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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-02-25 · 8 (25.2.1927) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
8 (25.2.1927)
Date
1927-02-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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7. Jahrgang Stummer 8 1. Beilage 25. Februar 102? MjchÄemleZeilmg Die Zewish veligious Mo« ln London. Zu ihrem 25jährigen Bestehen.^von I. Llbogen. Persönliche oder statutarische Frömmigkeit. daS ist der innere Kampf, der die Geschichte der Religionen durchzieht. ES gibt Zetten. in denen auf Korrektheit, und solche, in denen aus Innerlichkeit der Nachdruck aeleat wird: wiche. denen die Gemeinde, und solche, denen -aS Individuum im Vordergrund steht. Das erste Prinzip wirmeist von den anerkannten, im Besitz befindlichen Religionsgemeinschaften vertreten — daS andere von den Nonksniormisten. von denen schließlich wertvollste Anregungen für die ReligionSgemein, schäften ansgcaanaen sind. Wir in Deutschland kennen auS -er Entwicklung des letzten Jahrhunderts diese Bestrebungen und Kämvfe zur Genüge. Die Zustände im englischen Judentum gegen Ende des vorigen Jahrhunderts waren nicht besser als anderwävtS: wenn auch der Mantel der staatlich anerkannten Orgänisa« tio» die Wunde bedeckte, so zehrte sie dennoch am Organismus Da keine berufene Stelle sich um die Krankheit kümiyer^ und sie sich ungehcr-rmi weiter verbreiten durfte da die Zahl derer immer größer wurde welche dem Judentum gleichgültig gegenüberstanden oder sich ihm völlig entfremdeten. nahm ein kleiner vrivater KreiS diese ihm als unabwendbar erscheinende heilige Pflicht aus sich. Zu Beginn des Jahres 1902 entstand in London die Jewish Religtous Union. Sie wollte gewissermaßen innere Mission treiben, jüdischen Menschen das wertvolle Gut der Religion, das sie verloren hatten oder zu verlieren im Begriffe standen, wiedergebeu. Da den alten Mitteln offensichtlich jeder Erfolg versagt war, versuchte ste es mit neuen Die veranstaltete Aussyrachen über religiöse Fragen im kleine» Kreise richtete Unterricht in Jamilienhäniern ein und trat an die Oesientlichkeit mit einer neuen Form beS Gottesdienstes Der Gottesdienst fand am Sabbat nachmittag mjt Chorgesana und Musikbegleitung statt. Männer und Frauen waren nicht getrennt. Borveter und Prediger war einer auS der Gemeinde, die Liturgie war nicht fest vorgeschrieben, der Dorbeter konnte die Gebete sowie den zu verlesenden Dchristabschnitt frei wählen. Die Gebetsammlnng erschien sehr bald im Druck, ebenso wurden die im ersten Jahre gehaltenen religiösen Ansprachen veröffentlicht (devttzst Addresses delivered at tjbe Services of the Jewish Religious Union dtirinö tbe first session 1902/03 Brimlev Johnson 1904 London. Der Gottesdienst wurde in einem Saale abgehattett, sämtliche Bemühungen der Union wegen Ueberlassung einer Synagoge blieben erfolglos. Ueberhaupt stieß der neue Versuch auf die heftigste Gegnerschaft. Ist der Dnrchschnlttsengländer schon sehr konservativ einaestellt. so mag der Jude erst reckt nichts von Neuerungen in Titte und Religion hören und selbst die früher einmal als resormerisch in den Bann getane West London Svnagogue erwies sich gegenüber jedem Vorschlag aus Veränderung ihrer Liturgie unzugänglich. Nunmehr, als der neue Verein mit seinen völlig abweichenden Gottesdiensten auftrat. geriet die