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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-12-31 · 53 (31.12.1926) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
53 (31.12.1926)
Date
1926-12-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ein Flugblatt der V«irtei »Aür Frieden und Avheitt Dir versagen es uns» zu einer derarkgen Kampfmechode, die mit Lügen und Ser- Leser mögen sich selbst ein Urteil bilden. Originalgetreue Wietze rgave der Rückseite. Daher haben sich bedeutende Männer der deutschen Judenheit von diesem modernen internationalen * Liberalismus abgewandt und sich der religiösen Mittelpartei angeschlosscn, so z. B. Rabbiner Dr. Weiße, Dr. I&mar Freund, der Schöpfer des preußischen Landesverbandes, Legationsrat Professor Dr. M. Sobernhctm, Univ.-Professor Dr. F. Blumenthal, Univ.-Professor Dr. N. Caro, Univ.-Professor Dr. Neuberg, Univ- Profcssor Dr. L. Stein, Gcheimrat Dr. J. Stern, trüberer Vorsitzender der Berliner Vhor.rlen Partei und ehemaliger Vorsitzender des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde, Kommerzienrat Gcrson Simon, Berlin, Frau Rabbiner Dr. Escbelbacber, Berlin, Landtagsabgeordnete Dr. Gertrud Klausner. Was will denn eigentlich die Mittelpartei? Vr> Mittelpartei erstrebt ein über den Parteien siebendes, lebendiges Judentum. Das einseitige, engherzige Partc.igetrie.be ist ein Llnglück für das deutsche Judentum, was uns gerade die letzte Tagung des Preußischen Landesverbandes der jüdischen Gemeinden so kraß vor Augen geführt bat. Getragen von dem Wunsche, daß der eine d;e jüdische religiöse Uebcr:reugung des anderen achte, wollen wir das uns alle Einigende in den Vordergrund rücken. Der wahre belebende Friede, den wir erstreben, darf aber nicht durch einen Friedhofslricdcn erkauft werden, sondern muß hervorgehen aus dem siegreichen Kampfe gegen alle Zerstörer und Schädlinge der jüdischen Religion. Da unsere Gemeinde weder eine politische Gemeinde noch eine Handelsgesellschaft ist, sondern eine Religjonsgemeinde, verlangen wir, daß nur solche'vom jüdisch-religiösen Geiste erfüllte Personen unsere Gemeinde leiten, die als Vorbilder jüdischen Lebens ein lebendiges Judentum auch innerhalb ihrer Familie pflegen. Nicht einseitige Parteipolilik wollen wir treiben, sondern alles, was zur Belebung, Förderung und Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft und ihrer sozialen Einrichtungen dient und den alt jüdischen Idealismus zu wecken vermag, unterstützen wir Wir wollen Mittel und Wege suchen, uro die der Religion fernstehenden Personen für das Judentum wieder zu gewinnen und der Zersetzung des jüdischen Familienlebens, den überhand nehmenden Mischehen und Taufen entgegenzuarbeiten.. Wir wollen uns nicht den modernen und wissenschaftliche« Ideen verschließen. Was aber mit dem Geiste des Judentums unvereinbar ist, lehnen %vir ah. ' Kölner Juden! Duldet nicht, daß eine jnden-christlich gefärbte deisb'sche Sekte, die all© positiven Grundlagen der jüdischen Religio» völlig zerstört, künftig die Geschicke einer jüdischen Rcligionsgemeinde leite. Schließet Euch daher unserem überparteilichen jüdischen Programme an. Die Kölner Synagogen- Venvalhing muß sich ihrer jüdischen Führerrolle im Westen bewußt sein, eingedenk dessen, daß Köln nicht nur die älteste Gemeinde Deutschlands, sondern auch die größte des Westens ist; sie muß der Brennpunkt für alle wichtigen jüdischen Fragen und Interessen werden und mit einem weiten Blick auf die Ehre und Wurde, das Wohl und Webe des deutschen Gesamtjudentums bedacht