Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 52 (24.12.1926)
- Date
- 1926-12-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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tot der scharfe Dorwurr gewacht. wissentlich Me Unwahrbeit gesprochen au haben, Lei von ikm unwidersprochen blieb" Darum verschweigt er hier. daß der Präsident. Herr Jnstizrat Sonnenfeld, ausdrücklich erklärte. Last er nur schweige, weil eK seine Pflicht ist. die aus der Geschäftsordnung sich er» gwt. daß er sich nur ans diesem Grunde bet de» Auseinandersetzungen, auch gegenüber unzutreffenden TakbestandSdarlegungen. ichlligeS Stillschweigen anferlege? Oder, ein anderes Beispiel. Herr Prof. Cohn schreibt in dem Bericht: «.Die Frage der südischen Schule wurde erörtert und auch von yervorragender liberaler Seite warm befürwortet." Warum schweigt Herr Prof. Cohn, daß Herr Dir. Dr. Gutmann, um diesen handelt es sich offensichtlich. für jüdisch-religiöse Schulen etntrat. aber in der gleichen Rede der Forderung nach der jüdischen Schule, wie sie von den Zionisten gewünscht wird, mit größter Entschiedenheit widersprach? Mit diesen Beispielen mag es für heute genug sein. Sie lassen nnL glauben. datz Herr Pros Cohn einen anderen Maßstab für die Objektivität besitzt bet Berichten. die .zionistischen Geist atmen, und einen anderen Maßstab bei Berichten, die von liberalen Persönlichkeiten angelertigt worden sind: Aus der Bewegung Berlin. (Liberaler Synagogenverein Narben.) Der liberale Synago^enverein Norden und der Liberale Verein. Ortsgruppe Norden, hielten am 18. d. M. ihre diesjährige Generalversammlung ab. Laut dem von dem Vorsitzenden. Herrn Seminaroberlchrer Falkenberg. dargelegten Geschäftsbericht ist die Mitgliederzahl von 101 i aus 188 gestiegen Beide Vereine haben in gemeinsamer; intensiver Arbeit unter selbstloser Hingabe der beteiligten, Herren und Damen des Vorstandes sich Verdienste um die > religiöse Gemeinschaftsarbeit in ihrem Bezirk erworben, die Anregungen ausgestrent hat. rn anderen Bezirken Ber- \ linS es ihnen glcichzutnn. Eine angeregte Aussprache, die . sich durch hohes geistiges Niveau über die sonst in der- * artigen Versammlungen übliche Art der Behandlung von Bcreinsangelegenheiten herouShob, brachte vielfache Vorschläge zur Ausgestaltung des Gottesdienstes, der GemeinfchaftS- und Werbetätigkeit. ES Hot sich erwiesen, daß die von hier ausgegangenen Bestrebungen auf fruchtbaren Boden gefallen sind, Anklang gesunden haben und sich in erfreulicher Aufwärtsentwicklung befinden. Es wurde betont, daß hier auf religiösem Gebiet etwas ganz Neues geschaffen ist. und der Wunsch ausgesprochen, daß dieser Anfang die Keimzelle für eine in erweitertem Rahmen auSzubauende Bewegung fein möge. Ferner wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß der Verein ein begründetes Anrecht auf «ine von der Gesamtgemeinde zu gebende ausreichende Subvention. ebenso wie die anderen Synagogenvereine Berlins, habe, da die Notwendigkeit für einen Gottesdienst in der Art. uür. er hier besteht, durch den regen Besuch bestätige wird. — Der bisherige Vorstand wurde einstimmig «nedergowählr. Der vorgerückten Zeit wegen wurde der , anaekün-igtL Vortrag des Herrn FalkLnberg über „Das jüdische Prag" ans einen demnächstigen GemeindeabLnd vertagt. Breslau. (Jüdisch-liberaler Jugendverein Abraham Geiger.) Im Rahmen der Grupvc „Süden" sprach am 1). Dezember unser Vorstandsmitglied. Hermann Sachs über das Dbema: Walter Rathenaus Stellung zur j Religion Der Nesercnt zeichnete rn seinen einleitenden Ausführungen Rathenau els die Persönlichkeit, die