ganze Gemeinde in Erregung. All diejenigen. deren Pflicht eö gewesen wäre, WS« verfall Einhalt zu tun und die untätig her zunehmenden Entfremdung ihret Gemeindemitglieder zugesehen hatten, traten mit scharfer Entrüstung der aktiven Gruppe he?. Unton entgegen. Der damalige Chief Rabbi wurde veranlaßt. öffentlich gegen die Neuerer zu predigen, und warf ihnen Leichtfertigkeit und Abtrünnigkeit vor. Der ebenso feinsinnige Prediger wie edle Mensch. Rabbi D Singer von der New West End Tnngqogüe. der die Notwendigkeit eines solchen Bettuchs und die Möglichkeit seines Erfolges anerkannte und. obwohl er weder alle Anschauungen der Vereiniauna teilte noch alle ihre Einrichtungen billigte, es für seine reliaiöse Pflicht hielt, der Union sein« Unterstützung zu gewähren, wurde durch den nachhaltigen Druck aus den Kreisen seiner Gemeindemitglieber veranlaßt, sich sehr bald von der Bewegung zurückzuziehen. Dabei wollt«, wie Singer anerkannte, die Union niemand, der sich tm Judentum betätigte nach einer anderen Richtung hin beeinflussen Die Führer waren nicht Eiferer wie PinchaS. sondern friedliebend wie Hlllel. sie wollten aus Liebe zu de« Menschen sie der Lehre wieder näherbringen. Dennoch mußten sie es erleben, daß bald nach ihrem ersten Auftreten ein allseitiger Angriff unternommen wurde, um die Union zu zerstören. Sie hat sich trotzdem erhalten und ständig an Mitglieder, zahl und Bedeutung gewonnen. Sie wollte leben, weil sie eine Ausgabe zu erfüllen hatte. Sie hatte überdies das seltene Glück, Führer von nicht alltäglichen Qualitäten zu besitzen. Claude G. Montesiore und Lily H. Montag», noch heute die Führer der Gemeinde, sind Erscheinungen, wie sie in allen Jahrhunderten geschweige denn in unserer Materialistischen Zeit sich nur selten finden. Menschen, die ganz einem Ideal des Glaubens und der Heiligung des Lebens hmgegeben und mit allen Kräften bestrebt sind, ihr Leben nach ihrer Lehre einer tiefen Religiosität und reinsten Menschenliebe zu gestalten. Sie fanden einen treuen Helfer an dem vor Jabren Heimgegangenen Israel AbrahamS (dessen Leven und Denken damals in diesem Blatte geschildert wurde), der seine Gelehrsamkeit seine Begeisterung und seine tiefe Gläubigkeit in den Dienst der neuen Sache stellte. Die Fortschritte der Beweauna führten zur Bildung einer Gemeinde, der Liberal Jewish Snnagogue. die einen ständigen Gottesdienst hielt und Rabbi Israel I. Mattuck vom Hebrew Union Colleae in Cincinnati zu ihrem Rabbiner berief. Es mar ein Wagnis, daß der junge Geistliche die gesicherte Zukunft in Amerika zugunsten der noch nicht ganz ein Jahrzehnt bestehenden Londoner Gemeinde opferte. Durch ihn ist ein Element der Konsolidierung und der energischen Vertretung der Sache der Gemeinde eingeführt worden, die mitunter sogar vor der Offensive gegenüber der großen Gemeinschaft und ihren traditionellen Ideen nickt zurücksckreckt. Die Fortschritte im Ausbau. Wachstum und der Kräftigung der Gemeinde sind unverkennbar. Nickt nur daß die Stammgemeinde immer mehr Anhänger fand, gelang eS ihr. auch in East End Fuß zu fallen Unter den jungen jüdischen Proletariern, die sonst völlig areligiös oder gar antireligiös aufwachsen, hat Basil EnrrqueS im Jewish Sattlement. Datt St., reliaiöse Abende eingerichtet, die stark besucht und von regster Teilnahme begleitet sind. Den Bedürfnissen der dortigen Teilnehmer entsprechend, ist der Gottesdienst