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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-03-11 · 10 (11.3.1927) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
10 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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tut Meer und im Gebirge geschaffen, fanden Tausende von schwachen und unterernährten hindern Erholung. In ein besonderes Kapitel gehört Hermann Abraham- Wirken auf dem speziellen Gebiete des jüdischen WohlfahrtSwesenS. Er ist Vorsitzender deS jüdischen Altersheim» in der Gormannstraße. in welchem etwa 100 Greife und Greisinnen untergebracht sind und dem auch eine Volksspeisung angegltedert ist. Er ist auch Vorsitzender des jüdlschen Johanna-(Ktnder-)Hetmv in der Elsässer Straße. Verli«. (Mitgliederversammlung der Zen - tralrvohlsahrtS stelle.) Die Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Luden hat in diesen Tagen an die ihr anaeschlosienen Gemeinden. Organisationen und Vereine die Einladung zu ihrer Mitgliederversammlung versandt, die am Sonntag, den S. April, nachmittags 8 Uhr. im Revräsen. tautensttzungssaal der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Oranienburger Dir. 30, stattfinden wird. HauptverhanblungSaegenstand ist die neue Satzung, rvelche gemäß dem Befchtutz der letzten Düffelborfer Tagung der Mitglieder- Versammlung in neuer Fassung vorgelegt wirb. Die neue Satzung soll der weiteren Festigung der oraauisatorischen Grundlagen der ZentralwohlsahrtSstelle als der vom Reich anerkonnten Spttzenorgantsatton der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland bienen. Sodann soll durch die Satzung vor allem auch der Zusammenhang zwischen der Zentral. «ohlsahrtSstelle und allen übrigen an der jüdischen Wohlfahrtspflege beteiligten Organisationen im ganzen Reiche verstärkt und vertieft werden. Auf Gnind der Satzung wird ferner eine Neu-Konstttuierung des Vorstandes stattfinden. Berlin. (Jubiläen.) Am 8. März vollendete der Berliner Architekt Baurat Alexander Barrwald sein 60. Lebensjahr. Daurat Baerwald, der den Jntrresien der jüdischen Gemeinde stets regstes Interesse entgegenbrachte und an ihren Ausgaben mitarbeitete, feierte den Tag fern der Heimat in Palästina, wo er seit Jahren umfangreiche Aufgaben durchführt. Dr. JSmar Freund beging am 1. März bas 36 jährige AmtSjubiläum. In der Gemeindeverwaltung hat er zuerst das Echuldzernat verwaltet. DaS Gemeindeblatt verdankt feiner Initiative die Entstehung. Besonders eifrig hat sich Dr. Freund um das Zustandekommen einer Gesamtorganifation der deutschen Juden bemüht und um den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, besten Geschäfte er bt» zum letzten BerbanbStag führt«. Als Wissenschaftler hat er sich vornehmlich auf dem Gebiete des StaatSktrchenrechts der Juden betätigt. Berlin. (Mitgliederversammlung derORT- Gesellschaft.) Am DienStag, den 1. März b. I., fand in Berlin unter Vorsitz von Herrn Bankier Graetz die Mitgliederversammlung der „ORT"-Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden, ASt. Deutschland, statt. In seinem Bericht über die Tätigkeit der „ORT"-Gesellschaft in Deutschland während des letzten Halbjahres betonte der Generalsekretär der Gesellschaft. Dr. Michael Traub, die Notwendigkeit. — angesichts der zahlreichen Sympathien, welcher die Gesellschaft sich in weiten Schichten der jüdischen Bevölkerung erfreut, — die Werbe- und Finanzaktion zugunsten des „ORT" und seines Wiederaufbaufonds während der kommenden Monate intensiver zu gestalten. Der wettere Ausbau dieses Aktionsprogramms erfordert die tätige Mitarbeit sämtlicher Mitglieder und Freunde der Gesellschaft. — In der