Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-12-10 · 50 (10.12.1926) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
50 (10.12.1926)
Date
1926-12-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2613366-2613841-2613891--2054-2619485
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

- -l'.W V" <111! '■•* >'*' IIJ pp1,'""' " ’.'f T'>»,v ■ q»»^v/7 * T**T Leu Juden, und eS dient nicht unserem Prestige, wenn wir unS mit ihm identifizieren lassen. Es kann jedoch nicht die Rede davon sein, diese Leute, welche zu unS kommen, als Feinde zu behandeln. Mit der nötigen Vorsicht können wir uns jetzt der besten Elemente der israelitischen Bevölkerung bedienen, welche unS eine wertvolle Unterstützung bei der Verwertung des Landes bieten wird. Vergessen wir nicht. daß 100 000 Europäer nicht genügen, um Marokko zu organisieren und zu kolonisieren. Wir müssen uns daher dieses jüdischen Elements bedienen, welches kein religiöser Fanatismus von uns trennt und dessen Familteustatnt gleich dem unser« ist. Aber gehen wir vorsichtig und methodisch zu Werke und beginnen wir mit der Bildung und Erziehung dieser Elemente, welche nur uns nutzbar machen wollen." Merkwürdige Logik der „OöpecKs Coloniale“ und so ganz in den Traditionen der klassischen Jndenbehvndlnng! Ganz wie Heine sagt: „Blamier' mich nicht, mein schönes Kind, und grüß' mich nicht Unter den Linden!" Der Weise von Damaskus. V cm Max Rosenfeld. pr Zeiten lebte in Damaskus ein wohlhabender frommer Jude, Rabbi Josua, der in dem Ruf großer Weisheit und Güte stand, manch einer hatte bei ihm mit dem weisen Rat auch die lat erfahren, ganz gleich, ob cs nun ein jüdischer Glaubensgenosse, ein Christ oder Mohammedaner war. Von diesem weisen mildtätigen Juden hatten zwei Müßiggänger gehört, Ali und Kafur mit Namen, junge Taugenichtse, die nicht allein dem liehen Gott die Zeit stahlen, sondern auch mitgehen hießen, was nicht hoch hing oder uicht niet- und nagelfest war, der eine bewunderte immer die längeren Finger des anderen. „Ich weiß einen neuen Streich für uns, Ali,“ sagte eines Tages Kafur zu seinem Spießgesellen. „Laß uns den reichen Juden Rabbi Josua aufsuchen, wir wollen ihn mit Kreuz- und Querfragen über seinen Glauben in die Enge treiben und schauen, ob dabei nicht irgendetwas zu ergattern ist.“ Kafur schlenkerte seine langen Finger, er war sofort Feuer und Flamme. „Wahrhaftig, Ali. du hast recht. Komm zu dem Juden, er soll uns schon „Moses und die Propheten“ herausrücken. Rabbi Josua, der gern für jeden zu sprechen war, empfing die beiden im Vorzimmer seines Hauses, wo er an Einern Pult in einem hebräischen Buche gelesen hatte. Der Weise sah auf den ersten Blick, was für Vögel ihm da zugcflogen waren und fragte: „Was ist euer Begehrt'“ „Weiser Rabbi.“ begann Kafur schmeichlerisch, „wir sind gekommen, dir einige Fragen über deine jüdische Religion vorzulegen.' „So stellt eure Fragen!“ tagte der Rabbi und blickte die beiden scharf an. „Ehrw ürdiger Rabbi,“ sprach nun Kafur weiter, „du liest, wie wir vernahmen, den ganzen Tag in deinen jüdischen Schriften, hast Moses und die Propheten . . . hast du aber, schon mal den lieben Gott leibhaftig gesehen?“ Der Rabbi mache eine unwillige Gebärde, als wollte er «Jen beiden die Tüjr weisem doch besann er sich im Augenblick und sagt© gütig: „Liebe Freunde, ich bin niir ein Mensch, und niemals vermag ein Lebender hier den Ewigen zu schauen. Ich erkenne Gott in der großen erhabenen Schöpfung, im Leben, und ich erkenne den Allmächtigen auch in unseren althcbräischen Schriften.