Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 53 (31.12.1926)
- Date
- 1926-12-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6. Jahrgang Nummer 53 R. Dezember 1926 (MMYMttLUtWN ©ffcttct Brief au Leu Prp«ß»fche» GtoatSminlster für Wissenschaft, Kunst und Bolksbildnna. Herr« Prsf. D. Dr. C. H. Becker. Hochverehrter Herr Minister! Di« Gründungsveranstaltung -es Komitees „Pro-Palästirui" har Sie veranlaßt, sich in der Oessentlichkeit zu inner, jüdischem Fragen z,l äußern. W« „Jüdische Rundschau" bringt über Ihre Aussührungen^lgenden Bericht, der, w?e ich ^nehme, im wesentlicheil zutrisst: „Kultusminister Dr. Becker dankt namens der Gäste für die Einladung. Für uns. sagt er, die wir die Politik nicht nur als Technik behandeln, sondern mit unserem sittlichen Bewußtsein auch an die politische Arbeit Herangehen, ist das Verstehen, von dem Dr. Baeck gesprochen bat, eine grundlegende Forderung. Biel vom Geiste des Indentnms?st tm ^tyc der Jahrtausetlde in unsere eigene Kultur eingedrnngcn und ist in urksercm heutigen sittliären Deuten lebendig: nnd für historisch Denkende ist es klar, daß man unter diesen Umständen auch dem selbständig gebliebenen Teil der jüdisch Denkenden das tiefste Verständnis cntgegenbringen muß. Redner spricht übc^ -te Problematik des geschichllickren Denkens in unserer Zeit, wo die Objektivität der Geschichtsbetrachtung einem Subjektivismus gewichen ist. Aus diesem Subjektivismus werden wir es e>?ch würdigen, wenn sich unsere fndischen Mitbürger stärker und stärker aus sich selbst, ihre Vergangenheit ui'.d glorreiche Zukunft besinnen. Ich selbst habe Gelegenheit gehabt, scstzustellen, daß unsere jüdischen Volksgenossen uns Deutschen-auch darin ähnlich sind, daß sie über Ideen miteinander streiten lHeiterkert). Schon Pork hat dies« Parallele zwischen Juden und Deutschen gezogen. Daher weiß ich auch, mit welchen Schmierigkeiten und Gegensätzen Sie zu kämpfen haben. Bei mi" ist man auch vorstellig geworden und wollt« mein Interesse für den gegenteiligen Staudpunlt erwecken. Ich habe zu viel Respekt für die jüdischen Mitbürger, um es nicht ihnen allein zu überlassen, wie sie sich zu diesem Problem stellen. Wenn von der einen Seite immer, der Standvnnkt des Staatsbürgertums betont wird, werde ich das würdigen, aber ich werde es niemals begreifen, wenn man dem Juden, der für Palästina cintritt seine Staatsgesinnnng an,zweifelt Wir würdigen die großen Zusammenhänge des Judentums, und wenn auch Sie dos Rad der Geschichte naturgemäß nicht rückwärts drehen tonnen, so feste ich hier ein verheißungsvolles Vorwärtsschreiten in lue Zukunft. Ich schließe mit dem Bekenntnis, daß wir, die wir Mitarbeiten und die, wie ich. freudig ungern dem Komitee ocigetreten sind, dies tun aus vollem Verständnis für seine menschliche Bedeutung. Die cratiouaf-cit Gegensätze werden vielleicht in einer nicht so fernen Zukunft nur noch eine Reminiszenz sein und so sehr wir die ethnischen Elemente hercinstellen wollen in den Dienst der Gesamtheit, so schwebt uns allen vor eine letzte Humanitas, die uns verbindet. Ich erbebe das Glas ans da8 Komitee, daß in ihm walte die wahre Hnmanitas!" Es cfrt Sie und uns Juden, daß Sie dankbar arrernnen, welch hohe Ewigkeitswerte die sittlich-religiöse Idee ^rs Judentums zu allen Zeiten der Welt vermittelt bat und jju« das sittliche Pathos der jüdischen Propheten die deutsche Kultur mit durchdringt. Bei allem, was gegen das Komitee '/.Pro Palästina" zn sagen wäre, es steht für mich fest, daß nicht nur die Tatsache des Völkerbundmandats als politischer Faktor, nein, auch Ihre seelische Einstellung zu jüdischen Ewigkeitswerten Sic zur Mitarbeit an den Ausgaben des Komitees geführthat. Es ist begreiflich, daß Sie, allein von solchen Gesichtspunkten ausgehend, mit Verwunderung. 