in einer Zein der Gährung und des Kamps-s aus dem ChaoS des Materialismus sich zu den seinen Höhen des Ideals emporgcstsibtrngen trat. Man muß unwillkürlich an die Vielseitigseit Girerhes deuten, um Rathenan zu verstehen. In seiner cLrr-.'irschrifr vom Glauben hat Ratbenair sein religiöses BekLUnsni'ö abgelegt. Dü Macht des südischen Glaubens besteht in seiner religiösen Freiheit. Daß Judentum kennt kein Dogma. Diese BeweguugSsreiheit lkit das Itrdentum befähigt, sich trotz der andersgläubigen Umwelt durch die IahrtauiEuSc zu erhalten. Beim EhrUe.n ist oer Glaube in Form einer crganisiertLN Kirche bedinar. Die jüdisch« Religion ist eine freie Gemeinde van Gläubigen. Die Kirche mechanisiert den Gleruben. Die Reformation, vor allem Luther, suchten alle nach ihrer Ansicht überlebte Dinge ,inS der Religion zu entfernen. Um das Mäkelten von der Religion zu verhindern. wurde ne an die Staaten gebunde::. Es entstand dir Staatsb'irch?. Der Geistliche mar letzten Endes besoldeter Vertreter des Staates. Um StagtSgefinnungen. die .man als gegnerisch ansah. zu bekämpfen, würben Kirche» gebaut. Religion-kriege wurden geführt. Hier siegen die ersten Ansätze des Kampfes »« die Jugend, um Schule und Erziehung. Vollüürger war nur der. der der Staatsreligion an* gehörte. Dem Volke mutzte die Religion erhalten werden. Der Satz vom christlichen Staat und der religiösen Erziehung waren maßgebend. Der Redner streift nunmehr Wesen, Bedeutuna und Einfluß der Zentrumspartei und vertritt de» Standpunkt, daß die religiöse Mirage nur durch gegenseitige Bersöhnng der Religionen gelöst werden könne, nicht aber durch eine Verschmelzung der Religionen. All« Versöhnung ist Synthese Aus dem kirchenlvsen Glauben erwächst die freie Gemeinde und das persönliche Bekenntnis. Wir brauchen religiöse Erziehung, aber nicht religiöse Schule und ihre kirchliche Kontrolle. DaS Reich des Glaubens mutz tm Sinne Rathenaus ein freies Reich fein. Mit DankeSworten an den Referenten eröffrvrte und leitete Herr Waisenhaus-Direktor Kolodztnskn die sehr anregend verlaufene Aussprache, an der sich die Herren Rabbiner Dr. Halperson. Ernst Goldner, Ludwig Freund. Erich Königsberg« r. Günther Golblum und Alfred Berger beteiligten. Dortmund. Bor kurzem sprach in unserer Bereinigung Rabbiner Dr. Dienewann-Osfenbach über die Londoner Konferenz. Einleitend Gedanken über daS Wesen bewußten religiösen Liberalismus äußernd, gab er einen fesselnden Berrcht über daS Gesamtbild der Londoner Tagung, schilderte den äußeren Rahmen der Veranstaltungen wie ihr geistiges Gepräge, den glanzvollen Gottesdienst in der neuen herrlichen Synagoge, deren Kultus beherrscht wird von dem Worte, das über der heiligen Lade steht: „Iw du es adonaj bsimcho.“ „Dienet dem Ewigen mit Freude". — Dieser Wille zum Dienste des Ewige» kam in allen Referaten zum Ausdruck, ob der gelehrte Vertreter des jüdisch religiös liberalen LebenS Englands Montefiore eS zusammenfaßte im Wort: »DaS Wesen des Liberalismus ist die Anerkennung der ewig sich erneuernden Offenbarung Gottes im Menschengeschlecht" oder ob es sich auswirkte in den tiefschürfenden Ausführungen der Vertreter deS religiös liberalen Judentums in Deutschland. Wiener, Baeck und Seligmann, die man als Haupttrager der liberalen Idee in London ganz besonders feierte und würdigte. — DaS positive Ergebnis sieht der Berichterstatter in der Erkenntnis, daß überall ein und derselbe verbindende Gedanke lebendig wirkt, überall ein Ringen um die Entwicklung und Ausprägung der religiösen Gedanken und Formen des Judentums die freudige Gewißheit schafft, daß