Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 8 (25.2.1927)
- Date
- 1927-02-25
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Jahrgang Nummer 8 WischLemleZeitiML 2. Beilage LS. Februar I9L? Roch einmal Professor Schestelowih. sein Kölner Aufruf und die Religiöse Mittelparlei für Einheit und Frieden der Gemeinde. Bon Rechtsanwalt Heinrich Stern. Berlin. . Ist Pr. 53 der „Jüdisch-liberalen Zeitung" vom Jahre INS erschien in wortgetreuer Wiedergabe der Aufruf der Jüdisch-religiösen Mittelpartei in Köln. alö besten Berfaffer Herr Professor Scheftelowitz sich bekannte. Am 5. Januar dieses JahreS richtete die Bereinigung für das liberale Judentum an die Berliner Religiöse Mittelpartei unter Hinweis auf das Kölner Flugblatt eine Anfrage, ob sie mit der Kölner Mittelvartei identisch oder organisch verbunden lei und ob sie sich mit den Ausführungen des Aufrufs' einverstanden erkläre. Hieraus erfolgte folgendes Schreiben an de» Vorstand der Bereinigung für daS liberale Judentum: Religiöse Mittelpartei für Einheit und Frieden der Gemeinde. Berlin LS. d. 16. Jan. 1927. An den Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum e. V. Berlin SW 48. Auf die Zuschrift vom 5. d. M.. die Sie an mich als : Mitglied des Vorstandes der Religiösen Mittelpartei in Berlin gerichtet haben, beehre ich mich folgendes zu erwidern: Von dem Bestehen einer Mittelpartei in Köln die mit der hiesigen Partei gleichen Namens in keinerlei Zusammenhang steht, haben wir erst durch das in Nr. 53 der jüdisch-liberalen Zeitung" veröffentlichte Flug, blatt Kenntnis erhalten. Wir müssen daher jede Berantwortuna für den Inhalt dieses Flugblattes ablehnen. Unser Programm, das in der Berliner Gemeinde seit langem bekannt ist. bat zum obersten Leitsatz die Fordi> rung erhoben, „versöhnend zu wirken und die Gegensätze zu mildern, um eine gemelnschgstlicke Basis zu schaffen für alle die sich nach jüdisch-religiösem Leben sehnen" Aus der Entrüstung über das Kölner Flugblatt hofft der Vorstand unserer Partei entnehmen zu dürfen, daß sich aus allen Seiten die Erkenntnis durchringt. unter jüdischen Brüdern dürfe nür mit ehrlichen, unveraisteten Waben aekämvst werden und — selbst un Wahlkampf - müsse die Losung -des großen Rabbi Jochanan ben Sakkai gelten: Wir sind in den Kampf nur eingetreten. „auf daß die Streitigkeiten sich nicht mehren in Israel". Mit vorzüglicher Hochachtung gez Dr. Holländer. Rechtsanwalt und Notar. Die Veröffentlichung dieser Zeilen stelle ich Ihrem Ermesten anheim. Auf Grund dieses Schreibens, das durch mündliche Mitteilungen des Bricfschreibers und anderer Vorstandsmitglieder der Mittelvartei ergänzt wurde dahingehend, daß der Brief das Ergebnis einer Vorstairdssitzung der Berliner Mittelvartei fei. in welcher man einmütig von dem Inhalt des Kölner Flugblattes abaerückt fei. schrieb der Unterzeichnete in seinem in Nr. 5 der „Jüdisch-liberalen Zeitung" er- "^fMRenen offenen Brief an Herrn Professor Scheftelowitz. daß die Mittelvartei „von der .Kölner Mittelvartei und ihrem Ausruf abaerückt iei". Hieraus erschien in Nr. 6 des Kölner «^ddischen Wochenblattes «olaevde Mitteilung: Herr Prolebor Sch. teilt uns mit. er trete für die Richtigkeit jedes Wortes das das Flugblatt enthält, ein und iei bereit, dieses durch reiches Material, daß er demnächst veröffentlichen werde, zn beleaen. Die Antwort des Herrn Rechtsanwalts Stern ist wieder ein Beweis dafür, daß der moderne Liberalismus nur sreiwilliae Bindunaen kennt, von denen man sich in den Moment völlig sreimachen dark in dem das Parteiintereste bier^n^ck einen Geimnn erzielt. Gleich im Anfang dieses Schreibens wird behanvtet daß der Vizepräsident des liberalen Weltverbandes Herr Stern festgestellt habe: „Die Berliner Mittelvartei ist offiziell in ibrem Brief an die libera''e