Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 11 (18.3.1927)
- Date
- 1927-03-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2613895-2613906--2185-2619629- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
$ciütt. ((£ lt (\ c n 2 anda n 75 Jahre a l t.) Ain Donnerstag. den 17. März, feierte Generalkonsul Eugen Landau. einer der führenden Männer der Berliner Gesellschaft. seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar ist der Sohn des Breslauer Bankiers Jakob Landau, dessen Haus für die industrielle Entwicklung Schlesiens von eminenter Vedeuimtti war. Später übersiedelte die Firma Jakob Landau nach Berlin, wo sie. schon unter der Mitteilung von Eugen Landau, bald in die erste Reihe der sich mächtig entwickelnden Privatbankgeschäfte aufrückte. Die Firma Jakob Landau war eS. die dem damals noch recht unbekannten Ingenieur Emil Rathenau, dem Bater Walter Rathenaus, die ersten Geldmittel fiir seine Versuche mit der elektrischen Glühbirne zur Berfiignng stellte. Zu den zahllosen Gründungen des Hauses zählt auch die N a t i o n a l b a n k für Deutschland, die eine Zeitlang die Hanvtgeldgeberin der Stadt Berlin war. Heute führt Eugen Landau in nicht weniger als zehn großen Jndustrieuuternehmnngen und in weiteren 20 Gesellschaften den stellvertretenden Vorsitz im Anfsichtsrat. Seit 2-1 Jahren in Eugen Landau, der in der Landwehr als Major gedient hat, spanischer Generalkonsul in Berlin. Neben seiner angestrengten geschäftlichen Tätigkeit widmet sich Eugen Landau in hervorragendem Maße dem politischen, gesellschaftlichen und — bei seinem stark ausgeprägten Wohltätigkeitsnun — sozialen Leben Berlins. Im jüdischen sozialen Leben ist er zu einem hervorragenden Flihrer geworden. Zum ersten Male trat er auf dem Felde der jüdischen sozialen Tätigkeit führend hervor, als zu Beginn des Jahres 1804 der große Durchwandererstrom cinsetzte. Damals begründete und leitete er das Hilfskomitee. Er ist auch der Verwalter und Erhalter des Ansrbachschen Waisenhauses, einer Mnsteranstalt der jüdischen Waisenfürsorge. Berlin. iZu m 80. G e b u. r t s t a g von Hermau n Abraha m.) Am Sonntag, den 13. März, fand im großen Saale des Erüdervereinshanses vom Verein für Volkskinderhilfe er»e Feier für den 80 jährigen ersten Vorsitzenden Hermann Abraham, statt. Die Reichs- und Staatsbehörden entsandten ihre Vertreter. Die Feier begann mir einem Gesang des Chores der Synagoge Fasanenstraße. Charakteristisch für das jüdische Empfinden Abrahams ist die Tatsache, daß die Einleitung ein hebräischer Gesang ans dem Halleigebet war. Nach einer Festhymne des Oberkantor Davidsohn, hielt I-bl. Hahn die Festrede, in der er die speziellen Verdienste des Jubilars ans charitativem Gebiete zeichnete, und besonders darauf hinwies, welch umfangreiche Tätigkeit Abraham in der Zeit des Krieges aus dem Gebiete der Wohlfahrt eutfaltetc. Dieses kam auch in dem Schreiben des Reichspräsidenten und Reichskanzlers sowie der verschiedenen preußischen Ministerien zum Ansdruck. Herzliche Wünsche überbrachtr Geheimrat Bokranz für das Ministerium für Bolkswohlfahrt. Reichstagsvräsident Löbe bedauerte in einem Schreiben, daß er durch Krankheit verhindert sei, dem Feste beizuwohnen. Der Feier folgte ein Festbankett, an dem ungefähr 300 Personen teilnahmen. Während des Banketts nahm Abraham selbst das Wort und gab selbst ein Bild von seiner Arbeit. Er betonte, daß nur durch die menschliche Opferbereitschaft das erreicht wurde, waS heute zum Segeu des Vaterlandes ist. Ferner ist zum 80. Geburtstag von Hermann Abraham, dem Begründer der Organisation der Kindervolksküchen und der Bolkskinderhorte. insbesondere auch vieler jüdischer