Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 9 (4.3.1927)
- Date
- 1927-03-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Da es lower nicht möglich ist. Wer die einzelken Borträge ausführlich zu berichten, fr» fei zufammeufassend Wer Leu Inhalt der Bortragsreitze in Kürze folgendes gesagt: Herr Kellerwann kam nach etna^eu-der SchWerrra« und Würdig««« der Musik in der Bibel, vou der «ach fetscc Meinung leider kein vollgültiger Beweis Vorhände« tat (Vokal- und Jnstruwentalurusikj, nach Erwähnung der Akzente bei der Vorlesung aus der Bibel, auf die Diguuim zu sprechen, von denen bereits im 6. Jahrhundert einige feststetzend waren. Aufzeichnungen von Melodie» fanden sich zum ersten Male im 14. Jahrhundert: sie stamme» von dem in Worms lebenden jüdischen Gelehrten Rckbti MSL«, genannt Maharil. Er verbietet aus strengste jede Aeuderung der festgelegten Melodien. Aus dem 16. und 12. Jahrhundert ist die wechselseitige Einwirkung, und Auf«ch«e von Melodien aus dem christlichen Gottes-taust i» de» jüiLschen uud umgeketzrt festzustellen. besonders in Italien, wo Kunst und Gesang in höchster Blüte standen. Manche Melodie, die wjr als „traditionell" ansprechen, ist aus den Gesängen des christlichen Gottesdienstes herübergenommen. Der berühmte Kirchenkowponist Benodetto Marcello hat hebräische Melodien in christlichen Psalmen verwendet. Besonders hervorzuheben ist aus dem 17. Jahrhundert der berühmte jüdische Musiker Salomoue Rosst, dessen Syuaaogengesäuge später Naumburg herausgegobeu hat. In der Zeit nach Rosst trat ein fast vMger Stillstand iu der Entwicklung der hebräischen Musik ein. Aus den Niguurm hatten sich die sogenannten „Steiger" entwickelt, in denen der Bortrag des Vorbeters sich bewegte: diese find auch in unseren heutigen Gottesdienst übernommen morde». Oberkantor Singer-Wien hat jedoch nachgewiesen, daß der musikalische Charakter der Steiger sich im Lause -der Zeit verändert hat. Der Chassidismus verbot jede Aenderung der Liturgie des Gottesdienstes, damit auch ie-de Neugestaltung des musikalischen Teiles. Außerdem waren die Melodie» nicht ausgezeichnet. sondern nur mündlich überliefert. Endlich zu Moses Mendelssohns Zeiten, als die neue« Ideen Platz griffen, kam e8 auch zu einer Reorganisation der Ddufik. Gört dem 18. Jahrhundert kann man von einer kultivierten Dynagogenmusrk sprechen. Die bis dahin mündlich überlieferten Gesänge wurden nun gesammelt und in größeren Werken herausgegeben. viele bemerkenswerte Neuschöpsunge» kamen hinzu. Besonders verdienstvoll auf diesem Gebiete haben sich gemacht: die Obertantoreu Naumburg-Paris. Sulzer-Wien, Weintraub-Königsberg, Deutsch-Breslau und Musikdirektor Lewandawski. der an der Alten Synagoge und später an der Neuen Synagoge zu Berlin wirkte und besten Kompositionen besonders iu den jüdischen Gemeinden in Norddeutschland richtunggebend geworden sind. Ueher die Bedeutung des zuletzt Genannten als Reorganisator und Neuschöpfer des musikalischen Tolles im Gottesdienst verbreitete der Vortragende sich eingehender. In dem gesammelten Werk Naumburgs sind auch Kompositionen vou dessen Borgänger Isidor Lown enthalten. Uebergehend auf die Komponisten der synagoaaten Musik in der neueren und neuesten Zeit bemerkte der Redner, -aß besonders die Modernen drei Wege ei »schlagen: dir einen komponieren ihre Gesänge unter Beeinflussung der weltlichen Musik, die anderen bearbeiten traditLonelle Melodien in moderner Fassung, die dritten versuche» einen ganz neuen selbständigen snnagogalen Musikstil zu schassen. Es können hier nicht sämtliche vom Redner ausgezätzÄen Namen von Komponisten