die Religion deS Judentums nicht tot und starr ist. sondern sich in lebendiger, glutvoller Entwicklung befindet. Frankfurt a. M, iF r e i f i u u ia e i Verein für jüdisches Gemeinoeleben.) Der „Freisinnige Verein für jüdisches GemeindeleSen". Frankfurt a. M.» veranstaltete am 13. Dezember einen Vortragsabend, zu dem Herr George Goetz, Generalsekretär der Bereinigung für das liberale Judentum e. V., das Referat übernommen hatte. Nachdem der neugewählte Vorsitzende des Vereins, Herr Sanitätsrat Dr. Ettlinger. seiner Freude Über die sieis angenehmen Beziehungen des Freisinnigen Vereins zu der Berliner Zentrale der Bereinigung Ausdruck gegeben hatte, sprach der Vortragende über „Das liberale Judentum und der Zeitgeist". Ueber den Bortrag selbst ist bereits von anderen Ortsgruppen berichtet morden. Es soll daher hier nur nachgetrogen werden, daß besonders bedeutungsvoll die Ausführungen über das Assimilantentum erichienen. Der beklagenswerte IndnserentiSmns unter den Juden ist Assimilation und die allgemeine religiöse (und auch philosophische) Skepsis unserer Zeit. Diese Assimilationserschernnng liegt aber auch bei derjenigen Gruppe vor. die sich mit Vorliebe als Gegner der Assimilanten bezeichnet bei den Zionisten: der Chauvinismus und Nationalismus, der in bett letzt eil zwei Dezennien des vorigen Jahrhunderts einsetzte, griff auch auf die Juden über: der allgemeine Nationalismus in Verbindung mit der allgemeinen Unreligivsität ließ auch die Juden tm Nationaljudentum Ersatz für die Religion suchen, mit der sie nichts anzufangen wußten. Demgegenüber betont ber Liberalismus das Positive und Wesenhaste unseres Judentums «nö sucht dis Glaubensgenossen wieder mit wahrhafter Religiosität zu durchdringen. Die Religion und somit auch das Judentum haben emirreut praktische Bedeutung im Leben des Einzelnen und greifen damit auch auf die kulturellen Zusammenhänge deS öffentlichen Lebens Über. Der Vortrag gipfelte in einer Aufforderung zur innerlich religiösen Umkehr — Teschuwoh. Eitle außerordentlich lebhafte Debatte, an ber sich n. a. der stellvertretende Vorsitzende ber Bereinigung für das liberale Judentum e. V., Herr Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger sowie Herr Henry Rothschild beteiligten, bildete den Abschluß des wohlgelungeneu Äbenbs. Frankfurt a. Main. lJüdtsch-liberale Jugendgemein s ch a f t.) Unsere Arbeit hat, sowohl waS die Zahl der Teilnehmer, als auch die Intensität und Praktik der Tätigkeit anbelangt, einen erfreulichen Aufschwung genommen. Eine Anzahl von Veranstaltungen in den letzten 14 Tagen gab Gelegenheit, jüdische Fragen aufzurollen und nach allen Dc iteu zu beleuchten. Da wäre zunächst der Abend zu nennen, an dem Herr Ban der Ziep über „die Wandlung im Liberalismus referierte. Er führte aus, wie das Bestreben wieder zu jüdischem Wissou zu kommen, zu den Quellen des Judentums znrücksübre. wie ober der Ausdruck der Religiosität ln de» äußeren Formen sich der Zeit und dem Umgebenden sich anpajse, um lebendig zu bleiben. Die Diskussion warf sich im wesentlichen auf diese zwei Punkte Jüdisches Wissen und Gottesdienst. Die Meinungen waren, wie immer, geteilt, ob Gottesdienst etwas Absolutes sei, Dienst an Gott, ober etwas Relatives. Dienst an sich, ein Hineinborchen in sich, ein Bekenntnis zum Glauben. Tie Diskussion wurde schließlich so ausgedehnt, daß ein beson derer Abend im Januar, wie auch in unserem in nächster Woche zur Veröffentlichung gelangenden Januarvrvgramm zu ersehen ist. für dieses Thema angesetzt wurde. Eine Fülle von Anregungen bot der Ausspracheabend, an dem auf