Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 8 (25.2.1927)
- Date
- 1927-02-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Unterrichts, di« Oberstufe, zu beachten, und dieser Besprechung möchte ich wieder eine Erfahrung voranschicken. Unlängst hörte ich in einem exklusiven indischen Kreise «tue größere Reche von kurzen Referaten über das Thema: »DaS bedeutet mir das Judentum?" Meine Befürchtung bei der Einladung, daß solche Themen sehr leicht zu Superlativen werden können und die Gefahr der Profanation in sich bergen, wurde teilweise bestätigt. DaS Heiligste nämlich und das Beste, was wir haben, fallen wir nicht ganz offenbaren und können es auch nicht in vollster und freiester Deutlichkeit der Umwelt Mitteilen. Aehnlich steht es mit dem eigenen jüdischen Standpunkt. Der Versuch, üht wirklich Willen den oder Bewußten aufzuzwingen.'ist schon eine Sünde. Trotzdem ist es nötig und erforderlich, auf der Oberstufe scharf umrissene Stellung zu nehmen zu den einschneidenden und trennenden Anschauungen innerhalb des Judentums, ab wir nun die Formulierung Dogma dafür gebrauchen wollen oder nicht. Der Begriff deS Ritus, wie der Lehrer oder andere ihn fassen, der Begriff und die Einstellung zu den jüdischen Parteien müssen erörtert und gesunden werden, und darum darf auch eine so wichtige Erscheinung wie der Zionismus in der Schule nickt unbeachtet bleiben. Wie töricht wäre aber der Versuch des nicht zionistischen Lehrers, seinen Schillern, die Anhänger dieser Richtung sind, ihr Ideal auS der Seele reißen zu wollen! Wille» wir dock alle, wie oft gerade diese Zöglinge mit die Besten und Begeistertsten sind. Doch ei» Recht hat der Lehrer als Anwalt der Wahrheit daran? hinzuweisen, daß ein anderer und entgegengesetzter Standvunkt keineswegs dasselbe ist wie Jndifferentismus und Assimilation. Im übrigen möge er sich ganz klarmachen. wie wenig heimisch innerhalb des Judentums der Bearifs des Äetzerns ist. und wie sehr er dazu berufen ist. auf der einen Seite Toleranz zu üben, auf der anderen aber keine Verwällerung aelteu zu lalle». Die reifen Schüler vrüfen ihn auf Herz und Nieren: daher ist es das Rühmlichste, offen und ehrlich ein Bekenntnis des eigenen iüdischen Ich obzulegen und immer wieder charaktervoll urrd des aebotenen Taktes bewußt, zur Vertrauenswerbung zu schreiten, damit di« SHulentlallcnen eine feste Gesinnung ins Leben hinausnehmen. Drei Pirnkte habe ich am Schlüsse meiner vielleicht zu lang geratenen Ausführungen zu formulieren. Sie lauten: 1. der jüdische Lehrer möge niemals Hetzen und eine andere Anschauung baut verurteilen. 2. er soll vielmehr im besten Sinne liberal fein. 3. er darf niemals vergessen, was uns im Judentum eint und alle Schattierungen an Wert überragt. Hiermit verbinde er die Belehrung, daß die Struktur des Judentums eine reich gegliederte sein muß. und daß in dieser Gliederung das Geheimnis unserer Dauer und Stärke liegt. Wenn der Lehrer seine Ausgabe so erfaßt, dann ist es isim möglich, trotz der vielfachen, nickt zu verkennenden Schwierigkeiten seinen eiaencn Standpunkt auch im Unterrickt zu wahren Kann er das nicht, daim mutz er abtreien Versucht er sich aber ehrlich und ringend auf diesem dornenvollen Wege, dann geht er als Sieger und nicht als Schauspieler oder geivaltener Mensch aus seinen Bemübungeu und am Schlüsse seiner Arbeit hervor. Charakter und Takt müssen seine Helfer lein, dann wird ihm jene Erzählung deS Talmud zum