Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-01-28 · 4 (28.1.1927) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
4 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2613366-2613895-2613899--2116-2619553
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

der Vorsitzende den Mitgliedern für das große Maß von Arbeit und Mühe, welches die Beratungen erfordert hatte, danken. Die Fertigstellung des Entwurfs soll bei der -nächsten Zusammenkunft der Kommission erfolgen, die sich von Sonnabend, den 5. Februar, abends, bis Sonntag, den «. Februar, und. falls erforderlich, bis Montag, den 7. Februar. erstrecken wird. (Wir werden nach Abschluß der Kvmmissionsberatungen zu deren Ergebnissen Stellung nehmen. Die Redaktion.) Berlin. (W o h l f ahr t s v e r a n st a I tu n g.) Die „Jüdische Altershilfe Groß-Berlin", über deren Gründung wir vor einiger Zeit berichteten und deren Bestrebungen weitgehendste Förderung verdienen, veranstaltet am 9. Februar im Beckstein-Saal. Linkstrabe 42. einen Vortragsabend. zu dem sich liebenswürdigerweise Frau Irene Triesch zur Verfügung gestellt bat. Näheres siehe Inseratenteil. Berlin. iAuöstellung des Philo-Berlages.) Vor einigen Tagen wurde in den Räumen der Buchhandlung von Neuß und Pollack. Berlin. Meinekestraße, eine Ausstellung des Philo-Berlages, Berlin SW. 84, durch eine Ansvrache von Herrn Amtsgerichtsrat Dr. E. F. W. Behl eröffnet. Nach eingehender Darlegung der Bedeutung des Philo-Berlages für den geistigen Abwehrkampf schloß der Redner mit folgenden Worten: „Neben den Kamvfschriften pflegt der Verlag auch die reine Wissenschaft indischen Einschlages und die Belletristik. Hier kann in weitestem Sinne ausbauende Tätigkeit ausgeübt und das Besondere der jüdischen Weltanschauung und des jüdischen Denkens für die Allgemeinheit fruchtbar gemacht werden. Die von Prof. Dr. Julius Goldstein-Darmstadt geleitete hervorragende Zweimonatsschrift „Der Morgen", die dem geistigen Schicksal der deutschen Juden dient, erhält diese Zukunftsamgabe des Philo-Berlages in lebendigem Zusammenhang mit den Strömungen der Gegenwart Sv wächst das Bild des Berlages allmählich über die kämpferische Grundlage hinaus zu einem geistigen Zentrum des jüdischen Elements deutscher Nationalität." Die Ausstellung bleibt bis zum 8. Februar geöffnet. Bochum. lW a u d c r a r m e n f u r s o r g e.) Im Zusammenhalts mit der starken Inanspruchnahme durch die Rückwanderung aus Frankreich und Ueberfeegebreten waren die Mittel des westfälischen Armenverbandes derart erschöpft. daß die Einstellung seiner Arbeit auf dem Gebiete der Wanderarmenfürsorge in greifbare Nähe gerückt war. Auf Veranlassung der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge hatte die Provinzialkasse für jüdische .Wanderarmenfürsorge in Bochum für den 3. Januar 1927 eine außerordentliche Generalversammlung ihrer Gemeinden einbernfen, bei der die Vertreter von zirka 25 Gemeinden anwesend waren Nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden, Herrn Liebenseld. berichtete der Geschäftssührer der Hauptstelle Berlin. Herr Rudel, über die durch die Rückwanderung neu geschaffene Situation, die außerordentliche Maßnahmen und. außerordentliche Bewilligung von Geldmitteln erforderlich macht. Nack einer längeren Aussprache, au der sich fast alle Anwesenden beteiligt haben, wurde einstimmig beschlossen, die rückständigen Beträge der Provinzialkasse Bochum sofort zuzuführen, sowie als außerordentliche Bewilligung den Betrag eines fünften Quartals der Kasse zur Verfügung zu stellen. Durch diese Maßnahme wird die Provinzialkasse nunmehr in die Lage versetzt sein, den erhöhten Ansprüchen Nachkommen zu