anders eingerichtet, enthält er weit mehr hebräische Bestandteile, weil die Bewegung noch heute weniger bestimmte dogmatische Ziele verfolgt, als vor allem die eine Aufgabe streng im Auge behält, die Mehrung jüdischer Religiosität. Im Westen konnte sie ihr Werk dadurch krönen, daß. sie eine prächtige, große Synagoge errichtete, die 1626 dem Gebrauch übergeben wurde Etwa gleichzeitig erschien in drei Bänden das Gebetbuch der Gemeinde und daneben eine besondere Sammlung für häusliche Andacht. Wie man sich zu diesem Werk stellen mag. ob man es als Gebetbuch akzeptiert oder eine engere Anlehnung an die traditionelle Liturgie vorzieht. eS bildet durch leinen überaus reichen Inhalt und die vorwaltende ernste reliaiöse Gesinnung unzweifelhaft eine wertvolle Bereicherung unserer religiösen Literatur, ein Schahkästlein religiöser Anregung. Durch ihre gesamte opferwillige, zielbewußte Arbeit ist die llnion gewissermaßen der Sauerteig innerhalb des englischen Judentums geworden und hat viel dazu beigetraqen. die alten Mackthaver und Führer der Gemeinde aus ihrer Untätigkeit auszurütteln. Schon am Schluß des ersten Arbeitöjahres konnte Israel Abrahams als unbestreitbaren Erfolg der Tätigkeit der Union feststellen. daß sie viele dem Judentum wieder nähergebracht, daß sie ihnen einen Gottesdienst geboten hat, dem sie mit Befriedigung folgen, daß sie andern, die fest im Glauben waren, neue Stärkung ihrer Treue zum Judentum geboten hat. daß sie den einen neue Hoffnungen eingepflanzt, in den andern alte gekrästigt. daß sie gezeigt hat. daß Judentum und Gegenwart nicht unverträglich sind, daß die alte Religion auch für die Menschen der Neuzeit Raum hat (Addrelles S. 257). Was damals nach einem Jahre gesagt werden konnte, datt heute erst recht der Union nachgerühntt und muh ihr von Herzen gedankt werden. Wir wünschen ihr eine weitere segensreiche Entwicklung, wünschen ihr vor allem jederzeit begeisterte und hingebende Führer, wie sie sie bisher gehabt hat! „Ziehe weiter mit dieser deiner Kraft!" Der Hochschulantisemitisrnus. Aus der ganzen Welt werden Studentenunruhen gemeldet. In Bagdad sind die uralten Gegensätze zwischen Schulen und Suniten auf akademischem Boden plötzlich akut geworden. In Aegypten verficht die studierende Jugend oie Forderung nach religiöser Erziehung. Jy Paris schlugen monarchistische Musensöhne etlichen republikanisch gesinnten Kommilitonen die Köpfe blutia und verlangten kategorisch den Ausschluß der Ausländer. In Dien verteilten sozialistische Studenten Flugblätter gegen di« Errichtung einer — Schießftätte in der Universität, worauf die Deutschnationalen mit einer Aussperrung der — Inden von den Borlesungen erwiderten. In Budapest gelte» die Demonstrationen einem jüdischer Abstammung verdächtigen Gelehrten, den der bis ber gewiß nicht als „Judenknecht" verschrieene Reichsverwefer Horthy auf eine medizinisch« Lehrkanzel berufen hat. Und in Rumänien — also in Rumänien braucht man nicht erst einen bestimmten Anlaß zum Krawallieren. Dort ist der Kampf der Studenten Segen das Judentum in Permanenz erklärt. Und amit die goldene Jugend in ihrem Eifer nicht etwa erlahme, hat jetzt das Schwurgericht in Kimpolung den Studenten Toto, der in Czernonntz einen jüdischen Gymnasiasten erschossen hatte, freigesprochen ... Immerhin zeigen die eingangs angeführten Beispiele, daß wir Juden durchaus nicht das Monopol ans die Rolle