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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-12-17 · 51 (17.12.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
51 (17.12.1926)
Date
1926-12-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ü r! 5, V' S' f! i f- «ül-1 «üvU’* WWHWiy^.l>il'P"l»l<WII)g»P.!pill!!lW» w-l-pm »II Lipwippi ffgfWJQß}'> «W WMI»WWW, L>«WU»WWWWWWWM>WWWWWWW«^M»MW>^WWWP WWWWWWW scheu Bevollcrung Deutschlands sich reger Smpathic erfreue. BiSher feien von dem deutschen „Ork"->Bcrba::d vor allem aufklärende, vorbereitende Schritte unternommen ivorden. Man hat die deutsche Hilfsorganisation ansgebaut und finanziell sichergestellt und.nunmehr Herrn Dr. Traub zuan Gerieralsrkrclär der deutschen Abteilung berufen. Hieraus erstattete Prof. Frankfurt Bericht Aber die bisherige segensreiche Tätigkeit deS „Ort„-VerbandeS. Er betonte, daß die „Ort"-Gciellschast nickt Almosen an Menschen geivÄne, sondern sic zu produktiven Mitgliedern der Gesellschaft zu machen bemüht sei. DeSimlb gebe man nur in den seltensten Fällen Unterstützungen, sondern sah stets Darlehen. Hier» mit habe man auch in der Praxi» die besten Erfahrungen gemacht. Ein grober Teil der gewährten Kredite ist bereits ftufüdflcivaftit worden, io daß mit dem gleichen Gelbe wieder neuen Menschen geholfen werden tonnte. Nun sprach Dir. Graev. der im besonderen die Ausgaben des „Ort"-VerbandeS in Deuncklanü schilderte. Er wies daraus hin. daß bereits eine rege Propagandatätigkeit in den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung Deutschlands entfaltet morde» ist. äofc es gelang. „Ort"ö>ruppen auch außerhalb Berlins zu gründen. Frennde. und Mitglieder zur tätigen Mitarbeit hcranznzieben. Besondere Aufmerksamkeit ist gegenwärtig dem Bcrussnmschichumgsprobtem jirdischer Massen rn Deutschland selbst zu widmen. Dr. Traub appellierte an öre Anwesenden, sich zur Mitarbeit bercitiznhalten. )ticht nur auf die Stärkung der Finanzmittel des Verbandes komme es an. wenngleich auch dieser Teil der Arbeit nicht unterschätzt werden dürfe. Das Wesentlichste sei. daß jeder in seinem Kreise auf die Notwendigkeit der „Qrt"-Jdce Hinweise. In einer anschließenden Aussprache erklärten sich die t Anwesenden gern au der von ilmen geforderten Mitarbeit im Interesse der notleidenden jüdischen BevölkernngSkreife bereit. Für die Vereinigung für das liberale Judentum sagte deren Br'rsitzenüer. R.-A. Stern, Mithilfe durch ihre Prelle und Organisation zu. Bon der Mehrzahl der Anwesenden wurde zum Ausdruck gebracht, daß. wenn man auch die Bedeutung der „Ort"--Arbeit in Osteuropa voll unv ganz anerkenne, doch mit Rücksicht ans die wirtschaftliche Notlage in Deutschland die Tätigkeit der Abteiluna Deutschland im Augenblick in erster Linie der Arbeit in Deutschland zugute kommen müßte. Mit dieser Anssallung erklärten sich die Führer der „Ort"-Bewegnng voll und ganz ein verstanden. Berlin. (Bereicherung der Universitätsbibliothek.) Die Berliner Universitätsbibliothek erhielt durch Schenkung den brieflichen Nachlaß des 1603 in Berlin verstorbenen Professors Moritz LazaruS, des Begründers der Völkerpsychologie. und eine Anzahl von Manuskripten und Drucken des Alttestamentlers der Berliner Universität Wolf Wilhelm Graf von Bandillin. der in diesem Fahr? gestorben ist. Berlin. (Die Lage der F u d e n in R n ß l a n d.) Im Hotel Kaiserhof zu Berlin berichletcu am H. Dezember vor den Hauptvorstandsmitgliedern des Contra lvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und den Delegierten des Landesverbandes Groß-Berlin des EB. Landgerichtsrat I. Stern-Berlin und Dr. Paul Natlmn über ihre Reise eindrücke