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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-02-18 · 7 (18.2.1927) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
7 (18.2.1927)
Date
1927-02-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Süll, ($v. Mayer gestorben.) Im 87. Jahre verstarb hier der seit Jahrzehnten mit ersprießlichem Erfolge amtierende, bei alle»! Bürgern geschätzte Bezirks- und Konferenzrabbiner Dr. B. Mayer. Seine Beisetzung gestaltete sich za einer imposanten trauerkundgebung für den geachteten Seelsorger der Gemeinde, der 42 Jahre mit hingebungsvoller Treue seines Amtes gewaltet hatte. Im Trauergefolge bemerkte man den Gemeinderat mit dem Bürgermeister Dr. Grüninger, Vertreter staatlicher Behörden, der evangelischen und katholische» Geistlichkeit, verschiedener Anstalten und des Oberrats der badischen Israeliten. Zunächst sprach Dr. Zlvctsti. Offenburg, tiefempfundene Worte der Verehrung für den Verklärten. Namens der Gemeinde nahm der Vorsteher Moritz Bieber von dem beliebten Seelsorger bewegten Herzen- Abschied, indem er den Dank aller aussprach, denen der Verblichene Lehrer, Führer und Freund gewesen war. Dr. Ziemels. Freiburg, vertrat den Vberrat der Israeliten und würdigt« di« Verdienste des Entschlafenen um die LandeSsynagoge. Bürgermeister Dr. Grttninger gedachte in herzlicher Ansprache des Ehrenbürgers der Stadt Bühl, der als Mitglied des Armenrats Liebe gesät habe und bei allen Bürgern in bestem Andenken bleiben werde. Als Delegierter des Landesverband«- Baden für die Erziehung israelitischer Walsen dankte Oppenheimer, Bruchsal, während im Namen der Israelitischen Gemeinde Baden noch Dr. M»Uu, Baben, der Trauer um den Heimgegangenen Ausdruck verlieh Endlich widmete der Vorsitzende desKriegerveretns dem verstorbenen Ehrenmitglied freundliche Worte. Ein Gel't, beschloß die eindrucksvolle Trauerfeier. Dresden. tE r m ä ßiaungde r G e nr e i » d e st e u e r n.) Für das Jahr i«2ü beschloß der Gemein deral-üte Erhebung einer Geinetndesteucr-Abschlnßzahluug von 5 Prozent der Retchseinkommensteuer Dieser Beschluß bedeutet, das; die Gemeindesteuer für 1920, auf die zunächst eine Vorauszahlung von 16 Prozent erhoben worden ist, n Prozent weniger als im Jahre 1025 beträgt insgesamt statt IN Prozent also nur 15 Prozent. Im Jahre 1027, dessen Etat 238 000 M. beträgt, sind 210000 M. durch Gemeindesteuern auszubringen. Fürth. lTodesfall.f Unsere Gemeinde und unsere Stadt hat einen schweren Verlust erlitten. In der Nacht znm Sonntag, den 23. Januar, ist Herr Eduard Mohr. Fabrik- Besitzer und Handelsrichter, einem Herzschlag erlegen. Ausgezeichnet durch ungewöhnliche Geistesgaben und hervorragende kaufmännische Bildung erfreute er sich in allen Kreisen der Sta-dt und der Gemeinde hoher Verehrung und Wertschätzung. Der Tradition seiner alteingesessenen Familie folgend, war er Mitglied des großen BerwaltungsauSschukseS der Israelitischen Kultusqemeinde und deS Handelsgreminmß der Stadt Fürth. Der Handelskammer Nürnberg gehörte er als Mitglied au, am Landgericht Furth wurde er znm Handelsrichter berufen. In einer großen Zahl gemeinnütziger Vereine, besonders des Kaufmännischen Vereins, stand er an leitender Stelle, von allen Kreisen verehrt wegen der Sicherheit seines Rates, der Milde. Gerechtigkeit und Bersölmlichkeit seines Urteils. Er war ein Manu vielseitiger wisse» schaftlicher Interessen und künstlerischer Neigungen. An der Verwaltung und Entnücklung unserer Gemeinde hat er bedeutenden Anteil genommen. Die Trauer um den verehrten Mann, nm diese seltene Persönlichkeit, kam bei