echten Erlebnis werden iTalmnd babli. Erubin 13 b) die die friedliche Beendigung des Streites zwischen den Schulen Schamais und Hillels berichtet nachdem damals, vielleicht stärker noch als heute, eine furchtbare Entzweiung und gegenseitige Aechtuug in Israel eingetreten war. „Jozesso^bas kaul wiomro: elu weftbi diwre Eiauhim chaiim hen. — Es wurde eine Gottesstimme gehört und diese sprach: Die einen wie die arrüere» Lehren sind Worte des lebendigen Gottes." — Oder, wie wir es übersetzen wollen: Alle beide haben recht. Ein jüdisches Griqinal Bon I. Moses, Kassel. Was manchem Künstler und Helden des Geistes versagt blieb, nämlich lange nach dem Tode noch in der Erinnerung späterer Geschlechter fortzuleben. Jeisel Schwalmberg, vou dem ich heute einige Anekdoten Mitteilen möchte, durfte eS vou sich ohne Ruhmrederei in Anspruch nehme». Er war zeitlebens bei Juden mrd Christen seines Heimatortes geachtet, und heute, da schon die vierte Generation in seiner Werbt neue Mitglieder! Familie von ihm redet und Fernstehende ihn als den klugen, schlagfertigen Menschenkenner zitier«,, glaubt mau zuweilen »och, ihn unter den Lebenden zu sehe». AlS kleiner Junge habe ich oft vor seinem Bilde gestanden, das ihn in der damals üblichen patriarchalischen Tracht mit „Vatermörder", schwarzer Halsbinde und Samtkäppchen darstellter im Lehnstuhle sitzend und die Rechte auf den Krückstock gestützt, die freundlich und schelmisch blickenden Augen aber aus sein Gegenüber gerichtet, als schwebe immer die Bemerkung auf seinen Lippen: „Jüngelche, Du machst mir nix vor!" so ist er mir im Gedächtnis geblieben. Jeisel Schwalmberg war ein Vertreter der guten, alten Zeit: arbeitsam, ökonomisch, mißtrauisch gegen Neuerungen, sarkastisch und von herbem Spott gegen jeden, der seine Gutmütigkeit mißbrauchen wollte, aber jederzeit hilfsbereit und gut abwägend in seinem Urteil, das Jude und Christ gern in Anspruch nahm. Darum genoß er das Ansehen eines örtlichen Schiedsrichters, und darum sind heute seine Aussprüche noch im Umlauf. „So hat der alle Jeisel gesagt." leitet dieser oder jener älterer Bewohner seinen Bericht ein, wenn er einen seiner launigen Aussprüche wiedergeben will. DaS bereits erwähnte „Jüirgelche, Du machst mir nix vor!" verdankte seine Entstehung folgendem Anlaß. Jeisel Schwalmberg vertrat »ach dem frühen Tode seines Schwiegersohnes. der „in das Haus" geheiratet hatte, bei seinem Enkel Vaterstelle, und weil er selbst sparsam lebte, wollte er aus) den jungen Salomo» in diesem Geiste erziehen. Aber damit hatte er wenig Glück; denn der lebenslustige, flotte Bursche war eben schon vom Geist der neuen Zeit angesteckt. Eines Tages brauchte er Geld, und da kam er auf den sonderbaren Einfall» seinem Großvater etwas vorzuflunkern uird ein Geschäft zu erdichten. Er trat vor ihn mit den Worten: „Großvater, der Pächter Nöll will 10 Taler leihen!" Der alte Herr fiel aber auf den Schwindel nicht herein. Er zwinkerte lustig mit den Aeuglein. sah sich seinen „genialen" Enkel mißtrauisch von der Seite an und sagte dann in aller Gemütsruhe: „So, der srsll will 10 Taler borgen? Rinnkommen (hereinkommen) soll er, sehen will ich ihn!" Da stand der pfiffige Salomo» mit seinen Talenten und schlug errötend und beschämt die Angen nieder. Der Großvater schmunzelte aber und riet seinem Enkel, mehr wahrheitsliebend zu sein und mit dem §ugeteilteu Geld sparsam zu wirtschaften. Sein Sprüchlein ist aber später gar oft erwähnt