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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-01-28 · 4 (28.1.1927) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
4 (28.1.1927)
Date
1927-01-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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wet&en. Und selbst wenn bie Hilfe öeS Auslandes auSbleibe, werbe die Sowjetregierung in dieser Hinficht fort» arbeiten. Die Rede KalininS hatte sehr großen Beifall. Dann teilte der Wirtschaftskommissar Larin mit, baß jene »territoriale Einheit größeren UrnfangeS" in der Nähe von Lherfon gegründet werden soll, wo eS bereits eine alte und einige neue tüdtsche Kolonien gibt. Ebenso soll eine antonoute Republik in der Nordkrim geschaffen werden und weiter kommt die Gegend am Asowschen Meer in Betracht. Eine Stedlungsbank wird geschaffen werben, an der die Staatsbank und die ausländischen Hilfsunternehmungen sich beteiligen sollen. Mit dem Zitat von Leszinsky wollte Herr Dr. Lewtn hauptächlich die jüdische Kolonisation in den Schatten stellen; deshalb möchte ich von demselben Verfasser auch einige Zitate aus dem jüdischen „Vorwärts" New Aork, bringen, die beweisen. daß derselbe im Gegensatz zu Dr. Lewin nicht nur Sympathie für die jüdische Kolonisation hat, sondern auch an ihren Erfolg glaubt. Er schreibt: „In drei Jahren hat man in Rußland dreimal so viel Juden kolonisiert, wie in Palästina in fünfzig Jahren. Zweimal mehr als in Argentinien in dreißig Jahren) und diese Kolonisation kostet fast nur Pfennige im Vergleich mit der allgemeinen Kolonisation und besonders mit der Kolonisation in Palästina." Die jüdische Kolonisation in Rußland ist nicht nur eine tüdtsche Angelegenheit, sondern speziell eine Staatsaufgabe. Sowjetrußland ist das einzige Land, in dem der Staat sich mit konstruktiver Arbeit befaßt, um die Juden mtt dem Lande zu verwurzeln. In der ganzen jüdischen Geschichte bat das kein anderes Land getan. In den letzten drei Jahren baden die Juden in Rußland eine Viertelmillion Desjatinen Erde bearbeitet. Daß das jüdische Kolonisationswerk in Rußland eine Staatsaufgabe geworden ist, spielt eine große Rolle, denn: erstens gibt der Staat den Boden umsonst, gute und fette Erde, die die Arbeitenden gleich mit den nötigsten Lebensmitteln versorgt und zweitens hat sie noch Geld assigniert, ein Viertel aller Ausgaben. Herr Dr. Lewin ist mit seinen Bemühungen der jüdischen Kolonisation zu schaden, etwas zu spät aus der Arena erschienen. Die Zuführung der Juden zur Landwirtschaft ist ein großes Stück Wirklichkeit nicht nur bei den russischen Juden, sondern bei den Juden der ganzen Welt geworden. Diese Wirklichkeit kann solch ein Aufsatz wie der deS Herrn Dr. Lewin wenig berühren, um so weniger, da man täglich sieht, mit welch einer Energie die Juden aller Welt bemüht sind, die Lage der russischen Juden durch das jüdische Kolonisationswerk, das sie moralisch und finanziell unterstützen, zu verbessern. L. Wolfs. Nach der Moskauer Tagung des „Gzet". Lieft mau in der jüdischen kommunistischen Presse Sowjet- Rußlands seine andere darf es dort bekanntlich nicht geben) die Berichte über die Verhandlungen der Tagung des „Ozet" in Moskau im verflossenen November, die jetzt vollständig vorliegen, so drängt sich von selbst der Eindruck auf, daß eS sich beim ganzen Unternehmen um einen Versuch handelt, bas jüdische Snliöaritätsbewußtsein. die Bereitschaft der bessergestellten Juden, den bedrängten Glaubens- und Stammesgenossen zu Hilfe zu kommen, auszunutzeu, sie den Zielen der jüdischen Kommunisten, wie des Kommunismus überhaupt, dienstbar zu machen. Wenn es vielleicht in