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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-03-04 · 9 (4.3.1927) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
9 (4.3.1927)
Date
1927-03-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Wir selbst versuchten uns den Vorgang so zu erkläre», daß Liese Herren die Gründung als eine völlig u,(politische Angelegenheit awsähen im Hinblick darauf, daß innerhalb -es Zionismus Auseinandersetzungen statt finden, aus denen her- »orgeht, datz in manchen Kreisen die Tendenz besieht. das politische Moment des Zionismus zuriicktreten zu lassen und Lasozial-wirtschaftliche herauszuheben. Als mir diese Aus» faffung zum Ausdruck brachten, wurden mir aber von dem Berliner Organ der Zionisten zurecht gewiesen: die Mitglieder des KomiweS seien sich nicht im geringsten im unklaren. datz es sich um eine politische Sache handle. Daun erfolgten weitere Erklärungen, es wurde» auch einige Briefe veröffentlicht, in denen prominent« Angehörige des Komitees ihre« Beitritt begründen. Daraus ergibt sich nun aber, daß diese Herren, ganz im GegeMatze zu der Behauptung der „Jüdischen Rundschau", keineswegs im klaren gewesen sind, sondern mit einer erstaunlichen Unschuld in das Komitee hüreingeschlittert sind. Bei der Gründungsfeier des Komitees hat der preußische Ilnterrichtsmiuister Dr. Becker eine Ansprache gehalten, deren wegen dann zwei jüdische Bereinigungen schriftliche Ansvagen an ihn gerichtet haben. Er antwortete mit einem Schreiben, in dem er die Motive barlegt, die ihn zum Eintritt in das Komitee bewogen haben. Darin findet sich zunächst der Satz, „datz ich die Tendenzen des CentralvereinS und des liberalen Judentums freudig begrüße, datz ich aber auf der anderen Seite auch das Bekenntnis zum Zionismus für durchaus vereinbar halte mit nationaldeutscher Staatsgestunung" Dieser wahrhaft klassische Fall des in der gelehrten Welt beliebten „EinerseitS-Andererseits" läht bereits vermuten, daß auch die unmittelbaren Gründe, bi« Herrn Dr. Becker in das Komitee führten, allzu akademisch seien. Ju der Tat hören wir nun weiter, datz Herr Dr. Becker, da er seine wissenschaftliche Laufbahn als Alttestamentler begonnen habe und als Semitist der Sprache und der Literatur des Judentums nahestehe, es durchaus verstehe, datz jüdische Miwürger in dankbarer Erinnerung <m die großen Traditionen ihres Bottes und ihrer Religion sich für ein jüdisches Heim auf palästinensischem Boden einsetzen. »Das ist eine humanitäre oder historisierende Haltung, die meine volle Sympaihr« besitzt." Herr Dr. Becker betrachtet also den Zionismus unter dem Gesichtspunkte der Wissenschaft. Zionismus ist ihm gewissermaßen eine Angelegenheit der Archäolo. gie. Die Kongresse der Zionisten und die der Orientalisten, an denen Herr Dr. Becker immer noch teilnimmt, liegen auf derselben Linie. ES ist. mit einem Worte, eine akademische Sache. Aber leider ist sie das durchaus nicht. Der Herr Minister kann das schon aus der Antwort entnehmen, die wir von der jüdischen Rundschau" erhalten haben, er hätte aber auch, zumal da er selbst betont, datz er aus dienstlicher Beschäftigung mit jüdischen Fragen vertrant sein müsse, schon lange sehen können, daß eine Argumentation wie die seine an dem Wesen der Sache völlig vorboigeht. Denn der Zionismus ist eben heute keineswegs in erster Linie eine humanitäre Bestrebung oder gar eine historisterende Liebhaberei. sonder« vor allem Politik. Ein Politiker müßte Las wissen. Eiu Politiker, der nicht durch Reffe» tim ents an Len nationaljüdischen Gedanken gebunden ist. könnte auch wissen, -aß der heutige