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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-12-24 · 52 (24.12.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
52 (24.12.1926)
Date
1926-12-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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TT «WWWWW w :ww w'7 *“w7rr “s-'* rr,,,iv «WWW ein aufchaulrcheS Bild, welchem Anteil di« jüdische» Organisattvnen au der allgemeinen Fürsorgetätigkeit innerhalb Sachsenhaben. Auf einer in Gaalwandgrötze gehaltenen BeraleichsfLatisttk, welche in der CharitaL des Freistaates Sachsen maßgebenden fünf Hauptgruppen darstellt, werden alzur jüdischen Gruppe gehörig u. a. aufaeführt: 7 Kranken, verpslegaustalten. 11 Frauenvereine. 1 Krankenhaus, 2 Ferienheime, 2 Ausbildungsvereine. 3 Kinderhorte und -gärten, 1 Kinderheim, 3 Altenheime, 3 Volksküchen, 8 Beerdigungsbrüderschaften. 11 Unterstütznngsvereine. 8 HilfSvereine» S UOBB.-Logcn, ü Bereinigungen für Wanderfürsorge. Mwangen. (Synagogeneinwethung. Bor kurzem hat die hiesige israelitische Kirchengemeinde — die kleinste deS Landes — das im Hintergebäude des Verso rgungsamts eingebaute Gebetsyans bezogen. Die Einweihung fand in feierlicher Weise mit Ansprachen deS BeztrksrabbrnerS Dr. Kerner (Oberdorf), Dr. Rieger (Stuttgart). sowie eines Vertreters des Oüerrats der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs statt. Auf Einladung waren Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde, des Ober- Eis und des Stadtschultheitzenamts erschienen. Hannover. (Einrichtung von Lehrt ursen.) Der Vorstand der Synagogengemeinde hat sich entschlossen, für seine Mitglieder und deren Familienangehörige in diesem Winter Lehrkurse einzurichten. Herr Ltudtenrat Dr. «schwarz, ein auf jüdisch-liberalem Standpunkt stehender, wegen feiner überragenden Sachkenntnis in jüdischen Dingen besonders geschätzter Redner wird im Rahmen dieser Kurse eine Borlragsreihe über: »Fragen der Erziehung unter besonderer Berücksichtigung jüdischer Verhältnisse^ abhalten. Die einzelnen Vorträge finden in Abständen von 14 Tagen statt. Die Themen lauten: ^Erziehung der Erzieher. — Stufen der seelischen Entwicklung": am 2. Abend: „Säualingszeit und frühe Kindheit": am 9. Abend: »Spätere Kindheit. — Schule und HanS" und am 4. Abend: „KrisiS der Reifezeit". Die Zionloge bat entgegenkommenderweise ihre Ränvre für die Abhaltung der Kurse zur Verfügung gestellt. Die Borträge sind öffentlich und unentgeltlich. Hannover. (70. Geburtstag.) Herr Moritz Salomo», feit vierzehn Jahre» Mitglied des Repräfentantevkollegiums, einer der führenden Männer in der Ortsgruppe des Centralvereins, Mitbegründer und Ehrenvorsitzender des Jugendvereins begeht am 28. Dezember in seltener Geistes- und Köryerfrische feinen 70. Geburtstag. Hannover. (Berufung von D r. Schorf ch.j Für den vor einiger Zeit verstorbenen Lehrer M. Zuckermaun, der mehr als 25 Fähre eine ersprießliche Tätigkeit als Religionslehrer, Prediger und Bibliothekar der jüdischen Gemeinde entfaltete. was zuletzt bei der Generalversammlung des Vereins zur Pflege der Interessen der Spnagogengemeinde Hannover durch ihren ersten Vorsitzenden Julius Wechsler mit ehrenden