in Rußland. Laudgerickrsrat Stern bat ganz Rußland von Leningrad bis zur Krim durchquert und Konnte von den Unterredungen mir russischen Juden aller Schichten erzählen. Starken Eindruck haben ans ihn die Siedlungen des Agro-Joint in der Krim und in Südrnßland gemacht. Dr. Paul Nathan hat als Vertreter des Hilfsvereins der deutschen Juden an der Tagung der Ozet in Moskau teilgenommen und hatte dabei Gelegenheit, mit den Vertretern der Behörden und der Regierung über die ihn interessierenden Fragen der russischen Siedlungen zn sprechen. Als Kenner des zaristischen Rußlands zog er interellantc Vergleiche zwischen der Lage der Juden einst und jetzt. Er konnte, wie er sagte, feststellen. daß sich der ichvu früher von ihm erkannte und befolgte Grundsatz .chie Ostjudensrage kann «WM im Osten gelöst werden" durch die Entwicklung in Rußland bestätigt worden ist. Cr schilderte die erfolgreichen land "'chtrtschaftltchen Siedlungen der Juden in Rußland, die neben dem materiellen Erfolge auch den ideellen gezeitigt haben, daß der russische Bauer Achtung vor der Tatkraft und den landwirtschaftlichen Erfolgen der?vwteu gelernt bat. Diese Erfolge beruhen nicht zuletzt darauf, daß der Jude bei seiner Arbeit auf russischem Bvden von'hettzer Liebe zur rnfsifcheu Heimat beseelt ist. Dr. Nathan gab dann noch ein ausführliches Bild von der Erziehung der rufstschen Fuden zum Handwerk, bei der die Gesellschaft Ort mit Hilfe amerikanischer Gelder segensreiche Arbeit geleistet bat. Dr. Nathan und der Vorsitzende. Dr. Brodnitz, gaben zum Schluß dem Gedanken Ausdruck, daß es Pflicht auch der deutschen Juden sei, die Organisationen zu unterstützen, die die berufliche Umschichtung der russischen Inden auf russischem Boden anstreben. Berlin. (Vom Hilfßverein der Deutschen Juden.) Die Fürsorge des Hilfsvereins der Deutschen Juden galt im Jahre 1926 im besonderen Maße den Emigranten aus dem Osten, die Deutschland durchzogen, um von deutschen Häfen oder Häfen der benachbarten Länder aus die Reise über See anzutreten, oder um kontinentale Länder airfzusiuhen, oder nach ihrer Heimat zurirck-utehren. Es Handelte sich um AuSivauderer. die in Transporten von Schiffsgescllschasten reisten, wie um Einzelwmrdercr. Von Anfang des Jahres bis Ende November 1626 wurden 31143 Personen, die Berlin passierten, bei ihrer Durchreise van dem Bahnhofsdienst des Hilss- Vereins auf dem Schlesischen Bahnhof betreut, wo dem Hilssverein ein besonderer Saal für diese Zwecke eingeräumt ist. An der deutschpolnischen Grenze in Dtentsch^ »me in Osnabrück wurde durch Vertrauensmänner des Hilfsveretns Fürsorge für die Durchwauderer auöaeübt. Die Schutzkomitees des Hilfsvereins iu .Hamburg, und Bremen nahmen sich der Durchwandernden, sowie der auf I das amerikanische Visum seit Ende 1923 in diesen Hafen-! städten horrenden Emigranten: soweit erforderlich und möglich an. Die Zahl der jüdischen Durchwawderer über Hamburg betrug etwa 2 800. über, Bremen etwa 1000 Personen. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat es sich angelegcrr sein lassen, den gewissenlosen Ausbeutern von Emigranten. die in Zeiten der Einwandernngseinfchränkung ihr unheilvolles Wesen besonders intensiv treiben, ihr Hand- \ werk zu legen. j Für das Hilsswerk sür die Ukraine-Waisenkinder, die j der Hilssverein iu Deutschland erziehen und auobilöen läßt, bis sic einen Beruf ergreifen können, wie für die Unterstützung notleidender ostenropäiscker Studenten, die von den: Abschluß ihres Studiums stehen, sind in der Berichtszeii beträchtliche Mittel — rund 70 000 Mark — zur Verfügung gestellt worden. Die Weiterleitung von Geldern,, die Personen