7», mit Befremden auf die Zurückhaltung deö größten Teils der deutsche?? Inden gegenüber dem von nationaljüdischen Kreisen erstrebten Aufbau des heiligen Landes blicken'. Ohne Ihre Stellungnahme irgendwie einer Kritik unterziehen zu wollen, darf ich die Gründe dieser Zurückhaltung kurz darlegen Schon lange vor dom Kriege und außerhalb der nationaljüdischeu Kreise hat es Bestrebungen gegeben, die sich mit dem wirtschaftlichen Aufbau Palästinas und dem Ausbau des Bttdiinqswcsens für insbesondere dessen sirdische Bewohner befaßten. Alle jüdischen Kreise haben gern ihr Scherslein für diese Zwecke hingegeben: handelte es sich doch nur um Fürsorge für Leib, Geist und Seele von Gloub-enstienossen, die ans neuer nnd doch alter Erde nach unsäglichen Qualen in ihren bisherigen Wohnlündern ihr Leben neu aufbauen wollten. Eine Entwicklung, die sich schon vor nnd ganz besonders während des Krieges onbahnie. hat hierin eine Aenderung eintreten lassen. Tie erstarkende nationaljüdische Bewegung, nachher moralisch gestützt durch die Balfour-Deklaration, kenn und will nur noch einen notionalen Ausbau Palästinas. Auch dies an sich wäre noch kein Grund für nicktzionistischc deutsche Juden gewesen, ihre Beteiligung am Palästinawerk zu verweigern, soweit staatöpolitische Interessen Deutschlands dadurch nicht geschädigt werden und soweit die englische Mandatarwacht ihren Ausgaben nicht zu genügen vermag. Aber für uns sind bei der Beurteilung dieser Frage nickt politische sondern seelische Notwendigkeiten ausschlaggebend, die aufs engste mit der Frage zusammenhängen. wie wir zum deutschen Staate und zum deutschen Volke stehen, und inwiefern nationaljüdisch Propaganda diese Stellung zu decinflnssen mt?? zu veränVern versucht. Ich darr die zweite Frage zuerst beantworten. Der nativnalindischc Palästina-Aufbau kann nickt für sich allein als Tatsache und Ausgabe betrachtet rverden. Gr ist nur eines der Mittel, die zur Nationalisierung der Iudenheit führen sotten. Beschränkte sich der Zionismus nur darauf, d i c Juden nach Palästina zu ziehen, die bisher schon als Glieder nationaler Minderheiten gelebt haben oder überzeugte Nationaljuden sind, niemand hätte gegen eine solche Propaganda etwas einzuwenden. Die Zionisten wollen aber auch für die nationaljüdische Idee diejenigen gewinnen, für die, wie für die Mehrzahl der deutschen Inden, diese Voraussetzungen nicht gegeben sind, weil sie deutsches Nationalgesühl bei einem Juden für Selbsttäuschung halten. An dieser Stelle sei es mir gestattet, auf Ihre Ausführungen zurückzukommen. Sie, sehr verehrter Herr Minister, haben gesagt, man müsic „auch dem selbständig gebliebenen Teil der jüdisch Denkenden das tiefste Verständnis entgegenbrurgeir." Aus dem Zusammenhang, in dem diese Wort« gefallen sind, darf ich wohl schließen, daß Sie damit die Zionisten gemeint haben. Das gleiche Verständnis dürfen wohl auch die jüdischen Angehörigen deS deutschen Volkes in Anspruch nehmen, die weder Natioualjuden sind noch werden wollen. Der innerjüdijche Kamps zwischen Zionisten und Nichtzionisteu ist nicht »»$ ein Streit „über Ideen", er ist ein Kampf um Lebensinhalt, Lebensgestaltung und Levenszukunft überhaupt. Air wollen auS dem innersten Wissen vom Leben