Worten anerkannt wurde, ist Dr. E. Schorsch aus Eßlingen vom Repräsentantenkolleqiirm als zweiter Ortsrabbiner. Fugendführer. Lehrer und Bibliothekar gewählt worden. Der Amtsantritt des Gewählten soll Mitte Januar erfolgen. Kamms». (Eingehen der S ri n a g o g e.) Ta in der hiesigen Synagoge seit den Kriegsjahren kein Gottesdienst mehr stattgefirnden hat. ist beschlossen worden, dieselbe schnellstens zum Abbruch zu verlausen. Kassel. (Sitzung des K a « t o r e n v e r b a n b c s.) Am 29. und 30. Dezember 1026 hält der Ausschuß des Allgemeinen deutschen Kantorenverbandcs im hiesigen Holel Meier eine Sitzung ab, zu der auch Mitglieder des Verbandes als Zuhörer willkommen sind. Im Anschluß an die Beratungen sollen einige der Fortbildung der Kantoren dienende Referate gehalten werden. Fabisch, Göttingen. spricht über: „Welche musikalische Ausgestaltung tut unserem Gottesdienst not, damit er eine in wahrer Andacht sich betätigende 'Gemeinde erzeugt?" Nutzbaum, Wiesbaden, behandelt dao Kapitel „Liturgie" und Wollbeim. Königsberg, will sich über „Chasonns" verbreiten. F. B. Levy, Frankfurt a. M.. Obermain-Anlage 24, nimmt bis zum 20. Dezember Meldungen von Mitgliedern zu diesen FvrtVildungßstunden entgegen. Auch Reisezuschuß soll den sich beteiligenden ^Mitgliedern gewährt werden. München. iZchü cktd e btie im Tre r s chutz »ereil».) In der dieser Tage abgehaltenen IähreSversammluwz des Münchener Tierschutzoereinö bildete -den Hauptgegenstand der Debatte die Schächtfrage. Rcgierrmgsrat Dr. Scheivenpflua betonte als VovstaMüMitgUeö des Vereins zur Bekämpfung der Vivisektion, daß der Verein mit seiner ablehnenden Haltung gegenüber -dem betäuLungslosen Schachten eine antisemitische Einstellung durchaus wert von sich weise. Es müsse aber betont werden, daß die Anhänger de- SchachteuS Sem Judentum keinen Dienst erweis«, du sich eine grausame Schlachtmethode mit dem heutige« Kulturempftnde» nicht vertrage. RechtSanwalt Dr. Strauß vertrat den Standpunkt des rituellen Judentums. Er erklärte, daß er die Litton. Li« der Verein -in der Schächtsrage unternommen habe, nicht billige. Die jüdische Gemeinschaft lehne eS ob. als eine Gesellschaft von gransEen Tierschiudern hingestellt zu werden. Es gab und gibt keine Religion, die fo stark den Tierschutz al» sitt. licke Pflicht ihren Mitgliedern auferlegt. Die Frage, ob LaS Schächten eine Tierauälerei ist oder nicht, ist heute noch keineswegs entschieden. Eine große Gutachtensammluna mit Hunderten von Gutachten erklärt sich durchweg dafür, datz das Schächten keine Tieraualerei darstellt, sondern eine humane Schlachtung ist. Auch der Direktor des Phystolo« gischen Instituts der Universität Kopenhagen hält das Schächten für eine einwandfreie Schlachtmethode. Der Tierschutzveretn müßte sich hüte», ein Verbot zu verlangen. Die Anti-Schächtbewegung ist doch zweifellos von der antisemitischen Bewegung ausgenommen worden. Es liegt hier mitbestimmend der Wille vor. der jüdischen Gemeinschaft eine sittliche Minderwertigkeit anzuhängen. Wenn man auf jüdischer Seite auf Grund religiöser Ueberzruaung und «einer Jahrtausende alten Hebung am Schächten sesthält, so tut man das nicht in der Meinung, daß es