Kinderwvhlfahrtsinstitutionen ein Almauach mit zahlreichen Glückwunschschreiben bekannter Persönlichkeiten erschienen. Der Reichspräsident gratulierte mit folgenden Worten: „Zu Ihrem 80. Geburtstage spreche ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche aus. Gern gedenke ich aus diesem Anlaß der Verdienste, die Sie sich in unermüdlicher Arbeit durch Begründung und Organisation der Kindervolksküchen «ud Bolkskinderhorte in Krieg und Frieden um das Vaterland und insbesondere um die Stadt Berlin und seine GrotzstLdtjugend erworben haben. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch lange Jahre in ungetrübter Gesundheit aus ein Leben voll gesegneter Arbeit zurückzublicken. Mit freundlichem Gruß! v. Hindenburg." Außerdem enthält der Almanach Glückwünsche des Reichskanzlers Marr. des RetchstagSpräsidenten Löbe. des Ministers Htrtsiefer und zahlreiche anerSennende Schreiben von führenden Männern und Frauen ans den Kreisen der Politik. Medizin, Literatur und Kunst. Thomas Mann schreibt: „Fleiß ist die meisterliche Form der Leidenschaft." AuS der Fülle der Namen feien noch erwähnt: Prof. Alfred Adler. Wilh. Altmann, Prof. Max Apt, Prof. Beruh. Benbix. Edward Engel, Herbert Eulenberg, Prof. Fehr, Stadtschulrat Fischer. S. Fischer, Gustav Frenssen, Alexander v. Gleichen-Rußwurm. Gothein, Gröner, Prof. Heinr. Grünfeld, Dilh. Kienzl, Pros. Langstein, Emanuel Lasker, Lilli Lehmann. Prof. Ad. Marcuse. Al. Moszkowsli. Otto Neumann- Hofer, Prof. Rosin. Hjalmar Schacht, Sndekum. Ludwig (Sieffettfn'im, Arthur Schnitzler. Irene Triesch, Clara Viebig. Berli«. lErnennung.) Der zum Vize-Polizeiprasi-. deuten Berlins ernannte bisherig« RegierungSdtrektor Dr. Weib hat am 11. März feine Geschäfte i« Berliner Polizeipräsidium übernommen. Wir wünsche» unserem Gesinnungsfreund an der neuen Stelle seiner Wirksamkeit ein recht erfolgreiches Arbeiten. Berlin. (Amtsjubiläum.) Der an der Gemeindesyuagoge Lützowstraße amtierende Kantor Adolf Kirschner beging am t, März den Gedenktag seiner 28jährigen Amtstätigkeit bei der Jüdischen Gemeinde Berlin und in dem genannten Gottesyause. BreSla«. <Die Krise des jüdischen Mittelstände s.) Ueber dieses Thema sprach hier der Vorsitzende deS „Zentral-BerSandeS jüdischer Handwerker DentschlandS E. B.", Herr Wilhelm Marcus. Die Zusammenballung des Kapitals in wenigen Händen. Warenhäuser, Großbanken und Schwerindustrie, der Grundsatz deS direkten Verkehrs zwischen Erzeuger und letzte» Abnehmer, taten das ihre, um den Spielraum des selbständigen Kaufmanns, dieser ehemaligen Hauptstütze des jüdischen Wohlstandes, ungemein zu verengen. Hinzu kam, daS große Untersteh«ungen, einst von Juden gegründet, wie AEG. und die Deutsche Bank, neben der sa schon seit jeher zum Teil antisemitischen, rheinisch-westfälischen Großindustrie, sich gegen di« Beschästigung von Inden sperren. Trotz Revolution und Republik ist den Juden der Zugang zur Beamtenschaft noch immer verschlossen. Auch in die Landwirtschaft, die ja im wesentlichen völkisch-national eingestellt ist. kann der Jude nicht eiudringen. — Was lag daher näher, als an eine Umschichtung der Berufstätigen zu denken, dabei aber bestrebt, jm sein die ins praktische Leben Eintretenden von jenen Berufen feruzuhalten. die ihnen — da stark überlaufen — eine spätere» sichere Existeüz nicht gewährleisten? Gedacht sei hier der Elektrobranche, des Schneiderhandwerks usw., die eine unerhört hohe Errverbslosenzahl answeisen,' dagegen dürfte die Bauwirtschast immerhin noch Möglichkeiten eröffnen, da sich diese Berufe sicherlich noch auf Jahre hinaus als aufnahmefähig erweisen werden. Voraussetzung hiersür erscheint allerdiiegs. daß