darauffolgenden Diskussion, an der sich die Herren Dr. Bramson, Fetnleib, Dr. Gergel, Graetz, Hochgelerter, Sch. Rudel, Dr. Senator. Dr. Singalowsky, Dr. Traub und Frau Dr. Escheldacher beteiligten, wurde die Tätigkeit der Gesellschaft während der vergangenen Monate und ihr Arbeit-Programm eingehend besprochen. Berlin. (Hochschule sür die Wissenschaft des n8brr.de »turn S.) Die Hochschule sür die Wissenschaft des Judentums veröffentlicht das Vorlesungsverzeichnis für das nM 28. April beginnende Sommersemester. Das Vorlesungsverzeichnis kann von dem Bureau der Hochschule, Berlin N 24, Artilleriestr. 14, bezogen werden (vgl. Inserat). Bünde. (Todesfall.) Die hiesige Gemeinde beklagt den Heimgang ihrcS langjährigen Vorstehers Moritz Ries, der im 83. Lebensjahre das Zeitliche segnete. Mehr als ein halbes Jahrhundert hat der Verstorbene die Gemeindeintevessen mit unermüdlicher Hingabe und seltener Treue gewahrt. Seiner Initiative ist die Anlage des Friedhofes und der Ban des Gemeindehauses mit Schullokal und Lehrerwohnung zu verdanken. Fraukfnrt a. M. (Der geplante Synagogenanfchlag.) In Pösneck hat das Amtsgericht die Verhaftung eines Tischlers namens Römstedt angeordnet, der im Verdachte steht, einen Anschlag gegen die Synagoge in Frankfurt a. M. gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Nationalsozialistischen Partei geplant zu haben. Römstedt und seine Leute Lachten sich die Ausführung so. daß in der Nähe der Synagoge eine Räumlichkeit unter falscher Firma ««mietet werde, um von dort aus etnen Minengang zu «gen. Der Anschlag sollte an einem hohen jüdischen Feiertag erfolgen. Freidnrg. W. Gtzburtstua.) Wir «ntnehme» der ... m» Herr OLerletzer tu D. Adolf Weu ln Fresibnrg 1. V.. erreichte am 2. März d. I. in körperlicher und geistiger Rüstig, keit sei« tzv. väßp»»i<chr. Uester ein hatte» SÜrhmiderl bewährte sich der Jubilar, zuerst einige Jahre als ÄeliaionS» lehrer und Kondor, um dann an der badische» Volksschule 44 Jahre laue al- Lehrer zu wirke«. Die letzten 80 Jahr« seiner dienstliche» Tätigkeit verbrachte er als Hauptlehrer an der Volksschule in der Gemeind« Etchstette» am Kaiserstuhl, dt« letzten 13 Jahre in der Eigenschaft als Ober« lehrer. Im 40. Jahre seiner Lehrtätigkeit wurde Herr Well in Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste mit dem goldenen Verdienstkreuz des Zähringer LVwenvrbenS ausgezeichnet, nachdem er vorher schon mit verschiedenen Ehrenzeichen auS dem Feldzüge 1870/71. den er bei dem 8. Bad. Jnf.-Regt. Nr. 111 mttmachte. geschmückt war, so daß wir in dem Jubilar auch etnen alten Kriegsoetera« begrüßen können. Seit dem Jahre ISIS lebt er im wohlverdiente» Ruhestand« in der schönen Stabt Frei bürg,' doch betätigt er sich heute noch privat aus dem Gebiete de- Schulwesen» und nicht minder eifrig als Mitglied und Vertrauensmann mehrerer hadtscher WohltättgkeitSvereine. Möge es de« hochbetagten Jubilar vergönnt fein, noch «ine Reih« von Jahren in gleicher Geistes- und Körperfrische sich seiner beruflichen Verdienste und seines Alters freuen zu dürfen! Göttinger». (Fünfzig Jahre Israelitischer Frauenveretn). Eine weihevoll« Feier in der Synagoge vereinte die Gemeinde am Bormittag deS 27. Februar, anläßlich des 60j4hrigen Bestehens des FrauenvereinS. Manches Auge feuchtete sich bei dem rührenden Anblick der sechs greisen Damen der letzten noch in Götttngen lebenden Gründerinnen der „Frauen-Chewra, die in feierlichem Zuge, vom Rabbiner und Vorstand der Gemeinde geführt und zu ihren Ehrenplätzen in der ersten Reihe gekettet wurden. Der 1. Vorsteher der Gemeinde, Herr Jakob, konnte in seiner Festansprache mit seinem Dank und herzlichen Glückwunsch