gleichgültig sei. ob «in Tier Qualen erleide oder nicht. Wir sind überzeugt, datz das Schächten als alte religiöse Handlung den Schlachtmethoden bis vor kurzem überlegen war und heute den anderen Schlachtmethode» ebenbürtig ist. SyndtkuS Dr. Einhauser berichtete über die Eingabe des Ttrrfchutzvereins an den Landtag und über den Beschluß deS Landtags vom 6. Juli 1926, wonach die StaatSregierung ersucht worden ist. gesetzliche Anordnungen über den BetLubungSzwang vor der Blutentziehung zu treffen. Der Verein habe seine Eingabe auch den deutschen Tierärzten zur Kenntnis gebracht und eine überwältigende FMe von Zustiurrnungserklärungen aus allen Teilen Deutschlands erhalten. Der Reichsverband vrakttscher Tierärzte habe aus seiner Tagung in Düsseldorf im Juni 1928 in einer Entschließung ausdrücklich Hervorgehoben, daß er an dem Inhalt -er Erklärung vom Jahre 1910 (Eingabe an den Reichstag, in der das rituelle Schächten als tiergvalerische Schlack (methode bezeichnet wirdsauch heute noch festhalte. Ein Mitglied der gemischten Kommission, die vom Stadtrat mit der Aufgabe betraut wurde. Vorschläge zu machen, habe einigen Mitgliedern des Landtags im Sch lach tb esc das Schächten gezeigt. Die israelitische Knltusgemeinde habe daraufhin Beschwerde erücrbeu. -aß dadurch die Vornahme von Kultushandlungen gestört werde und verlangt, datz das Schächten in einem anderen Schlachthofbesucher» unzugänglichen Raume vollzogen werden solle. Dr. Einhauser hob noch hervor, daß-die Negierung bis jetzt den Beschluß des Landtags auf Vorlage der genannten gesetzlichen Anordnungen iroch nicht entsprvchen habe. Der Verein werde für die Betäubung aller Schlachttiere kämpfen, bis der gesetzliche Betäubungszwang tu Bauern erreicht sei. Nötigenfalls werde der Verein noch in -ganz anderem Maße als bisher die Hilfe der weitesten Oefsenttichkeit in Anspruch zu nehmen wissen. Der Tierschutzvereiu und die ihm angeschloffeuen b-mrerischcu Vereine erwarten, daß der Gesetzentwurf baldigst vorgelegt werde. r Die von einem einzelnen Bersammlungöbesucher ausgehenden ungualinzierbaren Beschimpfungen anwesender jüdischer Mitglieder wurde vom Vorsitzenden aufs schärfste und unter Androhung aller versammlungsdisziplinären Maßnahm«t zurückg-ewiesen. Pattensen. (Jubiläum des Ge me tu de Vorstehers.) Tein 40jähriges Dienstjubiläum als Gemeindevorsteher beging am 10. Dezember Herr Adolf Nevfell». Nach Beendigung deL täglichen Gebetes hielt im dichtgefüllten Gotteshaus Herr Lehrer Apt eine Ansprache, in der er die erschienene Gemeinde, die auswärtigen Gäste und den Jubilar begrüßte und den Beschluß der Gemeinde, den Jubilar zum Ehrcumitglied zu ernennen, den Versammelten zur Kenntnis brachte. — Herr Lanürabbiner Dr. Freund legte seiner Fest« vredigt den Text des Wocheuabschnittes: „Der Ort. auf dem Du stehst, ist heiliger Boden" zugrunde und erteilte dem Jubilar den Chomer-Titel. — Herr Alfred Juerst überbrachte die Glückwünsche deS Vorstandes der Svnagogeugemcinbe Hannover und des Prvvmzialoerbandes hannoverscher Gemeinden. Eine schlichte zwanglose Feier vereinte in der Wohnung deS Jubilars die zahlreichen erschienenen Freunde bis in die späten Abendstunden. wobei es nicht au