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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-03-11 · 10 (11.3.1927) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
10 (11.3.1927)
Date
1927-03-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dieergibt eine weitere Einbuße für öle Deiterfü-rmra der liberalen Gedanken. So hat a. B. di« mindestens zur Hälfte liberale Berliner Gemeinde schon seit geraumer Zeit eine Ueberzahl nichtliberaler Oberbeamte», und zwar grabe au den einflußreichsten Stellen, und augenblicklich ist man sogar am Werke, einen weiteren nichtliberalen OVerbeawte« langsam einsuschieben. Außerdem brückt aber die als Folge bei Festhaltens an konservativen Anschauungen eintretende tatsächliche Verminderung liberaler Bewerber auch den Durchs ch u i t t der Befähigung der Beamten herab. Eine Person wie der verdienstvolle erste Leiter des Retchenhetmskyen Waisenhauses, der als Voraussetzung der Amtsübernahme die Führung eines getrennten eigenen nichtrituellen HauS« haltim rituell geführten Waisenhaus forderte und zugestanden erhielt, würde von den heutigen Liberalen nicht angestellt werden. Nicht, als ob konservative oder zionistische Angestellte als solche weniger befähigt wären,' da aber ein Teil der anderenfalls neben ihnen in Betracht kommenden liberalen Bewerber ans dem erwähnten Grund fortfällt. verkleinert sich der KreiS. aus dem eine Wahl stattfinden kann, nnb dadurch erhalten die im Fall einegrößeren Bewerberkreises Ntinderbesähtgten eine größere Wahrscheinlichkeit. berücksichtigt su werden. Diese Begründung ist seitens der Juden selbst oft genug dem Kriegsminifter vorgetragen worden, als sie von der Wahl zum Reserveoffizier ausgeschlossen wurden. Sie gilt im vorliegenden Fall nicht minder Soweit bezüglich des Anspruchs der Konservativen auf rituelle Führung aller Anstalten und Einrichtungen. _ (Schluß folgt.) Verhandlungen zwischen Zionisten und C. V. veröffentlicht unter der Ueber- Komitee" in ihrem zweiten . . »lgenöe Notiz: Es.ist schon daraus hingewtesen worden, daß das Pro- Palästina-Komitee, das nach seiner Aufmachung angEich nur für humanitäre und siedlerische Bestrebungen eintreten sollte, in Wirklichkeit zur Förderung der zionistischen Bestrebungen bestimmt ist und daß die nicht zionistischen Mitglieder des Komitees, namentlich die hohen Regierungsbeamten und Abgeordneten, über diesen eigentlichen Zweck offenbar im Unklaren geblieben sind. Die „Jüdische Rundschau" hat aus unsere ersten Ausführungen hin ausdrücklich erklärt, daß eine Wendung zum Nichtnationalen sich nicht vorbereite, so daß also an den jüdischnationalen Bestrebungen des Zionismus in vollem Umfange festgehalten wird und jede Förderung des Zionismus auch auf eine Förderung dieser Bestrebungen hinaus laufen muß. Diese Klarstellung hat offenbar ernüchternd auf viele gewirkt, die sonst geneigt gewesen wären, ein nichtpolitisches Unterstützungswerk in Palästina zu fördern. Wie uns nun mitgeteilt wird, ist aber eine neue Aktion geplant, durch die man hofft, nichtzionistische jüdische Kreise mit Hilfe des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu finanziellen Unterstützungen heranzuziehen. Es haben Besprechungen führender deutscher Zionisten mit Führern