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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-12-31 · 53 (31.12.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
53 (31.12.1926)
Date
1926-12-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Der Palästina-Ausbau ist ein rein jüdischuatiouales Uuter- «ehmcn. Dies ist in der Presse der verschiedensten Parteien von unbefangenen Beobachtern vielfach festacstellt worden, z. B. erst vor kurzem in einer viel beachteten Anssatziolge der „Frankfurter Zeitung". Die Förderung eines derartigen Unternehmens ist menen der Rückwirkungen ans Deutschland im höchste»» Maße gefährlich Jeder propagandistisch auswertbare Erfolg deS Palästina-Unternehmens trägt dazu bei, die iir-tsch-vülkiscke Werbung unter der deutschen Äugend sitdischer Abstammung zu stärken, diese Äugend dem deutschen Vaterland zu entfremden und so die Einheit des deutschen Volkes zu sprengen. Wir bedauern lebhaft, dag selbst hohe Beamte des Reiches und des Staates unter den» Eiuslusie zionistischer Raürebcr sich in die Gefahr begeben, fiir die Zwecke der Iüdischnationalen ausgenukt m werden. Die Förderung des Palästinatlnteruehrnens bleibe — neben der in erster Vinte beteiligten Kolonialmacht England — denen überlaneu. die ein Interefse daran haben, die indischen Deutschen .zu einem Fremdvolk zu stempeln..den ^iminrcu und den Antisemiten. Verband uativnaldcntscher Juden/' Reichsverbaud der jüdischen Lehrervereine Eine lang gehegte Hossuung der deutschen jiidiicheu Lehrerschüft ist endlich in Erfüllung gegangen. Am W. Dezember, bei dar Tagung des Ausschun'cS nud Vorstandes des Reichsverbanöes in Berlin, erklärte nach Durchberatung des neuen Satzung-Entwurfs Oberlehrer D i n g f e l d e r -München, der mir Seminaroberlehrer S t o! l-Wür.»b»»» g als bevollmächtigte Vertreter des ..Äiraclilischan Lehrervercius sür Bauern" erschienen war. unter lebhaftem Beifall der Erschienenen den ossizieltcu Beitritt ihres Vereins '.nur Verbände. Somit ist auch die tetzie trennende Strecke dor Mainlinie wenigstens für die Lehrerschaft gefallen. — Möge diese Einigung ihre segensreichen Wirkungen auch auf die übrigen iiidischen Organisationen anSUben. Ansiedlung von Inden in Deutschland. Die Hauptvcrsammlnug des klieichsbnndes jüdischer Frontsoldaten hat beschlossen, eine großzügige Siedlungsaktion innerhalb des Bundes und des gesamten deutschen Judentums einznteiten. ES soll ein Siedlungssonds gebildet werden, aus dem heraus ans einem eigenen Gute nach einen» genau vorgczeichneten, vor« erftei* Fachleuten geprüften Plan geeignete jüdische Landwirt« und Gärtner ans eigener Scholle mit Hilfe des RcichssiedlnngSnetzeS angcsiedclt werden sollen. Die Aktion wird ousS sorgsätrigste vorbereitet und ninrint im Rheinland mit vier großen M'assenversammlungeu ihren Anfang. In den Versammlungen werden nur Fachleute sprechen und Aufklärung über die Redeutitng der Berufs- Umschichtung für Judentum »rnd Vaterland in die Massen tragen. Der Reichsbnnd jüdischer Frontsoldaten ist bei dieser Frage von ersten Sachverständigen