der Bestattungsfeier am 25 Jaguar zu elementarem Ausdruck. .Um die tiestranernbe Familie scharte sich eine unabsehbare Schar teilnehmender Verwandten und Freunde. "Nach der eingehenden Würdigung der Persönlichkeit Mohrs durch den Rabbiner Dr. Behrens und btm eindrucksvollen Nachruf für bie Israelitische Kultnsgemeinde durch Herrn Stadtrat Direktor Karl Knnreuther legten die Vertreter des Landgericht- 'und zahlreicher Korporationen unter Ansprachen Kränze an seiner Bahre nieder. Ehre seinem Andenken! Karlsruhe. (Friedhossschändung a nch in Baden.) Wie die Bereinigung badischer Israeliten sLaudeS- "sterdan-d Baden des Central-Vereins deutscher Staatsbürger iüdischen Glaubens) mitteilt, wurde in Knppenheim bei Rastatt anläßlich einer Beerdigung aus dem dortigen jüdischen Verbands-Friedhof idem außer Knppenheim einige umliegende Ortschaften angeschlossen sind) eine Friedhossschändung entdeckt. 18 Grabsteine wurden umgeworsen. unter denen sich auch «das Ehrenmal der Gefallenen befindet.. Der Oberrat der Israeliten in Baden, dem die Verfolgung der Angelegenheit übertragen ivnrde. bat die behördliche Verfolgung veranlaßt. Die Vereinigung badischer Jsraliten arbeitet bei der Aufdeckung der Tat mit dem Oberrat eng zusammen. Der Vorfall ist unrso bedanerlicher, als es sich nm einen Ort handelt, der bisher von völkischer Bewegung und antisemitischen Exzessen frei rvar. , Magdeburg. sB e r a t u n g e n ü b e r das neue G emei n de st a t u t.) In beiden Sitzungen vom 27. Januar und 8. Februar hat die Repräsentantenversammlung den ihr vom Borstand vorgelegten Satzungsentwurf in erster Lesung durchberaten. Die Versammlung mar in überwiegender Mehrheit der Ansicht, daß es sehr fraglich fei, ob dieses Normasstatnt in nächster Zeit beschlossen werden würde, und jede Gemeinde bann -och in der Annahme ober Ablehnung frei wäre. Die Vorlage des Borstandewurde tm allgemeinen angenommen, insbesondere aeschech dies mit dem 8 31, der folgenden Wortlaut hat: „$ie vertreterversammlnna besteht auß mindestens 16 Mitgliedern, und zwar denjenigen, die von den wählbaren Gemeindemitgliedern bei der Wahl dt« meisten Stimmen erhalten haben. Haben wählbare Gemeinde- Mitglieder mehr als die Hälfte der Stimmen deS an 15. Stelle gewählten Gemeindevertreters auf sich vereinigt, so sind diejenigen von ibnen. die die meisten Stimmen erhalten haben, bis zur Höchstzahl von fünf ebenfalls gewählt. , . , Bei Stimmengleichheit entscheidet erforderlichenfalls das vom Wahlleiter gezogene Los." Damit ist dabei der Wahl für die Parlamente übliche BerhältntswMrecht abgelehnt und ein System zur Annabme gelangt, das den Schutz der Minderheit in ganz eigenartiger. bisher noch nicht erprobter Weise vorsteht. Maßgebend waren hierbei die Erwägungen, daß das Verhältnis- Wahlrecht sich auf ein starres Listensystem gründet, so daß der Wähler nicht den Mann seines Vertrauens selbst sich aussuchen kann, sondern gebunden ist an diejenigen Personen, die von den Parteien — das heißt also 'denjenigen, die in den Parteien die Kandidaten nominieren — ausgestellt werden. Weiter ist beschlossen, daß wahlberechtigt sind volljährige Gemeuvdemitglieder beiderlei Geschlechts, welche ein Jahr lang vor dem dem Wahltag vorangehenden 1. Oktober im Gemeindebeztrl ihren Wohnsitz haben. Hierdurch ist den I Frauen das aktive Wahlrecht bewilligt. | Wichtige Bestimmungen der Vorlage des Vorstandes haben aber noch nicht die nach den bisherigen Satzungen erforderliche Zweidrittelmehrheit erlangt, unb auch für Abändernngsanträge aus der Versammlung hat sich diese Mehrheit nicht ergeben. Insoweit muß eine zweite Lesung stattsinden. München. >V o m bayeri s ch e n L a n d e s v e r b a n d.) Die Versammlung des Rats und der Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden ist nunmehr endgültig für den 13.