aus Kanada uud Südamerika ihre» Verwandten nach Rußland schickten, hat in der Berichtszeit ihren Fortgang genommen. Für die Vermittlung des Bricfverkehrö zwischen Polen und Litauen — der Postverkehr ist noch gesperrt — wird der Hilssverein immer mehr in Anspruch genommen. Monatlich werden setzt rund 1000 Briese weitergesandt. Tarmftadt. . (Ehr c n 1 a f« l in B e n she i m.) Tic jüdische Gemeinde in Bensheim a. d. Bergstraße, hat ihren gefallenen Heldensöhnen eine Ehrentafel errichten lassen, die in feierlichem Gottesdienst ihrer, Bestimmung übergeben wurde. Vertreter der Behörden, Kriegervercine und anderer Oganisationen nahmen an der Feier teil., die durch Begrüßmrgsworte des zweiten Vorsitzenden. Salomon Marr. cingeleitej wurde. Rabbiner Dr. Merzhach wies in seiner eintzrncksvollen Ansprache auf die Znsamtnenchänge zwischen jüdischem Pslicktbermrßtsein und jüdischer Tat hi» und gab der Erwartung Ausdruck, daß man den jüdischen Kriegsopfern die Ehre zuteil rverdett laste, die sie als Streiter für den beimallichen Roden verdienten. Daß diese Worte bet den Anwesenden starken sWiderh:ll gesunden hatten, ging aus den Erwiderungen der staatlichen, städtischen und kirchlichen Vertreter hervor. Auch die Ansprache des Lehrers Müller, der ns», der Nytzveytzitzkeit ewiger Treue zu den Gefallenen sprach, milchte auf alle Teilnehmer tiefen Eindruck. Der Mannheimer Feiertagschor hatte sich unter -er Leitung -es Kantors Adler in den Dienst der Einlveihrmgsseier gestellt, und zu ihrer mnsikalischen Ansgestalttrng beigeiragen. DreStze«. (Aus de« Gemeiu de ko mmi! fi o nttt.T Die großen Anforderungen, die uw!» w'.v ck» die vom Vorsteher. Rechtsanwalt Salinger. geleitete Bohkfahrtsstell« herantreten, macken es. wie der Bericht des F ürs arg eaaSfchu ff es ergibt, notwendig, daß der Kredit für WoHlfahrts»wecke 1927 erhöht wird. Im laufenden Jahr ist eine Ueberschreitnng der vom Fttrsorgeausschuß lmushaltplanmäßig bewilligten Mittel vernnedcn worden. — Aus dem Bericht des Schnlansfchusses geht hervor, daß die Diederanstellung des Lehrers Anschel die Erweiterung des an höheren Schulen vom Rabbiner Dr. Wolf erteilten Religionsunterrichtes möglich macht. — Die dem Vorsteher Pionkowski unterstehende Arbeit des FinanzanSschusseS hat das Ergebnis gezeitigt, daß sich die finanzielle^ Lage der Gemeinde zu bessern beginnt. So konnten die b cd eilte »den Restbeträge, sie für Erneuerung der Gemeindegehäude und deren Anschluß an die Schwemmkanalisation zu zahlen waren, abgestoßen werden. Ebenso wurden die ersten Amortisationsquoten des Anleihekontos getilgt. Erfurt. (Begnadigung eines Friedhosschänders.s Wie man setzt erfährt, wurde Kurt Seidenstttcker, der an der Zerstörung des Israelitischen Friedhofs in Erfurt mitbeteiligt mar und eine Gefängnisstrafe non eineinhalb Jahren erhalten hatte, vor kurzem begnadigt und nach Verbüßung von einem halben Fahre ans freien «Fütz gesetzt. Anfang diesem Jahres verwüsteten drei Mitglieder des Wicktngbundes. unter ihnen Seiöcnstitcker. den alten israelitischen Friedhof in Erfurt, warfen >80 Grabmäler um und zerstörten sie. Die Tat erregte damals überall großes Aussehen und veranlaßte auch die lhüringiicke Rechtspresse, ihren Abscheu über das Verbrechen auszudrücken. Bei der Hauptverhandlung vor dem Erfurter Großen Scköfsengcriäit geißelte der inzwischen verstorbene Oberstaatsanwalt Dr. Eiteldinge: in schärfster Weite die Frevelta-ten und wies bt-sonders darauf hin. wie sehr jenes Verbrechen an einer Ruhestätte der Toten dis Ansehen Dentichlands vor dem Ar-slaudc heraiuvürdigc. Gl ei miß. (E: n w e ich uvi g des jüdischen Alte r s - heims.j Die hiesige