die freudige Mitteilung verbinden, daß es gelungen sei, durch eine Stiftung zur Ausstattung bedüMger Bräute in Höhe von 1500 Mark dem 27. Februar 1827 ein dauerndes Gedächtnis zu verbürgen. Rabbiner Dr. Auerbach stellte in seiner gedankenreichen Rede die Liebe zu Gott und seinen Geschöpfen als das einzig allen «guten Werken" Wert und Sinn gebende Moment hin. Musikalische Darbietungen auf sehr beachtlicher Höhe umrahmten Predigt. Rede und Gebet. Für den Abend hatte der Frauenveretn seine Getreuen zu einem Fest mit ungemein reichhaltigem und vielversprechendem Programm in die „Union" eingeladen. Den tiefempfundenen klug gewählten Begrüßungsworten der Vorsitzenden, Frau Selma Katz, folgten eine Reibe unterhaltender Darbietungen. Tanz. Tombola und Kaffeetafel. Zahlreiche Glückwunschtelegramme, auch vom Jüdischen Frauenbund. Frau Henriette May. waren eingetroffen. Die Wünsche des Provinzialverbandes der israelitischen Frauenvereine Hannovers ergänzte dessen Abgeordnete. Frau Hanna Cvün-Dorn. durch eine kurze Ansprache. Hannover. (Todesfall.) Die Beisetzung des Senators a. D. Justizrat Dr. Siegmund Meyer, Sohn des ehemaligen LandrabbinerS von Hannover, fand am 8. März unter grober Anteilnahme auf dem israelitischen Friedhof an der Strangriede statt. Unter anderen waren Stadtdirektor a. D. Dr. Tramm, MagistratSoberbaurat de Jonge, Senator Otte und Prorektor Prof. Dr.-Jng. Betterletn erschienen. Mit warmen Worten gedachte LandraVbiner Dr. Freund der großen Verdienste, die sich der Verstorbene um seine Religionsgemeinschaft erworben habe. Er habe seine ganze Kraft in den Dienst des Vaterlandes und auch der engeren Heimat gestellt. Insbesondere habe er als Bürgervorsteher und später alS Senator der hannoverschen Stadtverwaltung auch in der schwersten Zeit mit Rat und Tat gedient. (Der Verstorbene war u. a. lange Jahre Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Handwerks unter den Juden. — Eines feister großen Verdienste ist die Erbauung der Stadthalle, vielleicht des imposantesten Bauwerkes. das Hannover aufzuweisen hat, deren Zustandekommen zum größten Teil seiner Initiative zu verdanken ist.) Karlsruhe. (A u s st e l l u n g für Friedhofkunst.) Der Oberrat der Israeliten hat der großen Ausstellung für Friedhofkunst seine Unterstützung zugesagt. Während der Ansstellung wird der Oberrat der Israeliten durch den Kustos der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt einen Vortrag über jüdische Grabmalkunst halten lassen. Königsberg. (Komplikationen imGemeinde- »vahlkämpf.) Wie mir in Nr. 9 unseres Blattes berichteten. waren für die auf sechs Jahre zu wählenden Repräsentanten drei Borschlagslisten eingereicht, eine Kompromißliste des Gemeindevereins, eine der religiösen Mittelpartei und eine der liberalen Bereinigung. Diese letzte Liste enthielt insofern einen Formfehler, als statt der durch das Wahlstatut vorgeschlagenen 14 Namen der Kandidaten nur 18 Nameu auSgefüllt waren. Da die Liste erst am letzte» Tage eingereicht war. so ließ sich eine Korrektur nicht wehr rechtzeitig vornehmen. Der amtliche Wahlausschuß hat deshalb die Liste der liberalen Bereinigung für ungültig erklärt. DaS würde also für die liberale Vereinigung eine» AnSsall ihrer Lift« bedeuten. Aus Gründen der Billigkeit haben jedoch die anderen Parteien erklärt, daß sie aus diesem Formfehler keine» Gewinn ziehen wollen. ES wird nun seitens der Parteien wie seitens deS Gemeindevorstanöes darüber beraten, ob und in welcher Weise es möglich ist. daß die Liberalen eine neue Liste einreichen können. LandSberg. (Jubiläum.) Auf eine ununterbrochen« Söjäbrige segensreiche Tätigkeit in der BeerdtgungS-Kom» mtffto» konnte