Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 7 (1927)
- Issue
- 8 (25.2.1927)
- Date
- 1927-02-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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er Mteitter Ueber z e ugu n g nach fielt Antisemit r Smus fördert. Lic. Dr. Haack, Pfarrer und Privatdozent lBreslau). IL Die Darstellung fies Herrn Pfarrers Dr. Haack bezüglich fies Eucken-Bunües kann ich aus eigener Sachkunde im vollen Umfange bestätigen. Ich war selbst bei der Tagung fies Eucken-Bundes im Herbst 1624 anwesend, «als der mir damals noch völlig unbekannte Herr Dr. Haack die Judenfrage zur Sprache brachte, und zwar in dem Sinne, daß unbedingt alle Ortsgruppen des Euckenbundes gehalten sein müßten. Juden, die mit den Tendenzen des Bundes übereinstimmen, als gleichberechtigte und gleichgeachtete Mitglieder aufzunehmen Mir ist auch bekanut, daß der nach seinem Austritt aus dem Eucken-Bund von Herrn Pfarrer Dr. Haack gegründete ..Totbund" jüdische Mitglieder gern aufnimurt und eine Reihe jüdischer Mitglieder hat. Die Idee, gerade diesen Mann, der im Eucken-Bund die antisemitischen Strömungen bekämpft bat und deshalb aus dem Bunde ausgetreten ist. als Antisemiten zu bezeichnen und für den Austritt iüdischer Mitglieder aus dem Euckenbund, die er gerade halten wollte, verantwortlich zu machen, ist bezeichnend für die Art. in der von zionistischer Seite jeder Nichtjude verunglimpft wird, der den Mut hat. offen gegen den Zionismus auszutreten. Dr. Max Naumann. Der jüdische Standpunkt deü Neligionslehrers im Unterricht. Bon Rabbiner Dr. Martin Salomonfki, Berlin. Im letzten Kriegssommer 1918 begegnete mir an der französischen Front, an einem jüdischen Festtage, ein deutscher Heeresangehöriger im Offiziersrang, der nach seinem ganzen Aussehen jüdischen Stammes zu sein schien. Da man im Felde sich leichter zusammenfand. wurden wir schnell bekannt und kamen in ein anregendes Gespräch. Hierbei erwähnte der Herr: „Heute hat man doch „Umipiie Chatoenu“ gebetet". Es berührte mich sympathisch, hier anscheinend einen Glaubensgenossen mit Kenntnissen und jüdischem Interesse gefunden zu haben, und ich lud den Offizier ein. an unserem, eine Stunde später stattfindenden Gottesdienste teilzunebmen. Er schlug dies mit der Begründung ab. daß er kein Jude mehr sei: „Aber." fügte er hinzu, „ich empfinde das Bedürfnis. Ihnen zu sagen, was mich letzten Endes veranlaßt hat. aus dem Judentum auszutreten. bis ich überzeuater Christ wurde. Mein alter Vater war sein ganzes hartes Leben lang jüdischer Reliqionslehrer. Am Ende seines Daseins bot sich ihm die heißerfehnte Möglichkeit. in den Schuldienst einer aroßen Gemeinde als Beamter ausgenommen zu werden. Es icbien so. als wenn nach einem wolkenbedeckten und stürmischen Tage die Strahlen der unteraehendeu Sonne seinen Lebensabend erhellen und verschönern sollten. Doch da stellte man die Bedingung, daß mein Vater den hebräischen Untericht ohne Kopfbedeckung erteilen müßte, und damit brachte man ihn in die schwerste Gennfsensaual. Mein Vater wußte nicht, wie er sich helfen sollte, und. um seiner Ueberzeuguna treu zu bleiben, griff er zu einem sonderbaren Ausweg, über den mancher vielleicht lächeln wird. Der Schmuck seines Hauptes hatte sich schon sehr gelichtet, und so ließ sich denn mein Vater eine Perücke Herstellen und lebte nun in der beruhigenden Vorstellung fort weil er. ftje beim Uitterricht trug, der Pflicht des Gesetzes genüat und das Verlangen der Schulbehörde umgangen »u haben. Dieser nicht zu zerstörende Eindruck der