können. Bremen. (Jüdische W a n d e r f ü r s v r g e.) Im Einverständnis mit der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge, Berlin, fand am 2. Januar d. I. in Bremen die Generalvetsammlung der Provinzialkasse für jüdische Wanderfürsorgc statt. Die Versammlung hatte den Zweck, den Anschluß der oldenburgischeu und ostfriesischen Gemeinden an die Provinzialkasse in Bremen durchzuführen, um von diesen Gebieten die wilde Wanderung fernzubalten und der Provinzialkasse Bremen dnrch verstärkten Anschluß die Möglichkeit zu geben, im Sinne der Richtlinien der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge ihre Arbeit durchzunihren. Erschienen waren in größerer Anzahl Vertreter der in Frage kommenden Gemeinden, sowie als Gäste der Vorsitzende der Provinzialkasse für jüdische Wanderfürsorge in Bochum. Herr Liebenseld, und der Geschäftsführer des Provinzialverbandes Hannover-Brannschweig für jüdische Wanderarmenfürsorae. Herr Grünbaum. Nach einleitenden Worten des ersten Vorstehers der Gemeinde Bremen. Herrn Mar; Markreich. referierte der Geschäftsführer der Hauptstelle, Herr Rudel, über die Ausgaben und die Organisation der Wanderfürsorge. Im Anschluß an dieses Referat sprach Herr Grünbaum. Hannover, über die Organisation und die Tätigkeit einer Provinzialkasse für jüdische Wanderfürsorge, ..-.,m . sowie insbesondere über die Notwendigkeit des Anschlusses der noch abseits stehenden Gemeinden'an die Gesamtorgaui« sation. An der Diskussion beteiligten sich die Herren GanS, Emden, Rabbiner Dr. Krakauer, Osnabrück, Lands-- bera, Oldenburg, Liebenseld, Bochum. Cohen, - Meppen, Rabbiner Dr. Blum. Emden, Markreich, Bremen. Nach der sehr ausführlichen Debatte erklärten fast alle anwesenden Vertreter bet ihren Gemeinden für den Anschluß und für Beitragszahlung an die Provinzialkasse in Bremen eintreten zu wollen. Dnrch diese Verstärkung der Provinzialkasse Bremen ist eine bisher sehr fühlbare Lücke im Netz der Organisation der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge geschlossen. Oftfriesland hatte in der letzten Zeit ein« starte Anziehungskraft für wilde Wanderung, was nunmehr durch Ausbau der Organisation in diesem Gebiete anshören dürfte. Breslau. (B e r b a n d s t a g u n g.) Der Verband der Synagogengemeinden in den Bezirken Breslau und Ltegnitz hielt am Sonntag, den 28. d. M., vormittags 10 Uhr, im Repräsentanten-Sitznngssaale zu Breslau eine Tagung ab. die von den Anschlußgemeiuden sehr zahlreich beschickt war. Der preußische Landesverband war durch Dr. Frennd und Prof. Türk auf ihr vertreten. Der einzige Punkt der Tagesordnung war die Gründung von Zweckverbünden. Der Vorsitzende, Justizrat Hirschberg-Breslau, begrüßte die Erschienenen, auch den Vertreter des oberschlesischen Gemeindebundes, Rabbiner Dr. Kaatz-Hindenbnrg, und empfahl die geschäftliche Abwicklung so, daß in der großen Versammlung die großen Gesichtspunkte erörtert würben und dann die örtlich zusammenhängenden Gruppen in Sonderverhandlungen einträten, wie die Gesichtspunkte verwirklicht werden könnten. Dr. Freun-d betonte in seinen Ausführungen, daß der Verfall in den kleinen Gemeinden schon einen hohen Grad erreicht habe, und daß Besserung eintreten müsse, wenn eine Katastrophe vermieden werden sollte. Er belegte seine Ausführungen mit Zahlen. Da die Gemeinden sich nicht selbst helfen könnten, so müßte ein Zusammenschluß leistungsunfähiger Gemeinden herbeigesührt werden. Der Last enträger müßte der preußische Landesverband fein, der nicht versagen werde, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen würden. Da der Landesverband mit Mitteln des Staates arbeite, so müssten die Grundsätze des