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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-02-04 · 5 (4.2.1927) · page 9

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
5 (4.2.1927)
Date
1927-02-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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T 1 4 f 7. Jahrgang Nummer S Aus den Gemeinden Anrich. (Chewrah-Jubiläum) Kürzlich konnte die hier im Dienste sozialer Nächstenliebe stehende Chewrah Gemillus Chasodim die Feier ihres vierzigjährigen Bestehens begehen. Einer ernsten Gedenkfeier auf dem Friedhof. wo Lehrer Moses der Gründer des Vereins gedachte nnd zur Nacheiferung ihres Verhaltens aufforderte, folgte .ein Festaottesdienst. in dessen Mittelpunkt die Gedenkrede des Lanorabbiners Dr. Blum-Emden, stand. Bei der später abgehaltenen Jubiläumsfeier kamen auch Spiel und Tanz zu ihrem Rechte. Frau Emmy Wolfs hatte ein Festspiel verfaßt. das auf den Charakter des Tages Bezug nahm und die verdienstvolle Tat der Gründer des Vereins feierte. Berlin. (R elchsverband und Deutsch-Israelitischer Gemeindebuud.l Am 27. Januar 1627 trat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes zü einer Sitzung zusammen, an der die folgenden Herren tetlnahmen: Prof. Sobernheim. als Vorsitzender. Prof. Apt, Kommerzienrat Berliner-Hannover. Emil Cohn. Dr. Freund, Geheimrat Goldfeld-Breslau. Rechtsauwalt Kollenscher, Dr. Alfred Levv-Hamburg. Justizrat Lilienthal. Justizrat Makower. Sanitätsrat Dr. Nawratzki. Justizrat Salomon» Rabbiner Dr Salomonski, Dr. Sandler, Geheimrat Julius Stern. Prof. Dr. Schaefer, Prof. Dr. Türk, und E. Waldstein-Breslau. Gegenstand der Beratung war. zu der Frage des „Reichsverbandes der deutschen Juden", insbesondere zu der durch die Ablehnung der Dachverbandsvorlage seitens des Preußischen Landesverbandes geschaffenen neuen Situation Stellung zu nehmen. Der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hat sich während der letzten Monate zurückgehalten, um nicht den Versuch der Schaffung eines Dachverbandes, wie er von anderer Seite über die Landesverbände zu gründen beabsichtigt war. zu stören und dadurch Verwirrung in das deutsche Judentum zu tragen. Nachdem dieser Weg durch di« einstimmige Ablehnung sich als ungangbar erwiesen hat, hat der Ausschuß es für notwendig gehalten, nunmehr endlich die Beschlüsse des XV. Gemeindetages vom 23. Januar 1621 zur Durchführung zu bringen. Die mehrstündige Aussprache in der Sitzung des Ausschusses hatte das Ergebnis, daß der folgende Antrag Freund angenommen wurde: „Die Ueberleitungs-Kommission des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes wird beauftragt: 1. Mit den Landesverbänden in Verbindung zu treten wegen der in 8 2 Absatz 2 letzter Satz der Verfassung vom 23. Januar 1921 vorbehaltenen Vereinbarung. 2. Die Ueberleitungs-Kommission wird ermächtigt, den Gemeindetag einzuberusen.' Zu betonen ist. daß die Beschlüsse e i u st i m m i g gefaßt wurden. Für die in der Zwischenzeit durch Todesfälle frei gewordenen Plätze im Ausschuß wurden hinzugemählt die Herren: Justizrat Dr. Brodnitz, Eugen Caspary und Rechtsanwalt Dr. Jsi Kahn-Jaffa. (Der oben angeführte Satz der Verfassung vom 28. Januar 1621 lautet: Mitglied des Bundes kann auch eine Bereiniaung von Gemeinden sein, wenn sie die Rechtsstellung '1!Ühet öffentlichen Körperschaft besitzt. In diesem Falle .werden sowohl die Rechte (8 20. Ziffer 1). als auch die 'Pflichten (§ 4b) der der Vereinigung angeschlossenen Gemeinden ausschließlich von der Vereinigung ausgeübt. Insoweit eine derartige Bereinigung von Gemeinden die Gefamtvertretung der Gemeinden eines Landes bezweckt, und die überwiegende Zahl der Gemeinden des Landes umfaßt (Landesverband), bleibt die Regelung des Verhältnisses zwischen Bund und Landesverband der Vereinbarung Vorbehalten.) Berlin. Aus der Zentralwohlfahrtsstelle.) Der geschäftsführende Vorstand der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden hat den Obermagistratsrat im Landeswohlfahrts- und Jugendamt Berlin. Herrn Dr. Friedrich Ollewdorf. zum Geschäftsführer gewählt. Der Amtsantritt wird am 15. Februar erfolgen. WWW WWW mm WWWMW ZMchlLeraleZejüm 2. Vellage 4. Februar 1927 