Zionismus den deutschen Juden politisch schädlich und gefährlich ist. Woher kommt es denn. Latz ihre große Mehrheit von diesem Zionismus Nichtwissen will? Diese Juden wünschen durchaus nicht, das ihnen ein neues Heimatland ausoktroytert werde, i-hne» genügt das deutsche vollständig, und sie sehen die Konsequenzen, die nicht auSbleiben würden, wenn der politische Zionismus die stärkste Richtung des Judentums würde, sie haben gar keine Neigung, sich in ein neues Ghetto sperren zu lassen, mag dieses Ghetto auch bloß die Form eines FremLenrechtS anuehmen. Warum sieht das alles Herr Dr. Becker nicht? Und warum sieht es der Herr Staatssekretär Dr. Pünder nicht? In einem Briefe an die „Liberale Vereinigung" betont er. daß er alle Bestrebungen unterstütze, die dem Judentum in Deutschland zu voller Gleichberechitgnng verhelfen wollen. Das ist sehr schön, aber dann müßte uran auch gründlich erforschen, ob baS Eintreten für zionistische Unternehmungen damit vereinbar sei. Herrn Dr. Pünder „will es scheinen," datz die Deutsch-Amerikaner in den Vereinigten Staaten, wenngleich sie über Generationen hinweg die Liebe zu ihrer alten deutschen Heinrat im Herzen tragen, durchaus geachtete nordamerikanische Staatsbürger seien, und datz die Situation der Zionisten in Deutschland eine Parallele dazu sei. Aber eS scheint wirklich nur so. Wir wollen gar nicht auf die sehr verschieden« seelische Lage eingehen. die sich ergibt, je nachdem man auSwandert und ein neues Vaterland gewinnt oder bleibt und sich das Heimat¬ Aro« 4faL. Eine LebenSgeschichte. Bearbeitet von Dr. B. Schidlof. ll2. Fortsetzung.) Mein Sohn Nachanael war indes gestorben. Er hatte feine Waren besonders für sich gehabt, ebenso sein Vermögen und das Mitgebrachte seiner Frau. Ich konnte gar nicht so viel Ware bekommen, als ich abzusetzen vermochte, so daß ich nicht in Geldverlegenheit geriet. Ich machte daher mit General Kllingsyorn einen neue» Vertrag aus 100 000 Lis- Pfund Heu und 100000 Lispfund Stroh, das LiSyfmrd Heu zu 4 Schilling, das Stroh zu 2 Schilling, und bekam einen Befehl, datz jedes Kriegsmagazin. wo ich hinkam. mir das Heu und Stroh auch albnehmen mutzte. Auf diese Weise sollte es mir ermöglicht werden, an Orten, wo viel Heu zu bekommen war. sofort einzukaufen und abzuliefern. In Tawastehus ins Magazin und airch in andere Magazine lieferte ich mein Heu und Stroh üb, da tch dort am meisten zu einem entsprechenden Preis bekommen konnte. Ich lieferte auch den ganzen Monat das Fleisch, aber ich bekam kein Geld. Bei der letzten Lieferung bestand ich endlich auf Zahlung und sagte: .Zerr General. Sie haben mir 1.000 Reichstaler Borschutz zugefagt. ich habe sie bis heute nicht bekommen. Ich habe «och keine Zahlung erhalten und ich kann nicht mehr liefern, wenn ich nichts bekomme. Ich muß heute Geld haben." Ich hatte nämlich erfahren, daß etwas Geld gekommen sei. De» Offizieren, die auch bereits seit sechs Wochen keine Gage erhalten hatten, war nämlich ein Teil bezahlt worden. Das hatte mir ein guter Freund, etn Kriegskourmissar, erzählt, und mich verdroß es. datz man mir nicht auch wenigstens ein« Abschlagszahlung gab. Der General erklärte mir. er könne mir kein Gold geben, wenn er keins habe. Er erwarte aber täglich welches aus Stockholm. Ich sagte ihm. dann-hätte er nicht einen Vertrag avfchlietzen dürfen, denn ich hatte mich danach gerichtet. Da wurde er sehr ärgerlich. .LLas seid Ihr für ein Lieferant, daß Ihr auf das bißchen AorSernng besteht. Meinetwegen liefert oder liefert nicht!" Er stampfte mit de» Füße« und hieß mich Weggehen. ,$cÖ werde auch nicht hierbleiben," sagte ich. „aber