des Centralvereins stattgefunden, bei denen erster« versichert haben sollen, sie würden in Deutschland jede jüdischnationale Betätigung unterlassen und auf die Galuth- Theorie verzichten. Daraufhin sei ihnen in Aussicht gestellt worden, daß man für die Beteiligung von Nichtk^urzionisten am Palästina-Werk tätig sein wolle. Schon für den 6. März fei vom Centralverein eine Besprechung - -A darüber angesetzt worden, die in Frankfurt a. M. ' stattfinden soll, wobei bemerkenswert ist, daß zu dieser Besprechung nicht einmal die Hauptvorstandsmitglieöer des Centralvereins durchweg eingeladen worden sind. Es wäre aber doch wohl eine schwere Täuschung, auf Versicherungen wie die vorher genannten hin anzunehmen, daß die heute führenden Kreise des Zionismus fein Wesen ändern würden, daß er in Deutschland sich anders äußern und betätigen könne nnb werde als anderswo. Er verzichtet. wie seine Organe immer wieder betont haben, nicht auf seine Grundziele, und darum bedeutet jede ihm und seinem Werk zuteil werdende Förderung auch eine Unterstützung seiner politischen Ziele. Darüber müssen sich alle Nichtzionisten klar werden, wenn an sie der Sammelruf ergeht, und danach sich entscheiden. Eine wirkliche Wandlung des Zionismus bedürfte anderer Garantien als seuer zweifelhaften Aktion. Man wird nicht annehmen können, daß auf der in vorstehender Mitteilung angedeuteten Basis eine Verständigung möglich ist. Würden die Zionisten jetzt mit einmal im Gegensatz zu der Haltung, die sie bis in die letzten Tage hinein gezeigt haben, tatsächlich auf jede jüdisch-nationale Betätigung in Deutschland und auf die Galuth-Theorie verzichten, so wäre nicht einzuseheu. zu welchem Zweck alsdann noch z. B. die Jüdische Volkspartei fortbestehen bleibt. Die „Jüdische Rundschau" gibt in ihrer Ausgabe vom 8. d. M. die Notiz der „Frankfurter Zeitung" wieder, auf die sie noch zurückkommen will. Sie betont, daß wohl private Besprechungen stattgefunöen haben, die jedoch zu keinem Abschluß gelangten, daß aber die Angaben der „Frankfurter Zeitung" in dieser Form keineswegs den Tatsachen entsprechen. Wir glauben, daß es zweckmäßig wäre, wenn in jüdischen Dingen die Geheimdiplomatie sich etwas weniger betätigen würde und statt dessen die Oesfentlicbkeit in grundsätzlichen Fragen besser aufgeklärt und zur Mitbestimmung herangezogen werden würde. Die „Frankfurter Zeitung" schrift „Das Pro-Palästina- Morgenblatt vom 5. März fr ist der Treffpunkt der guten Gesellschaft * 5 Uhr-Tanz-Tee Souper u. reichhaltige Abendkarte Kapelle Schönfeldf V. Delegierlenversammlung -er Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Iugendvereine. Die Deleaiertentagnng btt JliS fand in diesem Jahre in Berlin statt, am Sonnabend, den 8. und Sonntag» den 8. März. Der Sonnabend nachmittag und -abend waren dem inoffiziellen Teil der Tagung Lewibmet; am Nachmittag traten die Delegierten zu einer BorstawdSfitzung zusammen. am Abend vereinigte sie eine zwanglose Anssprache Wer Zionismus. Diese Aussprache war vom BreSlauer Jlt angeregt worden, der die Stellungnahme der JliS zu de» praktischen Dingen deS Zionismus, zu Keren-Hajessod und Pro-Palästina-Komitee zu klären wünschte. Dieser Abend, der die Delegierten in sehr ersprießlicher Aussprache enger