Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 11 (18.3.1927)
- Date
- 1927-03-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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ftattfanft. Die Glückwünsche der Gemeinde brachte der erste Vorsteher, Stadtverordneter Jakob, -um Ausdruck, indem er gleichzeitig den Dank der Gemeinde für die während des halben Jahrhunderts geleistete Arbeit abstattete. Rabbiner Dr. Auerbach hielt die Festrede, die dem Charakter d«S TageS angepaßt war und die Wohltätigkeit zum Gegenstand der Betrachtung hatte. Chor- und Sologesang der Damen Fabisch und Kahlberg umrahmten die eindrucksvolle Feier. Am Abend fand die Jubiläumsfeier in einem Gesellschaft-- abend, der die Göttinger iüdische Gemeinde in den Festsälen vereinigte, ihre Fortsetzung. Hannover. (Grundgedanken b es Judentums.) Mehr als 500 Gebildete aller Konfessionen lauschten dem Vortrag, den Herr Rabbiner Dr. Baeck-Berlin am 10. März im überfüllten Feftsaal des alten Rathauses hielt. Herr Dr. Baeck führte etwa folgendes auL: Die Idee der Einheit sei der bestimmende Gedanke der Bibel. DaS Wissen um die Einheit habe sich erschlossen auS dem sittlichen Bewußtsein. daß es nur das eine, das Gute gibt. Diese Idee der Einheit sei die bestimmende im Judentum. Der Monotheismus sei die tragende Lehre. Gott stehe im Mittelpunkt von allem. Dagegen stehen die vielen Götter, aber auch die vielen Moralen im Gegensatz zum Judentum, das keinen Polytheismus der Sittlichkeit kennt. . Die jüdischen Propheten hätten darum auch gegen nichts so gekämpft wie gegen die „doppelte Moral" von Herr und Knecht, von Sieger nnd Besiegten. In der Weltgeschichte hätten die Sieger die Gesetze geschrieben, nur einmal sei Gesetz gegeben worden von den Besiegten (von den Juden). Darum habe dies Gesetz sagen können, was wahrhaftes Recht ist. — Revolutionär sei alles, was ein neues Prinzip in die Welt hineinstellt. Dies Revolutionäre sei in Israel das Gute, dieses Kategorische, dieses: Dn sollst, dieses: Du sollst nicht! . . . Für den Menschen der Bibel lebt alles. Wenn der Mensch sündige, dann trauere die Erde. Neben den Menschen sei das Tier gestellt. „Mensch und Tier hilfst dn, o Gott." „Dein Tier soll ruhen wie im am Sabbat!") — Der Gedanke der Menschheit sei der große Gedanke der Bibel. Wer dem Armen nicht helfe, der habe den Armen beraubt. So stark, so beherrschend sei der Gedanke des Berpflichtetsein. So sei auch daS Verhältnis zum Fremdling, so auch zur Natur. Auch daS. was wir Menschen Geschichte nennen, sei Schöpfung. Denn es gewinne nur das Sinn und Bedeutung, was zur Einheit zufammengefügt sei. „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre." das lehre das Lebendige der Einheit. Aber auch jeder Mensch sei eine Einheit, eine Welt für sich, eine Schöpfung für sich. „Wer einen Menschen zerstörte zerstört eine Welt" (Talmud). Der Mensch schasse das Reich Gottes auf Erden. Hierin vollende sich die Idee der Einheit. Und die würbe erfüllt sein, wenn alle Menschen Einheit so schaffen und der Ewige Einer ist und sein Name der Eine. — Ein Volk verliere sich, wenn lein Problem an die Autzenränder gedrängt wird, es werde wieder geboren, wenn sein Problem tu ihm wieder lebendig werde, so daß seine Menschen mit ihm ringen. Die Gemeinde öeS Judentums habe ihr Problem. Sie werde wie bisher alle Angriffe, jede Feindschaft überdauern. denn sie weiß was Leben ist. solange ihr Problem in ihr ist, solange sie geistig kämpft mit dem Problem der Einheit, indem sie Einheit zu schaffen sucht, jeder an seinem Platze. — Die schier unübersehbare in atemloser Stille dem hohen Gedankenflug folgende Menge spendete dem hervorragenden Gelehrten den verdienten Beifall. Koblenz. (Die Erhaltung