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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-03-04 · 9 (4.3.1927) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
9 (4.3.1927)
Date
1927-03-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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7. Jahrgang Kummer S Beilage 4. März 102? MUchÄmleMmg Hugo Eonneufeld Bon Heinrich Giern, Berlin. Die Nachricht vom Tode unseres Freundes Sonnenfeld wird in weitesten Kreisen schmerzliche Erschütterung verbreiten, unS aber weht aus der Todesnachricht der dunkle Flügel einetragischen Geschickes an. Unser Schmerist um so tiefer, als wir, ferne langjährigen Mitarbeiter auf dem Gebiete des Liberalen Judentums, auf Grund einer bestimmten sachlichen Differenz uns ihm zuletzt entgegenstellen mutzten. Diese sachliche Differenz im Einzelfall sollte, so hofften wir, dadurch harmonisch ausgeglichen werden, datz wir auf anderen Gebieten deS wetten indischen Arbeitsfeldes nach wie vor -rit ihm Schulter an Schulter stehen wollten. Nun ist er unS entrissen worden, und um die tiefe Trauer um das viel zu frühe Hinscheiden eines unserer besten Männer mischt sich -aS Weh darüber, datz er unS entrissen wurde, eh' die Wunde deS letzten Zwiespaltes bei ihm nnd bei uns vollkommen verharscht war. und durch neue gemeinschaftliche Arbeit ausgeglichen werden konnte. Das deutsche Judentum hat Sonnenfeld viel zu danken und hatte noch vieles von chm zu erwarten. Wer an ihn denkt, mutz sich dessen erinnern, wie er vor etwa 25 Jahren in der denkbar schwierigsten Situation, die oft chm nicht nur seelische Anstrengungen schwerster Art, sondern auch direkte körperliche Gefährdung zumutete, als Anwalt in dem Konitzer Blutmorüprozeh die Interessen der jüdischen Angeklagte» wahrgenommen hat. Wie alles, was er tat. ganz und gründlich geleistet wurde, so hat er diese Verteidigung nicht nur als juristische Pflicht, sondern alS Opfer des Juden für die jüdische Gesamtheit aufgefatzt und demgemätz zu Ende geführt. Er ist damals auch noch lange nach dem Prozeß von judenfeindlicher Seite auf oas schwerste angegriffen worden. Diese Angriffe haben ihn nicht verhindert, seine Meinung auch über daS gerichtliche Verfahren in Könitz offen auszusprechen, und diese mannhafte Kennzeichnung heute ganz ungeheuerlich anmutender Vorgänge, trug chm sogar eine Anklage wegen Beleidigung des Ersten Staatsanwalts ein, die mtt einer formellen Verurteilung enden mutzte Koch heute verdient die Rede Sonnenfelds in dem Metueidsprozeß Levy-Konitz größtes Interesse, nicht nur wegen der juristischen Feinheit und Scharfe seiner Ausführungen. sondern auch, weil daraus sein heißes Herz für die Person und die Sache, die er vertrat, hervorleuchtete. Denn Hugo Sonnenfeld war ein Mann, der ein heißes Herz hatte, wenn er es auch in fahrelanger Gewöhnung, in der Oeffentlichkeit zu stehen, mit einer männlichen Scheu zu verbergen bestrebt war. Es lag ihm nicht, sich in sein Herz sehen zu lassen. Nur wer chm näher trat wußte, daß er in vielen Fragen, die er scheinbar korrekt und unberührt erledigte, innerlich sehr stark beteiligt war. Ganz besonders gilt dies für seine Einstellung zu religiösen