nnd Sterben unserer Dorfcchren für das Judentum, für den Glauben an den einigeinzigen Gott und die messianische Zukunftshoffnung, dem Judentum treu bleiben und überall für dieses und sein« Bekenner eintreten, wo Vorurteil, Haß und Verblendung stzine und unsere .Ehre besudeln wollen. Aus nuferem Glauben an die sittliche Vervollkommnung der Menschheit ergibt sich für und die Verpflichtung zur sittliche» Tat im Leben d«S Mitmenschen und der Gemeinschaft. Run hat uns die Vorsehung in das Leben der deutschen Volksgemeinschaft als untrennbare Glieder hineingestellt. WeShalb untrennbar? Weil wir uns vom deutschen Volke in Gegenwart und Zuku^t nicht trennen wollen, auS seelischen Gründen nicht trennen können. Sie haben iniftcr ausgeführt, Sie würden es niemals begreifen, „wenn man dem Juden, der für Palästina eintritt, feine Staatsgesiunung anzweiselt." Niemand von uuS bezweifelt, daß auch der national jüdisch eingestellte deutsche Staatsbürger sein? staatsbürgerlichen Pflichten loyal erfüllen und darüber hinaus dem deutschen Staate oder einem deutschen Lande nützliche Dienste leisten kann. Aber das ist für uns und gewiß auck für Sie nicht das Wesentliche. Die „Jüdische Rundschau" konstatiert in einer Briefkastennotiz mit Befriedigung, daß Sie im Verlaufe Ihrer Aussührungen mehrmals von „Deutschen tm engeren Sinne" gesprochen haben. Das Blatt intreprettert das darin, daß Sie „zwiscken vollgütiger deutscher Staatsangehörigkeit nnd jüdischer Volkszugehörigkeit keinen Gegensatz zu erblicken vermögen" und daß Sie „in der uationaljüdischen Einstellung der deutschen Zionisten kein Hindernis für deren volle Anteilnahme am staatlichen Leben in Deutschland sehen." Diesen Feststellungen wird man auch als Nicht- Nativnaljndc rückhaltlos züstimmen dürfen, zumal, wenn man annimmt, daß Sic sich als Deutscher „im engeren Sinne" deshalb bezeichnen wollen, weil Sie nicht nur ein Verpslickittrngsvcrüällnis zmii Staate, sondern auch ein seelisches Verhältnis zum deutschen Volke in sich lebendig wissen. Und doch geben Ihre Ausführungen im Zusammenhang mit Ihrer Bezeichnung „Deutscher im engeren Sinne" zu verhänignisvollen Mißverständnissen Anlaß, die, wie Sie gesehen haben, ans nationaljüdischer Seite ungeheuchelte Genugtuung Hervorrufen, in den Kressen der Juden aber, die sich uicht'nur mit dem deutschen Staate verbunden fühlen, sondern sich seelisch als untrennbare Glieder der deutschen Nation empfinden, die schmerzlichsten Gefühle wachrnfen muß. Sollten Sie. Herr Minister, wirklich gemeint haben, daß Sic bei allen Juden Deutschlands, sie mögen nun Naionaljudcn sein oder nicht, aus die tiefbegründete nationale Gesinnung verzichten können und wollen, die Sie in Nummer 668 deS „Berliner Tageblatts" in Ihrem Weihnachtögruß von der deutschen Inaend fordern? Zwar ergab cs dort die Gelegenheit, daß Sie sich nur an die deutsche Jugend christlichen Bekenntnisses wandten, so daß aus dieser Beschränkung kerne Schlüsse in der Richtung meiner Befürchtung gezogen werden können. Deshalb bitte ich Sie, sehr verehrter Herr Minister, ja, ich habe das Recht, es von Ihnen zu fordern, mir nnd Hirndertrausendcn von deutschen Juden, die sich nicht nur zum deutschen Staate, sondern auch zum deutscher? Volke bekennen, auf die Frage zu antworten: Wenn Ihnen unsere Loyalität genügt, wollen Sie darrn auch nichts anderes von uns'? Tausenden vorr jüdischen Familien. die ans Posen, Dberschlesien und Elsaß- Lothringen ihres Bekenntnisses zum deutschen Volke wegen vertrieben wurden oder