Einladuna der Gesellschaft für jüdische Volksbildung drei Redner der verschiedenen Richtungen über das Thema: „Wir denke ich mir meine jüdische Erziehung" sprachen. Während der orthodoxe iKedner Judentum als etwas Geschlossenes. Unmittelbares zu erklären suchte, ließ der Zionist vor allem geschichtliche Werte als Wichtigstes in den Vordergrund treten, um den Zuiamnvenhalt zu wahren. Der liberale Redner betonte die Synthese zwischen Deutschtum und Judentum, die kein Zwiespalt sein dürfe, sondern jedes an der richtigen Stelle zu wirken habe. Die Diskussion ergab eine Reihe von Gesichtspunkten, unter denen das Thema behandelt werden bann, die aber aufzuzähleu. hier unmöglich ist Es sei nur kurz hier der schönen und eindrucksvollen Worte unseres Vorsitzenden. Dr. Hoffmanu gedacht. die zur Betonung des Einenden und zur Versöhnung des Trennenden, gerade unter Wahrung feines Standpunktes mahnten Allen Rednern gemeinsam war der Wille zum Judentum, und das ist das Erfreuliche und Wesentliche. Ein Abend, der in reichstem Maße theoretische Gedanken- Sänge mit praktischer Arbeit vereinte, war die Aussprache über unsere Stellung zum Zionismus. Es zeigte sich hier so recht, wie oft unter Zionismus „positiv Jüdisch" verstanden wird, während er in Wirklichkeit doch national-völkisch ist. Diese Ausnutzung d>cs Gefüblsmätzigen. dieser Liebe zum Judentum haben die Zionisten ihre größten Erfolge zu r>erdanken. Wir aber, die wir als Liberale, als R-eligiös-Libe-- rale. jede Form de§ Jndentums billigen können, solange sie dem Judentum als Ganzes dient, wir können uns Mm Willen zum Judentum bekennen, ohne äußerlich national und rechtlich ihm anzugehören. Unsere Kultur liegt hier, wo unsere Heimat ist. unser Wesen mag vom Jüdischen mitbestimmt werden, es ist so vermischt, so durchsetzt von der umgebenden Kultur, daß mir auch als positive Inden gute Deutsche, gute Westeuropäer sein können, und uns nicht von den anderen abzuschlicßen brancherr. Wie weit das eine, wie weit daS andere überwiegt, das können wir ruhig dem Einzelnen überLrssen- Und besser als alles drücken es die Zeilen aus. welche auch an diesem Abend zitiert wurden: Denn wir haben einen Vater. Eine Mutter haben wir. Gott ut unser Vater droben. Deutschland unj’re Mutter liier. Als Folge und Ergebnis wurde eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, welche unsere Stellung zum Zionismus -um Thema hat. Diese beginnt Anfang Januar. Aut vielfachen Wunsch und getreu dem Grundsatz, daß die Ausbildung des Menschen, und gerade des iüdischen Menschen. dem allzu oft die Folgen eines jahrhundertelangen Ghettos rrachhängen. auch den Körper mindestens soviel wie den Geist?;ii pflegen habe, wird ab 1. Januar eine Sportgruppe aegriirrbet, die sich Pflege des Körpers. Turnen, Gymnastik im Winter. Schwimylen und Rudern im Sommer zur Ansgabe macht. Wir wünscheir dieser Gruppe, iiüer die noch Näheres mitgeteilt wird, einen guten und schönen Erfolg. Ich beschloß, ehe ich nach Schweden reisen wollte, erst nach Schwerin zn ßrhrev, denn in Schiverin wohnte der Hof- Medailleur R. Abraham, einer der größten Künstler in Deutschland in Steinschueitzerei. Ich halte zusammen mit seinem Bruder. 95. Lipmanu. tu dessen Werkstelle gearbeitet. Bei dem vorigen Herzog war dieser R. Lrvmann Hof- Medailleur gewesen und hatte ein Jahresgebalt vor! sivst Reichstalern bezogen. Es wurde viel Geld geprägt. Da aber bei Herzog starb, hörte das Münz, wesen, out. und dieser ift. L.ipman bekam seinen Abschied. R. LipmauS Bruder. 85. Wrahau'., ließ sich nun ohne Gehalt als Hos-Medolleur engagiereu Bloß für den tlletnen Verdienst, der bet der Münze als Scheiöegekü e.