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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-03-18 · 11 (18.3.1927) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
11 (18.3.1927)
Date
1927-03-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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unseren amerikanischen Ghettis sofort wieder vorsinöen. und das ist es. was ihnen die neue Heimat so traut und heimisch macht und sie die Versetzung in einen anderen Erdteil kaum fühlbar werden läßt. Die Schaffung oder besser die Bei« behin'nig dieser *ur Lebensnotwendigkeit gewordenen jüdischen Atemluft ist die oberste Obliegenheit, die es zu erfüllen iiilt. wenn das Werk gelingen soll. Wären jüdische Siedclirn-gen groben Stils vor Jahrzehnten vorhanden, wären die Massenanhänfungen in den Großstädten vermieden worden, die emigrantenfeindliche Richtung hätte solche Stärke nicht gewinnen können. Bor 100 Jahren schon wollte Mordachai Noa, ein weit- M'n'rilaiiischer Bürger, einen jüdischen Staat aus den weiten Flirren seines HeimatboLens errichten. Er hatte einen staatsmännischen Blick und erkannte die damals und auch heute noch zeitgemäßen Erfordernisse mit scharfem und stcherem Instinkt. Sicher wollte Mordachai Noa keinen jüdischen Staat im staatsrechtlichen Sinne — mit fest umgrenzten Hoheitsrechten. obwohl die unbevölkerten Territorien noch unbegrenzte Möglichkeiten boten und geradezu zu solch einem Evperimcnt reizten und einlnden. Sein Plan ging offenbar dahin, unter dem Schutze des Sternenbanners geschlossene. zusammenhängende und entwicklungsfähige Kolonien anzulegen. in denen große Judenmasien Raum. Freiheit, Sicherheit und Nahrung finden konnten. Dieser große, gesunde und in die Zukunft weisende Gedanke ist mit dem klugen Mordachai Noa ins Grab gesunken und lange Zeit verschüttet und unverstanden geblieben, bis er durch die blutigen Pogrome, die in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eine neue Judenpolitik in Rußland einleiteten, in verschiedenen Köpfen eine Wiederauferstehung feierte. Baron Hirsch wurde von dieser Idee mächtig ergriffen und auch der Zionismus verdankt ihr letzten Endes seine Entstehung. wenn auch zugegeben werden kann, daß noch andere verwandte Unterströmungen ihm ihre Gewässer zuführten. Jedenfalls wird die Wiederbelebung des jüdischen Volkstums und der jüdischen Volksseele von den Zionisten von der Zurückführung einewesentlichen Volkskerns zum ländlichen Boden abhängig gemacht. Ein einziger Zufluchtsort genügt für die weite Erde und die weitgediehene Zerstreuung nicht. Landwirtschaftliche Grundlagen und Stützpunkte müssen in Kanada, in Brasilien, in Argentinien, vor allem, wenn cs noch nicht zn spät ist. in den Vereinigten Staaten —, in Nordamerika und Südamerika errichtet werden. Wie in allen anderen Bevölkerungsschichten muß ein gesunder Austausch der Bolkskräfte zwischen Stadt und Land ermöglicht werden. Wenn große Siedelungen von indischen Händen geschaffen und ausgebaut und mit jüdischem Schweiß gedüngt sind, wird auch der indische Geist nicht fehlen, der sie trägt und ihnen die Gewähr für die Zukunft gibt. Soweit es sich um die Vereinigten Staaten handelt, soll hier der Verpflanzung weiterer Massen dorthin nicht das Wort geredet werden, die ka nach dem jetzigen Stande der Einwanderungsgesetze auch nicht in Frage kommen kann. Die Aufgabe, die hiernach der amerikanischen Judenheit in nächster Zeit gestellt wird, ist die Ausschließung