Fragen des Judentums. Ganz mit Unrecht zählte man ihn zu den reinen ^politischen Liberalen". die in einer vergangenen Periode den jüdischen Liberalismus zu einer reinen Kampf- und Abwehrbewegung zu stempeln vermochten. Selbst wenn er es in einem Moment starker Erregung nicht einmal selbst ausgesprochen hätte, mutzte mau es fühlen, datz er innerlich «in religiöser Mensch war. Seine Religiosität.empfing ihr Gepräge von einem starke» Individualismus, dem er auch in der allgemeinen Politik als alter Fortschrittler stets ein besonders entscheidendes Gewicht beimatz. So war es selbstverständlich, datz er. der langjährige Vertreter des politischen Freisinns, auch den Entwicklungsgebanken im Judentum voll wertete: und eS ist der typische Unterschied der Generation, datz er, der die individuell« Religiosität sehr stark hervorhob. die gemeinschaftlichen Bindungen daneben weniger hoch bewertet«. Das führte gerade ihn öfter in Gegensätze zu anderen jüdischen Richtungen als andere, die in religiöser Beziehung mit ihm auf dem gleichen Standpunkt standen. Gerade nach den Vorgängen der letzten Monate muß aber doch hier Zeugnis dafür abgelegt werden, datz hinter Smnenselüs Handeln «in reines und idealistisches Wollen stand. Selbst der, der nicht alle seine, Handlungen politisch für richtig hielt, muß sich menschlich vor einer Persönlichkeit beugen, die ihre Ueberzeugung nicht nur in Worten zum Ausdruck brachte, sondern danach auch handelte. Wie er als Anwalt und Kollege stets ein besonders hohes Matz an die Standesauffassung legte, so war «r in seiner jüdischen Tätigkeit und seinem persönlichen Leben eine durch und durch vornehme Natur. Er war ein Kämpfer und kämpfte oft mit scharfen Waffen, aber nichts Niedriges ivar in seiner Kampfesart. Er bewertete seine Gegner sachlich vielleicht nicht immer richtig, aber gerade das mutz man hervorheben, daß er auch in den Tagen erbittertsten Kampfes die menschliche Persönlichkeit des Gegners von seiner sachlichen Einstellung zu trennen und den Gegner auch dort zu schätzen wußte, wo er ihm entgegenzutreten gezwungen war. Wie ihn seine innerste Ueberzeugung in der allgemeinen Politik zum Liberalismus trieb, so war ihm auch die Arbeit und der Kampf in jüdischen Dingen Pflicht einer in seiner Ueberzeugung gefestigten Seele, und was ihm die Pflicht gebot, davon konnte ihn nicht wohlmeinender Zuspruch, nicht gehässiger Angriff abhalten, er ging seinen Weg. Erschütternd war es. wie er in der letzten Tagung des Landesverbandes aus innerster Ueberzeugung heraus sich das Opfer zumutete, den Präsidentenftuhl zu halten. Er hat uns nachher gesagt, daß es ihm schwere seelische Anstrengungen gekostet hat, äußerlich ruhig zu bleiben und in der ihm eigenen meisterhaften Beherrschung der Form und Geschäftsordnung die Versammlung zu leiten: leichter wäre es ihm gewesen, den Vorsitz abzugeben, — er glaubte aber der Sache zu dienen, wenn er standhielt, und — hielt stand! Was er in der Kjeinarbeit des Parteilebens geleistet, was er als langjähriger Mitarbeiter im Central-Verein für die Ehre und das Recht der deutschen Juden getan hat, wie er alS erster Präsident der Preußischen Landesversammlung das Beste dazu getan hat. um