der „I u d e n i n s e V'.) Die „Neue Aaraauer Zeitung" schreibt: „Ende des 17. Jahrhunderts. zu einer Zeit, wo in der Schweiz noch ein Verbot über israelitische Beerdigungen bestanden hat. wurde ans einer Nheininsel bei Koblenz, genannt „Jndenäule" oder in, VoMmund „Judeninsel" ein indischer Friedhof angelegt. Im Verlause der vielen Jahre und nicht zuletzt durch die Hochwasser ist dieser Friedhof sozusagen fast gänzlich verschwunden. Es befinden sich heute daselbst nur noch fünf 'Mmvdenkinäler vor. die größtenteils versandet sind. Da nun die Insel mehr auf deutschem als auf Schweizerboüen liegt, besaßt man sich heute deutscherseits ernsthaft mit der Erhaltung des Friedhofes. Hierbei handelt es sich nicht nur um die Erhaltung der geschichtlich bemerkenswerten Grabsteine, von denen der Großteil leider bereits verschwunden ist, sondern um die Erhaltung der ganzen Anlage. Der Konservator der kirchlichen Denkmäler der Kunst und des Altertums in Freiburg (Baden) hat sich nun an das Ministerium des Kultus und Unterrichts in Karlsruhe gewendet und dahin gewirkt, daß die Anlage als Ganzes mit allen verfügbaren Mitteln, einstweilen geschont werde. Es, ist nicht ausgeschlossen, daß die noch vorhandenen Grabsteine einem anderen israelitischen Friedhöfe, vielleicht in Gallingen, einverleibt werden. Köln. (D i e R e p r ä s e n ta n t e n w a h l e n.) Am Sonntag, den 18. d. M. fanden hier die Mahlen zur Repräsentanten^ Versammlung der jüdischen Gemeinde statt. Das Bild ähnelte stark dem anderer Repräsentantenwahlen der letzten Zeit. Die Wahlbeteiligung betrug noch nicht 50 Prozent. Aehnlich wie bei den Berliner Wahlen zeigte sich ein Abschwenken konservativer Wähler zu den Zionisten. eine Stimmenzersplitterung durch daS Auftreten der Mittelpartei und ein geschlossenes Eintreten der ostjübischen Kreise für die Jüdisch« Bolkspartei. Gewählt wurden: Liberal 8 (8), Mittelpartei 1 (0), Koirservative 3 (5). Jüdische Bolkspartei mit Achdnth 6 (4). Durch umherztehende Trupps der Nationalsozialisten kam es vor dem Wahllokal in der Roonstraße zu Ausschrei, tungen. Zwei jüdische Bürger wurden durch Messerstiche nicht unerheblich verletzt. Die Polizei griff tatkräftig ein und sorgte unter persönlicher Führung des Kölner Polizeipräsidenten für Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung. Mehrere Hakenkreuzler wurden verhaftet. Der Polizeiprästsident hat aus Grund dieser Vorkommnisse eine Verordnung erlassen, der zufolge öffentliche Umzüge der Nationalsozialisten verboten werden. Königsberg. (Ungültigkeitserklärung zweier Vorschlagslisten der Repräsentantenversammlung.). Wir berichteten bereits in unserer vorigen Nummer über Komplikationen, die sich bei der Einreichung der Wahllisten zur Repräsentantenversammlung ergeben haben ulld daß der Wahlausschuß die Liste der Liberalen Bereinigung. auf der die auf die Dauer von sechs Jahren zu wählenden Repräsentanten-Kandidaten verzeichnet sind, für ungültig erklärt hat und die Wahrscheinlichkeit bestehe, daß auch die Liste der jüdischen religiösen Mittelpartei für ungültig erklärt werden würde. Nunmehr hat der Wahlausschuß die beiden von der Mittelpartei eingereichten Listen, diejenige, die die auf drei Jahr zu wählenden als auch diejenige, die die auf sechs Jahre zu wählenden Kandidaten enthält. für ungültig erklärt, so baß sowohl für die auf drei Jahre als auch für die auf sechs Jahre zu Wählenden nur je eine gültige Liste vorhanden ist, die im ersten Falle gemeinsam von den Liberalen mit Gemeindevereinlern, Orthodoxen, Chassidisten und Zionisten eingereicht ist und im letzten Falle nur von Gemeindevereinlern. Orthodoxen, Chassidisten und Zionisten unter Ausschluß der Liberalen. Da nur eine gültige Liste