freiwillig ansrvanderten, soll gesagt werden: „Eure Loyalität hätte Deutschland vollkommen genügt, ihr hättet ruhig für Polen oder Frankreich optieren können: wir verlangten wohl euer loyales Verhalte?? zrun deutschen Staate, solange eure Heimat deutsch war, werdet aber jetzt ruhig loyale Bürger des französischen oder polnischen Staates, denn „Deutsche im euaeren Sinne" seid ihr ja nicht gewesen." Als Glied einer jüdischen Familie. die um ihres Deutschtums willen freiwillig ihre elsaß-lothringische Heimat verlassen hat, glaube ich besonders dazu berufen zu fein, eine Antwort non Ihnen auf die Frage erbitten zu dürfen, ob ich und die, die so denken und fühlen wie ich, für Sie „Deutsche im engeren Sinne" sind oder nicht. Aber wie auch Ihre Antwort aussallen mag, der Wille zu deutscher Kultur und deutscher Nation wird von innen, nicht von außen bestimmt. Nicht die Sanktion meines Rechtes, mich als Deutscher „im engeren Sinne" zu fühlen, fordere ich deshalb von Ihnen, nur die Klarheit darüber, ob wir den sichen Juden mit deirttckem Znkmsitswilleu von einem Manne mit ihrer politischen und seelischen Bildung nicht nur als gleichberechtigte Staatsbürger. sondern auch als im tiefsten anerkannte Brüder im deutschen Volke empfunden werden: ober ob von uns im deutschen Vaterlandc, noch eine Ausaabe zu leisten ist. die größer, dringender und schwerer iss als die Bekämpfung des Antisemitismus. In vorzüglicher Hochschättung und Ergebenheit Dr. Max Mayer, Rechtsanwalt. Zionismus keine politische Bewegung? Eine Diskussion anläßlich der Gründung des Pro Palästina-Komitees. j Die „Irankinrler Zeitung" veröffentlichte zur Gründung j des Pro Palästina-Komitees folgenden Kommentar: j In den Kreisen des Zionismus scheint sich eine eine Wendung anzulmhnen. Die wirtschaftliche Krise,! in der sich der Zionismus in. Palästina befindet, hangt! in letzter Linie damit zusarnmen, daß bei der Drgani-! 'gtion der jüdischen Einwanderung nnd des Aufbaues j die politischen Gesichtspunkt« vorangestellt und die! wirtschaftlichen Möglichkeiten nicht genügend ve- J rücksichtigt worden sind. Infolge dieser Einstellung war; die Einwanderung zu arvß und zu rasch so daß ein > erheblicher Teil der Eingewanderten wieder znrückj wauderir muß, und die gegründeten Wirsichasten konnten j hinreichend ausgestattet werde??. Diese Forcierung der! Einwanderung geschah unter dem an sich richtigen Gesichtspunkte, daß die politische Konsolidierung des Zionismus in Palästina, die ein mächtiges Anwachsen der jüdischen Bevölkerung erfordern würde, entweder in einer verbältnismäßia kurzen Frist oder überhaupt nicht Eintreten werde Die Erfahrungen, die man gemacht bat, haben nun doch einen beträchtlichen Teil der Zionisten zu der Einsicht gebracht, daß es so nickst weiteraeben wird. Aus den Erörterungen in ihrer Presse ersieht man, daß sich die wirtschaftlichen Probleme in &ci? Vordergrund schieben. Es fehlt auch nicht an Leuten, die bereits znoeben, daß es unmöglich sei, in Palästina eine jüdische Mehrheit zu erzielen, ia. daß auch mit einer arabi'ch-n M.'-nr'tät ein issdEcker Staat nickt dnrchkührbar wäre. Es ist klar, daß mit einem Siege dieser Einsichten die politische Idee deS Zionismus sich selbst erledigen muß. Uebrig bleibt dann der Siedlungögcdanke, gegen den niemaird etwas einzurvenden hat. der in diesem Ialle vielleicht sogar von besonderem Interesse ist. da man in Palä'stina ans neue soziale Formen ausgeht. AuS dieser Lage heraus wird cs zu beurteilen fern, daß sich ein „Deutsches Komitee Pro-Palästina zur Förderung der jüdischen Palastinafiedlung" gebildet hat, dem Personen beigctreten sind, die zrveisellvs keine Zionisten sind. Diese Ausführungen waren in der „C.