aus neuerer Zeit genannt werden. Wir nennen einige: von Verstorbenen: Birnbaum. Henle, Meyer. Cohn. Lüwenstcrmm. Weiß. Nvwakorvski; von Gebenden: Alman- London. Heller-Brünn, Zivi-Elberfeld, Ärrschner-München, Jdeliobn-Jerufalem und aus Berüin^ Aron Friedmann, Nabtt/ Kopf und deu Vortragenden sselber. Bon einigen dieser, wurden zur Erläuterung ihres MuslkstilS gesangliche Proben g^oten. / Gkne"besondere Betrachtung widmete Herr Kellermaun den sephardifchen Gesängen, die sich wesentlich von den in Nordbeutschland im aschkenasrschen MtuS gebräuchlichem unterscheiden. Die bedeutendsten Bearbeiter traditio neller Melodien uud Komponisten neuer Werke auf diesem Gebiete sind: Gremieux, Bauer. Consolo und Cohen-Linaru. Auch von diesen Gesängen brachte Her« K. mit Chor uud Soli eisige zum Vortrag. Am Sch tust seiner Vortragsreihe gab Herr Kellermann Proben sMdeurscher Melodien: diese sind wertiger elegisch und weniger verschnörkelt als die in Norddeutschland üblichen. Endlich umrden noch einige häusliche Gesänge sL'uüroth) geboten (vom Frl. Lembach tonschön gesungen). die der Bortvagende nach mündlicher Ueberliefe-- runa bearbeitet hat. Auf viele weiteren EinzeLtzeiten der nrteressanten Vorträge eiszugehen, verbietet leider der Raum. Die Aufgabe. das wichtigste Gebiet der synagogaleu Musik dem Hörerkreis «ndrtngAch naheznbringen, hat Herr Kellermann in vielfacher Weife durch feine Darbietungen glänzend gelüst. Der vestech der BortrSge bewies, daß die Freie jüdische Bolksbochschur« mit dieser Veranstaltung eimm Wunsche des Pudstkums uachgrLomme« ist. Die Bestrebungen des Liberalen Judentums, das in der Ungleichung a» die Gefühlswelt Lee Gegenwart den lebendrgste» Faktor der Erhaltung des JuLeuawrerblickt, gehen mit de, zsitgemaben musikalischen Ausgestaltung des Gottesdienstes konform. DaS liberale Judentum anerkennt besonders den starken Eindruck des musikalischen Elements in der Andacht ans die Betenden. 8. Berlin (Jüdische Resormgemeinde). AuS Anlaß des Purimfestes veranstaltet die Jüdische Resorm-Gewei»Le für chre Mitglieder und Freud« am Dienstag. Le« 1ü. März, abends 8 Uhr im große» Gaal des „Landwehrrastno" sam Bhs. Zoo) einen gemütlichen Unterhaltungsabend mit Borträgen und anschließeuder'Kaffeetafel. Mttwirkenöe: Joseph Plaut und Kammersängerin Maria Plaut-Gchneider. Programm: Heitere Borträge. — Erntrittskarte find zum Preise von 1.— M. gegen Einst«- oung des Betrages im Bureau der Jüdischen Reform-Geutettte, R.S4, Johannisstr. 16. zu bestellen. Der Erlös ist für die Bohlfahrtskasse der Gemeinde bestimmt. Es darf daher wob lein zahlreicher Besuch erwartet werden. Dresden. (AuSdemGemetnderat.) Der ersten, vom Vorsteher Siegfried Pionkowskr geleiteten Gemeindevatsfitzung. wohnten die beiden Rabbiner bei. Ihre Anwesenheit machte sich insbesondere bei der Neuwahl der Ausschüsse, die den Hauptpunkt der Tagesordnung bildete, erforderlich. Rechtsanwalt Paul Salinger. der bisherige geschäftssührende Borsteher, behält das Dezernat für die gesamte Wohlfahrtspflege, die Friedhofsangelegenheiten und das Rechtsweseu bei. Vorsteher Sanitätsrat Dr. Zimmermann übernimmt an Stelle des seit längerer Zeit erkrankten Vorstehers Sanitätsrat Dr. Salzburg das Dezernat für die Gemeindebibliothek. Der neu in das Gemeinderatskollegium gewählte Zahnarzt Dr. Berlowttz gehört zunächst der Pressekommisfion urrd dem vom Vorsteher Pionkowski geleiteten Schächtausschuß an. Herr M. Hausmann fungiert iu diesem Ausschuß, zu oent als Mitglieder des Gemeinderates noch die Herren Josepb Cohn, Hurwitz und Reinhold gehören, als Delegierter der Dresdner Ortsgruppe des