Staates befolgt werden. Mit Berücksichtigung seiner sämtlichen Tätigkeit müßte ein Gemeindsbamter 28 Wochenstunden erfüllen, um eine ausreichende Besoldung beanspruchen zu können, die bei der momentan schwachen Leistungsfähigkeit des Landesverbandes die siebente Gehaltsstufe noch nicht völlig erreiche. Wenn die Gemeinden ihre Pflicht täten, würde auch der Landesverband nicht kleinlich sein. Alsdann äußerte fid^ eine Anzahl Gemeindedelegierte ie nach der Lage ihrer Gemeinden teils für. teils gegen Bildung von Zmeckoerbünden. Insbesondere wünschte man, daß Filialgemeinden von ihren Hauptgemeinden, mit denen sie manchmal schon viele Jahrzehnte verbunden wären, nicht getrennt würden. Ihnen erwiderte Gemeinderabbiner Dr. Vogelstein-Breslau, daß der Verbandsansfchub nur Vorschläge gemacht habe, die in jedem Falle geändert werden könnten, lieber Einzelheiten müßte verhandelt werden. Es sei für das Judentum gleich unwürdig, Hungergehälter zn zahlen und ungeeignete Elemente als Gemeindeöeamte anzustellen. In seinem Schlußworte widerlegte Dr. Freund die Bedenken, die gegen die Gründung von Zweckverbänden vorgetragen worden waren. Die Frage des Gottesdienstes an Sabbaten und Feiertagen sei vielleicht so zu lösen, daß jüngere Herren aus den Gemeinden zur Stellvertretung im Vorbeterberus sich in der Provinzial- Hauptstadt ausbilden lieben. Wo noch Funktionäre vorhanden wären, sollten sie natürlich nicht auf die Straße gesetzt werden, vielmehr ihre Versetzung ins Auge gefaßt werde'.:. Bei alten und kranken Funktionären müßte der Landesverband die Lasten übernehmen. In die Autonomie der Gemeinden solle in keiner Weise eingegriffen werden. Im Interesse des Judentums, sollten ungeeignete Funktionäre lieber nicht beschäftigt werden. Zur Fragendes Nachwuchses übergebend, wies er harairf hin. daß der Stand des jüdischen KnltnSbeamten so gehoben werden müßte, daß. er erstrebenswert werde. Das Ziel des Landesverbandes wäre auch die Einrichtung von Rabbinerbezirken, so daß jede Gemeinde ihre Rabbiner hätte. Nach einem einfachen Frühstück traten die örtlich zusantmenhängerrde» Gruppen t» Sonderverhandlungen ein. Gießen. (T a g n n g des Hessischen Landesverbandes.) Kürzlich fand hier eine Tagung des SchulausschusscS vom Hessischen Landesverband statt. Als Vertretung der im Landesverband zusammengefchloffenen israelitischen ReligionSgemeinden Hessens nahm der Schulauöschnß zur Frage der Wanderlehrer Stellung und kam zu dem Ergebnis, das; die Lehrer Rosenberg in Mainz und Sa- Aron gsak. Eine Lebensgeschichte. Bearbeitet von Dr. B. Schi d los. (7. Fortsetzung.) Als R. Abraham säst ein Jahr hier war, ließ er seine Frau und seine Kinder Nachkommen. Sie kamen zu Land über Maü, und die Frau mit den sechs Kindern hatten einen eigenen großen Reisewagen. Es kamen auch zwei Backurim hier an, die Empfehlungsschreiben au mich hatten. Der eine hieß R. Moses Leidersdorf, der andere R. Hirsch bar Goel. Sie waren aus einer sehr vornehmen Familie und besaßen einige tausend NeichStaler. Sie waren noch sehr jung und beschäftigten sich hauptsächlich mit Studium. Ich hielt von den Beiden sehr viel und hätte gerne gehabt, daß sie da bleiben sollten. Ich lief mit R. Moses zu allen vornehmen Herrschaften, mit denen ich bekannt ivar. und stellte ihn als einen ehrenhasten Menschen vor, und bat. ihn und seinem Freund zu einer Handelserlanbnis behilflich zn sein. Aber der Oüerstatthalter lehnte es ab. „Sie waren doch zu mir so gnädig." sagte ich. „Es sind wirklich hvchchrliche Leute und sie haben auch etwas Kapital." „Mit dir war das etwas ganz anderes. Tu als ein Künstler, wie im ganzen Land eben kein zweiter ist. tust keinem Menschen irgend