gewissen Kreisen die Hoffnung gegeben hat. auf dem Boden der Kolonisationstätigkeit der Juden in Rußland eine Art apolitisches unparteiisches Zusammengehen von verschiedenen, aber gleichberechtigten Richtungen im Judentum zu schaffen, so ergeben die Verhandlungen der Moskauer Tagung, daß f6t"'öie leitenden kommunistischen Kreise in Rußland eine i solche Gleichberechtigung überhaupt nicht in Betracht kommt. Die Tagung wurde zu einer kommunistischen Demonstrantm' auf welcher es Nichtkommunisten gestattet wurde, die Rolle von Statisten zu spielen, die sich aber im übrigen ruhig zu verhalten hatten. Die jüdischen Organisationen des Auslandes — nach dem kommunistischen Jargon also „büraerliche" Organisationen haben ihr Gell» herzugebcn, die Ziele der Bewegung aber bleiben diejenigen, welche die Kommunisten als die richtigen ansehen. Sehr grob, aber mit aller wünschenswerten Deutlichkeit hat das in seiner Rede auf dem Ozetkongreß Kalinin ausgesprochen. der im russischen Sowjetstaat formell die Stellung etnnimmt, die etwa der Stellung des Reichspräsidenten in der deutschen Republik entspricht. Zum Verständnis seiner Worte muß vorausgeschickt werden, daß nach den Angaben der Sowjetbehörden 50 Prozent der bisher für die Kolonisation ausgegebenen Summen von ausländischen jüdischen Organisationen geliefert worden sind, während der Sowjetstaat nicht mehr als 15.6 Proz. beigesteuert hat. „Die Sowjetregierung". führte Kalinin aus. „hindert es nicht, daß die jüdischen Kolonisten Hilfe sogar von den jüdischen Kapitalisten empfangen, welche sich außerhalb der Grenzen der Union der Sowjetrepubliken befinden. Wir bei uns. im Verbände der Sowjetrepubliken, haben seinerzeit di« jüdischen Kapitalisten glücklich liquidiert (der Bericht verzeichnet hierbei Beifallsklatschen der Kongreßmitglieder), sie zwar nicht physisch liquidiert, aber ihre Kapitalien, so daß sie ihr« Bedeutung verloren haben.... Ebenso wie die russischen Adligen, wenigstens ein Teil von ihnen, sich einst ihrer Verantwortung vor den leibeigenen Bauern bewußt waren, ebenso geht auch jetzt im wesentlichen ein ähnlicher Prozeß vor. wahrscheinlich in etwas schwächerem Grade, weil es jetzt in der kapitalistischen Welt weniger Sentimentalität gibt als in der alten adligen Welt. Immerhin läßt offenbar dies Gefühl diejenigen, die mit Kapital gesättigt sind, nicht ruhig schlafen >knd zwingt manchmal eine ganze Reihe von jüdischen Kapitalisten. über ihre Verantwortung vor dem jüdischen Volk aachzudenken. Gewiß, viele werden sich mißtrauisch dazu verhalten: wieso kommt es. daß einerseits der Sowjetverband grundsätzlich die Existenz des Kapitalismus negiert, gegen ille Arten des Kapitalismus bei sich zu Hause kämpft, wie 'arm er es also zulassen, daß die jüdischen Kapitalisten des Westens den Juden bei uns im Sowjetverband Hilfe leisten?" Diese Frage beantwortet Kalinin mit folgendem „Witz": ^ie Ädischen Kapitalisten des Westens, welche dem jüdischen Volke zu Hilfe kommen, wollen, indem sie diese Almosen vergeben, mit Hilfe dieser Almosen gewisser« näßen im Jenseits sich einen Platz neben Roses verschaffen (Gelächter und Beifallsklatschen der Kongreßteilnehmer), denn. Genossen, wenn diese Kapitalisten m ihre Nationalität glauben, wenn sie auf diese Nationalität Wert legen, wenn sie nur ein wenig an die Religion glauben, so wird man sie ja im Jenseits tragen: wo wart ihr damals, als das j ü d i sche »rbeitende Volk sich ein Vaterland schuf und : - befestigte? Ich glaube, Genossen, daß wir o o n den ausländischer! Kapitalisten, vom Joint und anderen Organisationen, keine Almosenempsangenhaben.sonöerurvirtaten eüalseine Pflicht, indemwirfürdie