Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 52 (24.12.1926)
- Date
- 1926-12-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWM ^WWWWWMWW VWWWWWßM Am bitter ^ch bat. Wer von Le» Ünierm im Sons und Entwicklungsgänge -er Akademie noch gerufen* werben mag. fiilt unS gleich. UnS genügt baS Bewußtsein, daß den jüdischen Exponenten deutschen A cJj*c,? und deutscher Kultur eine stattliche Anzahl stch mit ittecht ald „auSerwählt" dünken darf und von nab alb a«Serwählt erkannt wird, unbeschadet, ob dem Eine» oder Anderen unter ihnen je Sitz und Stimm« im Rat der von l?*nÄc?? ^aben Unsterblichen (denn Ernennung und Bestätigung muß vom Ministerium erfolgen» zu. teil werben soll, dark und wird. un?SP »««« ein Stefan Zweig, ein Georg Hermann, ein Alfred Polgar merrrals in dem hochmögenden Gremium arrivieren sollte, so können sie sich und wir naS mit ihnen lösten. Auch em Shakespeare. ein Goethe, ein Schiller, ein Byron, etu Milton. ein Dante, sie insgesamt waren zwar Auserwählte der „einen und unteilbaren" Unstervlichkeit, aber st« wurden nie und nimmer in irgend eine mini* straole Organisation. Akademie benamst, „berufen". DaS haben die eilten „Pringen aus Genteland' nämlich nicht nottg. Cbenw wenig wie ste den Borschußlvrbeer oder das nachträgliche Placet einer akademischen Krönung zu he* s-. Helene West. Von Ler deutschen Studentenschaft. In eilte.* Sitzung am 13. DezeniHer faßte die Kammer der Bonner Studentenschaft zwei Beschlüsse, die über den örtllchen Rahmen hinan» von Wichtigkeit sein dürsten. ALS;ne Bonner Studentenschaft vor drei Jahren sich der Deutschen «Studentenschaft anschlotz. tat sie es nur unter dem Borbehalr. daß die Deutsche Studentenschaft die Bcrfaffungstrage im Sinne des Staatsbürgerprttrzips regele und damit das Rastenorinzip beseitige. Der damalige Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft. Fritsch, sicherte der Bonner Studentenschaft m. daß die Deutsche Student«,schast im Sinne der von der Bonner Studentenschaft angeregten und verlangten eindeutigen Klarstellung die BerfassungKfrage regeln werde. Bei dieser Zusicherung blieb cs drei Fahre lang. Die Bonner Studentenschaft wartete «nd wartete aus die Einlösung deö gegebenen Versprechens — drei Fahr« lang. AHer nicht nur dieses Versprechen wurde nicht einqelöst. sondern auf dem Studrntentgg in Bonn wurde die Bonner Studentenschaft in der Behandlung ihres 1. Vorsitzenden c&ikJ. tücol catii, Mager gröblich,! an gegriffen. Nunmehr hat die Bonner StudentenichaftsLammer an den Vorstand der Deutschen Studentenschaft eine ultimative Anfrage gerichtet, nachdem sie vorher den 8 1 der Satzungen der Bonner SrudentenickafL in klarer und eindeutiger Formulierung im Sinn« des Staatsbürgerprinzips revidierte, der nunmehr folgenden Wortlaut bat: 1. Mitglied der Bonner Studentenschaft ist ieder irrnnatrtfulier.te Studierende deuiscker StaatSan-gehörisksit. 2. Die Mitgliedschaft stehr außerdem zu a) de» Sludicrendeu dentsch-ö sterreichrscher Staatsangehörigkeit. d) den auölandsdeutststrn Studierenden, sofern sic vom Rektorat als Ausländsdeutsche anerkannt sind. Mit der Annahme dieses Worilouies ist jeder Auslegung -L- Erfordernisses „deutscher s/bstam-mung" im Sinne des Rasieuvrinzivs ein-, für allemal evit Riegel vorgeschoben. Die Kreise, die nur für die Zulassung von „Ariern" zur Studentenschaft plädieren (Studentenschaften Derrtsch-Oester. retzh^- werden nicht