und Lüftung der großen Ghetti und Ueberfübrung ihrer Insassen in lustdnrchtränkte Gebiete und in andere, mit der Landwirtschaft Hand in Hand gehende Berm>, Die Organisation -es jüdischen Religionsunterrichts. Bon Rabbiner Dr. Kahlberg, Halle. Der allgemeine Rabbinerverbaud in Deutschland hat einen Normal-Lehrplan für den Religionsunterricht an den höheren Schulen herausgegeben, in dem erfreulicherweise auch dem Unterricht im Hebräischen ein breiter Raum gewährt ist. Ist eK doch jetzt gestattet, an diesen Schulen nicht nur systematische Religionslehre und jüdische Geschichte zu lehren, sondern auch das Hebräische gilt im Gegensatz zu früher nicht mehr als eine fremde Sprache, wie etwa Griechisch oder Französisch, so daß der Unterricht in diesem Fach nur unter ganz anderen Voraussetzungen und in ganz anderer Art an humanistischen Gymnasien gestattet war. Jetzt betrachtet man vielmehr auch von seiten der Schule her das Hebräische lediglich so. wie wir es lehren wollen, als unsere Gcbetssprache. Es ist sehr leicht, dieses Prinzip auch auf die Volks¬ und Mittelschulen auszudehnen, auch in diesen Anstalten Hebräisch mitzulehren. Damit wäre dann die sogenannte Neligionsschule vollkommen überflüssig geworden. Daß dies nicht empfehlenswert ist. möchte ich aus einer 17jährigen Praxis heraus erklären. Ich habe im Jahre 1901 mit Genehmigung des Provinzialschulkollegiums an allen höheren, mittteren und Volksschulen den Religionsunterricht eingeiührt. den die Stadt bezahlt, mit der ausdrücklichen Genehmigung, auch Hebräisch in allen Kreisen zu lehren. Natürlich werden die gleichen Jahrgänge aus verschiedenen aleichartigen Schulen im Unterricht zusaminengesatzt. Eine Religionsschule im eig-entlichen Sinne gibt es bei uns nicht mehr, wenngleich es natürlich wegen der eben genannten Zusammenfassung der Schüler auch nicht möglich ist, unseren Religionsunterricht zu der Zeit des christlichen zu erteilen. oJtM NMrLnfi C Aber außer diesem Umstand, der also in einem wesentlichen Punkte gegenüber der Neligionsschule nichts bessert, gibt es noch andere Momente, die die Aufhebung der Neligionsschule nicht ratsam erscheinen lassen. Zunächst sind es die sozialen Unterschiede in unserer Gemeinschaft, die zweifellos dadurch nicht gemildert werden, da.ß nach der Schulart — und das bedeutet heute doch immerhin noch nach dem Besitz der Eltern — die Kinder im zartesten Alter differenziert werden. Wenn auch die Vorschulen offiziell aufgehoben sind, so gibt es doch noch eine große Anzahl Privatschulen, die diese Differenzierung ' besonders stark hervortreten lassen Aber selbst wenn alle jüdischen Kinder die Einheitsschule besuchen würden, so würde von der Sexta ab der Unterschied vielleicht noch schärfer ins Auge fallen. Daß unsere Gemeinschaft mit ihrer geringen Anzahl sich diesen Luxus der Vertiefung sozialer Gegensätze nicht leisten kann, bedarf wohl keiner besonderen Ausführung. Gerade weil man zugehen muß. daß der Kastengeist gegenüber der früheren Zeit in unseren Reihen mehr und mehr geschwunden ist. mutz man daraus Hinweisen, wie sehr er gefördert würde, wenn man nicht einheitlich alle gleichaltrigen Kinder im religiösen Unterricht znsammenfassen würde. Dafür nur ein Beispiel: Es ist in früheren Jahren die Konfirmationsfeier für Mgdchen zweimal daran gescheitert, daß wohl der Konfirmandenunterricht gemeinsam erteilt wurde, im übrigen aber die Mädchen als Schülerinnen von Lyzeen und Mittelschulen getrennt