—15. März nach Fürth einbernsen worden. Aus der Tagesordnung stehen neben der Erledigung verschiedener Formalten vor allem folgende Fragen: Mustersatzungen für die Gemeinden. Reichsverband der deutschen Juden. Aufnahme der jüdischen Kunstdenkmäler in Bauern. Zn Beginn der Tagung wird Rabbiner Dr. Behrens (Fürth) einen religionswissenschaftlichen Bortrag halten über das Thema „Das Ideal religiöser Lehre und religiös-sittlichen Handelns im Geiste der jüdischen Religion". München. lL a n d e s v e r b a n d jüdischer Metzgerm eiste r.) Hier hat sich zur Abwehr der Gefahr eines Schächtverbotes ein Landesverband jüdischer Metzgermeister in Bayern konstituiert. Seine Gründnngsversammlung fand an, vergangenen Sonntag in Wiirzb-urg statt: aus ihr wurde besonders die Bedeutung der Schächtsrage im Lichte der gewerblickren, wirtschaftlichen und kulturellen Betrachtung gewürdigt. Wolsratshansen. lB o n der jüdischen Frauenschule.) Die erste jüdische wirtschaftliche Francuschule ans dem Lande hat jetzt schon die staatliche Genehmigung erhalten. Näheres siehe Anzeigenteil. Aus der Bewegung Aachen. Nach einer ziemlich langen Pause trat die hiesige Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentun, wieder an die Oesfentlichkeit. indem der Borstand derselben alle Gemeittdemitglieder zu einem Vortrage eingeladen, den der Generalsekretär der Bereinigung, Herr Goetz. am Donnerstag, den 3. Februar, abends 8.15 Uhr, hielt. Nachdem der Vorsitzende der Ortsgruppe, Herr Gustav Blumenau. die Erschienenen willkommen geheißen, den Referenten des Abends begrüßt, den, Herrn Vorsitzenden der Synagogengemeinde sowohl, als auch dem ersten Vorsitzenden deS Repräsentanten-KollegiumS, wie dem ersten Vorsitzenden der Ortsgruppe des CB. für ihr Erscheinen gedankt, gedachte er vor allem zuerst der erst kürz- Üchst dahingeschiedenen, eifrigen Mitglieder der Ortsgruppe der Vereinigung, des Herrn Rabbiner Dr. Jaulus und des Herrn A. Holländer, die leider viel zu früh aus unserer Mitte scheiden mußten. Er widmete den Entschlafenen Worte des stetigen Gedenkend. Sämtliche Anwesenden hatten sich bereits zn Ehren der Verstorbenen von ihren Plätzen erhoben, und dankte der Vorsitzende. Hierauf teilte dieser dem Herrn Referenten das Wort zu seinein angekündigten Vortrag: „Sind wir noch Juden?", der in Inständigen Ausführungen die Gemüter fesselte, Reicher Beifall wurde dem Vortragenden nach Schluß seiner hervorragenden Ausführungen gezollt. Die nachfolgenden Diskussion bzw. Aussprache begann Herr Julius Kaufmann, der vieles durch seine zionistische Brille betrachtete, welches hernach durch den anwesenden Rabbiner. Herrn Dr. Schönberger, in glänzender Weise widerlegt wurde, auch Herr Götz verstand es in vortrefflichen Redewendungen, dem zionistischen Diskussionsredner zn entgegnen, so daß die Diskussion in angenehmer Weise verlief. Da sich weiter niemand zum Wort meldete, erteilte der Vorsitzende dem Referenten daS Schlußwort. Bet diesem zündete der Bortrag«,rbe nochmals die Gemüter der Anwesenden durch seine Ausführungen, die mit Aufrichtigkeit und vollem Eiker den Liberalismus im Judentum hervorhoben und ihn mit ganzer Seele und ganzem Vermögen zu pflegen, die Anwesenden aufforderte. Wiederum erfolgte ein lohnender Beifall. Der Vorsitzende machte noch auf die bevorstehende Generalversammlung der Ortsgruppe aufmerksam mit dem einzigen Punkt der