“ Jetzt begann Ali zu sprechen. „Sind denn diese Schriften wahr, oder glaubst du es auch nur?“ Aber Rabbi Josua legte fest seine Rechte auf das geöffnete hebräische Buch. „Jawohl, ich glaube an diese alten Schriften, weil mich ihre innere tiefe heilige Wahrheit überzeugt hat, so wie sie mein ganzes Volk seit Jahrtausenden überzeugte.“ „Warum haben denn diese Schriften nicht auch andere Völker überzeugt?“ fragte Kafur. „Weil sie die Schrift falsch auslegten. Was Spreu ist, hielten sie für Weizen, was Weizen ist, für Spreu.“ Kafur stieß Ali heimlich an, und dieser glaubte nun, deutlich werden zu müssen. „Sagen deine Schriften und Gesetze auch, o weiser Rabbi, daß ihr Juden den Armen Wohltaten erweisen sollt?“ fragte Ali wieder. Jetzt wußte der Rabbi ganz genau, wo die Galgenvögel hinauswollten. „Ja, meine lieben Besucher, auch das lehrt unsere Schrift, Sie lehrt aber auch, daß der Mensch arbeiten soll. Und nun frage ich euch: seid ihr arbeitsame Menschen?“ Die beiden Genossen machten saure Gesichter. „Wir sind arme Schlucker,“ sagte Kafur, „und schon genug gestraft „Arbeit ist keine Strafe, die Arbeit ist ein Segen!“ Kafur lächelte diebisch. „Ja, weiser Rabbi, du arbeitest doch auch nicht, denn, wie wir hörten, liest du den ganzen Tag in deinen alten Schriften.“ „Ich bin ein geistiger Arbeiter,“ versetzte der Rabbi. „Das unterscheidet mich von den Handarbeitern. Wollt ihr arbeiten und euch Geld verdienen, so kommt morgen in der Frühe zu mir.“ „Gib uns eine geldliche Unterstützung, Rabbi!“ begehrte Ali eifrig. „Wir haben Hunger!“ rief Kafur. Rabbi Josua blickte die beiden ruhig und klar au. „Ich verhärte nicht mein Herz und verschließe meine Hand nicht, ich will euern Hunger stillen.“ Damit begab er sich in ein Nebengemach. Die beiden sahen sich in dem Vorzimmer nach etwas um. das sie hätten mitnehmen können, doch vergeblich. Da kehrte auch schon Rabbi Josua zurück, in jeder Hand einen Laib Brot tragend. Er brach jedes Brot in der Mitte durch und reichte die Stücke den beiden Burschen. „Seht, ich breche euch freundlich das Brot, nehmt und esset, und was übrig, nehmt als Wegzehrung mit. Geld kann ich euch nicht als Almosen geben, aber wenn ih? morgen kommt, sollt ihr guten Lohn für gute Arbeit erhalten. Unsere Schrift sagt: Heil dem der auf den Armen achtet! Gäbe ich euch ein Geldstück, daß ihr euch nicht durch Arbeit verdientet, so ginget ihr davon und ich sähe euch nimmer. Wie könnte ich da auf euch achten? Wenn ihr keine Müßiggänger seid, kommt morgen zur Arbeit!“ Die beiden hieben in das dargereichte Brot ein. Der Rabbi hatte sich abgewandt, er öffnete mit einem Schlüssel die eiserne Tür eines in die Wand eingemauerten Schrankes, diesem entnahm er einige Geldmünzen. Dann schloß er den Schrank wieder zu und steckte den Schlüssel ein. Er achtete gar nicht mehr auf die beiden Besucher, er schien sie vergessen zu haben. Ali und Kafur saheu, wie der Jude vier Geldmünzen auf sein Pult legte, vorn an den Rand zwei blanke goldschimmernde weiter zurück zwei von Erdkruste völlig überdeckte. Plötzlich schien dem Rabbi etwas einzufallen, er suchte in den Taschen seines Kaftans und ging schnell wieder in das Innere des Hauses. Ali und Kafur sehen sich gegenseitig an, von dem gleichen Gedanken erregt, griff jeder von ihnen nach einer der blanken goldschimmernden Münzen, indem