Religionsunterricht erhalten hatten und sich die einen mit den anderen nicht zusammen einsegnen lassen wollten. In den letzten Jahren. seitdenVKrieg und Revolution das soziale Verständnis gesteigert haben, ist das allerdings nickt mehr der Fall gewesen. Vor allen Dingen spricht aber gegen die Aufhebung der Religionöschule die Tatsache, daß man an die Klasseneinteilung der Schulen zu stark gebunden ist. Es kommt vor. daß ein Kind in religiösen Fächern versagt, während es bei seiner Schule Hervorragendes leistet: es wird also versetzt werden und im Religionsunterricht immer einen Hemmschuh bilden. Umgekehrt können Kinder aus jüdisch stark interessierten Häusern oft in der Schule geringe Leistungen aufweisen. während sie dem Lehrstoff der Klasse, in der sie in der jüdischen Religion unterwiesen werden, um mehrere Jahre voraus sind. Ferner kann eine Religionsschnle einen Elternbeirat wählen, Elternabende einrichtcn. öffentliche Schulprüfungen abhalten und dadurch das Interesse des Hauses an dem Religionsunterricht, nach dem wir Lehrer uns doch am stärksten sehnen, fördern. Auch der Liturgie kann man sich in einer eigenen Religion Sschule natürlich viel wirksamer widmen, als im Unterricht an einer fremden Lehranstalt. Man ist überhaupt in der Lage, mehr Stunden zu geben — und seien es nur freiwillige — als an der Schuk offiziell zugelassen sind. Endlich hatte die Religionsschule den Vorzug, daß man in den so verschieden gearteten Fächern des Religionsunterrichts einzelne Zensuren geben konnte, während jetzt von jedem Schüler eine Gesamtnote für das Schulzeugnis eingerichtet wird. In die Zeugnisie der Neligionsschule könnten dagegen auch Versäumnisse und Verspätungen besser registriert und dadurch diese Mängel abgestellt werden,' dies von der betreffenden Schule aus zu bewirken, zu der die Einrichtung des Unterrichts ohne, weiteres berechtigt, wäre eine zu schroffe Maßnahme. Daß man auf der anderen Seite die Errungenschaften unseres Strebens nach Gleichberechtigung, die die An- . gliSderung des jüdischen Religionsunterrichts an den allgemeinen Schulplan bedeuter. nicht preiögeben darf, ist wohl selbstverständlich. Gerade das zuletzt Gesagte rückt. diesen Vorzug ins hellste Licht: kann man doch in besonders, schweren Fällen die Autorität der Schule anrufen und böswillige Versäumnisse des Religionsunterrichts genau so bestrafen, wie eS der Lehrer in einem anderen Jach tun würde. Den Kindern wird schließlich auch die Bedeutung ihrer eigenen Religion besonders klar, wenn sie auch in Religion, wie die christlichen Mitschüler, eine Zensur bekommen. die sehr wohl gewertet wird. Kommt es doch heute nicht mehr vor. daß die Zensur in jüdischer Religwn eingeklammert wird, daß sie wie früher, in dem Abiturientenzeugnis jüdischer Schüler stets durch einen Strich ersetzt wurde. Jetzt kann man sogar in jüdischer Religion beim Abschlußcxamen geprüft werden. Daraus ergibt sich dann die Notwendigkeit, die Nachteile beider Systeme vermeidend, nach einer Art zu unterrichten, die nur die Vorzüge zur Geltung kommen läßt. Die Religionsschule sei offiziell aufgehoben und bestehe inoffiziell weiter fort. Sie besteht nicht den einzelnen Schulen gegenüber, jedes Kind erhält eine Gesamtzensur, die an die betreffende Schule geschickt und ins Zeugnis eingetragen wird. Außerdem aber wird jedem Kinde noch ein Zeugnis des jüdischen Religionsunterrichts zwei- oder dreimal im Jahre ausgestellt, in dem die einzelnen Fächer zensiert