jiidischc Gemeinde tonnte am Dezember die Einwetlunrq ihres neuen Altersheims begehen. An der Einwcchungtzseicr nahmen Vertreter aller Bernte und Religionsgemeinschaften teil. Nn: 11 Uchr vormittags vcrsammelicn sich die Teilnehmer in der Svng'wge zur kirchlichen .Feier. Rabbiner Dr. Ochs brachte in seine formvollendete Ansprache die Gefühle des Dankes gegen Fiott zun: Ausdruck, der d:c Gnade zum Gelingen des Werkes gegeben. Er dankte allen Wohltätern, die daran mitgeholfen, dem Magistrat und den Stadtverordneten, den anderen Ssehörden und ermähnte als besonders hochherzige Stifter. Kaufmann Ehr.zan-owskr, Generaldirektor! Racher und Kaufmann Fultus'bnrger. Er flehte den Segen! Gottes auf das neue Werk herab, auf daß cs voll und ganz seinen edlen Zweck erfüllen möge. Mach einem kirchlichen I Gesang von Kantor Evlu: fand die Feier mit dem Choral „Die Hnumel rühmen des Einigen Ehre" ihren Mschluß. -Lachher begaben sich die Teilnehmer nach dem uni Grün und Blumen reich geschmückten Altersheim. Auf der Teraste überga-b Zkabbiner Dr. Ochs mit einer herzlichen Ansprache dem Vorsitzenden der Synagogengemeinde, Jnstizrac Dr. Kochnrann, die Schlüssel des Hauses. Nach üblichem Haurmerschlag wurde die Tür geöffner und man begab sich in die große Halle im Parterregeschoß, wo zunächst Fustizvat Lochmann das Wort ergriff. Einleitend wies er darauf hin. daß der Wunsch, ein solches Heim zu schassen, schon seit einen: Jahrzehnt bestand. Redner hankte dem Magistrat und der Stadtverordneten, versarnmlmra für die Stistuna von 30 000 Mark, nahm Bezug ans bas ungestörte Einvernehmen unter den Konfessionen und . gehackte der Mitarbeit der Mitglieder der iüdsickfin Gemeinde im Stadtparlament. Opferwille und EdelnÄrr der Mitglieder haben dieses Werk vollbracht und er dastrie jedem der Helfer. Schließlich richtete er an den himmlischen Vater die Bitte, seinen Segen diesem Werke an gedeihen zu lasten. m Aran Hak. Eine Lebeusgeschichte. Bearbeitet von D r B. S ch i d l o s. (1. Fortsetzimchj Ich vergaß also England, ich kam nach Bützow und hielt mich da einige Wochen auf. Nun bekam ich da ein schönes Mädchen, R«bkbi Leibs Tochter, zu Gesicht. Dieser Mann war kein Nanu von Vermögen. Ich aber dachte, wenn ick dieses Mädchen bekommen könnte, dani: milrc zu ihr ciue beffere Reise als nach England. Ick nrachtc mich mit diesem Manne bekannt und fragte, ob ich nick: bei ilnn speisen könne. Er war sehr bescheide»: und lsatte eine große Familie. R.Z Feiwel Strelitzer war sein leiblicher Brrrder: der-aber war ein Mann von hunderttansend Talern. Auch hatte er noch einen Bruder. R. Joel Fricdberg, der war auch ein reicher Mann. Rabbi Leib aber war ein Lamden-f nud er war in Bütow der Schatz Ci-atz-Z. Ich wurde nun mit Ratbi Leibs Sohn ctn'as bekannter «:nd auch rnit seiuer Frau. Ich war aber '»u blöde, nur eine Werbung vorzubringeu. Ich war tairu: zwanzig Jahre alt und ich Mte mich noch niemals nut einem weiblichen Wesen näher abgegeben. DaS Mädchen war auch erst siebzehn Jahre alt. Endlich sasue ich Mut und sprach mit dem Bruder, der ungefähr in meinem Alter :r,:r. und fragte ihn. ob er rneiu Schwager werden wolle. Er sagte, er könne noch nicht freien, er sei noch au jung. „Sic verstehen mich nicht." sagte ich. „Ich muß es Ihnen nun offen heransfagen. Sie sollen mir Ihre Schivester zur Braut geben." — „Lieber Freund," sagte er, „das kann ich nicht, da müssen Sie schon bei meinen Eltern anhalten." Ich schämte mich, aber er machte mir Mut und sagte: „Sprechen Sie nur mit meinem Vater." Ich bat ihn nun, er solle mit ihn: davon sprechen, er aber sagte: „Sie wollen eine Frau nehmen und haben keine