Gewaltsamkeit". so beendete der Offizier sein Bekenntnis, „ist eS gewesen, der mich dem Judentum immer mehr entfernte und schließlich Heraustrieb"; : Wir wollen gcvtz ununtersucht lassen, inwieweit und ob überhaupt dieser.Bericht, wie der manches anderen treulos gewordenen, auf innerer Wahrheit beruht, aber eins be, leuchtet er zweifellos, daß nämlich in noch nicht sehr entfernten Jahren oft genug der Lehrer der jüdischen Religion schon äußerlich in seinem Amte Schwierigkeiten und Beschwerden ausgesetzt war. die kein anderer Stand kennt; Wir geben gern und dankbar zu. daß inzwischen der Gewissenszwang sich gelindert hat und glücklicherweise eine Ilusgleichung und Minderung der Gegensätze innerhalb des Judentums eingetreten ist. aber trotzdem ist das offene Bekennen seines jüdischen Standpunktes dem jüdischen Religionslehrer teils sehr erschwert und andererseits auch nicht möglich, noch immer geraten. Das liegt in der Hauptsache zunächst daran, daß, sehr scharfe Unterschiede innerhalb der Schüleraemeinüe besteben. bei der Klasse, die vor dem Lehrer sitzt. Die Zahl der jüdi. scheu Gemeinden, welche eine einheitliche Struktur aufwetz'en und ei« religiöses Ganzes darstellen, ist & Deutschland sehr gering, und höchst selten findet sich für de«. Lehrer das Glück, ganz nach feiner Ueberzeugung in einem solchen Kreise wirken zu dürfen. Im allgemeinen und vor allen Dingen in den großen Städten sind alle Richtungen vertreten. und die Unterrichtsstation stellt selbst nach dem Fortfall der Radikalen von links und rechts, die sich leider oft genug ausschließen, ein divergierendes Häuflein dar. Gegenüber diesem Ausschnitt noch mutz der Lehrer mit mancher stillen Anfeindung, mit sehr bösen Vorurteilen rechnen, so daß er den Begriff der passiven Resistenz kennenlernt und manchmal — das ist keine Uebertreibung — sogar jene Spionage verspürt, welche seine Art und sein Wesen, verzerrt und vergröbert dem Hause und der Allgemeinheit zuträgt. ohne daß dort eine gerechte Prüfung vorwaltet. Das ist natürlich nicht der Fall bei fest organisierten Schulen und auch allgemein bildenden jüdischen Schulen, sondern tritt nur an jenen öffentlichen Bildungsanstalten ein. an denen der jüdische Religionsunterricht den Charakter eines Annexes hat und daher Hem Lehrer von vorherein einen Teil der Autorität versagt. Um so schwieriger wird die Frage für uns Lehrer zu lösen sein: Wie kann ich trotzdem meinen Unterricht frucht-, bar aufbauen und dabei meinem jüdischen Standpunkt treu bleiben? Sind diese Forderungen unseres Selbst überhaupt mit der Tatsache in Einklang zu bringen, daß in den Schulen, aus Grund willkürlichen Zufalles, eine nach den Anschauungen bunte Mischung von Lehrern und Lehrerinnen doziert? Wie sollen wir die notwendig eintretende Verwirrung verringern, die beim Unterricht liberaler Kinder durch konservative Kräfte geschieht, und ebenso natürlich umgekehrt? Läßt sich überhaupt etwas bessern, wenn wir ferner an der Erwägung nicht Vorbeigehen, daß dieses Manko in oder nach jedem Schuljahr durch einen neuen Wechsel der Unterrichtenden gesteigert werden kann? Nach dieser Aufzählung der Schwierigkeiten sei eine große stellt und lautete: Es gibt soviel Judentümer. als stellt und lautet: Es gibt sowiel Judentümer, als jüdische Menschen da sind, und darum muß der Versuch der unterrichtlichen Zusammenfassung gewagt und unter Wahrung des Charakters auf dem Wege des Taktes vollendet werden, wenn wir nicht auf das Schisma hinsteuern oder der freilich recht bequemen, sogenannten Parteilosigkeit des Lehrers