des „Steins des Anstoßes" auf akademischst Boden haben, und daß die Sorge weitblickender Antisemiten über trieben ist. ein völkischer Sieg dort würde zugleich das Ende der völkischen Sack« bedeuten, weil die erreichte Judenreinheit der Universitäten das prädestinierte Objekt zur Betätigung des „HolzkommentS" zum Verschwinden brächte. ES stellt sich heraus, daß es auch ohne Juden — zumindest ohne Judenhaßauf akademischen Böden heiß hergehen kann. Die Ftebettemperatur deS GtudententumS — und zwar deS internationalen, mag es auch überall „national" eingestellt sein — bedarf eben keines Erregers von außen, ste ist vielmehr subjektiv in der Natur ihres Trägers begründet. Das Ungestüm einer eben erst der Zuchtrute des Schulmeisters entronnenen Jugend, das die noch ungewohnte Freiheit zum Ueberfckäumen bringt, braucht wahrhaftig keiner abstrakt-politischen Ideen, um sich zu entflammen. Denn die Flamme ist das ursprünglich Vorhandene nnd erst die Geschicklichkeit raffinierter Pyrotechniker gibt ihr eine parteinnlitiscke Färbung. Damit bluffen ste daS Luge der Urteilslosen. Der tiefer Blickende «her erkennt. baß die Gefahr nicht so sehr in dem sugenblichen Feuer selbst liegt als weit eher in dem Raffinement seiner Mißbrauch er. Denn diese streuen in die arglosen Herzen der Unerfahrenen eine Saat des Halles, die erst dann richtig auszugehen droht, wenn die reine Lohe des Jugendungestüms so weit abgedämpft ist, daß der Kampf nicht mehr Selbstzweck sondern wirklich Werkzeug einer Idee wird. In diesem Stadium wird die Idee das Ueberwertige und wenn sie alsdann in Gegensätzen der Ideenwelt gerät, aus der die monmentan geltende Staatsverfassung erwuchs, kann sie eine Gefahr für den Bürgcrfrieden werden. Deshalb ist es sehr erfreulich, daß die deutsche Studentenschaft in dem Konflikt, in den sie mit der preußischen Unterrichtsverwaltuna hineingetrieben wurde, rechtzeitig eingelenkt hat. Sie hat damit bewiesen, daß in ihr di« völkischen Idee noch nicht überwertig geworden ist. und daß sie sich einen gesunden Sinn für die Notwendigkeit bewahrt hat. zwischen den PhantaSmagorien des Pauk» untz Kneipbodens und den realen Forderungen des staatsbürgerlichen Lebens eine strenge Grenze zu ziehen. Die deutsche Stu-dentenschaft setzt diesen gesunden Sinn auch bei ihren österreichischen Komilitonen voraus, die den Zankapfel seinerzeit ins Rollen gebracht haben, jetzt aber zur Einkehr gebracht werden sollen. Ob dies gelingen wird, muß erst abgewartet werden. Jedenfalls muß vor allzugroßem Optimismus gewarnt werden. Denn in Oesterreich wird der Studentenübermut von oben nicht gezügelt, sondern — soweit er als politische Ueberhebung in Erscheinung trttt — noch liebevoll gefördert. Dort sitzen die Hakenkreuzler in der Reaiernng nnd da die eiaentliche Leitung deS Staates in den Händen der Christlichsozialen liegt, bleibt den völkischen Ministern als einziges Betätigungsfeld nur di« antisemitische Verseuchung des Beamtentums und durch dieses die der übttaen Bevölkerung übrig. Sie leisten also der Rassenverhetzung der künftigen StaatSstützen kräftig Vorschub. Andrerseits ist die national« Jntrarrssgenz der österreichischen Burschenschafter seit dem Zusammenbruch der Monarchie ans schmälste Kost gesetzt. Im alten Oesterreich gewährte die »Rettung des Deutschtums" an den Hochschulen genug Abwechslung. Am Montag ging es gegen die Ticke, ch e n, Dienstag