beraten. Reben dem bekannten Sachverständigen »irr SiedlrrrtgSfragen Domänendirektor Dyk arbeiten in einer besonderen Sachverständigenkommission Rittergutsbesitzer Mosse-Stangeuhagen und Rittergutsbesitzer Sandclowsty-Norgehnen. die kebr erfahrene landwirtscbafllickze Sachverständige und und das zur Frage stehende Problem biö ins Einzelne durchstudiert haben. Auch Professor Franz Oppenheimer, der bekannte Frankfurter Nationalökvnom und landrvirtschastliche Sachkenner, berät den ReickSbund bei dieser Aktion und , wird aktiv in sic eingreisen. In dem im Jnsammenhang mit der Sicdlungsaktwn hcrausgegebenen Co»nm»;nign^ wird noch gesagt: .‘ijuJP** Reichsbnnd jüdischer Frontsoldaten ist wie kein anderer Bund nach dern Lande orientiert. Dem Lande c»»t- ^Üammt die Mehrzahl feiner Mitglieder, da nrsprünglich das Band ja relativ eine weit größere Anzahl von Kriegsteilnehmern gestellt hat als die großen Städte. Ebenso umschließt er in seinen Reihen die Mehrzahl der jüdischen Landwirte. Es ist heute eine noch verhältnismäßig geringe Zahl, aber alle sind mustergültige Landwirte. die sich der Verantwortung voll bewußt sind, die sic mit dem von ihnen bebauten Boden sür das deittsche Indercknm übernommen haben. Der Neichsbnnd jüdischer Frontsoldaten. Lessen Mitglieder einst den deutschen Boden im Weltkrieg verteidigen geholfen haben, betont sein Recht aus diesen Boden gegenüber allen Versuchen, ihn vorn Boden zu entfernen. Er glaubt sich wie kein anderer Bund geeignet, dieses Recht ans Grund der Blntstcncr. die fr einst gezahlt hat. in Anspruch nehmen zu sollen. Die SiedlirugSaitinu gehr unter der Parole: ..Inrück zur Scholle" vor sich. — In den ersten großen vier Versammlungen. die in Köln a. Rh., Düsseldorf. Barmen-Elberfeld und Essen stattsinden werden. rvird sowohl Do»näncnöircktor und Instittttionen pno zu eurer ^»sripnvi» uorr vreie «rroyc. die eine Frage der Erhaltung des JndentnmS ist. eingeladen. Erklärung. Die Attfstclluug der liberalen Kandidaten zum Verbandstag des Preußischen LandeSoerbande» indischer Gemcindea» ist von einem Gremium vorbereitet worden, dem ich nicht angehörte. Hieraus ist der Irrtum znrückzuführeu. der mir in meinem Aufsatz „Liberales Judentum im Spiegel der Gegner" in Nummer 4!) dieses Blattes bezüglich der Ausstellung des Herrn Sanitätsrat Dr. Peysermtlterlauseu »st. ES »st znirefsend. daß bei der Ausstellung der liberalen Liste sür den Landesverband mit dein Verbajld natiol»aldeutscher Inden Fühlnrig genommen wurde. ' Selbstverständlich bleibt mein Standpunkt nnveränder«: daß bei der R n s st e l l u n g liberaler Kandidaten die Frage der Eignung von» religiöseu Standpunkt a u s maßgebend sein m u ß und daß politische Gesichtsprmkte »»icht ausschlaggebend sein dürfen. Von» religiösen Standpunkt a»»S £ouute an der Berechtigung zur Ausstellung des .Herrn Sanitätsrat» Dr. Peyfer lein Zweifel feti». Ster». Aus der Bewegung Dortmund. Sonntag, den 1.'