Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 6 (1926)
- Issue
- 51 (17.12.1926)
- Date
- 1926-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6. Iahrgavg Nummer 51 r» — 17. Drescher 1986 Das Keim des jüdischen Frauendrmdes in Dyk auf Föhr. Am Rüsttage der- Rauschiwschanohfestes ist ein HauS in WyL auf Föhr Eigentum deS Jüdischen Frauenbundes -«-> worden, in dem unsere tuberkulös gefährdete Jugend gesund und widerslandsfähig werden soll. Der Kampf gegen die Tuberkulose darf nickt erst anfangen. wenn die schwersten Symptome der Krankheit federn, auch dem Laren, offenkundig werden. Gerade die sogenannten leichten oder beginnenden Fälle, wie Skrofulöse. Drüsen, und Kuockencrirankungcn, sollen, strlls der Arzt den Tirberkulose- »erdacht äußert. in unser Heim kommen. Die staubfreie, würzige nnd sal',reiche Luft, die starke Sonnenwirkung am Nordseestrandc nnd das milde Klima Wyks sind erfahrungsgemäß wichtige Heilfattoren. Biele, viele blasse, zarte, ichmächtige Kinder bringt das Schiff nach Föhr, und gebräunte, frische, aestärkle führet es wieder zurück. Hamburg und Berlin haben ihre Kircherheilstätte dort. Kinder non überall suchen in den vielen Sanatorien und Heimen Kraft und Gesundheit. Die Hamburger Ktnderheilstätte hatte ein-e Abteilung für Jüdische .Kinder eingerichtet, die dort rituell verpflegt wurden. Der Hamburger Staar wollte diese Sondcrabteilung aber «ich länger halten nnd kündigte dem Hamburger Ffr. hum. Frauenverein, der sie eingerichtet lmtte. Dadurch ging unserer jüdischen Fugend die Wohltat des Wuker Klimas verloren. Durch genaue Ermittlungen wurde sestgestellt. d»rtz die Errichtung einer Heilstätte für tnbertulös gefährdete Kinder im Augenblick die dringendste Aufgabe sei. Man bestimmte darum das in der Sukkauswochc vor nunmehr zwei Jahren durch den I. F. B. gesammelte Geld für diesen Zweck und iah von der ursprünglich beabsichtigten Gründung einer Fraucnhcflanstalt ab. weil die Rordracher Anstalt dem A«snahmebedürsnis genügt. Unser Heim, das von innen und außen unseren Wünschen entspricht, ist ein zweistöckiges Haus, das crn vor wenigen Fahren erbaut morden ist. Die Lage ist irnziveife-lhaft günstig und aui gesunden Südstrandc gelegen. Alle Zimmer sind lustig und hell: Liegehalle und alle nötigen Einrichtungen sind vorhanden Hinter dem Hause ist ein Spielplatz und nach allen Leiten Raum für eine vielleicht später notwendig werdende Vergrößerung. Ein Kuratorium soll die Verantwortung iür das (Hanze tragen: die eigentliche Leitung untersteht dem Arbeitsausschuß. Vorsitzende ges Kuratoriums ist die jeweilige Bundes- Vorsitzende, die gleichzeitig Mitglied des Arbeitsausschusses ist. Darüber hinaus aber ruft der Jüdische Frauenbund alle 'eine Mitarbeiter auf, mit ffmr die Verantwortung zu tragen für diese neue, schöne Ausgabe, von der wir soviel Gutes für unsere jüdische Jirgeno crhofseu. An Leib und Seele wird sie gesunden, denn der Zauber des Meeres in groß. Wen« die Wogen ihre ewige Melodie rauschen, werden die Kinderaugen die flehten verstreuten Halligen suchen, die der Unendlichkeit ringsum etwas von der erdrückenden Großartigkeit nehmen, für die nicht jedes Herz stark genug ist. Statt der engen Gassen und der dumpfen Höfe wird die große Weite die Kinder umgeben, und