werden. Gemeinsam unterrichtet werden aber nun nicht mehr die Schüler derselben Klassen von verschiedenen, höheren, mittleren oder Volksschulen, sondern zunächst alle Knaben und alle Mädchen des gleichen Alters. Nach den Leistungen werden am Schlüsse des Schuljahres, unabhängig von dem Aufstieg in eine höhere Klane der Schule, auch im Religionsunterricht die Kinder versetzt oder sie bleiben zur Wiederholung des Pensums ein Jabr zurück. Ebenso kann man Kinder, deren Leistungen die ihrer Al^rsgenosien weit übertreten. auch im Religionsunterricht eine Klasse überspringen lassen. In den jüngeren Jahrgängen kann man Knaben und Mädchen zusammen unterrichten. Bei einer geringen Anzahl müssen natürlich zwei bis höchstens drei Jahrgänge zusammengefaßt werden. In der Klasse, wo das Durchschnittsalter 15 Jahre beträgt, muß ein gewisser Abschluß des Pensums gegeben werben, ein zweiter erfnlat etwa mit der Reife für Obersekunda. Die wenigen Schüler der höheren Klassen erhalten eine Art Fortbildungsunterricht. In allen Klassen werden genaue Schullisten über Schulbesuch. Führung. Fleiß. Ordnung und Leistungen geführt. Jugendgottesdienst. Schulfeste, Ausflüge und Elternabende stellen ein festes Band zwischen Elternhaus und Religionsunterricht her. Führt der liberalen Vereinigung neue Mitglieder zu! SflieniariKra fftr Me Seit Mm 19.3. i. 26.3.192T März 1927 Adar II Sonnabend 19! 15. Sonntag i 20 16. Montag 21 17. Dienstag 18. Mittwoch 23 19. Donnerstag 24 20. Freitag 25 21. Sonnabend 26 Wochenabschuttt: Zaw Schuschan Purim Haftarah: Jeremia 7,21—34; 8,1—3; 9,22—23 Sabbat-Ausgang: 6,57 Uhr Schemini % Parat) Haftarah: Ezechiel 36,16—48 Sabbat-Ausgang: 7,09 Uhr. ros Fne-Brtss-Er fiolnngslÄA Ataelendorf •tbei genügender Beeiligung von Freitag ' ''n 15. ApriJ bis ' onntEg den 2 1. April 6« öflve I er volle. Pensionspreis ■ tstring rit*ißllerVer> i üegnng beträgt für M.90.—. Anmeldungen ■•.ml Anfragen sind zu Herbert Krtracb Hirpdiberg i. Sdil. '•tonsdoifer Str. Ii2 Das Kuratorium ' Lieb.rt, I.ycdsbcrg (Warthe) Abitur. Obersekunda Vormittag-Abendsdiule. Private Vorocrcitungsanstalt, Direktor Danriger, Berlin, Alte lakobstraße 124. fereiifflrFeierbeslaM in BeiUi nt 1874 e. (. Annahme Anhaltstraße 8 Telefon Hasenheide 3921 u Chnrlottcnburg, Kantstr&Be 154a, Bebe Fasanen- Straße Telefon Steiaplatz lS3ö HeltlM jüdischer Fronfsoldalen Ortsgruppe Breslau ‘ oanerstarf, den 74. MÄrr, abends 5 Uhr ftn groben Saal der Lesstil J-Loge 6roße Kundgebung Redner u. a.: Kamerad Domdnendirektor Dyk Thema: iJor deutsche Indo anf üsr doatschoiiSclioüe! ’A/ir.erwarten an diesem Tage einen Massenbesuch unserer Cememde;niig!ieder. Eintritt frei. cckxx>o<><><>c><xx>ooooc<>oo<>oo<>o^oc><>o ■; Malerarbeiten jeder flrt o führt aus i Robert Guthelm o Herlm WS0, Culmbacher Straße 7 •> LÜtzow 6260 0 — Kostenanschläge gratis. - .'OOO-OOCOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO für Hochschule die Wissenschaft des Judentums Berlin, Artilleriestraße t4 Beginn des Sommer-Semesters: Donnerstag den 28. April 1927 Wer inseriert, vergröbert seinen Umsatz! Ifld/liberale'' " Franhiurt a. M. Kostümfest Sonnabend, den 26. Mürz Luftfahrt mit dem Iliesenluflschiff „l L1“ (Indien—Long Island—Italien) um die Erde. Die -Vorbereitungen zu vorstehendem Fest sind in vollem Gange. 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Druck; -e-rtna ft Reivtsr», verNnLS, RiUerstr, 7». 4453

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