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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-02-04 · 5 (4.2.1927) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
5 (4.2.1927)
Date
1927-02-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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dieses Mindestsatzes bei unseren treuen Freunden, die wirtschaftlich hierzu in der Lage sind. Nach Erledigung des geschäftliche» Teile- -er Generalversammlung hatten wir die Freude, einen hochinteressanten Bortrag unseres Ehrenmitgliedes Herrn Rabbiner Dr. Sänger über die Stellung des Christentums und des Judentums zu Krieg und Frieden zu hören. Trotz der vorgerückten Zeit verstand es -er sehr verehrte Herr Redner, in fesselnder Form nachzuweisen, daß die Auffasiung und die Durchführung der Friedensidee vom Judentum im Gegensatz zum Christentum seit Jahrtausenden in Wort und Schrift vertreten wird. Jedenfalls hat das Judentum nur Verteidigungskriege geführt. Bei iüdischer Einstellung aller Nationen wäre ein Weltkrieg kaum möglich gewesen. Mit dem Hinweis, daß das Judentum kein höheres Ziel kennt als das des Friedens, schloß Herr Rabbiner Dr. Sänger unter starkem Beifall seine formvollendeten Ausführungen. In der Aussprache wurde u. a. aus die großen Schwierigkeiten der praktischen Verwirklichung der Friedensidee hingewiescn. solange das Mißtrauen von Golk zu Volk besteht. Bon jugendlicher Seite erfolgte der Hinweis auf die Verweigerung des Kriegsdienstes und endlich verlangte ein anderer Redner in jedem Falle die stärkere Beteiligung seitens aller unserer Glaubensgenossen in den Frtedensgesellschaften als ersten praktischen Schritt für die Verwirklichung der Friedensidee. In einem kurzen Schlußwort setzte sich der Redner des Abends mit den Diskussionsrednern auseinander und unterstrich nochmals scharf seine klaren Ausführungen. Es sei uns gestattet, unserem verehrten - Ehrenmitgliede Herrn Rabbiner Dr. Säuger auch auf diesem Wege für sein ausgezeichnetes Referat unseren aufrichtigsten Dank zu sagen. Frankfurt a. Mai». (Jüdisch-liberale Jugendgemeinschaftj. Ueber das Wesen und die Gestaltung des modernen Gottesdienstes sprach an einem der vergangenen Heimabende Hermann Geiger. Er betonte die Notwendigkeit einer Reform, die auch den modernen-Juden etwas Religiöses zu geben habe. Ein Mittel hierzu sehe er in dem Spielen von Werke« von Bach und Händel, sowie in stillen Gebeten unter Orgelbegleitung. Außerdem sollen religiöse Feierstunden angeftrebt werden, wo kein Berufsrabbiner, wndern aus der Gemeinde selbst, vornehmlich Jugend, zu den Teilnehmern sprechen sollte. Die Diskussion ergab zwei Richtungen: eine mit dem Motto: Zurück zum alten Gottesdienst! die alles wie früher haben wollte, und sich eine Vertiefung nur von einer Rückentwicklung versprach,- die andere Richtung aber will Befreiung von allem unnützen Ballast, und Beschränkung auf das Wesentliche. Die rege Beteiligung bewies das tiefe religiöse Sehnen, das unsere Jugend erfüllt, das aber durch die bestehenden Gottesdienste nur mangelhaft erfüllt wird. Ueber praktische Gemetndearbeit sprach an einem andern Abend Herr Rechtsanwalt Dr. R. Geiger. Er zeigte in großen Zügen die Geschichte und Entwicklung der liberalen Gemeinüepolitik, er sprach von den Kämpfen, die uns bevorstehen und forderte die junge Generation zu praktischer Mitarbeit auf, die allzuoft sich in theoretische Grübeleien verliere. In der anregenden Diskussion wurde der Vorschlag gemacht, auf die Jugendorganisationen der anderen Richtungen etnzuwirken, um sich gegenseitig zu verpflichten, den Wahlkampf in anständigen Formen und der Würde des Judentums entsprechend zu führen; eigentlich sollte dies sich von selbst verstehen, aber wir haben in den bisherigen Versammlungen