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Jüdisch-liberale Zeitung · 1926-12-10 · 50 (10.12.1926) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
6 (1926)
Issue
50 (10.12.1926)
Date
1926-12-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Mid Aeae -er Bibelsorfchung. Herr Ra-Liner Dr. Wiener: Grundfragen -er jüdischen Religion. Die Vorlesungen ftrp-en in -er Hochschule für -ie Wissenschaft des Judentums. Berlin 91.24, Artilleriestr. 14. statt mU> KultuSLeamte und andere interessierte Personen 6 Uhr. pünktlich. Zur Teilnahme am Kursus sind Lehrer und Kultusbeamte und andere interessierende Personen Lerechtist. Die Borlesunaen sind kostenlos. Den Teilnehmern aus Preußen kann ein Zuschuß zu den Reisekosten gewahrt werden, falls ihre Gemeinden dazu nicht imstande find. Teilnehmer aus dem übrigen Deutschland werden gebeten, sich an ihre Landesverbände und Gemeinden m «enden, ftlir möglichst billige Unterkunft und Verpflegnng «ird gesorgt. Der genaue Stundenplan wirden Teil, nehmern bei der Eröffnung überreicht. Auskunft gibt Iran Auguste Rosenthal-Budrvig, Berlin NW 52, Calvirrstrak-c 20. Lerliu. (Lieg des Jüdischen Box-Club M accaßt.) Im .Hause der Funkindustrie am Kaiserdamm fand am 2. 12. 26 der große d e uts ch. * ra n z ö s i s ch e Amateur-Boxkams statt. zu dem der I B C Maccabi. gemeinsam mit dem BC. Westen. etngcladen hatte. Der große Saal, der ca. 6000 Personen Platz bietet, war ausverkauft. Wir müssen es uns an dieser Stelle versagen, ans die sportlichen Einzelheiten dieses Kampfes, der in der Tagespresse ausführlich behandelt worden ist, näher einzugelien. Ter ungewöhnlich große sportliche und auch wirtschaftliche Erfolg, den die deutschen Boxer mit ihrem Siege 4:2 errungen haben, und zu dem in erster Reihe der indische Box-Club Maccabi beigetragen hat. gibt und freudige Veranlassung. darauf besonders hinzmveisen. In allen Sporkfachkreisen sind ja die ausgezeichneten Leistungen der Boxer deS JBC. Maccabi bekannt. An diese« Abend bot sich aber die Gelegenheit in einer Amateur. Boxveranstaltnng, wie sie bisher in Deutschland noch nicht stattgefunden hat, einem außergewöhnlich großen Publikum diose Leistungen vor Augen zu führen. Es darf als ein besonders günstiges Ontcit angesehen «erden, daß der Maccabi seinen größten Erfolg am dritten Tage des Maccabäerfestes errungen hat. Berlin. sB o u der I i u - I i t s u - A b t e i l u n g d c S R. i. F.) Der von der Jin-Jitsu-Abteilmia des ReichS- Vundes jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Berlin, veranstaltete Großkampsabend am 1. Dezember na-hm einen überaus interessanten Verlaus und erfreute sich zahlreichen Besuches. Die Kämpfe wurden umrahmt von Hebungen in der Selbstverteidignna sguSgcsührt von dem Trainer deö R. i. ft. LntzRose n t h a l und Herrn B e r g) und voll technisch gutgelungenen Demonstrationen von Fräulein A n n i Blume nfeld und E r n st I o a ch i m Stha l. .Bei den Kämpfen erzwang der erst fünfzehnjährige Aron fohn (R. j. I.) gegen den körperlich überlegenen Lafeld (Justizverwaltung) nach der vollen Kampfzeit von 20 Minuten ein „Nnentschieden". Im leichten Mittelgervicht (bis 185 Pfunds siegte Steinhardt (R. i. F.) über Freier II (P-vstsportverein) durch Ausgabe deS Gegners. Im schweren Mittelgewicht (bis 150 Pfunds gelang es dem kehr harten Arzt (R. j. F.) gegen den deutschen Meister Wolf (Erster Berliner Jin-Jitsn-Elub) gleichfalls ein ,.Nnentschieden" herausznholen. Bremen. (I u ß i I ä it m.s