vorhanden ist. so gilt diese automatisch als gewählt: infolgedessen findet eine Wahlhandlung am 20. März nicht statt. Wie wir erfahren, sollen wegen der Ungültigkeitserklärung der liberalen wie der mittelparteilichen Liste Proteste beim Regierungspräsidenten eingelegt lein. Weiterhin wird sich noch der Vorstand der Königsberger Gemeinde mit dieser Angelegenheit zu befassen haben. Da seitens der aus der Kompromitzliste vereinigten Parteien der Wille besteht, den durch Formfehler Ausgeschlossenen entgegenzukvmmen, so ist zu erhoffen, daß ein Weg gefunden wird, wonach alle Parteien künftighin im Gemeindeparlament vertreten sein werden. Bis zur endgültigen Enkscheidüng dieser Dinge dürfte die zur Zeit bestehende Repräsentantenversammlung im Amte verbleiben. Kolmbach. (Tod des Gemein bevor st eher s.) Nach langem schwerem Leiden ist der Borsteher und Begründer der hiesigen Kultusgemeinde, Joses Wortsmann, in die Ewigkeit abberufen worden. Sein Ableben hat in allen Kreisen lebhafte Teilnahme geweckt, und die Beisetzung gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Sympathiekundgebung für den Verstorbenen, daß auch die Kirchenbehörde an dem Tode des um die Gemeinde verdienten Mannes Anteil nahm, ist um so angenehmer und bemerkenswerter ausgefallen, als ja gerade die antisemitische Bewegung hier stark fühlbar geworden ist. Das Beileidsschreiben des evangelischen Pfarrers, das unter den außergewöhnlich zahlreichen Kondolenzkundgebnngen besondere Erwähnung verdient, lautet: . „Das evangelisch-lutherische Pfarramt erlaubt sich der hiesi-; gen israelitischen KultuSgemeinbe zu dem Verlust, der sie > durch den Tod ihres bewährten Führers und Vorstandes, des Herrn WvrtSmann, getroffen hat. sein herzlichstes Beileid auSznsprechen. Möchte Gottes Güte Ihnen in Ihrem neuen Vorstand einen ebenso ernsten und pflichtgetreuen Leiter schenken! Aus ein gutes Einvernehmen mit ihm legt das evangelische Pfarramt Gewicht." LandShrri. (Jubtläum.) Als Lehrer, Prediger und Kantor der hiesigen Gemeinde konnte Herr Philipp Falkenstein dieser Tage auf eine 26jährige ersprießliche Tätigkeit 1 znrückbltcken. In dieser Zeit ist er der geistige Führer und Berater aller Gemetndeangeüörigen geworden, die ihm mit Achtung und Wertschätzung begegnen und dadurch sein erfolgreiche- Wirken anerkennen. In den Berufsorganisationen hat Lehrer Falkenstein an führender Stelle die Standesintcressen mit Eifer und Erfolg vertreten. Die Fortbildungskurse in Breslau verdanken seiner Anregung ihre Entstehung. Er gehört auch der KultnSbeamten-Kom- Mission als Schriftführer an und wirkte im jüdischen Lehrerverein Schlesiens wie im Ausschuß des jüdischen Lehrerverbandes in Preußen tatkräftig mit. Seine Gemeinde und Amtsgenofsen wünschen dem arbeitsfrendigen Jugenderzieher und Seelsorger noch viele Jahre segensreiche«! Wirkens. Marburg. (Eine religionswissenschaftliche Universitäts-Sammlung.) An der hiesigen Universität wird eine religionswissenschaftliche Sammlung für die Zwecke des akademischen Unterrichts errichtet werden. Wie der Jta-Vertreter erfährt, soll im Rahmen dieser Sammlung auch eine besondere iüdische Abteilung errichtet werden. (Jta.) München. (Das drohende Schächtverbot.) Die bayerische Rabbinerkonferenz hat mit Rücksicht auf das drohende Schächtverbot und die damit verbundene bedrohte Gewissensfreiheit der bayerischen Juden einen Fast- und Bußtag angeordnet. Es heißt in der Kundgebung: „Die Gefahr des Schächtverbotes schwebt drohend über unseren bayerischen Gemeinden. Wir hoffen zu Gott, daß er diese Gefahr von uns abwende und beschreiten im Aufblick zu ihm den Weg religiöser Einkehr des Gebetes und der Wohltätigkeit, um uns seiner Hilfe würdig zu erweisen. Aus diesem