worden, wenn es sich darum handelte, eine Sache mit Zweifel und Mißtrauen zu betrachten. Aergerlich war Jeisel Schwalmberg, wenn Geschäftsfreunde ferne Gastfreundschaft über Gebühr in Anspruch nahmen, ohne seiner Ware — er betrieb den Brehhanüel — die gewünschte Aufmerksamkeit zu schenken So jprach er einmal während der -Halbfeiertage des Peßachfestes von ihnen, als sie sich bei ihm gütlich taten, ohne Neigung zu geschäftlichen Abschlüssen zu zeigen: „Ochsen wvll'n sie net. Mazzeklöß, die woll'n sie!" Selbst, als es zum Sterben ging, behielt Jeisel Schwalmberg. dem ein gütiges Geschick das selten hohe Alter von W Jahren bescherte, seinen frohen Mut. der allerdings mit einer starken Dosis Resignation s und frommer Ergebung in Gottes Willen gepaart war. Sein Jugendfreund. Nikolaus Groß, war gestorben, und! schonend suchten seine Familienangehörigen ihm die Hiobs-! post mitzutcilen. Als er die volle Wahrheit erfahren hatte, wurde der schon kränkelnde Greis nachdenklich: dann brach { doch nochmals der Schalk bei ihm durch, »uro er seufzte: „Nun ist's mit mir auch vorbei: denn der Nikolaus vermasselt (verrät) mich da oben!" Jeisel Schwalmberg hatte wahr gesprochen, nicht weil ihn sein Jngenüfreund im Himmel verraten hatte, sondern weil seine Zeit erfüllt war. Wenige Wochen später schloß auch er die Augen zum ewigen Schlummer. Sein Name und fein Airdenken wurden aber! nicht vergessen. Als die Chewrah Ladischah, zn deren ältesten Mitgliedern er zählte, anläßlich eines Jubiläums eine Gedenktafel für die Synagoge stiftete. da prangte sein Name an oberster Stelle mit Worten schlichter Berehrrmg. Daß er aber auch außerdem aufrichtige Bewunderung genoß, das haben viele bis auf die Gegenwart erhaltene Episode» aus feinem Leben bewiesen. Jeisel Schwalmberg war ein Original. als solches lebt er »och heute in der Erinnerung seiner Landsleute. beaetarier und Ignoranten Der Leitartikel der Nr. 6 des „Israelitischen Familienblattes" ist ein flaurmender Protest gegen die Einführung eures Schächtverüotes irr Bayern. Der Leitartikler hält strenges Gericht über einen „mit dem Doktorhut versehenen jüdischen Mann, der seinen gesetzteStreuen Glaubensgenossen in den „Münchener Neusten Nachrichten" den kuri- Friedrich bekam Order nach Hause, nach Stockholm, zu reisen. Der König reiste auch von der Armee ab nach Gotenburg. und im September kam Herzog Karl nach Lowisa. Ich ging zu ihm hinauf, denn ich wußte ltun selber nickt mef>r. was ich tun sollte. Es wurde sehr viel von allerlei gefährlichen Dingen gesprochen, und einige von den höchsten Offizieren rieten mir, ich solle »ach Hause fahren. Ich ließ mich also beim Herzog Karl melden. Er kam sofort heraus und fragte, was ich wolle. Ich sagte, ich härte von Sr. Majestät Befehl, hier in Lowisa beim Hauvtanartier zu bleiben. Der König und der Herzog Friedrich seien aber nun nach Hause gereist, ob ich auch binfahren solle. Der Herzog fragte mich, ob ich nicht beim General Klingsporn gewesen sei. was ich verneinte. Der Herzog hieß mich n»n zum General zu gehen, beim der König habe ihm den Befehl Hintersassen, mir jede Art von Lieferungen zu übertragen, die ich nur übernehmen wolle. Dann fragte mich der Herzog noch, ob ich Schmuckiacheu mithabe. Als ich bejahte, mußte ich solche aus meiner Wohnung holen, und er kaufte mir für 300 ReichStaler ab. Ich ging nun zum General Klingsporn und sagte ihm. der Herzog habe mir den Befehl des Königs mitgeteilt, mir