schön strröe ich es nicht, mich einfach Weggehen zu heißen, weil ich «ein Recht fordere. Eine nette Bezahlung. LaS mutz ich sagen." Damit ging ich meines Weges. Es war noch keine halbe Stunde vergangen, kam der Kammerdiener des Generals, brachte einen Gruß und ich möchte doch «reich hivkoamue», Ich meinte, ich würde etwas laich konstruiert. Wir «ollen mrr darauf Hinweise»« daß Herr Dr. Pünder den Vergleich nicht richtig sieht, denn es müßte heißen: Was würde« die Amerika«« wohl sagen, wenn die dortige« Deutschen erklärten, ihr eigentliches Vaterland sei das Deutsche Reich? Die Antwort, die die Zionisten in ihrem Falle geben, liegt vor. Sie sagen, der Zionismus Hobe niemals die leiseste Absicht gehabt, die Juden, die nicht in Palästina leben, in ihrer staatsbürgerlichen oder sonstigen Stellung zu beeinträchtigen. Ueber diese Naivität muß man wirklich staunen. Wer wird denn die Zionisten fragen, wenn eS ihnen gelingt, die Juden zu einem besondere» BolkSim» zu machen? WaS dann mit den staatsbürgerlichen Rechten geschähe, das würde wahrlich nicht von ihnen, sondern von der zufälligen politischen Konstellation abhängen. Es scheinen verschiedenartige Motive z« fein, di« diese uns andere bekannte Persönlichkeiten veranlaßt haben, dem Komitee Pro-Palästina beizutreten. sie sind nur leider allesamt nicht stichhaltig. Daß eS sich nicht etwa nur um Humanität, sondern um'Polittk handle, sagen bieztonistifchen Führer selber. Dem entspricht eS auch. Satz manchen Unterzeichner ein diplomatisches Motiv bewogen haben mag. etwa Satz man die palästinensische Frage »icht den Engländern allein überlassen dürfe. Aber die Deutschen sollten sich hüten, in diese kolonialen Angelegenheit und dadurch in die Front deS englischen Imperialismus hineingezogen zu werden, ganz abgesehen davon, datz man eS doch wirklich nicht verant- «orten kann, die deutschen Juden, nämlich ihr künftiges Schichal, das durch einen Sieg des Zionismus entscheidend bestimmt würde, ait einem bloßen Objekt der „hohen" Politik zu machen! Andere, wie der ReichstagSprLsident Lvbe, sind durch das Interesse an den neuen sozialen Form«», die sich in Palästina zu bilden scheinen, zum Eintritt in das Komitee bewogen worden. Für dieses Interesse haben wie volles Verständnis, «öder es kann Loch gegenüber den anderen Momenten nicht ausschlaggebend sein. Die ganze An. Gelegenheit würde ja ein anderes Gesicht haben, wenn im Zionismus diejenigen Kreise maßgebend wären, die eben diese sozial-wirtschaftliche Seite zum entscheidenden Fundament der Frage des Palästina-Aufbaues machen wollen. Wenn eS ihnen gelingt, das Heft in die Hand zu bekommen, dann würde Anlaß zu einer Nachprüfung der Stellungnahme gegeben sein. Ob dies« Wende eintritt. das mindestens hätten die Herren abwarten müssen, die mit politischem Gewichte versehen sind. Der heutige Zionismus in Deutschland ist nicht reif für eine solche Unterstützung, und es fragt sich noch, ob er es jemals wird. Zum Gedenken an Roberi Kaelier. Am 6. März fährt sich zum ersten Male der Tag, an dem Dr. Robert Kaeuer. der Rabbiner der Synagogengemeinde Danzig, von uns ging. Alle, die ihm im Leben nahe ae« standen haben, werden eine gewisse Genugtuung darüber empfinden, daß nunmehr das Lebensbild dieses Mannes in Buchform vorliegt,' im Philo-Verlag erschien vor wenigen Tagen eine im Namen der Familie von Ruth Ollendorf ged. Kaelter herausgegebene Schrift „Zum Gedenken an Robert Kaelter". Zunächst sei für Fernerstehende bemerkt, daß das Buch ein literarisches Unikum ist. weil es nämlich eine Synthese von Biographie und Prediatsammlung darftellt. Der biographische