einen Schaden. Aber die beiden als Kaufleute werden bald Widersacher haben. Aber wenn du es versuchen willst, ich will nicht dagegen sein." Ich lief zu den Ncichsrüten — einige wollten nichts eiumenden, andere wollten aber wieder gar nichts davon hören. Wir machten eine Bittschrift an den König, erhielten aber einen ablehnenden Bescheid. Sie entschlossen sich daher, wieder wcgzusahreu, mein Bruder Abraham und ich wollten sie aber gerne hier behalten, besonders weil and) R. Abraham Pack wieder beimfuhr. Er war vorn Herzog von Mecklenburg als Hofmedailleur mit einem Gehalt von dreihundert Reichstalern, freier Wohnung und Holz zurückberufen worden, und uns war darum zu tun. möglichst beste und ehrenhafte Leute hier zu haben. Ich gina daher nochmals zum Oüerstatthalter. sagte ihm. die Leute hätten einen ablehnenden Bescheid bekommen und wollten nun wieder wegfcvhren. „Wenn du sie wirklich gerne hier behalten willst, so lasse sie vorläufig auf dein körsvur hier. Vielleicht kommt bei Sof wieder eine günstigere Gelegenheit." Wir redeten den Beiden viel zu. versprachen ihnen allen Beistand, so daß sie sich entschlosien, zu bleiben. R. Abraham reiste also mit Frau und Kindern wieder nach Schwerin zurück. Sie waren zwei Jahre hier gewesen. Mit meinem Bruder Abraham hatte ich mich auseinandergesetzt, so daß jetzt ieder für sich blieb. „ .. Es kam hierher R. Gumprecht aus Bützow, ein Vetter uon meiner Frau. Als ich noch in Bützow wohnte, halte ich mit diesem R. Gumurecht oster in Kcnuvagnie Geschäfte gewacht, nämlich in Federn, Wachs und Federposen. Dieser N. Gumprecht sagte nun zu mir: „Ihr laßt cs Euch sauer werden, zu arbeiten und zn : lausen, nennst mich als Teilhaber au. Bon Eurer Arbeit verlange ich keinen Anteil. Gebt mir aber Eure Ware in Kompagnie, so will ich für Euch die Geschäfte machen und alles io arrt bestellen, wie Ihr selbst. Ihr könnt dabei still aus Eurem Stuhl sitzen und Euch Eurer Arbeit widmen. Meine Frau redete mir zu. N. Abraham sei nun weg, wie könne ich alles allein schassen? 9t. Gumprecht hatte aber feilt Anfenkhaltsrecht. Ich lief viel herum aber der Oberstatthalter wollte cs nicht zugeben. Schließlich tat mir Baron Vegesack den Gefallen und sagte, er hätte ftcft ihn für die BranntweiudircLtion als > Destillateur her verschrieben, und Aaron Liljcakrantz be-! stätigte das dem Baron Be ge lack und auch mir zuliebe.! Also hatte N. Gumprecht die Erlaubnis, hier zu bleiben. Es kam auch ciu polnischer Rabbiner hierher, der Empsehlungssthrciben an mich mitbrachte. Ich engagierte ihn ans ein Jahr. R. Moses Leidcrsöorfs Bruder Sützkinü kam auch her. 9t. Löw Dcmitz mit seinem Bruder, auch R. .Kappel. Jakob Kluge verlobte sich hier und machte Hochzeit. Mein Bruder Mordedsai reiste zur Leipziger Messe und verheiratete sich in Schwerin mit der Tochter von R. Schmuel Plan und brachte seinen Schwiegervater mit her. Auch mein Bruder Mm cs kam. Wir waren schon über vierzig Mannsversonen. Man begann davon zn reden, daß hier ein Reichstagsollte abgehalten werden. Ich war daraus bedacht, wie wir es dahin bringen könnten, endlich von den Reichsständen richtige Wvhnsrciheit zu erlangen. Einige gute Freunde hatten mir nämlich gesagt: „Euere Privilegien sind recht gut. so lange der König lebt. Sollte der König aber einmal sterben, so könnt ihr alle euch wieder zum Lande hinauSvackcn." Ich besprach mich nun mit meinem Bruder Mordechai. daß wir an die Reichs stände eine Eingabe. machen wollten. „Du nimmst alles auf dich" sagte mein Bruder „und kein Mensch dankt dir dafür. Da ist auch R. Moses Leidersdorf und sein Freund R. Hirsch, die fckon so lange gerne Wohnrecht haben möchten. Wir wollen sie