sein. Kölner Juden! In Eurer Macht liegt cs, bald zu entscheiden, ob die Kräfte der Erhaltung oder der Zersetzung des Judentums, ob die Wahrhert oder die phantastische Irrlehre, ob ein überparteiliche?; Judentum oder der brutale Despotismus einer egoistischen Partei siegen sollen, für die es kein Rcligionsgcse}z, sondern nur noch freiwillige Bindungen gibt. Die vor wenigen Monaten in Berlin stattgefundene Repräsenfantenwabl hat dort die Diktatur des alles Jüdische verneinenden, internationalen Liberalismus endgültig gebrochen. Der gesunde jüdische Geist wird auch in Köln den Sieg davontragen. Das walte Gott! Universitätsprofessor Dr. J. Scheftelowitz Dagobert Steinitz I, Vorsitzender der religiösen Mittelpartei, Köln. Anmeldungen zur religiösen Mittelpartei werde« von dem I. Vorsitzenden. Herrn Dagobert Sie*- nitZr Köln, Moltkestraßi 129, K. Etage, entgegengenommen. für mlnbenncritö, uvb nicht einmal vor beu Inden schlägt er drei #reu>e. Xem Bankier Bleichröder überträgt er Generalvollmacht?>ur selbständigen Anlage seines Vermögens, den Tr, Fosten Hai er durch Jahr und Tag als sehr geschätzten -vMiicar.«* mn sich, Vassalle nennt er einen der geistreichsten und liebenswürdigsten Menschen mib bedauert jedesmal baß Ende ihrer stundenlangen Unterredungen. den Reichstagspräsidenten Limson lobt er als einen „non reinster Vaterlandsliebe getragenen Mann, ein edles Gesäß, in dem stets die lautersten Empfindungen ziisammengeströmt find", j und dem britischen Minister Didraeli oder Beaeonösield : bleibt er zeitlebens befreundet. Da, mehr! Er wünscht, ahnj lich wie Nietzsche, die Kreuzung des Abels mit Anden nutz zählt eine Reihe aristokratischer Häuser ans, deren jüdische Verbindungen »alles ganz gescheite, nette Leute" erzeugt hätten, und rühmt, daß die Inden in der Mischung der verschiedenen deutschen Stämme „einen gewissen Mousieux brächten, den man nicht unterschätzen solle". Berlin. iS t l be r h o ch z e i t.) Am 81. d. M. begeht der Leiter des israelitischen Lehrlingsheims in Berlin-Pankow, Herr Dir. Israel. das Fest der silbernen Hochzeit. Wir wünschen ihm und seiner lieben Gattin weiterhin alles Gut«. Berlin. (Äinderaufsührung im Logen-Altersheim Lichterfelde.) Am Sonntag, den 19. Dezember. bereiteten etwa 80 Neligionöschüler und -schülerinnen der Indischen Reform-Gemeinde, unter Führung von Herrn Dr. R o s e n t h a l den Insassen des Altersheims der NOBB.-Logen eine freudige Ueberraschung. Im großen Betsaal des Heims wurden ans einem dazu hergerichteten Podium die Ausführungen und Vorträge der kürzlich von der Reform-Gemeinde veranstalteten Ehanukah-Feier wiederholt. Mit dankbarer und geradezu rührender Freude folgten die Bewohner des Heims den Darbietungen der Kleinen, die von der Frau Oberin mit Schokolade und Kuchen in der liebenswürdigsten Weise bewirtet wurden. Im Namen de- Vorstandes des Altersteims dankte Herr Siegfr. Elle den kleinen Künstlern und besonders Herrn Dr. Rosenthal als Veranstalter, daß sie den Sonnenschein der Jugend und Freude in das sonst so stille Haus der Alten gezaubert hätten. Berlin. iE in wahrhaft wohltätiger Verein.) Am 3. Januar 1927, nachmittags 4 Uhr, findet in der alten Synagoge, hierfelbst, das Stiftungsfest des Vereins Schomer Laboker Umisch-an Awelim statt. Gleichzeitig wird an diesem Tage eine Erinnerungsfeier an das Ehrenmitglied des Vorstandes. den am 2.1. November 1926 verstorbenen Samuel Cohn, stattfinden. Die Wirksamkeit dieses seit länger als 250 Jahre bestehenden, segensreichen Vereins kann wohl bei allen Mitgliedern