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Jüdisch-liberale Zeitung · 1927-01-14 · 2 (14.1.1927) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
7 (1927)
Issue
2 (14.1.1927)
Date
1927-01-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mit vereinten Kräften. I. Die Gesellschaft der freunde. / von Dr. jur. I. re»y-B«lin. Die Jüdisch,Liberale Zeitung beabsichtigt. die Geschichte einer Reihe Gesellschaften r« schildern. die dnrch Pflege der Menschenliebe. Bildung. Geselligkeit für «eitere Kreise unserer GlanbenSgenosse» Bedentnng gcuommeu habe« nnd. sei es ausschließlich. sei eS vorwiegend, jüdische Mitglieder zähle«. Wir beginnen heute mit dem nachstehende» Anssatz, dessen Ber, kaffer von 1904 an über anderthalb Jahrzehnte Schriftführer der Gesellschaft der Frennde ge, «esen ist. A«S derselben Feder sollen zn, nächst Artikel über die Magive Reim, den Lrttdervereiu. die Ressonrce von 1794. de» U. O. Ane Brith folgen. Die Redaktion der Jüd.,lib. Ztg. In den Anmerkungen zu Abbts freundschaftlicher Korrespondenz schrieb Moses Mendelssohn, eS sei ein« trostvolle, alles versüßende Vorstellung und eine große Wahrheit, „daß Wohlwollen Glückseligkeit sei und daß ich selbst desto glückseliger werde, je mehr Glückseligkeit ich hervorbringe, je mehr ich Ordnung und Eintracht, Frohsinn und Genuß, Weisheit und Tugend in -er Schöpfung -u befördern suche". Jedermann sei berufen, „nach Wahrheit zu forschen. Schönheit zn lieben. Gutes zu wollen und das Beste zu tun . . " Aus diesen Sätzen hat sich eine der angesehensten Gesellschaften der Hauptstadt als Motto für ihr Gründgesetz und ihr Wirken, als Sinnspruch für ihr Mitgliedsdiploni die beredten Worte gebildet: Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen. Das Beste tun. Und ihr Wappen und Siegel zeigt das Bündel Stäbe eng verknüpft, doch nicht wie das des FrscismuS Mussolinis darüber das drohende Beil, sondern zu beiden Seiten den Eichenzweig, umrahmt von der Inschrift: Gesellschaft der Freunde. Berlin 1792. Kant hatte den Philosophen von Sanssouci, deu Freund Voltaires, gefeiert, indem er „dieses Zeitalter das Zeitalter der Aufklärung oder das Jahrhundert Friedrichs" nannte. Aber soweit ging Friedrichs Aufklärung nicht, daß er die Wahl Moses Mendelssohns znm Mitglied der Akademie der Wissenschaften bestätigt hätte. Worüber sich der Verfasser des „Phaedon" tröstete, es sei besser, die Akademie habe ihn vorgeiÄlagerr und der König abgelehnt, als daß der König ihn vorgcschlagen nnd die Akademie den Vorschlag verworfen hätte. Harter Druck lastete ans den Juden, auch auf den geduldeten vrdetttlichen und außerordentlichen „Schutzjuden", deren Zahl gering war und künstlich eingeengt wurde. Mendelssohn konnte mit Fug an Lavater schreiben: „Ich bin eilt Mitglied eines unterdrückten Volkes, das von dem Wohlwollen der herrschenden Station Schutz und Schirm erflehen must." Indessen in Oesterreich erleichterte Josef II. das Los der Juden, iit Frankreich schuf ine Revolution die Menschenrechte und dehnte sie bald auf die Inden aus, und in Preußen schrieb Friedrich Wilhelm H. "7«rm 21. Ma» 1791» anläßlich der Regelung des Judenwesens "in Breslau: „Das Glück und die Wohlfahrt eines jeden unserer Untertanen zn befördern, ist von jeher ein Vorzug- UckeS Augenmerk unserer RegiernngSgeschäfte