Kurasche, um sie anzuhalten? Das kommt nur sehr verwunderlich vor." Ich faßte mir also ein Herz und sprach mit Rabbi Leib. Ich bat tausendmal um Verzeihung, er möge es nrir nicht übel nehmen, daß ick so dreist und grob sei. „Also :r»as wollt Ihr denn?" ermunterte er mich, denn ich konnte mit der Sprache nicht weiter. Endlich brachte ich heraus, ich wollte gern sein Sänviegersvhn werden. Er sah mich an, daß ich vor Verlegenheit nicht ein noch aus wußte. Endlich sagte er: „Habt Ihr den:: schon mit meiner Tochter gesprochen'?" „O ja," antwortete ich. „aber nicht von dieser Sache." Ich konnte wolil merken, daß mir das Mädchen nickt böse gesinnt war. denn es \w\x imer höflich und freundlich *) R. ~ Rabbi, meist Röb gesprochen, ist ein Ehrentitel. den man dem Namen vorsetzt und der ungefähr „gelehrter Herr" bodenteh Das R. vor allen vorkommenden Namen ist daher so verstehen. s) Gelehrter. 3) Richtig Schatz-Matz, abgekürzt aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Worte »ebesisek ribur und ruore z«dek, Kantor und Rabbiner. zu mir. Mein guter Rnicki Leib sa»Ue, er müsse erst mit seiner Frau und seiner Tochter sprechen. EnÄich ging die Sache vor sich. Meine Rra-nt lmtte ihr Erbgut, dreihundert Reichstaler von ihrer Großmutter, als Brautschatz. Das roar alles, denn meine Schwiegereltern hatten kein Kapital, bloß etwas Aussteuer für die Wirtschast. Mein Vermögen gimr drauf, meine Braut zu beschenken, mich ordentlich einzukleiden, denn damit ivar es bei mir nicht an: besten bestellt. Run schrieb ich auch den ersten Brief nach Hause an meine Mutter und an meine Geschwister. Ich war nun schon beinahe drei Jahre ans Trenenbrietzen weg, und nun lud ich zu meiner Hochzeit ei». Es siel mir aber nicht ein, daß jemand kommen werde. Aber bereits einige Tage vor der Hochzeit kam mein Bruder Adraha-m als großer Mann aUgefa-hren. Er besaß bereits ein ansehnliches Vermöge:'-. Er brackite auch einen Brrrder mit. der acht Jahre jünger als ich umr. Der sollte bei mir mein Handwerk lernen, aber mein'Bruder Moses hatte kerne Lust zum Graveur. Ick aab mir alle Mühe, aber es war nicht möglich. Mit meiner Frau lobte ich sehr froh nud schätzte rnick sehr glücklich. Obsckon ich :nir mein Brot knapp und sauer verdiente, so rvaren wir doch jo vergnügt, als ob mir millionenreich wären. Run kam es zum siebeuiährigeu Krieg. Ich hatte schon vier Kinder, und mein Haushalt wurde immer größer. Ich hatte schrvcre Sorgen, wie ich als ehrlicher Mann in der Welt rveitcr mein Fortkommen finden sollte. Da um: die Preußen ins Rtcckleuburgische kamen, wurde ich Lei einigen Offizieren bekannt und bekam Arbeit. Einige bestellten auch allerlei Schnmcksachen bei mir, die ich besorgte und dgran verdiente. Das Jahr darauf kamen Schweden nach Metklen-- bürg, aber nicht als Feinde. Da kriegte ick viel Arbeit und verkaufte viel Schmucksachen.?<ch verdiente in kurzer Zeit 500 ReiÄstaler. Ich packte das Geld ein und schickte es nach Frankfurt an der Oder zur Messe und ließ mir Schmucksachen kommen. In kurzer Zeit war ich Schmucksachevbändler. das br,rchte nrir oft mehr ein als iwö Gravieren. Ich batte ein schönes Geschäft, kaufte mir dann ein Häuschen rnit einem Garten, und im Verlauf von fünf Jahren befaß ich bereits einige tausend Taler und eine i schöne Wirtschaft, Möbel und Silber. Der Krieg war vorbei, die Schmncksachen hatten nun Leinen solchen Absatz mehr wie bei den Offizieren. Ich war nun bedacht, ekwas anderes anzusangen. nahm einige tausend Reichstaler und kaufte Schnittwaren, wie sie von den Bürgersleuten auf dem Lande gebraucht werden. Ich hätte vier junge Leute, die bisher mit meine» Na»e>n bei der