dankbaren Beweisen der Anerkennung und Verehrung fehlte. Aus de« Gemeindeleben Königsbergs. Unter dieser Ueberschrift veröffentlichten wir in uusever Nr. 50 vom 10. d. M. einen Bericht über die gegenwärtigen Streitfragen im jüdische» Gemeindelebeu Königsbergs. ES war au-geführt worden, datz von den Liberalen ein Antrag gestellt worden fei, der mit Rücksicht auf die erfolgten Aenderungen deS Wahlrechts empfohlen hatte. Satz alle Repräsentant«» zum Schlutz der jetzigen Wahlperiode ihr Amt niederlege». Nachdem in Königsberg die Einführung des aktive» und passiven Wahlrechts der Frauen beschlossen worden ist, sollte eine derartige Regelung eigentlich eine Selbstverständlichveit s-eüi. In der Berliner Jüdischen Gemeinde haben sich im Vorjahre bei der gleichen Sachlage alle Parteien auf ein derartiges Vorgehen geeinigt, iftu Königsberg aber glaubt der aus Mittelparteilern, Konservativen und Zionisten gebildete Block, da er die Mehrheit besitzt, diese selstverständliche Forderung^der Demokratie ab lehnen zu können. Offenbar »vor Fraktionszwang der gegen den Libevalismus verbundenen Parteien befchlosien, denn auch nicht ein einziger ihrer Anbäuqer im Revräsenlantenkollegium fchlotz sich dem selbstverständlichen Anträge der Liberalen an. In dem erwähnten Artikel war bereits vermerkt worden, datz mehrfach in der Repräsentanteuversammlung der Fraktionszwang gegen Liberale Anwendung finde. So habe man z. B. Anträge der liberalen Fraktion üuf Verbesserung des Gottesdienstes in der neuen Orgelsynaaoge dadurch niedergestimmt, datz man Borstandsmitglieder und Repräsentanten vo» Orthodoxen der Alten Synagoge mit konservairuem Gottesdienst. die teUweiie grundsätzlich die Orgelsnuagoge nickt besuchen, veranlaßt hat, gegen die Aenderungen im Gottesdienst der Orgelsnuagoge zu stimmen. Es braucht nicht besonderbetont zu werden, daß «in derartiges Verhalten im Jnteresie der Erhaltung der EinhertSgemernben außerordentlich bedauert werden muß. Wo würde es beispielsweise hinführen. wenn in der Berltuer Gemeinde die Nichtkonservative Mehrheit sich in die Gestaltung drs Kultus der Orgelsynagoge einmischen würde- Wir glauben also. datz. wenn man einmal über den Königsberger Horizont hinansblickt, die KönigSSerger Koniervativen ihren Freunden im R>eiche mit derartigen Einmischungen in religiös-liberalen Fragen nickt gerade einen großen Gefallen erweisen. In unserem Artikel war dann noch gerügt worden, datz der Bericht über die Repräsentanienversammluna vom 16. November nicht im letzten Geureiudeblatt veröffentlicht worden ist. Zu der» diesbezüglichen Absatz sendet uns der Vorsteher der Königsberger Repräsentantenoersammlung. Professor Rudolf Cohn, unrer Bezugnahme auf 8 11 deL Pressegesetzes «eine längere Berichtigung. Trotzdem diese den Vorschriften des Pressegesetzes nickt entspricht, geben wir sebbstverstLndlich aus Gründen der Loualität wieder, weshalb die Veröffentlichung des Berichtes von Herrn Professor Cohn versagt wurde. Er schreibt: »Ta der Antrag der liberalen Fraktion «ine Motivierung enthält, habe ick es für erforderlich gehalten, datz die Leser des Gemeindeblattes auch von den Gründen der Gegenseite in Kenntnis gesttzt werden, wobei ick es