Lieferungen zu übertragen. „Ja," sagte der General, „gewiß. Was wollt Ihr also liefern?" Ich sagte, ich wüßte ja nicht, was er haben wolle? Er «einte, er wolle darüber Nachdenken und ich würde Bescheid bekommen. Schon am Nachmittag kam er mit noch einige» Generälen zu mir. Uebrigens kannte mich General Klingsporn seit langem. „Lieber Aron," sagte er zu mir. „Ihr könnt uns einen großen Dienst leisten. Unsere Armee bat kein frisches Fleisch und hier in Finnland ist das Bieh sehr billig. Es wohnen zwar hier zwei Schlächter, die ins Lazarett für die Kranken und Verwundeten ungefähr 20 Lisvfunb frisches Fleisch täglich geliefert haben. Ich habe ihnen auch Vorschuß gegeben aber sie gehen nicht aus der Stadt heraus, um etwas einzukaufen. sondern liefern nur. was sie hier auf dem Markt bekomme» können. Ich habe mit ihnen ein Ueberejnkommeu daß sie zn 24 Schilling das LisvfuE) liefern. Wollt Ihr Z Ein schwedisches Pfund — 425 Gramm, 1 Ltsyfuud -- 20 Pfund --- 8,5 Kilogramm. Euch aber verpflichten, alle Tage 1000 LiSpfund frisches Fleisch zu liefern, so sollt Ihr 36 Schilling für das LiSpfund bekommen" Nun hatte ich mir aus Stockholm eiu-ge Leute oerschrieden. vier Personen, die früher bereits Marketender waren, und jeder von den Generälen wrüilte gern einen Marketender bei sich haben. Ich sagte nun. ich verstände nichts von der Schlächterei, aber ich erwarte einige Leute, und werm unter ihnen einer ist. der sich aufs Schlächterhandwerk versteht, so würde tdj Bescheid geben. Am andern Tag kamen meine Leute an und ich stellte ihnen die Sache vor. Ich hatte aus dem Markte bereits eine» Ochsen gekauft, um eine Probe zu machen. Ich zeigte ihnen den Ochsen und sagte ihnen, was ich für ihn gegeben hatte. Der Schlächter, der dabei war, schätzte ihn ab und meinte, das Lispfund werde nicht höher als achtzehn Schillinge zu stehen kommen. Er schlachtete den Ochsen, uird es verhielt sich so. Ich schickte uun einige Leute hinaus aufs Laarü. Unter ihnen war einer, der schon die ganze Zeit über Sei mir war. Er mar ln Lowrla geboren und sprach sehr gut schwedisch. Ich fragte ihn. ob er Bescheid wisse und auf dem Lande Vieh kamen könne. Er meinte, er könne wir wohl an die hundert Stück täglich heranschaffen. Nun schickte ich den Stockholmer mit dem Manne herum, sie erkurrlügten sich und erfutzren. daß tatsächlich genügend Vieh zu e-nem erträglichen Preise zu haben sei. Ich schloß also mit dem General Kliugsporn einen Vertrag. einen Monat lang alle sechs Tage 1000 Lispfund frisches Fleisch zu liefern. In acht Lägen sollte die Lieferung beginnen. denn ich mußte mir erst ei» Schlachthaus bauen lassen. 1000 Reichstaler sollte ich Vorschuß erhalten, jede Lieferung sollte sofort bar bezahlt und der Vorschuß erst bei der letzten Lieferung abgezogen werden. Ich verlangte die 1000 Neichstaler Vorschuß, aber der Generul vertröstete mich, er erwarte jeden Augenblick Geld aus <Noiü)olm. Ich schickte also meine Leute hinaus »nd sie kauften 100 Stück Bieh. Ich bekam sechs Schlachtersöldaten zugewieseu. die das Vieh schlachten, -erteilen und nach Anweisung der Quartiermeister an die einzelnen Regimenter ausgeben sollten. Mit den Anweisungen ging ich bau» auf da» Kommissariat. dawar in demselben Hause, in dem auch der General Klingsporn wohnte. Ich verlangte Geld, allein man sagte mir. es sei noch keines angekommen. (Fortsetzung folgt.) ofen Rat gegeben hat, als Märtyrer ihres Glaubens auf den Fleischgenuß zu