. Dezember, hatte unsere Ortsgruppe die Kinder inn'erer Mitglieder zu einer Eha- »mkahscier eingeladen. In über Erivartung großer Zahl war man der Einladung gefolgt »n»d in seinen BegrüßnngS- »vvrten gab Lehrer Nirßbaum seiner Freude Ausdruck, daß der Gedanke dieser Feier so nachhaltigen Widerklang in den Herzen der Mitglieder gesunden. Nach dem Entzünden der Ehannt'ahlichter ries Rabbiner Dr. Appel in begeisternden Worten die Jugend zu rtligiöseu Tat ans, daß ein nenes glaubensstarkes Geschlecht heranblühe, würdig der großen Taten unserer Ahnen. Der gemeinsame Gesang des „MoanS zrrr" beschloß d»e stirnmnngsvolle Feier. — Ihr folgte Lust nnd Frcitde. Nach der Befriedigung der leibliche»» Genüsse versammelte Herta Weinberg-Herne die Kleinen um sich und las ihnen mit tiefer Empfindung sttmmnugsvolle Märchen. Mitglieder des Ingendbnrrdes der „Kameraden" sangen, tanzten nnd spielten und brachten nntcr der Leitung ihres HanS Eifenstädt den Höhepunti der Freude des dtbends in der Wiedergabe der K'indersnmpbonie von Romberg. Gelseukirche«. Die Ortsgruppe der „Die Vereinigung für das liberale Judentum". Gelseutircken. hat ihre Winterarbeil arn IN. Dezember 1»>A; durch einen Vortragsabend »nieder ausgenommen. — A!S Referent hielt Herr Gvetz- Berlin. Generalsekretär der Vereinigung für das liberale Judentum, einen formvollendeten, wissenschaftlichen Vortrag über „Utticr unbekanntes Gebetbuch". Der Redner ha! cs verstarider», die Mhörer durch heiliges Land zu führen und ihnen die schönsten Stelle»» der Tesilla so anschaulich zu »nacher:. daß die fühlbare Begeistern»»g ti» die Herzen derselben Einzug hielt. Das Server lcziaS mizrajim zog sich »vic ein seiner Fade»» durch den Vortrag. Wir erwähnen noch besonders die Aenßcrung des RcdrrerS, daß die Jndisfercnten, die ihren völligen NegativiSinuS mit den» positiv klingenden Wort/sie seie»» liberal, zu bemäntel»» suchen, nicht »»nsere Freunde sind. Liberalismus sei positiv jüdisch-religiösL Gesin»nn»g, — aber andererseits seüe der Liberalismus i>» den Reihen des IndissereutisinuS sei»» eigentliches Arbeitsfeld: wo nur ein Tchirn»»»er vom „Willen zum Iudcilturn" noch vorharrder». da Hobe der Liberalismus seine Missio»? zu erfüllen «nd dir Gutiviltige»» non »reuem rnst dern ihnen verlorengegai'gcnc»! jüdischen Geist, mit »vabrüask innerlicher, gelebter Religiosität zu erfüllen. Mit lebhaft gespendetem Beifall c.ir&ctc der wohlgeluugcne Abend. Häkle. Die Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Fndentnnr hat am Freitag, den 10. Dezember eine stimMllvgtzvcklle Freitagabeudseier in kleine»»» Rahmen veraustaltet. Herr Oppenheim hatte lieben-rviirdiger»vcifc einige Xiinder in seine Woh»niug cingeladen. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Äahlberg den Kiddusch gesprochen hatte, las Herr Lehrer Bester einige jüdische Legenden vor, nnd bei Kaffee nnd Kuchen sa,»d eine »rctic Unterüaitnng unter de»» Kindern statt. Zum Schluß wurde das Tischgebet gcsprocher». Die nächste Zusammenkunft soll Mitte Januar in größerem Umfange sein. Hamburg. Die hiesige Ortsgrirppe ließ am 20. Novernber 1026 ü» Fortsetzung des- Bvrtragszuklus Herrn Rabbiner Dr. Levn aub Mainz sprechen. Dieser »vähltc da§ Thema: „Ka»ut