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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-01-21 · 3 (21.1.1927) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
3 (21.1.1927)
Date
1927-01-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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7. Jahrgang Nummer 3 mamamaam NWHNmkAiilU mmmmmmmmmmmmmmmmmaammmmmmm Die Feier des 100. Geburtstages von Wilhelm Herzberg. Ein Komitee jüdischer Persönlichkeiten wendet sich aus Anlaß des bevorstehenden 100. Geburtstages des Dichters Wilhelm Herzberg mit dem folgenden Aufruf an die jüdische Oeffentlichkeit: Am 30. ftaiuiüt 1927 werden 100 Jahre verflossen fein, seitdem Dr. Wilhelm Herzberg, der Verfasser der „Jüdischen FamUienpapiere". das Licht der Welt erblickte- Freunde und Verehrer des Dichters haben sich zusammengefunden, um diesen Tag würdig zu begehen. Die würdigste Ehrung deö von seiner schweren Wanderschaft schon lange im Grabe ausruhenden Dichters wäre es, eine Neuauflage der „Jüdischen Familienpapierc^ zu veranstalten, zu deren Herold sich ein David Kaufmann gemacht hat. und die einer ganzen Generation Stab und Stütze im Kampfe für daS Judentum gewesen sind. — Es gilt jedoch heute eine noch nähere, intimere Pflicht zu erfüllen. In Brüssel lebt, der pietätvollen Erinnerung au ihren Gatten hingegeben, die hochbetagte Witwe des verstorbenen Dichters tn finanziellen Schwierigkeiten, die durch die Entwertung des belgischen Franken noch gesteigert sind. Dte jüdische Gemeinschaft wird den Geburtstag Dr. Wilhelm Herzbergs nicht vorübergehen lassen können, ohne der Frau zu gedenken, die Prof. David Kaufmann als das Muster einer jüdischen Frau und Mutter verherrlicht hat. Eine Schicksals- und Kulturgemeiuschaft ehrt sich selbst, wenn sie ihre Großen ehrt. Das Unterzeichnete Komitee wendet sich an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bitte, sich an einer Ehrengabe für die Wrtwe Dr. Wilhelm Herzbergs zu beteiligen. Geldsendungen nimmt entgegen: Bankhaus Gebr. Ginsberg. Berlin W. 8, Jägerstraße 13. Den Aufruf unterzeichneteu: Oberraübiuer Pros. Dr. Chajeö-Wien. Hosrat Pros. Dr. Adolf Schwarz-Wien. Grand-Rabin de France Prof. Dr. Israel Levi-Paris. Prof. Dr. Simonsen-Kopenbagen. Oberrabbiner Dr. I. Earlebach- Altona. Prof. Tr. Freimann. Rabbiner Dr. I. Hvrowitz. Dr. Ernst Simon-Frankfurt a. M. Frau Geheimrat Barth. Frau Rabb. Dr. Eschelbacher. Pros. Dr. I. Elbogen. Dr. Meier Hildesheimer. Dr. Adolf Jacobus. Geheimrat Prof. Dr. Rosin. Rabb. Dr. Weiße. Ministerialrat Tr. Hans Goslar-Berlin. Der Kampf in der Studentenschaft. Wie gemeldet wird, hat die Studentenschaft der westdeutschen Hochschulen auf dem Kreistag des Kreises 5», der am 12. Januar in Honnef übgehalten wurde, in ihrer überwiegenden Mehrheit die Forderung deS Unterrichtsmtntsters anerkannt. Aus der Tagung, zu der die Universitäten Bonn, Köln. Frankfurt. Münster, Marburg, die Technische Hochschule Aachen, die landwirtschaftliche Hochschule Bonn- Poppelsdorf, die philosophisch-theologische Hochschule Paderborn und die medizinische Akademie Düsseldorf ihre Vertreter entsandt hatten, erklärte der Kreisleiter Bitter (Köln), die Vertreter des Kreises 5 hätten einstimmig zum Ausdruck gebracht, daß sic entschlossen seien, die Satzungen im Sinne des Staatsbürgcrprinzips abzuänderu. Wenn die öfter? reichliche Studentenschaft auf die einseitige Ausgestaltung der Verfassung verzichten und die deutsche Studentenschaft sich den