Vereinigung von der Kölner Mittelvartei und ibrem gbaerü^t." Hierzu bemerke ick. daß die Kölner Mittelvartei seit Herbst vorigen Jahres in regem Verkehr mit der Berliner steht, und daß die Berliner Mittelvartei gleich nach Erscheinen unseres Flugblattes a"aereat hat. einen Zusammenschluß mit der Berliner Partei ru bilden. Deshalb ist es unwabr daß die Berliner Mittelvartei von der Kölner abaerückt iei. Folgendes Telegramm, das am 4. Februar von dem Vorsitzenden der Berliner Mittelvartei. Herrn Rabbiner Dr. Weiße, an die Kölner gerichtet wurde, beweist dieses: „Berliner Mittelpartei ist nicht von der Kölner abgerückt." Am 3. Februar bestätigte dieses der Vorstand der Berliner Mittelpartei noch in einem an mich gerichteten Schreiben: Berlin, den 3. Februar 1927. Sehr geehrter Herr Professor! Der Vorstand der Vereinigung für das liberale Judentum hat sich wegen des von Ihnen veröffentlichten Flugblattes auch au uns gewandt. Wir steben den Kölner Verhältnissen zu fern, um von hier aus zu der Angelegenheit Stellung nehmen und uns ein zuverlässiges Urteil darüber bilden zu können. Wir haben deshalb der Liberalen Vereinigung gegenüber irgendeine Erklärung auch nicht abgegeben. Einigermaßen verwunderlich erscheint es unS freilich, daß oeradc die Berliner liberale Partei sich durch das Flugblatt beschwert fühlt da sie uns am wenigsten dazu bernleu zu sein scheintden Sittenrichter zu spielen. War sie es dock, die bei den letzten Berliner Wahlen den Wablkannn gegen die religiöse Mittelvartei geradezu unwahrbgstig und in der denkbar häßlichsten und verhetzendsten Form geführt hat und selbst nickt davor zurückgeschreckt ist. den Kamps in , die nicktjüdische Taaesoreiie zu tragen. Wir hoffen, daß auch in Köln die lleverzeuauna sich durchsetzen wird, daß eS mit der Pgrieiwirtickast und der Betonung der Extrem? im iridis^en Leben nicht weiteraebt. daß nur im Geiste der Versöhnung., der Einheit und des Friedens, nicht aber unter der Diktatur irgendeiner Partei unsere Gemeinden gedeihen nüd wirken können. Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. Weibe. Kommerzienrat Gerion Simon. Dr. Jsmar Freund Ein weiteres Beispiel für die Unwahrbaftigkeit des von Herrn Rechtsanwalt Stern verfaßten offenen Schreibens. Herr Rechtsanwalt Stern behauptet darin, niemals habe die liberale Weltvereinianna gepredigt: „Es gibt keine Gefetzesreliaion. kein. Religionsgesed. . wudern nur freiwillige Bindungen" Hierzu bemerke ich: daß diese Worte von dem prominentesten geistigen Führer der iüdisck-liberalen Bewegung Deutschlands» Herrn Rabbiner Dr. Seliamann Frankfurt a. M.. anläßlich feines am 4. November 1926 gehaltenen Referates über «Die Ergebniste der Londoner liberalen Weltvereiniaung" ausdrücklich hervoraehoben worden sind, worüber auch damals im Kölner Jüdischen Wochenblatt Skr. 46 berichtet wurde. Nunmehr schrieb der Schreiber dieser Zeilen nachstehenden Brief an die religiöse Mittelpartei: 15. Februar 1927. An die Religiöse Mittelpartei z. Hd. des Herrn Rabbiner Dr. Weiße Berlin. Sehr geehrte Herren! Die bedauerliche Zuspitzung die die Angelegenheit bezüglich des Aufrufs der Religiösen Mittelpartei in Köln für mich persönlich genommen hat. zwingt mich heute, au Sie persönlich heranzutreten« Es handelt sich um folgendes: Auf das von der Bereinigung für das liberale Judentum an Sie gerichtete Schreiben vom 5. Januar ist, trotzdem uns das eigentlich selbstverständlich erschien, eine Antwort des Vorstandes der Mittelpartei nicht erfolgt. wohl aber haben sich einzelne Vorstandsmitglieder schriftlich einige andere dem Unterzeichneten gegenüber mündlich geäußert. Mündlich haben Herr Professor Sobernheim. Herr Geheimrat Stern und Herr Dr. Jsmar Freund dem Unterzeichneten erklärt, daß sie sowohl von dem Bestehen einer Religiösen Mittelvartei in