der nroderne Me»»sch noch Religion habend" Der Situ halt war folgender: Dr. Leun wirft zi»nächst die Frage der Feststellung auf, ob der Mensch Religion hat oder »»icht »urd definiert den Begriff deö modernen Menschen, der keinessotts deshalb ein Philosoph zu sein braucht, »penn er anch durch Studium irr der Geschichte der letzten Iahrhultdertc a»»s dieser die großerr geistige»» Beivegungeu kenneugelcrnt hat. Dabei wies der Po» trage »»de beispielstveise ans die Auslassungen eilsiger Dichter nnd Denker fjm- Ein Teil dieser Menschen steht den. religiösen Erlebnissen, »nie z. B. der Osserrbarung Moses, skeptisch gegenüber, es sei natürlich auch zirzugeben, daß solche modernen Menschen nicht die oft naive Gläubigkeit deL früheren Milielaliers haben könne»». Der Redner beschäftigt sich dann weiter in lä»»gereu Ausführungen mit der Definition der Religiosität, die damit endigte, daß Religion nicht dasselbe »vie Religiosität bedeutet, denn Religtositäk^st der Inhalt der Bibel. Ans der Religiosität soll die Religion erst werden und hier fceflimtt ein Weg, den der vroderne Mensckr nicht ureür mitschreitet. Wer seine Religivu »visse»»schaftlich zi» begründen sucht, besitzt keine Religi»»»» mehr, denn es »»ützt »»ichts. wenn der Gent »nit Wissen a»»gesüllt ist. daS Herz «»ber leer bleibt. Dr. Levy liest da»»u den Brief eines Prirnarrers vor, der versilcht, fei»» Berhäliitis zu Gott zu tlären und »'.ach Erkenrrinis ringt, und.zu dem Resirltat gelangt, daß es eine Allnracht über alle Tinge geben sirüsse. und der Inhalt des Brieses ein Gefühl der Ohnmacht und Mhängigkeit zuur Ausdruck bringt. Der Referent führt dai»»r weiter a»»s, daß viele moderi»c Mensche»» eine Bi»»d»rng der Religion ihrer I »»örtlichen Bedeutung nach ablehnen, da i»e »»icht abhängig sein »volle»». Aber auch aus „Furcht" religiös zu sein, hat leine»» Wert, denn daun bede»»tet es »tu»- einen Zwang, eine Religio»» »nun die Verbiirdnng mit der Allmacht, genannt j „Ehrfurcht";»nd riill.t Furcht haben. Hin »er der Kultur steht die Kraft des Religiösen, den die Religion ist der Inbegriff des Berbirndene»!. Wir Mensche»» kennen heute nnsere eigeire Größe »»icht, der»»» »vir müssen das Bewußtsein des Heiligen »»» nrrs selbst tragen, auch »veuir »vir unseren Gott nicht »nit Händen greisen können. Wir inüner» also, was »vir an Religiosität erleben, nicht steril »»erden laste»». Zue Religion gehört a»»ch das Gebet nnd »venn ein Mensch sich mit irgerrd jemand verbunden fühlt, so versucht er diesem Ernpsi»».den irgendwie Ansdruck zu verleihen, ebenso ist es »nit der göttlichen Bindung. Wenn Menschen erklären, sie können nicht beten, so erklären sie darnit, daß sic sich ebe»» r»ur: einem Gesetz ve.rbn.nden »vinen »volle»». Der religiöse Ällensch »st aber fein Leben laug ein Gottessucher »»»»d »nuß er sich bemühe»», di'rch ein »»»»»»»errväbrendes, nie e»»dendes Suche»» nach Gott, diesem näher zu kornrnen. Wer aber seiner» Gott sucht, der »nuß unbedi'ggt zu seinen» „Ich" ar»ch ein „Du" geselle»». Man darf natürlich auch nickt m das a»»drre Ex treu» des Ehassidis»n»rs verfallen, der den Stg»»dp»:nkt vertrri». daß n»a»r Gott nur knrrch den Rabbe nabetrete:» ka»".