Wünschen des Ministers fügen würbe, dann stände der Bildung einer großdeutschen Studentenschaft auf kultureller Grundlage kein Hindernis mehr im Wege. ES wurde ein Antrag mit großer Mehrheit angenommen, der in schärfster^ Weise gegen die Bevormundung der Einzelstudentenschäften durch die Deutsche Studentenschaft Verwahrung ein» kegt. Dem Vorsitzenden der Studentenschaft, Thon, der aus Berlin eintraf, wurde mit aller Deutlichkeit erklärt, daß er alle Schritte unternehmen müßte, um den Konflikt beizulegen. Am Schlüsse des Kreistages wurde mit großer Mehrheit folgende Entschließung gefaßt: „Die auf dem außerordentlichen Kreistag in Honnef versammelten Unterzeichneten Stuöentenschaftsvcrtreter halten die Forderung des preußischen Kultusministeriums, betreffend den Mitgliederkreis der Studentenschaft, für billig. Sie gehen der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck, daß im Einvernehmen mit den staatlichen Stellen ein Weg gefunden wird, der die Zusammenarbeit aller deutschen Studentenschaften ans großdeutschcr Kulturgrundlaae sicherstellt." Material für Henry Ford! Laut amerikanischen Berichten soll der bekannte Pionier des Automobilismus und — Antisemitismus, Henry Kord, vor ein mit allen richterlichen Befugnissen ausgestattetes Tribunal gestellt werben, vor dem er für seine gegen da3 Judentum gerichteten Beschuldigungen den Wahrheitsbeweis zu erbringen haben wird. Es ist noch nicht ganz sicher, ob es wirklich dazu kommt — die Judcnhetze ist auf Wahrheitsbeweise nicht eingerichtet, und ihre Vorkämpfer bieten alle Finessen aus, um einer seriösen Ueberprüsung ihrer Argumente tunlichst ausznroeichen. Sollte dies aber Herrn Henry Ford wider Erwarten nicht gelingen, dann braucht ihm trotzdem nicht allzu bange zu sein. Denn es gibt jüdische Faktoren, die — bewußt oder unbewußt — am Werke sind, dem Delinquenten ans der Verlegenheit zu helfen. Eines der verbreitetsten Pamphlete Fords betitelt sich bekanntlich „D e r i n t e r n a t i o n a l e I u d e" und sucht nachzuweisen. daß dem Juden finanzielle Borteile mehr gelten als die Gefühlswerte Heimat und Nationalität. Sollte Ford in die Zwangslage versetzt werden, diese Behauptung zn beweisen, dann wird er in der glücklichen Lage sein, ans das „Jüdische Gemeindeblatt" von Berlin (Nr 1 vom 7. Januar 1N7) Hinweisen zu können, das in seinem bezahlten Teil für eine Autvmobilfirma Reklame macht, und zwar trotz der hohen Entwicklung der deutschen Auto-Industrie für eine ausländische Firma, nämlich für eine-„Ford"-Berkaufsstelle!! Nun pflegen Zeitungsrodaktionen die Verantwortung für den Inseratenteil gewöhnlich abzulehnen. In diesem einen Fall muß sich aber doch das redaktionelle Gewissen des Blattes gerührt haben. Denn das Inserat enthält die entschuldigende Bemerkung: „Herr E. Ford, der Sohn von Henru Ford, kennt keine Vorurteile gegen Menschen, gleich welcher Rasse oder Nationalität. Er ist Inhaber und Präsident der Ford-Motor-CompanyZ Wer sich entschuldigt, klagt sich an! Indem die Notwendigkeit eingesehen wird, die Aufnahme einer Ford-Reklame in ein jüdisches Gemetndeblatt beschönigen zu müsien, wird indirekt zugegeben, daß diese Reklame in einem solchen Blatte nichts zu suchen hat! Ueber diese Tatsache kann auch die zitierte Beschönigung nicht lnuivegtäuschcn. Denn sie erwähnt mit keinem Worte, worin sich denn die gerühmte Vorurteilslosigkeit E. Fords dokumentiert. Wie viele jüdische Arbeiter hat der Mann in seinem Betrieb eingestellt?. Wieviel jüdische