Verbandes Ostjüdischer Organisationen. Herr M. Loewenthal ist Mitglied des Ausschusses als Delegierter des Vereins Adas Jeschurittr. Die Fürsorge-Kommission, die Rechtsanwalt Salinger untersteht, bilde» außer einigen Mitgliedern des Gemeinderates die frühere Landtagsabgeordnete Frau Julie Salinger, die bisherige Gemeindesürsorgerin Frau Hede F i s ch l. Lehrer Leo Anschel. Dr. Adolf Strauß und Herr David Meyer. Bon den insgesamt 18 Kommissionen, die meist aus Mitgliedern des Vorstandes und des Gemeinderates gebildet werden, nimmt hinsichtlich seiner Zusammensetzung noch der Ausschuß der Emil- Le hmann-Stiftung eine Sonderstellung ein. Für 1827 wurden in diesen Ausschuß gewählt: Sanitätsrat Dr. Zimmer mann als Vorsitzender, Fabrikant Egon Feuerstein als Mitglied des Gemeinderates, Rechtsanwalt Dr. Leopold Satomon als Gemeinöemitglied. Gemäß den Stiftungüsatzungen gehören dem Ausschuß ferner Rabbiner Pros. Tr. Winter und Frau Amtsrat Betty He pp ue r von der Domäne Guttentag in Schlesien au. Nachdem die in der Gemeinderat-ssitzuug anwesenden Herren die Annahme der Wahl in die Ausschüsse und Kommissionen erklärt hatten, spricht das Kollegium einstimmig die Entlastung des Vorstandes für die Geschäftsuud Kassenführuug des Jahres 1926 aus. Im einzelne» werden folgende Beschlüsse gefaßt: Der Gemeiudebeitrag an den Verein „Machsire Thora" wird ab Beginn dieses Jahres aus 450 Mark monatlich erhöht, der Kredit für die Wohlfahrtspflege auf 25000 Mark erhöht. Für die Zwecke orthodoxen Gottesdienstes werden 1927 statt 3000 Mark insgesamt 45CK) Mark ausgegeben. Fritzlar. (Todesfall.) Hier verstarb, erst 02 Jahre alt. Kaufmann M. Mannheimer, nach kurzer Krankheit. Als rühriger und arbeitSsreujüger Inhaber eines größeren GetrerdegeschästS fand der Heimgegangene auch noch Zeit, seine Fähigkeiten in den Dienst der. jüdische» Gemeinde zu stellen, der er als Vorsteher mehrere Jahre huckurch nach besten Kräften gedient Hot. Dafür folgt ihm der Dank oller Mitglieder in daS Grab nach. Bei der Beisetzungsfeier gaben die Lehrer Aron und Neuhautz diesen Gefühlen der Würdigung seiner gemeinnützigen Betätigung in fies empfundenen Ansprachen beredten Ausdruck. Luch als Mitglied der Stadtverwaltung Hot sich der Verstorbene Mehrere Jahrzehnte zugunsten der Allgemeinheit erfolgreich bemüht, was durch Beteiligung des Bürgermeisters und der Mitglieder des Magistratam Leichenbegängnis sowie durch eine von der Sradtvertretuna an der Bahre niedergelegte Kranzspende sichtbaren Ausdruck und würdigende Anerkennung fand. In dem ansehnlichen Trauergefolge, das dem Sarge das letzte Geleit gab. durfte man eine» weiteren Beweis von der allgemeinen Teilnahme am Heimgang des sozial wirkenden und geachteten Mannes erblicken. Hannover. (Bevorstehende Gründung einer Aktionskomitees der Ort Gesellschaft.) Für Mittwoch, deck 2. März ist eine Versammlung von Vertretern der verschiedenen jüdischen Bereinigungen einberufe». in der Herr Rudolf Herzberg ein einleitendes Referat über die Beftre-nnge« der Ort Gesellschaft halte» wird. Es wird sich eine Aussprache anschtteßen. der eine Befchlutzfassnng über Gründung eines Aktionskomitees für Hannover folgen soll. Hannover. (Gedenkfeier undGinweihungdcr Gedenktafel.) Die Gedenktafel für die im Weltkrieg gefallene» Angehörige« der Synagvgengemeinde befindet sich in der Halle der alten Friedhofes, auf dem. da er fast voll belegt ist, immer seltener Bestattungen stattfinden. AuS diesem Grunde wird die Gedenk- und Seelenfeier tarn diesjährige» Volkstrauertag (18. März) mit der Enthüllung einer in der Synagoge errichteten Gedenktafel verbunden