Text spricht mit Gründlichkeit und doch auch mit Zartstnn von all den äußerlichen und innerlichen Bedingungen. aus denen der LebenSgang KaelterS erklärbar ist. und in diesen biographischen Text sind dann eine ganze Anzahl Predigten, deutscher Gebete und in Amtseigenschast geschriebener Briefe hineingearbeitet worden, die uns Kaelter in Sen verschiedenen Phasen seine- Lebens und zugleich auch nach der Vielseitigkeit seiner begnadeten, lebensfreudigen Natur zeigen. Deutlich spricht vor allem aus dem Buch dassenige, was Kaelters Leben bedeutsam gemacht hat weit über den Kreis seiner Seelsorgertätigkeit hinaus. Er war ein guter Kenner der jüdischen Literatur und Traditio» und eiu glänzender Kanzelredner. Und dennoch war er ganz anders und unendlich viel mehr, als der Geistliche allgemein zu sein pflegt. Was in Studentenjahren als lebenssyrühende, mitreißende Freudigkeit sich auswirktc. das gelangte in den letzten Jahren seines Lebens zur Reife und vollen Entfaltung, als der Krieg und die politische Ujmvalzmrg jüdische Kriegsgefangene. Vertriebene und Auswanderer in schier unendlichen Scharen nach Danzig brachte. Dr. Kaelter hat in diesen Jahren in beispielloser Hingabe mrd mit der nur ihm eigenen Aktivität ein Organisationswerk aufgebaut, welches zahllosen in Elend geratenen Inden Hilfe und Segen gebracht hat. So hat sich der Drnziger Rabbiner nicht nur der Seelsorge, sondetn vor allem praktischer Fürsorgerarrgkeit hingegeben, die ihm die Dankbarkeit Tausender und ehrendes Gedenken weit über den Kreis seiner Gemeinde hinaus sichert. Die ausführliche Schilderung seiner orga, nisatorischsu Tätigkeit macht die Biographie gleichzeitig zu einem kultur-historischen Dokument, entrollt uns Bilder, oie für den Danziger Historiker, für den Historiker des Krieges und der Revolution und für den jüdischen Historiker gleich wertvoll sind. Kaelters Freunde aber haben an dem Buch ein so echtes Lebensbild, daß sie es gern vornehmen werden, um die ihnen vertrauten Züge des tatfreudigen Mannes wieder vor sich erstehen zu lassen. George Goetz. Aus. den Gemeinden Berlin. (Bon der Gesellschaft zur Förde» rung der Wissenschaft des Judentumft) Mittwoch, den 28. Februar, fand im Saale des BrüdervereinS zu Berlin die stark besuchte Hauptversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. E. B., statt. Der Vorsitzende, Herr Professor Dr. M. Sobernheim, gedachte eingangs der 250. Wiederkehr des Todestages Baruch Spinoza- und erstattete sodann den Geschäftsbericht. Im Anschluß an die geschäftlichen Verhandlungen hielt Herr Rabbiner Dr. Kober aus Köln a. Rh. einen Bortrag über das Thema: Bon den ältesten jüdischen Grabstätten in Deutschland, ihrer archäologischen und geschichtliche» Bedeutung. Ausgehend von den alten Feld- und Höhlengräbern in Palästina und den Katakomben in Rom und anderen italienischen Städten kam der Redner auf die ältesten Grabstein« in Deutschland zu sprechen. Beginnend mit de« vor etwa zehn Jahren in Köln a. Rh. aufgefundenen Gräberfeld am Bonner Tor, daS aller Wahrscheinlichkeit nach in die Römerzeit zurückgeht, führte er seine Zuhörer durch eine Reihe alter Gemeinden vom Rhein und der Donau biS nach BreSlau und Bien und berichtete über die zahlreichen noch vorhandenen und hochinteressanten Grabsteine. Biele schöne Lichtbilder erläuterten den sehr gelehrten und instruktiven Vortrag. Die Versammlung dankte dem Redner durch reichen Beifall. Berlin. (Vortragsreihe des Herrn Kapellm«ister Albert Kellermann.f Au dieser Stelle war kürzlich in einem Aufsatz über unsere Synagogengesänge der Wunsch ausgesprochen, dem jüdischen Publikum auch