am 1. März Herr Moritz Ltppmann zuritckblicken. Zu Ehren des Jubilar» hatte der Vorstand der Gnnagoaen-Gemeinbe die Gemeinde-Vertreter, die Mitglieder der Beer-igungS-Kommifsion und die Beamten der Synagogen-Gemeinde zu einem Ftschabendeffen t» daS «Hotel zur Krone" eingeladen, an dem ferner als Gäste viele Freunde, die sich der allgemein beliebte Jubilar im Saufe der Jahre zu erwerben verstanden hat. tetlnahmen. Herr Gtadtrat Hugo Noack als Vorsteher der Synagogen- Gemeinde, Herr Bankier Reichmann, Vorsitzender der Repräsentanten, Herr Rabbiner Dr. Elsaß und Herr Fobrikdirektor Rudolf Hahn, würdigten durch tiefempfundene Worte die vorbildliche Tätigkeit des Jubilars, dem Herr Stadtrat Hugo Noack im Auftrag der Synagogen-Gemeinde ei» Geschenk überreichte. Als langjähriger Vorsitzender der Repräsentanten-Dersammlung und als Rendanr der Gemeinde, gerade in der schwierigsten Zeit, hat Herr Lippmann viel sür die Gemeinde getan. Möge er noch recht lange Jahre seine segensreiche Tätigkeit in körperlicher Frische und geistiger Rüstigkeit weiter ausüben. Maadevnra. (Todesfall.) Bei einem Autounfall verunglückte tödlich das Vorstandsmitglied der Magdeburger Ortsgruppe der Bereinigung für oas liberale Judentum, Herr Willi Basch. Der Vorstand der Ortsgruppe widmet dem Verstorbenen einen Nachruf, in dem es heißt: „Seit Gründung unserer Ortsgruppe gehörte er dem Vorstände derselben an. stets eifrig daraus bedacht, dem großen Ganzen zu dienen. AuS innerster Ueberzeugung stand er unseren Bestrebungen nahe und war immer alS einer Ser ersten auf dem Posten. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen etnen unserer Besten. So wird sein Name in unseren Kreisen fortleben,- dankbaren Herzens stehen wir tiesbetrübt an feiner Bahre." Gesieneichische Wahlpräluöien. Die Ausschreibung der Neuwahlen in den österreichischen Natronalrat und den Wiener Gemeinderat hat auch im reichsdeutschen Blätterwald ein lebhaftes Echo gefunden. Kenner der österreichischen Verhältnisse büomrnen da manchmal sehr kurioses Zeug zu lesen. Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt schwankt das Charakterbild -er politischenMachtfaktoren von rechts und links in der Tagesgeschichte, die von den gesinnungsverwandten Zeitungen diesseits uwö jenseits der österreich-deutschen Grenzen verschleißt wird. Das Allergroteskeste zu dem Thema habe ich aber in einem jüdischen Blatte gefunden, das sich sonst sein Urteil nicht von Parteileidenschast trüben läßt, diesmal aber einen sehr einseitig orientierten Wiener Mitarbeiter gewaltig aufgeseffen ist. Das „Israelitische Familienblatt" veröffentlicht an leitender Stelle seiner Nummer 9 einen „Wiener Brief" von Regierungsrat I. Kreppe!, der nicht nur von sachlichen Unrichtigkeiten strvtzt, sondern auch Theorien entwickelt, denen wegen ihrer Gefährlichkeit für die gegenwärtig in allen Staaten Europas schwer um ihre staatsbürgerliche Gleichberechtigung kämpfende Judenheit aufs energischste entgsgengetreten ivetden'mütz. .' Bermutlich hat sich das sonst sehr kritische Blatt von dem hohen Titel des Einsenders blenden lassen. Ich will daher zunächst einmal eine Geschichte erzählen, wie mau in der österreich-ungarischen Monarchie seligen Angedenkens Regierungsrat werden konnte. Herr Kreppel wurde von einem politischen Ereignis in die Höhe getragen, das andere Juden vorzeitig in die Tiefe — des Grabes geschleudert hat. Er erwarb sich nämlich seine Auszeichnung als Wahlmacher des Polenklubs bei jener blutigen Vorkriegsmahl in Drohobycz, in deren Verlauf auf die jüdischen Gegner des Polenklubs eine militärische Salve abgefeuert wurde. . . . Wenn sich ein solcher Mann jetzt als