Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 10 (11.3.1927)
- Date
- 1927-03-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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kann im Augenblick niemand sonst tun, muß die Arbeit lieb machen. DaS*Bewußtsein nom Wert der Einzelpersönlichkeit sei ein Eharaktcristikon für die indische Ethik. -Bier sei eine Verbindung von WirtschaftSethik und Judentum gegeben. Die Diskussion beschränkte sich ans einige praktische Punkte des Referats, da bei der vorgerückten Stunde keine Möglichkeit der tieferen Eingehung auf die Anregungen des Vortragenden gegeben war. Wer aber am Nachmittag Gast der Tagung war. wird den Eindruck gewonnen haben, daß inhaltlich Reiches geboten wurde. Mit einem Dank an die Delegierten schloß der Vorsitzende die Tagung. — Am Abend waren die Delegierten zu einem geselligen Beisammensein bei Ernst Heinrich Leligsohn geladen, wo man in gastlichem Hanse noch einige gute Stunden verbrachte. B. M. Aus -er Bewegung || Berlin. (Liber a l e r V e r e i n s ii »die A ngelege ritz e i t e n d e r j ü d i s ch e n G e m e i n d e z u B e r l i n E. V., (Neugründung der Bczirtsgruppe Neutölln). Am 23. März veranstaltete der liberale Verein fiir die Aiigelegenheitcu der jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. in den Bnrgeriälen zu Neukölln eine Versammlung. Nach einleitenden Begrüßuirgsmorten des Hanptvorstaudsmitgliedes, Herrn Karl Aronsohn, sang Herr Oberkantor S. Neustadt, begleitet von Frau Liki Goetz die Arie ans „Elias" von Mendelssohn und „Allmacht" von Schubert. Im Anschluß an diese künstlerischen Darbietungen hielt Herr Rabbiner Dr. Salvnwnski einen Vortrag über das Thema „DaS jüdische Kind". Ter Redner wies zunächst an sehr interessanten biblischen Beispielen nach, daß das Kind schon in ganz alter Veit bei uns Israeliten im Mittelpunkt des Familienlebens gestanden habe und ging dann zu der Feststellung über, daß in »unseren Tagen dem Kinde der Umwelt und leider auch der jüdischen Welt diese Bedeutung vielfach fehle. Aufwendungen und individuelle Leistungen für Kinder stoßen gerade in der Gegenwart, die von dem gewaltigen maschinellen Willen gepackt ist, auf Schmierigkeiten. Auf der einen Seite geht die Kindlichkeit zu früh verloren, auf der anderen beweisen die Eltern oft genug nicht das genügende Verständnis für ihre Nachkommen und die mit der Erziehung verbundene Pflicht. Die öfsentlichen, die privaten und die jüdischen Wohlsahrtsbestrebungen sind bei Anerkennung des besten Woltens nur ein unvollkommener Ersatz. Gerade jetzt, wo im jüdischen Kreis nur sehr wenige Kinder vorhanden sind, und wo der natürliche Reichtum der Familien aufgehört hat, muß jedes Geschöpf als ein ungeheuerer Wert betrachtet und von Vater und Mutter oder in einer Umgebung, die das Elternhaus voll ersetzt, erzogen und in den Fügendjahrcn mit dem ganzen Komplex des Lebend vertraut gemacht werden. Dazu gehört lebendige Religion, Teilnahme an den Freuden und Sorgen der Familie, tätige Mitarbeit, Begriffsentwicklung deS Lebens, damit der erwachsene Mensch diese unvergeßlichen Eindrücke zu Nutz und Frommen der ihm folgenden Generation mit Pflichtgefühl und treuer Liebe weiter entwickelt. DaS edelste Vorbild, ohne das kein Kind gedeihen kann, ist die Mutter, so wie wir sie in der Jüdin bis jetzt verehrt haben. Wenn solche Bemühungen wieder einsetzen, dann wird die Judenheit auch vor Auswüchsen einer Fugendbewegung behütet sein, die nur ihren Nährboden findet, weil das Haus versagt. Man widme also den Kindern viel Veit und entschuldige sich nicht damit, daß Kinder das Leben verteuern. Kinder sind weniger Brotesser als Brotbringer: das beweisen u. a. die Ostjuden, deren ungehemmter Äinder- .