kamen die Italiener an die Reihe, Mittwoch die Güdflawen. Donnerstag die Polen. Freitag die Ruthenen. Rumänen und Magyaren. Der SamStaa war dann der Bereinigung der Judenfrage gewidmet. Diese schöne bunte Reihenfolge, di« natürlich keiueSwegS starr gebunden war» ist nunmehr einer trostlose« Eintönigkeit gewichen. Bon all den viele» Gegnern sind bloß die Juden übrig geblieben. Ist eS ta ein Wunder, daß mau sich diesen mit besondere« Eifer widmet? llnd wird es gelingen, diesen Eifer zu dämpfen? Um die Schwierigkeit eines solchen Vorhabens ganz zu ermessen, muß man sich noch vor Augen halten, daß in Oesterreich auch die katholisch,klerikalen Studenten im Gegensatz zu ihren reichsdeutfchen Gesinnungsgenossen inantisemitische Horn siotzen und den Völkischen hierin treue Waffenhilfe leisten. Sie tun dies zum Teil schon aus Selbsterhaltungstrieb. Denn sie wissen nur zu gut — die Erfahrungen an den iudenarmen Provinzuniversitäten bestätigen es — daß sie selbst das nächst« Opfer des furor teutomcus wären, wenn dieser irgendwie von den Juden abgelenkt werden sollte. Werden daher nicht auch sie einen solchen Ablenkungsversuch zu vereiteln suchen? Wie man sieht, ist also die selbstgestellte Ausgabe der deutschen Studentenschaft ihre österreichischen Kommilitonen zur Vernunft zu bringen, nicht zu unterschätzen. Andrerseits ist aber zu bedenken, daß die Deutschnationalen in Oesterreich stets Deutschland als das Mutterland geehrt haben, an das möglichst enge Anlehnung zu suchen, schon in der Zeit der Monarchie als ein politisches Axiom galt, das feit dem Umsturz sich bis zur Propagierung deS Anschlußgedankens gesteigert hat. Es wird sich jetzt zeigen, was ihnen höher steht: der großdeutsche Gedanke oder die Judenhetze. Und sollten ste dieser zuliebe sogar jenen htntanzusetzen geneigt erscheinen, dann wird es vielleicht noch immer möglich sein, sie eines Besseren zu belehren. Es dürft« genügen, ihnen einen solchen Bruch der vielbesungenen Nibelungentreue als eines der politischen Ziele der „Weisen von Zion" verdächtig zu machen. Zur Abwehr der „jüdischen WeltherrschastSpläne" würden die österreichischen Hakenkreuzakademiker wahrscheinlich sogar ihren Antisemitismus ovfern ... Hier winkt also ein Ausweg. Dr. Hugo Spiegler. DelegiertenLaqunq der 4lis. Die Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine Deutschlands hält am Sonnabend, den 8. und Sonntag, den 6. März eine Delegiertentagung der jüdisch-liberalen Jugendvereine Deutschlands (Jlis) in Berlin ab. Die Verhandlungen werden am Sonnabend, abends 6 Uhr, durch eine Vorstawdssitzung der Arbeitsgemeinschaft eröffnet. Für Sonntaa. den 6. März ist folgendes Programm vorgesehen: st^'Nhr im grünen Saal des MeistersaalS, Köthener Straße 38 (nahe Potsdamer Platz), geschäftliche Sitzung. Ä Ä IQX Uhr: Referat von Edgar Friedmann: „Die Organisation in unserer Bewegung." Anschließend Diskussion. VA Uhr: Mittagessen. \% Uhr: Referat von Ludwig Lewin: „WirtschaftSethik." Anschließend Aussprache. Abgesehen von der geschäftlichen Sitzung, ist der Delegiertentag für alle Jli-Mitgliedcr öffentlich. Lügen haben kurze Beine. . . Die zionistische Provinzzeitung für Ostdeutschland und nach ihr die jüdische Rundschau" bemühen sich, ihre jüdischen Gegner dadurch zn .oerungkmpfeu,-daß sie ihnen Ae Verbindung mit Herrn Pfarrer Haack aus Breslau vvrwerfen Bon diesem behaupten sie. er habe im Eucken- Bunde