verzichten, well das Schächten eine Grausaurkeit bedeutet." Der Artikelschreiber rühmt sich, diesen „seltsamen Zeitgenossen" leicht gestäupt zu haben und will „über diesen .... Ahrmugsloserl zur Tagesordnung übergehen". Dies tut er mit der ironischen Bemerkung: „gewiß gibt es auch vereinzelt jüdische Vegetarier, sogar solcke, dre es durch Mißverstehen jüdischer Gesetzesvorschristen geworden sind". Die Redakteure des „Israelitischen Familienblattes" verstehen die jüdischen Gesetzesvorschriften viel besser. Sie schätzen Geurüse sehr, aber sie essen es nicht allein, sondern wissen, daß es am besten zum Fleisch schmeckt. Ans Seite 13 derselben Nummer erhalten die Leserinnen des Blattes „jüdische (!) Kochrezepte" und gleich deren erstes empfiehlt Sauerkraut in Wein zu -Wildbret (!), wie Rebhuhn, Fasanen nfw.!!! Es ergibt sich also das pikante Paradoxon, daß in einer und derselben Nummer gegen das Schächtverbot polemisiert wird und gleichzeitig Speisen empfohlen werden, die für Anhänger des Schächteus überhaupt nicht in Frage kommen können. Ist bas wohl die richtige Methode zur Bekämpfung eines Schächtverbotes. in dessen Verurteilung es Partemnterschiede nicht gibt? Aus den Gemeinden u Berlin. (Vom Preußische» Landesverband.) Am 30. Februar 1027 tagte zum zweiten Male der Wohlfahrts-Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden unter dem Vorsitz des Herrn Prof. Dr. Türk. Alle Punkte der umfangreichen Tagesordnung konnten erledigt bzw. durchbecaten werden. Ilm die Arbeit des Wohlfahrts-Ausschusses intensiver und fruchtbarer zu gestalten, wurde der bereits bestehende Unterausschuß vervollständigt und über seine Kompetenzen Richtlinien aufgestellt. Das reiche Material der Zentralwohlfahrtsstelle soll nutzbar gemacht werden. Einstimmigkeit herrschte darüber, daß nur überörtliche Organisationen und allgemein interessierende Arbeitsgebiete, dagegen nicht lediglich lokale Vereine und Anstalten die Unterstützung des Landesverbandes finden sollen. Darauf trat man in die Behandlung der Subventiousgesucke ein. Eingehend wurde über die jüdische Fürsorgeerziehung und die Versorgung der psychopathischen und schwer erziehbaren Kinder verhandelt, und Beträge für die Initiative auf diesem Gebiete bewilligt. Es wurden Stipendien an jüdische Lehrkräfte in Aussicht geirommen. die sich für diese ebenso schwierige wie segensreiche Aufgabe ausbilöen wollen. Es wurde beschlossen, für eine Vorbereitung eine Spezialkommiision für diesen Zweck mit dem Sitz in Frankfurt a. M. zu bilden. Der Haupt stelle für jüdische Wanderfürsorge, die durch daö Rückfluten der jüdischen Immigranten auü Frankreich stark in Anspruch genommen ist. wurde ein höherer Betrag zur Verfügung gestellt. Auch der Hilfs-verein der deutschen Inden wuä»e für die Zwecke feiner Berliner Dnrchwanderer- Fürforge subventioniert. Einzelbewilligungen für das Altersheim Landsberg a. 28.. eine Tuberkuloien-Fürsorgestelle für die Aüoptionszenirale des Jüdischen Frauenbundes wurden ausgesprochen. Den Mittelpnnki der gesamten Beratungen bildeten die sachkundigen Referate zur Bevölkecungspolitik von Frau S. WronsLn und Herrn San.-Rat Dr. Peyser. die durch Anträge von Frau Bertha Pappeuheim angeregt waren. Für wissenschaftliche Untersuchungen sowie Propaganda in Wort und Schrift aus diesem überaus wichtigen Gebiet wurde.» 