umbin können, den Bonner Beschluß als ein scharfes Vorgehen gegen tsire Einstellung buchen zu müssen. Der Kampf um die Vcrsallungösrage Kt in der Deutschen Studentenschaft nunmehr akut und in cm neues Stadium getreten, zumal die ultimative Anfrage der Bonner Studentenschaft an den Vorstand der Deutschen Smdcntenfchast an Deutlichreit nichts ,m wünschen übrig lässt: ...Die Kammer der Bonner Studentenschaft richtet an den Vorstand der Deutschen Studentenschaft die Airfrage, warum das vom damaligen Vorsitzenden der Deutschen Studentenschaft am 17. Dezember 1922 gegebene Versprechen, die Berfassungsfrage betreffend, noch immer nicht eingelöst ist. Damals erklärte der Vorsitzende Ler Deut, scheu Studenienfchgfl Last er die Forderung der Bonner Studentenschaft in einer ihr genehmen Weise regeln werde. Di« Bonner Studentenschaft ersucht den Vorstand der Deuschen Studentenschaft, bis Samstag. den 13. Dezeurber» mittags 12 Uhr. Antwort zu geben." Versammlungskalender Vrrltu-Rrr»«,. EKWLE'zSLLL lehre* Her«««« Falrenbers; Sonnabend, de« LS. Dezember, vormittags Iß tt)t. B Man darf gespannt sein, wie die endgültige Antwort deö Vorstandes der Deutschen Studentenschaft auLfallen wird. Zunächst hat sie der Bonner Studentenschaft nur telegraphisch mttgcteilt, daß Ke auf ein befristetes Ultimatum der Bonner Kammer nicht antworten und auf eine nochmalige telegraphische Anfrage erwidert, -aß sie zu dem Bonner Beschluß noch nicht Stellung nehmen könne, weil sie nicht die Unterlagen habe. Ans Grund dieser Mitteilung hat die Bonner Kammer die zweite Lesung ihrer Satzungen zunächst vertagt. Der 70. Geburtstag von Louis Marshall. Am Dienstag, den 14. Dezember, wurde der hervorragende amerikanisch-jüdische Führer Louis Marshall, der Präsident de- ^merieaa Jewish Committee, 70 Fahre alt. 3fn der amerikanischen Jndenheit weckte dieses EretarnS großen Widerhall. Eine die jüdischen Organisationen Amerikas vertretende Abordnung, geführt von Dr. Eyrus Adler, erschien Üet Louis Marshall und überreichte ihm eine Adreffe» die von SSlü in der jüdischen Oeffentlichkeit Amerikas tätigen Personen unterzeichnet worden ist. In der Adrelle wird der großen Wirksamkeit Marshalls zugunsten der amerikanischen Juden und der Juden der ganzen Welt dankbar gedacht und die Hoffnung ausgesprochen, daß der Jubilar seinen Kampf für die jüdische Sache sortsetzen wird. DaS ..^evigst Dailv Bulletin,, gibt auö Anlaß deS 70. Geburtstags von LouiS Marshall eine Sonderausgabe heraus, die Begrüßungen führender jüdischer Persönlichkeiten aus allen Ländern enthält Man findet da Ramen wie Professor Albert Einstein. Präsident der Jewish Colonization Association Franz Philippson. Generaldirektor der JCA. LouiS Oungre. Präsident deS HilfSvereins der Deutschen Inden James Simon, Vizepräsident des HilsSvereinö Dr. Paul Nathan. Großpräsrdent des Deutschen Ordens Bnet Ärith und Präsident des Deutschen Rabbinerverbandes Dr. Leo Vaeck. OberrabÜiner Prof. Schor aus Warschau, Präsident deS Jüdischen ParlamentSklubs in Polen Hartglaß. Präsident der Warschauer Jüdischen Gemeinde Farbstein. Obcrrabbiner Eilenftadi-Paris u. a. m. Die Verwaltuttgsarbeit der Beamten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Von Arthur L i ch t e n f e l d. In einem Aufsatz ..Der jüdische Gemrindebeamte" (Nr. 42 * dieser Zeirrrng yom 1>. Oktober 1026) habe ich versucht, die unterschiedlichen Wesenszüge und die Entwicklung