Berlin., (Schon wieder Synagogeneinbruch.) Von Einbrechern wurde die Synagoge in der Prinzenallee heimgesucht, die an einem großen Garten grenzt. Von diesem Garten aus öffneten die Verbrecher mit Dietrichen und Bletstreifen die Sicherheitsschlösser der Hintertür. Merkwürdig ist, daß sie das ganze Silberzeug liegen ließen. Sie stahlen nur gestickte Talare der Rabbiner, gestickte schwere Setdenvorhänge und die Gebetsriemen, immerhin noch für 3200 Mark. Bon woher die Verbrecher in den Garten hereingekommen sind, ließ sich nicht feststellen. Gesehen oder gehört hat sie niemand. Mitteilungen zur Aufklärung an Kriminalkommissar Trettin, Dienststelle L 3 im Polizeipräsidium. Berlin. (Vom Preußischen Landesverband). Wie wir hören, wird der Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden für Sonntag, den 27. März dieses Jahres, und folgende Tage einberusen werden. Den Beratungen dürfte eine besondere Bedeutung dadurch zukommen, daß aus ihm definitive Beschlüsse für die preußische Judengesetzgebung gefaßt werden dürften. Es ist anzunehmen, daß das endgültige Gesetz von den Beschlüssen des Preußischen Landesverbandes wesentlich beeinflußt wird. Wie wir aus der liberalen Fraktion des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden hören, sind als Stellvertreter der von der Berbandsversammlung gewählten liberalen Ratsmitglieder benannt worden: Justizrat Soldin- Schneidemühl und Oberkantor Zivi-Elberfeld. Der große Rat des Preußischen Landesverbandes trat am Sonntag, den 30. Januar, zu einer Sitzung zusammen. Der Voranschlag für 1627 wurde beraten und an die Hanshaltskommtssion überwiesen. Bezüglich der Jrcme der Reichsorganisation wurde beschlossen, mit dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebunö zu verhandeln, ob und in welcher Weise die süddeutschen Bedenken gegen eine Regelung durch den DJGB. beseitigt werden können. Ferner wurde die Einberufung einer Konferenz aller jüdischen Organisationen beschlossen, die über die Fragen der Austritte Taufen und Mischehen beraten soll. Außerdem wurde eine große Zahl kleinerer Vorlagen erledigt. Für die technische Herstellung des Manuskripts und die Honorierung der Uebersetzungen für das liberale Einheitsgebetbuch wurden 1500 Mark bewilligt. Der Rechtsausschuß wurde beauftragt, bis zum nächsten Berbandötag eine Gesamtrevision der Verfassung des Verbandes vorzubereiten. Die auf Vorschlag der Liberalen vom letzten Verbandtstag angenommene Resolution bezüglich der Einbürgerungspraxis Staatenloser wurde der Dezernentenkonferenz überwiesen. Für den Schutz der jüdischen Altertümer, dessen Berücksichtigung dem Landesverband entsprechend einem Antrag des liberalen Abgeordneten Rabbiner Dr. Kober aufgegeben wurde, wurde eine Kommission eingesetzt. An die Preußische Regierung soll das Ersuchen gerichtet werden in das gegenwärtig den Preußischen Landtag vorliegende Gesetz zum Schutze der Kunstdeukmäler eine die jüdischen Interessen berücksichtigende Bestimmung aufzunehmen. Zur Bearbeitung des liberalen Antrages wegen seelsorgerischer Tätigkeit in den Irrenanstalten wurde die Zentralwohifahrtsstelle um Ueberlassung von statistischem Material über Zahl und Verteilung der jüdischen Geisteskranken ersucht. Berlin. (Jubiläum der Ge m e i n d e b ib l i o the k). Die im Jahre 1902 eröffnete Bibliothek der jüdischen Gemeinde kann am 3. Februar dieses Jahres aus ein 23jähriges Bestehen zurückblicker^ Unter Leitun-g des Oberbibliothekars Dr. Moritz Ster» hat sie einen großen Ausschwuna genommen und reichen Segen gestiftet: sie umfaßt jetzt über 50000 Druckschriften, die über jüdische Vergangenheit und Gegenwart belehren, darunter viele von großer Seltenheit. Als besonderes Verdienst ist der Bibliotheksverwaltung anznrechnen. daß sie nickt nur nach ganz Deutschland, sondern auch ins Ausland Bücher verleiht und so der Gesamtwiffenschaft dient. Mit der Bibliothek ist eine reich- Führt der liberalen Vereinigung neue Mitglieder zu! haltige Handschriftenabteilung verbunden, die besonders für die Erforschung der jüdischen Geschichte wertvolle Manuskripte. Akten, Briese usw. enthält. Neben der Bibliothek befindet sich unter gleicher Leitung die bekannte Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde, ein kleines jüdisches Museum, das, ans einer Stiftung des Dresdener Sammlers Albert Wolf erwachsen. 