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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-02-04 · 5 (4.2.1927) · page 10

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
5 (4.2.1927)
Date
1927-02-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Breslau. (Gemeindevertretung.) In ihrer ersten Sitzung im neuen Geschäftsjahre am 27. Januar nahm die Gemeindevertretung zunächst die Wahl ihres Borstandes vor. Zum 1. Vorsitzenden wurde Justizrat Peiser (lib.) wiedergewählt, ebenso Znsttzrat Kalisch (lib.) zum 2. Vorsitzenden, 3. Vorsitzender wurde Martin Kränke! (kons.). Rechtsanwalt Jacobsohn lZion.) und Max GiuS (lib.) erhielten die Aemter des 1. bzw. 2. Schriftführers übertragen. Nachdem die Versammlung von der Aemterverteilung im Vorstände der Synagogeugemeinde Kenntnis genommen hatte, gab der Etatsredner Gins Erläuterungen zu dem vorliegenden Rechnungsabschluß sür das Verwaltungsjahr 1926/35, der einen rechnungsmäßigen Ueberschuß von 88150 M. nebst 42 000 M. in Wertpapieren ergab. Der Redner dankte dem Vorstande uüd den Derwaltungsbeamten sür ihre treue Arbeit und wies darauf hin. daß der Abschluß bester ausgefallen wäre, als anfänglich zu erwarten war. Die Steuereingänge Ovaren recht gute gewesen. Dadurch konnte» dem Fürsorgewesen erhebliche Summen zugesührt werde». Die sür Ankauf von Synagogen- Eigentumsplätzen ausgeaebenen Summe» müßten durch die für diese eingehenden Mieten als verzinst betrachtet und gebucht werden. Der Vorsitzende bat i» seinen ergänzenden Ausführungen, bei der Etatsaufstellung den Blick über die allernächsten Fahre hinanszulenken. in ein Extraordinarium Mittel für Bauten einzustellen und die Aufwertung der Hypotheken- und Stiftungskonten als Aufgaben der Zukunft zu betrachten. Zu Rechnungsprüfern wurden die Gemeindevertreter Kober. Goldschmidt und Sander gewählt. Die Abrechnung über die Anlage des Urnenfeldes (8800 M.) wurde genehmigend zur Kenntnis genommen und für den vom 8. bis 9. Januar d. I. hier stattgehabten Fortüildnngskursus für Lehrer und Kultusbeamte, der von 25 auswärtigen Teilnehmern besucht war. nachträglich eine Beihilfe von 1000 M. bewilligt. Nach Annahme einer Erbschaft, eines Zusatzes zur Beerdigungsgebührenordnung und eines Legates gelangte der Verwaltnngsbericht zur Besprechung. AuS ihm ging hervor, daß die Gemeinde allen ihre» Arbeitnehmern nach staatlichem Beispiel eine Winter- Leihilfe ausgezahlt hat. Latz die Straßenbahnverwaltung auf Antrag, vor dem Coseler Friedhof eine Wartehalle errichtet hat und Laß die Benutzung der in neuen Räumen unterqebrachten GemeindebiLliothek erheblich gewachsen ist. Daran schloß sich eine kurze geheime Sitzung. BreSlau. (Tob des hi esigen ANtestame n tle r S). Im Alter von 79 Jahren verstarb der Ordentliche Professor der semitischen Philologie an der Universität Breslau, Dr. Franz Praetorius. Er begründete seinen wissenschaftlichen Ruf durch grundlegende Arbeiten über die abessinische . Sprache und beschäftigte sich ausführlich mit der Text-Kritik 'LeS Alte» Testaments. 