-B.-Zeitnng„, dein Organ deS Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, wiedcrgegebcn mit dem Bemerken, daß man dem Kommentar der „Frankfurter Zeitung" beipslichte. In der gleichzeitig mit der E. B.-Zeitung erscheinenden Nummer der jüdischen Rundschau" wurde der Anschauung der „Frankfurter Zeitung", der Zionismus fei nunmehr keine politische Bewegung mehr und das Prn Palästina- Komitee könne deshalb von jüdischen und »tchtjüdischen Deutschen als ein Werk der Humanität unterstützt werden, mit Entschiedenheit entgegengetreten. Die „Indische Rundschau" schreibt: Auffallend ist. daß die „Ir a u k j u r t e r Z e i t u n g". die bekanntlich in diesem Jahre heftige Angriffe gegen den Zionismus gerichtet hat, die Gründung deS Komitees an prominenter Stelle anzcigt. Das Blatt hält es für nötig, in einer längeren Vorbemerkung aus die innerzionistische Diskussion hinzuweisen, ob bei der Verwirklichung des Zionismus politische oder wirtschaftliche Momente in den Vordergrund zu stellen sind. Sie meirct, daß durch die Erkenntnis der Unmöglichkeit eines rein jiidischeu Staates „die politische Idee des Zionismus sich selbst erledigen muß. Uebrig bleibt dann der Siedlrulgsgedanke, gegen de»r niemand etwas einzuwenden hat." Es braucht kaum gesagt zu werden, daß es feine Zionisten gibt, die nicht den Zionismus als politische Bewegung a?».sfassen. Die früheren konsequenten Behauptungen der „Frankfurter Zeitung", die Ziorristen ivvlltcu als Werkzeug des englischen I?nperialismus die Araber verdrängen, waren ebenso irrig?vie ihre jetzige Bemerkung, der Zionismus sei ein unpolitisches Siedlungsmerk. Die Grundlage zionistischer Arbeit ist heute das P a l ä st i u a m a n d a t des Völkerbundes, das die Heimatsberechtigung der Juden irr Palästina anerkennt, gewiß also ein politisches Instrument ist. Die Mitglieder des Pro Palästina Komitees, die. ivie das Blatt etwas naiv bemerkt, „zrversellos keine Zionisten si?rd", waren sich natürlich auch nicht irn geringsterr int unklaren, daß es sich um eine politische Sache harrdelt: eine andere Sache hätte sie kaum interessiert. Die Gründung des Pro Palästina Komitees hat dem betreffenden Redakteur der „Frankfurter Zeitung" offenbar zum Bewußtsein gebracht, dar; in seiner früheren Auffassung etwas nicht stimmen kann und er erklärt sich das durch die Annahme, der vorn Pro Palästina Kornitee geförderte Zionismus sei ein „anderer" Zionismus. Wir begrüßen jedenfalls mit Genugtuung das Anzeichen einer freundlicheren Haltung der „Frankfurter Zeitung". Das ne.ranlaßte die demokratische „Frankfurter Zeitung" in entschiederrder Weise die Gründung des Koinitecs Pro Palästina zu mißbilligcrr. Sie führt aus: „Vor kurzem ist ein Koirritee „Pro Palästina" gegründet worden, welches ausfordert, die jüdische Siedlung in Palästina uttt Geldmitteln zu unterstützen. De??r Komitee gehört n. a. eine Anzahl von Personen aus Regierungskreifeu an. so der preußische Ministerpräsident Braun, einige Bearnte des Auswärtigen Amtes: bei der Gründungsversammlung hat auch die bisherige Reichsregicrung durch einen Vertreter Interesse an der Sache bekunden lassen. Als wir von dem Vorgänge Mitteilung machten, fügten wir hinzu, er sei wohl damit zu erklären, daß die politische Idee des Zionismus, wie sich aus mancherlei AnSeinandersetzungeir zu