Armee gereist w»rren. Sie schickte ich stün mit meinen Schnittwaren auf die Tour, je zwei z:Eommen. Lamit sie aufs Land und auf die adeligen Güter reisen sollten. Alle drei bis vier Wochen kamen sie zurück, aber weder -für meine Leute noch für mich kam ein besonderer Verdienst heraus. Das Geschäft betrirv sch etwa zwei Jahre. Zwei von meinen Reisenden giugen mir aber durch, wobei sie mich an Waren und Barge», etwa mit tausend Reichstaleru schädigten. Auch ein Man« in Bü^om der bei mir einen ständigen Kredit von fünfhundert ReichStalern hatte. stellte seine Zahtnnge» ein und geriet in Konkurs, wobei ich nicht einen Schilling heransbokam — so wurde ich an vielen Stellen betrogen. Meine Schwester hatte sich nach Malchin verheiratet. Mein Bruder hatte dem Bräutigam eine Mitgift von tausend ReichStalern zugesa^t, die er nur a:td) zuschickte. Allen:, er gab nicht alles selbst: mein Bruder Moses war auch schon ver4)ciratct und hatte eine gute Partie geuracht: der gab zweihundert Taler dazu, mein Bruder Movdechai gab ein- .hundert, ich machte freie Hochzeit und gab etwas Möbel, fuhr auch mit meiner Iran zur Feier, das alles kostete mich über fünfhundert Taler. In dieser Zeit war es, als mir gerade meine beiden Reise»:den durchgingen. Ein Jahr vorher war ein rüchiigea', seiner Bochur'l, der Sohn des Preßbnrger Rabbis seligen ÄugedentLns. nach Bützow gekommen. Ich war Vorsteher der Jüdischen Gemeinde. Er sah e.tw»,s kränklich aus und ex erzählte nrir, daß er, ungefähr eine Meile von Bützow entfernt, in einem Dorfe drei Tage laug in einer Scheune traut daniedergelegen lnrbe. Run möchte er sich gern einige Tage aus ruhen. Er hatte schöne Zeugnisse über seine Geschicklichkeit und Gelehrsamkei: bei sich. Ich wies ihm gleich eine Kammer in meinem Hanfe au und versprach ihm, ihn acht Tage lang bei mir zu behalten, damit er sich rech: gut erholen könne. Er bedankte sich tausendmal und küßt: mir wider ineineu Willen die Hand. Ungefähr drei Wochen vorher war nach allen Städter: Meckleillburgs, in denen Inder: mohnterr, ein Befehl get'omm«». den jeder Bürgen::eister dem Judenvorstvher vorlesen sollte. Der Befehl ging dahin, daß mau jedem fremden Juden den Paß abfordern und damit zum Bürgermeister gehen solle. Ist der zugereiste Jude kein Betteliude, so soll er für jede Nacht, die er sich tu der Stadt anfhält. sechzehn Schillinge bezahlen. Diesen Befehl hatten die Schweriner Juden felibst bewirkt, da sich viele fremde Juden in den Städten, :vv Juden wo-hnten und ihre Steuern und Abgaben zahlen mußten, aufhielten und Handel triebe». Ich fragte also, da ich Gemeindevorsteher war, den jungen Mann nach seinem Paß und mußte, nach der fürstlichen Verordnung, damit zum Polizeibürgermeister hingehen. Dieser Bi: rg er meiste:- war nicht mein Freund denn wir hatten einen Streit miteinander gehabt. Mein Haus stand nämlich aus der Amtssreiheit. gehörte also nicht unter die Direktion des Magistrats, er aber wollte urich unbedingt unter die Gewalt des Magistrates bringen. Es wurde uichts daraus, sondern es kostete ihn noch Strafe. Ich kam also mit dem Paß des jungen Menschen zu dem Manne. In dem Paß stand, daß es ein jüdischer Student sei, der auf Universitäten reise. Ich sagte ihm. der junge Mann sei ettvas Patient, und ich hätte ihm versprochen, ilm acht Tage bei mir aufzunohmen. damit er wieder frisch werde. Der Polizeibürgermeister sagte, der junge Mann könne hievbleiben, aber jode Nacht für sechzehn Schillinge. Ich sagte, er wäre ein armer Teufel. :md wir Juden mühten x) Talmubfümser, in ,vetteren: Sinne ein religiös bAdeter junger Mann.

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