der Himmel wird ihn-en nahe sein. Befreiende, tiefe Atemzüge werden die Brust heben und die Lungen dehnen. — „Am Jahresbeginne wird es verzeichnet und am Sühnetage wird cs besiegelt, wie viele sollen dahinscherden und wie rtzcle ins Leben treten, wer leben soll und wer sterben, wer das Lebensziel erreiche, und wer vor der Zeit hinaehe- Aber reuige Bekehrung. Gebet und fromme Werke wenden ab das böse Verhängnis." So möge das Haus, das wir errichten, ein frommes Wer! sein, damit schwache Jugend in ihm. erstarke und das Lebensziel erreiche und nicht vor der Zeit hingehe! Charlotte Landau. Lübeck. Die Bonner Studentenschaft gegen den Antisemitismus. D'e am Montag, den 15. Dezember, stattgesundenc Sitzung der Bonner Studententammer faßte einen politisch geben, der das Staatsbürgerprinzip betont und die von einem großen Teil der deutschen Studentenschaft, besonders von der österreichischen Studentenschaft, gepflegten antisemitischen Bestrebungen eindeutig verrvirft. Der Beschluß wurde sofort au die Deutsche Studentenschaft in Berlin telegraphiert mit der Bitte um sofortige Stellungnahme, da am Samstag die zweite Beratung erfolgen soll. Traurige Helden. Butarcst. ll. Dezember iJ. T. AI. Am 10. Dezember feierte Me Bukarester antiscmiinche Studentenschaft das fünfjährige Jubiläum ihres Kampfes um die Einführung . des dluiveru8 elausu8 für jüdische Studierende an den rumänischen Hochschulen. Da man Ausschreitungen befürchtete. wurden mehrere Abteilungen Gendarmerie aufgeboten. Während der Tag zunächst ruhig verlief, kam es in den Abendstunden in mehreren Straßen zu sehr turbulenten Szenen, die in schwere Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung ausartcten. Um 6 Uhr abends hielten die Stndemcn in ihrem Heini eine Massenversammlung ab. Nach Schluß derselben zogen die Teilnehmer zur Hauptstraße Bukarests, der Calea Bictoriea. Dort versperrte ihnen ein Kordon Gendarmen den Weg. Die Studenten durchbrachen die Kette, kamen in die Sarindarstraße und erösfneten ein Steinbombardement gegen die Redaktivnshänser der fortschrittlichen Zeitungen „Rampa" uuö „Aöeverul", in denen sämtliche Fensterscheiben erschlagen wurden. Bon dort teilte sich der Demonftra,ionstrupp, ein Teil zog in öle Belvederestraße, wo in allen Antiquitätenläden, die Juden gehören, die Auslagefettster und Vitrinen zerschlagen und so viel Schaden angerichtet wurde. In der Bacanstraße wurde die Werkstätte des Schneidermeisters Aron Blumenfeld zerstört, der Besitzer schwer mißhandelt und verletzt. Die gleiche Gruppe zerstörte die Auslagefenster und Vitrinen der jüdischen Geschäfte in der Spinzistraße, sowie die Werkstätten und Gefchäftsläden von Ignatz Goldstern, German, vom Iuwelenladen „EUta". Goldmann, Abramovici. Polgar. Grünbcrg. Fischer. Steiner, Adler. Gegen die Wohnungen der benachbarten Brüder Abram und Leon Moritz wurde ein heftiges Steinbombardement durchgeführt. In der Wohnung des letzteren lagen zwei erkrankte Kruder zu Bett: beide wurden von schweren Steinen getroffen und verletzt. In einigen Modeläden wurden die Auslagcfenster zerstört und sämtliche Waren sortgeschleppt. In der Mosckilorgasse zerstörte eine andere Gruppe die Läden der Schneidermeister Lupu, Horoviei und des Spenglermeisters I. Solomon. Ein Trupp