Iran Dora Körbchen konnte hier dieser Tage ans eine 80jährige verdienstvolle Tätigkeit in der Leitung des Israelitischen Franenvereins Bremen, dessen erste Vorsitzende sie zur Zeit ist. zurückblicken. Ihre warmherzige Tätigkeit hat in allen Kreisen unserer Gemeinde begeisterte Anerkennung gefunden. Auf dem Clmnukah-Festc des Israelitischen Frauenvereins hob Iran Schräg en heim, in einer mit großem Beifall aufgenommenen Ansprache, die vielfachen Verdienste der Jubilarin hervor und überreichte ihr im Aufträge des Vorstandes des Francnver-cins eine prächtige silberne Schale. Breslau. (R e p r a se n t a n t e n v e r s a in m l u n g.j Die Repräsentantenversammlung. ivelche am 20. November nach zweimonatiger Panse wieder zusammeutvat. gewährte dem Israelitischen Waisenhaus eine Beihilfe zur Dachrevaratur und der Mittelstandökassc des Kuratoriuins der Fränkclschen Stiftungen ein zinsloses Darlehen. Das Jahrzeitlegat der Frau Johanna Reichert geb. Jriedebera gelangte zur Annahme, und die Kostenabrechnung für die Verlegung der Bibliothek und den Umbau der Räume des Wohlfahrtsamtes (6314.— Marks wurde zur Kenntnis genommen, ebenso die Genehmigung des Steuersatzes von 18 Prozenr und die Schaffung eines weiteren ArbeitS- und Sitzungszimmers. Der Gemeinde Bad Landeck wurde eine Beihilfe zur Erbaunna einer Leichenhalle und der Gesellschaft „Ort" eine solche für ihre Zwecke bewilligt. Tie Vergütung der Snnagogenanfseher wurde erhöht. In einer kurzen geheimen Sitzung wurde das Dienftalter mehrerer Angestellten festgesetzt. Zu,n Organisten an -er Neuen Synagoge wurde der Organist Erich Schaffer ans Bcrlin-Schöneberg auf Probe mit Aussicht auf endgültige Anstellung gewählt. Chemnitz. (Zum fünfzigjährigen Bestehen der C h e b r a h K e d o f ch a h). Zu einem eindrucksvollen Ereignis für die gesamte Chemnitzer Gemeinde gestaltete sich die Jubelfeier der Chebrah Kedvschah. Sind es doch tatsächlich alle Gemeindekreise, die irgendwie gebend oder nehmend mit der Chebrah verbunden sind, und soweit sie nicht an die Lebenden he ran trat, waren es die Toten, denen sie den letzten irdischen Dienst erwies. So war es gleichzeitig eine Kundgebung deö Dankes, die zahlreiche Gemeindemitglieder au dem Gottesdienste in der schönen Synagoge teilnehmen ließ. Bon Chorgesang, Orgelspiel und dem Prolog eingeleitet, hielt der Vorsitzende. Herr Salo Gnttmann, der nunmehr seit 27 Jahren in treuester und unermüdlicher Erfüllung der jüdischen Pflichten an Lebenden und Toten an der Spitze dieses Vereins stebt. die Begrüßungsansprache. Nach dem Gebet für die Toten gedachte Herr Rabbiner Dr. Fuchs in der Festrede der Männer, die bald nach Gründung der Gemeinde aus der Notwendigkeit heraus zur Schaffung dieser Institution geschritten waren und sie bis zum Tode segensreich verwaltet haben. Sie fanden würdigen Nachwuchs an den Männern, die heute diese Ehrenpflichten der Hilfe für bedrückte Glaubensgenossen, des Wvhltuns und der Bekämpfung der Not im deutschen Volke auf sich genommen haben. Mögen sie uns noch recht lange erhalten bleiben und gleicherweise opferbereite Nachfolger finden. Nach dem Vertreter der Gemeinde begrüßte der Leiter des städtischen Wohlfahrtsamtes, Herr Stadtrat Schalter, die Frftversammlung im Namen der Stadt. Er hob besonders auch die Verdienste deS Herrn Guttmaun in der städtischen Wohlfahrtspflege hervor, und überreichte ein Glückwunschschreiben des Oberbürgermeisters. Mit einer Begrüßung seitens verschiedener Vereine