der Gemeinde als bekannt vorausgesetzt werden. Trotzdem erscheint ein Hinweis mit Rücksicht auf die Notlage eines großen Teiles unserer Gemeindemitglieder erforderlich. Das Einigende und alle Richtungen Gemeinsame tritt schon glücklich in dem Namen dieses Vereins hervor. Seine Mission besteht nicht bloß im Gebet, sondern in der Betätigung einer Bruderliebe, die weit über den Begriff der reinen Wohltätigkeit hinausgeht. Der Verein gewährt bei eintretenden Tranerfällen allen Mitgliedern der Gemeinde die Möglichkeit, während der Trauerzeit in der zartesten und diskretesten Form eine materielle Unterstützung entgegenzunehmen, die bei dem Bedürftigen jede Scheu gegen die Annahme fremder Hilfe ausschließt. Um das Ehrgefühl des Empfängers zu schonen, ist folgende Einrichtung getroffen: In jedem Trauerhaus, ob arm oder reich, werden nach einem voranSgehenden Trostbries zwei geschlossene Büchse» versandt. In die Büchse Nummer 1 wird eine angemessene Summe gelegt, die dem Bedürftigen evtl, dargeboten werden soll. Zu dieser Büchse erhält jeder Empfänger unter Siegel einen Schlüssel und Begleitbrief mit dem Ersuchen, diese Büchse jedenfalls zu öffnen und zu entleeren. Je nach seiner Bedürftigkeit kann der Empfänger den ganzen Inhalt der Büchse oder einen Teil für sich behalten. Bedarf er der Unterstützung aber nicht, so ist er gebeten, den Betrag in die Büchse Nr. 2 zu werfen. Zugleich werden die Wohlhabende» ersucht, den Inhalt dieser Büchse aus ihren eigenen Mittel» zu vermehren, damit die Zwecke des Vereins dauernd erfüllt werden können. Die Büchse Nr. 2 bleibt längere Zeit, in der Regel einen Monat, während ihrer Wanderung durch mancherlei Familien ungeöffnet, so daß niemand, nicht einmal der Vorstand, wisien kann, wer gegeben und wer genommen hatt Ans der ganzen Einrichtung leuchtet die energische Tatkraft hervor, mit welcher di« Jdeeirtz'eK Wohlwollens tm Gemüte der Begründer, des Vereins wirk" sam gewesen ist. rru» Wir benutzen daher gern die Gelegenheit, anläßlich der bevorstehenden Stiftungsfeier ans die Wirksamkeit des Vereins hinznweisen, damit die in ihm zum Ausdruck kommende Hochherzigkeit ungestört ihren Fortgang nehmen und der Verein auf seiner alten Höhe erhalten bleiben kann. Berlin. (Chanukahfeier in der Reform-Gemeinde.) Eine gut gelungene und außerordentlich zahlreich besuchte Chanukah-Feier wurde auch in diesem Jahre wieder — im Logenhaus Emserstraße — veranstaltet. Die Vorbereitungen hatte ein Komitee» bestehend aus den Herren Dr. Lehmann, Dr. R o s e n t h a l und den Damen Fräulein B e h r, Frau Jnstizrat Magnus und Frau Dr. R o s e n t b a I, getroffen. Nach dem Spiel einiger Musikstücke wurde die Jugend — über 300 Kinder — mit Schokolade und Kuchen bewirtet. Einem Borspruch folgte das Anzünden der Lichter und der Gesang der Chanukah- Hymuc. Daraus wurde ein von Herrn Dr. Rosenthal für die Zwecke der Reform-Gemeinde bearbeitetes und von ihm REM Nischen und litauischen Inden stammen von jenen deutschen Auswanderern ab. ihr „Jiddisch" ist ein Gemisch aus süddeutschen M u n d a r t e n und zumal in Pfalz uno angrenzenden Rheinländern u. a. statt „S" ein „'Sdr sehr häufig ist mos auch rat Hebräischen vorkomm k. konnte A. Beckcr leicht älaufwnt, speziell das Pfälzische habe mit dem Jüdischen zu tun Hans F. Salomon sJstd. lib- Ztg. Nr. 17>. .102til mag richtig schätzen, daß die sudendeutsche Mischsprache aus 70 Prozent deutschen laber hauptsächlich süddeutschen) L0 Prozent hebräischen und ist Prozent flaut» fche» Wörtern bestehe, denn unter Berücksichtigung