Leitartikler über die Stellung der Juden bei österreichischen Wahlen etabliert, sind seine Darlegungen nur mit größter Vorsicht zu genießen, und es ist dem „Israelitischen Familienblatt" nicht gut bekommen, Latz es die gebotene Vorsicht außer Acht gelassen hat. Wer ohne Kenntnis der wirklichen Sachlage den Artikel deS Herrn Kreppe! unbefangen auf sich einwirken läßt, muß zu der Ansicht kommen, daß im jetzt aufgelösten Nationalrat nicht ein einziger jüdischer Abgeordneter Aron Isak. Eine Lebensgeschichte. Bearbeitet von Dr. B. Schidlof. (12. Fortsetzung.) DaS war Anfang Winter. Im Frühling ging der König tznr großen Flotte, blieb drei Monate weg und mußte bei einer großen Seeschlacht sich zuvückziehen. Die ganze Flotte «ing wieder nach Svensksund. Der Prinz von Nassau kam ihnen nach. General Klingsporn ließ mich wieder rufen. „Die ganze Flotte hat während des Sommers kein frisches Fleisch bekommen" sagte er. ,)Sie müssen nun frisches Fleisch besorgen, sonst bekommen die Leute den Skorbut. Liefern Sie also einen Monat lang." Mein früherer Vertrag lautete aus 40 Schilling das LiLpfund: nun bot er mir einen Reichstaler, denn ich mutzte das Vieh von Oesterbollen, siebzig Meilen Weges, herhvlen. Ich sollte alle sechs Tage achtzehnhundert Lispsund liefern. Ich sagte dem General, einen Vertrag könne ich nicht machen, da ich nicht wüßte, ob ich ihn einhalten könnte, besonders, da ich schon in drei Wochen mit der Lieferung beginnen sollte: aber ich würde mein möglichstes tun. Das Fleisch sollte eine Meile vor Svensksund geliefert werden. Ich beauftragte sofort Leute, ein Schlachthaus zu bauen. Ich bekam einen Kurierpatz, zwei Kurierposte» und fuhr mit einem von meinen Leuten und einem Knecht, daß wir in drei Tagen und Nächten in Wasa waren. Dort trat ich meine Leute an. die bereits hundert Stück Vieh ausgüaust und die Treiber bestellt hatten. Ich hatte Briese an den Landshösding Tandeseldt mitbekommen, er sollte mir behilflich sein und mir Beamte mitgeben, die den Bauern erklären sollten, daß sie mir Vieh «blaffen müßten, denn cs sei für die Armee. Ich hatte «fünfzehnlausend Reichstaler Bargeld bei mir, gab es meineic Leuten, sie hatten in einigen Tagen noch hundert Stück aufgekauft und machten einen neuen Transport. Die vorigen zweihundert waren schon wog. und ick reiste ab. Unterwegs traf ich mein« Treiber mit dem Vieh schon ans halbem Wege, und ich blieb nun selbst dabei, damit «sie nicht zu langsam gehen sollten. Ich war bereits einige Tage früher, als ich versprochen hatte, au Ort und Stelle. Ich ging zum General und sagte, ich hätte schon üreGuudert Msück-Ar^ hier. Er erzählte mir, wir bekämen Frieden. Ich könne gleich achtzehnhundert Lispsund abschlachten, dann würde ich weitere Order bekommen. Es war eine Schlacht mit dem Prinzen von Naffau geschlagen worden. Die ganze russische Flotte hatte eine Niederlage erlitten, 600 Offiziere und 6000 Mann Gefangene verloren. Ich lieferte die achtzehnhundert Lispsund Fleisch ab und bekam dann Befehl, ich solle nach Svensksund zum General Klingsporn kommen. Er befand sich auf des Königs Schiff „Amphion". Da war auch die ganze Generalität. Der General sagte mir. er könne noch nicht genau angeben, wie es gehe. Friede mit den Ruffen sei bereits geschloffen und unterschrieben. Ich solle noch Bescherbekommen. Am selben Tage noch reiste er nach Borgs ab. Am anderen Tage bekam ich Befehl, binnen drei Tagen die russische Grenze zu räumen. Was bis dahin nicht weggeschafft sei, werde von den Ruffen konfisziert werden. Ich mutzte also zusehen. daß ich mein Vieh und alles, was noch La war, noch Lowisa schasste. Ich kam nach Lowisa, der General war nicht da. er war