sowie dem Gesang deö Halleluja und Orgelspiel schloß die ernste, erhebende Feier. Dresden. (Aus der Gemeinde.) In der Ende November abgehalieneu Gemeinderatssitzung wurde festgestellt, daß es der Wunsch deS Kollegiums ist, einem von der Sächsischen Lehrervereinigung zu benennenden Vertreter Sitz und Stimme nur im Ausschuß, nicht aber im Vorstand des Sächsischen Israelitischen Gemeindeverbandes einzuräuwen. — Die vor etwa einem Vierteljahr probeweise angestellte Fürsorgerin, Thea Waitzfelder, wurde zunächst auf drei Jahre der Gemeinde verpflichtet. — Bor den Vertretern der Dresdner WohltätigkettSvereine betonte Rabbiner Dr. Wolf in einem Vvriraa über „Praktifthe Forderungen der Wohlfahrtspflege", daß viele Arbeitslose deshalb feiern müßte», weil sie in ihrer Jugend nicht genügend 1» eine« Berufe durchgebildet worden seien. LS fehle an Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung, zum Teil durch Schuld des Elternhauses. wo man sich scheue, die in jüdischen Kreisen schon l ä n g st nötige B e r u s s n m s ch i ch t n n g mit Nachdruck zu unterstützen. Erfreulich sei eS. daß di« Wohlfahrtsstelle in Zukunft Berufsberatung und Lehrstellen- Versorgung in ihren Aufgabentreis einbeziehen wolle. Uugemindert tragisch bleibe die Lage der älteren Arbeitslose« und der auf die Wanderfürsorge Angewiesenen. Ihnen könne, da der gemeindlichen Arbeitsvermittlung teils gesetzliche. anderseits finanzielle Schwierigkeiten entgegenständen, in erster Linie unv durch private Hilfe genützt werden. Beispielgebend sei Berlin vorangegangen, wo die Einrichtung eines Fensterre iuigungLinftitntes vielen jüdischen Hilfsbedürftige», die nirgends Unterkommen konnten, ausreichenden Verdienst gewähre. Für Dresden ist die Inbetriebnahme einer Nähstube geplant. — Die Genre i n de ra t s w a h l e n sind auf Sonntag, den 16. Januar 1027. von 10 bis 1 Uhr. festgesetzt worden. Wahlvorschläge sind bis zum 2. Januar beim Gemeindevorstand einzureichen. Dresden. (T r a u c r f c i c t f ü r G e ü e i m r a t A r n - hold.) In der Dresdner Villa des Verstorbenen fanden sich am Tage der Einäscherung zahlreiche führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ei». Erschienen rvaren u. a. der Finanzminisicr Tr. Dehne, Polizeipräsident Minister a. D. K ü h n, Polizeipräsident a. T. Koettig, Stadtperorduetenvizevorsteher Hofrat Holst, Holräte Dietz und Plötner. Als Vertreter der Stadt Dresden war Oberbürgermeister Dr Blühe r zugegen, der in seinem Nachruf hervorhob, daß Geheimrat Arnhold ein Vorbild des Ge ineinsinns und der Opferfrendigkeit gewesen sei. Stadtrat Dr. Krüger der Präsident der Jahresschau Deutscher Arbeit, betonte namens der Vorstände und Aufsichtsräte einer großen Reihe von industriellen Werken und Gesellschaften. wie der Verstorbene als einer der ersten die Ratianalisiernng der Aufbanwirtschaft gefördert, VolkSvermvgen erhalten, Tausenden wieder Brot gegeben habe. Für die Technische Hochschule dankte Professor Dr. Grane l i n s, für die Friedensgesellschaft Professor Q u i d d e. Exzellenz Gras Leebach, der vormalige Generalintendant der Ltaatstheatcr, sprach als Vorsitzender des Sächsischen Kilnstvereins, Reichsbankdirektor Richter im Auftrag der Berliner Reichsbankdirektion. Amtsgerichtsvrästdent a. D. Dr. Becke r bekundete ans gemeinsamer Arbeit im Verband für Jugendpflege, mit welcher Liebe der Verewigte dem Heranwachsenden Geschlecht zu dienen gesucht habe. Prokurist Niemetz und Direktor Lieb mann feierten Geheimrat