zirsammenführte, war ei» guter Auftakt für die Tagung. Am Sonntag, den 6. März, fand früh 5410 Uhr. die geschäftliche Sitzung der Delegierten statt. Der bisherige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft. Dr. Arthur Lilienthal, eröffnet die Tagung mit einem kurzen Ueverbltck Wer das Werden der Arge: er weist auf ihr jetzt zehnjähriges Bestehen hin und auf die Tatsache, daß ein großer TeU ihrer damaligen Führer jetzt in der großen liberalen Bewegung Mitarbeiten. Er stellt die Notwendigkeit einer größeren Ausdehnung der JliS dar, betont aber, daß das Hauptgewicht der Arbeit nach wie vor auf die innere A r b e t t zu legen sei. — ES folgt der Geschäfts- und Kassenbericht von Ernst Heinrich Seligsohn und die Neuwahl des Vorstandes. An Stelle von Dr. Lilienthal. der sein Amt niederzulegen wünscht, wählt der Vorstand Ernst Heinrich Seligsohn zum 1. Vorsitzenden. Im Mittelpunkt des Vormittags sollte dieses Mal nicht die Behandlung eines geistigen Problems stehen, sondern die Erörterung sehr brennender Organisationsfragen im Jli. Bei aller Aehnlichkeit in der geistigen Grundhaltung ergeben sich gerade in diesen Fragen bei den verschiedenen JliS große Unterschiede der Problemstellung. Edgar F r i e d m a n n. der in den letzten Monaten die Geschäfte b?r Arbeitsgemeinschaft führte, rollte in einem einleitenden Referat die Hauptfragen, die sich ihm in der Arbeit zeigten, aus: 1. Die Alterssrage im Jli: 3. Heimabend und Borträge: 3. Jli-Zeitung: 4. Zrrsammenarbeit der einzelnen JliS. Diese Fragen wurden nun in der Diskussion von den Vertretern der einzelnen Jlis je nach ihrer Arbeit verschieden behandelt und eingeschätzt. Für Berlin sprach zunächst Ludwig Lewin: 1. Die A e l t e r e n im Jli: ihnen fehlt nach der Schulzeit Kraft und Zeit, weiter intensiv im Jli mitzuarbeiten. Soweit sie nicht zu Führern geeignet sind, müßte mau sie in anderer Art als die Gruppen irgendwie locker zusammenfaffen. 3. Sachliche Arbeit: Hauptakzent wirb aus Religiöses gelegt, Beschäftigung mit Bibel und jüdischer Geschichte. Daneben auch Behandlung allgemeiner Fragen auf den Heimabenden. Bortrüge werden meist von Führern gehalten, um die Jugendlichen leichter zur Diskussion heranzuziehen, als wenn ein Außenstehender spricht. 3. Propaganda: ist im Berliner Jli sehr erschwert, weil wir stark begrenzt stud auf ernste Arbeit. Wir haben keine Zugmittel wie Sport- und Wandervereine. 4. Jli-Zeitung: Aus psychologischen Gründen, daß die Jugend sich scheuen würde, vor einer größeren Oeffentlichkeit zu schreiben, wurde vor zwei Jahren in Magdeburg eine Beilage zur „Jüdisch-liberalen Zeitung" avgelehnt und ein eigenes Jli-Blatt beschlossen. Die Schwierigkeiten eines eigene» Blattes haben sich aber, als zu groß erwiesen. 5. Gotesdienst: In Berlin wurde der Versuch eines Jli- GvtteSdiensteS zu Petzach gemacht, der alle Teilnehmer sehr befriedigte. Er war ganz von uns aus gestaltet, frei gestaltet unter Benutzung der alten Form. Dieser Versuch soll in anderer Form wiederholt werden. Hans Rosenberger -Berlin fügt noch hinzu, welchen groben Wert die gemeinsamen Fahrten der Berliner haben, wünscht die häufigere Veranstaltung von Gautagen und schlägt einen östlichen Gautag mit Treffen der Jlis Liegmtz und Breslau