10 000 M. bereitgestellt. Rabbiner- und Lehrerverbanö sollen ersucht werden, auf diesem so bedeutungsvollen Arbeitsfeld wirksam zu sein, lieber die Verwendung dieser Mittel soll ein Unterausschuß Vorschläge machen. Erst am späten Nachmittag konnte der Vorsitzende den Mitgliedern für die ausdauernde Mitarbeit Lanken imd die Sitzung schließen. Berlin. (Jüdische Gottesdienste am Volkstrauertag.) Ter Deutsch-Israelitische Gemeindebund gibt folgendes bekannt: Auch in diesem Jahre hat der Bolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge» in dem auch die jüdische Glaubensgemeinschaft vertreten ist, beschlossen, erneu Bolkstrauertag zur Ehrung des Andenkens der im Wellkriege gefallenen Soldaten zu begehen. Dafür ist Sonntag, der IS. März, bestimmt worden. An diesem Tage sollen religiöse und weltliche Gedenkfeiern veranstaltet und Vergnügungen und Lustbarkeiten eingeschränkt werden. Die Veranstaltung von Kollekten für die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen ist gleichfalls vorgesehen. Es ist dringend erwünscht, daß, wie es in früheren Jahren geschehen, die jüdischen Gemeinden an dem genannten Tage einen besonderen Gottesdienst veranstalten. Wo das in kleinen Gemeinden nicht möglich sein sollte, wäre doch beim SabbatgotteSdienst am 13. März eine Gefallenen-Gedächtmsfeier einzuschieben und darauf htnzuweisen, daß am Sonntag. den 18. März, dem Ernst des Tages durch Beschränkung der öffentlichen Lustbarkeit Rechnung getragen wird. Berlin. (Einführungskursus in die soziale Arbeit.) Auf Anregung des Jüdischen Frauenbundes e. B.. Verband Berlin, veranstaltet dieser gemeinsam mit dem Wohlfahrts- und Jugendamt der Jüdischen Gemeinde Berlin und dem Landesausschuß der jüdischen Jügendverbände Groß-Berlin einen Einsührungskursus in die soziale Arbeit. Der Kursus will Frauen und jugendlichen Helfern, sei es, daß sie zur Mitarbeit bereit sind, sei es, daß sie auf irgendeinem Gebiete der Wohlfahrtspflege tätig sind, einen Gesamtüberblick über den gegenwärtigen Stand der jüdischen Wohlfahrtspflege Berlins und die vorhandenen Aufgaben geben, und er will ferner zur selbstständigen theoretischen und praktischen Wetterarbeit anregen. Der Kursus beginnt am 1. März 1937. das Programm des Kursus sieht folgendes vor: Dienstag, den 1. März 1927: 1. Begrüßung: Frau Bertha Falkenberg: 2. Formen und Methoden der Wohlfahrtspflege: Frl. Dora Silbermann (Wohlfahrts- und Jugendamt der Jüd. Gem, Berlin). — Dienstag, den 8. März 1927: Wirtschaftliche Fürsorge: Frau Dr. Löwenberg (Zentrale für private Fürsorge). — Dienstag, den 16. März 1927: Gesundheitsfürsorge: Frl. Frieda Weinretch (Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden). — Dienstag, den 22. März 1927: ErziebungSfürsorge: Frl. Hilde Otteuheimer (ZentralwohlfahrtSstelle der deutschen Juden). — Dienstag, den 29. März 1927: Streifzug durch die Wohlfahrtsgesetzgebuug: Herr Dr. Georg Lubinski. — Dienstag, den 6. April 1937: Die Jüdische Gemeinde Berlin und ihre Fürsorgeeinrichtunaen: Herr Paul Frank (Jüd. Altershilfe). — Der Kursus wird mit Besichttgunge» von Einrichtungen der jüdischen Wohlfahrtspflege verbunden sein. Sr findet jeweils Dienstag Abends von 8—10 Uhr in der Form eines Seminars, Berlin C3, Rosenstr. 2—4. statt. Anmeldungen werden VtS zum 26. Februar d. I. an die Geschäftsstelle des Ber- VandeS Berlin des Jüdischen Frauenbundes, Berlin C2, Roseustr. 2—4, erbeten. Die Teilnehmergebühr beträgt für den Weud 0,50 M.. für den ganzen Kursus 2 M. Falls es erforderlich ist. wivö ein Parallelkurf«« im Westen avgehalten werden,