üfällt und das ihn: t'auur hundert ReichStaler im Jahr einbringen konnte. Ehe er heiratete, besaß er wohl ei» K-apita.! von 1000 Reichstalern. und mit feiner Frau bekam cr auch 1500 Reichsialcr am. Ich wußte auch, daß er sein Geld bereits anfgeZehrt hatte. Ich ging mit ihm dn wenig ans, und da wir uns so getreu waren wie Brüder, fragte ich iftu nach seinen Verhältnissen und wie es ibm erginge. Er klagte weit mehr als ich. Ich sagte: „Dir geschieht recht, denn du bist nicht bellagenSwert. Ein solcher Künstler ivll in Mecklenburg bleibeir. wo er sein Brot nicht verdient! Äoann', reise mit mir nach Schweden, im ganzen schwedischen Reich wohnt kein Steinschneider. da werden rvrr so viel Arbeit bekommen, daß wir es werden gar nicht bestreiten können. Du sagst, du Han in zehn Wochen nicht für zehn Reich stall er Arbeit gehabt! Run. ich verstehe auch das Galanteriegeschäst und Sin ein wenig Kenner von Juwelen." „Ich bin in meinem ganzeu Leben nicht gereist," antwortete er mir. „Soll ich weine Frau und Kinder frer sitzen lassen? Und wenn es nicht glückt, dort zu wohnen? Denn ich habe ge-hört, daß in Schweden kein Jude wohnen darf. Dom, da du meinst, weil kein Steurschlreider in ganz Schweden ist, würde man die Freiheit bekommen, dort zu wohnen — so reise du hin. Ick will dir die Hälfte deiner Reisekosten vergüten, und sobald du die ErlaiÄmis erhältst, komme ich dir nach." „Bruder." sagte ich. .chalte dieses iu Geheim, sage es kein ent Menschen, auch nicht deiner Frau!" Gr bat mich ebenfalls, es geheim zu halten. uuö auch seinem Bruder nichts davon zn sagen. Er hatte einen Schwager, der war reich, aber mein Bruder Abraham, ber jetzt in Schwerin wohnte, galt hier als einer der reichsten unter den Juden. Dian schätzte ilrn als einen Mann von 100 000 Talern. „Liebster Freund, du sollst morgen von mir Bescheid haben." sagte ich und ging nach Hause zu mrtnem Bruder Abraham, bei dem ich wohnte. Ich halte für et» paar hundert Taler Silber mit mir. eg war mein eigenes Haushalt» silber. Mein Bruder wußte das nicht, er Hütte keine Ahnung von meinen schlechten Verhältnissen. Am andern Akorgen verkaufte ich chm bas Silber. öS tum» alles brauchbare Silbergegenstände. Wir atzen zu Mittag urrd dann gilrg ich wieder hin zu R> Abraham und sagte ihm, daß ich ans seinen Dovschlag eingchen wolle, aber wir wüßten es bei einem Notarins schristl-ich machen. Er war damit zufrieden, Weil wir aber nicht wollten, öatz eS jemand erfahre. so wußten wir nicht, wo wir hingehen sollten, um die Verschreibung zu machen. Endlich sagte R, Abraham: „Ich habe drantzen vor der Stadt einen guten Bekannten. ES ist «rnf der Schleifwühle, keine Viertelmeile, da kommt niemand so leicht hinaus. Auch habe ich einen guten Bekannten, einen RvtarinZ. der soll mit uns hinausgehen." Ich ging wtt ihm wieder nach Hanse, uud wir tranken Kaffee. Wie wir nun eetrum'en hatte», sagte er?,u mir: „Lieber Bruder, ich mutz ein wenig Weggehen, bleibe du hier bei meiner Fvair. Ich werde bald wieüerkmnmen, dann wollen wir ein wenig vor's Tor spazieren gehe»." Er ging nun zum NotariuS. verabredete sich mit ihm und schickte ihn voraus. Vor dem Tore rvar ein WirtShanS. dort sollte er sich eine Flasche Wein geben lassen, und wir rrvllten ihn von dort abhvlen. R. Abraham kan: zurück, mir amg^n beide fort, tarnen beim NotartuS a». bezahlten den Wern und spazierten weiter. Wir betten in der MiMe eine Stube, in der wir ganz allein waren, und machten eine gegenseitige Verschreibung, wie wir verabredet hatten. Zugleich verpflichteten