leider wenig davon bemerkt. Praktische, mühevolle Arbeit, so schloß der Referent, ist heute genau so wichtig wie philosophische Erörterung von Problemen, ja sie ist heute das Wichtigste, mag sie noch so materiell oder nüchtern sein, der Zweck bleibt ein idealer, denn es geht ums Ganze, um den Sieg der liberalen Idee. Die schon lange geplante Jugendgruppe der Jüngsten soll-setzt Wirklichkeit werden. In einer Vorbesprechung «gveden Führer, Tätigkeit und Zeiten festgesetzt. Näheres mit wir an dieser Stelle noch berichten. '^"Halle a. b. S. Die hiesige Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum hielt ihre diesjährige Generalversammlung am 36. Januar 1927 unter der Leitung ihres verdienstvollen langjährigen ersten Vorsitzenden. Herrn Sanitätsrat Dr. Oppenheimer, ab. Viele Mitglieder der Bereinigung sowie verschiedene Herren des Vorstandes und der Repräsentanz unserer Gemeinde waren bei dieser Sitzung anwesend. Nachdem der Schriftführer Herr Georg Oppenheim Bericht über die Arbeiten der Bereinigung im verflossenen Jahr gegeben hatte und der Kassierer Herr Dr. Willy Cohn Kassenbericht erstattete, wurde zur Wahl des neuen Vorstandes geschritten. BIS auf Herrn Dr. Cohn, der sein Amt aus beruflichen Gründen nicht mehr annehmen wollte, wurde der Borstand in alter Form wiedergewählt. Für das Amt des Kassierers wurde Herr Willy Katz gewählt und ferner als Beisitzer Herr Emil Müller. Anschließend hieran hielt Sanitätsrat Dr. Oppenheimer ein Referat über den Entwurf des neuen Gemeindestatutes. Es wurde eingehend zu den verschiedenen Paragraphen Stellung genommen und verschiedene Aenderungen gewünscht. So legte» wir darauf Wert, daß in den Statuten nicht von einer Gemeinschaft im allgemeinen gesprochen würde, sondern von einer Religionsgemeinschaft. Ferner, daß die Beschränkung der Nichtwählbarkeit der Beamten sowie der Frauen in die verschiedenen Ausschüsse aufgehoben wird. Ein Referat des Herrn Dr. Lewinsky iiber Gesang und Orgel in der Synagoge beendete unsere Sitzung. In seinen höchst interessanten Ausführungen schilderte Herr Dr. Lewinsky, daß Gesang- und Instrumentalmusik schon im Tempel zu Jerusalem vorhanden waren. Es ist deshalb unberechtigt, wenn von seiten der gesetzestreuen Juden gegen die Ausgestaltung des Gottesdienstes durch Bokal- und Instrumentalmusik geeifert wird und dies als Nach ahmung christlicher Gebräuche bezeichnet wird. Das Gegenteil ist der Fall, denn die christliche Kirche hat dies von uns Juden übernommen. Nach weiterer Vorlesung eines Schreibens von Frau Sophie Loewe. der verdienstvollen Leiterin unseres Synagogenchores, beschäftigt sich die Versammlung mit dem Aufbau unseres Snnagvgenchores und mit der Einführung des liturgischen Unterrichts in der Schule. Es wurde beschlossen, dem Vorstand der Snnagogengemeinde nabe zu legen, den liturgischen Unterricht in der Schule einzuführen. Der Seher. Von Carl Hollerbaum. Über dem weiten, von zerklüfteten Schluchten und steilen, trocknen Tälern grausam durchfurchten Hochland flimmerte, von dem stechenden Herabgluten der Sommersonne zu wild tanzenden Wogen erregt, die glühende Luft. Die mageren, dürrbraunen Gräser der Steppe und das armselige, knisternde Gesträuch, das dem rissigen Boden mühsam die kärgliche Nahrung abrang, zitterten sterbend den letzten Hauch der Säfte hinaus in den gierigen Brand und sanken verwelkt, verschmachtet nieder auf das brüchige Gestein Kein kühlender Wind streichelte das verzweifelt dürstende Land; und die balsambergenden Regenwolken, die die Feuchtigkeit in schweren, schwarzen Säcken vom Meer her über die fruchtbare Ebene trugen, waren an der flammenden, grellwcißen Mauer des Gebirges längst zischend zerschellt, aufgelöst in durchsichtig gelbe Ncbcldünste, die, in heftigen Auftrieb gegen das Blau