>. Wehe der»- Mensche»», der nur religiös sei»» null, um seine Wünsche erfüllt zu sehe»», besser» Religion als» »:»it Prämie ausgestattet sein sollte. Das ist kcirre Religivsita». Nein, solche muß Erlebnis des Einzellreve »verdci». Die sehr geistreichen Ausführungen des Herrn Rabbiner Dr. Lew »vurdei» mit großen» Beifall ausge»»ou»»nen. Es schloß sich hieran eine Diskussion. Die ar» den Rcfercute»» gestellte», Frager», die davon r.cuvtert. daß er i* einiaen Purrkten »nißverstandcu rvorden ist, klärte Rabbiner Dr. Lev»? in einem Schlußwort aus. Hieraus schloß der Vorsitzende mH Tantcsmorten an de»» Redrrcr des Abends die Versamnrlnng, die dieses Mal »in Gegerrsatz zu der letzte:» sehr stark besuch» war. Äöuiasberg. Am 1". Dezember sprach Rechtsanwalt Dr. Matzer-Be»l»rr ir: der Hi»ide»»bnrgschule über die iüdisch-liherale Ge»neinde«olit»k und ihre Gegner. Der Vortragerfhe girra von öcv Gru»»lnätzer» des religiöser» Liberalisrnns ans. cs sei »»icht jedes Wort der Thora sozusagen als VeLbstllusviratio»» anznieki''»!, und iüärt'' da»»»» ai's. »vir dil'siten daher twch »»»»terscheide»» und kritisieren. Ohne alles mitzu- »'.»acbev. »vas gerade ..modern" ti». müfir», wir di' Hand am Pulsschlag der Zeit haben. Auch das Religiöse ist dern ewige»» Gesetz der Entrvicklrmg unterworfen. So hat sich ja der konservaii»»e Gottesdienst seit 100 Jahren auch stark verändert. Wir »ordern die Einheit von Lehre und Leben. Religion ist keine Sabbatangelegerrheit. sondern Taöje des ganzen Lebens. Wir »vollen keineswegs nur niederrreißen, wie mar» i»ns vorivir»». sondern auch neu. aufbauen. Ter Liberal'sinn« bat nack dar Eman'ipvtioi» di" 11"b''''h^''dnabrne der 'Tau»c »»»»d Mischehe verhindert »rnd erst die An- "gstttna »s der» deutschen .ßnltirrkreis vermittelt. Der Opierdicnsi im Teinpel ist beseitigt, also haben alle SteRerr der Thor», die sich ans das Over beziehen, keinen Sinn mehr. Inrmerhin »nögen sich die Konservative»» ihren Gottesdienst geftalten, »vie sie volle»». Wir »vürdcn ihnen gegcitüber Allscm., Ich bin in dir, du bist iir mir. Dein LebenSatem ist der meine,' Und mein Gesetz ist auch iwS deine. Den gleichen Rhythmus schwingen mir. Ausging der Welten Morgenrot Zu eines große»» Herzschlags Reigen. Uirö »venu der Schöpfung Stimmen schmeigcu, Rull'n wir »oft chr vereint in Gott. Aron Isak. Eine Lebensgcschichte. Bearbeitet von Dr. D. Sch id los. lll. Fortsctznng.1 Als ich .',»t meiner Frau nach .fxuu'e kan», sagte ich: „Du weißt, daß ich vor »»»»gefähr vierzehn Tagen eine»» Brief vorn Grafen Ianike ans Stralsund bekomme»» habe. Er schrieb »nir. ich soll zu ihm hiirübcrkom»ncn. c>- mtd sein Bruder, der Oberstleutnant, hätten Orden erhalten, und ick wäre ihnen empfohlen worden. Sie möchten sich einige Steine mit ihren Orden nnd Wappen daraus schneiden laste»». Du »veißt, ich habe ihnen geantwortet, ich würde in drei Wochen da sei»». Da nun die airdere Wocke da Markt ist. will ich Sonntags von hier »vegrcisen. So rasch »verdc ich ober nicht nach Ha»rse fomivat können, denn dort ist lein Graveur, und es kann sein, daß ich ciuiqc Monate Arbeit habe." Dteine Frau rvar damit zufrieden, de»»n sic »vußte weiter nichts davon: ich ließ ihr 120 Reichstaler zu Hause. Ich reiste also weg, ließ meine Frau uttft fünf Müder .zurück und kam glücklich mit mei»»e»n .Handwerkszeug nach Strals»rnd. Ich ging gleich ins Regierung'sgebände zum Grafen Jonke nnd bekam von ihm einen Stein zu schneiden, von seinem Bruder ebenfalls eilten Stein. Ich »neidete mich bei de,n Go»»verneur Grafen Ainkler'l r»nd bei dem Grase»» Höpkc-). Ser war der Kommarrdant. Auch beim Präsidenten Grafen Pirtbrrsckl Ich beSkam sehr rüel -Arbeit. Die fcijtftc Arbeit schickte ich an *1 FreSrik Ka^rl Graf Sinclair, Reichsrat.!) Gras An- Äwß Fritz von Höpiten. Malte Fredrrk Gras Putbils. Rabbi Abraham nach Scklvcrin >»nd i'rfmeü ill.n, er »olle sie sehr gut »»»achcn. denn durch diese Lcrrte hoffte ich E»np- »ehlungöschrcibe»» an :>e»7 König non Schrveden zu bckomnre»». Ich hatte sehr »siel Arbeit für a»le die höchsten Persöulichtciteu. »vobl für mehr als?,»veihundert Reichstaler Arbeit, urr-d ich war bei»n KonnnanSanien Grafen Höpke sehr angesehc»». Er gab »nir Eurpsehlungsschreibkn an »einen Brirder, de»» Reichsrat Grafe»» Höpke. und anch an den Cticr* statthalt er Karl i-Lparre. Er reloinmandierte »nick» in Stralsund, rvo er nur hinkam, »md ich erhielt vor» der ganzen Regierung Empseblungsschreibe»» an den König. Als ich von Schlverrn die Arbeit, die ich R. Aorchg»m geschickt hakte, zurücktelan», »vn»»derten sich alle über diese schöne Arbeit. Was ich begehrte, bekam ich »nit der größten Ehre. Untcrdenen »nutzte jema»».d iwtt Stralsund nach Schwerin aeschricche»» haben, daß ich in Stralsund bei den höchsten Persönlichkeiten so «»»gesehen wäre und ihjh der Regierung einer» Paß erhalten lmtte. um nach Schwede»» z»r reisen. Dies bekam mein Brnde^ Allraba»»» zu »vjssen. aber keiner »nutzte, daß ich mich mit R. Abraham Pack verbunden batte. Mein Bruder schriet? an meine Frau nach Bützorv. sie solle cs nicht zugeben, daß ich nach Schiveden reiste, und schrieb zu gleicher .-;eit anch an mich nach Stralsund einen fivoöei» Bries, »vorin es hie»»: „Nun lkni Dn es io weit gebracht in der Welt, das? Du »Frau nnd Kinder sitzen laßt. So etwas hätte ich »»icht aegla»»bk. daß Dm in so schlechten Umstände»» Dich besirrdest. Du hast schon sehr viel Dummheiten ijt Deincu» Leben gemacht, aber diese Absicht, »rwhin zu reisen, wo »»och nicrnals ein Jude gcivcsen ist nnd a::ch »riemals e»»»er ko»»»»ncn darf, wo n»an der -Sprache nicht nräÄtig nt. ^>as ist die größte Dummheit. Isch alarrbe. Du bist ganz verz»ve»selt »rnd kämpfst als ein »»»»sinurger Mensch. Bedenke doch, was für einen Schritt Du tun »mllst. Ich habe Dich schon so oft ermahnt. Du hängst Dein Geld mt schlechte Menschen, aber Du hast niemals hören »vollen. Höre »venigstcns jetzt aus »nick und konrme nach Hanic. Es wobiten doch »o viele I»:de»k in der hiesigen Gege»»d. cs ist »»och keiner weggeaarrgen und hat Frau und Kinder