die Versammlungen äußerlich würdig und sachlich fördersam zu gestalten, das alles gehört der Geschichte des deutschen Judentums an. Bielen von uns aber war er mehr. Hinter diesem korrekt und kühl sich gebenden, oft fast als Typus eines Formalisten erscheinenden Mann lebte in Wirklichkeit ein stolzes, reines Herz und ein vor keinem Opfer zurückscheuender Idealismus. Diesem sotnevi pflichtbewußten Idealismus ist er schließlich zu« Opfer gefallen. Bon einer Krankheit nur mangelhaft hergestellt, trieb ihn sein Berufseifer zu früh vom Krankenbett auf, so datz er einem erneuten Ansturm deS tückischen UebelS nicht widerstehen konnte. Wie er äußerlich sich allen darstellte, eine vornehme, makellose Erscheinung, wie er innerlich nur wenige» bekannt war, ein aufopfernder Kämpfer für seine Ideale» so wirb Hugo Sonnenfeld alS der Unser« in unseren Herzen fortleben. * * * Die Beisetzung von Herrn Justizrat Hugo Sonnenfeld findet am Sonntag, den 6. März, vormittags 11 Uhr. von der alten Halle des Friedhofs Wettzenfee statt. Am Mittwoch, den 2. März, mitatgS 1 Uhr, fand die Ueberführung der sterblichen Reste Hugo Sonnenfelds aus seiner Wohnung in der Klopstockstratze nach Weitzensee statt. Eine stattliche Trauergemeinde hatte sich irn Trauerbaus versammelt, unter ihnen zahlreiche Führer der jüdischliberalen Bewegung und eine große Anzahl Hauptvorstandsmitglieder des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Eingeleitet wurde die Trauerfeier durch eine Predigt des Leiters der Chewra Kadifcha, Rabbiner Dr. Link. Alsdann ergriff Justizrat Dr. Brodnitz, innerlich tief bewegt, das Wort, um den Verstorbenen in seinem Leben und Streben, das durch de» kategorischen Imperativ der Pflichterfüllung beherrscht worden sei, zu würdigen. Daun sprach Justizrat Choüziesner im Namen des Reichsvundes jüdischer Frontsoldaten und deS Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde zu Berlin. Für die liberale Fraktion der Berliner Repräsentantenversammlung ries Emil Pincus dem Verstorbenen AbschiedSworte zu. Die Frankfurter Zeitung zum Pw-PalLsttna- Komitee. Wir hatten vevschietzenr Zuschriften veröffentlicht, die nichtjüdische Mitglieder L«S Pro- Palästina-Komitees an die Bereinigung für das liberale Judentum gerichtet hatten. Nunmehr veröffentlicht die „Frankfurter Zeitung" in ihrer Abendausgabe vom 26. Februar einen Leitartikel. den wir nachstehend zum Abdruck bringen. Die Red. Bor etlichen Wochen beschäftigten wir uns kurz mit dem Komitee „Pro-Palästina", das damals i«S Leben trat. Die Diskussion ist inzwischen weiter gegangen, es bst daher nöttg. noch einen Blick auf diese Sache zu werken. Man wird sich erinnern, Latz die Oeffentlichkeit eines Tages mit Ler Nachricht überrascht wurde, zum Zwecke des ÄufbaaveS Palästinas habe sich ein Komitee gebildet, dem eine Reihe politischer Persönlichkeiten, darunter auch hohe Beamte des Reiches und des Staates angehören. Da alsbald ersichtlich war. haß die Gründung von den Zionisten auSgeht, konnte man zunächst nicht recht verstehen, wie diese Politiker, die keine Zionisten und auch keine Juden sind, dazu kamen, sich an einer Propaganda zu beteiligen, -re. wie auch die Gründung ansgezogen sein mM. dem Zionismus zugute kommen mutz. Billige jüdische Bücher-Woche Sonderangebot für die Leser der „3iid.