Grunde wird die Abhaltung eines „Jom Kippur koton" angesetzt. (Jta.) München. (Bonder Universität.) Der Rektor der Universität Professor Boßler hat sich in einer Rede über den studentischen Antisemitismus geäußert und dabei folgende erst jetzt weiteren Kreisen bekannt werdende Ausführungen gemacht: „Ich komme zum Kern der Sache: Nämlich, ob eS sich mit der Ehre eines Studenten verträgt, die jüdischen Komilitonen auf die Seite zu drängen .. . Mir fallen dabei jene tapferen Juden vom Jahre 1914 ein, die mit uns hinanözogen und für Deutschland gefallen sind. Eine der von Ihnen ausgeschlossenen Verbindungen hat 23 Tote zu verzeichnen. Wir haben uns diese Opfer gefallen lassen, wie wir es uns im Frieden gefallen lassen, daß z. B. unser psychiatrisches Forschungsinstitut zu einem sehr großen Teil von einem Inden finanziert wird, daß hervorragende Forscher und Denker, um nur unseren Richard Willstätter zu nennen, eine führende Rolle in der deutschen Wissenschaft übernehmen . . . Die ganze deutsche Kultur östlich unserer Reichsgrenzen wäre vielleicht längst zusammengesunken und vom Slawentum überschwemmt worden, wenn nicht das Judentum für deutsche Sprache und deutsche Geistesart dort etnstände . . . Von der Rasse lassen Sie sich mich schweigen, denn das ist ein zoologisches, kein humanes Argument, und wer sich im Menschlichen Tierreich zu bewegen wünscht, der mag immerhin sich vor dem Juden verschließen, als vor einer Tiergattung, die seiner Tiergattung schädlich ist. Mer eine Universität ist keine Menagerie." Schneidemühl. (Einweihung der neu renovierten Synagoge.) Am Freitig. den 11. März, fand unter Beteiligung fast der ganzen Gemeinde die Einweihung des neu renovierten hiesigen Tempels statt. Das Gotteshaus ein alter Schinkelscher Ban. ist einer gründlichen Renovic» rung unterzogen worden, u. a. ist ein großer Borramn geschaffen und der Tempel durchweg mit Kunstglasfenstern versehen worden. Der Weiheakt wnrbe mit dem Absingen des „Ma tauwo" eingeleitet. Während unter Borantritt des Rabbiners die Thorarollen hineingetragen und in den Schrein gestellt wurden, erscholl das „Sheu scheorim" Nachdem Herr Konzertsänger Goldberg aus Berlin, sin Sohn des Kantors Goldberg in Berlin, der viele Jahre hindurch als Kantor in hiesiger Gemeinde fungiert hat, mit seiner klangvollen, die Festgemeinde erfreuende Stimme: „Herr, den ich tief im Herzen trage", gesungen hatte, ergriff der Nepräsentantenvorsteher Siegfried Sommerfeld namens der Baukommtssion das Wort. Er wieS darauf hin, daß die Synagoge zum dritten Male ein neues Gewand bekomme, seitdem im Jahre 1834 bei dem großen Brande in Schneide- .nühl, wobei auch der Tempel ein Raub der Flammen wurde, der Neubau einer Synagoge erforderlich war, die nach vielen Schwierigkeiten im Jahre 1841 eingeweiht wurde. Dank der Gebefreubigkeit der Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde war es möglich, das nunmehr 86 Jahre alte Gotteshaus einer gründlichen Renovierung zu unterziehen. Nachdem er allen Handwerkern, die an dem Bau beteiligt waren, gedankt hatte, übergab er mit den besten Segenswünschen die Synagoge dem Vorstände der Gemeinde. In dessen Namen übernahm Justizrat Solöin mit Worten der Wethe daS Gotteshaus in treue Obhut und Fürsorge. Er dankte Gott und allen, die zum Gelingen beS Werkes Leigetragen haben, und schloß seine stimmungsvolle Ansprache mit den Worten Jakobs: „Fürwahr, hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte deS Himmels." Hierauf ergriff Rabbiner Dr. Rosenzweig daS Wort zu seiner ausgezeichneten, von Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Weihrede. Er feierte die erneuerte Synagoge als Wahrzeichen des unzerstörbaren Glaubens der Väter, als Stätte heiligen