gewesen. Zu Mesen Untertanen gehören auch die zur jüdischen Religion sich bekennenden Einwohner." Der Weg zur Freiheit und Gleichheit war noch weit: aber es leuchtete doch ein Licht in der Finsternis. Freilich, es fehlte an Finsternis auch innerhalb des Judentums nicht, und Lessings Nathan predigte wie den Gesinnungsgenossen des Patriarchen drüben, so den Eiferern hüben vergeblich Berfolgungssncht in Glaubenssachen gegen Widersacher starren Zwanges war an der Tagesordnung. Wer an einem alten Brauch, der längst sinnlos geworden war. zweifelte, wurde als Ketzer verschrien,' wer gar auf zeitgemäße Gestaltung des Gottesdienstes und der Gemeindeeinrichtungen drang, lief als Kranker oder Armer Gefahr von jeder Unterstützung ausgeschlossen zu werden, ja selbst den Anspruch auf ein ordentliches Begräbnis zu verliereu. Es war namentlich für manche Jünglinge, die eine bessere Zukunft ersehnten, gewagt, ihre Gedanken zu verraten. Denn wer nicht in Berlin geboren mar. durfte hier nur leben, wenn er unter dem Schutz eines Hausvaters stand, der sich für rechtlichen Wandel verbürgte. Der Schutz konnte jederzeit anfgekündigt werden, was die Ausweisung zur Folge hatte. Der Schutz durch den Schnhjuden dauerte mitunter nur solange wie die „Rechtgläubigkeit" des 'Schützlings. Das Bedürfnis. Wege zur Abhilfe zu schaffen, mit vereinten Kräften, wurde daher immer lebhafter empfunden, besonders bei dem bildungshungrigen Nachwuchs, wozu noch kam. daß bigotte Familien in altorientalischer AnffassungSmeise mit einer gewissen Geringschätzung aus n n v e r h e i ra t e t e Fremdlinge herabblickten. Da trafen sich im Winter 179l junge Juden, alle unverheiratet. bei einem kranken Freunde und berieten über das, was ihnen die Forderung des Tages schien. Ihr regster Wortführer war Jvsevh Mendelssohn, des großen Denkers ältester Sohn, damals Buchhalter in einem Bankgeschäft Der Plan war bald fertig, und am 29. Januar fand die Grüudungsversammlnng statt, in der Joseph Mendelssohn ausfnhrte, das Licht der Aufklärung übe seine Wirkung auch auf die Juden: „Auch unter uns nimmt die Menge derer täglich zu, die in ihrer väterlichen Religion daS Unkraut von dem Weizen unterscheiden, und besonders in dem Staat, in dem »vir leben, ist die Anzahl dieser unserer aufgeklärt denkenden Religionsbrüder fetzt fast ebenso groß wie die Anzahl unserer älteren Brüder, die alle Beleuchtung der Vernunft in Religionssachen verdammen und alles nehmen, wie sie cs finden." Dre Freidenkeuden müßten sich, schloß er, verbrüdern, um dem unschuldig leidenden Glaubensgenossen beizustehen. Diese und ähnliche Kundgebungen zeigen, daß an der Stiftung des neuen Bundes die Stellungnahme gegen den Zelottsmus in der jüdischen Gemeinde nicht unbeteiligt war. Ein erst 1809 beigetretenes Mitglied hat später erklärt, er wäre schon früher Mitglied geworden, „wenn er nicht die strengen Ansichten semeö Vaters gekannt hätte." Indessen lag den Stiftern 'Fehdelust fern: helfen wollten sie und die Brüderlichkeit pflegen und dabei, wie es wohl im Hinblick auf die Freimaurerlogen und tm Gegensatz zu ihnen heißt: „keine andere Mysterien aufzubewahren haben, als die Namen schamhafter Armen, die ihrer Wohltat genießen, ohne daß man öffentlich von ihrem Zustand erfahren soll, und stillschweigend lehren, stillschweigend