^nwachs unserer Gemeinschaft in Deutschland eine große -VWNung gibt. Man hüte sich vor der Verzärtelung der * “ Oersaninilungskalender I “1 Berlin. Liberaler Verein für die Augelegenheite« der Jüdischen Gemeinde zn Berlin E. V. Am Mittwoch, den 18. März, findet im „Hotel Kaiscrhos" lgelber Saals. Wilhelmplatz lUutergrundbahnstation Saiserhofs. ein Bortrag des Herrn Rechtsanwalt Stern über „Die Weltoereiuignng des liberalen Judentums und ihre Aufgaben" statt. Musikalische Darbietungen von Herrn Oberkantor MagnnS Davidsohn. Freie Aussprache. Gäste willkommen. Eintritt frei. Berliu-Rodden. Liberaler Verein für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. V. Bezirksgruppe Norden und Liberale Synagoge Norden veranstalten am Mittwoch, den 28. März, abends 8 Uhr. im „Hackefchen Hof". Rosenthaler Straße 40'4t, ihren Purim-Maskenball. Eintrittskarten » 1,50 M. find im Bureau des Liberalen Vereins. Berlin SW 18, Wilhclmstr. 117, zn haben; au der Abendkasse » 2 M. Liberale Synagoge Norden lim Auerbachfchen Waisenhaus. Schönhauser Allee 182): Gottesdienst: Freitag, den 11. März, abends 7,15 Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Salomonski. Sonnabend, den 12. März, vormittags 10 Uhr. Breslau. Jüdisch-liberaler Jngendverein „Abraham Geiger". Sonnabend, den 19. März, abends 8 Uhr, im Saal der „Gerhart-Hauptmann-Loge" Pnrimfest. Gäste, durch Mitglieder eiugeführt. willkommen. Eintrittskarten im Vorverkauf 1 M.. au der Abendkaste 1,50 M. inkl. Steuer. Vorverkauf in der Buchhandlung Hermann Roth, Gartenstr. 91. Kinder, Strenge und Liebe im rechten Augenblick bilden den menschlichen Charakter. Reicher Beisatt der gut besuchten Versammlung dankte dem Redner. Nach angereaier Diskussion, in der die Ansführungen des Herrn Rabbiner Kantorowski besondere Beachtung fanden und einem Schlußwort des Referenten mürbe die Bezirksgruppe Neukölln gegründet, zn deren 1. Vorsitzenden Herr Dr. Leopold Reinsberg gewählt wurde. Berlin. iL i b e r a l c r Verein für die Auge l e g e n h e i t e n der I ndische n Gemeinde zu Berlin E. V.. Bczirksgruppc "Jtotb w e st e n). Am Donnerstag, den 3. März, fand im Transaal der Synagoge Levetzowstr'aße der zweite DiskussionSabend statt. Zur Diskussion stand das Thema „Erziehungsfragen im jüdischliberalen Hanie". Herr Robert Hirschfeld hielt ein einleitendes Referat, wobei er in ausgezeichneten und fesselnden Ausführungen das Thema in drei Hauptteile zergliederte, und zwar, die Erziehung des jüdisch-liberalen Kindes in der Schule, im Hause und im Gottesdienst. Er hob besonders die Wechselwirkung zwischen Hans und Schule hervor und betonte, daß die jüdisch-liberale Elternschaft mehr als bisher Interesse an dem Religionsunterricht der Kinder nehmen müsse. In diesem Zusammenhänge wurden auch verschiedene andere Fragen behandelt, so das Beten mit oder ohne Kopfbedeckung und die Frage der Trennung der Geschlechter im Gottesdienst. Fm Anschluß daran entspann sich eine lebhafte Diskussion, in welcher besonders zu der letzgenannten Frage Stellung genommen wurde. Es wurde angeregt, auf die Synagogenvorstände der Orgelsynagogen einzuwirken, daß zunächst keine Schwierigkeiten bereitet werden, wenn Väter ihre minderjährigen Töchter bzw. Mütter ihre minderjährig'» Söhne während des Gottesdienstes zu sich auf ihre Pläne nehmen wollen, um so die Möglichkeit zu haben, die Kinder besser mit dem Gottesdienst vertraut zu machen. Der Abend schloß gegen 11 Uhr, und die rege Anteilnahme an der Diskussion bewies, daß es außerordentlich fruchtbar ist. >::» engeren Kreise über jüdisch-liberale Fragen derartige Ans, sprachen Herbeiznsiihren. Breslau. (I l i „A b r a l> a m Geiger".) Zn einer eindrucksvollen Veranstaltung gestaltete sich unser Vortragsabend am 23. Februar, an dem Herr Dr. Felix Heim an n über seine Erlebnisse und Erfahrungen im Abwehrkamwe referierte. Gestützt auf ein reiches sehr übersichtlich geordnetes Tatsachenmaterial entrollte uns der Redner in großen Zügen die gefchickstlichen Grundlagen des Abivehrtampftu. Die Bilder von der Mitte des 18. Jahrlnurderts bis zor jüngsten Gegenwart, die Leiden und die Kämpfe der Schn>'- juden, die Gestalt und Bedeutung eines Gabriel Riester. Jacobi, Abraham Geiger, Raphael Löwenseld entstand neu vor unseren Angen. Tie A»sänge der Abwehrbcwegnng. die Gründung des Eenlraivereins, des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus wurden in Schlaglichtern gekeiinzeoiinet. Auf der andere»! Seile erfolgte eine klare Zeichnung aller