die jüdischen Organisationen. von den Gemeinden angefangen. bis zum letzten Privatmann, sich ihrer Pflicht gegenüber ihren jüdischen Brüdern in weit stärkerem Maße als bisher bewußt sind. Im Allgemeininteresse liegt es. statt Almosenempsänger. Existenzen zu schassen, die — gestärkt durch ihre eigene Leistungsfähigkeit — in der Lage sind, andere zu stützen, statt zu empfangen. Hierzu gehört allerdings auch die Gründung von DarlehnSkassen, die gegen mäßige Zinsen dem Anfänger über die Schwierigkeiten seiner Etablierung hinweghelsen, anderen Festigung ihrer Betriebe gestatten. Breslau. (Zur Frage der B e r uf s u m s chi chtung.) Die Ortsgruppe Breslau des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten verbreitet einen Aufruf, in dem es heißt: „Durch unser deutscher Vaterland geht wie ein Schrei der Sehnsucht der Ruf nach Land. Die Krisen der deutschen Wirtschaft in den letzten Jahren Haben innerhalb der Bevölkerung unseres Vaterlandes soziale Umschichtungen hervorgerusen. deren äußere Erscheinungen wir täglich sehen: ArVeitsnot! Wohnungselend! Das sind die Schlagworte, die uns immer und immer wieder in den Obren gellen. Das deutsche Judentum, das unter dem Einfluß einer bekannten historischen Entwicklung einen großen Anteil an der deutschen Wirtschaft hat. es leidet schwer unter diesen wirtschaftlichen nnd sozialen. Erschütterungen. Zumeist in der Großstadt zusammengedrängt. hat unser deutsches Judentum eine Entwicklung genommen, deren teilweise unliebsamen Folgeerscheinungen uns bekannt sind. Haben wir nicht oft, allzu oft jene innige Verbundenheit mit der Natur verloren. die eigentlich selbstverständlich sein müßte? Fehlen uns nicht allzu sehr jene Kräfte, die uns immer wieder ans der Natur selbst z-uströmen soyten? Ist urismicht jenes köstliche Gefühl verloren gegangen, als freier Mann auf freiem Boden stehen zu kömren? Wir müssen wieder in engste Beziehung treten zum Grund und Boden der Heimat, für die wir als Deutsche und als Juden gekämpft haben. Unserer Jugend wollen wir die Möglichkeit schaffen, die eigene Scholle zu bebauen. Jm deutschen Vaterland wollen wir einen freien jüdischen Bauernstand schassen. Der deutsche Jude auf der deutschen Scholle'. So soll unsere Parole lauten. Ruft nicht: Was ihr wollt ist ein« Utopie. Es ist eine bekannte Weisheit, daß jede große Bewegung als Utopie begonnen hat. Jm ganzen deutschen Vaterlands hat unser Bewegung jubelnden und begeisterten Widerhall gesunden. Die besten Männer aus unserem deutschen Judentum haben sich für uns erklärt. Dem Kontroll- Kvuritee für unsere Arbeit gehören Männer an. wie ReichStagsabgeordneter Dr. Ludwig Haas. Professor Franz Oppenheimer, Rittergutsbesitzer Möge und Ehrenpräsident der U.O.B.B.-Logen Geh.-Rat Timendörfer. Der Klang dieser Namen bürgt für unser Arbett. Aron Ifaft. Eine LevenSgeschichte. Bearbeitet von D r. B. S ch i d l o s. (14. Fortsetzung.) Ich überreichte dem Könige meine Bittschrift und ke- «rerkte noch dazu, daß ich für alles, was ich beim zweimaligen Rückzüge verloren habe, keine Ansprüche gestellt habe oder stelle. „Meldet Euch in einigen Tagen beim Staatssekretär Meson. da werdet Ihr Antwort bekommen." sagte der König. Ich dankte untertänig und ging meiner Wege. Nach einer Woche begab ich mich zum Staatssekretär Meson und sagte ihm: „Der König hat mich an Sie gewiesen. Ich habe Seiner Majestät eine Bittschrift übergeben und Seine Majestät hat mir gesagt, ich würde von Ihnen Antwort bekommen." Dieser Staatssekretär war aber nicht mein Freund. ,^Jch weiß von keiner Bittschrift." cntgcgnete er. „der König hat mir nichts davon gesagt. Kämmt in vierzehn Tagen wieder, ich will indeß mit