Köln wie von dem Aufruf selbst erst durch die Veröffentlichung in der Liberalen Zeituna etwas erfahren haben Herr Dr. Rosenthal hat nachträglich das aleicke für sich bestätigt. Nach den mir oewordenen Mitteilungen trifft diese Feststellung fast für den gesamten Vorstand zu Mir ist ferner mitgeteilt worden, daß in der Borstandssitzung, in der unser Schreiben zur Bewreckuna kam. Einmütigkeit in Ihrem Kreist' in der Beurteilung bzw. Verurteilung des Flugblattes als solchem herrschte. Herr Dr. Holländer schrieb an die Vereinigung für daL liberale Judentum wörtlich folgendes: .»Bon dem Bestehen einer Mittelpartei in Köln, bte mit der hiesigen Partei aleichen Namens in keinerlei Zusammenhang steht, haben wir erst durch das :u Nr. 53 der Jüd.-lib. Zeitung veröffentlichte Flugblatt Kenntnis erhalten Wir müssen daher jede Berantmortuna für den Inhalt diestS Flugblatts ablehne». Unser Programm das in der Berliner Gemeinde seit langem bekannt ist. bat zum obersten Leitsatz die Forderuna erhoben, versöhnend zu wirken." Dieser Brief den Herr Dr. Holländer nicht für sich selbst schreibt, sondern in dem er zum mindesten die Ansicht einer Mehrzahl wiederaibt enthält eine deutliche Erklärung dahin daß man mit dem Inhalt des Flugblattes nichts zu tun staben wolle denn wenn Herr Dr.. Holländer den Standnunkt der Mittelvartei ausdrücklich (durch Unterstreichen des Wortes „unsere als einen versöhnenden usw. dem des Flugblattes entgegenstellt. io lieat darin eine Verurteilung der Haltung des Flugblattes. Der Unterzeichnete bat daher seines Erachtens durchaus richtig die Haltung des Vorstandes der Mittelpartei dahin charakterisiert daß sie von dem Flugblatt der Kölner Mittelvartei abaerückt sei. Herr Professor Scheftelowitz hat demgegenüber in Nr .6 des Kölner Jüdischen Wochenblattes in einer Deröfsentlichnna es für richtig gehalten dem Unterzeichneten direkt Unwahrhaftigkeit vorzuwcrfen und zu behaupten: 1. daß die Kölner Mittelvartei seit Herbst vorigen Jabres in regem Berkebr mit der Berliner siebe. 2. daß die Berliner Mittelvartei. gleich nach Erscheinen des Flugblattes einen Zusammenschluß mit der Kölner Partei zu bilden angeregt bat. 3 daß Herr Rabbiner Dr. Weiße telegraphisch und die Herren Rabbiner Dr. Weiße. Kommerzienrat Simon und Dr Freund noch brieflich es als unrichtig bezeichnet hätten, daß sie von der Kölner Mittelpartei abgerückt seien. Wie Herr Professor Scheftelowitz über mich denkt, ist mir vollkommen aleichgültig. Daß ich mir den Vorwurf der Unwahrbaftigkeit in einem jüdischen Blatt nicht gefallen lassen kann, ist ebenso zweifellos. Ich habe d-cker das dringendste Jnteresie an einer Kläruna der Sachlage, und zwar nickt nur durch eineu oder mebr-re einzelne Herren des Borstand"s. sondern durch den Vorstand der Berliner Religiösen Mittelpartei selbst. Die Haltung die die Mittelvartei in ihrer Sitzung, in der das Flugblatt zum erstenmal besprochen wurde, eingenommen hat. das Schreiben ded Herrn Dr. Holländer. welches wie er mir mitaeteilt bat. dem geehrten Vorsitzenden der Partei. Herrn Dr. Weiße, vor Absenbuna zur Kenntnisnahme Vorgelegen hat. einerseits, und die beiden Aeußerungen des Herrn Dr Weiße bzw. der drei anderen Herren, vor allem aber das Koalitionsangebot nach Erscheinen d-s Flu-cklattes andererseits, sieben tn mir nicht verständlichem Gegensatz. Ich bitte daher ergebenst, mir die Fragen freundlichst beantworten zu wollen:!. Ist es richtig daß der Vorstand der Mittelpartei als solcher von der Existenz einer Kölner Mittelpartei und von dem Flugblatt erst durch die Veröffentlichung in der Liberalen Zeitung Kenntnis erlangt hat. oder ist es richtia. daß die Kölner Mittelpartei seit Herbst vorigen itrt'iypä in m; + cstebt lalko Verkehr von Partei zu Partei als solcheri'? 