Erlösung der Seelen der jüdischen Kapitalisten sorgten." Dieser Hohn, die Erklärung der Zulassung der ausländische» jüdischen Geldgeber bei einem Unternehmen, das oh« diese Geldgeber überhaupt hätte kaum ins Werk gesetzt wenden können, damit, daß die Sowjetregierung den jüdischen Geldgebern behilflich ist. sich im Jenseits, im Paradies, einen Platz neben Moses zu sichern, i,t außerordentlich bezeichnend für das ganze Verhalten der Kommunisten drerem f versammluugskaleuder Aachen. DouverStag. I. Februar sBersam«lu»ssl»kal mU Stunde werden durch Einladung bekauntgegebeuj: Bortrag George Goetz. Generalsekretär der Bereinigung für dos liberale Judentum e. B.: „Sind wir noch Juden?" Berlin-Norden. Literale Synagoge Norde» (tut Auerbochsche« Waise»« ha«S, Schöntanser Allee 162): Gottesdienst: Freitag, de» 28. Januar, abends V/t Uhr. Predigt: 9taM. Dr. Gal»« morrski. Sonnabend, den 29. Jannar. vormittags 10 Uhr. Berit«. A« DienStag, de« 1. Februar, findet uw 8 Uhr in der Roseustrabe 2—4 eine allgemeine Veranstaltung des Jüdisch, liberalen Jugeudvereins statt. Haus Rosenberger hält einen Dortrag über: „Jude und Proletariat". Biupe« a. Rh. Montag. 21. Januar, abends 8 % Uhr. Gemeindezi«»er der Synagoge, RochnSstraße 12: Bortrag George Goetz (Berti«), Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. B.: „Prophetismus. LiberaltSmnS. Zionismus." Elberfeld. Mittwoch. S. Februar (Versammlungslokal und Staude werden noch bekauntgcgeben): Bortrag George Goetz, Berlin, Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. V.: „Der jüdische Liberalismus und bie Parteiungen im deutschen Judentum." Frankfurt a. M. Freisinniger Verein für jüdisches Gemeiudelebe« E. B. (Ortsgruppe der Bereinigung sür das liberale Judentum). Montag, de» 7. Februar, abends 8A Uhr spricht Herr Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger »m große» Saale des Dr. Hoch« scheu Konservatoriums, Eschersheimer Landstraße 4. über bas Thema: „Aus der Berwaltuuasarbeit der israelitische» Gemeinde." Freunde und Gäste sind willkommen. Frankfurt a. M. Jüdisch-liberale Jngendgemeiuschast. Dienstag, 1. Februar, abends 8A Uhr,: Heimabend tut Sitzungszimmer der Synagoge Königstciner Straße: Au Stelle des er« krankten Herrn Schwarz spricht George Goetz» Generalsekretär der Bereinigung sür das liberale Judentum e. B.: „Ueber den Sinn des Betens." (Das vollständige Februarprogramm veröffentliche« wir im Inseratenteil.) Unternehmen gegenüber. Man muß dabei bedenken, daß KaUmn selber diesen geistreichen „Witz" sicher nicht ausgedacht hat. Kalinin ist ein einfacher Bauer, «der eine Zeitlang auch Metallarbeiter war, ein richtiger Strohmann, der von Lenin auf den Platz des angeblichen Hauptes des Sowjetstaates gesetzt worden ist, damit dieser Staat die Dekoration eines proletarischen Hauptes erhält. Er besitzt auch in der Tat nicht den geringsten Einfluß aus die Staatsgeschäfte, seine Reden und Aeußerungen erinnern frappant an die Aussprüche des bekannten „Serenissimus", der im „Simplizissimus" der Vorkriegszeit eine ständige Rubrik bildete» er hat mit seinem hochgestellten Vorgänger sicher ein gewisses Wohlwollen gemein, ist persönlich ein sehr netter Mensch, nur hat er jedenfalls nicht mehr Verstand als der frühere Serenissimus. Dieser geistreiche Hinweis auf die von den jüdischen Kapitalisten ersehnte Nach, barschaft mit Moses im Paradies ist offenbar das Werk eines Kommunisten aus der jüdischen Gruppe der Kommunistischen Partei („Jewsekcija"). der ihm wahrscheinlich vorher die ganze Rede ausgeschrieben hat. Diese Note, daß die Kourmunisten in allem recht haben, daß die Gesundung der jüdischen Volksmassen