Seiner Majestät sprechen." Ich ging also nach vierzehn Tagen wieder zu ibm h'-n „Ich habe Eure Eingabe bekommen." sagte er mir. „oOn ich kann Euch noch keine Antwort geben. So ichnell acht das nicht. Das muß erst vor den Ministerrat kommen." Ich fragte, wann ich wiederkommen solle. „Das kann ich nicht wissen, wann die Sache zur Beratung gelanat." war seine Antwort. Nach weiteren vierzehn Tagen ging ich wieder zu Akeson. bekam aber dasselbe zu hören. Andere gute Freunde vom Hofe erzählten mir aber, meine Sache wäre schon zur Beratung gestanden. Die me'sten Herren seien dafür gewesen, mir meinen Schaden zu vergüten: aber einige, deren Namen man mir nicht nennen wollte, hätten gesagt, das mit der Fletfchlieferuna lei meine eigene Schuld. Sic hätten sich beim Krlegskommisiariat erkundigt. nnd man habe ihnen von da aus mttgeteiit. ich hätte seinerzeit keinen festen Vertrag abschließe« wollen. Man könne mir aber zweitausend Taler ln Obligationen vkrgüten. Einer meinte sogar, ich könne den Schaden ruhig tragen, ich hätte sonst soviel verdient. Eine schriftliche Anlwort aber bekam ich nicht. Ich ging nun zu meinem Advokaten und ließ eine neuerliche Eivabe »KKfrcm Auch diese blich ohne Antwort. Ick vertröstete mich damit, eine Gelegenheit abzuwarten, den König wieder persönlich zu sprechen. Inzwischen schickte der Graf Munk zu mir. ich möge zu ihm kommen. Ich ließ ihm sagen, es wäre mir heute unmöglich. ich hätte zuviel Arbeit. Ich wollte aber nichts mehr mit ihm zu tun haben. Mit dem Juweleuhandel hatte er mir damals wenigstens zehntausend Taler Schaden zugefügt: außerdem galt er nicht mehr viel beim Hofe und war beim .König in Ungnade. Einige Tage später schickte er ober wieder nach mir. ich war aber gerade nicht zu Hause. AlZ ich nach Hause kam. sagte mein Schwiegersohn, ich möchte doch htngehen. Ich wollte nicht und sagte, er möge doch gehen Als mein Schwiegersohn hinlam. sagte ihm Graf Munk, ich müsse selber kommen. Ich ließ mich also überreden und ging zu ihm hiv. „Ich vebanre Euch sehr." sagte der Graf zu mir. ..Ich weiß. Ihr habt viel Schaden erlitten, und man hat Euch nichts dafür vergütet. Ja. wer ehrlich und treu dient, der wird nicht belohnt, io geht es mir auch. Ich will Euch aber einen Verdienst zukommen lassen. Ihr mißt ia. daß ich meine Güter in Finnland habe, und mein Geld, das ich von dort bekomme, das sind Fahnehselms-Scheine. die kann ich ohne Verlust hier nicht losiverden. Ich habe also für dretßigtausend Taler Fahnehjelmer. wieviel Prozente muß ich gegen Reichsqeld verlieren?" „Jm Sommer haben sie 15 Prozent verloren." sagte ich ihm. „Nun aber ist Winter, es kommen je^t keine Finnen her. die etn^is zu verkaufen haben, die sich hier gegen ReichSgkld Fahnehjelmer einrvechseln. Wenn die Scheine also wieder b!Z zum Sommer ltegenbleiben, so weiß man nicht, ob sic nicht noch schlechter werden. Ich besitze übrigens nicht soviel Rnchsgeld. höchstens zwanzigtausend Reichstaler. Das übrige müßte ich Ihnen in Obligationen geben mit einem Verlust von 20 Prozent gegen Rcichsgeld." Er war damit zufrieden, erklärte aber, aus die Fahnehjelmer könne er nicht mehr als höchstens 13 Prozent verlieren. „Darauf kan» ick nicht «ingehen." sagte ich. „Erkundigen Sie sich «m der Börse, wie augenblicklich der Kurs steht." „DaS will ich aber nicht. ES soll niemand wissen, daß ich die Scheine wechsle, ich will nicht als Spekulant «enannr werden. Ich will deshalb daS Geschäft mit Euch mache«, denn Ihr seid verschwiegen. Ich schlage Sach übrigens tot. wen» JÜr sagt, -atz Ihr von mir di« Fatznohjelmers «ingervechkeu habt." Auch in Schlesien muß der Boden geschaffen werden, auf dem unsere Ideen wachsen