gutes zu tun." Die Namen -er unterstützten Mitglieder dürfen nicht einmal in den Protokollen verzeichnet werden. Rur die Nummer wird angegeben, die dem Mitglied bei -er Aufnahme erteilt worden ist. Nachdem die Gesellschaft iTircit Vorstand gewählt hatte, wobei Mever Marburg Vorsitzender, Joseph Mendelsohn Schriftführer wurden, erfolgte die Anzeige an die jüdische Gemeinde, die erwiderte, sie bezeige der Gesellschaft ihr Wohlgefallen mit der Versicherung, daß die wohltätige Stiftung sich „unseren Beistand jederzeit zu versprechen haben wird." Am 3. Mai 1793 ergirrg dann die königliche Beror-nung „an die hiesigen Schutzjuden Meyer Marburg und Konsorten", wonach kein Bedenken vorliege, „die von Euch zu errichtende Gesellschaft zur Unterstützung dürftiger oder ohne ihr Verschulden in Verfall ihres Vermögens geratener Personen nach dem mit Eurer Vorstellung vom 20. März c. übergebenen Plan zu dulden . .. Auch finden wir für nötig, -ie Kasse und Rechnungsführung unter die Aufsicht des hiesigen Magistrats zu setzen . .. Sind Euch mit Gnaden gewogen." Wiewohl von Juden gegründet und ursprünglich nnd noch lange ausschließlich jüdische Mitglieder zählend, fragte die Gesellsä>aft -och nicht nach dem Glaubensbekenntnis, und obwohl sie Einfluß auf Einrichtungen der jüdischen Gemeinde anstrebte, enthielten ihre ursprünglichen wie späteren Satzungen keinerlei Beschränkung auf ausschließlich jüdische Kreise. AIS im Jahre 1805 -er Vorstand der Gemeinde Auskunft über Fonds und Verfassung verlangte, erwiderte -ie Gesellschaft vielmehr am 10. November: „Wir betrachten uns nicht als eine jüdische Stiftung und halten uns auch nicht für vervslichtet, die geforderte Auskunft zn geben." Ein ähnlicher Schriftwechsel hat sich im Februar 1833 abgespielt. Die Aeltesten der jüdischen Gemeinde wünschten für ihre Armenverwaltung eine Anzeige, welche Mitglieder Unterstützungen von -er Gesellschaft erhielten, worauf geantwortet wurde, daß solche Auskunft über die heiligsten Geheimnisse der F r e u n i>e durchaus n ich tgegcben werden könne: auch müsse wiederholt darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Gesellschaft von der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde gänzlich unabhängig sei. Nichtsdestoweniger fehlte es lange Zeit nicht an engen Beziehungen zwischen Gesellschaft und Gemeinde, zu Anfang schon deshalb nicht, weil eö damals als ein Gebot der Frömmigkeit galt, die Leichen schnell zu beerdigen, ohne Rücksicht auf die Gefahr, daß Scheintote begraben werden, ein Unfug, dem Joseph Mendelssohn und mit ihm die Freunde nachdrücklich zu steuern suchten. In glänzendem Vortrag geißelte Mendelssohn die Uebel, die der gutmütige Aberglaube erzeuge: „Sie gewinnen desto leichter Eingang, je mehr sie sich ans daS höchste Bedürfnis der Menschheit, auf reine Begriffe von Moral und Religion zu gründen scheinen, und so ist es kein Wunder, wenn wir die Vernunft so oft alle ihre Kräfte vergebens aufbieten sehen, um Vorurteile. Gewohnheiten, Mißbräuche und Verdrehungen der Gesetze abzuschaffen, welche die Erziehung nnd die große Lehrmeistern! der Menschen, die Furcht, einmal geheiligt hat. Die scharfsinnigsten Köpfe und ersten Gelehrten verschiedener Nationen haben die Abschaffung der frühen Beerdigung als einen der gemeinnützigsten