Be-amte finden in seinen Kontors menschenwürdigen Verdienst? DaS Fehlen dieser Angaben wird um so peinlicher empfunden, als daS Inserat statistischer Zahlen durchaus nicht entbehrt. SS zählt vielmehr gewissenhaft auf, wieviel Automobile auf dem Erdball laufen und wieviele davon Ford lieferte. Diese Zahlenangaben mögen einen gewissen Bildungswert haben, ob sie aber gerade die jüdischen Leser eines reichsdeutfchen Gemeindeblatts besonders interessieren, wagen wir zu bezweifeln. Wenn das Blatt schon auf die Einkünfte aus Inseraten angewiesen ist, dann möge es sich um Aufträge aus den Kreisen derheimischen Industrie bemühen, selbst aus die Gefahr hin. daß eS dabei auf Namen stoßen könnte, die nicht antisemitisch anrüchig sind .... Aus den Gemeinden Altona. lT a g u n g der n o r d w e st d e u t f ch e n Gemeinde n.) Hier wurde am 9. Januar eine Konferenz von Vertretern der jüdischen Gemeinden der Hansastädte und NordwestdeutfchlandS abgehalten. in der nach einem Referat des Herrn Dr. Jsmar Freund über den Stand der Gesamtorganisation der deutschen Juden die folgende Entschließung angenommen wurde: „Nachdem durch die einstimmige Ablehnung des geplanten Dachverbandes der jüdischen Landesverbände durch den preußischen Landesverbandstag der Weg zum Reichsverbande über dte Landesverbände versperrt worden ist, halten es die anwesenden Gemeindevectrcter für notwendig, die am 23. Januar 1921 auf dem 15. Deutsch-Israelitischen Gemeindetage beschlossene Gesamtorganisation des deutschen Judentums mit großer Beschleunigung zur Verwirklichung zu bringen." Im Verlaus der Tagung wurde auch die Frage der Begründung einer Arbeitsgemeinschaft der nordwestdeutschen Gemeinden und Gemetndeverbände besprochen und eine vorbereitende Kommission eingesetzt. Berlin. (Vom preußischen Landes verband.) Entsprechend dem Beschluß der Tagung der Lanbesversammlung der jüdischen Gemeinden in Preußen soll eine Kommission zum Schutz der jüdischen Altertümer Preußens eingesetzt werden. Die Kommission wird aus Vertretern aller Provinzen und einer Reihe in Berlin wohnhafter Mitglieder bestehen und soll das Recht haben. Sachverständige zu ihren Arbeiten und Beratungen hinzuznziehen. Der Rat des preußischen Landesverbandes wird die für die Arbeit notwendigen Mittel zur Verfügung stellen. Ueber die Durchführung der erforderlichen Maßnahmen soll die Kommission selbständig entscheiden. Die Subventions-Kommission des Landesverbandes, die in voriger Woche nnter dem Präsidium des Herrn Bruno Galewski wiederum zu einer Sitzung zusammentrat, hatte zu einer ganzen Reihe von Gesuchen Stellung zu nehmen. Ueber fast 50 Anträge mußte entschieden werden. Zwei Bitten von Gemeinden um finanzielle Unterstützung wurde stattgegeben. In lv Fällen wurden für Gemeindebeamte. Lehrer. Witwen monatliche Zuschüsse bewilligt, vier einmalige Beihilfen für im Ruhestand befindliche oder bedürftige Beanne wurden gemährt. In fünf Fällen wurde die Bewilligung bis zum Eintreffen eines Gutachtens des betreffenden Provinzialverbandes vertagt. In 12 Fällen mußten.Gesuche vertagt bzw. abgelehnt werden, da sie entweder zu wenig substanzicrt waren oder Geldmittel zu diesem Zweck nicht mehr zur Verfügung standen. Fünf jungen Leuten, die sich dem Vcfjrcnieritf widmen wollen, wurden ab 1. Januar, einem ab Ostern 1927 Stipendien zugesprochen, mit der Bedingung, daß halbjährlich die Zeugnisse der Stipendiaten vorgelegt werden. Zwei Gesuche wurden dem Wohlfahrtsausschuß zur weiteren