Bodens verinnerlichter Gottes- und Menschenliebe, des Gemeinschaftsgeistes und der geistigen wie seelischen Labe. Wenn auch draußen der Kampf gegen Israel tobe, so predige das neugeweihte Gotteshaus einen Lohgerber, der währender Kricgszeit von mir Rindleder gekauft hatte. Auch mit einem Kriegökommissar. den ich beim Kommissariat kennengelernt hatte, war ich befreundet. Ich ging zuerst zum Goldschmied und fragte ihn, ob er Dukaten brauche. Er nahm mir gleich hundert Stück ab. Ich fragte ihn, ob er Fahnehjclmer gegen Nachlaß wechseln wolle. Wir kamen auf einige hundert Ncichstaler überein und ich bekam von ihm Neichsgeld. Dan« ging ich zum Lohgerber, der auch gern für 1500 Ncichstaler einwcchselte und mir baiür etwas Banko-, zum Teil Reichsgeld und Obligationen gab. Nun schickte ich meinen Angestellten nach zwei kleinen Städten, einige Meilen von Abo entfernt. Da wohnten viele Leute, die immer mit Holz nach Stockholm kamen. Mein Kommis wechselte ansehnliche Beträge nnd kam wieder nach Haus. Während seiner Abwesenheit kam der Goldschmied wieder zu mir und sagte, er habe noch einige hundert Reichslsler, die er einwechseln möchte. Ich ging zu ihm. wurde mit ihm einig und zählte ihm die Fahnehjelmers zu. „Haben Sic keine kleinen Scheine?" fragte er mich. „Die sind jetzt hier so knapp. Früher gab es so wenig Zrveitalerscheine. und jetzt ist alles voll davon. Es wird hier soviel Falschmünzerei getrieben, man hat schon Leute eingesperrt. die falsche Scheine. Zwölfschillings- und Zweitaler« scheine, gemacht haben. Man kann sich nicht genug vorsehen, und es kommt mir auch verdächtig vor, daß man nichts anderes mehr sieht als Zwcitalerscheinc. ^Bei denen hier kann keine Fälschung vorliegen." sagte sch. „Die sind ja alle bei dem hiesigen Buchdrucker gedruckt. Man könnte sich ja übriaens bei ihm erkundigen." Ich hatte schon über 17 000 Reichstaler eingewechselt und bereits sechstausend Reichstaler Obligationen an meinen Schwiegersohn nach Hause geschickt. Es war hier etwas unterzubringen und ich gedachte dann nach Leipzig zu retten. Einige Tage später, nachdem ich bei Borgström, so hieß der Goldschmied, gewesen war. kamen tu meine Wohnung drei Mann von der Stadtivache. ein Unteroffizier nnk sehr viel Pöbel. Sie drangen ein. versiegelten meine Koffer, schleppten mich aus meinem Zimmer, versiegelten auch dieses, und ich mußte als Gofangener mit aufs Amt. Die ganze Stadt ivar in Bewegung, und ich wußte nicht, was das zu bedeuten hatte. Ich dachte, mein Angestellter habe in der Stadt verschiedene Sachen verkauft und sich mcht rechtzeitig bei der Polizei mit seinem Patz gemeldet. Deshalb würde **Jch^mÄ' die SchlotzkElei. die war angeftrwtt voll Menschen. Der Goldschmied stand da. der Landsekretäi und ein Nvtarius saßen am Tische. Der Goldschmied fragte mich, ob ick nicht mit ihm Geld gewechselt habe, was und wieviel. Ich sagte, ich hätte mein Notizbuch bei mir und las daraus vor, was er an Dukaten und Fahnehielmern bekommen habe. Er hatte auch seine Rechnung bei sich nnd erklärte, daß alles stimme. „Habt Ihr nicht gesagt, ich könne mich beim Buchdrucker erkundigen, ob die Scheine echt seien, es wären keine anderen gedruckt als hier?" Ich bestätigte das. „Nun. hier steht der Herr Magister." Diesen Titel hat der Buchdrucker. „Der Herr Magister sagt, Eure Scheine wären falsch, er habe sic nicht gedruckt." Ein Sekretär, namens Lund, stand dabei. Der war zur Zeit in Borgä auf dem Stempelkontor gewesen, als die Achtschillingscheine gedruckt wurden und ich die Aufstellung dafür gemacht hatte. Dieser Sekretär hatte sie unterschrieben. Er wurde nun gefragt, ob er seine Unterschrift erkenne. „Sie ist sehr gut nachgcmacht. aber sie ist falsch. Aron hat die erste gemacht, so wird er auch die letzte gemacht haben." Ich bekam einen solchen SÄrcck. daß ich das Bewußtsein verlor und ohnmächtig zur Erde sank. Endlich brachten sie mich wieder zu Sinnen und setzten mich auf einen Stuhl. Der Landsel'retär war ein braver Mann. .