1870 habilitierte er sich in Berlin, 1880 kam er als Ordinarius an die Breslauer Universität, 1896 ging er nach Halle und kehrte 1909 als Nachfolger von Siegmund Frankel nach Breslau zurück. Detmold. (Jugendtagung). Der Nordwestdeutsche BezirksverLand der jüdischen Jugendvereine hielt am Sonntag, den 23. Januar, eine gut besuchte Tagung ab. Vertreten waren die Vereine: Beckum. Oeynhausen. Paderborn, Osnabrück. Bielefeld. Hannover. Lameln. Detmold. Braunschweig. Bremen, Wefermünde. Göttingen und Lippstaüt. Herr Rabbiner Dr. Kronheim-Bielefeld sprach über: ,Huge»d und Gemeinde": Herr Referendar Aribert de Jonge- Hamborn über: „Die soziale Frage und das Judentum". Es folgte zum Schluß eine Aussprache über die Nöte und die künftige Gestaltung der Arbeit innerhalb des Verbandes. Frankfurt a. M. (Keine Errichtung einer privaten jüdischen Volksschule). Nach einer Mitteilung des „Deutschen Reichsanzeigers" wies der Unterrichts- ..ausschuß des Preußischen Landtags in seiner Sitzung vom Januar eine Eingabe des Vorstandes des Jüdischen >,TchulvereinS in Frankfurt a. M. auf Errichtung einer privaten jüdischen Volksschule zurück. , ikünigsberg. (Berufung an die Jerusalemer Universität.) Rabbiner Dr. Felix Perles, Profestor an der Universität Königsberg, der eine Berufung an den ueugegründeten Lehrstuhl für Bibelwistenschaft am judaistischen Institut der hebräischen Universität zu Jerusalem erhalten hatte, hat zwar eine dauernde Bestallung nicht angenommen, wird aber im Sommersemester 1927 dort Vorlesungen halten. Der Vorstand hat th» für diese Zeit beurlaubt. KävkaSderg. (Die Inden in Ostpreußen.) Die Ergebnisse der Bolkszählung vom 16. Juni 1928 liegen jetzt für Ostpreußen auch hinsichtlich der Religionszugehörigkeit vor. In Ser Hauptstadt Königsberg wie in der gesamten Provinz, mit Ausnahme einiger Kreise, ist ein Rückgang zu verzeichnen. Das Gemeindeblatt bemerkt, daß ein Rückgang nm 10,7 Prozent in einem Zeitraum von 15 Jahren sehr zu denken gibt. Die Gründe sind vor allem in der Abwanderung iuS Reich, dann aber auch in einem gewissen Rückgang der Geburten unschwer zu finden. Die Gesamtbevölkerung Ostpreußens ist von 2147S42 im Jahre 1910 auf 2256864 im Jahre 1925 gestiegen. Die evangelische Bevölkerung nichm in dieser Periode um 4,5 Prozent zu. die katholische um 2,4 Prozent ab. Juden zählte man 1910: 12 716: 1925: 11348: die Abnahme beträgt demnach 10,7 Prozent. I» der Stadt Königsberg lebten 1010: 4565, 1926 : 4049 Juden: die Abnahme beträgt 11,3 Prozent. Mayen. Jubiläum des Vorstehers). Ein seltenes Jubiläum beging dieser Tage der Vorsteher hiesiger Gemeinde, Hermann Treidel. Mit dem 75. Geburtstag konnte er auf eine vierzigjährige Tätigkeit als Oberhaupt der Gemeinde zurückblicken. In einem Festgottesdienst wurde diesem Ereignis in würdiger Weise Rechnung getragen« Nachdem der Synagvgenchor einige eindrucksvolle Lieder vorgetragen hatte, gedachte Lehrer Levi in seiner warm empfundenen Ansprache der Verdienste des Jubilars um das Gemeindewohl. AIS zweiter Vorsteher sprach Herr Hartmann anerkennende Worte, die auch dem Danke der Gemeindeangehörigen Ausdruck geben sollten. In der Wohnung des Jubilars fand sich neben der Gemeindevertretung auch der Bürgermeister des Ortes als Gratulant ein. Als Vertreter der Repräsentanten überreichte Herr Hirsch einen silbernen Leuchter. Mit bewegten Worten dankte der Geehrte für die ihm erwiesenen Aufmerksamkeiten. Müllheim. (Todesfall.) Hier verstarb nach kurzem Leiden im Alter von 86 Jahren Herr Elias Heim. 47 Jahre lang gehörte Herr Heim dem Synagogeurat an: früher war er auch Synagogenvorstand und Synagogenaügeordneter. Dar Verstorbene erfreute sich hier allgemeinen Ansehens. München. (Erneute Schächtoebatte im Landtag.) Der Bersaffungsausschuß des bayerischen Landtags beschäftigte sich in seiner letzten Sitzung mit einem Antrag der Nationulsozialisten zur Schächtfrage. Der Lanbtag hatte bekanntlich am 8. Juli 1926 einen Beschluß gefaßt, der die Staatsregierung ersuchte. 