sie die schmutzigen unbeachtet ließen, und blitzschnell waren die Diebe hinaus ins Freie geschlüpft. Nach einer kleinen Weile betrat Rabbi Josua wieder das Zimmer, als er es leer fand, blickte er nach seinem Pult und nickte lächelnd vor sich hin. Er steckte die beiden schmutzigen Münzen in die Tasche seines Kaftans, nahm wieder Platz an seinem Pult und las weiter in dem alten hebräischen Buche, als sei nichts geschehen. Rabbi Josua mochte kaum eine Stunde in dem alten Buche gelesen haben, als er vor seinem Hause einen großen Lärm hörte. Er lauschte und nickte wieder lächelnd. Dann stand er gelassen auf, öffnete die Tür und trat auf seine Schwelle. Er sah seine beiden Besucher zwischen einigen Polizeidiene.ru, die gewaltige Knüppel in den Händen trugen. Viel Volk umgab die Gruppe, man reckte die geballten Fäuste nach den beiden Burschen, man schrie: „Schlagt sie nieder, die Falschmünzer, die Betrüger! Haben falsche Goldstücke auf dem Markt in Zahlung gegeben. Schlagt sie, schlagt sie!“ Die beiden Kumpane deuteten jedoch auf Rabbi J osua. „Von diesem Juden stammen die falschen Goldstücke,“ schrie Ali. „Ja, der Jude hat sie uns gegeben,“ beteuerte Kafur. „Wir sind Bettler, der Jude hat falsches Geld als Almosen gegeben.“ Sogleich richtete sich der Pöbel gegen Rabbi Josua. „Schlagt den Juden tot, plündert sein Haus, er hat falsches Geld gegeben!“ Jetzt bahnte sich der Polizeioberst einen Weg durch die Menge und gebot Ruhe. Er hörte, um was es sieh handelte und ließ die beiden Festgenommenen dicht vor Rabbi Josua führen. Der Pöbel drängte nach und war begierig auf das Schauspiel, das sich da entw ickeln würde. „Rabbi Josua,“ wandte sich der Polizeioberst an den Juden, „hast du diesen beiden Schlingeln, die schon manches anf dem Kerbholz haben, zwei falsche Goldstücke gegeben?“ Der Rabbi blickte den Polizeiobersten freimütig lächelnd an. „Ich habe sie ihnen nicht gegeben ... sie haben mir die Münzen gestohlen, währeiid ich für kurze Zeit das Zimmer verließ. Höre mich an, o Hüter der Ordnung, und höre mich an, o Volk! Die beiden falschen Goldstücke, mit welchen ich einst betrogen wurde, hätte ich niemals ausgegeben. Doch die beiden Schlingel da kamen arglistig zu mir, stellten mir verfängliche Fragen über meinen jüdischen Glauben und unsere heilige Schrift, um, wie es schien, in Ruhe auszuspähen, ob es bei mir etwas zu holen gäbe. Sie baten mich schließlich um Geld und sagten, sie hätten Hunger. Ich gab jedem einen Laib Brot und stellte es ihnen frei, sich durch ehrliche Arbeit bei mir Geld zu verdienen. Während nun die beiden die Brote in meinem Vorzimmer verspeisten, wollte ich die Ehrlichkeit der mir unbekannten Burschen auf die Probe stellen. Ich tat. als beachtete ich sie nicht mehr und zählte vier Geldmünzen auf mein Pult, zwei vom Erdeuschmutz überdeckte echte und zwei, die aus blankgeputztem Messing bestanden. Ich ließ die beiden Burschen ein Weilchen allein, und als ich das Vorzimmer wieder betrat, waren sie mit den beiden blanken Falschstücken verschwenden.“ „Schlagt die Spitzbuben, schlagt sie!“ schrie nun der Pöbel wieder und drang auf die beiden Spießgesellen ein. Doch Rabbi Josua begehrte zu sprechen, es trat sogleich Ruhe ein, er wandte sich an die beiden Burschen. „O ihr Verblendeten, da habt ihr nun die Antwort auf euere für witzigen Fragen. Wie mit den vier Geldstücken, so ist es auch mit unserer alten heiligen Schrift, viele greifen daraus nur das, was auffällig blinkt, aber das echte Gold, welches unter dem i Staube des Altertums schlummert, die Wahrheit, das Wort Gottes, das beachten sie nicht!