das Wort reden sollen. Denn das ist eine üble Erscheinung, die. wie man sagt, nicht nur aus dem Katheder, sondern auch von der Kanzel herab, der Wahrheit und dem Bekennertum aus dem Wege zu gehen immer geschickter lernt, — und es soll auch dergleichen Lehrer gegeben haben. Beachten wir bei unserer Arbeit vor allem, daß auch im. Gesinnungsunterricht das Wichtigste daö Ziel bleibt, dann wird uns aus der Unterstufe die BewÜltigmrg relativ leicht werden. Das Kind soll nicht in der Schule über Partcistandpunkte informiert werden, sondern im Unterricht den Wiederklang seiner kindlichen Gefühle um Freuden empfinden. Darum mutz der Aufbau seiner kleinen Welt im Einklang mit dem Hause geschehen, und daher verfahre die Unterweisung schlicht und in den bewährte» traditionellen Bahnen und dennochwährend der Grundschuljahre und der ersten Zeit auf den höheren Schulen schon eminent individuell und unter sorgfältigster Beachtung des Kennenlernens und Ergründens der einzelnen Kinder uttd ihres häuslichen Umkreises. Gerade so bleibt der Lehrer wahr, wenn er durch das Beitrautsein mit jedem Kinde, hier das Trennende völlig vermeidet und sich an die Hauptaufgabe hält, das allgemein Gültige und Feststehende, die Begriffe des Gebetes, der Synagoge, der Feste und Symbole, der Gebote an der Hand edler Vorbilder in die Seelen zu pflanzen. Ganz anders steht es freilich, wenn das vorbrechewde Temperament des einzelnen und Frühreifen schwierige. Fragen anschuerbet. und der geistig hochstehende Zögling, der von seinen Kameraden in der Regel nicht begriffen und ausgelacht wird, von dem Lehrer die volle Wahrheit verlangt. Ein Beispiel: In der Quinta eines Gymnasiums sprang ein Knabe dieser Art auf und verlangte durchaus Aufschluß über das Wesen der Engel, da er mit dem früher darüber Gehörten nicht zufrieden sei. Ich bat ihn. mir seine Frage aufzuschreiben, und erhielt folgende Zeilen: „Was ich nicht verstehen kann. Ich kann nicht verstehen, daß wir heute, oder wenigstens in diesem Jahrhundert keine Engel sehen. Warum, frage ich mich, gibt Gott nicht durch sichtbare Wunder zu verstehen, daß er allein nur mächtig ist? Die meisten meiner sehr geschätzten ReligionSlehrer gaben mir die Antwort, daß Gott wegen der Sünden der meisten Menschen keine Boten aussendet. Diese Antwort kann ich nicht verstehen. Es steht J'a gerade in der Bibel an häufigen Stellen, daß oftmals Zoten Gottes das Volk uor seinen Sünden gewarnt haben." Ich gab nun dem Knaben folgende Erklärung: Dein i Vater beobachtet auf der Straße ein frierendes und weinendes Kind. Dieses ruft immer wieder mit zitternder» klagender Stimme: „Streichhölzer. Streichhölzer!" Dein Vater geht heran und kauft, aber das Elend des KindeS «Wittert ihn so. daß er schließlich sagt: „Zeig mir. wo du wohnst, ich »w mit dir nach Sause gehen!" Run stellt sich heraM daß das Kind von einer gewissenlosen Mutter zu fremden Leuten gegeben worden ist und von diesen angehalten wird» aus der Straße Streichhölzer anznüieten und dabei zu weinen, damit die Vorübergehenden starkes Mitleid empfinden und kaufen. Dein Vater will jetzt das Kind retten, darum läßt er nicht locker. Er nimmt es aus dieser bösen Umgebung und verschafft ihm eine gute Erziehung, weil er denkt: „Gerade dieses arme und verlassene Kind soll es auch so haben wie meine Kinder!" Dann war dem Vater, des Kindes guter Engel und er ist ein wirklicher Bote^ Gottes gewesen. — * Jetzt war der Junge zufrieden. Vielleicht darf ick. hinzusetzev. was er iwch sagte, als er mir den Zettel bereits übergeben hatte. Er sprang