und zur Reife kommen sollen. Um die Mitglieder unserer Breslauer Gemeinde mit unseren Ideen und ihrer geplanten Ausführung bekannt zu machen, veranstaltet die Ortsgruppe Breslau am Donnerstag. den 24. März 1927. abends 8 Uhr. im großen Saal der Leffing-Loge eine große Werbe-Versammlung mit dem Thema: „Der deutsche Jude auf der deutschen Scholle." Als Redner haben wir Herrn Domänendirektor Dyk gewonnen, einen der ersten Fachleute in der deutschen Landwirtschaft überharrpt. Herr Domänendirektor Dyk, der ein Kamerad von uns ist. wird die Bewegung in unserem deutschen Vaterlande mit aller Energie durchführen." Bunde. (Todesfall.) Die in der ttztzten Nummer unserer Zeitung veröffentlichte Mitteilung bezog sich nicht auf Bünde sondern auf Bunde (Ostfriesland). DreLbe«. (Stiftungen der Familie Arnho ld.j Der Ende November vorigen Jahres verstorbene Geheime Kommerzienrat Generalkonsul Georg Arnhold, der Mitbegründer des Bankhauses Gebr. Arnhold. hat in seinem Testament zum Ausdruck gebracht, daß es ihm stets am Herzen gelegen habe, einzelne Legate auszuwerfen, daß er die Bestimmungen im einzelnen indes seinen Söhnen überlassen wolle. I» diesem Sinne haben die Hinterbliebenen dem Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde mitgeteilt. daß sie dem Willen ihres verstorbenen Vaters am ehesten zu entsprechen glauben, indem sie der Israelitischen Religionsgemeinde nom. 100000 M. achtprozentige Obliganonen mit der Bestimmung überlassen, daß je nom. 2500 M. achtyrozentige Obligationen dazu dienen sollen, die vier in früheren Jahren bei der Israelitischen Religionsgemeinde errichteten, durch die Inflation aber meist ertraglos gewordenen Arnholdschen Stiftungen wieder kapitalkräftig zu machen. Zu diesen Stiftungen gehören: Die Dr. Adolf- und Mathilde Arnhold-Stiftung I (Zweck: Unterstützung jüdischer Armer der Stadt Dresdens. Dr. Adolfnnd Mathilde Ärn« Hold-Sbiftung II (Zweck: Unterstützung verschämter Armer), Max Arnhold-Stiftung (Zweck: Unterstützung eines oder mehrerer Insassen des Henriettenstiftes), Anna Arrchold- Dtrftung (Zweck: Unterstützung verschämter Armer). Die durch den Beschluß der Arnholdschen Hinterbliebenen somit ermöglichte Neueinrichtung der vorgenannten Stiftungen kommt den Wünschen des hiesigen Gemeindevorstaudes entgegen. der unlängst ganz allgemein an die noch lebenden Errichter von Stiftungen oder deren Hinterbliebene mit der Bitte berantrat, zunächst im Kreise der in Frage kommenden Familien Klarheit darüber zu schaffen, ob es angebracht ist, zahlreichen, durch die Inflation meist völlg wertlos gewordenen Stiftungen mit Hilfe neuen Kapitals zu neuem Leben zu verhelfen. Die Familie Arnhold suchte der durch die vielen Stiftungsverluste besonders schwer geschädigten Dresdner jüdischen Wohlfahrtspflege noch dadurch Rechnung zu tragen, indem sie bestimmte, daß von den nom. 100 000 M. achtprozenttger Obligationen weitere nvrn. 5000 M. achtprozeutiger Obligationen dem Israelitischen Armenunterstützungsverein zur Errichtung einer Georg- und Anna- Arnhold-Stiftung mit der Maßgabe ausgehändigt werden, die Zinsen alljährlich am 17. Juli und 25. November bedürftigen Armen der Stadt Dresden zn übermitteln. Zur Errichtung den gleichen Namen tragender Stiftungen sollen dir Zinsen von weiteren nom. 5000 M. achtprozentiger Obligationen je zur Hälfte dem Mendelssohn-Verein und dem Israelitischen Franen-Berein zur Verfügung gestellt werden. Davon sind jedes Jahr am 1. März und 14. Juli an bedürftige Arme der Stadt Dresden Zuweisungen zu wachem In allen Fällen sind vor allem solche Personen zu bedenken, die schon seit längerer Zeit in Dresden ansässig und Dresdener Bürger sind. Die nach