Studenten zog in das jüdische Viertel von Bukarest, zerstörte in der Straße Baeartesckti sämtliche Fensterscheibe« »nd demolierte das KtnottzeeÄr „Gloria". Zahlreiche jüdische Pallanten wurde» in den Straßen beschimpft und blutig geschlagen. St»a Sll Stubeule« wurden von der Polizei und Gendarmerie ststiert, ater nach Abnahme der Legitimationskartcn wieder auf freie« Fuß gesetzt. Bis 8 Uhr nachts dauerten die Manifestationen. Militär patroullierte in de« Straßen und trieb die sich versammelnden Studenten- und Huligantruppe» immer wieder auseinander. Milderung de» Eirrrvanderrmgsgesehes der vereinigten Staaten. Wie schon mttgeteilt, hat Präsident Covlidge in feiner Botschaft, die im Repräsentantenhaus und im Senat verlesen wurde, eine Abänderung des JmmigrationSgefetzes nach der Richtung empfohlen, daß es voneinander getrennten Familienangehörigen ermöglicht werden solle, sich wieder zu vereinigen. Der Kongreß wird sich in feiner jetzigen Session eingehend mit einer Abänderung des EinwanderungSeinfchränkungSg-efetzes beschäftigen und versuchen, gewisse Härten des bisherigen Gesetzes zu mildern. Das Staatssekretariat für Arbeit und Einwanderung wird schon in den nächsten Tagen dem Kongreß eine Anzahl neuer Formulierungen vorlegeu nnd empfehlen, die im Sinne der Botschaft deS Präsidenten sein werden. Das jüdische Kongreßmitglied Dickstein hat dem Repräsentantenhaus drei Abänderungsentwürfe unterbreitet. Der erste enthielt die Zulassung von Ehemännern, Eltern und Kindern amerikanischer Bürger außerhalb der Quote, wobei das Alter der Kinder bis zu 25 Jahren festgesetzt ist Der zweite Entwurf empfiehlt die Zulassung von Frauen und Killern jener Personen, die noch nicht Bürger der Vereinigten Staaten sind, aber vor Juli 1924 mn die Bürgerschaft angesucht haben: hier ist daS Alter der Kinder bis zu 18 Jahren festgesetzt. Der dritte Entwurf empfiehlt die Zulasiung jener Flüchtlinge, die bereits im Besitze von Visen sind, aber infolge des Inkrafttretens des Einwauderungsgesetzes nickt mehr in das Land gelassen wurden. Kongreßmitglied Dickstein schätzt die Zahl solcher Flüchtlinge, die bei Annahme seines Entwurfes außerhalb der Quote cinwairderimgsl'erechtigt sein werden, aus 5090. Ein Spinoza-Museum. Die Spinoza^Gesellschast trifft Vorbereitungen zur Feier des am 27. Februar 1927 z-um 250. Male miederkehrenden Todestages des großen Denkers Barnch Spinvza. Der Feier werden Spinoza-Verehrer aus allen Teilen der Welt beiwohnen. Dem bereits gebildeten Festkomitee gehören der i Bürgermeister des Haag. Dr. Patvn/ Prof. Dr. Äo Polak, Prm. Dr. Jgnaco Myslivki und Dir. Frederick Polle/ an. Die Societas Spinozana trifft Anstalten, mft das Haus, in welchem Spinoza zur Zeit seines Wohnsitzes im Haag gelobt hat, wieder in ben Zustand zu fetzen, wie es zu Lebzeiten Spinds war. Das Haus wird in eine Spinozrr- Musearm mngewandelt: alle E>cgenstänöe. die in einem Zusammenhang mit Spinozas Leben und Werk stehen, sollen in diesem Museum Platz finden. Ebenso wird eine Srnnoza- Bt-bliochek geschaffen, die alle aus Spinoza bezüglichen und aus ihn zttrückzttführcnden Werke enthalten wird. Religiöse Toleranz in Amerrka. DaS christliche Komitee für Aufbauhilfe zugunsten der > I'udensckaft in Osteuropa hielt in der Kathedrale