in Rußland nur durch den Sieg des .Kommunismus gewährleistet ist, klingt fortwährend in allen Reden der Vertreter der Kommunistischen Partei im Kongreß. Es darf dabei nicht vergessen werden, daß die Kommunisten auf dem Kongreß in der Mehrzahl waren. Von Leu 289 Delegierten besaßen 209 Bestimmungsrecht und 69 nur Beratungsrecht, von der Gruppe aber, welche Bestimmungsrecht hatte, waren 110 Kommunisten und nur 90 Unparteiische. Unter den 69 Delegierteu. welche nur BeraLungsrecht hatten, gab es allerdings nur 25 Kommunisten, diese Gruppe trat aber natürlich hinter der ersten weitozurück. So führte einer der Hauptvertreter der Kommunisten. Tschemerifky, aus, die Kommunistische Partei und ihre jüdische Sektion haben nachgewiesen. daß sie bauen und schöpseriF", wirken können, daS werde auch jetzt von ihren Gegnern anerkannt, „das sei aber wenig. Ihr, die Ihr die ganze Zeit gegen unS gekämpft habt» Ihr müßt anerkennen, daß wir aus der ganzen Front recht haben. Ihr müßt anerkennen, daß wir recht hatten im Kamps mit euch, mit der religiösen Kultur, mit dem Zionismus. Wir kämpfen und wollen weiter kämpfen gegen die antiproletarische Ideologie. Wir erlauben aber sogar den bürgerlichen philantropischen Organisationen» uns ans dem Gebiet der Einordnung der Juden in die Landwirtschaft zu helfen, fordern aber von der uns ihrer Ideologie nach fremden Intelligenz, daß sie unsere (von Tschemerisky unterstrichene) Arbeit tun, und daß sie uns nicht stören sotten." „Im Zentrum unserer Arbeit", sagte derselbe Redner ein anderes Mal, „steht die Aufgabe, unsere wirtschaftliche und soziale Basis zu verbreitern, die Positionen zu befestigen, aus welchen die sozialistische Ordnung gebaut wird". Die jüdischen Kommunisten bauen neue jüdische Schulen, suchen jüdische Arbeiter in die Industrie zu bringen, ebenso Juden in der Landwirtschaft einzuordnen, das „sind alles Wege, um die jüdischen Massen hereinzuziehen in den Kampf für den Sozialismus... Es ist wenig, wenn die jüdische Intelligenz einfach zu uns kommt. Sie muß auch ihre Ideologie ändern, sie muß anerkennen, daß wir recht haben und nicht nur mit den jetzt erreichten Resultaten, sondern auch auf unseren! ganzen Weg recht hatten. Wir müssen unsere Forderungen an die Intelligenz, ivelche mit uns arbeiten will, verstärken. Uns steht es noch bevor, die Jdeologteu, welche uns feindlich sind, zu bekämpfen, am schärfsten muß bekämpft werden die schädlichste aller Ideologien, die reaktionärste unter ihnen — die zionistische." Ein anderer Kommunist. Weinstein, der ebenfalls eine ausschlaggebende Stelle im Ozet etnnimmt, erklärt in seinem Bortrag: „Wir müssen kategorisch erklären, „Ozet" (auf jiddisch abgekürzt „Geserd") ist kein Block jüdischer Parteien, nicht einmal von Parteiresten. Es ist eine Gesellschaft welche im Land der Arbeitevdiktatnr arbeitet, selbstverständ' lich arbeitet sie also unter Leitung der Kommunistischen Partei. Bei uns wird die „jüdische Frage" gelöst ans hie radikalste Art. das verstehen die bürgerlichen Organisationen. sie kommen uns daher m Hilfe trotz ihrer negative» Einstellung zu unserer sozialistischen Aufbauarbeit... Unsere Arbeit kann nicht getrennt werden von der allgemeine« sozialistische» Aufbauarbeit, welche 4» unserem Doch geführt wird, sie muß au diese Arbeit angeschlossen werben. Diesen Grundgabouken dürfen wir bei keinem Schritt Last de» Augen lassen." Das hindert Weinstein Licht» weiter zu erklären: „Wir wenden nutz an alle Schichten der ausländischen Juden, und zwar bitten wir nicht um Hilfe, sondern wir fordern sie. Wenn die ausländischen Geldgeber Hilfe leisten, so tun sie das unter dem Druck der jüdischen