des Himmels stürmend, in leeres Nichts vergingen. Von Mittag her. von den tief gelagerten, hie versiegenden Brunnen, die zwischen Kades uud Bared den wandernden Herden Tränke waren, zog über die Hochebene ein starker Trupp weiß verhüllter Reiter. In langsamem, gleichmäßigem Paßfang keuchten die Reitkamele vorwärts und trugen geduldig auf breitem, schwankendem Rücken die reglos gebeugt im Sattel sitzenden Männer, die den faltigen Überwurf des Schultertuchs zura Schutz gegen das glühheiße Strahlen um den Kopf gelegt hatten. Weit vor der Schar zog auf großem, kräftigem Tier der Führer: scharf spähend suchten seine Augen das unebene Gelände ab, über.dem die schwingenden Luftwellen wie lohender Feuerschein zuckten. Der Mann wandte sich nach rückwärts, nach dem Stand der Sonne die Richtung seines Weges zu bestimmen und gewahrte seine Leute in beträchtlicher Entfernung hinter sich. Unwillig hob er sich im Sattel, riß den Arm hoch empor und schlug mit langer, blitzender Waffe mehrmals grell funkelnde Kreise über seinem Hauot, die Säumigen zu schnellerem Ritt zu veranlassen. Aber nur langsam verringerte sich der Abstand zwischen ihm und den erschöpften Reitern. Jetzt bog der Führer des Zuges, der Richtung eines jäh abfallenden Tales folgend, nach Westen ab und trieb gleichzeitig sein Tier zu rascherer Gangart an. In mäßigem Trab erreichte. er die Höhe einer Felskuppe, die von einer dürren, hilflos in die Weite ragenden Palme gekrönt war. Ein §charfbegrenztcr, blaugrauer Schlagschatten lag in einer starren, unwirklichen Fläche über dem Gestein wie ein dunkler geheimnisvoller Teppich. Einen Augenblick hielt der Reiter an. streifte mit kurzem Blick die Gegend ringsum und schickte sich in raschem Entschluß an, den abschüssigen und gefahrvollen Weg ins Tal zu nehmen, als er plötzlich stutzte. Behend ließ er die Waffe, die er noch in der Hand hielt, in die breite Lederschlaufe gleiten, die an seinem reichverzierten Gurt hing, griff hinter sich nach dem geschnitzten Bogen, faßte aus dem Köcher einen gefiederten Pfeil uud legte ihn mit geübter Hand auf die leis singende Sehne. Dann beugte er sich tief über den Hals seines Tieres und trieb es. auf der Höhe bleibend, zu langsamem Schritt an. Zwischen den Felsen kauerte regungslos, wie eine in das Feuermeer hingezauberte Insel, eine Gestalt in grauem Mantel, den gebeugten Rücken gegen einen Baumstumpf gelehnt. Als der Reiter in Rufweite an den Sitzenden herangekommen war, schoß er mit sicherer Hand den Pfeil schwirrend gegen den Pflock, an dem jener lehnte. Das Geschoß grub sich mit knirschendem Krachen in das berstende, mürbe Holz. Aber die graue Gestalt rührte sich nicht. Auch der gellende Anruf, den der Reiter ausstieß, verhallte wirkungslos. Da glitt der Mann vom Kamel herab und näherte sich vorsichtig, die Rechte am Knauf des Schwertes, dem Grauverhüllten Mit geschlossenen Augen im hageren, edel geschnittenen Gesicht, das von wallendem, weißen Bart umrahmt war, saß da im Geröll ein Greis. Er schien "tot, verschmachtet in der glutverhecrten Steppe Als aber der Reiter die leblos lierabhängende Hand faßte, soürte er, mehr mit einem inneren Gefühl als mit dem Tastsinn der greifenden Finger, daß noch flackerndes Leben in dem Reglosen pulste. Er eilte wenige Schritte zurück, riß von dem Traggurt des Tieres einen ledernen Beutel mit Wasser, dem Alten Gesicht und Hände mit dem belebenden Naß zu erfrischen. Erst nach geraumer Weile gelang cs ihm, unterstützt von dem jetzt herbei «ree ilten Gefolge, den Verschmachteten ins Leben zurückzuzwingen. Das erstarrte Blut zog langsam, wie widerwillig in die trocknen Kanäle der Adern, die Atemzüge wurden stärker und regelmäßiger, Zucken um Zucken riß an dem Körper de« alten Mannes, gleichsam als rängen in ihm Tod und Leben wie formgewordene Wesen. Endlich hob mühsam und schmerzlich der Erweckte die Lider. Und schaute starr, gerade und steil in das gleißende Licht der Sonne. Seine Augen aber waren farblos, weiß, tot, als hätte die ungeheuer strahlende Kraft des herabströmenden Feuers sie ausgelöscht für immer. „Wer bist du, Greis?” fragte den Erwachten der Führer der Schar. Der Alte wandte das Haupt, hob ächzend die Hand und faßte des Fragenden Linke. „Du hast gesprochen und gefragt.