1. alsbald gesetzliche Anordnungen zu erlassen, wonach Rinder. Schafe, Ziegen und andere Wiederkäuer. Pferde, Esel, Maulesel, Maultiere, Schweine und Hunde, die geschlachtet werden, vor Beginn der Blutentziehung zu betäuben sind: 2. durch gesetzliche Anordnungen sicherzusteüen, daß überall dort, wo es möglich erscheint, die Betäubung des Schlachtviehs statt durch freien Kopfschlag durch mechanisch wirkende Geräte (Schußbolzen usw.) erfolgt, die geeignet sind, die Betäubng oder Le» sofortigen Tod des Tieres herbeiznführen. Dieser Beschluß des Landtags ist btt jetzt nicht ausgeführt worden. Zwar ist der Entwurf eines Gesetzes über das Schlachten von Tieren vom Ministerium des Innen: schon vor längerer Zeit ausgearbeitet worden, der Miursterrat Hat aber den Entwurf noch zurückgestellt, um das Ergebnis der im Gange befindlichen, den rituellen Schächtvorschriften genügenden Betäubungsversuche chemischer Natur abzuwarten. Bon den Nationalsozialisten ist nunmehr ein Antrag eingebracht worden, daß ein Gesetzentwurf im Sinne des LanütagSbeschlusses vom 8. Juli 1926 ohne weitere Verzögerung vorgelegt wird. Berichterstatter Abg. Dr.. vuttmann (Nationalsozialist) erklärte es als eine Verpflichtung des Landtags, dafür zu sorgen, daß der Wille des Parlaments durch die Regierung erfüllt werde. Mitberichterstatter Abg. Dr. Scharnagl (Bayerische Bolkspartei» beurerkte, er habe immer noch die Auffassung, daß mau hier auf eine schiefe Bahn komme und betonte, man dürfe sich über die Bedenken vom Standpunkt der Gewissensfreiheit nicht°so leicht htnwegsehen. Auch müsse die Frage der staatsrechtlichen Zulässigkeit eines derartigen bayerischen Gesetzes aufgeworfen werden. Er verweise in dieser Beziehung auf das Gutachten von Prof. Dyroff, das zu dem Schlüsse komme, daß eine reichsgesetzliche Regelung vorliege und die Zuständigkeit der Länder nicht gegeben sei. Der Vertreter der Staatsregiernng teilte mit, daß dev bereits fertiggestellte Gesetzentwurf zurückgestellt wurde, nm die im Gange befindlichen Betäubungsversuche abzuwarten. Diese Versuche würden hauptsächlich mit chemischen Mitteln, mit Chloral-Hydrat ansgeführt und feien noch nicht abgeschlossen. Das Gutachten von Professor Dyroff komme zu dem Ergebnis, daß eine Zuständigkeit der Länder zum Erlaß eines Schächtverbots nicht gegeben sei. In der Aussprache ging Abg. Dr. Högner (Soz.) auf die verfassungsrechtliche Frage ein und bemerkte, die Staatsregierung habe sich nicht geweigert, den Landtagsbeschluß durchzuführen, habe cs aber für erforderlich gehalten, etwas abzuwarten. Die Gründe, die von der Regierung vorgebracht werden, seien beachtlich. Abg. Doerfler (Nationalsoz.) warf die Frage auf. was die Staatsregierung dann tu» werde, wenn die Versuche mit den Betäubungsmittel negativ ausfallen und stellte