-lib. Zts.“ bis zum 25. März 27 zu Vorzugspreisen Geschichte und Bewegung Auerbach, E~ Die Prophetie. (1,50) 0,75 Bentfeld, S.: Die jüdische Literatur. I.: Bibel-Apokryphes u. jüd.-helL Schrifttum. Br. (2.—) 1L5, geh. . (5.-) 1.75 Buber, M.: Die jüdische Bewegung. Gesammelte Aufsätze und Aussprachen (1900—1920). 2 Bde. Geb. (5.-) 3,50 —: Drei Reden über das Judentum. Geb. (5,—) 1,25 Chad Gadja: Das Pessachbuch. Hersg. ▼. H. Herrmann. Kart. (2,50) 1,50 Dubnom, S. M.: Die neueste Geschichte des jüdischen Volkes (1789—1914). 3 Bde. Geb. (24.—) 12.- Edom: Berichte jüdischer Zeugen und Zeitgenossen über die Judenverfolgung während der Kreuzzüge. Geb. (1,50) 0,75 fluoiut Josephus: Jüdische Altertümer und jüdischer Krieg. 3 Bde. In Kasette geb. (20.—) 14,— Graeiz, U.: Geschichte der Juden. Frühere Ausgabe 3 Bde. Halbleder (30,—) 20,— Eoeflich, E.: Die Pforte des Ostens. Brosch. (2,50 1,75, geb. (430) 230 Juden m der deutschen Literatur. Essays über zeitfenössische Schriftsteller Hrsg. v. S. Krojanker. pe. (6,—) 3.-. Ln. (8.—) 4.— Hahn, Fritz: Die Juden als Rasse und Kulturvolk. Geb. (5,—) 3.- Karpeles, G.: Geschichte der orientalischen Literatur in alter Zeit. Illusir., geb. (6,—) 3,50 Katz: Charakterbilder ans der jüdischen Geschichte. Geb. (4.—) 2,50 Ulien-Bibel. Die Bücher der Bibel. Hrsg. v. F Rahlwes, mit Zeichnungen v. Lilien. 3 Bde. Ln. (55,—) 40,—, Halbldr. (70,-) 55,- Löhr, Max: Israels Knlturentwicklung. Illustr. (3,—) 1,50 Luschan, F. d.: Völker, Rasse, Sprachen. Illustr.. Geb. 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Dichtung nnd Kultur Leben und Worte des Baalschem Loeme, H.: Schelme und Narren mit jüdischen Kappen Lyrische Dichtung deutscher Juden Manasse ben Israel: Rettung der Juden Mendelssohn, Moses: Jerusalem Ostjüd. Liebeslieder von L Strauß Schapiro, L.: Die Stadt der Toten u. a. Erzählungen Der Zauberer, Auswahl hebr. Maraunendichtung de« Mittelalters Übertragungn von M. Steinschneider Broschürt je (1.—) 030 M.; gebunden je (1.50) 0,80 M, Kunst und Musik Das ostjüdische Antlitz. Text v. A. Zweig. Ca. 52 Zeichnungen v. H. Struck. Geb. (6,—) 4,— Brod, Max: Adolf Schreiber. Ein Musiker-Schicksal. Geb. 0,60 Jontefflieder. Hrsg. v. A. Nadel. 11 Hefte 1. Simchat-Thora: 2. Chanukah-Purim; 4. Peßach: 5.—6. Lag Baomer; 7. Tischahbeaw; 8. Rosch-Haschanah; 9.—10. Jom Kippur; 11. Sukkoth. Je (130) 0,30 Nadel, A.: Jüdische Volkslieder. 2 Hefte, je (1.—) 0,60 Noten aus dem Verlag „Juwal", Berlin, in reicher Auswahl. Jedes Stück 0,60 Zangwill: Die im Dunkeln wandeln. Roman. Geb. (4,—) 2,—- ——' Bestellungen sind an die Redaktion der »Jüdisdiliberalen Zeitung" Berlin SW 4$, Wiihelmstr. 147 zu senden, ssjm Bestellungen über 5.— Mk. werden portofrei zugesandt bei vorheriger Ueberweisung des Betrages unter Angabe des Zweckes auf das Postscheckkonto der Vereinigung für das liberale Judentum E. V, Berlin NW 7 Nr. 137069. Lieferungen unter 5.— Mk. erfolgen durch Nachnahme. Um Verzügerung zu vermeiden, bitten wir nm genaue Angabe der Adresse. >.) MX ante ®*(»rr

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