2. Ist es richtig, daß der Vorstand der Mittelvartei in feiner Sitzung, in welcker daö Schreiben der Vereinigung für das liberale Judentum zur Besprechung kam, einmütig erklärt bat. daß er den Inhalt des Kölner Flugblattes nickt billige und damit uickts zu tun babe. 3. Ist es rtcktia. daß trotz dieser Erklärung des Vorstandes ein offizielles KoaUtionsanaebot von der Berliner Mittelpartei an die Kölner Mittelvartei nach der obengenannten Sitzung ergangen ist'? Ich bitte mir die Antwort auf diese Fragen bis zum Montag nächster Woche freundlichst zustellen zu wollen, da ick meinerseits noch am Montaa einen entsprechenden Brief an die Kölner jüdische Zeituna senden muß. in dem mir der Vorwurf der Unwahrhaftiakeit gemacht wird Ick bringe schon ein Opfer, indem ick eine Nummer dieser Zeitung schweigend vorbeia«'hen lasse. Wie ick aber seinerzeit als Vorsitzender der Vereiniauna für -aS liberale Judentum in Deutschland den Wunsch gehabt habe, objektiv festznstellen. daß die Berliner Mittelvartei. in der — trotz mancher grundsätzlichen Gegensätze — Männer sitzen, mit denen ich seit Jahren persönlich befreundet bin und sachlich zusammenarbeite, mit der Kölner uickts zu tun habe, wie ich es darum vruiieden habe, ohne nochmaliae Rückfrage die Kölner Partei mit der Berliner zu identifizieren, fo will ich auch setzt die Antwort der Berliner Mittelvartei. unzwar ihre offizielle Antwort. abwarten. ebe ick Herrn Professor Scheftelowitz die ihm gebührende Antwort gebe. Bon den Herren des BorstaudeS der Berliner Dttttelvartet kennen mich viele Herren persönlich: sie werden ‘ begreifen, daß ich ein Jnteresie habe, den Borwurf der Unwahrhaftiakeit fo schnell und so gründlich wie möglich auszuräumen. Mit vorzüglicher Hochachtung gez. H. S t ern, Rechtsanwalt. Hierauf erhielt ich das nachstehende Schreiben vom 17. Februar 1927: Abschrift. Religiöse Mittelpartei für Einheit und Frieden tn der Gemeinde. Berlin, den 17. Februar 1927. Geschäftsstelle: Schöueberg. Belziger Str. 46. V. Glück. Telephon: Stephan (0884.) Herrn Rechtsanwalt und Notar Heinrich Stern. Berlin SW. 48. Friedrichstr. 234. Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt! Aus das gefällige Schreiben vom 15. d. M.. erwidern wir ergebenst wie folgt: Wenngleich wir an sich keinerlei Anlaß haben, auf Fragen, wie Sie von Ihnen gestellt sind, zu antworten, wollen wir. um auch bei dieser Gelegenheit zur Verständigung und zur Entgiftung der Atmosphäre veizu-- tragen. Ihnen sachlich die folgende Antwort geben: Nur ein Teil der Mitglieder des Vorstandes war vvn dem Bestehen der Mittelpartei in Köln unterrichtet. Im übrigen betrachten wir den Inhalt Ihres Briefes vom 15. d. M. durch das Schreiben unseres Vorstandsmitgliedes Dr. Holländer vom 16. Januar d. I. bereits klar und eindeutig beantwortet. Dieses Schreiben entspricht den Richtlinien, die in dem Vorstandsbeschluß vom 10. Januar 1927 festgelegt sind. Mit vorzüglicher Hochachtung Religiöse Mittelpartei für Einheit und Frieden der Gemeinde. gez. Gerfon Simou. gez. Dr. W. Rofenthal, Vorsitzender. Schriftführer. Der Briefwechsel spricht für sich selbst. Nach dem durch die mündlichen Mitteilungen ergänzten Schreiben des Herrn Rechtsanwalts Dr. Holländer vom 16. Januar 1927 konnte, und mußte ich der Ansicht sein, daß die Religiöse Mittelpartei von dem Aufruf der Kölner Mittelpartei und Herrn Professor Scheftelowitz abgerückt sei. Mit diesem Schreiben steht, der Brief der Herren Rabbiner Dr. Weiße, Dr. Freund und Kommerzienrat Simon und insbesondere auch das Telegramm des Herrn Rabbiner Dr. Weiße in schwer vereinbarem Gegensatz. Ich habe mit meinem Schreiben vom 15. Februar versucht, diesen Gegensatz aufzuklären und zu diesem Zweck insbesondere auch die Frage an die Religiöse Mittelpartei gestellt ob sie nach und trotz dem Beschluß der Borstandssitzung nach Erscheinen