einen Abänderungsantrag, wonach der Landtag die alsbaldige Erledigung des Landtagsbeschlusses vom 8. Juli vorigen Jahres erwartet. Auf Befragen teilt ein Vertreter der Regierung mit, es fei selbstverständlich, daß nach Ablauf der Versuchsfrist sich der Ministerrat neuerdings mit der Vorlage befassen müsse. An ein Zurückstellen der Vorlage auf unbestimmte Zeit sei nicht gedacht. Abg. Dr. Hilpert (Deutschnail.) erklärte seine Zustimmung zum Antrag Buttmann. Wenn die Versuche, die jetzt mit so überflüssiger Gründlichkeit durchgeführt werden, beendet seien, dann werde sich das orthodoxe Judentum doch nicht zufrieden geben. Nach weiterer Debatte wurde, nachdem die Abg. Dr. Högner (Soz.) und Frau Aschenbrenner (K.P.D.) erklärt hatten, daß iüre Fraktionen sich der Stimme enthalten werden, der Antrag Dr. Buttmann mit knapper Mehrheit abgelehnt, der Antrag Dörfler zurückgezogen, dagegen mit 13 Stimmen bei Stimmenthaltung der Sozialdemokraten, der Kommunisten und des Bauernbundes ein Antrag Dr. Scharnagl (B. Bp.) angenommen, der lautet: „Die Staatsregierung wird ersucht, den in Ausführung des Landtagsbeschlusses vom 8. Juli 1926 geforderten Gesetzentwurf vorznlegen, sobald die'Versuche über eine den rituellen Vorschriften des Judentums entsprechende Betäubungsart zum Abschluß gekommen sind. Sie soll auch auf Möglichst baldigen Abschluß dieser Versuche hinwirken." Rhciubischossyeim. (Todesfall.) Der Freiburger Zeitung vom 24. Januar 1927 entnehmen wir: Unsere 1500 Einwohner zählende Gemeinde, die auch einen starken Prozentsatz israelitische FamV/ren ausweist, sah letzter Tage einen großen Trauerzug. Dem greisen israelitischen Synagogen- und israelitischen Gemeindeüiener, Herrn M. Kreielsheimer, wurde das letzte Geleite gegeben. Das imposante Trauergefolge zeugte von der allgemeinen Anteilnahme an ttm Schmerze der Hinterbliebenen des Verstorbenen, der mit 20 Jahren seine beiden Füße verlor. Kreielöheimer bat durch sein vorbildliches Leben vielen seiner Glaubensgenossen als Führer gedient — ein Muster von treuer Pflichterfüllung im Dienste der israelitischen Gemeinde. Stargard i. P. (Silberhochzeit). Am 4. Februar begebe» Rabbiner Dr. Silberstein und seine verehrte Gattin das Fest der silbernen Hochzeit. Auch an dieser Stelle seien dem Jubelpaar herzlichste Glückwünsche dargeüracht. Wolfhagen. (To d des Kreisvorstehers). Im 74. Lebensjahre starb das als Kreiövorsteber für die religiösen Interessen des Bezirks eifrig tätige Mitglied unserer Gemeinde. Meier Reichhardt. Der Heimgegangene erfreute sich in allen Kreisen der Bevölkerung großer Wertschätzung, was auch die letzten Freitag stattgesnndene Beisetzung bestätigte. Echt koschere Wurst Der Reuen Mannheimer Zeitung entnehmen vir nachstehendes nettes Inserat: sie muten Fletschum wursniaren gut und billig H73"5'.H 7,38 Frisches Kalbfleisch 95... Ragout Braten 1.05 Kotelett u. Nierenbraten I.— Frisches Frisches Fleisch metnetieisch Pfd. t« bei r Pid. . seMee-Koteiett seMiappsu. m PH. Pfd. 78. Pfund xuaa Kochen und Pfd- 1.20 bei 2 PJd. 90 pig. 60 pfe. 105 115 150 Faner gute wurstwarMDlilfg!! Gute Kosebarwurst. . iw 70 wg. Krakauer und Lloncr Frankfurter .... Schinken gekocht . v* Schinken roh . . . \'t ff. Aufschnitt. 00 SO .. 