wieder auf und ries: „Was wollen Sie damit, ich habe Angst!" „Du mußt nichts befürchten," antwortete ich ihm. „wir jüdischen Lehrer lieben alle unsere Schüler sehr und kommen oft zusammen und erzählen uns. was euch Sorge oder Freude macht.. .Dazu brauche ich deinen Zettel." Da rief der Junge wieder: „Also dann ist's gut. Sie können ihn behalten!" Bei der Präparation auf die bekannte Geschichte: „Elia wählt Elisa zu seinem Nachfolger", war mir schon oft die Schwierigkeit ausgefallen. warum denn dieser Bauernjüngling, kaum daß Elisa ihm seinen Mantel zuwarf, dem Propheten nachfolgte und vor allem, warum gerade er mit de« wichtigsten Amt in Israel betraut wird. Ich hatte mir daher schon eine Antwort für den Fall zurechtgelegt. daß die Quartaner Fragen oder Einwendungen über seine Berufung erheben sollten. Es geschah wirklich, aber es geschah noch mehr! Einer der Schüler wollte zunächst wissen, warum denn Elisa, der Sohn eines begüterten Lgndmauues. der mit zwölf Paaren Rinder pflügte, dem unbekanuten, wildfremden Propheten in ein ungewisses Dasein hinaus folgte und das beschaulich behagliche Landleben im Stich lieb. Darauf erhob sich ein anderer und gab eine so wundervolle. ergreifende Antwort, daß sie auf keinen Hörer «inen starken Eindruck verfehlen wird. Denn er traf den Kern und sagte: „Der Prophet Elia war für den Sohn des Saphat kein Unbekannter. Elisa hatte den Propheten, als sich Israel auf dem Berge Karmel versammelte, gesehen und gebärt. Er war auch dabei gewesen und EliaS Auftreten hatte auf ihn einen unauslöschlichen Eindruck gemacht. Darum verließ er Abel Mehola und folgte ihm." Wenn man solche Antwort erhält, dann muß dem Lehrer auch auf dieser Stufe klar sein, daß er mit der Wahrheit nicht zurückhalten darf und schon vorher hierfür Ueberlegungen anstelle» muß. welche im Falle des erwähnten Beispiels lauten würden: „Auch dem Elia war Elisas Ergriffenheit damals ausgefallen, und er trug sich seitdem mtt dem Gedanken, ihn als Schüler zu gewinnen." Biel schwieriger ist die Wahrung des eigenen Standpunktes für den Lehrer auf der Mittelstufe, denn hier entsteht der Kampf zwischen dem Unterrichtenden und den zu Unterweisenden. Hier beginnt das sich Losreitzen des Kindes vom Althergebrachten und willig Uebernommeuen. Eine eigene Welt erhebt sich und der kritische Sinn erwacht. Die Schüler gewinnen einen neuen, erweiterten und. besonderen Blick für die Dinge. Auf diesen Erfahrutigen basiert auch die Gliederung des Unterrichts, der sich in der Hauptsache in Hebräisch. Geschichte und Religionslehre teilt. Gerade in diesem letzten, wichtigsten und bedeutsamsten Fach tritt nun der Lehrer vor die Wahl: Soll er letiML,ä:eirr theoretisches oder praktisches Judentum lehren, rate « eS meint».empfindet und erlebt? . .. Zweckmäßig beatmte der Leürer auf der MüßWrfe damit. stark das za betonen, was allen im Judentum gemeinsam und heilig ist. Selbst noch beim Ueberwundeuen oder aus der Uebung Gekommenen möge er stets das Gute hervorüeben. soweit er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, damit nicht die Sucht, alles zu bespötteln oder verächtlich zu halten, die ohnedies m der ersten Jugendzeit stark entwickelt ist. stch Lreitmache and die Liebe znm Judentum gefährde. Nach der positiven Seite hin sei als Beispiel einer wichtigen Betrachtung hier das Gebiet des Äaschrus genannt, während nach der negativen, im Prinzip zu bekämpfenden, auf die schwierige Behandlung der Konflikt« Angewiesen sei. wie sie sich in jedem Jahre aufs neue bei der aufgedrungeneu Besprechuria jüdischer WeihuachtSfeiern ergeben. Nach meiner Ansicht soll sich der LÄrer abervor breiten Erörterungen hierüber besonders hüte« und, so sehr er die schädliche und unjüdische Nachahmung frenrder Sitte» abweist. unbedingt vermeiden, Zwietracht zwischen Schule und Haus zu säen. . Wir Haben nun noch das Wichtigste, den Höhepunkt deS Aron?sak. Eine Lebensgeschichte. Bearbeitet von D r. B. S ch i d l v f. (11. Fortsetzung.