Tagesordnung: „Vorstandswahl". indem der gesamte Vorstand als solcher niederlege und bat, diese Versammlung dann recht zahlreich zu besuchen. Mit nochmaligem Dank, auch an den Referenten, schloß der Vorsitzende gegen 11^ Uhr die Versammlung. Berlin. Am 8. dieses Monats fand in Gemeinschaft mit den Bezirksgruppen Norden und Osten deS liberalen Vereins der sechste Gemeindeabend der Liberalen Synagoge Norden statt. In der Aula der Jüdischen Mädchenschule Kaiserstraße sprach Herr Dr. Ludwig Holländer über „Mein jüdisches Bekenntnis". Wenn eine Persönlichkeit wie Ludwig Holländer uns einen Blick in sein Innerstes, in sein Allerpersönliküstes. in sein Ringen und Suchen um Gott und mit Gott tun läßt, dann ist es mehr als ein langläufiges Referat über religiöse Probleme, dann ist es für die Hörer — man mißverstehe den Ansdruck nicht — dann ist es eine Offenbarung. Eine Menschenseele finden, sie vor seinen Augen ringen und suchen sehen, sie kämpfen, überwinden und siegen sehen, ist wohl genügend, um die Hörer erschauern zu lassen, sie zn erschüttern. Der Leiter des Abends. Herr Seminaroberlehrer Falkenüerg. sagte wohl nicht zu viel, wenn er von einer religiösen Weihestnnde sprach, die die Anwesenden erleben dursten. Wenn im folgenden der Bortrag in großen Zügen wiedergegeben werden soll, so vergesse der Leser nicht, daß es sich um eine lose aneinandergefügte Reihe von Gedanken handelt. Hoffentlich erfüllt sich der Wunsch eines der Anwesenden. daß der Vortrag von Herrn Dr. Holländer durch Drucklegung einer weiteren Oessentlichkeit zugänglich gemacht wird. Religiöse Dinge, so führt Dr. H. aus, sind Dinge der Einzelseele, die zu verössentlicheu. die meiste,, Menschen eine große aber berechtigte Scheu tragen. Seit 26 Jahren beschäftigt er sich mit allen möglichen Problemen und hat zn ihnen in öffentlicher Rede, in Wort und Druck. Stellung genommen. Wenn er heute abend zum erstenmal in seinen, Leben sich als liberaler Jude zum religiösen Problem des liberalen Judentums äußert, so geschieht es. weil er weiß, daß eS im liberalen Judentun, Dinge gibt, auf die nicht genug Beachtung gelegt wird. Diese oft aufgeworfene Frage nach der Wertigkeit der einzelnen Richtungen ist unberechtigt. Wir sind ein Teil des lebendigen Judentums, nur müßten wir uns fortschrittlich nennen und nicht liberal. Das Judentum ist eine Ofscnbarunqsreligion. Der konservative Jude ist zn beneiden, der ohne Zweifel und Hemmnisic. seine Religion versteht, die Thora wörtlich nimmt. Das Gefühl des liberalen Juden ist gleichsam heimatlos geworden, da es sich nicht mehr wörtlich der Schrift anlehnen kann. Er mutz sich mit Darwin, Einstein, der Quantentheorie und unendlich vielem abfinde,,. das mit biblisklier Schöpfungsgeschichte u. a. wesentlichen Teilen des Judentums in Widerspruch steht. Er kann an den Erkenntnissen der Wissenschaft nicht vorbeigehe,,. Diese Heimatlosigkeit zwingt ihn, kritisch in sich zn gehen, und führt piele dazu, das Judentum zu verlassen, da sie keine Lösung finden. Aber die religiösen Gefühle bleiben. Ewig bleibt im Innern das Bedürfnis nach religiöser Ausstrahlung, das Sehnen „ach der Ewigkeit. Es ist gleichsam mit der Seele eines liberalen Inden wie mit einem Efeu, der sich an einer Mauer aufgerichtet hat. Die Mauer ist alt und morsch geworden. zusammengebrochen. Da gilt es, eine neue Mauer zu finden. Das alte Weltbild war nur bildlich gemeint, die Wörtlichkeit jedes Begriffes galt auch nicht den Alten. Da gilt es für uns, eine neue dauerhafte Mauer aufzurichten. Der uachdeukliche, kundige Mensch der Gegenwart wird — wenn eine religiöse Ader