kleinbürgerliche» Mittelschichten, welche sie zwingen, ihre Stellung zu uns zu ändern. Die ausländischen jüdischen Kapitalisten müssen einsehen. daß bei uuS die jüdische Fräse radikal gelöst wird, nicht wie in dev bürgerlichen demokratischen Länder«. Zwar sei die Hilfe des Joint in Amerika ebenfalls „international", so bat z. B. der nichtjüdifche Milliardär Rockeseller 100 000 Dollar geschenkt. Wir er» erstreben aber einen anderen JnteruatioualiSmuL. Unser Internationalismus besteht im Hervortreteu von ukrainischen, weißrussischen und anderen Arbeiter» und Bauern, rhr Internationalismus aber umfaßt Rockefeller und den Gouverneur Smith. Die ausländische bürgerliche Presse hat viel Wesen von Smith gemacht, wir find aber stolz darauf, daß unter Leu Mitgliedern des „Ozet" der Genosse Budenny (ein früherer Unteroffizier, der jetzt eine leitende Stellung in der Kavallerie der Roteu Armee emnimmt.J.L.) da ist, bei ihnen schickt Coolvdge „Leschomch tauwohs" zum jüdische« Neujahr, wir hatten aber gestern die Ehre, unseren Coolidge, de» Genossen Kalinin, zu hören, wobei »es sich versteht, daß man „lehavdil" sagen mutz beim Ncbeneinanderstellen von Coolidge und Kalium (der Berhaudluugsbericht verzeichnet hier stürmisches Gelächter und Beifallsklatschen der Kongreßmitglieder). Die zionistische Organisation stellt sich im allgemeinen feindlich unserer Sache gegenüber, die Zionisten sehen in «ns direkte Ko»- kurrenten und bemühen sich, alle Geldscmrmlungen zugunsten der jüdischen Ansiedlung in Rußland zu stören. Zu den direkten Ausgaben des „Ozet" gehört der Kamps mit dem Zionismus nicht, wir beschäftigen uns mit ihm nicht. Zweifellos ist aber, daß unsere Arbeit den Ziouismus untergräbt. Wir machen uuS das nicht zum direkten Ziel, wir sind aber keine Anhänger Tolstois und keine Begvtarier, »nd wenn man gegen uns einen Kamps fiü&ri, werden wir nicht schweigen und werden für unsere Sache ans die Massen wirken, wir müssen die jüdischen Massen im Kampf gegen den Zionismus mobilisieren, und wir streb sicher, daß die Massen mit uns sein werden." Indem er sich über die Tätigkeit «des Joint usw. sehr lobend autzdrückt, fügt aber Weinstein hinzu, daß die Geldmittel der ausländischen Hilfsorganisationen nicht genügend seien, es wäre besser gewesen, wenn man Geld sammeln würde, blaß, um die Landarbeit im Sowjetverband zu stützen, statt für aöe anderen Zwecke zu sammeln, darunter auch sür bie Landarbeit in Sowjetrußland. Schließlich spricht noch Weinstein den Satz aus, den er als „häretisch" bezeichnet: Wen« rS denkbar wäre, daß die zionistische Organisation die jüdischen Ansrodlungen in Rußland mit ihren Mitteln unterstützen sollte, so „werden wir es ihr erlauben zu tun, ebenso wie wir es allen anderen erlauben". Er schließt mit folgenden Worten: „Auf den Hinweis, daß sie in Palästina im Werlaus von 40 Jahren nichts erreicht haben, antworten dir Zionisten mit der Frage: was wird bei Euch in 40 Jahren fern? Ich glaube, daß wir in 40 Jahren überall die Sowjetmacht haben werden und sich dann die Juden in diesem -großen Räteverband in der Landwirtschaft cinvrduen werden." Es hat nicht viel Zweck, derartige Zitate arizuhäusen,?ste kehren fortwährend wieder. Die leitenden Kommmustsn betrachten es als eine Selbstverständlichkeit, daß 4>« besitzenden Klassen des nichtrussischen Judentums die Ämtbarbeiter der Juden in Rußland unterstützen werden, Mxn aber äußerst ungern auf Zugeständnisse ihrersetts ein. In dieser Hinsicht waren die Debatten über die Schaffinm >eirwr jüdischen Republik im Sowjetstaat sehr interessant. ES MUß vorausgeschickt werden, daß, wenn dieses ganze Kattunsationsprojekt in