vor. Für Breslau sprechen Herr Berger und Herr Dr. Halpersohn: In Breslau sind alle Mitglieder de§ Jli vereint, auch sehr verschiedene Altersstufen. Eine Gruppenarbeit wie in Berlin gibt es nicht. Das alte Bortragssystem herrscht auch dort nicht mehr. An den gemeinsamen Abenden wird das Hauptgewicht auf die Diskussion gelegt. Mit gutem Erfolg werden religiöse Abendfeiern durchgeführt. Herr Berger berichtet noch, daß der Jli in Ratibor wieder arbeitet und von BreSlau gefördert werden soll. Er schlägt dann vor, die Zeitungsverbindung mit der liberalen Zeitung einzugehen und nebenbei ab und zu besondere JU-Hefte herauSzugebcn. tür Frankfurt sprach Herr Gundersheim: r berichtet von der Gründung eines Jli nach dem Kriege und von seinem kurzen Dasein als ein bloßer BergnügungSverein. Bon der Neugründung einer jüdisch-liberalen Jugendgemeinschaft mit anderen Prinzipien. Man sing mit ganz allgemeinen Vorträgen an und kam ganz allmählich zum Jüdischen. Jetzt gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für freie Referate, Religionskurse, einen hebräischen Kursus, eine Wandergruppe, eine Rezitationsgruppe, so daß ein Frankfurter Jli-Mitglied jeden Abend im Jli verbringen kann. — DaS Alter der Mitglieder ist durchschnittlich sehr viel höher als das der Berliner. Zu Propagandazwecken macht der Frankfurter Jli Tresfahrten mit neutralen Vereinen der Umgebung. Herr GunderShetm fordert als Zugmittel für die Jli-Arbeit: Ernste Arbeit in heiterer Form, Vermeiden alles Formellhaften, größere Geselligkeit. Für Magdeburg spricht Karl Hamlet: Die Arbeit gleicht der in BreSlau und Frankfurt. Borträge werden von Außenstehenden gehalten. Das Alter der Mitglieder gleicht mehr dem deS Berliner Jlis. Die Propaganda sei in Magdeburg nicht so schwer, da Jugendliche liberaler Eltern ohne weiteres vom Jli erfaßt werden. Erwin G ch a t t m a n n erzählt von der Jugendgruppe Magdeburg, die er leitet. Sie wurde aus dem Gesichtspunkt heraus gegründet, daß der frühen Werbung von zionistischer Seite entgegenzuwirken ist. Er ist bestrebt, die Führung an den Heimabenden möglichst zurücktreten zu lassen. Parteipolitische Themen sucht er in Anbetracht der großen Jugend der Mitglieder zu vermeiden. Fräulein Liebrecht-Liegnitz klagt über den Mangel an Führerpersönlichkeiten in Liegnitz, die eine tatsächlich bestehende Jugendqruppe leiten könnten. Herr Blumenthal-PotSdam schließt sich dieser Klage an. Die Potsdamer Jugendgruppe wird seit einem Jahr von dem Berliner Führer Paul Hetnrichsdorss geleitet. Herr Blumenthal macht den Vorschlag, die JliS Potsdam, Berlin. Breslau, Liegnitz mögen eine Tressahrt ins Riesengebirge, etwa zu Pfingsten, beschließen. Herr George Goetz spricht sich für die Schaffung einer selbständigen Jugendbeilage in der liberalen Zeitung aus. Wünscht eine engere Zusammenarbeit LeS Jli mit der liberalen Vereinigung «nd stellt sich für Vorträge und andere Arbeit dem Jli zur Verfügung. Herr Rabbiner Dr. Wiener bedauert, daß er bei allen Delegtcrtentagnngen nur Programme hört. Er vermißt am heutigen Bormittag etwas mehr Inhaltliches. Dr. Arthur Lilienthal weist den Boramrf von Dr. Wiener zurück, da ja bei uns sonst vorwiegend Geistiges gegeben werde. Schließlich sei die Form, in der der Inhalt