1617 eröffnet wurde und seitdem eine überraschende Entwicklung genommen hat. Die zur Verfügung stehenden Räume sind längst zu eng geworden, so daß die Gemeindeverwaltung eine Erweiterung beschlossen hat. Während die Bibliothek täglich vormittags und nachmittags geöffnet ist. «kann me Kunstsammlung nur an den Sonntagen allgemein besichtigt werden. Doch werden die Musealgegenstände, namentlich die Bilder und Zeichnungen, den Interessenten auch an den anderen Wochentagen im großen Lesesaal der Bibliothek, der mit einer Handbibliothek. vielen Zeitungen und 32 Sitzen ausgestattet ist. auf Wunsch zur Verfügung gestellt. Seit dem Jahre 1920 ist tat die Bibliothek der Oranienburger Straße (Hauptbtbliothek) eine F i l i a l b i b l io t h e k in der Fasanen st ratze angegliedert, die den Bewohnern des Westens zugute kommt und sich gleichfalls gedeihlich entwickelt hat. Im Bücherbestände werden dort über 11 WO Bände gezählt. Einen besonderen Wert hat diese Filiale durch ihre vielen ausländischen Zeitungen, die im Lesesaal, neben einer kleinen Handbibliothek, eifrig gelesen werden. Nun ist die jüdische Gemeinde darangegangen» auch i» den Vororten Berlins Ziveigbibliotheken einzurichten. Im Laufe des Januar wurden solche in Pankow.und Neukölln eröffnet. Oberbibliothekar Dr. Stern übergab im Aufträge des Gemeindevorstandes diese dritte und vierte Bibliothek der Obhut der dortigen Religionsvereine und sprach die Erwartung aus, daß diese Büchersammlungen rege benutzt werden und gleich den bisherigen Bibliotheken Kenntnis des Judentums verbreiten möchten. Es ist zu hoffen, daß auch in den anderen Vororten solche Zweigbibliolheken bald entstehen. Gemeindevorstand und Repräsentantenversammlung haben im Verein mit der Bibliothekskommission und Herrn Oberbibliothekar Dr. Stern das Bibliothekswesen mächtig gefördert. Neben den Synagogen und Schulen gehört die Hauptbibliothek mit ihrer Handschriftenabteilung, ihrer Kunstsammlung und den drei anderen Bibliotheken zu den segensreichsten Instituten der Gemeinde. Berlin. (Silberhochzeit). In vergangener Woche beging Sanitätsrat Dr. Alfred Peyser mit seiner verehrten Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Wir wünschen den verehrten Jubilaren auch an dieser Stelle von Herzen eine glückliche Zukunft. Berlin. (Jüdisch-wissenschaftliches Archiv.) Nicht viele von denen, die Interesse an der Wissenschaft des Judentums haben oder sich aktiv an dieser beteiligen, werden wissen, daß in den Räumen des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes (Steglitzer Str. 9. Amt Nollendorf 2388) seit längerer Zeit sich ein vom Verbände der Deutschen Juden geschaffenes. und von dem Verein für Schriften über jüdische Religion mit Unterstützung des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden weitergeführtes Archiv befindet, das ein reichhaltiges und sorgfältig gewähltes Material an wissenschaftlichen Informationen und Anweisungen zur Orientierung in allem, was zum Lehrgehalt des Judentums gehört (wie beispielsweise „die Grundlagen der jüdischen Ethik", „die Lehre von Gott" usw.), in sich enthält. Dieses, nach einem einheitlichen Plane geordnete Archiv, faßt in fick eine Fülle von entsprechenden Auszügen svwohl aus den Schätzen des jüdischen Schrifttums selber als ans den verschiedensten Werken, die dieses Schrifttum und die Kultur des Judentums überhaupt zum Gegenstand ihres Studiums machen. Einem Forscher/ auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums, der irgendeine Sonderfrage auf diesem Gebiete zu behandeln gedenkt und sich nach der einschlägigen Literatur umsehen möchte, kann das Archiv sehr wesentliche Dienste leisten, indem es ihm fertigen Stofs zu seinem Thema bietet und ihm auf diese Weise.die Arbeit des Heraussuchens des ihn interessierenden Materials ans diversen Büchern erspart. Das Archiv wirb immer mehr vervollständigt. Eine zwar nicht sehr große, aber gewählte Bibliothek steht ihm zur Seite. niiiiuiiiiiumiiiuu ist leicht, metollos, elastisch und anschmiegsam. 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