^ Unterdessen schickte Herzog Friedrich nach mir. Als ich zu ihm kam, sagte er: „Euer Sohn ist krank und kann nicht mit mir reisen. Wollt Ihr nicht mit mir kommet:? Ihr könnt dabei ja auch gut verdienen, indem Ihr allerlei Waren mikuehmt: Biktualien. Wein von allen Sorten. Kaffee, Tee. Schokolade, Branntwein. Zucker. Tabak, Essig' kurz, was Jbr wollt, ebenso Eure Schmucksachen. Ihr könnt auch fstr Euch ein Schiff bekommen, für das Ihr bis Helsingfvrs nichts zu bezahlen habt." Ich sagte, ich würbe mir die Sache überlegen. Wenn ich es möglich machen könnte, käme ich mit. aber mit Bestimmtheit könne ich es noch nicht sagen. Ich kam nach Hanse und sagte meinem Schwiegersohn R. Eisek. daß ich die Absicht hätte, mitzureisen. Der wollte fast aus der Haut fahren. „Lieber Schwiegervater." sagte er. „wollt Ihr Euch in Lebensgefahr begeben?" Das lasse ich nicht zu. Außerdem sind wir jetzt so in der Klemme. Alle Offiziere. die uns (Äeld schulden, die großen sowie die kleinen, bezablen nicht. Sie wissen, daß man setzt keine Rechtsansprüche gegen sic geltend machen kann. Wir sind vierzchntauiend Reichstaler auf Juwelen im Lethamt schuldig und auf andere Pfänder noch viertausend Reichstaler. Wo sollen wir Geld herbekommen? Ich müß^e ganz verzweifelt werden, und dazu ist noch Nathanael krank. Ich setzte ihm aber die Sache ordentlich auseincutder. „Hier ist gewiß nichts zu tun. der ganze Hof reist weg. wer soll jetzt Schmucksachen kaufen? Wen» ich aber für einige tausend Reichstaler Biktualien kaufe und nehme für viertausend Reichstaler Schmucksachen mit — wir haben davon genug, denn wir haben doch von Baron Liljekrantz für zwanzigtausend Reichstaler sein ganzes Laaer abae kauft und haben sicher noch die Hälfte liegen. Nun kostet uns die Ware kein Porto, und in Finnland werde ich Wer aut ahsetzen. denn die Finnen kommen doch immer zu unS kaufe» und wir habe« unter den Finnen bit meisten Kunden. Sollte fn. Sache aber nicht gut gehe« so verspreche ich euch, daß ich keine zwei Monate wegbleibe." Es waren nämlich auch meiste Frau, meine Tochter, mein Sohn und meine Schwiegertochter dabei. Sie alle waren dagegen, die Frauen fingen . sogar an zu weinen. Nur mein Sohn war der Einzige, der : meine Partei ergriff. „Lieber Vater." sagte er, „lasse dich nicht irremachen, du hast ganz recht. Sobald ich mich ein wenig bester fühle, komme ich dir nach. Was willst du denn hier machen, wenn niemand von den Herrschaften dableibt? Die Offiziere bekommen turn Geld zu ihrer Equipierung und doppelten Sold, da wirst du gewiß Absatz finden. Du bekommst auch bar Geld in die Hand, denn im Felde wird doch kein Kredit gegeben." Nun war denn beschlossen, daß ich reisen sollte, aber nicht allein, ich sollte mir einen Teilhaber besorgen. Ich tat alles mögliche, um mir unter den hiesigen Juden einen Kompagnon zu beschaffen, aber niemand hatte den Mut. und so fand ich auch niemand. Ich hatte einen Geschäftsdiener und zwei andere Bediente, und die beschloß ich mitzunehmen. Ich kaufte für einige tausend Reichstaler Viktnalien, nahm auch Schmucksachen und Porzellanwaren mit. Als ich nach Hclsingsors kam. ein