rufen lasten und ihnen vorstellen, da nun Reichstag fein wird, ob wir nicht lomon in Worms vom 1. Januar ab als Wanderlehrer in einer Anzahl rheinhessischer Gemeinden tätig sein sollen. Die Landgemeinden, welche von diesen Lehrern im Borbeterdienst, Religionsunterricht oder Kultusamt Gebrauch machen, sollen auch einen angemessenen Beitrag zum Gehalt des Lehrers zahlen. Vom 1. April an sollen alle lehrerlosen BerbandSgem-einden von Wanderlehrern betreut werden. Eine ähnliche Einrichtung besteht übrigens auch in Niederhessen, wo die lehrerlosen Gemeillden periodisch von den damit beauftragten Lehrern besucht werden. Im Gebiet deS früheren Großherzogtums Hessens wurden die Borbereitungen der Wanderlehrerfrage für Starkenburg Lehrer Simon, für Rheinhessen Rabbiner Dr. Levi, für OVerhcssen Rabbiner Dr. Sander und Lehrer Kahn übertragen. Letzterer übernahm außerdem die Ausarbeitung eines Schlüssels, nach welchem regelmäßige Beiträge aus Verbandömitteln zu denjenigen Lebrergehältern geleistet werden können, weläje sich unter der Gehaltsgruppe 7 bewegen. — Die Israelitische Religionsgesellschaft beging die Feier ihres 40jährtgen Bestehens durch einen Festgottesdienst in der prächtig ausgeschmückten Synagoge. Auch eine Abeudunterhaltnng war zu Ehren des bedeutsamen Ereignisses arrangiert. Einigen um die Entwicklung der Religionsgesellschaft verdienten Männern wurden besondere Ehrungen bereitet. So ernannte man Herrn S. Jvseph zum Ehrenmitglied und den seit 80 Jahren als Vorsitzenden fungierenden Hofrat Grünewald, die Überlebenden der Gründer der Gemeinde, zum Ehrenpräsidenten. Haruuwer. (Sitzung des Repräsentantenkollegiums.) Die erste diesjährige Sitzung fand am Mittwoch, den 19. Januar, statt. Die wieder- bzw. neugewählten Mitglieder des Gemeindevorstandes und des Repräseutautenkollegiums werden in ihr Amt eiugesührt. Der erste Vorsteher nimmt sodann Stellung zu dem Flugblatt. das die Zionistische Ortsgruppe bet den am 16. Januar stattgehabten Wahlen (siehe vorige Nummer) verteilt hat. Das Flugblatt strotze von Unwahrheiten. Bereits vor fünf Jahren habe eine zn diesem Zwecke einberusene Gemeindeversammlung die Einführung des Proportionalwahlrechtes abgelehnt. Die Zionisten scheinen nicht zu wissen, was die Gemeindeoerrvaltung in den letzten sechs Jahren geschaffen hat. Bedauerlich sei auch, daß ein als Mensch und Mitarbeiter geschätzter Zionist auf Grund der Parteivarole. kein Amt in der Gefangenenfürsorae niedergelegt habe. Der Syndikus der Gemeinde. Herr Dr. Schleisner, meist ans die Schattenseiten des Proportionalwahlrechts hin, das anderen Großgemeinden (z. B. Berlin) nur Hemmungen gebracht hat. Es läge der Gemeindeverwaltung fern, die Minderheit mundtot zu machen. Sodann wurden die Mitglieder für die verschiedenen Kommlssionen gewählt. Es wird beschlossen, von einer Hypothekenbank eine sechsprozentige Goldkommunalanleihe in Höhe von 250 000 Mark aufzunehmen, die später eventuell in eine langjährig amvrtisrble Anleihe umgewandelt werden soll. Das Kollegium beauftragt den Vorstand, die noch im Umlauf befindlichen Obligationen der Synagogen anleihe von 1923 in einer Gesamthöhe von nominal 15 Millionen Papiermark zum nächstzulüssigen Termin zn kündigen und voll aufaewertet (und zwar vom Tage der Einzahlung des Betrages an gerechnet) den Zeichuern der Anleihe.zuriick- Merstatten. Zwecks Erlangung geeigneter aärtnerischer Bebauungspläne für den neuen Friedhof in, Bothfeld soll ein Preisausschreiben ersolaen. Schneidemühl. (Todesfall.) Am Donnerstag, den 20. Januar, starb in Berlin der Kantor Hermann H e l i s ch - k o w s k i. Mehr als 30 Jahre hat er als Kantor in Schneidemühl gewirkt. Mit unermüdlichem Fleiß hat der hochbefähigte Mann in seiner Gemeinde gewirkt und erfreute sich -in allen Kreisen der größten Beliebtheit. Nickt zum wenigsten seinem Wirken ist es zu verdanken, wenn der Gottesdienst »in Schnei-demühl allen.