sitzen lasten. Ich will Dir zu Hisse konnncn." Er nannte »nir anch »eine Hilfe, aber »nein Vorsatz »var gen»acht. den wollte ich »»icht ändert». Ich antwortete also nicht aus den Brief.. Eir»ige Tage vor meiner Abreise k»M meine älteste 'Tochter nach Stralsund, brachte mir einen Brief »oit meiner Fra»», der war sehr iau»»»rervoll, daß ich «icht reise« solle. Meine Tochter, die sch über die Maße« herzlich lieble, weinte und klagte: „Lieber Vater, wem» Sie »vegrcisen. werden »vir einander »»icht mebr lebend wiederfinde»»." »vas ja auch leider cirrgctrosse»» ist. Ich stellte chr meine schlechten Nmstände vor »rnd daß ick nun wieder »nein Glück »nachen wolle. Was sollte sie tun, da fic nickt helfe»» konnte § Ich bescke»»kte sie mit einigen Sache»» und »nachte sic äufricden. daß sie arn »mchstcn Tag mit der Post wieder na»h Harrse s»»hr. Ick war schor» auf der Pvstjacht eingeschrieben mt*5 lsirkts mein Postgeld noch Ast ad bezahlt. Alle Stralsnndcr Juden käme»» »tut» .zu mir »n»d redeten mir so viel ick?, ich solle doch nicht nach Schiveden reisen, »vobei sie »nir alte nur möglichen Bonrnirse »»»achte»». Allein, ich bii» i»» meine»»» Loben kein Poltron gewesen und bestand ans mcinen» Vorhaben. Als ich die Brücke Ist»runte» ging, um in die Postsacht etnzusteigen, begleitete>» mich die ganze Fude»»schaft u»^» auch einige Weiber. Sie drängte»» nrch »veiter in^ »nrch. ich solle nicht reisen, allein, dg hals nichts, mein Vorhaben mußte ansgesührt werden. Sie kamen alle mit auf die Postjacht. imi» die Weibe»' lamentierten, als »»wllte iÄ nach A»nerika fahren. Wie sie nun sahen, daß die Anker gelichtet »v»rrde»». gi»»gev sie von» Sckifs hernnier und iegnote»» »nick so la»»gc. »nie sie das Sckifs in der Sec »roch erblicken > konnte»». » Wir segelten von Stralsund nachmittags in»» Nbr ab. J und am andern Marge»» um 11 Uhr wäre»» wir iu.Mtod. Der Schissskapitäu besorgte »nir eine Woh»»u»»g bei einem Manne, der als Dcntschgeborener sehr aut Deutsch sprach. Er r»«d seine Frau waren sehr bescheiden. Meine Absicht war, daß ich mich »»» Astad vier Wochen airfhglten wollte, um etrvas von der Sprache zu erlerne»'., auch ctrvas z»» sehe»», i »vie mau mit den Menschen hier z»r verkehren habe. Ich hatte mein Werkzeug bei mir. mein Wirt »rnterrichtete mich, ich solle zum Bürgermeister gehen mtd >h»n mcinen Patz zeigen und ihm iagcn, daß ich mich vier Wochen hier a»rsüaltcn wolle. Ich tat also. Der Bürgermeister konnte ein »venig Deutsch, ich zeigte ihm meinen Paß »md die vierzehi» Eurpsehlungsschreibcu. die ich au den König hatte. Ich bekäiu sür ihn auch ein Petschaft zu macker». Diele Arbeit gab es hier nicht lehr viel, aber durch Perlenrn»d Irrwele»»-' arckeit »»erdiente ick schönes Geld. Wem» ich »licht arbeitete, lehrte »ivich mein Wirt etwas Schwedisch sprechen, aber es würbe mir sehr sauer »nit dieser Sprache. Wie nun meine vier Wocken um waren und ich reisen wollte, saste »»rem Wirt. eS »väre »recht gut, in Schweden SU reisen, wenn man nicht etwas sprechen könne. Er riet

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