außerhalb des Gottesdienstes die hebräischen Gesänge durch Vorträge in Wort und Ton zu vermitteln und ans diese Weife ihre Resonanz zu vertiefen. Dieser Wunsch ist durch eine Sonderveranstaltung der Freien jüdischen Volkshochschule sehr rasch verwirklicht worden. An vier Abende» sprach vor einer zahlreichen Hörerschaft Herr Kapellmeister Albert Kellermann über das Thema „Die Entwicklung der hebräischen Gesänge und Melodien von den ältesten Zeiten biS zur Gegenwart. Herr Kellermann ist durch seine Stellung als Nachfolger des Neuschöpfers der synagogalen Musik Louis Lewandowski im Amt an der Neuen Synagoge zu Berlin während einer verdienstvollen Tätigkeit von 3% Jahrzehnten mit diesem Sondergebiet aufs genaueste vertraut. In vier Borträgen wußte der Redner in Bortrag und gesanglichen Darbietungen das umfangreiche Thema den Hörern so nahezirbvtngen, daß diese in großen Umrissen ein lückenloses Bild von den Anfängen der hebräischen Gesänge mrd ihrer Entwicklung biS zur Neuzeit unter Berücksichtigung der markantesten Neuschöpfer empfingen Ausgewählte Kompositionen aus älterer und neuerer Zeit, darurrter mehrere vom Vortragenden komponierte bzm, arbeitet«, illustrierten den Bortrag. Bei deren Wied^rgäbtz-r' wurde Herr Kellerwann außer von dem Chor der Neuen. Synagoge zu Berlin von seinen Solisten aufs beste unter», stützt. Besonders mutz Herr Oberkantor Gollanin von^siöc Neuen Synagoge genannt werden, der mit dem Vortrag der •’ kantoralen Gesänge in Soli und gemeinsam mit dem Chor durch die Schönheit seiner Stimme und seines BortrageS den Hörern zu Herzen sprach und diese wiederholt zu Beifall Anriß. Frl. Agnes Lenbach brachte mit schöner Altstimme mehrere Gesäuge zu Gehör.. Ferner wirkten Frl. Frieda Wolf (Soprans. Frl. Charlotte Rosen lVioline) und der Organist der Reuen Synagoge, Herr Zepte. veröienstvoll mit. Die Tatsache, daß Herr Kellermann sich bei der Ausdeutung des großen Stoffgebietes außer als Vortragender auch als Forscher und Musiker betätigt hat. verdient besonders hervorgehoben zu werden. Die von ihm Verrührenden Kompositionen fanden reichen Beifall. Geld bekommen, aber der General reichte mir bloß die Hand und sagte: „Mein lieber Aron, wir wolle» uns wieder miteinander vertragen. Sobald ich Geld bekomme, sollen Sie auch das Ihrige bekommen, aber Sie müssen noch einen Monat liefern." Was sollte ich tun? Ick übernahm also wieder für einen Monat die Lieferung, aber Geld bekam ich wieder Leines. Der General gab mir so viele gute Worte, daß ich mich überreden ließ, auch noch einen dritten Monat zu liefern. Dann erklärte ich, ich könne nicht weiter. Ich batte auch sehr viel Hen und Stroh geliefert, mein Kapital wäre erschöpft. ,Ach reise in drei Tagen nach Lbo." sagte der General „dort erhalte ich von der Stadtkasse ein Darlehen non 1000l)0 Reichstalern. Sie können mitfahren und davon 10(300 Taler bekommen." Ich war damit zufrieden. Aber ich bekam Briese aus Tawastehus und Humplo*s, meine Leute hätten sich gezankt und wollten nicht zussammenbleibe». Ich batte dreizehn Personen. Ich mußte nun selbst Hinreisen und andere nehmen, so konnte ich den General nicht begleiten. Es war aber nickt weit ab und so ließ ich dem General bestellen, ich würde mich bei ihm in A£»o melden. Ich kam auch zur bestimmten Zeit hin, aber die Reise war umsonst gewesen, der General hatte nichts geliehen bekommen. Er sagte, er müsse nach Tawastebus reisen, dort werde er aus der Kanzleikasse Geld bekommen. Ich fuhr also einen Tag voraus nach Tawastehus und bestellte fitr den General beim LanüShösöiug Wlllebrand Quartier. Der General kam an, besah sich mein