vorhanden ist den, Schöpfer anch dankbar sein. Brachte man früher im Gebet für Regen. Sonnenschein, überhaupt für jeden angenehmen Vorzug, dem Schöpfer feinen kleinen Dank dar, so versteht das der moderne Mensch nicht mehr. Bei ihm ist der große Dank für die Erhabenheit der menschlichen Natur gewachsen. Wir finden den alten Gott auch im neuen Weltbild. Was bleibt uns. die wir an ein entwickelndes und entwickeltes Judentum glauben, das Wesentliche? Die Vorstellung vom ewig-einzigen Gotte bleibt. Der ist auch in Aron Isak. Eine LebenSgeschichte. Bearbeitet von Dr. B. Sch id los. (10. Fortsetzung.) Mein Sohn war beim König sehr angesehen und erhielt eine Bestallung als Hofjuwelier. Wenn tet König ehtwS kaufen wollte, kam er persönlich zu mir und traf seine Auswahl. Wenn ich Se. Majestät durchs Fenster kommen sab. ging ich ihm entgegen. Der König frr,g sogleich, ob der junge Aron da sei. und wenn mein Sohn nicht zu Hause war, ging? der König ,nieder fort. Er wollte bloß mit ihm geschäftlich verhandeln. So sehr beliebt war mein Sohn beim gnädigen König. Ich hätte „un. ohne Gemeindezänkereien, in Ruhe leben können. Aber in dem Augenblick, in dem der König gerade verreist ivar, taten sich die Juweliere und Hntstaffierer wieder zusammen und reichten gegen mich eine Beschwerde ein. Ich solle nicht das Recht haben. Reisende mit meinen Schrnnckscrchcn hinausz,»schicken. Sie betonten. «s bestände ein Judenreglement, nach dem ick, mich genau so zu richten hätte wie andere Leute, und es wäre gegen das geltende schwedische Recht, Leut« in, Lande herumzuschicken: außerdem hätte ich schlechtes Gold in meinen Waren. Tatsächlich setzten sie es durch, daß an alle LandshösdtngeZ im ganzen Reich ein Befehl erging, man solle meinen Leuten, wo man sie antreffe, die Waren unb die Pässe mit der Retseerlaubnis wegnehmen, die Waren versiegeln und die Leute mit eiitem neuen Rückreisepaß nach StoÄolm versehen. So geschah es auch, und meine Leute kamen nach Hause. Als der König wieder zmrückgekehrt war. ließ sich mein Sohn Nathanael eine Bittschrift anfertigen und ging damit selbst z«m König. Wir erhielten sofort ein Hanptprimlegium unter ausdrücklicher Namhaftmachung von mir und meinen drei Kindern mit Bewilligung aller Handelsfreiheiten. Das Dekret war au'Sgefertigt am 8. März 1788. Einmal schickte ich meinen Sohn nach Leipzig zur Messe, vm Waren einzukaufen, denn ich konnte gerade nicht gut abkommen. Allein er war noch *u jung, un» ich wollte mich nicht auf ihn allein verlassen. So gab ich ihm die Weisung. *) Landeshauptleute tLandräte), nach Schwerin ,t meinem Bruder Abraham zu fahren, der ja auch nach Leipzig reise. Mein Bruder solle acht geben, daß der Junge nicht betrogen würde. Ich war indes mit seinem Einkauf sehr zufrieden. Er besaß einen guten Geschmack, kaufte auch preiswert, nur seine Spesen waren doppelt so groß, wie die ich zn machen pflegte. Aber im übrigen ,var er recht vernünftig. Mein Bruder Abraham war ganz verliebt in ihn und hätte ihn sehr gern zrun Schwiegersohn gehabt, obschon seine Tochter erst 13 Jahre alt ivar. Er war bange, mein Sotm würde eine andere heiraten, und schrieb deshalb an mich. Ich stellte das meinem Sohn vor. aber er sagte, er sei noch zu jung, er hätte für Mädchen nock kein Interesse. Mein jüngster Sohn Gabriel war auch ein sehr geschickter Junge, für leine Jahre schon sehr gesetzt, nur ein grober Freund vom Tanzen. Er ivar ein so vorzüglicher Tänzer wie der erste Tanzmeister. Aber einmal erkältete er sich beim Tanzen so sehr, daß er zu husten auring. Fünf Jahre kränkelte er und starb endlich, erst 10 Jahre