Gegenstände zum Wohle der Menschheit beleuchtet. . ." Es gereicht -er Gesellschaft der Freunde zum Ruhm, das Vorurteil der frühen Beerdigung bei den Jude»», wenn auch zunächst nur für ihre Mitglieder und eine Anzahl Gesinnungsgenossen, unschädlich gemacht zu haben, Eines der Mittel zum Zweck war ihr Plan zur Errichtung eines Leichenhauses, worüber sie von Hnselanü ein Gutachten einholte. Es fiel natürlich zustimmend aus, worauf das erforderliche Gesuch an den König gerichtet wurde. Der Bescheid im Namen Friedrich Wilhelms III., der inzwischen seinem Vater gefolgt war, lautet: „Seiner Kvnigl. Majestät von Preußen nsw. Unserm Allergnädigsten Herrn ist in der That nicht gleichgültig, daß die jüdische Gemeinde in Höchstdero Staaten mehr und mehr einer Kultur sich nähert, die auf jeden Fall deren gesellschaftlichen Verbindung mit den andern Staatsbürgern und für ihre eigene Glückseligkeit beförderlich werden muß. Die zur Erweckung wahrer Theilnahme und Wohlthätigkeit seit Anno 1792 iit der jüdischen Gemeinde bestehende'sogenannte Gesellschaft der Freunde kann daher mit Zuverlässigkeit daraus rechnen, daß Se. Majestät allen Schutz ferner ihr angedeihen lassen werden, der zu jenem Zwecke von Höchstdero in Gott ruhenden Vaters Majestät bewilligt war. auch werden Se. Majestät mit Wohlwollen bemerken, wenn der aus jener Verbindung entstandene Entwurf zu einer Leichen- und R e t t u n g s - A n st a l t für die Gemeinde durch deren thätigen Beitritt bald seiner ganzen Absicht nach ausgeführt werden kann, nnd wollen Höchstdieselben solches dem Gesellschafts-Vorsteher Jsaac Euchel ans dessen Schreiben vom 19. Januar mit Dank für die gegebenen Nachrichten bekannt machen. Berlin, den 21. Januar 1789. (L. 8I Auf Befehl Sr. König!. Majestät während Höchstdero Krankheit durch das vorgedruckte Jnsiegel vollzogen. An den Jsaac Euchel hicrselbst. M e n ck e n, Geheimer KabirietS-Rath." Es gelang zwar nicht, die Mittel für den Bau des Leichenhauses zufammenzubringen: aber die Gefahren der frühen Beerdigung waren so bekannt geworden, daß viele Familienväter erklärten, die Bestattung erst nach sicherem Beweis des Todes zuzulassen, und daß am 25. September die Regierung sämtlichen Rabbinern des Staates gebot, für die Abschaffung der frühen Beerdigung zu sorgen. Was die Gesellfchaft der Freunde für das Leichenhaus schon gesammelt hatte, wandte sich jetzt der Einrichtung einer geordneten Totenbestattung, regelmäßiger Begleitung, Bekleidung der Träger zu. schuf später „Krankenutensilien" einen Leichenwagen. einen Metallsarg zum Totentransport und hatte, freilich erst nach jahrzehntelangem Widerstand der Orthodoxie. die Genugtuung, von der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde um Erlaubnis zur Mitbenutzung der Geräte und Einrichtungen der Gesellschaft ersucht zu werden. Der Gesellschaft der Freunde genügte das Bewußtsein, „durch ihr Beispiel jetzt für alle Israeliten Berlins den barbarischen Unfug entfernt zu haben, der die Heiligkeit der Formen, womit die Religion deu letzten Dienst an Dahingeschiedene umgab, so lange Zeit völlig zerstörte", und sie übergab Leichenkasten, Bahre und mehr der Gemeinde alö deren unbeschränktes Eigentum für den Gebrauch der Gesamtheit. Mit erhöhtem Eifer wandte sie sich bann der Verbesserung der Krankenpflege