von der Kehilla zur Großgemeinde zu zeigen und in diesem Zn^ fammenhang einiges über die jüdischen Beamten gesagt. Die Stellung und Tätigkeit der jüdischen Beamten wird im allgemeinen auch in Berlin arg unterschätzt. Darum ist eS von Nutzen, zur Aufklärung weiterer Kreise einiges anS dem Tätigkeitsgebiet und Arbeitsbereich der Bureaubeamten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, der größten deutschen jüdischen Gemeinde, ausznzeigen. um die Achtung vor dem emsigen Mühen der in dieser Verwaltung tätigen Beamten und sonstigen Angestellten ins rechte Licht zu jetzen. Selbst der mit den Arbeiten dieser großen Gemeinde nicht genau Vertraute mutz sich bei einiger Ueberlegung sagen, daß in einer so weitverzweigten Verwaltung nicht nur die Vorbereitung der Beschlüsse der Gemeindebehörden, sondern mehr noch di« Ausführung dieser und der vielfachen Arbeiten die Tätigkeit von vielen Menschen beansprucht, damit Stockungen tn der Geschäftsführung, mit der so viele Tausende Existenzen i» Verbindung stehen» vermieden werden. ES wird von Wert sein, einen kurzgesatzten Einblick in daS Räderwerk dieses Betriebes zu geben, nur zu zehen, wie für bis jüdische« Interessen der Weltstadt non dieser Stelle ans gesorgt wird. Die amfaugreichste« Geschäftszweige -er Verwaltung -er Jüdischen Gemeinde zu Berlin sind bas Steuerbureau, die FrteohofSkommtsston und -a- Wohlfahrtsamt. DaS Steuerbureau mutz schon deswegen an erster Stelle genannt «erden. «eU es die Hauvteinnahmequelle der Gemeinde darstellt. Die Ausdehnung der im SteuerSureau zu erledigenden Arbeiten ist durch die gesteigerte Geeleuzahl der Großgemeinbe verständlich. Die Zahl der t» der Gemeinde vereinigten Zenstten ist gegen die BorkrieaSre.it um daungefähr fünffache gestiegene der Gemetndebezirk hat sich erweitert. ES fei daran erinnert, daß btS zum Jahre 1010 das Holsystem der Steuern auch vei unserer Gemeinde gebräuchlich war. Die Steuer wurde durch Gemeindeboten auö den Wohnungen der iüdifcheu Steuerpflichtigen abgeholt. In dem genannten Jahre führte die Verwaltung gleich den städtischen Behörden daS Brtngfystem ein, da der sich ständig erweiternde Umfang und die räumliche Ausdehnung die Beibehaltung deS AbholenS der Steuer unmöglich machte. Dieser Modus macht den Zenstten die Einsendung der Steuer durch die Post ober auf sonstigem Wege ins Gemeindehaus zur Pflicht. Zur Erledigung der Steuerveranlagungen, der gezahlten bzw. der nicht gezahlten. Beträge und des sich daraus ergebenden umfangreichen Schriftverkehrs find eine nicht geringe Zahl ausschließlich mit diesen Arbeiten Beschäftigter notwendig. Die FrtedhofSkommisstou hat ein Arbeitsgebiet zu bewältigen, oaS schon räumlich durch den wohl einem jeden bekannten Beth aulom tu Weitzensee so umfcmgreich ist wie bei keiner anderen Kirchengemeinde in Groß-Berlin. Dazu tritt die Erhaltung der nicht oder zum Teil nicht mehr benutzten Friedhöfe in der Gr. Hamburger Stratze und Schönhauser Allee. Zur Ordnung deS Beerdigungswesens und zur Pflege und Instandhaltung der Grabstellen ist eine Anzahl nicht nur von Beamten und Bureauangestellteu. sondern auch von Gärtnern und sonstigen Arbeitern erforderlich, daS Personal für die Zwecke der Abholung und Beerdigung besonders gerechnet. In früheren Jahren war die gärtnerische Versorgung des Friedhofes von der Gemeinde verpachtet. Seit einer Reihe von Jahren hat die Gemeinde diese in eigene Verwaltung