Arnhold als Wohltäter seiner Angestellten. Rabbiner Prof. Dr. Winter stellte in den Vordergrund seiner Gedächtnisrede die Demut und die geistigen Bestrebungen des Verstorbenen, der stets betont habe, daß er ein Kind des Glücks sei, weil er aus einem Hause stamme, in dem Idealismus als Selbstverständlichkeit angesehen werde. Bor Beginn der Trauerseier, der Kammersängerin Minnie v. ' F r e u ck e I l - R a st, Staatskapellmeister S t r i e g l e r und das Quartett der Kammermusiker, Strieglcr, Düsedan. Seifert. Zenker, die tonkünstlerische Weihe gaben, schritten sämtliche Angestellten des Bankhauses in langem Zuge am Sarge vorüber. Höxter. (Todes fall.) Im 68. Jahre verstarb unser langjä^'-iocr Lehrer und Kantor I. Weinberg. Mit ihm ist eine schlichte und ehrwürdige Persönlichkeit ans dem Leben geschieden, die sich in allen Kreisen g^oße»- Bclübtheit erfreute. Insbesondere war er seinen Bernfsgenossen ein treuer Freund und Förderer gemeinsamer Bestrebnna-en. So bat er viele Jahre im Bezirksvercin Westfalen- Ost an leitender Stelle gestanden und auch im großen Verein israelitischer L-ehrer der Nheinprvvinz und Westfalens cifrigst mttgennrkt, so daß sein Ableben allgemeine Teilnahme weckte und ein treues Gedenken ibm bei vielen gesichert bleibt. Kreuznach. (70. G e b u r t s t a g des 0k a b b i n e r s.s Rabbiner Dr. Taurrogi beging kürzlich unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise in erfreulicher Gesundheit und Geistessrische seinen 70. .Geburtstag. Unter den Gratulanten befanden sich auch neben den Gemeindevertretern der Landrat, katholische und protestantische Geistliche und andere Freunde des Jubilars. Auch der Centralverein, dessen Ehrenvorsitzender Rabbiner Dr. Taurrogi ist. ließ seine Glückwünsche übermitteln. Sinnige Geschenke und Aufmerksamkeiten waren äußere Zeichen herzlicher Teilnahme am Familien feste des langjährigen geistigen Führers der Gemeinde. Magdeburg. i (S i n u e. u c s R a tsmitglicd des preußischen Landesverbandes.! Als Vertreter des Wahlkreises Pommern-Brandeubnrg-Gren^mark tritt nunmehr inr das bisherige Ratsmitglied Herrn Benno Feldberg nach dessen Ableben R.-A. Dr. Ernst Mcrzbach in den Rat des Preußischen Landesverbandes ein. R.-A. Dr. Merzbach gehört ebenso wie das verstorbene Ratsmitglied der liberalen Richtung an. München. (Vom bäuerischen Landesverband.) Die nächste Tagung des Verbandes bayerischer Israelitischer Gemeinden wird voraussichtlich am 13. und 14. März 1027 in Fürth stattfinden. Der Tagung dürfte eine besondere Bedeutung zukommen mit Rücksicht aus die Ablehnung des Entwurfs eines Reichsverbandes der jüdischen Gemeinden durch den Verbandstag des preußischen Lanöcsrerbaudes. Münster. (F o r t b i l d u n g S k u r s u s für Lehrer.) Die Marks-Haindorfsche Stiftung in Münster i. W. beabsichtigt. in der Woche nach Weihnachten (Montag bis Donnerstag) einen Fortbildungskursus für Lehrer abzuhalten. Als Gegenstände für Vorlesungen bzw. für Hebungen kommen in Betracht: Methodik. Bibel, Mischna. Neligionsphilosophie, Kantorat und Gomiletik. Eine Gebühr wird nicht erhoben: die Unkosten dürften gering sein. Anmeldungen (auch Angabe von Wünschen) umgehend an Studiendirektor Dr. Stcinthal (Münster i. W.. Kanonengraben 4) erbeten. Nürnberg. (T o d eines jüdischen Wohltäter S.) Ein ganz hervorragender Wohltäter und Wohlfahrtöorganisator. Herr Adolf Schwarz, wurde am 29. November von einer großen Menge von Trauergästen aus allen Konfessionen zur letzten