Veranlassung überwiesen. Zu dem Gesuch des Verbandes der Synagogengemeinden der Regierungsbezirke Breslau- Liegnitz um Gewährung einer Beihilfe zur Abhaltung eines Forrbildungskursuö für Lehrer und .Kantoren will die Kommission erst Stellung nehmen, nachdem ein genau spezifizierter Plan über Einnahmen und Ausgaben eingereicht und die Zahl der Teilnehmer angegeben ist. Einer rabbinischen Lehranstalt wurde eine weitere erhebliche Beihilfe zugestanden. Berlin. (Todessal l.) Am 11. d. Mtö. verschied nach langem schweren, mit vorbildlicher Geduld ertragenen Leiden der über zwei Jahrzehnte in der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde Berlin tätige Dr. Siegfried Friedländer im Alter von 54 Jahren. Mit ihm ist ein Mann von edlem aufrichtigen Charakter und von einer Lauterkeit und Güte, wie sie wenig Menschen eigen ist, dahingegangen, der sich allgemeiner Wertschätzung tn seinem großen Bekanntenkreise wie bei seinen Berufsgenossen erfreute. Die Beamtenschaft der Jüdisck>en Gemeinde Berlin hat eines ihrer besten Mitglieder verloren. Der Entschlafene war in Potsdam geboren und entstammte einer angesehenen Familie; er besaß den Doktorgrad mehrerer Fakultäten und war in allen Wissenschaften, besonders auch in den schönen Künsten ebenso bewandert wie er mehrere Sprachen beherrschte. Seine vielseitigen Kenntnisse betätigte er gern im Dienste der Gemeinde, jedoch hatte er sich hier nicht eine Position erobern können, in der er seine Fähigkeiten ausgiebig verwerten konnte. Ucberdies besaß der Verstorbene ein großes Maß musikalischer Bildung: er hatte mehrere Jahre in Italien studiert nnd sich tonschöpferisch betätigt, u. a. wurde eine von ihm komponierte Sinfonie in Italien mehrfach erfolgreich durchgeführt. Leider war eö ihm nicht gegönnt, daß seine Begabung auch in seinem Heimatlande weiteren Kreisen bekannt geworden ist. Doch in seinem Bekanntenkreise wurde er gern um seinen musikalischen und wissenschaftlichen Rat gebeten, den er nie verweigerte. Jahrelang hatte er die musikalische Leitung in den? gottesdienstlichen Veranstaltungen der jüdischen Gemeinde inne. Vor seinem Eintritt in die Verwaltung der Jüdischen Gemeinde war er einige Jahre im Staatsdienst beschäftigt. Die übergroße Bescheidenheit nnd Zurückhaltung, die einem solch edlen Charakter eigen ist. war ihm bei seinem Fortkommen im Leben oft hinderlich. Mit einer schlichten Feier, im Sinne des Verewigten, geleitete ihn die große Zahl seiner Freunde am 16. d. M. zu seiner letzten Ruhestätte auf dem Friedhof in Weitzensee. Bei all denen, die ihn gekannt nnd die Liebe von ihm empfangen haben, wird daS Andenken au diesen edlen Menschen unvergänglich sortleben! Berliu. (B o u d e r G c m e i n d c b i b l i v t h c k.) Die Bibliothek der Berliner Jüdischen Gemeinde hat eiue wertvolle Bereicherung durch Ankauf einer Sammlung von Handschriften und Drucken erhalten, die über das Leben der italienischen, besonders der römischen Jude» im 18. Jahrhundert reiches Material enthalten, so über die Geschichte der Blut« beschrrMguug. der Zensur hebräischer Bücher, der Zwangstaufeu. aber auch über Erziehung, Ehescheidung. Leviratsehe. Erbrecht. Vormundschaft und allgemein jüdischen Kultus. Die Sammlung ergänzt in wertvoller .Weise den Bestand Beilage 21, Januar 192? an seltene» Drucken und Akten zur Beschichte der Juden in Italien, der schon früher vom Oberbibliothekar Dr. Ster» für die Gemeinde-Bibliothek erworben wurde. Dte Bibliox thek der Berliner Jiddischen