antisemitischen Richtungen, Verbände und Spielarten unter Berücksichtigung von interessanten Einzclfällen. D>e Leidensgeschichte der .Juden in Pommern erwies sich als besonderes trauriges Kapitel. In geistvoller Art zeichnc-e der Redner die beiden großen Organisationen, das Reichs Immter und der» Stahlhelm. Schule und Justiz wurden mir; der ans Grund eigener Erfahrungen behandelt und zum Schluß aus die Notwendigkeit der große»» Organisation der Abwehr hiiigcwiescn. Lebe so als wäre von deine»»» Leben das Leben des Mitmenschen abhängig und kän»pfe für den inneren Frieden im Sinne nud Geiste unserer Gemei»»schai»: mit diese»»» Bekenntnis schloß der Vortragende unter stür»niicher Zustimmung aller Anwesenden. Nach der» herzliche:: Dantesworten »»»»»eres Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Halpersoln». setzte eine sehr lebhafte Aussprache ein, in der Fragen de» Kleinarbeit, der Stettnngnahme der verschiedene»» jüdischen Bewegungen und Parteien zur Abwehr, der Friedensbewegung u. a. eingehend behandelt umröcx Ans alle Anfragen und Wünsche antlvortete Herr Dr. Heimann in einem packenden Sthlnßwort, i» dem die Mahnrn.'. Walther Rathenaus für einen rechtzeitigen Friede»» »nie ein klarer Weglveiser für die Lösung mancher Gegenwartsain gäbe»» wirkten. Nochmals dankte die Veriammlnng hurcM anhaltenden Bei fall unseren: treuen .Freunde, Herrn Dr. Heimann, der trotz vielseitiger Berufspsüchteu sich bereitivilligst für diesen Abend zur Verfügung gestellt hatte. Kalendarium siir die Zeit dom i2.3.b.l9.3.lS27 März 1827 Ada» II —» Sonnabend 12! s. Sonntag 13 i Montag 11 1 m! Dienstag ir»! 11. Mittwoch u; i 12. Donnerstag 17 13. Freitag IS 11. Sonnabend 19 ist. Wordenabschuitt: Wasikro-P. Sachor Hastarah: I. Samuel Kap. 15,2—31 Sabbat-Ausgang: 6,1 l Uhr Fasten Esther Purim Wochenabschnitt: Zaw Schufchan Purim Hastarah: Feremia 7/21—34; 8,1—3; 9,22-23 Sabbath-Ausgang: 6,57 Uhr Hochschule för die Wissenschaft des Judentums Berlin, ArtilleriestraAe 14 mBeginn des Sommer-Semesters: Donnerstag den 28. April 1927 VereioffirFeaerbestatlnnt in Berlin m 1874, e. V Kostenlose Fncrtariattiuft .vunahme AnhaltstraOe 6 Telelou Hasenbcide 3921 o. Charlottcnbury, Kantstrafic 134a. Ecke FasanenstraOe ielefou Steinplatz ♦ WohltSllgkeUs- Purimball am Donnentag, den 17. Min 1977, abend* 9 Uhr in den Räumen der Caie-Conditorei „TRIANON“ am Bayerischen Platz, Metancr Straße Id Allerlei Belatttjangen j Purimessen: (Kreppdtensuppe und Huhn) Purlmfloden, original Oesterreich Täglich S Uhr TEE. und 9 Uhr GESELLSCHAFTSTANZ Ti s c h b es teil u u g unter Stephan 81\ ♦ Roaenkolz-Chevr.. Zwei span gen ich uh w imit.PeH-Eidechi-Elui. 18 50 Zarte Pastell töne beherrschen die Frühjahramode 1927: r grau, «and, sekt, lichtgrün, beige,auch m. Phantaaieledem kombiniert. Dia schlanke Spitze m. angedeuteter Rundung und hohem Louis-XV.-Absatz dominiert Auch der Trotteurschuh mit niederem Blockabsatz wird In lichten Farben bevorzugt Unsere 65 Schaufenster sind «in Spiegelbild der Mode liid.-liberale luMem. FranKtart a. M. Kostümfest Sonnabend, den 26. März Luftfahrt mit dem R i c s e u 1 u f t sc h i f f „I L L‘ (Indien—Long Island—Italien) um die Erde. Die Vorbereitungen zu vorstehendem Fest sind in vollem Gange. Die Nach » ich tenbliiUer kür die Passagiere des Riesenluftschiffcs .,ILl" werdeu in nächster Zeit an sämtliche liberalen Kreise Frankfurts unentgeltlich übersandt. Reklame zum Durchschnittspreise von 10.— M. können noch bei der Druckerei und dem Verlag Dauth Nachf., BeethovenstraRe 14 (Tel.: Maingau 6681) bestellt werden. Die Zeitung erscheint »n zwei Nummern. Rechtzeitige^ Lösung der Luftfahrkarten erforderlich. Fahrnreis incJ. Steuer M. Kein Abendkassenverkauf. Fahrkarten erhältlich bei Firnberg. Lina Schott, Schatzki und in den Arbeitsgemeinschaften. „ORT“ Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der landwirtschift unter des loden. Am Sonnabend, den 19. März, findet in sämtlichen Räumen d.Brüdervereinshauscs,Kurfürstenstr.l15 6 ein Purim-Kostümfest unter der Devise „Von Ort zu Ort“, stau. 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