des Kölner Flugblattes der Kölner Mittelpartei ein offizielles Koalitionsangebot gemacht habe. In dem Schreiben der Berliner Mittelpartei ist diese Frage nicht beantwortet. Auch die von mir gestellte Frage, ob der Vorstand der Partei mit dem Inhalt des Kölner Flugblattes sich identifiziere oder nicht, ist nur durch Bezugnahme auf das Schreiben des Herrn Rechtsanwalts Holländer erledigt worden. Eine Aufklärung des Gegensatzes dieses Schreibens zu dem Telegramm des Herrn Vorsitzenden der Partei und dem darauffolgenden Schreiben ist nicht erfolgt. Ich stelle fest, daß trotz bestimmter au sie gerichteter Fragen die Religiöse Mittelpartei für Einheit und Frieden der Gemeinde für Berlin den Gegensatz in ihrer Haltung Herrn Profesior Scheftelowitz und mir bzw. dem Borstand der Vereinigung gegenüber nicht aufznklären bereit vder imstande ist. DaS Urteil über eine derartige Politik kann dem Urteil der Oeffenlichkeit überlasten werden. Insbesondere mögen sich die Leser auch ein Urteil darüber bilden, wem in diesem Falle der Borwurf der Unwahrhaftigkeit gemacht werden, kann. Noch ein Wort au Herrn Professor Scheftelowitz selbst: Nach berühmten Muster hat Herr Professor Scheftelowitz -rnö dem gesäurten Inhalt meines Briefes nur zwei Punkte herausgegriffen, einen für den materiellen Inhalt des Briefes selbst absolut nebensächlichen, nämlich sein Verhältnis zur Berliner Mittelparlei. das durch die oben erfolgte Wiedergabe des Briefwechsels erledigt ist. und eineu weiteren Punkt, nämlich die Aufklärung seines Zitats über die „freiwilligen Bindungen". In dem Flugblatt der Kölner Mittel- Partei wird der Liberalen Weltvereinigung in den Mund gelegt „es gibt keine Gesetzedreligiou. kein Religionsgesetz» sondern nur freiwillige Bindungen". Jetzt muß Herr Prvfestor Scheftelowitz zugeben daß dieses Zitat nicht von der Weltvereinigung herrührt, auch nicht auf der Londoner Weltkonserenz gesprochen ist. sondern daß es Herr Rabbiner Dr. Seligmann gebraucht habe. So wird Geschichte gemacht. Ein Satz, den einer der 25 Mitglieder des BorstaudeS der Liberalen Weltkonferenz in einem Referat über die Konferenz ein Vierteljahr später in einem Bortrag ausspricht, wird aus dem Zusammenhang gerissen und es wird dieser Satz durch Anführungsstriche als wörtliches Zitat der Koufereuz selbst bzw. der Weltvereinigung untergeschoben. Früher hatte man von der Arbeitsmethode eines deutschen Professors und jüdischen Gelehrten andere Vorstellungen. Alle anderen Angriffe, die ich gegen die Berichterstattung des Herrn Professor Scheftelowitz in seinem Flugblatt bezüglich der Londoner Konferenz erhoben habe, sind mit Schweigen übergangen. Unter diesen Umständen, glaube ich, brauche ich den Vorwurf der Unwahrbaftigkeit. der von einer solchen Seite kommt, nicht tragisch zu nehmen. Aufs tiefste bedauern aber muß ich. daß sich die Berliner Mittelpartei nicht dazu aufgerajft hat. in klarer und eindeutiger Weise einem derartigen Gaukelspiel die Verachtung zu zeigen, die ihm gebührt. Aus der Bewegung Berlin. (Jüdisch-liberaler Jugendverein Jli). Unsere Gruppen haben wie in vergangenen Wintern auch in diesem Jahr jede ein arbeitsreiches Programm durchgeführt. Bei den älteren Gruppen hat sich eine Entwicklung gezeigt, die von nur religiösen Themen zu allgemetninterestanten Problemen hinführte. Im Vordergrund stehen da ethische Fragen, es kamen aber dann politische, wirtschaftliche und rein praktische hinzu. Jede der Gruppen zeigt — ihrer Struktur nach — ein anderes Bild ihrer Arbeit, und doch ist der einheitliche Gedanke, der die einzelnen Führer leitet, unverkennbar. , Unsere Jüngsten an Alter, die Gruppe Norden (Führer Paul Heinrichsdorff. In den Zelten 9j. halten an runwn wagten. Das Buch Ruth gab Anlaß zu eine, heftigen Ausernandersetzuvg über Austritt aus einer Reli