00 „ SO. ISO, H. 7,38 ÄSfc H. 7,38 BÜCHERSCHAU Denn die loschen Krakauer und Lioner Wurst auch im Ladeu des Herrn Mannheimer genau so nahe bei dem Gchweineschlnken und den geräucherten Schweinelappen steht, vie in dem Inserat, dann ist sie bestimmt gut „koscher". Jenv Richard Bloch: Situier & Co., Roman. Vorwort VOft Romain Rolland.' Rolapfel.Vcrlag, Zürich und Leipzig. Ob. S— M. Eigentlich sollte der Name „Simler" iw Titel fortfallen, denn nicht er ist die Hauptsache. Es handelt sich vielmehr um das „Co."» genauer um einen furchtbaren Kampf zwischen beiden, zwischen einer industriellen Organisation und der Menschlichkeit ihrer Gründer. Die jüdischen Tuchfahrikanten Simler ziehen mit Kind und Kegel und allen Webstühlen aus dem Elsaß fort, nach Vendoeuvre im Westen Frankreichs. Dort beginnen sie ein neues Leben. Halb hingerissen von eigener Tatkraft, halb von den Verhältnissen gezwungen, schaffen sie sich herauf, allen Widerständen zum Trotz. Aus der alten Firma „Hippolit Simler" wird die neue „Simler & Co.“. Dieses harmlose Anhängsel aber frißt allmählich auf, was von den Persönlichen Simlers noch übrig blieb. Es ist der Ausdruck einer Organisation, nein, einer Maschinerie, die, zwar von Menschen geschaffen, doch eben dieselben Menschen zermalmt. Mit erschütternder Wucht ist das Ringen zwischen dem lebendigen Menschentum und der unerbittlichen Firmenorganisation gestaltet. Ferner aber geht es hier um das Problem des Juden, der einer fremden Rasse aufgepfropft ist. Es ist von höchstem Interesse, wie die Simler langsam sich Vendoeuvre erobern, und wie sie, die Eroberer, wieder langsam darin aufgehen. Romain Rolland hat diesem Roman Blochs ein glänzendes Vorwort mitgegeben. Er weist besonders auf diese zwei Hauptprobleme hin: keiner dürfe sieb heute den ästhetisierendea Luxus leisten, sie leicht zu nehmen, denn es handle sich um soziale Tatsachen, die sich weitgehend an uns selber auswirken. Und er schreibt weiter über Bloch: Bei jedem Lesen erschütterte mich die gleiche schöpferische Gewalt. Jedesmal erstand vor mir Bt^Jzacs Genie. Ohne Vorbehalt wage ich das Wort: Ich kenne sonst keinen französischen Roman^dem unter den Meisterwerken der .»neuschlichen Komödie“ ein Platz gebührte. Er ist ihres Blutes.... Es ist Komödie großen Stils, darin Possenlaune und tragisches Erschüttern von einem Könner gemeistert werden. Ich erwarte von diesem Dichter das große Werk unserer Zeit. In der Tat. wer die unerhörte Plastik der Darstellung auf .;ich wirken läßt, wer von der heute seltenen Lebensnähe dieser Gestalten in Bann gezogen wird, muß Rolland beistimmen: Dieses Buch geht uns Menschen von heute unmittelbar an und wir sollten uns alle mit ihm auseinandersetzen. Dr. Curt Etwenspoek: Jud Süß Oppenheimer. Süddeutsches Verlagshaus G. m. b. H., Stuttgart, 1926. Das Unrecht, das dem württembergischen Staatsmann und Finanzier Ioseph Süß Oppenheimer durch ein Tendenzurteil und einen Justizmord zugefügt wurde, versucht nun nach fast 200 Jahren die Geschichtsschreibung wiedergutzumachen. Erst durch die Umwälzung von 1918 ist das ermöglicht worden. Als vor etwa zwei Jahrzehnten der bekannte Rabbiner, Kirchenrat Dr. Kroner, auf Grund der Akten über Oppenheimer schreiben wollte, wurden ihm diese an! Veranlassung Wilhelm II. zwar zugänglich gemacht, seine Exzerpte