Gemeinde wirb so durch ihr Qnellenmaterial eine wichtige Forschungsstättc für die Gex schichte der Juden nicht nur Deutschlands, sondern auch Italiens, nachdem durch den Ankauf der Bibliothek Professor Dubnows auch schon sehr viel wertvolles Material über die Geschichte der Juden in Rußland zur Verfügung steht. Breme». (Ein D r a m e n p r e i S.) Der Goethe--Bmrd und das Bremer Schauspielhaus haben ein Preisausschreiben für das beste deutsche Drama veranstaltet. Der erste Preis wurde dem gegenwärtig in Berlin lebenden Dr. I. Steinberg für sein Drama „Dornenweg" zuerkannt. Dr. I. Steinberg. ein Neffe des verstorbenen hervorragend den jüdischen Denkers und Kritikers „Baal Machschowoth" ist einer der Führer der rirssischen sozialrevolutionären Bewegung und bekleidete nach der Revolution eine Zeitlcmg daß Amt eines Jnstizministers. Heute lebt er im Berliner Exil. Sein Drama Dornenweg" behandelt Probleme der russischen Revolution und gestaltet die Periode des Aufstandes des Generals Äorntlow gegen die Herrschaft KerenskiS. Dr. Steinbcrg verfügt auch über ein tiefes jüdisches Wissen. Chemnitz. iDie völkischen Ausschreitungen.) Das Polizeipräsidium gibt über den völkischen Uebersall, bei dem ein allgemein geachteter jüdischer Geschäftsmann von einem Tambour der Nationalsozialisten eine Kopfwunde erhielt. folgenden Bericht aus: Am vergangenen Sonntag durchzog eine Abteilung der hiesigen Ortsgruppe der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei in Stärke von 40 Mann unter AVsingung eines Spottliedes auf die Juden die Theaterstraße in Richtung Schauspielhaus. In der Nahe der äußeren Klosterstraße schlugen mehrere Zugteilnehmer auf einen jüdischen Geschäftsinhaber, der vor seinem Grundstück auf dem Fußweg stand, ein und brachten ihm eine blutende Verletzung aus dem Kopfe bei. Ein in der Nähe befindlicher Polizeibeamter schritt sofort ein. Während dieser Beamte sich mit dem Führer des Zuges befaßte, der mit seiner Abteilung weitermarschieren wollte, schlugen einige Zugteilnehmer, ohne daß es der Beamte verhindern konnte, erneut aus den Verletzten ein. Mit Hilfe eines inzwischen cingetroffeneu PolizeiübersallkomMandos wurde hierauf die gesamte Abteilung der Nationalsozialisten nach der Polizeihauptwache gebracht. Nach Feststellung des Sachverhalts gelangten die Sistierten wieder zur Entlassung bis ans vier Mann, die vermutlich als Täter in Frage kommen und der Staatsanwaltschaft zugeführt wurden. Die genauere Aufklärung des Anlasses zur Schlägerei muß noch erfolgen. Der Geschlagene soll nach Aussage der Zugteilnehmer diese beim Vorübermarsch durch beleidigende Zurufe und Gebärden herauSgesordert haben. Der Verletzte bestreitet daL. Seine Aussage wird von einer freiwillig mit ans der Wache erschienenen Zeugin gestützt. Dresden. iE r g ä n z u n g 8 w a h l z n m G e m e i u de - rat.) Weil alle zwei Jahre ein Drittel der Mitglieder des Vorstandes und des Gemeinderates airszu sch eiben haben, wurden am Sonntag, den 16. Januar, Ergäuzungswahlen vorgenommen. Die Wahlbeteiligung ivar eine sehr geringe, was in erster Linie daraus znrückznsiihrcn ist, daß Liberale, Zionisten, Orthodoxe und Ostjnden eine Einheitsliste auf-, stellten. Von einem Wahlkampf konnte -daher keine Rede mm Das Ergebnis war, -aß sämtliche Herren, deren Amtsdaner Ende 1926 ablief, wiedergewählt wurden. LedigLch für den Fabrikanten Arno Schenker, Zionist, der aus eine Wiederwahl verzichtet hatte, tritt als neues Mitglied deö Gemeinderats