in der Gemeinde zu und erreichte auch auf diesem Gebiet erfreuliche Erfolge im Einvernehmen mit den Aeltesten. Ursprünglich ein Jugeirdverein. erfuhr die Gesellschaft der Freunde einen wesentlichen Wandel und damit eine Erweiterung ihrer Tätigkeit, als sie die Beschränkung der Aufnahmefähigkeit auf Unverheiratete aufhob. Das war im Jahre 1807. Damit ergab sich als neue wichtige Aufgabe die Sorge für Witwen uiü Waisen der Mitglieder, ber sie fortan mit besonderer Hingebung oblag. Schwere Zeiten waren über das Vaterland hereingebrochen: Berlin stand unter französischer Herrschaft. Als im folgenden Jahre die fremde Besatzung abzog. veranstaltete die Gesellschaft der Freunde eine Feier, bet der sie. wiewohl itzr die Mittel infolge des gesunkenen Geldwertes knapp geworden waren, als Spenden. überwies 50 Taler dem jüdischen Lazarett, 25 Taler der jüdischen Freischule zur Abzahlung rückständigen GehaltS an Lehrer, 60 Taler dem Luisenstift und 25 Taler dem Friedrich-Wilhelm-Sttft zur Speisung der Zögltttge. AVer die Juden galten immer noch als nur geduldete Fremdlinge. Bis im Jahr 1812 — eben -war Joseph Mendelssohn Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde geworden — jene- Gesetz vom 11. März erging, wonach die Juden -eS preußischen Staates für Inländer und Staatsbürger zu erachten feien und ihnen der Genuß gleicher bürgerlicher Rechte und Freiheiten wie den Christen zustehe. Daß wie die Juden insgesamt, so zumal die „Freunde" diese Befreiung mit patriotischer Begeisterung begrüßten, ist begreiflich: hatte doch die Gesellschaft der Freunde „feit ihrer Grünung unablässig dahin gestrebt, das innere «nd äußere Leben der Juden von den verunstaltenden Uebescbleibseln einer finsteren qualvollen Vergangenheit zu befreien." Ein Jahr später — das Volk stand auf, der Stur» brach los — ergriffen tausende Juden Gelegenheit, freiwillig Gut und Blut für das Vaterland etnzufetzen. Die Gesellschaft der Freunde bewies ihre Opferfreude alsbald. Indem sie das Ergebnis einer Sammlung unter ihren Mitgliedern zur Bewaffnung freiwilliger Krieger dem Polizeipräsidenten überwies. Die Empfangsbescheinigung lautet: Auf Einer Wohllöblichen Gesellschaft der Freunde gefälliges Schreiben vom 10. d. M. habe ich den in ber Mitte der Ges. d. Fr. gesammelten Beitrag zur Bewaffnung freiwilliger Baterlandsverteibiger von 863 Rthlr., 21 Gr.. 0 Pf. Cour, erhalten, und davon sogheich 150 Rthlr. au be» Major v. Petersdorff für das von ihm zu organisierende Freicorps übersandt, auch öffentliche Anzeige von diesem ansehnlichen, patriotischen Geschenk und dessen Bestimmung in den hiesigen Zeitungen gemacht. Indem ich E. Wohll. Ges. d. Fr. hiervon benachrichtige, füge ich die Versicherung der dankbarsten Anerkennung und den Wimsch hinzu, -aß ein so rühmliches Beispiel tätige Nacheiferung erwecken möge. Berlin, den 22. März 1818. Königl. Staatsrath und Polizei-Präsident von Berlin Le Coq. Eine Reihe Mitglieder der Gesellschaft zog ins Feld, unter ihnen Joseph Mendelssohn, der Vorsitzende, der als Leutnant, geschmückt mit dem Eisernen Kreuz. auS dem Kampf zurückkehrte. Flies. Löbel. Epenstein, ebenfalls durch Orden oder Epaulettes ausgezeichnet. S. A. Benda, Ferd. Oppert, P. M. Steinthal, C. Heymann, Henoch desgleichen: Benda wurde nicht bloß Ritter des Eisernen