übernommen: ste bildet trotz der für diesen Zweck aufzuwendenden Kosten einen Aktivposten im Etat der Verwaltung. DaS Wohlfahrtsamt ist gegenüber den früher gesonderten Kommissionen — vor dem Kriege Armen-, Durchreisenden-, Fürsorge-, Stiftungö-, Waisenkommtsston —• jetzt zentral zusarumengefatzt und betreut unter Zuhilfenahme von über den ganzen Stadtkreis von Groß-Berlin verteilten Bezirtöstellen den gesamten Bezirk der jüdischen Gemeindeverwaltung nach einheitlichen Gesichtspunkten im Einvernehmen mit den charitativen Stellen und Vereinen. Ferner hat das Wohlfahrtsamt aus der Notwendigkeit der Zeit heraus neue Zweige des WohlfahrtSwesenS geschaffen» u. a. Kleiderkammer und Nähstube. Ikeben diese drei großen Geschäftsbereiche der Verwaltung treten die anderen Spezialgebiete. Eines der umfangreichsten ist die Schulverwaltung, die in den letzten Jahren durch den systematischen Ausbau des ReligionsschulwesenS im ganzen Bezirk der Gemeinde unter Einbeziehung der Religionsschulen der subventionierten Religtonsvereine erweitert worden ist. Mit nur wenigen Vureaukräften wird von hier aus unter Leitung des sachlich gebildeten Schuldezernenten, der aus der praktisch tätigen Lehrerschaft hervorgegangen ist, das gesamte b)ebiet des jüdischen Schul- und ReligionsschuswesenS verwaltet (Knaben-, Mädchenschule, zur Zeit 37 Gemeinöe-Religionsschulen, acht Beretns-ReligionSschnlen sowie der jüdische Religionsunterricht an vielen > höheren Lehranstalten und Profanschulen Groß-Berlins), und die Verbindung mit den vielen an diesen Anstalten tätigen Lehrern und Lehrerinnen — ihre Zahl beläuft sich auf annähernd zweihundert — aufrechtcrhalten. Die Vorarbeiten für die Sitzungen des Gemeindevor^ standes und der Repräsentantenversammlnng und die Ausführung der Beschlüsse sowie die Weitergabe an die Kommissionen besorgt das H a u p t b u r e a n. An die Stelle des in früheren Jahren den sdamals noch nicht so umfangreichen) Dureanbctrieb leitenden BnrcaudirektorS ist seit langem nach dem Muster anderer Verwalinngeir ein Generalsekretär getreten. Die Tätigkeit der anderen Bureaus ergibt sich aus der Kennzeichnung. Dem Bureau der Festgottesdtenst- Kommission obliegt die Ueverwachung der Gottesdienste in den Synagogen und der Sondergotteödienste an den „hohen Festtagen", die Einstellung der Funktionäre, die Bearbeitung sämtlicher gottesdienstlichen und musikalischen Angelegenheiten und oer Verkehr mit den Synagogenvorstehern. iflMMMSHa ger. „fünsundzwanzia Bsichös« und Erzbischöfe Oesterreichs dem Throne eine Adresse zu Füßen, womit sie eine feierliche Demonstration gegen die Lonfeisionellen Gesetze (des Bürgerntittifteriums) beabikchrigwn und mit direkter Anspielung auf »rein vorjähriges Weihnachisseuilleton unter andern TeuselSsignaturen des modernen Z-'itaU-crs auch jene strafbar« Predsreiheit zur Sprache brachteu. die sich nicht entblößet habe, am höchsten Feste der Ebristenheii bei Cbrifteumm ein Märchen ivu nennen . . . Fünfunözwanzia Ktrcheurürst-rn verewigen es in einer StaatSschrift von archivarifch-historikchem Ebarakter — daß sie nickst lescu gelernt haben. Sie behelligen das Ohr ihres Kaisers mit der Denunziation eines Feuilletons, das ne ichlacht . . . gelesen, und kommen daraus noch im i7-eh«ren Monat nach dessen Erscheinen zurück . . Noch sehr, sehr viel später sollte Herr Adolf Bartels, der völkische Literaturhistoriker der rrordischen