aller Sprachbildungssaktoren. d-te hier nicht zn berühren sind, wäre ein wesentlich anderes Resultat unmöglich Vom Slanische.n im Deuischeu wird der Haupiteil anS eben dem „Jiddisch" stammen, da besonders im 17. Jahrhundert viele jüdische Rabbiner und Lehrer aus Polen nach Deutschland kamen und Schule hielten. Das Jiddisch könnte bei gerechter Beurteilung der Materie den deutschen Nichtjudcn eine gute Lehre erteilen: Ein Durchschnittsdeutschcr ist z. B. in Amerika in kurzer Zeit svrachlich aufg-esresien. Die deutschen Juden im Osten hätten ebenso leichr verslaven müssen. enthielte der jüdische Charakter nicht ein solides konservatives Element. Der Jude spricht auch m Deutschland sozusagen ,jm liinftit ctt beit t ieft", d, b. er bleibt der Volkssprache der Sprachmutter. z. B. auch als Akademiker sy treu wie nur die besten der geleb rten Nichtjnden : und entsprechend benimmt er sich im Ausland. Im Osten hat er nicht nur deutsches Sprachgut innig über die Jahrhunderte bewahrt, auch sonstige deutsche Moden behielt er bis heute bei. 'Deutsche Schwarmgeister. die sich antisemitisch gebärden grüßten einen geradezu rührenden Zug darin finde», daß der verachtete polnische Jude heute als Nachkomme ehemaliger Deutschindem noch die ungefähre Rockform trägt, die seine Urväter der Meistcrsinger-Zcit aus Süddeutschland mitbrachten. Wievieles .Jüdische" überhaupt wird von Maul-Deutschen verspottet, daß nur erhaltenes Altdeutsches rst! SJm Jiddisch liegt beute eine Art W c l ti p ra ch e vor. über deren Nutzen für das Deutschtum noch keine Erhebung gemacht ist. die aber besonders im Krieg den deutschen Soldaten ungeheure Borleilc im Osten brachte. Bezüglich der „Gaunersprache" liegen die Dinge ganz äbnlrch wie mit dem Jiddisch, nämlich auch die Gauner sind kastenmäßig abgeschlossen und konservieren laus ihren Gründen! weit mehr altes Sprachgut, als sic künstlich etwa Wörter aus verschiedenen. Sprachen zusammen j suchen. Die ,.t'-airnersprache" besteht einfach aus Resten der j älteren Volkssprachen. sie kann sprachforscherisch nirat anders! genommen werden als iede andere „Fachsprache": Jägerlatein. Schifsmannssprachc usw. Derartige Geheim-! sprachen gab und gibt es naturgcsetzlich immer sie lasten sich , heute i» jeder intimen Gesellschaft in Anfängen jeftftellcu. j Und schließlich geboren hierher auch gewiste telegraphische» I Gepflogenheiten des modernen Welthandels, wovon eine ganz unzweckmäßige Abart die bekannnte künstliche Umschreibung der Firmennamen ist. Nie gab es „ursprüngliche DiebeSwörtcr": aus der allgemeineren Sprache ausgefallene Wörter werden in Diebs- und anderen Kreisen bewahrt- und später allerdings den neuen Mitgliedern eingelcrnt. Man berücksichtige vor altem, daß vor wenigen Jahrhunderten noch Gauner und Händler überhaupt, ohne Rücksicht aus die Juden identisch waren,' trader lHändter) traditor und traiior lbeides und im Französischen traifri; bcißfVerräters sind ursprünglich dasselbe. (Man spreche statt Verräter mal Flitter aus und beachte, wie dann im Deutschen. Englischen und Französischen dasselbe Klangbild herauskommt!! Salomon ia, a. DJ übernimmt mit Unrecht die Meinung des Hannovcrichcn Glossars, die Gaunersprache jet eine Komposition van hebräischen und Tiebes-Wörtern. Wenn das Glostar ,'elbst iagt: „Alle Diebe von Proicsfion. alle Schärfcmpieler und Kessemirt,- verstehen diesem Kochnmloschen. sie mögen Juden oder Christen sein" so bedarf cs nur weniger Kenntnisse des praktischen Lebens, um zu wisien. daß sie jeder Witzige aus dem Volk überhaupt verstand. Der