Zahnarzt Dr. B e r l v w i tz (Zionist) in das Kollegium ein. Als erster Stellvertreter für den Vorstand, dem zur Zeit nuc ein Zionist angehört, wurde Dr. Levy, der zweite Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung, gewählt. Er hätte also eines der fünf Vorstcherämter zn Übernehmen. einerlei ob ein Liberaler oder Zionist ans dem Vorstand anöscheiüet. Als Ersatzmann für den Vorstand wurde an zweiter Stelle Rechtsanwalt Dr. Hirsch für die Zionisten. für die Liberalen Direktor Gl a u b e r bestimmt. Die Ersatzmänner für den Gemeinderat sind: An erster Stelle Direktor Erich SHapira, an zweiter Stelle Kaufmann Rudolf Apt, an dritter Stelle Bankprokurist Max Estreich e r, sämtlich Vertreter der Liberalen. Für die Zionisten kommt an erster Stelle Rechtsanwalt Dr. Cohn-Botzen, an zweiter Stelle Dipl.-Jng. Landau, für die Orthodoxen Kaufmann L ö w e n t h a l. und für die Ostjuden Kaufmann Burg in Frage. Dem nnter dem Vorsitz des Vorstehers Siegfried Pionkowski stehenden Wahlausschuß gehöreu als Mitglied des Gemeinderates die Herren Joseph Cahn und Rechtsanwalt Dr. Hirsch, als Mitglieder der Gemeinde die Herren Ba l l i n und David an. Frankfurt a. M. (Hcbräi s ch e s K o n z e r t.) Das „Frankfurter Symphonieorchester" veranstaltet am Mittwoch. den 26. Januar, ein Konzert, das ausschließlich,chebräischer Musik" gewidmet ist. Mitwirkende sind: Oberkantor Arnold Alts ch u l (der Nachfolger Sirvtas in Warschau), Konzertmeister Abrascha Schneyder (Violine), Konzertmeister Louis Schuyer (Cello). der Synagogen-Chor der Israel. Religionsgemeinschaft und des Frankfurter Symphonieorchester. Die gesamte künstlerische Leitung wurde Herrn Max N e u m a n n übertragen. Es ist wohl der erste Fall in Deutschland, daß eine nichtjüdische Institution einen ganzen Abend ausschließlich hebräischer Musik widmet, nnd sollte gerade deshalb die jüdische Welt dieses Konzert propagieren .bzw. besuchen. Karten zu 1,50 M. in den hebräischen Buchhandlnngcu uou Bergmann. Hofmann, Sänger und Frie-dberg (alle Allerheiligenstraße), Rachelsohn (Zeil), Wahrmann (Schwimmbad) nnd, soweit noch vorhanden, an der Abendkasse. Hanau. (R euer V o r st e h e r.) Rechtsan-walt Moritz ist zum Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde gewählt rrnd als solcher von der Vorgesetzten Behörde bestätigt worden. Hannover. (Ge mein de wählen.) Bei einer Beteiligung von 11 Prozent der Wahlberechtigten wurden in den am Sonntag, den 16. Januar stattgefundenen Wahlen zur Repräsentantenversammlung. die aus dem Vorstand turnusmäßig ausscheidenden Herren Dr. Max Schleisner und Max .Halberstadt, sowie die aus dem Repräsentantenkollegimn turnusmäßig ausscheidenden Herren Paul Kauffmnnn und Albert Wolfs wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Repräsentanten Zucker mann wur de Herr Studienrat Dr. Schwarz in das Kollegium gewählt. Die Wahl erfolgte fast einstimmig. Nur 5 Stimmen waren zersplittert. — Vor dem Wahllokal ließ die Zionistische Ortsgruppe ein Flugblatt verteilen, in dem sie ihren „Gesinnungsgenossen und allen demokratisch gesinnten Inden" empfiehlt, sich nicht an der Wahl zu beteiligen. Es heißt dann wörtlich: „Seit Jahren verspricht'man von Seiten der Gemeindeverwaltung eine Reform des bisherigen Wahlrechts, das dazu führt, daß unter 17- Mitgliedern der Gemeindeverwaltung nicht ein einziger Zionist oder Nationaljube sich befindet. Dieses rücHchritk i- ... -....L.1

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