alt, an der Schwindsucht. Alle Menschen beweinten ihn: er war so gütig, so mitleidig .gewesen, er hatte, wo er nur konnte. Armen Gutes getan. Zu dieser Zeit war es. daß Graf Munk bei mir einige rvertvolle. schwergewichtige Brillanten bestellt hatte, für etwa zehntausend Neichstaler. Ich kaufte sie in Leipzig, und wie wir nach Hause kamen, ging mein Sohn mit den Steinen zum Grafen Munk und zeigte sie ihm. Er war mit den Brillanten sehr zufrieden, sagte, die Steine wären so recht, wie er sie gewünscht habe, und fragte „ach dem Preise. Wir hatten für jeden Stein separat den Preis berechnet. Der Graf sagte, er müsse die Steine erst der Königs., zeigen, am andern Tage sollten wir Bescheid haben. Am andern Morgen kam er und sagte die Königin sei mit den Steinen sehr zufrieden, ich sollte aber ctlvas Nachlassen. Wir batten wirklich nicht zuviel verlangt, erklärten aber, noch 50 Reichstaler von der Rechnung in Abzug zu bringen. Wir bekamen darauf eine Anweisung auf mcker Geld. Einige Monate später ließ un'S Grak Munk wieder hole», und sagt« uns. die Königin möchte gern für achtzigtaufend ReichStaler Brillanten haben, durchwegs solche Steine, wie er sie ausgezeichnet habe: soundsoviel vierkarätia«, soundsoviel flinfkarätige. welche zu sieben, zu acht, zu zwölf diL sechzehn. auch bis zwanzig Karat. Ich sagte, sch besäße nicht Vermögen genug, um ein solches Kapital in Juwelen anlegen zu türmen. Wenn ich jedoch eine Anzahlung von 20 000 Reichstalern bekäme, könnte ich die Brillanten beschaffen. Er aber sagte, er gäbe nicht einen Schilling im voraus. Es genüge, daß wir sofort Zahlung bekämen, wenn wir die Brillanten brächten, sie gut und preiswert seien. Ich erwiderte, ich kümite darauf nicht eingehen. Wir seien erst vor einigen Monaten von der Reise zurückgekehrt und hätten bisher nock, wenig von unseren Waren verkauft. Nach einigen Tagen ließ er uns wieder sagen, mein Sohn solle zn ihm kommen, und fragte uns, ob wir für 40 0000 Taler, also die Halste des Ansatzes, Brillanten liefern wollten? Aber sie müßten bis Michaeli zur Stelle sein. Mein Sohn war ein sehr hitziger Kaufmann, aber cr sagte doch, er müsse erst mit dem Vater sprechen. Er kam nach Hause, stellte mir das Geschäft vor, aber ich wollte darauf nicht eingeheu. Er hat da lauter große Steine bestellt, wie ich sic hier noch nicht in zehn Jahren verkaufen kann. Wenn er mir nun die Brillanten nicht abnimmt? Was bedcntete das für uns für einen Verlust? Mein Sohn meinte aber, wenn Graf Munk so darauf dringe, brauche die Königin wohl die Steine sehr nötig. So ließ ich mich denn überreden und erhielt einen Paß. daß ich in Geschäften der Königin reise. Ich fuhr also nach Leipzig. Dort erhielt ich wieder Briefe vom Grafen Munk, in denen er mir allerlei Geschäfte anfgab. die ich für ihn besorgte. Außerdem schrieb er mir noch besonders, daß ich für nicht weniger als für 40 000 Neichstaler Brillanten bringen sollte. Ich kaufte sie auch, und wir reisten nach Hause. Ich fuhr von Leipzig „ach Hcmrburg und wollte dre Steine von hier per Post nach Stockholm schicken, aber das schwedische Postamt wollte so hohe Werte nicht annehmen. Mir schien es aber zu gefährlich, so ein Vermögen an Juwelen bei mir hernmzntragen: man kann nicht genug vorsichtig sein: aber was konnte ich ändern? Ich ,nutzte sie schon selbst mitnehmen. Ich kam mit meinem Sohne glücklich nach Hause. Er brachte dom Grafen Munk die Steine. Sie hatte« genau daS Karatgewicht, wie sie angestellt waren, und gefielen dem Grasen sehr. Er bezeugte seine Zufriedenheit und sagte,

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