“ sagte er murmelnd wie im Traum, „ich fühle, daß du eine Antwort erwartest. Unbewußt aber erwartest du mehr als Worte, die sich verlieren im Wind und versiegen gleich dem Waldbach im Sommer. Wer ich bin? Ich bin nicht mehr. Vielleicht war ich einmal. Jetzt aber bin ich auf dem Wege dahiu, woher ich kam. Ich kann mir noch von dir Abschied nehmen Ehe ich aber eingehe in das ferne Land, will ich das Verborgene dir künden, das ich lese im Buche deines Lebens!” Der Greis schloß die Augen, hob wiederum das Gesicht zur Höhe uud sang eintönig mit zitternder Stimme: „Aus tiefem, klarem, wundersamem See Stieg eine blutend rote Zauberblüte Emnor zur Sonne, die sie auferweckt. In ihren durst’gen Kelch saugt sie die Glut, Die sie gebahr, auf daß sie nun auch nähre Und ewig leuchtend in ihr lebend sei. Es sank die Liehterfülle dann hinab Und ward zur Frucht auf dieser grauen Erde Und mehrte sich nach göttlichem Gesetz, Und wuchs zum starken Baum trotz Sturmesnot Und zeugt ein Volk, erfüllt vom Geist des Lichtes, Das über alle Völker wird gesetzt. Du kamst von Mittag, wie dein Volk gekommen, Du hast der Sonn’ das Antlitz abgewandt Und schreitest dennoch in dem Meer des Strahlen«. Der Weg, den deine müden Füße gehen, Ist mühsam, steinig, voller Schlangenbrut, Und weit So weit, daß du an ihm verzweifelst. Und dennoch, trotz der übermächt’gen Tücken, Die sich dir stellen in des Fußes Bahn, Wirst du dein schimmernd klares Ziel erreichen. Du gehst den Weg, den keiner je gegangen, Bis zu dem Ort, da in des Lichtes Glanz Du und dein Weg zu einer Flamme werden. ' Die Sonne weist dir strahlend deinen Pfad, Daß du getrost gen Mitternacht magst ziehen, Furchtlos, denn nimmer endet dir das Licht. Und selbst im dunklen Graus der Mitternacht Bricht golden deine Flamme dir entgegen, Die sich mit dir vereint, sich selbst erfüllt zu sehen. Die Bahn, die heut du gingst, geht dein Geschlecht Bis in die fernsten, unfaßbaren Zeiten, Geschlagen und gemartert und zerfleischt, Uud findet dennoch, um die Mitternacht Das Licht, das seine'Seele heiß ersehnet, Wie du die Braut, die heut noch vor dir steht!“ Das Lied verklang. Des alten Haupt war auf die Brust gesunken. Kraftlos fiel der Körper in sich zusammen: der AJte war tot! Stumm und ergriffen standen die Männer. Auf Geheiß des Führers gruben sie am Fuß der einsamen Palme auf der Höhe ein Felsengrab und senkten dort den Leib des namenlosen Sehers in die Erde. Sinnend ritt die Schar dann weiter gegen Mitternacht. Als der Abend hereinbrach und plötzliches Dunkel die Landschaft überfiel, sprach der Führer zu einem der Gefolgsleute, der neben ihm trabte: „Wir reiten weiter, Ismael, und rasten nicht in der Nacht. Die Tiere sind stark und das Mondlicht wird uns den Weg zeigen. In der Frühe will ich bei den Herden meines Vaters sein, die bei Hebron weiden. Vielleicht auch“, hier lachte er spöttisch auf, „begegnet mir um die Stunde der Mitternacht die geheimnisvolle Braut, von der der Seher sprach. Doch nein! Die Sonne mag seinen Geist verwirrt haben. Wo sollte auch die Braut herkommen, die ich nicht suche? Und um die Mitternacht? Nicht einmal die wilden Räuberstämme reiten zur Nacht durch das Geröll'und die schlüpfrigglatte Steppe.“ „Herr!