KrenzeS, sondern Premierleutnant. Bei Wiederausbruch des Krieges bewilligte die Gesellschaft am 27. April 1815 einem Frennde 150 Taler zu den Kosten seiner militärischen Ausrüstung. Und alS am 18. Januar 1816 das allgemeine Frieden-fest gefeiert wurde, da ließ die Gesellschaft eine Anzahl Invaliden speisen und erhielt ein Dankschreiben, worin die „Kommission zur Unterstützung der invaliden Freiwilligen und Landwehrmänner" sagt: „. . . Wir ergreifen diese Gelegenheit mit Vergnügen, Einer Wohllöblichen Gesellschaft der Freunde für diesen erneuten Beweis Ihres hochherzigen vaterländischen Sinnes, namens der Invaliden, welche sich des denkwürdigen Tages auf eine so ausgezeichnete Weife haben erfreuen können, unfern innigen Dank zu bezeugen .. Und dann? Dann trat die Staatsverwaltung bald in den Kreis des Krebses, und die Juden wurden wieder von allerlei Aemtern und Berufen ausgeschloffen, wurden zurückgesetzt und drangsaliert . . . Aber die Gesellschaft der Freunde war kräftig genug emporgediehcn, um unter tückischen Rückschlägen nicht sonderlich zu leiden, Im Gegenteil, das Bündel Stäbe wurde nur stärker und hielt fester zusammen. Frühzeitig war der Wunsch aufgetaucht, unbeschadet der höheren Zwecke, den Freunden auch eine Stätte zur geselligen Zerstreuung zu schaffen, zumal da den Juden dazumal zu den Vereinigungen der christlichen Mitbürger kein Zutritt vergönnt war und ihnen bei öffentlichen Veranstaltungen mancherlei Mißgunst begegnete. Mithin wurde im Jahre 1795 für die Mitglieder der Gesellschaft eine „Ressource" gegründet, die 1807 wegen der politischen Wirren einging, 1815 als „Geselliger Verein der Gesellschaft der Freunde" amerstand und seit 1834 den Eintritt auch Personen gestattet, die nicht Mitglieder der Gesellschaft waren. Zwischen der Gesellschaft und ihrem geselligen Verein blieb, trotz dieser Neuerung bezüglich der Mitgliedschaft, auch weiterhi» ein enger Zusammenhang, auch finanziell, bestehen, bis zum Verkauf des Grundstückes des Vereins — in der Neuen Friedrichstraße — au die Stadtbahn im Jahre 1877 dieses Verhältnis gelöst wurde. Gemein sind ber Gesellschaft wie dem Verein nur noch die geschichtlichen Erinnerungen geblieben. In diesen Erinnerungen beansprucht eine Feier des Jahr-eS 1840 einen Platz. M oseS Moser, damals Vorsitzender der Gesellschaft, hatte der Berliner Universität ein Stipendium gestiftet, das abwechselnd einem Juden und einem Christen zukommen sollte. Joseph Lehman«, der spätere Herausgeber des „Magazins für die Literatur^ sprach die Hoffnung aus, daß echte Humanität und wahre Bildung ebenso den Nationalhatz der Völker ttlgen, rvte^n aller wahren Gottesverehrung hohes sprechenden Unterschied aufhoüen werde, der zwischen einem Menschen und den andern seiner Religion wegen gemacht wird. Am 18. Oktober, anläßlich der Huldigung für Friedrich WilHelrn IV, speiste die Gesellschaft der Freunde 35 jüdische und 25 christliche Waisen und hielt «ine Festversammlung ab, an der EU pRÖFFNET C.R.T. \ D<E KONTINENTALE \eHENSWÜRDHjKE1T ALTBERUNER Porzellan-Kabinett c!dmheradrieri BELLEVUE, u. V1KTORIASTR AM KEMPER. AUS DER STAATLICHEN POR2ELL..MANUFAKT. BERLIN sooEnsnnt. BRR SPIEQElSRfU. ALRBnSTCRSnm. m ZUMl WI-. QYülfl BRRTHR NNina JfllOHkAPeÜC ICO MftMIWN

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