“ Damit wandte sieh Rabbi Josua in sein Haus zurück und schloß die Tür. Der Polizeioberst ließ Ali und Kafur auf der Stelle durch prügeln, und als dieses vollbracht war, blieben die Gestraften klagend vor dem Hause liegen. Das Volk zerstreute sich nach allen Richtungen, die Schaulust war befriedigt, und der Gerechtigkeit war genügt. Uber ein Kleines trat der Rabbi wieder auf seine Schwelle hinaus, er sah auf die beiden Gezüchtigten nieder und wurde von heftigem Mitleid ergriffen, als sie kläglich zu ihm aufblickten. Der Rabbi nahm aus seiner Tasche die zwei echten aber beschmutzten Goldstücke und drückte jedem der beiden Burschen eins in die Hand. „So ihr ehrlich werden wollt, kommt morgen in der Frühe, wie ich euch sagte, ihr sollt Arbeit und Lohn bei mir finden.“ Am nächsten Morgen kamen Ali und Kafur zu Rabbi Josua, recht demütig traten sie vor ihn hin und reichten ihm die ungewechselten schmutzigen Goldstücke zurück. „Warum?* fragte der Rabbi. „Diese Goldstücke sind doch echt Gebt einmal acht!“ Er nahm die Münzen, entfernte den Schmutz davon und putzte sie mit einem Tuche blank, es war lauteres Gold. „Doch Ali und Kafur rieben sich den Rücken, und einer sagte: „O Herr, wir wagen es nicht, sie zu wechseln, denn wir fürchten, man könnte uns wieder verprügeln.“ Nun raffte sich Kafur auf, sein Gesicht zeigte eine entschlossene Miene. „Weiser Rabbi, wenn dix uns in deinem Iiofc beschäftigen wolltest — du w irst keine besseren Arbeiter finden als uns.“ „ ,. „So nehme ich euch mit Freuden auf, sagte Rabbi Josua. „Die beiden echten Goldstücke bleiben euch, ich werde sie für euch sparen und hoffe, daß ihr diesen kleinen' Besitz bald durch ehrlichen Verdienst vergrößern möget.“ Kafur und Ali fanden in Rabbi Josuas Hause dauernd Lohn und Brot, sie wurden wirklich ehrliche Menschen, die ihren Arbeitgeber stets mit Bewunderung und Verehrung betrachteten. Das Beste aber war für sic immer das Gold der Weisheit, das ihnen Rabbi Josua manchmal spendete. BÜCHERSCHAU i i Adolf Warschauer, deutsche Kulturarbeit in der Ostmark. Erinnerungen aus vier Jahrzehnten. (Berlin, bei Hobbing, 324 8.) Ein fesselndes Bild zieht an uns vorüber, das Leben eines deutschen Juden, schlicht und anmutig: von ihm selbst erzählt. Der Ruhm des gelehrten Archivars steht ja längst fest, aber hier dürfen wir Blicke in sein Werden, seine Werkstatt und sein Wesen tun — ein köstlicher Genuß! Ein „feiner und kluger“ Mensch, wie ihn ein Lehrer nennt, ein unermüdlicher Arbeiter, der schon 1912 auf 140 Nummern seiner Schriften blickt, empfänglich für alle edlen Freuden des Lebens, begabt mit Humor, so zieht er von Kempen über Posen, Danzig, Warschau seine Straße nach Berlin, wo er jetzt lebt. Zahlreich wie seine Schriften sind die Menschen, denen er begegnet ist, jüdischen und nichtjüdischen. Und er vergißt niemand, von dem er jemals Anregung und Hilfe empfangen: den „vortrefflichen“ Philipp Bloch so wenig wie den „geistreichen“ Plauderer Kälten oder den blinden Oberlehrer Georg Peiser. Er spricht von Kühnemann und von Beseler und Hoffmannsthal und vielen, vielen, anderen. Er hgt neben seinen allgemeinen Arbeiten auch am „Archiv der deutschen Juden“ mitgewirkt, ist in Geigers „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland“ vertreten und hat in „Vereinen für