Schluß, daß die Juden einen großen Bestandteil des DiebsgelichtcrS ansmachten, liegt keineswegs nahe, wie Salmnon meint, der zu viel auf gelehrte Wörterbücher gim. denen der lebendige Fluß der Diirge fremd ist. Jedenfalls nrüßte erst klar bewiesen sein, ehe es nötig ist mit allerhand ^Vielleicht" zu entschuldigen. Steinschneider n. u. werden schon Recht haben wenn sie bestreiten, daß die Diebe ihre Ausdrücke direkt von den Juden bezogen. In Salomens Wortableitungen findet sich vieles Fragwürdige. Vor allem will auch berücksichtigt sein, daß das Hebräische gleichfalls in beständigem Fluß ist. also auch ursprünglich deutsche Worte '» entsprechender -kbänderuna hebräisch wurden. Dte manches Wort konnnt heute als „ganz neu" auf und alte Leute erinnern nck dann, daß sie es in der Jugend in der heimischen Mundart sprachen. Die Frage ist z. B.. ob aus tiZalach Galch oder aus Galch Gttlach wurde ob Galch und Galach gemeinsam auf ein Aeltrres zurückgehen. Letzteres gilt mir beinahe sicher. Heißt hebräisch Galach speziell Jßfafi" lwaS ursprünglich mit psefferig. psisfia. listtg, schlau zusammenhängtl so har Gasch ohne Frage eine weit ursprünglichere, eine Stamm- Bedeutung. Ter 6hrlch wird schon gleichzeitig in andrer- Gegend Schalk geheißen haben: er bat entschieden mtt Falschem. Artzcndem. Stechendem zu tun. mit Kalch Kalk, schilchen ~ schiele» - Scheeler » Schelm Sehe „böser Blick) - Schelcher — Schieler, und vielem andern. Am Galchen Galgen endete der Galch bzw. Schalk. Auch die Spitzbubennamen folgen dem Gesetz zunehmender Tisserenzterung. es wäre also interessant, zu wissen, seit wann Galach hebräisch ist. -- „Schickse" stammt m. E. gleichfalls nicht aus dem he- Oräücöcit Schakuz - verachten, verächtlich, sondern hat mir dem deutschen „Schicksal" zu tun. iNinnsal — Rinnlel.» „Schickiel" war übrigens nie eindeutig verächtlich, scheine ursprünglich sogar Kosename gewesen sein. — Pleite könnte mau umso eher ans dem hebräischen v'letah --- Flucht ableiicn. als ein Zwischen-glied heute noch voll lebendig in den Rdeinspracheu erscheint: er ist bleede gegangen.?lber sicherlich sind flöten, sleuten. pleiten und manches andre, wie gleiten, plätten, glennen. bzw. glinnen. schlittern u'w.. g e m e i n s a m c. verschiedene Mundarten und Enewickttrngsphascn entsprechende Z w e i g c des s e l b e » Stammes: er mag bis dahin zurückführen, wo Hebräisch und „Indogermanisch" gemeinsam einem Tieferen entsprossen. Denn neueste aanzwincnschaftliche Erkenntntste beweisen arge Lücken in der Schrrlphilologie. Fliehen, fliege» (slcuchenh f-leißen ldgher auch Fleiß, sind ursprünglicher: sleußen - fleuten ----- flößen (bähet sowohl Fluß. Floße», Flotte. Flut u. o. wie Flausen, flott. Flitter --- weriloser. dahinschwindender Kram: sogar fluchen im Sinne des Fortiagens). Gemeinsam ist all diesen Ausdrücke» die Beschreibung eines Sichsorrbewegendcn, eines Entrinnenden. Flöten gehen ist bekanntermaßen dasselbe wie pleite (u) gehen (in manchen Mundarten wirk, nie das n am Schluß der Wörter gesprochen). Zum Ucbcrfluß heißt ein kleines bolländischeK Segelboot Pleit. Der „Pleitegeicr" ist ganz bestimmt kein Mauschclwort. Geier ist einfach Geher (Gciher) aud weist aufs Schwäbische hin — „Kittchen" leitet man viel ungekünstelter als aus hebräischer kiffe (— Stuhl. Sitz) auS dem Kettchen her. an das man einst viel sicherer gebunden wurde, als daß es im Gefängnis einen Stuhl gab. (Das c wird im Rheinland oft so dünn gesprochen, daß es wie i klingt.)

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