Edtlrossc, daraus rucückt!.'mmeu. E!»stweil.eu jedoch ehe Kürnberger einen Adolf Bnrtelö ahnte, schrieb tr. ein neues WeihnachtS-Ferrilleton. LaS am Dezember 1M7 erschien, wiederum in der „Neuen Freien Presse . Es führr den Titel „Der Knabe aus der Fremde''. ,.Jn der Noacht beb heiligen Ehrist äog ein Kr'.abe durchs Land — ein .Knabe and der Fremde, den ich \o wenig ,-vi nennen weiß, wie ein Größerer vor mir Mädchen ans der Fremde. Goldgelockiwar sein Haar, liebreizend Mund l'.nd Wange, und in seinen Äugen strahlte ein armes, freundliches Feuer voll Geist und Kraft." Und der Knabe blickte zu den erleuchteten Fensterrr auf, und ei« Freudenstrahl fuhr über sein Antlitz. „Da will ich mitfeiern," sagte er rasch. ..Mitfcicrn die Geburt Ehrisri.." Aber da kam er tu ein Palais zu prunkendem Prälaten und in ein Gespräch über .Konkordat und lies; traurig das Köpfchen Hängen: „Mir scheint, ich bin noch immer nicht geboren." ItRö er kam zu einer schönen Frau, einer vornehmer Gräfin, die Almostn sammellre. Für wen. kür die Armen'? Nein» für den Peterspscunig. lind er kam in Gemugniffe. wo m<m den Hungerleidern von ihrem armseligen Verdienst einen großen Teil für kirchliche Zwecke wegnahm. Und er kam nach Norn. der ewigen Stadt, und backte, zumal unter der Kuvvel St. Peters des Bori-.ö: Mein Reich ist nickt von dieser Welt. Und irnwer wieder trat ein« Träne in des Knaben schönes Auge, und mit dem tiefsten Herzen Zion? klagte er: »Ack. ick bin noch immer nicht geboren." —- Dann beißi es weiter: „(it irrte vom Trastevere ans andere User hinüber. Hier war eine andere Welt. Kein fröhliches MenfchenaewShl, fein tagend flammiges WeihnachtSleuchten. De de sind mewlckenleer war die. Gasi'e. still und dunkel. Es Fndem der Knabe ln traurigen Sinnen so hinsMich, drangen ans einem Fenster des Erdgeschosses die Gebetsivorte an sein Ohr. , v f „Hanaures haloilo emu modlicliim al hani&sim . . . . * Ha. mein Muttersprache! rief dcr Knabe. In dieserr Lauten bat mein« allerseligste Mutter mich sprechen gelehrt! Gegrüßt sei die Zunge $<e8 LandmanneS und gesegnet die Lippe deS Beters! Sein Herz wallte hoch auf, ein, Freubenträne durchglänzte sein Auge. Im Nu stand er im Zimmer. In der Mitte schwarzlockiger Knaben ragte die Gestalt deS Patriarchen: Silber umwallte sein Haupt, und sein halbölindeS Auge sah Gottheit und Ewigkeit. Noch hielt er den SchavreS in der Hand, womit er zum Chanukah-Fesie das erste Licht der achtzüngigen Lampe angezünbet. Und soeben kam die Mutter nach Hause, einer: schweren Pack von Wochcnkram auf den Mcken. wovon sic den alten Vater uwd die jungen Kinder im Schweiße ihres Angesichts ernährte. Sie hatte den Kirrdern Spielzeua und Süßigkeiten uridgebracht, worüber etu Sturvl von Jubel auSbrach. Aber der fremde Knabe bekam von allem sein Teil, und die Kinder lrrden ihn ein, Trendel mit ihnen zu spielen, und so oft er gewann, freuten sie sich, alle herzten und hätschelte« iJn:. und der Freude rouröe kein Ende. In der Mitte der Juhenkinder feierte sein Weihnachtsfest — der Knabe aus der Fremde! So verging die Nacht. Die Kinder schliefen in ihren Betttben. Aber dcr Knabe ans der Fremde schlief nicht. Er trat an die Bettchen seiner (stespiclen heran, streckte segnend seine Hände über sie ans und sagte: Wachset und werdet groß, und alle Schätze dcr Erde sollen emh verliehen sein. Ihr sagt ivenigstens uich-t. daß ihr sie sannnelt in meinem Namen und zu meiner Ehre. Ihr beleidigt mich wrutgstens nicht!