er/- geber» scheine, in den Hintergrund trete, daß es sich also wirklich nur u?n den Siedlungsgedankeu handle. Unter diesem Gesichtspunkte brauchte mau gegen den Beitritt jener Herren zu dem Komitee nichts einzuwewden, wie ivir ja immer betont haben, daß es wohl kaum eine Palästina-Frage gäbe, wenn nichts weiter als Ansiedl?rng beabsichtigt wäre. Aber der „Jüdischen Rundschau", dem Berliner Organ der Ziouifte?:, genügt das nicht. Sie weist uns zurecht und erklärt, wie es dort Sitte ist, etwas von oben herab, daß es keine Zionisten gebe, die nicht den Zionismus als politische Bewegung ausfaßten. und daß die Mitglieder des Komitees nicht im geringsten im unklaren gewesen seien, daß es sich um eine politische Sache handle. Darauf haben wir ganz schlicht zu erwidern: Nun, schön. Aber in diesem Falte sind die Mitglieder der Regierung und andere, die sich beteiligt haben, ganz sicherlich nicht im klaren über die Konsequenzen des politischer? Zionismus. Das würde uns auch gar nicht wundern. Es gibt beispielsweise im preußische?? Ministerium einige Räte, die a u s g e s p r o ch c u e Zionisten sind und ohne Zrveisail Gelegenheit haben, in Regierungskreisen die Sache so d a r zu st e l l e n . wie sie sie sehen und m ö ch t c n , daß sie g e s e h e it werd e. Aber wie dem auch sei: wir akzeptieren die Richtigstellung, die von den Berliner Zionisten, die es ja wissen müssen, ausgeht, und stellen fest, daß demnach das Ko?nitee „Pro Palästina" seiner Terrdenz nach das politische Ziel des Zionismus einschließt, woraus sich die selbstverständliche Folgerung ergibt, daß wir, da wir dieses Ziel mißbilligen, eine Förderung des Komitees „Pro Palästina" abweisen. Es kann ivohl nicht bezweifelt werden, daß der Ce?ttral- Derein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nach der bezeichnende?? Aufklärung durch die „Jüdische Rundschau" der veränderte?? Stcllungllahme der „Frankfurter Zeitung" wieder????r z??stim?ne?? und nunmehr auch seinerseits die erforderlichen Gegenmaßnahmen ergreifen wird, um so mehr, als es gewiß ist. daß die Mitglieder des Pro Palästina- Komitees zürn großen Teil de?? Zionismus ablehnen. Ter Eentral-Berein wird nicht säurnen. seine Erfahrungen bei der Aufklärrrngsarbeit in der deutschen Oessentlichkeit anck in diesem Falle für das wohlverstandene Interesse der deutschen Indenheit nutzbar zu machen. Die Ablehnung des Pro-Palästina-Komilees. Te?s Mitöciluvgsblatt des Beickandes nattonalldeutscher Juden E. B» „Der nationaldeutsche Jude" veröffeutlickt in seiner letzten Rümmer nachstehenden Aufruf zur Gründung deS Komitees Pro Palästina: „Auf Veranlassung der Zionistischen Bereinigung für Deutschland ist ein Pro-Palästimt-Komitee gegründet worden. Sin Komitee der bezeichneten Art und des gleichen SdameuS hat schon einmal vor dem Kriege bestanden. GineS seiner Mitglieder war damals z. B. Graf Westarp, dessen „deutschf“ völkische" Gesinnung bekannt ist. Leider ist es den Ittdifchnatioualen wieder einvial gelungen, angesehene politische Persönlichkeiten vor de« Propagandawagcn des Zionismus zu spannen. Diese Persönlichkeiten sind offenbar dahin „unterrichtet" worden, daß der Palästina- Aufbau ein Werk der „Wohltätigkeit" und der Versöhnung" sei. Wir wissen, daß wir tm Name?? aller deutschfühlenöerr Juden, nicht etwa nur der Dtttglieder unseres Verbandes sprechen, indem wir nachdrücklichst erklären, daß diese den Gründern des Komitees, soiveit sie nicht selbst iüdrschnattonal find, erteilte „Information" einseitig und irreführend war.