werden. Mngdeburg. (Die SatzungSänderung.) In der Repräsentantensitzung vom 17. Februar wurde die zweite Lesung der Satzumreu der jüdischen Gemeinde zu Ende geführt. Folgende Beschlüsse wurden in den strittigen Punkten mit Zweidrittelmehrheit gefaßt: L Das aktive Wahlrecht soll «Äbängig fei» vo» der Entrichtung der Gemeindesteuer» «ährend des letzten Jahres vor dem dem Wahltage vorangehenden 1. Oktober durch den Steuerpflichtigen oder dessen Ehegatte». Zugunsten der- »igeu, welche infolge Aenderung der wirtschaftlichen Berhältrvisse nicht mehr zur Steuer veranlagt sind, ist eine Ausnahme gemacht worden, sofern dabetreffende Gemrtudemiiglied oder dessen Ehegatte fünf Jahre lang Gemeindesteuer» gezahlt hat. ES sollen hierdurch diejenigen ihr Wählrecht erhalten, welche infolge der Inflation ihr Vermögen verloren haben. Weiter ist es gestattet, dnrch Nachzahlung der Minveststeuer für ein Jahr sich das Wahlrecht zu verschaffen, auch wenn der Betreffende nicht zur Steuer veranlagt ist. 2. DaS passiv« Wahlrecht ist abhängig gemacht worden von der Vollendung d«L 28. Lebensjahre- und einem zweijährigen Wohnsitz im Gemeindevezirk. 3. Den Frauen ist außer dem aktiven auch das passive Wahlrecht gewährt worden. TS ist jedoch in der Satzung verankert worden, daß sie von der Ausübung von KultuShandlunge» ausgeschlossen sind. 4. Der Vorsitzende des Vorstandes wirb allein vom Vorstand gewählt, ohne daß die Gemeindevertreterversammlung ein Mitbestimmungsrecht hat. Müuche«. (60. Geburtstag vou Oberlaudesa e r i ch t S r a t D r. N e u m e y e r.f Am 16. Februar beging Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, der Präsident des Landesverbandes bayerischer israelitischer Gemeinden und erste Vorsitzende der KultuSgemeinde München, sseinen 60. Geburtstag. Die Verdienste, die sich OberlandeSgesticktsrat Ncumeyer im Dienste des Judentums erworben hat, haben weit über Bayern hinaus Anerkennung g/fmrden. Bei der Schaffung eines Rcichsverbandes war ihm/vie Ausarbeitung der grundlegenden Verfassung übertragen. Die Gedankengäng«, die ihn bei seinen Arbeiten leiteten, hat er selbst in den Spalten dieser Zeitung klargelegt. Wen» später durch das Zusammenwirken heterogener Elemente die Bersassuna de- ReichsverbawdeS vom BerbandStag des Preußischen Landesverbandes abgelehnt wurde, so bedauern wir das mit dem Jubilar. Wir wünschen dem Jubilar zu seinem 60. Geburtstag, daß eS ihm vergönnt fein möge, an dem Zustandekommen eines Rcrchsverbandes doch noch tatkräftig miizuarbeiten und in ihm an der Gestaltung der Geschicke der deutschen Juden teilzunehmen. Manche». (OLerkantor Kirschner 70jährig.s Oberkantor Emanuel Kirschner, der seit dem 1. September 1881 bei der Münchener Hauptgemeinde fungiert, konnte am 13. Februar seinen 70. Geburtstag begehen. Den Lesern unseres Blattes ist der Jubilar kein Unbekannter. Er gehört zu den führenden Köpfen der deutschen KantorenVewegung und gilt als einer der ersten Synagogenkomponisten der Gegenwart. Möge dem Jubilar «och ein recht erfolgreicher Lebensabend beschiedeu sein. Schueidemühl. lLezirksverband der jüdischen Gemeinden der Grenzmark.s Hier fand am 20. Februar eine Kommissioussitzung des BezirksverbandeS der jüdische» Gemeinden -er Grenzmark »vier Vorsitz deS Herrn chm. er solle solche Scheine drucken lassen und seineir Namen daruntersetzen." Ich ging zu Fcchnebfelm. zeigte ihm die Zettel und sagte chm, der General habe bösohlen. er möge solche drucken lasse». „Nein," sagte FaHuehjelm. „das tue ich nicht. Das bat Görtz de» Kopf gekostet. Kommen Sie aber mit mir. wir wollen zusammen zum General getzm und ich will