jüdische Geschichte und Literatur“ Vorträge gehalten. Seine Hauptarbeit — 30 Jahre — galt Posen, und nicht nur Warschauer selbst wird gerade diese Blätter mit Wehmut lesen. Denn „im Finanzarchiv — in Warschau — über Akten gebeugt“ ergriffen ihn „deutsche Lieder aus Kindermund“. Sein Leben galt eben „der Wahrheit und dem Vaterland“, seinem eigenen Wahlspruch. Das ungemein reizvoll geschriebene Buch ist der „Lebens- und Arbeitsgefährtin“ gewidmet, wie der Eingeweihte weiß — mit Recht. Den Verfasser aber mag beim Rückblick auf sein Leben das Wort Baselers mit Genugtuung und Gewißheit erfüllen: „Ihre Arbeiten sind nicht verloren.“ Rabb. Dr. Gottschalk, Frankfurt a. M. Ras Lehen Gabriel Rießers. Ein Beitrag zur inneren Geschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert von Fritz Friediänd^r. Philo-Verlag, Berlin 1926. . Der Name Gabriel Rießers bedeutet, genau wie der jvToscs Mendelssohns, einen Markstein in der Geschichte der deutschen Judenheit. Gelang es Mendelssohn, die Juden aus der Dumpfheit des Ghettomilieus wachzurütteln, ihr geistiges Niveau — soweit es die allgemeine Kultur anbetraf — zu heben, ihre Stellung als Träger auch europäischen, deutschen Geisteslebens zu fundieren, so ist es Rießer zu verdanken, daß die bürgerliche Gleichstellung der Juden endgültig errungen wurde. Und mehr als das: Rießer fiel eine bedeutende Rolle in der deutschen Verfassungsbewegung zu: er ist der beste Beweis der Einheit zwischen edlem deutschen Nationalismus und tiefstempfundenem Judentum. — Diese Einheit zu beweisen und ihre Durchführung in packender Art darzustellen, ist Dr. Fritz Friedländer in seinem „Leben Gabriel Rießers“ durchaus geglückt. Neben dem schön abgerundeten Lebensbild findet der Forscher, der Historiker eine großzügige Darstellung nicht nur der jüdischen Emanzipationsbestrebungen, sondern auch der gesamten politischen Entwicklung, die zum deutschen Verfassungswerk führte, der Bewegung, die 1848 beginnend, zur Schöpfung der Deutschen Nationalversammlung 1919: zum Nationalstaat führen mußte. Mit dem Ganzen in engster Verknüpfung steht die Idee, daß, um des Verfassers eigene Worte anzuwenden, „Gabriel Rießer bereits den Leitgedanken vorweggenommen hat. der dem gewaltigen Verfassungswerk als Keimzelle diente“. — Eine besondere Beachtung verdient wohl auch der Abschnitt „Spätzeit und Abschluß des Lebens“, der Rießer in seiner engeren Welt, in seinen religiösen Anschauungen, seinen Beziehungen zum geistigen Wellenschlag auch nichtpolitischer Art seiner Zeit darstellt und zugleich eine feine Charakterisierung der wesentlichen Typen dieser Strömungen bildet. — Alles in allem: Der Politiker und der Mensch, der Deutsche und der Jude: da ist eine Harmonie, die Bewunderung erweckt und in ihrer sachlichen sowie stilistisch formvollendeten Darstellung eine Neuerscheinung bester Art sein dürfte. Auflösung bei* Niiisel: *. Wilhelm Eli Regiment *1. Bildung U. Eüal 6. Tisch ri 7. Ninive 8. England 9. Ulme 10. Esther Werbet neue Mitglieder! Kalendarium für die Zeit vom 11.12. b. 18.12.1926 Dezember 1926 Tewes 5687 Sonnabend 11 Sonntag 12 Montag 13 Dienstag 14 Mittwoch 15 Donnerstag 16 Freitag 17 Sonnabend 18 6. Wochenabschnitt: Wajjigafch Hastarah: Ezechiel 37,15—28 Sabbat-Ausgang: 4,42 Uhr 7. 8. 9. 10. Fasttag: Nacht 4,42 11. 12. 13. Wochenabfchnitt: Wajeche Hastarah: 1. Buch Könige 2,1—12 Sabbat-Ausgang: 4,42 Uhr A

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.