zum Ausdruck komme, auch wichtig. Zusammenfaffend führt er dann aus: Die Tatsache der Berschivdenheit der einzelnen Jlis sei nicht erstaunlich. Sie richte sich aber doch lediglich auf die A r t der Arbeit, nicht aus den fachlichen Inhalt. — Zwei Entwicklungen zeigen sich in fast allen Jlis: 1. Uoberwindung des alten Bortragssystems: 2. Zusammenarbeit unter den einzelnen Jlis. Diese (wird grenze nach unten. — Die Arge sehe sich nun vor drei Anfgahengestellt: 1. Schaffung eines Organs. 2. Zusammenarbeit unter den einzelnen His. (Diese wird erleichtert bei größerer örtlicher Verbreitung.) 3. Schaffung einer Bereinspropaganda. Dr. Lilienthal antwortet dann noch Herrn Goetz: Die Mitarbeit der ans dem Jli hervorgegangenen Aelteren in der liberalen Bereinigung sei felvstverständlich. aber nicht immer erfreulich. Der Jugend, die in die Bereinigung kommt, muß Selbständigkeit gegeben werden, ihre Mitarbeit kann nur aus der Grundlage der Voraussetzungslosigkeit erfolgen. Zum Schluß beschließt die Versammlung: Die Arbeitsgemeinschaft solle Verhandlungen mit der Liberalen Bereinigung aufnehmen zwecks Schaffung einer Jli-Beilage in der liberalen Zeitung. ' Nach einem gemeinsamen Mittagessen fand man sich am Nachmittag wieder ein zu einem Bortrag von Ludwig Lew in über Wirtschaftsethik. Wir hatten selbstverständlich nicht darauf verzichten wollen, die Tagung ohne irgendwelche geistigen Anregungen vorübergehen zu lassen. Aus der Erwägung heraus, daß wir uns sonst fast ausschließlich mit jüdischen Fragen auseinandersetzen, wurde ein Thema gewählt, zu dem wir alle im Leben irgendwie Stellung nehmen müssen, eine Stellung, die durch die Tatsache unseres Jüdisch-Seins vielleicht nicht ganz unbeeinflußt sein wird. Der Inhalt des sehr gründlichen Vortrages kann hier nur in seinen Grundgedanken wiedergegeben werden. Der Vortragende begann mit einem Fragezeichen: Kann man überhaupt Wirtschaft und Ethik zu einem Begriff vereinigen? Scheinen nicht beide Begriffe im Widerspruch zueinander zu stehen? Hier die egoismusseindttche. autonome, das Gute um des Guten willen fordernde Ethik, dort die machtbetonte. unter dem Zwange der vielen stehende, auf Erfolg und Lohn zielende Wirtschaft.. Es gab immer Menschen, die sich ganz aus die eine Seite als wirklichkeitsfremde Ethiker oder ganz auf die andere als Erfolg- und Machtmenschen stellten. Es mutz aber ein Kompromiß gesunden werden, wie die Wirtschaft einigermaßen in Einklang mit der Ethik zu bringen ist. Von der Seite der Ethik wird sich keine Antwort ans unsere Frage geben lassen, da es je nach ihren Zielen verschiedene Auffassungen von Ethik gibt. Der Vortragende unterscheidet auf dem Gebiet der Wirtschaft ihr Strukturelles-Wirtschaftsordnung und ihre Praxis- Wirtschaftsführung. Bei Mißständen in der Wirtschaftsführung hat sich die Ethik oft erst nachträglich mit der zugrunde liegenden Wirtschaftsordnung beschäftigt und dem Bestehenden oft ethische Ziele erst unterlegt. Es wird nun nacheinander eine historische Entwicklung der Wirtschaftsordnung und der Wirtschaftsführung im Verhältnis zur Ethik gegeben. Wie die jüdische Ethik die bestehende Wirtschaftsordnung hinnahm, zeigt gerade ihre Wirtschaftsführung, ihre soziale Gesetzgebung. Auch späterhin im