selber mit ihm sprechen." Dir gingen nun zum General. ,$« meinem Namen tue ich es gewiß nicht." sagte Faß- «ehjelm. „Wenn es aber im Namen des Kriogskommissariats gehen kann und die drei Kronen mit der schwedischen Krone mit eingedruckt «erden, so will ich meinen Slawen daruutersetzen." Der General weinte, ohne königliche Bewilligung dürfe «an so etwas nicht tun und so beschlossen wir, an den König eine» Kurier zu schicken. Der Kürier kam nach einigen Tagen zurück und brachte die Zustivmrung deS Königs. Nun ließ mich der General rufen und sagte mir. der König habe seine Einwilligung gegeben.?lber wo sollten wir die Scheine gedruckt bekommen? Der Stempel mit dein schwedischen Wappen mußte ins Papier eingedruckt werden, wir mußten also entsprechende Druckvorrichtungen h^ben. .. ist eine Druckerei," sagte ich. „Es ist da eine Universität. Den Stempel fertige ich selber an. und die Druckpresse will ich machen lassen. Ich habe schon in einer Münze gearbeitet und weiß damit Bescheid." Der General fragte mich, ob rch wirklich das alles tun wolle. .Sestellen Sie nur die Scheine," sagte ich. „Wenn sie fertig sind, dann will ich für alles übrige schon sorgen." Iu der Zelt von drei Wochen war alles iu Ordnung und die Ächtschillrngscheme waren gedruckt. Wenn hundert fertrg waren, bekam ich sie rns Haus geschickt. Ich ging zu den Kaufleute» und sagte ihnen, st« könnten solche Zettel Lei mir bekommen. Wenn sie für zwei ReichStaler. nämlich zwölf Stück, beisammen hatten, würde ich sie ihnen dann wieder gegen einen Zweitalerscheiw einlösen, denn sie glaubten nicht. Laß sie wieder e,«gelöst würden. Sie konnten nicht so viel drucken, wie bei mir von allen Seu(L» geholt wurden, und Fahnehjelm mutzte sie «utersthrewen. Da nun der General iah. daß es mit Le» Achtschillingzetteln so gut grng. lreß er Zwölfschillingzettel -rucken. t _ Ich war alle Tage auf dem Stempelkontor. Als ich aber (ah. daß sie Zwölffchillingzettel wachte«, wollte ich »ich nicht «ehr damit abgeben. Denn Leute zu mir Lame», schickte ich sie alle ins Stempelkontor. Es dauert« gar »icht lange, so -ruckten sie SechsseHnschillingzettel. dann Zwayzigschissing. zettel, dann Vierurrdzwanzigschillingzettel und so immer um vier Schillinge höher bis zu Zweitalenscheine.n, so daß schließlich die ganze Armee mit solchem Geld« bezahlt wurde. Wer vom Kommissariat etwas zu fordern hatte, wurde mit FahnobielMers. so wurde dieses Geld germnntz bezahlt. In ga.rz Finnland nahm cs auch jedermann an, aber iu Stockholm und in ganz Schweden konute man keins uuterüringen. Man nahm sie nicht ab, bloß einige Kaufleute wechselte« sic. aber mit fünfzehn Prozent VerlrM. ES waren Kauslevte, die mit Finnland ihre Geschäfte machten, denn dort waren die Scheine überall gültig. Indes kam der König wieder nach Lowisa ins Hauptquartier. Während der Zeit, als der König weg war. wurden viele Oberste und Generale verholtet und »ach Stockholm gebracht. Ter König ging nach .Högsors bei SvesskunL. zwei Meile:» von FrieörichSham. einer rumiche» ,Festung. Ich bekam Befehl, ins Hauptquartier zu kommen, ich mußte hinaus nach Högfors mit all meinen Vorräten, auch mit meinem Rindvieh, denn La war nichts zu bekomme», es war bloß ern i Dorf. Ich brachte auch allerlei Biktnalien mit. nnd wir blieben vier Wochen hier. Die russische Skärenflotte lag aus der anderen Seite non S-nensksund, unsere Skärenflotte lag in Suenstsund. Obwohl die russische Flotte stärker war als die »nsrige, konnte sie uns doch nicht angreifen. Da der König einen gewissen Vorteil zu sehen glaubte, gab er Befehl, die russische Flotte anzugreifeu. Allein die