Heumagazin und ging dann zum Rentmeister um Geld. Er hatte ge-, glaubt, bei dem eine starke Kasse zu finden, aber es waren nicht mehr als 5000 Reichstaler vorhanden. Da bekam ich bloß 1500 Reichstaler und reiste wieder nach Lowisa. Der General vertröstete mich, es würde bestimmt aus Stockholm Geld gekommen sein. Jndeß es war kein Geld da. Doch ein Kaufmann gab ein Darlehen von 10 000 Reichstaler». wovon ich 1000 Taler bekam. Der General konnte sich gar nicht retten vor lauter Schulden. Er sagte, er müsse einige Magazine inspizier«», er käme in drei Tagen wieder. Zum Stellvertreter ernannte er den Oberstleutnant Baron Munk. Ex vertröstete alle Leute, denen man schuldig war. damit. Baron Munk werde Geld bekommen und alles bezahlen. Es kam aber kein Geld Der General blieb vier Wochen weg, bis endlich von Stockholm Geld «intraf. Dieses Geld war Reichrgeld. Meine Z Humplo? Der Name war nicht zu entziffern, vielleicht GlumppAg in -er RÄe aro Srorätcfel i, HaM Forderung war indessen auf über 20 000 Reichstaler ange» wachsen, bekommen hatte ich im ganzen erst 6000 Reichstaler. Nun wollte ich kein frisches Fleisch mehr liefern. Das Vieh wurde ivnner teurer und zwanzig Meilen in der Runde war keines mehr zu bekommen. Es kam mich schon höher zu stehen, als mein Vertrag lautete, außerdem mußte ich Roggen. Gerste. Erbsen, Butter. Talg. Salz. Fleisch liefern, was ich nur im Lande aufkaufen konnte. Es war auch ei« Befehl ergangen, daß alle Magazine, an die ich oder meine Leute liefern würden, zur Abnahme verpflichtet seien und der Kommissar für jede Lieferung eine Quittung auszustelle» habe. Ter General wollte mich nicht loslassen, ich mußte wieder auf zwei Monate Vertrag schließen, frisches Fleisch zu liefern, das Lispfund für 32 Schillinge. Ich konnte auch nie vollsbärchige Zahlung erlangen und mußte allmählich viele Tausende Kannen Branntwein, die auf Regierungsrechnung hier lagerten. <n Zahlungnehmen. Bon meinen anderen Waren und vou Schmucksache» hatte ick aber so viel verkauft, daß mein Schwiegersohn, der jetzt mein Kompagnon war, sich zufrieden geben tonnte. Run hatten wir bei der Armee nicht mehr solche Not um Geld, denn wir bekamen Neichsgeld. ES waren aber die kleinsten Scheine 3 Reichstaler. dann welche zu 24 Schillinge, auch 3 Reichstaler mrd große Scheine. Es herrschte ein großer Mangel an Kleingeld. Ich kaufte in Borgu bei einem Kaufmann etwas für 2 Reichstaler und 16 Schillinge eiu und gab ihm eine Note von 2 Reichstalern und 24 Schillinge»' er sollte mir 8 Schillinge wiedergeben. Er sagte aber, er habe kein Kleingeld und gab mir einen AchtMllingschciu: Es war ein gedruckter Zettel, darauf stand: Gegen diese» Zettel zahle ich, der Unterzeichnete, acht Schilling. Sveaborg. Datum und ein unbeka»uter Name. Ich fragte, wer dieser Mann wäre, der solche Zettel mache? Das sei eigentlich ei» Bäcker, antwortete der Kaufmann, ein sehr reicher Mann, er besitze auch ein Kaffeehaus und einen Biktualierchandel und sei sicher. Ich nahm den Zettel, ging damit zum General: .Sehen Sie." sagte ich ihm, „solche Zettel bat ein Bäcker iu Sveaborg drucken lassen, und die Leute nehmen sie anstandslos an. Sie wissen, daß Kleingeld außerordentlich knapp ist und daß bei den Soldaten schon viel Lärm gewese» ist. weil sie ihr Geld »icht können gewechselt bekommen. Sie haben auf einen Dreitalerscheiu schon 16 Schillinge verliere» müsse«. Lasse« Sie solche Zettel drucken und schreiben Sie Ihren Namen darunter, oder lassen Sie Ihren Name» mittels Presse darunter drucken." wfMtei Ws am Kämmerer Sachneüsl» «ch Me» W»

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