Schiff war mir vom .Kommissariat zur Verfügung gestellt worden, da waren Kolonialartikel, besonders Kaffee und Zucker, sehr tu die Höhe gegangen, und ich hatte viertausend Pfund Kaffee mit. Im Einkauf kostete er mich elf Schillinge, die Helsingwr'er Kauflente verlangten aber bereits sechszehn Schillinge. Ich verkaufte den Kaffee kür fi'mfiehit Schillinge. Ich batte ungefähr einen Sack voll verkauft, da bekam ich vom Magistrat einen Befehl, ich solle mich nicht unterstehen, etwas von meiner Ware zu verkaufen, sonst würde man mir alles beschlagnahmen. Ich mußte also andren. Am andern Morgen ging ich znm Minister, Grafen Oxenstferna. denn der Herzog befand sich gerade in SÄwehabvrg. Ich erzählte dem Minister die Sache, und er sagte, er werbe sofort zum König auf die Flotte hinfahren und ich würde Bescheid bekommen. Das Schiff, das mich bergefahr-n, bekam Befehl, gleich wieder nach Stockholm zurückzukehren. Gegen 4 Uhr nachmittags ging ich vor der Wohnung des Staatssekretärs Schröderheim vorüber. Ich wrchte gar nicht, daß er auch da sei. Er sah mich, klopfte aus Fenster uud rief mich zu stch. .Hier." sagte er. als ich eintrai, „bave ich eben für Euch einen Befehl auSfertfgen müsten. daß Ihr mit Euren Waren nach LowisaZ fahren sollt, denn dort bleibt das Hauptquartier. Im übrigen ist Euch für ganz Finnland freie Handelserlaubnis für jede Art von Waren erteilt." Nun wußte ich aber nicht, auf welche Art und Weise ich weine Waren nach Lowisa hinüberbekommen sollte. Ich ging wieder zum Minister Oxenstjerna. dankte ihm für teme Unterstützung aber klagte chm auch, daß ich nicht wüßte, wie ich meine Waren nach Lowisa bringen sollte. Fuhrwerk sei keines zu bekommen, auch wären fünfzig Pferde zu wenig. Ich hatte zwölf große Kisten Porzellan, die kaum zu regieren waren, die hätten also in kleine Kisten umgepackt werden müssen, was sehr viel Arbeit gekostet hätte. Bei der Wagenfahrt und beim Umladen wäre dabei sicher auch die Hälfte zerbrochen. Der Minister gab mir daraufhin eine Order an den 9Um ntiröl de Bries. er solle mir ein Schiff zur Verfügung stellen. Do bekam ich denn ein Freischifs nach Lowisa. Meine Ware» kamen hier sehr erwünscht, und ich erzielte sogar bessere Preise. Der Herzog Friedrich bekam Befehl, nach Lowisa zu mars schieren, kaut also auch herüber. Er kaufte von mir eine Perlenuhr und eine Perlenkette mit Anhänger» für 206 Reichstaler und eine emaillierte. goldene Schnupftabaksdose für 160 Reichstaler. Im Laufe von 14 Tagen konnte ich bereits 4000 Reichstaler nach Hanse schicken. Ich schrieb dazu» mein Schwiegersohn möge mir für einige Tausend Reichstaler Biktualien senden, was er auch tat. und für die tch guten Absatz fand. Ehe diese ankamen, hatte ich schon wieder 3600 Reichstaler nach Hause geschickt» so daß mein'Sohn und mein Schwiegersohn zufrieden waren. Ich schrieb wieder um frische Ware und sie schickten sie auch. Die Russen aber legten sich mit ihren Schiffe» in eine enge Durchfahrt, da. wo unsere Schiffe von Stockholm in die ..Skäreu" üurchmüsteu. Die Schiffe kamen also nicht durch und mußten wieder nach Stockholm zurück. Sie suchte» daun auf Umwegen herzugelangen, kamen »ach Abo und es Lauerte zwei Monate, ehe ich erfuhr, wo sich meine Bare» befanden. Es war ein harter Winter und ich mußte meine Waren alle per Wagen von Ata nach Lowisa konune« laste». Uuterdesten entstand in der Armee ei» Aufruhr, und Herzog *) Lowisa. Hafenstadt in Finnland. 1745 gegründet und z« Ehren der schwedischen Königin Luise Ulrike (ein« Schwester Friedrichs des Großen) so benannt.