Russe« wurden durch Berrat davon in Kenntnis gesetzt, sie wußten bereits am Abend, daß am nächsten Morgen der Angriff erfolgen sollte, und sie kannten auch alle unsere Absichten. Wir verloren also die Schlacht, auch die Landtruppe» mußten retirieren. Ick mutzte ebenfalls zurück und verlor dabei srchr viel. Bei diesem Rüchzuge traf ich den König auf der Landstraße mit einigen Regimentern. Als der General Taube, der sich beim Könige befand, mich aus dem Wagen steigen sah, ries er mir zu. mein Bieh sei schon vor einer Stunde vorbeigetrieben worden. Der König habe Befehl gegeben, daß die. Regimenter sich aofschließen sollte«, um mein Vieh durchz»lasse«. Ich hatte die zurückgelegten zwei Meile» sehr viel Gefahr aaSKestande«: nun war es aber nicht «ehr so schlimm. Aber es war noch eine Merle, ehe wir wieder auf schwedischem Boden standen. ES war bereits ALend. als wir die Grenze erreichten, und ich war vo» den Beschwerden und Aufregungen ganz krank. Es sah ruf diesem Rückzüge sehr geMrlich aus, viele bliebe» auf beide« Seite«, uud ich schwebte ständig in Gefahr, getütet »der geangen zu wabmu Am ander» 2*ü»raen tarnen wir nach Lowisa. Ick las drei Tage krank. Verloren hatte ich sehr viel bei dresem Rückzüge. Der König erfuhr das, und einige Tage später erhielt ich eine Einladung von einem königlichen Sekretär, der des Königs Privatsekretär war. Als ick hinkam. war er mir fremd, und auch er kannte mich nicht. Er fragte mich, ob ich Aron Jsak heiße, waS ich Sejabte. „Tann darf ich Ihnen wohl gratulieren," sagte er. „Seine Majestät hat Ihnen gnädigst den Affefforcharakter verliehen. Nun sende ich diese Ernennung «ach Stockholm an die Kanzlei, um das Diplom ausfertige« zu lassen. Sie müssen dafür aber 70 Reichstaler bezahle», denn der Tttrl ist der gleiche wie der KapitänSrang. und dieser kostet ebensoviel." Ich fragte daraus, wieviel Gehalt ich bekäme? ..Geßali?" sagte er, „Gehalt bekomme« Sie keines. Im Gegenteil. Sie müiscn noch, ebenso wie ein Kapitän, Abgaben entrichten, das macht jährlich sechszig Reichstaler." „Ta danke ich dastir." sagte ich. ,^m übrigen, wie würde das auch passen, wenn ich in meiner Schlächterbude stehe und die Soldaien kommen nach Fleisch: Herr Assessor, hier ist eine Anweisung, geben Sie mir Ist Lispund Fleisch! Außerdem besitze ich schon «inen Titel vom General- und vom KriegSkommissariat alS Hof- und Armeelioferant." „Na. dann muß ich das eben berichten." tagte der fekretär. Ich ging meines WegeS. Mir begegneten viele tzohe Offiziere, die mix gratulierten, denn sie wußten, der König habe mich zum Assessor ernannt. Der König ging nach Borgd, ich kam auch dahin. ES vergingen ungefähr vier oder fünf Wochen, da ließ mich der königliche Sekretär wieder rufen. „„Ich ha.be alles, was Sie mir in Lowisa gesagt haben. Seiner Majestät berichtet, und Seine Majestät lachten sehr. Ich meldete auch, daß das General» und das Kriegskommiffariat Sie bereits zum Hof- und Lrmeelieferante» ernannt habe. Der König meinte, einen solche» Titel habe es zwar noch niemals am schwedische» Hofe gegeben, aber da man Sie schon so betitelt hocke» so wolle Seine Majestät Ihnen diesen Titel verleihen, und wünsche. Sie mögen ihn weiter in Ehren und Würdigkeit sichren. Ich habe die Sache sofort nach Stockholm geschickt, und die ErneunungSrntunde ist eingetrosfen." Er las sie mir vor: ich fragte, »atz sie koste. .Seine Majestät hake« mir befahlen, falls Sie die AusferttgungSgebühr nicht bezochle« «rollte«, daß ich es bezatzlen solle. Es kommt also »ur auf Sie au: es kostet elf Nerchstaler." Ich bezrchtte »Erlich die riss «eichttatar (Fortsetzung folgt.)