antisemitischen Strömungen Vorschub geleistet. Wer an der Berliner Veranstaltung gegen das Pro-Palästina- Komitee teilgenommen bat. kann über die wirkliche Stellung von Herrn Dr. Haack nicht im Zweifel sein; ihm beweisen die Veröffentlichungen nur erneut den moralischen Tiefstand gewisser Presseorgane. Zu allem Ueberfluß sei betont, daß die Behauptung. Herr Pfarrer Haack ist Vorsitzender der Ortsgruppe Breslau des Eucken-BundeS. erlogen ist. daß vielmehr Herr Pfarrer Haack wegen der antisemitischen Strömungen tm Eucken-Bund aus diesem austrat. Die nachstehenden beiden Zuschriften mögen die Frage beantworten: Wer ist Pfarrer Haack? l. Seitdem ich bei zwei größeren Kundgebungen gegen das Pro-Palästina-Komitee mich als Gegner des Zionismus bekannt habe, versucht man. in der jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" und der jüdischen Rundschau" mich zum Antisemiten nnd „Befürwotter der jüdischen Prozentnorm" zu stempeln. Zu diesem Zwecke greift man auf Aeußerungen zurück, die ich als Vorsitzender der Gruvve BreSlau des EuckenbundeS vor mehreren Jahren getan haben soll. Diese Angaben verkehren den wahren Sachverhalt in sein gerades Gegenteil. Ich bin nicht mehr Vorsitzender der Ortsgruppe Breslau und auch nicht mehrMitglted deS Euckenbundes. denn ich bin schon zu Anfang 1926 ausgetreten, und zwar gerade deshalb, weil sich im Euckenbund antisemitische Strömungen geltend machten. Als diese Strömungen in einer größeren Versammlung in BreSlau in besonders scharfer Form zutage traten, wurde von antisemitischen Mitgliedern deS EuckenbundeS ble Befürchtung ausgesprochen, wenn der Euckenbund in allen Ortsgruppen Juden aufnähme, würden die Juden in dem Bunde bald überwiegenden Einfluß gewinnen und die Leitung an sich reißen. Darauf habe ich beschwichtigend bemerkt, daß dies unter meiner Führung nicht eintreten würde, gleichzeitig aber habe ich mich, wie auch die „Jüdische Zeitung für Ostdeuttchland" damals anerkannt hat. energisch für die Aufnahme jüdischer Mitglieder in alle Ortsgruppen und dafür eingesetzt, daß der Antisemitismus in den Euckenbund keinen Eingang finden dürfe. Als eS mir im gleichen Jahr, gelegentlich der Hervsttaguug deS EuckenbundeS nicht gelang, den Beschluß durchzusetzen, daß keine Ortsgruppe zur grundsätzlichen Zurückweisung jttdischer Mitglieder berechtigt sein dürfe, habe ich sofort die Sitzung verlassen, kurz daraus mit einer großen Zahl anderer christlicher Mitglieder meinen Austritt aus dem Bunde erklärt und einen „Tatbnnd" gegründet, der die Ideen deS EuckenbundeS ohne antisemitischen Beigeschmack vertritt. Wieweit ich von den mir jetzt unterstellten Gesinnungen entfernt bin. ergibt sich daraus, daß ich selbst für den „Tatbnnd" einen jüdischen Herrn alS Mitglied des Vorstandes vorgeschlagen habe. Ich bemerke im übrigen, daß über «ein Auftreten in der Kundgebung gegen daS Pro-Palästina-Komitee in verschiedenen Zeitungen ein Pressebericht erschiene« ist, in dem ausdrücklich mein auch bei dieser Gelegenheit abgelegtes Bekenntnis gegen den Antisemitismus hervorgehoben wird. Ein Pressebericht hat mir ein« anonyme Zuschrift eingetragen, in der ich als „Judenknecht" bezeichnet werde. Ich bin ebensowenig ein Judenknecht wie ein Antisemit, bin vielmehr ein Gegner des Antisemitismus und deS Zionismus» und zwar de» letztere« gerade deshalb, weil

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