St. John > the divinc eine Massenversammlung ab, in der die Schaffung j eines Fonds von 25 Millionen Dollar für jüdischen Wiederaufbau in Osteuropa proklamiert worden ist. Zu diesem Fonds sollen nur Christen beitragen. Die Kathedrale war bis auf den letzten Platz gefüllt. Den Vorsitz führte Bischof Mannina, Ansprachen hielten u. a. General Pershing, der Befehlshaber der Armee der Vereinigten Staaten im Kriege, der Präsident des föderativen Rates der christlichen Kirchen Dr. Parkes Eadman. ein Katholik, und der Präsident des amcrikanisch-jndiscken Komitees Louis Marsh all. General Pershing rühmte die Vaterlandsliebe der Inden und sagte, in Amerika bilden die Inden einen wesentlichen Teil des amerikanischen Volkes. Er appellierte, an die Christenheit der Vereinigten Staaten, die Summe von 25 Millionen Dollar anfzubringen, um so der Iudenschast der Bereinigten Staaten nicht nachzustehen, die sich zun; Ziel gesetzt hat, die gleiche Summe auszubringen. Diese Gelder sollen einem großen Zweck dienen: der Erlösung der Juden in den osteuropäischen Ländern aus ihrer unsagbaren Rot. Die Juden haben sich sehr viel um Amerika verdient gemacht, so daß es nur billig ist. wenn ihre christlichen Genossen ihnen helfen, ihre im Elend lebenden Brüder zu erlösen. Diese christliche Aktion wird andererseits als Beweis dafür dienen, daß Amerika kein Rassenvorurteil kennt. Die übrigen christlichen Redner betonten, daß die heutige Versammlung eine neue Bewegung für Schaffung eines besseren gegenseitigen Verständnisses zwischen Christen und Juden in Amerika einleite und der Welt zeigen werde, daß der Amerikaner keinerlei antisemitisches Vorurteil habe. Die christliche Bewegung für Hilfe an die Judenschast Osteuropas ist vom Geistlichen Dr. Kcdman ans Brooklin und Richter Victor Dämling inauguriert worden. Es wird geplant. 50 000 evangelische und katholische Geistliche m Amerika zur Durchführung des christlichen 25-Millionen- Dollar-Trives zugunsten der osteuropäischen Juden zu organisieren. An alle Kirchen Amerikas wurde ein Ausruf erlassen, in welchem gesagt wird, die Lage der Inden in Osteuropa sei nicht menschenwürdig, Tausende sterben vor Hunger nnd Kälte, fünf Millionen Juden gehen langsam zu Grunde. Es fei die Pflicht der Christenheit Amerikas, ihren jüdischen Mitbürgern in der Erreichung des Zieles zu Helsen, das darin besteht, diesen großen Teil der Judenheir a>i retten. _ Ein neues Heim für die jüdische Daisenanstalt des Frauenvereins von 1833. Das Gemeindeblatt brachte in seiner letzten Nummer die Mitteilung, daß die Waisenanstalt des Kraneuveretns von 1838 mm Beste» israelitischer Waiseumädchen ihren Wohnsitz von Berlin, Schönhauser Allee 152, nach HermSdors. A l b r e ch t st r a ße 10. verlegt hat. Wer von den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde zu Berlin kennt diese Anstalt- Das Baruch - Auerbachsche Waisenhaus und das Reichenheimsche Waisenhaus kennt jeder Berliner Glaubensgenosse. Die Waisenanstalt des Frauenvereins hat, da sie in Mietsräumen untergebracht ist. wie ei» Veilchen, nur im Verborgeuen geblüht. Und doch kann sie heute bereits auf ein ÜSjätzriges Bestehen zurttckblicken, und doch Hai sie in diesem langen Zeitraum zur Erziehung und beruflichen Ausbildung von Hunderteu