dem Schriftführer freigestellt habe, die Begründung der liberalen Fraktion so ausführlich, wie es von ihm für zweckmäßig gehalten werde, anznführen." Dreier Aurfassuug von Herrn Prof. s5ohu schließen mir uns grundsätzlich an. Allerdings dürfte hierzu Voraussetzung das Borhandensein eines Protokollführers sein, der nicht der Repräsentantenversammlung angehört. Das ist z. B. in Berlin der Fall. Jemand, der an den Beratungen der Revräsentarrienversammlung als Mitglied teilnimmt. wird uatürlick nur schwer in der Lage fein, diesen Wünschen Rechnung zu tragen. Dennoch scheint uns die Begründung des Herrn Pros. Cohn für die Verzögerung für die Veröffentlichung des Berichtes nicht stichhaLtig zu sein. Einmal mutz darauf hhvge^ wiesen werden, datz bei früheren Repräsentantcusitzunaen ore Bericht« im Königsberger GemLürdeblatt der jetzt gestellten Forderung ebenfalls nicht Rechrmng trugen. Dann oster ist auch nicht «rinzuseheu. weshalb nicht die Begründung ber sichten pro und contra im Gemeinöeülatt eine Nummer später in einem?(rtikel hätte nachgeholt werden können. Doch nun »och ein Wort an Herrn Prof. Cohn selbst. Ä» der fraglicken Nummer des Königsberger Gemeindeblattts veröffentlicht er einen Bericht über die zweite Tagung des preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeindeu. Wo ist hrer in diesem Bericht die Objektivität, um die er nun bei der Verössentlichnnq des Berichts der Revräsentanienversammfmtft so sehr besorgt ist? Gibt er dg ein wahrheitsgetrcneS Bild» gibt ti dort Gründe und <?-egengründe- Dorf schreibt er B: «Iu der sehr erregten Debatte wurde dem Präsiden» Aro« Sfafe. Eine LüL.nrsgeschichte. Bearbeitet von D r. D. S ch i d I o f. <2. Fortsetzuttg.^ Nun gürg es mir nicht zum Besten. «Mfem. ld| war keinem Menschen etwas schuldig und war ein freier Mann. Da kam mir in Gsdankeir, datz ich, als die schwedische Armee da war, bei den schwedischen OsfiziLrcn viel Arbeit bekommen lsatie. Sie batten mir auch z-ugercdet. nach Schweden zu kommen, da es dort keinen Graveur und Stemschneidcr gäbe. Fn ganz Mecklenburg waren die Berh.rltnisse sehr schlecht. Es herrschte Viehseuche, daß alles Vieh zugrunde ging. Milch war keine zu bekommen. Fn Bützow waren 600 Kühe in der Stabt gewesen, die krepierten alle, es kamen keine dreitzig davon. Mein ganzes Haus, meine Frau mit fünf Kindern, mein Knecht, meine Magd, lagen leider drei Monate an de^ roten Ruhr krank. Man kamt sich nun vorstcllen. wenn lein Geschäft gebt und mau außerdem von allen Seiten Verluste hat, datz rum darauf bedacht sein mutz, etwas anderes anzufangen. lsenn man nicht zugrunde gehen will. Nun kam ein guter Freund, R. David, zu mir und klagte mir seine Not. Der Monn war vorher ein wohlhabender Manu, aber er sagte mir, es ginge ihm so ivie mir, cs ginge kein Geschäft mehr. Er fragte mich, ob ich mit ihm zusammen ein Geschäft machen wolle, es sei öabci viel zu verdienen. Fch sagte ^ern zu. „Also höre," sagte er. „Kannst du auch 500 Reichstaler zusammenbringen, lieber Bruder? Mit soviel mußt Lu dich beteiligen, und ick will ebenfalls AD Reichstaler in die Kasse legen, so Latz wir zusammen 10,00 Reichstäler haben." „Nun, Brude'tcherz, latz hören, worum cs sich