wir uns durch einen Eid. daß wir unfern Vertrag heilig halten wollten und ihn nicht einseitig lösen könnten, auch wenn wir nickt zufriedcrr sein sollten. Unser Verdienst sollte zu gleichen Teilen gehen: keiner solle einen Vorzug vor dem andern haben, der Verdienst möge sein durch Arbeit oder durch Warenverk»ms, beides gelte für gleich. Wir stielten uns noch einige Stunde.» draußen aus. es wurde Abend — R. Abraham aber hatte bei seiner Frau ein gute- Abendbrot bestellt, ich aber wußte nichts davon. Ich wollte in meines Bruders Hans heimgchen. jedoch R. Abracham wollte mich nicht lassen, tch mutzte mit ihm nach Hmrse gehem Er hatte noch einige seiner Freunde mit zu Tische geladen, es gab ein sehr tüchtiges, schönes Abendbrot. wir hatten einige Bonteillen guten Wein, und so rvaren wir ein werckg lustig. Die Glocke schlug elf. und ich mußte mich mit Gewalt loSmachen. um nach Hause gehen zu können. Als ich heimkam, war der Tisch noch gedeckt, und meine Scknvägerin murrte sehr. „Wir haben nrit dem Abendbrot so lange ans Sie gewartet. -iS die Kinder am Tische eingeschlafen sind, denn sie wollten nicht eher essen, bis ihr Onkel Aron auch midtht. Nun sind sie hungrig ins Bett ge^smuren." „Er hat Lei Abraham PachZ, seinem Bruüerherä, sicher nichr von Seit lieben Tarokkarten wegkommen können." Ich war vom Wein ein wenig «rfgeregt. So sagte ich denn, wo daS Mädchen fei. ich wolle zu Bett gehen. Meine Schwägerin bat vrich. ich solle doch zu Tisch kommen, es wäre ja nicht so böse gemeint gewesen. Ich sagte aber, daß ich nicht essen wolle. Da kein Mädchen da war, nachm ich eins von der: drei Lichtern, die auf dem Tische standen, sagte gute Naüit. ging hinaus zur Tür und zu Bett. Meine Schwägerin hinter mir her. „Lieber Schwager." sagte sie. „daS Hätte ich in meinem Leben nickt von Ihnen gedacht, daß Sie auf einmal so aufgebracht sein können." Ich aber wollte ihr noch mehr Leid wachen, weil sie so gemurrt hatte, und sagte: ^Jch will gewiß nicht mehr 4« euch komauen. Gute Nacht, liebe Schwägerin!" „Nun. dann weiß ich nicht, was Ihnen angekonrmen ist." Ich wußte es wohl — ick batte zuviel Wein getrunken. Den andern Tag, als ich aufstanü und mir eine Pfeife Tabak ansteckte und hinuntergirrg. kam meine Schwägerin gleich herbei nrrd fragte mich, vb ich u-och so gesonnen sei wie gestern." „Liebe SÄmssgerrn, waS meinen Sie damit? Sind Sic denn noch so böse auf mich wie gestern?" „Bewahre Gott! Ich fcin Ihnen all mein Lebtag gut gewesen, urld bin auch gestern nicht böse gewesen." Ich küsste ihr die Hand und bat um Verzeihung. Sie küßte mir wiederum die Hand nnb sagte: „Sie sind fa mein lieber Sckivagcr." Nun fragte sic mich, ob ich meinen Kaffee hinauf haben wollte, wie gewöhnlich, da ich irmner früher aufstaud als mein Bruder und meine Schwägerin. „Liebe Schwägerin." sagte ich. „Sie sind ja auch alle auf. ich möchte die Ehre haben, mit Ihnen zu trinken." Endlillr stand der Bruder auch auf. der Kaffee wurde steretnsebraHt, wir setzten uns zu Tisch und mein Bruder fragte: „Warum hast du gestern nicht gegessen? Du bist immernoch so. wie du zu Hause in Treuevbrietzen warst, oder dir muß sonst etwas fehlen. Wir Haben nicht ein einziges böses Wort gesagt. Willst du denn wirklich heute reiten?" Ich bejahte. „So will ich dir dein Geld für das Silber bezahlen." Ich nahm das Geld, schickte nach der Post, daß ich nach Btttzow mttreisen wolle, nahm von allen meine« guten Freunden Abschied und reiste nach Hanfe. sFortsetzurtg folgt.) M Pach ist ebenfalls eine Zusammenziehnng gweieL hebräischer Morte: piinuaeb choscm, Siegelnersertigsr^ Graveur.