“ entgegnete der Angesprochene: „ich habe viel Wunderdinge gesehen, da ich unter eurem Vater diente. Manches ist eingetroffen, was vorausgesägt ward an der Schwelle des Todes. Die Gebenden blicken weiter als die Bleibenden!”’ „Glaube du, Ismael,“ unterbrach der Führer, „ich zweifle!“ Und sieh umwendend rief er laut: „Wir rasten nicht, wir reiten weiter bis zum Morgen und zum Ziel!“ Weiter im blassen Mondschein, der gespenstig huschende Schatten aus Fels und Gesträuch lockte,, ging die Reise. Wortlos trabten die Reiter dahin. Immer höher schraubte sich die gelbe Scheibe des Nachtgestirns am düsteren Himmel. Zackige, zerrissene WöJkenschwaden jagten eilig unter ihr her und verdecktw das kühl funkelnde Gleißen, um es bald wieder wie spielend zu umhüllen. Plötzlich faßte Ismael mit harter Hand in das Half* tcr seines Kamels und hielt, weit sich vorbeugend, auch das Reittier des Führers an. Mit der ausgestreckten Linken wies er stumm nach Norden. Stumm verharrte die Schar. : " . Drüben auf dem'schmalen Grat des Berge« nahte eiii Zug, der südwärts seinen Weg nahm und ira Tale die Straße kreuzen mußte. Im ungewissen, wechseln den. Licht waren Stärke und Bewaffnung der Fremden nicht festzustelleu. Ehe auch die Männer das erste Erstaunen überwunden hatten, war die geisterhafte Karawane hit Schatten des Abhanges verschwunden. Ohne ein 'Wort, mit hastigen Gebärden, befahl dag F ührer, die Kamele in einer Mulde auf der Höhe unterzubringen und schlich sieb mit einigen Bewaffnete» den Hang liinab, Art und Stärke der Heranzieheijden auszukundschaften. Bald jedoch hielt dichtes Unterholz die Vordringenden auf. Der Führer hieß seine Begleiter warten und schritt allein weiter. Drüben war alles still. Die Karawane schien zii rasten. Kein Laut unterbrach das Schweigen der ruhenden Steppe. . Aus dem schützenden Gebüsch trat leise und vorsichtig jetzt der Späher ... Im gleichen Augenblick blitzte es vor seinen Angen auf. Gefühlsmäßig fuhr der bewehrte Schwertarm zur Deckung hoch und fing den wuchtigen Hieb eines Mannes, der aus dem Boden gewachsen schien. Im Dunkel krachten die Schläge! Von beiden Seiten des Tales hörten die Kämpfenden Hilfe herbeieilen, aber in der Finsternis fanden die Gefolgsleute die streitenden Führer nur schwer. Hin uud her wogte der Kampf. Focht auch der F ülirer der Schar aus dem Südlaöd geschickt, so fühlte er doch allmählich seine Kräfte erlahmen: Gegen seine deckende Waffe schmetterten die mächtigen Ringhiebe des ungestümen Gegners hart und wuchtig im gleichmäßigen Takt wie Hammerschläge. Da sprang helles Mondlickt blitzend ins Gebüsch. — Die Kämpfer sahen einander an. Und standen stark wie in Stein gemeißelt ... Die heraneilenden Mannen fanden cngumschlungen: Isaak, den Sohn und Elieser. den Knecht Abrahams. „Verzeih mir“, sprach Elieser, „und trag mir nicht nach, daß ich dich mit dein Schwert bedrängte, da icfi dich nicht erkannte. Demi siehe, ich hatte Kostbare« zu schützen. Wert volleres als alles, was dein eigey ist!“ „Laß, Alter, gut sein!“ erwiderte tiefatmend noch von der Hast des Kampfes Isaak, „du tatestdeine Pflicht als meines Vaters getreuester Knecht. Doch sage mir, wo willst du hin, daß du um Mitternacht reisest? Was führst du auf deinen Kamelen mit dHr?“ „So höre denn, Isaak, Sohn meines Herrn! Dein Vater ist alt geworden und müde. Und ein bitterer Gram ist es ihm, daß du unbeweibt bist. Deshalb sandt er mich zu seiner Verwandtschaft, dir eine .Braut zu werben. leb suchte mit der Hilfe des Allmächtigen und fand: Rebekka, die schönste unter den Töchtern des Lande«, die Tochter Bethuels, des Syrers, von Mesopotamien. Sie, die Braut, dir zuzuführen, ist mein Auftrag. „Der Seher!“ schrie Ismael auf. Da sanken Isaak und die Männer, die mit ihm gekommen waren, nieder auf die Knie und beteten lange und inbrünstig zu Gott.

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