handelt." „Das will ick dir gern sagen. Aber du mutzt mir heilig versprechen, falls du darauf nicht eins eben willst, es keinem andern zu verraten." Ich gab ihm meine Hand darauf. Er sagte noch: „Ich könnte dafür ja genug andere bekommen, allein, wir haben immer tu brüderlicher Freundschaft zusammengelebt, und ick weiß, datz auch deine Umstände nickt mehr die besten sein können. Du hast durch deine Gucherzigkett auch viel gelitten« Nun will ich dir sagen, worum es sick handelt. Bor einigen Tagen war der Herr von Bülow bei mir. Du weitzt, Latz er ständig alle seine Geschäfte nur durch muh macht. Er fragte mich, ob ich nicht gelegenllich auch nach Terep'j käme. Der Herr von Blücher habe einige Ziege». i Dieser Ortsname mutz vollständig vevschrieLen sein, da es auch keinen ähnlich klingende» Ort i» der Gegend von Polzin gibt. die er verkaufe. Er nähme acht Reichstaler für jede Ziege. Herr von BLow verlangte, ich sollte doch für ihn eine kaickeu. Ich war etwas erstaunt über diesen Auftrag, setzte mich aber gleich aufs Pferd und ritt nach Terep zu Herrn von Blücher. Ich sagte ihm, ich wolle eine Ziege kaufen, aber er erklärte mir. er hätte Leine mehr. Cr habe zehn Ziegen gehabt, davon l)aüe er acht bereits verkauft, -Nvet brauche er für den eigenen Haushalt. Ich fragte. er für Las Stuck bekommen hätre-. ex sagte mir, acht Reichsraler. Nachher habe man ihm fchv:: zehn RelchöLaler geboten. und er hätte hundert Zregeu verkaufen kömrerr. wenn er welche gehabt hätte. Ich bekam also keine Ziege und ritt wieder eine Meile unverrichteter Sache zurück. Nun will ick dir sagen: Du weitzt. Latz ich vor ungefähr drei Jahren mit meinem Schwager nach Pvltzin nach Hause gefahren bin. Wir besuchten unsere Familien und logierten, i da e2 nicht weit ad war. bei meinem Bruder. Bei der Geiegenhcit kaufte er drei Stück Ziegen aus devr DLarkt »nd s gab für daö Stück einen Reichötaler und acht Schilling:! andere Leute kauften sogar welche für einen Reichstaker. Ich fragte, wo alle die Ziegen herkämen. Da sagte mein! Bruder: von der polnischen Grenze. Da sind Bauern, die haben dreißig, auch vierzig Stück, und davon .verkaufen sie viel, da sich die Tiere stark vermehren. Die meisten Ziegen bekämen immer zwei junge. Ätun gedenke ich. hiuznreise» und welche herzrchrcken. Wäre dabei nicht ein guter Verdienst?" Ich überlegte mir, datz eö jetzt im Winter nicht gut wäre, nach Schweden zu fahren. So beschloß ich denn, tos Geschäft zu Unternehmern Ich besaß auch ein Reiwserd. So verabredeten wir, in acht Tagen zu reisen. Wir trafen also beiderseits Arrstalten, um ein jeder die 500 Reickstaler flüssig zu machen. Keiner wußte von der Sache etwas. Wir ritten fort, und in zehn Tagen waren wir an Ort und Stelle. Wir nahmen von da einige Leute mit. die bekannt waren, ich reiste auf der einen Seite mit ein paar Leuten» ssi. David auf der anderen Seite, ebenfalls mit seinen Leuten. Binnen acht Tagen hatten wir siebenhundert Ziegen zusammengekauft. Wir hatten die meisten nicht höher als mit einem RerchStaler bezahlen müssen. Nun nahmen wir acht Treiber auf. die uns die Ziogen treiben sollten, aber nicht alle auf einem Weg. Ich mit meinen Treikeru nahm die eine Hälfte, David