jüdischer Baisenmädchen in bervorragevder Weise beiaetragen. Leider Hat auch fttefo vielen Gegen stiftende Anstalt, den Kriegsnachwirkungen ihren Tribut zollen müssen. Auch fie hat dagroße Vermögen, dessen Zinsen zur Erhaltung von 20 Kin-deru ausretchte. fast vollständig eingebüßt. In der Inflationszeit sah es so aus. als ob die Anstalt eingehen müßte. Da fanden sich aeue Freunde in Berlin, deren Sammeleifer einen Teil der Unterhaltungskosten aufbrachte. Mit Hilfe ausländischer Freunde war es möglich, deu fehlenden Teil aus Holland nnd Amerika zu erhalten. Jenen Leiden hochherzigen Glaubensgenossen, die mit Gulden und Dollars die Anstalt unterstützten, sei auch an dieser Stelle -erzlick Bedaukt. Es sind das die Herren M. Loeb in Haag und l r. weck. S. R o s« n b l u m, ein für alle jüdischen Interessen begeisterter Arzt in Chicago, der mrS Dentschland stammt. Auch jetzt hat die An st alt noch zu kämpfen, um die notwendigen Mittel zu ihrer Erhaltung aufzubringen. DaS schlimmste jedoch war, daß eS in den alten Wohnräumen an Licht und Luft mangelte, dem ersten Erfordernis für die körperliche Ertüchtigung junger Menschenkinder. Zum Herbst war eS möglich geworden, die Anstatt in HermSdorf in einem Hause unterzubringen, wo die Bedingungen erfüllt sind, die bisher der Anstalt fehlten. Am Sonntag, dem 5. Dezember, nachmittags 4 Uhr, wurde das neue Heim eingeweiht, zugleich mit der alljährlich stattsindenden Channkahfeier. Herr Zahnarzt Dr. M. L i p f ch i tz hielt, nachdem die ChanukahÜchte angezündet waren und das Weihelied verklungen war, zur Weihe des Tages eine Ansprache an die zahlreich versammelten Freunde und an die Kinder. Es wies auf den zwiefachen Anlaß der festlichen Stullde hin, auf die Feier des Chanukahfestes, die in jedem Jahr in der Anstalt begangen wird, und auf die Weihe des neuen Heims. Wie Gott vor säst 2000 Jahren unsere in großer Not befindlichen Ahnen von der Unterdrückrrng -er Syrer durch den Heldenkampf der Kakkabäer befreit hat, so hat er auch unserer Anstalt in der nach dem Weltkriege cingetretenen Rot bei ge standen. B«i weiterer Unterstützung der Anstalt durch edle Menschenfreunde besiehe die Hoffnung, daß die Anstalt in geordneteren Berhältttisien dem 100jährigen Bestellen entgegengehen wird. Dann dankte der Redner allen, die bisher für die Anstalt gewirkt haben. Er gedachte der längst verstorbenen langjährigen Vorsitzenden des Vereins, der feinsinnigen Frau P h i l i p p i n e L i e b e r m a n n. der Mutter des berühmten Malers, die viele Jahrzehnte in mustergültiger Weise sür die Allstalt gesorgt hat. Er dankte aber auch der jetzigen Vorsitzenden, Frau Margarete R o s e rr h e i m , nnd allen anderen Borstan>dSmitgliedern. die in Treue die Anstalt behütet haben. Besonders erwähnte er die aufopserunqsvvlle Tätigkeit der langjährigen Leiterin, Fräulern Heinrich, die mit mütterlicher Sorgfalt die Zöglinge behütet, und ihrer Vorgängerin. Frau Joe:!. Zum Schluß erwähnte er die fürsorgliche Obhut, mit der Herr Eugen C a s p a r y. der Leiter des Wohlfahrtsamtes der Jüdlscherr Gemeinde, die Anstalt betreut in der richtigen Voraussetzung, daß das Bestehen der Anstalt die Gemeinde entlastet. Da die private Wohltätigkeit auch in der heutigen Zeit nicht zu entbehren ist, sprechen wir auch hier die Hoffnung , aus: Möchten der Waiseuansialt des Frauenveteins von ß 1886 auch weiter zahlreiche. Gönner erstehen! ES wivd dieF ein Segen sein für die Gemeinde und eine Ehre sür bas » Jndenil?m. l'SdiT*4”""*0**!