- Dieses Blättchen widme ich allen guten und ehrbaren Mensche': ganz besonders aber meinen geistlichen Freunden, welche Mein vorjähriges Wrihnachts-Fenilletou in einer Ttaatsschrist verewigt inid so in die Geschichte Oesterreichs eingefilhrr haben " So Ferdinand Kürnbcracr vor' sechzig und nennundflinszig Jahren. Er ist der edle Meirsch. der beherzte Streiter, der rvarmblüttge Dichter und der Ehrt st, der redet. Der Christ? Gewiß, wer könnte daran zweifeln- Wer anders als der Christ hätte so herbe Töne gegen Kirchengevränche und Kirchenfürsten anschlagen können, wie Kürnberger vielfach tut? Jude» haben ihnen gegenüber die schickliche ZurücLjültnng geübt, wie drüben in der KonkordatSzeit. ist hübe» ein ^Knltsrrampf". Aber wen nimmt «S Spunder, datz mchLr^desioweniLer Ferdinand Kürnbei^er feiner WeihnachtLplaudereien wegen zum Juden befördert wurde?^ In den Anmerkungen zur zweiten Auflage der ^.Siegelringe" ist zu lesen, das Feuitteron „Kinder und Kindermärchcn"- vor allem sei es, daö Kürnberger den Vorwurf Adolf BurtelA eintrug, ein Jude gewesen zu sein: „zuerst zählte ihn dieser Forscher in seiner „Geschichte der deutschen Literatur" wegwerfend unter den jüdischen Schrift st ellern auf, und als das von August S<:uer und andern richtiggestellt wnrde. bezeichnete Bartels in seinem Buch „Heine-Genossen" (19681 Kürnberger wenigstens als einen Juden st ämmling. Er irrt darin ebenso wie in der Annahme, daß die (in der Plauderei) genannten Männer alle Inden waren." Doch Herr Adolf BartelS hatte einen Vorläufer, wenn auch nicht völkisch-teniontscher Observanz. Am 16. Januar 1868 veröffentlichte das Pariser Blatt „I^'Univers" einen wüsten Ausfall gegen den Bersasser des Feuilletons „Der Knabe aus der Fremde", als eine schmähliche Blasphemie und einen Hohn ans das schönste Fest der Christenheit enthalte und das beweise, bis zu welchem Grad von Frechheit sich jüdische Journalisten im österreichischen Katserstaat verstetgen. Kürnberger hat non dieser Kritik heiter Vermerk qenommen und hinzirgesügt: „Ein katholisch Getaufter wie ich hat zum Juden zuwenig und zuviel: zu wenig Ahnen und zu viel — unskal-- piertes Material" . . . Er war ein Christ, und wäre er gleich Jude gewesen, nichts hätte ihm ferner und fremder sein Können, als das Weihnachtssest zu verspotten, zu verhöhnen, ein Fest, bas den Hunderten Millionen Christen so heilig ist, wie daS Chanukahfest den Juden in aller Welt das Gemüt bewegt und wie das Julfest vor Jahrtausenden die alten Germanen erhob und üiit frohem Glauben erfüllte, daß es nun bergauf geht. Das Licht am Baum wie am Leuchter leuchtet in der Finsterniö, aber kündet Licht in der Natur und im Herzen: „Es muß dock. Frühling werden!".... Ehre dem Andenken Ferdinand KürnbergerS! „Gegenüber den zahlreichen Beweisen seiner richtigen Erkenntnis und feiner seherischen Prophetcngabe sind der Fälle, in denen! sein Urteil irrte, nur wenige. Ueber seine vielen Berueinungeu aber ragt als ein mächtiges Wahrzeichen das politische Seit« mottv dieses BucheS hervor: Bejaht wird daS PatsioS des deutschen Nationalgefühls." Go sagt der Herausgeber der „Giegelringr". dreißig Jahre nach des Verfassers Heimgang. Und am Ende spürt, wer wie ich wieder in ihnen blättert und Nest, jenes „elektrische Knistern^; ein Lebendige« redet auf jeder Seite zu uns. und man ftunnt, „wieviel e t uns noch zu sagen hat?