Judentum zeigt firf) nie der Versuch einer Antwort aus die Frage nach der bestehenden Wirtschaftsform, etwa des Kapitalismus. — Im Mittelalter haben wir in der Kirche eine positive Stellungnahme zur Wirtschaftsordnung. Sie wird nach den Normen der Ethik aufgebaut und auch eine Normung des wirtschaftlichen Menschen wird versucht. Das Erstarken der staatlichen Gewalt, Protestantismus und Calvimsmus bewirkten das Ende der mittelalterlichen Wirtschaftsordnung. Im Naturrecht herrscht das eudämonistische Ziel vor. der Egoismus wird von nun an Triebfeder der Wirtschaftsordnung, dio» Frage nach einer Wirtschaftsführung nach ethischen Grundsätzen ist negativ zu beantworten. — Aber das Ziel des Eudämonismus erfüllte sich nur für Einzelne, es entstand daS soziale Elend der Arbeiter. Die großen Sozialisten schassen neue Wirtschaftsordnunge«. die nach ethischen Postulaten aufgobaut sind und Utopien blieben. Praktische Programme geben sie nicht. — Als die Schädigungen für die Allgemeinheit ihren Höhepunkt erreichten, mußte eine Auseinandersetzung mit der Wirtschaftsführung erfolgen. Es entstanden die vielen Gesetze zum Schutze der „Ausgebeuteten". — Unsere gegenwärtige Wirtschaftsordnung scheint doch eine Aendermig erfahren zu haben, die sozialen Reformen der Wirtschaftsführung stimmen ganz mit unseren ethischen Postulaten überein. Aber — und dies ist das große Aber deS Vortragenden — sie stimmen auch ganz mit Sinn und Ziel der Wirtschaftsführung im Sinne der Erfolgsvermehrung überein! — Zum Schluß führt der Vortragende noch einige ungelöste Probleme der Wirtschaftsführung an. die unter ethischen Gesichtspunkten stehen: der Verlust der Arbeitsfreudigkeit und das Bewußtsein vom Wert der Einzelarbeit: Berufszwang nach Eignung, damit verbunden Vorbildung nicht nach dem Geldbeutel und der Tradition der Familie. Ob diese Fragen nun wirklich im Sinne der Ethik zu lösen sind, wird die Zukunft erweisen. — Die Wirtschaft scheint so ganz nach eigenen Gesetzen aufgebant. wo sollte man da eine Ethik hineinbringen? Trotz dieses Skeptizismus schließt der Vortragende mit einer Forderung: „Es gilt für unsere Zeit, die Synthese zu finden, wo Naturerkenntnis und Naturbeherrschung, wo das nur rational geleitete äußere Leben zusammenflietzt mit den Geboten der Sittlichkeit und dem inneren Reichtum an Idealen und Ideen. Sowenig es unS dienlich sein kann, bei der Betrachtung der Gegenwart uns unfern Blick durch Wünsche und Gefühl« trüben zu lassen, so wenig wollen wir verkennen, daß, nach einem Worte Saint-Dimons. man begeistert sein muß. um große Taten zu vollbringen." Die Diskussion knüpfte im Wesentlichen an die zuletzt aufgeworfenen Fragen an. Man befürchtete, daß bei zunehmender Mechanisierung, also Ausschaltung alles Menschlichen das Ethische schließlich ganz verschwinden müßte. — Dagegen wurde eingewandt, daß die zunehmende Mechanisierung der Arbeit nicht notwendig zum Bewußtsein ihrer Wertlosigkeit führen müsse. Der Gedanke: das, was ich tue, /tBAHL Cr PALCKC BLUMEN 'AU//TELLUNG BERLIN* ^76ö LL MAUERSTR. 7Q FERNRUF: ZENTRUM 3C23 U. 5024 BLUMENSPENDEN - TRAUERSPENDEN - TAFEL* SCHMUCK. INNENDEKORATION IN KÜNSTLERISCHER! AUSFÜHRUNG. 12 ERSTE PREISE.

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