Errichtung dieser Stiftung noch verbleibenden nom. 80 000 M. achtprozeutigen Obligatipnmr sollen der vom Geh. Kommerzienrat Arnhold schon vor dem Kriege begründeten Sozialen Stiftung, die bestimmungsgemäß nicht nur interkonfessionell nutzbar gemacht, sondern auch interkonfessionell verwaltet wird, ansgehändigt werden. Emden. (Tod des V o r st e h e r s.) Mehr als ein halbes Jahrhundert ist Jakob Pels, dessen Heimgang die hiesige Gemeinde beklagt, im Interesse des religiösen Lebens tätig gewesen. In einem die Verdienste des Verstorbenen uachörücklichst hervorhebenden Nachruf erkennen der Vorstand und das Ausschuß-Kollegium der Gemeinde diese unermüdliche Tätigkeit eines der auf allen Gebieten des Kultus-, Schul- und Wohlfahrtswesens bewährten Mitgliedes au. Sein Tod hat allgemeine Trauer nnd Teilnahme geweckt: sein Andenken wird aber dauernd in den Herzen derer erhalten bleiben, die ihm vieles zu verdanken hatten. Der Verstorbene gehörte u. a. auch der konservative» Fraktion des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden an. Göttiuge«. (50 Jahre Israelitischer Frauenverein.) Der hiesige Israelitische Frauenverein beging kürzlich die Feier seines fünfzigjährigen Bestehens durch einen FestgotteSdienst, der in der geschmückten Synagoge Wir konnten uns aber nicht einigen. So wurde vorerst nichts ans diesem Geschäft, und ich ging nach Hause. Wir überlegten uns die Sache, ob dabei überhaupt etwas zu verdienen wäre. Wir mußten sie mit 18 Prozent bekommen. damit nach Finnland reisen, sie dort gegen Obligationen Umtauschen, die gegen Rcichsgeld 25 Prozent verlieren und 15 Prozent gegen Fahnehjelmer. Wir hatten schon beabsichtigt, nach Leipzig zn fahren, und so blieben wir bei dem Vorsatz, weniger als 18 Prozent könnten wir nicht nehmen, wenn wir nur etwas dabei verdienen wollten vugerechnet der Strapazen einer Winterreise nach Finnland. Nach einigen Tagen schickte Graf Munk wieder *n mir und bot mir 16 Prozent, aus meine Weigerung hin 17 Prozent. „Ich kann das nicht auf mich nehmen." sagte ich dem Grafen. „Sie wissen, mein Schwiegersohn ist mein Teilhaber. und ich muß Ihr Angebot nochmals mit ihm besprechen. Ich werde Ihnen bald Bescheid geben." Ich girrg nach Hause und besprach die Angelegenheit mit meinem Schnnegersohn. Wir kannten den Grafen als lehr geizig. Wahrscheinlich -vermochte er in der ganzen Stadt die Fahnehjelmer nicht besser nuterzubringen, und das eine Prozent machte bei üretßigtausend Reichstaler ohnehin nur dreihundert Reichstaler aus. Wir schickten also durch einen Bedienten ein versiegeltes Billett, daß wir nicht unter 18 Prozent die Scheine nehmen könnten. Der Handel dauerte wobl an die 14 Tage. Endlich einigten wir uns. und er bestellte uns zum Abend. ,^)ch habe mit Euch gestern zusammen dreißigtausend Reichstaler abgeschlossen," sagte er. „Aber ich habe beim Kaufmann Ekholm bereits dreitausend Taler zu 17 Prozent Verlust gewechselt." Er zeigte uns einen Wechsel auf einen Monat Kredit. Ich sagte, es wäre mir egal gewesen, auch wenn er noch mehr eingewechselt hätte. Es waren lauter Zweitalerscheine. die der Graf unS gaS. Wir mußte» UNS alle Taschen vollstopsen und noch ei« Schnupftuch voll unter den Pelz nehmen. Er verbot uns dabei nochmals, etwas davon zu sagen, daß wir die Scheine von ihm eingewechselt hätten. Ich beschloß nun, nach Abo zu fahren. Ich nahm auch einen meiner Angestellten mit. ferner 500 Dukaten, denn in Fiarnland bekommt man einige Schillinge mehr dafür als hier. Mein Kommis nahm auch für einige tausend Taler Schmucksachen mit. Dir reisten also nach Abo. Ich hatte dort einige Bekannte, eineu Goldschmied, der immer Dukaten von mir bekam, auch