Sowjetrußland seiner polittschen FolIgn wegen, der tiefen Ueberzeugung des Schreibers dieser AeDpr nach, ein großer Fehler ist, die Schaffung einer jüdischen Republik im Rahmen des Sowjetstaates ein noch viel Mvßerer Fehler sein würde. Ist das Kolonisationsprojekt bewegen gefährlich, weil es -er antisemitischen Agitation -etur autzerordenllich günstige Handhabe in Rußland bietet, svwtvL es noch eine weit bessere Handhabe für diese Mitatüm, wenn die Sowjetregierunq eine besondere jüdische ÄdepuMk schaffen würde. Eine jüdische Republik im geOeuwärtjAo« Sowjetstaat ist die denkbar beste psychologische VvrauSsetzMpg sür die Wiederherstellung des „Ansiedluugsrayons" im nachbolschewistischen Rußland. ES muß beachtet wende», daß selbst Kalinin in seiner oben erwähnten ftrite den Satz ausspricht: „die russische Intelligenz ist jetzt wahrscheinlich mehr antisemitisch, als sie rS unter dem Zarismus war." Unter den Hauptvertv^er« des Kommunismus auf dem Kongreß gab eS Wer diesen Punkt übrigens keine UebereinstiMmung. Der Vorsitzende Larin (richtiger Name Lurje) sprach sich km Prinzip zugunsten der Schaffung einer solchen Republik aus, während die meisten und dabei die ausschlaggebenden jüdischen Kommunisten entschieden diese Forderung bekämpften. Bragin. Blumstein und andere, welche, die Schaffung einer eigenen jüdischen Sowjetrepublik befürworteten, wurden daher auf das unbarmherzigste herunteraenffen, weil die jüdischen Kommunisten in diesem Borschlag jüdischen Nationalismus wittern. Diese Forderung. sagte z. B. der Zkommunift Litwakow, können nur solche aufstellen, die -durch kein lebendiges Band mtt den jüdischen arbeitenden Klassen vereinigt sind, die nur einen vermoderten nationalen Rvmantismus brauchen, das können und wollen mir aber nicht Mgeben. Die Ideologien der jüdischen Bourguoiste wollen wir von der Arena herunterwerfen, denn eine Republik aufbauen heißt den Geist und die Gedanken derjenigen bilden, welche dort wohne» wevden. Wir werden es aber nicht sulassen, daß Ihr (d. h. die geheimen Gegner des Kommunismus) das tu« sollt". „Die ganze jüdische Arbeit vollzieht sich", sagte ein anderer Kommunist, Zwi-Friedland, „nicht unter nationaler Fahne, sondern unter der Fahne -des Kommunismus und dem Aufbau von Räterutzlaud . .. Für uns ist eS wichtig, ein für allemal die alte Wahrheit zu unterstreichen, welche in der Broschüre von Marx proklamiert worden ist, baß die Lösung der jüdischen Frage nur möglich sei, wenn der Kapitalismus liquidiert werden wird. Wenn es so ist, so kann ich meine Gedanken fortsetzen und sagen, Saß die Frage der Heranziehung der Juden an die Landarbeit einen Teil unserer schöpferischen kommunistischen Arbeit Larstellt." Ebenso erklärt Tschemerisky. eS soll auch weiter die gemeinsame Arbeit mit nicht kommunistischen Elementen fortgesetzt werde», dabei aber „nur unter der einzigen Bedingung: in unserem Land gibt es eine einheitliche Partei, eine einheilliche Ideologie, die bolschewistische, welche mit asten Kräften, wörtlich mit alle» Kräfte», jedes Anzeichen eines nattonalen Bolschewismus vernichten wird". Und am Anfang wie am Ende der Kongreßtätigkett stehen Feststellungen, die jWtsche Frage könne nur unter der kommunistischen Leitung gelüst werden. In der Eröffnungsrede von Larin heißt eS: „Unsere Aufgabe, die Ausgabe, die jüdische Armut zu eiuevr normalen Arbeitsleben in Massenumfang zu bringen, ist möglich geworden nur durch de» Sieg des Proletariats. Ich schlage daher allen vor, autzustehe« zur Begrüßung und Anerkennung der proletarischen Borbut der Kommunistischen Partei des Sowtetver-an«-»

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