*** rmr! Aus den Gemeinden Berlin. (IS ine Me nöels> oh n -Tafel aufgesunde n.j Eine iitteressantc Entdeckung wurde dieser Tage bei Renovieruvgsarbeiten im Hanse Spandauer Str. :;8 gewacht. Dort fand man in einem kleinen rückwärtigen Hofe eine alte, verwitterte Marmortasel mit der Inschrift: ..In diesem Hause lebte nnd wirkte Unsterbliches. Moses Mendelssohn — geboren in Dessau 1729. gestorben in Berlin 17 so." Die Tafel ist strst 10 Zentner schwer und vermutlich über 100 Jahre alt. Besonders interessant ist. daß wie eine von der Stadr Berlin im Jahre 190.1 angebrachte Gedenktafel l-e^cugt — Gotthold Ephraim Lesung in der Zeit von 174* bis 1751 in dcnrielbeu Hanse gewohnt trat. Lessing war mit dem großen Philosophen, der ihm auch als Vorbild für „Nathan dcn Weisen" gedient hat, sehr befreundet. Wenn auch die neu aufgefundene Tafel keine Angabe enthält, zu welcher Zeit Mendelssohn in der Smndauer Straße gewohnt bat. so ist doch anzunehmen, daß er hier während der ersten Jahre seiner Berliner Tätigkeit als Krmmris einer Seidcnsabrir gemeinsam mit seinem Freunde Lessing lebte. Dir Tafel ist vmr deu Nachkommen Mendelssohns, den. Inhabern des Bauklmmes Mendelssohn & Co., wieder instand gesetzt worden und hängt jetzt über dem Treppenaufgang dos historischen Han sc s. Berlin. (B o r st o ß der D c u t s ch n a t i o n a l c n g egen I e s s n e r.» Im Preußischen Landtag ist folgender Urantrag der dentschnakionalen Fraktion eingegangen. der die Presscangrisfc gegen den Intendanten der Sdaatsschanspielhoniei-, Leopold Jessner, zur üftundlage einer parlamentarischen Aussprache macht: „Die Leitung des Staatlichen SchampielhaU'ses und des Staatlichen Schiller-Theaters in Berlin bat in den letzten Jahren eine Richtung eingeschlagen, die sich immer weiter von dem Ziel entfernt, das diesen Bübnen gesteckt ist. Die Auswahl sittlich anstößiger Stücke und ihre sich an die niedrigsten Instinkte wendende Inszenierung müsserr das ethisch-ästhetische Empftnben aller chriftlich-deuttcn gerichteten Theaterbesucher verletzen. Die Meisterwerke der Klassiker werden in dem Bestreben, sie dem neuzeitlichen SensationsbebürfniK anzupassen, dem Geist der Dichter nicht mehr gereM. sondern rvtrken. wie besonders die Aufführungen der „Räuber" uno dcö „Hamlet" beweisen, geradezu als ParMen. Der Landtag wolle beschließen: das Staatsurinisterinin wird ersucht, sofort Maßnahmen zu treffen, um dieser Gefährdung von Kirltur. Kunst nnd Sittlichkeit entgegenzuwirken." Berlin. iAussprache über die „Ort"-Arveit.i Am 8. d. M. fand eine Besprechung. der an der Arbeit des Verbandes „Ort" beteiligten Personen nnd Vertreter der verschiedenen jüdischen Verbände statt. Dir. Kleenmnn begrüßte die Erschienenen nnd wies daraus hin. daß die Idee des JOrt"-Verbanöeo — die Wiederbelebung jüdischer Masten durch produktive Arbeit, die soziale Umstellung wirtschaftlich haltloser Elemente zu Handwerkern und Landarbeitern. die Hebung der Qualität und de- Ansehens jüdischer Arbeit — heute in den weitesten Schichten der fil&u /