wolle. „Nein," sagte ich. „daS geht nicht. Morgen ist Sabbat. Si fehlen mir noch 5000 Taler ReichSgeLd, für die ich elmer. die noch auf dem Kammergericht Liege«. «uß. DaS gehört Len Searten an» den Leinen Städten." Sie sagte», wenn ich itzne» Versprechen wolle, mit ihnen zu reifen, so wollten sie auf mich warten. Ich sagte. 4L könne von hier nicht fortsahren, ich müsse noch für 5000 Reichstalkr Fahnehjelmers einlösen, und ich hätte kein ReichSgeld mehr hier. Das wollten sie wohl beschaffen, sagten sie, wenn ich ihnen nur versprechen wollte, mit ihnen zu reisen. Ich mußte ihnen Larauf Lie Hand geben. Laß ich am Sonntag mit ihnen reisen würde. Sie gingen nun aufs Rathaus, ließen sich die Rechnung geben, wieviele Fahnehjelmers noch etnzuwechseln waren. Sie wollten die Rechnung haben und das Gelb bezahlen. Der Bürgermeister sagte, die Rechnung könnten sie bekommen und auch bezahlen, aber Sie Fahnehjelmers bekämen sie nicht. Sie gingen mit Aron Jsak nach Stockholm, alle in Koffer gepackt und mit dem Staatssiegel versehen- Sie sagten, sie wollten die Fahnehjelmers gar nicht haben. Ich habe aber nicht gewußt, wer das Geld bezahlt hat. Am Sonntagmorgen ging ick aus und nahm Abschied von den Bekannten nnö auch allen, mit denen ich während meiner Haft bekanntgeworöen war. Kein Polizeidiener ging mit mir, nur ich und mein Angestellter machten die Besuche. Als wir wieder nach unserer Wohnung kamen, waren die drer. Kriegskommissare schon da. und nun ging es los zu etuem Frühstück. Der Hafen war fest zugefroren, so daß wir Äer den ganzen Hasen mit Schlitten fahren konnten. Für jede Person waren zwei Schlitten, denn es waren noch einige Leute, die mitreisten. So fuhren wir denn ab. Als wir eine Meile von Abo zu dem Gasthos kamen, da standen schon viele Schlitten da: der Staatskvmmiffar, ein Ratsherr, der Fiskal, mehrere Kaufherren waren herübergekommen. Der Tisch stand voll mit Kaffee, Schokolade, Kuchen. Es war ungefähr 11 Uhr vormittags. Da mußten wir Kaffee und Schokolade trinken, nachher gings an den Schttaps, an Wein, an Punsch. Das dauerte bis 3 Uhr. da waren alle ziemlich voll: nur ich hatte meine Sinne beieinander gehalten. Ich fragte nun den Wirt, was ich zu bezahlen hätte, aber der wehrte ab. „Nein. nein, es ist beretts alles bezahlt. Die Aboer Herren haben schon gestern abend alles herübergeschickt. um Sie und die anderen Herren damit zu beehren." So nahmen wir denn Abschied. Einige weinten, einige lachten, aber alle waren tüchtig geladen. Wir fuhren nun ab, und ich fragte fetzt die Kommissare, wer das Gelb auf dem Rathaus eigentlich bezahlt habe. Sie wollten e» mir nicht sagen und erklärten mir, in Stockholm würde ich es schon «Fahren. Ich bekam es auch in Stockholm nicht zu wiffev. denn sie blieben drei Wochett. ehe sie wieder zurückfUtzren. Erst als sie sich von mir verabschiedeten, gaben sie mir. die Rechnung, und ich bezahlte sie. cSvrttetzana folgtt)

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