mit seinen Treibern die andere Hälfte. Wir konnten nicht mehr als zwei Meilen den Tag reisen, wir mutzten auch dreimal täglich füttern, mit Heu. auch mit Erbsenstroh. Wie wir nun vier Tage getrieben hatte», fiel ein großer Schnee. Vir konnten aber nicht stille liege», den» wenn wir zwei Tage anhielte», wurde das Futter von Heu und Stroh knapp. Da es wieder stilles Wetter wurde, trieben wir weiter, soweit, wie wir kommen; konnte«. Der Schnee lag aber sehr Hoch. Als wir so einige Tage fortgetrieben hatten, versetzten die Ziegen ihre Zungen zu früh, da eS noch nicht an der Zeit war, urvd so fand man alle Morgen im Stalle Iss ÜiL 20 Stück Ziegen tot: auch viele von den Jungen, die sie geworfen hatten. Was sollten wir nun anfangen? Wie mutzten unfern Weg weiter fortsetzeru Unser Reisegeld wurde knapp, wir kamerr nach Friedland und wußten nicht» wie -wir nach Hause kommen sollten. Da verkauften wir denn ungefähr ÖO Stück und bekamen dafür 2V? Reickstaler. für einige anck 3 ReickStaler. Im ganzen hatten wir noch ungefähr 220 Stück über. Wir entließen von den Treiber» sechs und behielten nur noch Zwei. Die Leute in Friedland, die von uns heute Ziegen gekauft hatten, fanden am andern Morgen auch einige tot, so datz wir Krach hatten und rnrs mit den Leuten vergleichen mußten. Wir machten nun. datz mir von Friedland wegkamen, reisten noch einige Tage bis Strelitz und verkauften unterwegs noch einige von den Ziegen: von allen hatten mir bloß noch ungefähr 60 Stück am Leben. Wir kamen zu einem Mütter, der uns >'wci Stück abnahm. Er sagte ccker. die Ziegen seien durch das schlechte Wetter io abgenragert, datz mir sie keine vier Meilen weiter« bringen würden, dann würden alle unterwegs krepiert sein. Ter ZKann hatte geivitz nicht unrecht, er schien ein ehrlicher Mann ^u sein. Er sagte, er habe Futter genug. Heu und Erbsenstroh. „Laßt die Ziegen bei mir vier Wochen stehrn, ich will sie für en:e Bacrarelle gut anfWttern, und ich will Euch schrkstsich fltöm, das; Ihr soundsoviel bei mir stehen habt. Aber was davon stirbt, geht mich nichts au. Für mein Futter sscgohre ich für jede Ziegi: fih vier Wochen acht Scksilling." Wir machten solches schrrstlich und reisten nach Hause. Don unfern tausend Reichstalern hatten wir nvck nicht vierzig übrig behalten. 2!ach vier Wochen schrieben wir an den Mnltcr. gaben chm Vollmacht, die Ziegen für unsere Rechnung zu verkaufen. sein Futterge'ld avzuziehen und uns das übrige Geld zu-uschickeu. Darauchtn bekamen mir die Antwort, wir möchte» Km erst feine Schrift wiedersckickeu. Sv machte er den» seine Berechnung: soundsoviel waren krepiert, zu jeö>U Ziege, die er verkauft hatte, besonders berechnet, wen» er sie verkauft hatte, Namen und Datum dabei. So bekamen wir 26 RerchStaler und einige Schillinge. Also dieses Geld kriegten wir — üaS war doch ein vortreMicheö Geschäft. DaS Unglück verfolgte mich. Nun hatte ich allerdings noch «ein HauK und meinen Garten und war keinem Mensche« etwas schuldig. Auch befaß ich noch etwas Silber, das za meiuein eigener» Gebrauch war. Fch hielt mich demnach fo, -atz niemand von meinen schlechten Umsränben etwas «Atzte.

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