-.Ansprüchen der modernen. Zeit gerecht wird. Durch die. Einführung eines Harmoniums und Einrichtung eines Synagoaenchors, den er selbst gegründet und geleitet hat, hat er sich unvergängliche Verdienste erworben. Sein großes jüdisches Wißen, sein hervorragendes kantoral-s Können und sstn ste^s pnd dnch aufrechter Charakter sickern den: treuen Anhänger der liberalen Idos ein treues Andenken. Treysa. (Jubiläum des F r a u e n v e r e i n s). Am 15. Januar beging der hiesige Israelitische Frauenverein, der sich als gemeinnützige Vereinigung im Dienste der Wohlfahrtspflege und religiösen Belehrung seiner Mitglieder glänzend bewährte, die Feier seines 40jährigen B«. stehens. Der Vorstand hatte aus diesem Anlaß eine festliche Veranstaltung im „Hotel zur Burg" in die Wege geleitet, durch die allen Gemeindemitgliedern und auch zahlreichen hierzu geladenen Güsten einige anregende und vergnügte auch die Freiheit erhalten könnten, wie wir sie bereits in allen anderen Ländern besitzen." Ich sagte, man müsse etwas daran wagen, so etwas erfordere immerhin erhebliche Kosten,- anders sei es nicht zu machen. R. Leidersdorf erklärte gleich, cr wolle 300 Dukaten darau wagen, wenn wir etwas ansrichten könnten. Er wolle die Hälfte geben, die andere Hälfte fein Freund. Ich sagte, daß ich versuchen wolle, mit hundert Dukaten durchzukommeu. Mein Bruder und die beiden anderen waren zufrieden. Der Reichstag trat im Januar 1779 zusammen.' Ich hatte viele gute Freunde darin, und ich machte meine Eingabe. Von den vier Ständen war keiner, der uns zuwider war, bis allein auf die Geistlichkeit. Wir erhielten also die Freiheit, daß Inden im Schwedenreich wohncu können, doch sollte ihnen ein Reglement ausgcfertigt werden, nach dem sie sich zu richten hätten. Das zu erreichen.»hatte mich über 100 Dukaten gekostet. Nun, als es vorbei wiar, verlangte ich nach unserer Abrede non jedem 25 Dukaten. Aber dieser Moses und dieser Hirsch sagten, sie hätten gemeint, nur ihren Anteil geben zu wollem Da die Freiheit nun für alle Juden sei. müsse jeder eben seinen Beitrag geben. Sollte ich von meinen Angestellten etwas verlangen? So bekam ich denn nichts. Mein Bruder Ntordechai wollte mir zwar 25 Dukaten vergüten, ich nahm sie aber nicht, ich wollte 50 Dukaten haben, öenrc wir beide batten ja die Sache in die Hand genommen. Cchließlich starb mein Bruder drüber hinweg, und ich habe von niemand auch nur einen Psennig bekommen. Es kam nun eine Verordnung heraus, daß die Jrrüen. die Ansicdlungsrecht verlangen wollten, sich beim Haudelskollcgium zu melden hätten, üiö das Reglement herausgekommen sei. Nun lief natürlich ein ieder zum Handelskollegiunr und ließ sich eintragen, um Handelserlaubnis zu l-abcn. Ich hatte aber viele Feinde unter meinen eigenen Leuten, solchen, die ich aus Mitleid aufaenommen hatte. Unter ihnen Moses Leidersdorf, der die Leute gegen mich aufhetzte. Es seien nun alle gleich. Aron Jsak sei auch nicht mehr und solche Reden. Nun war ich zwar voiu Oberstatthalter als Hufvuöman eingesetzt, aber ich habe mir nie einen besonderen Vorrang eingeräumt, sondern bloß auf Ordnung, auch in der Synagoge, gesehen, ich habe ieüoch niemand etwas vefohleu. Da kam mit einem Male wieder der B. aus Malmö. Moses Leidersdorf machte mit ihnr Bekanntschaft. Was er ihnen Gutes getan oder ihnen gegeben hat. das weiß ich nicht. Dieser B. sollte wir also etwas antun.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.