in Borg-. Ich reiste zu ihm hinüber und fragte ihn. wo ich nun abliefern sollte. Er sagte, die Flotte ginge jetzt nach vielen Orten auseinander. Ich erinnerte ihn daran, datz er doch fiir einen ganze» Monat bestellt habe. ,/Sie wollten doch mit dem KriegSkommiffartat keinen Vertrag machen." sagte er. „Da kann ich Ihnen eben nicht helfen. Sie können mit etwas Vieh nach Helsingfors hinübergehen. da liegen noch einige Schiffe. Auch hier im Lazarett und in Lowisa im Lazarett ist noch etwas Bedarf. Die Regimenter aber bekommen kein Fleisch mehr." Da half kein Beten und kein Sagen. Ich hatte viel Vieh und mutzte es an die Bürger und die Bauern verkaufen. Ich bekam nicht die Hälfte von dem, waö es mich gekostet hatte. Es war von dem weiten Marsch und weil es nicht genügen- Futter hatte, recht abgefallen. Venn ich eine Wiese für fünfzig ReichStaler gepachtet hatte, so war sie in zwei Tagen so kahl, als wäre niemals etwas darauf gewachsen gewesen. Ich hatte nun an bas KriegSkormniffariat eine Forderung von vierzigtausend Reichstalern. DaS Kommissariat lag in Borg», ich reiste bin und legte meine Rechnungen vor. Dabei waren neuntausend ReichStaler, die ich noch auS dem Jahre 1788 zu fordern hatte, daS war damals bauko, «vllwertises Geld. Das KriegSkommiffariat wollte mich aber mit Obligationen bezahlen, denn sie hatten einen königlichen Befehl, alle, die eine Forderung hätten. sowohl Offizierswie andere Forderungen, sollten alle Anweisungen auf Stockholm bekommen, wo sie Obligationen erhalten würden. Solche Obligationen verloren aber gegen Reichsgeld fünfundzwanzig Prozent. Reichsgeld gegen Banko verlor zehn Prozent. Ich wollte also solche Anweisungen nicht annehmen, lag zehn Wochen in Borgs. und machte immer Gegenschriften. Endlich sah ich ein. daß ich nichts ausrichte» konnte. Ich wurde an den König verwiesen, der allein könne mir meiner: Schaden vergütigen. Das Kriegskommiffariat müffe sich an die Kabinettsorder halten. Ich muhte also für meine Forderung die Anweisung annehmen und verlor dabei elftausend Taler. Ich hoffte, der König werde so g-nädlg sei» und mir den Verlust ersetzen. Ich reiste also nach Stockholm zurück. Drei ganze Jahre war ich in Finnland gewesen, und währendieser drei Jahre war ich nur ein einziges Mai zu Hause. Aber welch ein Unglück traf ich bei meiner Heimkehr! Meine einzige geliebte Tochter, die mir fo ans Hergewachsen war, auf die ich mich so fehr gefreut hatte. :var einige Tage vor meiner Rücttunft gestorben. Ich war trostlos. Nun hatte ich nur noch meine Schwiegertochter als Witwe im Haus, ein junges Geschöpf von achtzehn Jahren. Mein Schwiegersobrr war mit einem kleinen, fünfjährigen Mädelchen zurückgeblieben. Meine Tochter war 28 Jahre alt gewesen, als sie starb. Meine Schwregeriochter wollte nicht zu ihrem Vater, meinem Bruder Abraham, nach Hause. Ich sagte ihr, -atz sie nun schon Las dritte Jahr Witwe sei. Bei mir habe sie freie Wohnung und Beköstigung, aber für ihre Kleidung habe sie bereits 800 Taler verbraucht. Da» habe sie doch nicht nötig. Sie könne doch bei ihrem Vater sein, der für sie sorgen würde. Allein sie hatte eine Stiefmutter, und die war nicht sehr gut zu den Stiefkindern. „Lieber Onkel." sagte sie zu mir, „ehe jch nach Hause fahre, lieber Gürze ich mich ins Wasier." Jch hatte meines Bruders Kinder sicher so lieb wie meine eigenen. Und da ich keine Kinder mehr hatte, nur daS Enkelchen, so sagte ich: ,^Senn es -ir lieber ist. meine Tochter, so bleibe nur in Gottes Namen bei mir. Jch sehe aber keine Möglichkeit, wie du wieder -«rate«' kannist. .Hier.-fmdet-üch kein paffenLkr Mann für -ich."

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