^Larum seid Ihr so schreckhaft?" sagte er. ,Hhr»müßt doch wissen, von wem Ihr sie bekommen Halit?" Ich faßte mich endlich und sagte, ich würde es wohl sogen, aber es märe zu viele Menschen hier und ich hätte sie von einem hohen Herrn bekommen. Nun waren nämlich alle Leute, die von mir eingewechselt hatten, da. Der Landsekretär bat sie nun. abzutreten. Sie gingen auch alle hinans, nur der Fiskal wollte nicht Weggehen. Er sagte, er vertrete den Fiskus und sei außerdem der öffentliche Ankläger. er müsse also alles wissen. Es nützte ihm aber nichts, er mutzte auch hinausgehen. Es blieb niemand drin als der Landsckretär. der Notar ins und ich. Nun fragte mich der Landsekretär von wem ich sie bekommen hätte. Ich sagte, vom Grafen Munk. Der Lanösekretär schwieg still und sah nur den Notartur eine ganze Weile an. und ich dachte gleich, daß dieses etwa« zu bedeuten habe. Endlich sagte er: „Lieber Freund, ich habe Euch zwar bisher nicht gekannt, aber ich habe von Euch gehört, baß Ihr ber der Armee pt* wesen seid und als rechtschaffener, bescheidener Mann geltet. Habt Ihr den« keine Zeugen, daß Ihr sie von chm bekommen Mtr „Nein," sagte ich. „es ist keiner dabei gewesen, außer mir und meinem Schwiegersohn. Ich hatte mit ihm für dreitztg-- tausend Taler abgeschlossen, und wie ich des anderen Tages zu ihm kam und wollte das Geld haben, so hatte er nur mehr siebenundzmanzigtauseud Taler. Er zeigte mir einen Wechsel von dem Kaufmann Etholm auf einen Monat. Bon dem batte er dreitausend Reichstaler um ein Prozent billiger bekommen. sonst kann ich nichts weiter auSsagen." Der Notarins hatte alles zu Protokoll genommen und sagte: „Euren Koffer, mein Freund, werde ich hier heraufholen lassen. Ihr könnt Euer Siegel darauf setzen und Ihr bekommt in Eurer Wohnung Hausarrest unter Bewachung." Nun wurde der FtSkal hereingerufen und der Landsekretär sagte ihm, er solle meine Sachen heraufhvlen lassen und mir unter Bewachung Hausarrest geben. Der Fiskal aber sagte, ich bekäme keinen Hausarrest. Das Gesetz laute dahin, daß jemand, den man mit Falschgeld fände, in Eisen gelegt und wohlverwahrt werden solle. Also müsse ich hier in der Kanzlei unten in den Keller kommen. Der Landsekretär sagte, er möge nicht so verfahren, ich sei kein Dieb Er aber bestand darauf, er müsse sich nach dem Gesetz richten. „Na." sagte der Landsekretär, „geht mal beide da hinein und vergleicht Euch." Neben der Kanzlei befand sich eine abgesonderte Kammer. Als wir hineinkamen, nahm ich eine Handvoll der Dukaten, die ich noch in der Tasche hatte, und steckte sie ihm in die Hand. Er zählte sie nicht, und ich hatte sie auch nicht gezählt. Er dankte mir. drückte mir die Hand und sagte: ,^ch lin Euer Freund." Wir gingen wieder in das Kanzleizimmer zurück und ber Landsekretär fragte, ob wir uns vertragen hätten. „Ich gehe mtt ihm nach seiner Wohnung." sagte der Fiskal, „wieviel Soldaten soll ich als Wache mitnehmen?" Der Landsekretär meinte, zwei Mann würden genügen. Aber der Fiskal sagte, man könne nicht wissen, es sei möglich. daß der Pöbel mich überfallen wolle, dieser Pöbel führe so schlimme Reben. Es sei also besser, vier Mann zu nehmen, zwei vor der Hausküre und zwei vor der Wohnungstüre. So gingen wir denn sort und sehr vtel Leute hinter «nS her. die wirklich alle tn meine Wohnung dringen wollten. Der Fiskal wußte noch zwei Mann Wache holen. Ich aber war von dem Schrecken krank geworden und mußte mich zu Bett legen. i Fortsetzung folgt.).