mußte er jedoch einer Zensur unterwerfen und zum großen Teil wiederabgeben. Heute bestehen die Bedenken nicht mehr. So ist es verständlich und begrüßenswert, daß einmal an Hand des archiw varischen Materials eine Schilderung der Persönlichkeit Oppen*1 heimers versucht wird. Vor uns ersteht das Bild eines Juden, der die Ghettomauern vorzeitig überwand, eines Staatsmanns, der die Notwendigkeit einer Machteindämmung der .Stände vorzeitig erkannte, eines Finanzmanues, der mit dem Schieb - drian staatlicher Finanzwirtschaft vorzeitig aufräumte, — aber auch das Bild eines Menschen mit nicht gerade geringen menschlichen Schwächen, das Bild des verschwenderischen und flotten Kavaliers, des skrupellosen Verführers, des ironischen Skeptikers, des Spötters und Verächters menschlicher Einrichtung und Sitte. (Selma Stern im Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums.) Das vorliegende Buch ist populär und, wie es offen zugibt, „mit der Wärme einer gewissen Sympathie für den Menschen" Oppenheimer geschrieben. Es kann allen, die sich über diese Persönlichkeit unterrichten wollen, allen, die einen Einblick in jene Kulturepoche gewinnen wollen, allen, die eine spannende Schilderung einer interessanten deutsch-jüdischen Per«* sönlichkeit der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lesen wollen, von Herzen empfohlen werden. Wer freilich eine wissenschaftliche Biographie über den Jud Süß wünscht, der wird gut tun, das Erscheinen des Werkes von Dr. Selma Stern abzuwarten, dessen Herausgabe von dem Forschungsinstitut der Akademie für die Wissenschaft des Judentums für die nächste Zeit geplant ist. Walter Loewenstein. Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, Band 27. Berlin. Das vom Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur herausgegebene Jahrbuch, das jetzt zum 27. Mal erscheint, bietet wiederum eine Fülle von lesenswerten und belehrenden Artikeln. Den Eingang bietet wie üblich das Kalendarium für das Jahr 5687. Darauf erfolgt der Rückblick auf das abgelaufene Jahr 5686 von J. E1 b o g e n. Von besonderem Interesse ist der Aufsatz von M, Golde über die berühmte illustrierte Bibel des Herzogs von Alba, die auf Veranlassung des Ordensgenerals von Calatrava durch Rabbi Mose de Arragel übersetzt und erklärt wurde, A. S. H o r o - desky bringt eine begeisterte Würdigung des So har, dieser vielbesprochenen Grundschrift der Kabbala. Das Kulturproblem in der jüdischen Geschichte behandelt Dr. F. P e r 1 e s. Von einigen interessanten Persönlichkeiten des jüdischen Lebens handeln die Aufsätze von M. Grunwald über den hervorragenden russisch-jüdischen Bildhauer Antokolski, und Jessic Kurrcin über ihren Vater Louis Loews, den Begleiter des Sir Moses Montefiore auf seinen Reisen nach Damaskus und Palästina und dem langjährigen Berater dieses unvergeßlichen Philanthropen. J. K a s t a n setzt seine anregenden und anschaulichen Erinnerungen fort, die uns nach dem aufstrebenden Berlin von 1860 führen Georg Hermann, der ewig junge, beschließt die Reihe mit einer Erinnerung an den ersten Jom Kippur, den er als Vierjähriger bewußt erlebte. Annahme von Bestellungen auf die Jüdisch-liberale Zeitung bei allen Postämtern Deutschland«. ,.s D+^^ 0

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