Ruhe geleitet. Der Verstorbene hatte nicht nur hier in Nürnberg, sondern in ganz Deutschland sich einen großartigen Namen gemacht durch seine Gebefreudigkeit und durch seine nimmermüde Schaffenskraft Er war Mitbegründer und langjähriger Vorstand d-er Kivderheilstätte in Ki'stnaen. deren Aufblühen zum großen Teil seiner Rührigkeit zu verdanken ist. Er hat ferner in Fürth bei Nürnberg ein Kindererholungsbeim geschaffen und hat in dem Lazarus und Berta Schwarzschcn Altersheim als Kurator eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Adolf Schwarz hat in Verbindung mit der K-inderbeilstätte in Kissingen am gleichen Platze, für im Erwerb stehende Mädchen und Frauen Gelegenheit zu einer Erholungs- und Badereise geschaffen Auch im Dienste der Stadt, wie in außeriüdischen Organisationen war Adolf Schwarz lange Jahre tätig und bat als städtischer Waisenrat wie als Vor« standsnütglied des kaufmännischen Vereins „Merkur" viel geleistet und großes Ansehen genosien. Sein HauptlebenSmerk aalt der israelitischen Kinderheilstätte Kissingen, für welche Anstalt er tatsächlich biL zu seinem Lebensende von früh bis spät arbeitete, und für welche er stets neue Freunde zu gewinnen verstand. Er konnte auch die hohe Befriedi¬ * gung ernte», daß in dieser Anstalt mehr als 1060 Kindern Erholung. Gesundheit und neue Kraft gespendet wurde. Bei der Einsognungsfeier gedachte Herr Rabbiner Dr. Freudenthal in beredter Weise der großen Verdienste, die sich der Berstorbene um die Nürnberger Gemeinde und um die vielen fürsorgebedürftigen Menschen erworben hat. denen er sein gutes Herz und seine allzeit offene Hand widmete. Für die Matmontdes-Loge brachte Herr Expräsident Dr. med Sommer, für die Kinderheilstätte Kissingen Herr Bankier Ottensooßer, für den kaufmännischen Verein ^Merkur" Herr Amtsrichter a. D. Lipper die letzten Mfchiedsgrüße. DaS Andenken eines so odlen Menschen und großzügigen Wohltäters, wie es Adolf Schwarz war, wird dauernd in der Nürnberger Gemeinde und darüber hinaus svrtleben. Stettin. (Todesfall.) Am 4. Dezember entschlief nach kurzem schweren Leiden im 03. Lebensjahre Herr Benno Feldverg. Der Berstorbene hat als Vorsteher der Jüdischen Gemeinde sich um das jüdische Leben Stettins mannigfache Verdienste «rworbem Er gehörte der liberalen Richtung im Judentum an und versuchte, entsprechend seiner Weltanschauung jüdische Tradition mit modernem Zeitgeist in Einklang zu bringen. Noch vor wenigen Wochen nahm er in voller Rüstigkeit an dem Verbandstag^ des Preußischep Landesverbandes jüdischer Gemeinden teil, da er dem Rate dieses Verbandes angehörte. Der tzerbandsiag des Preußischen Landesverbandes. Nachtrag. Wir haben in den beiden letzteic Nummern eingehend über den Verlauf des zweiten VerbanLstages des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden berichtet. Nachstehend geben wix noch ausführlich die Etatrede des Vorsitzenden der liberalen Fraktion, R.-A. Dr. Baerwald-Frankfurt a. M., wioder, die die bisherigen Leistungen des Verbandes würdigte, ohne die notwendige Kritik an der Geschäftsführung zu verschweigen. Er führte aus: Als vor anderthalb Jahren der Verbandstag zum ersten Male zusaminentrat, haben die Führer der verschiedenen Parteien an dieser Stelle, von hohen Gesichtspunkten ausgehend. die Stellungnahme dargelegt, die ihre Gesinnnngsgemeinschaft zu den wichtigsten Fragen innerhalb de2 deutschen Judentums einnimmt. Ick bitte zu entschuldigen, wenn ich Sie von dieser hohen Warte herab nunmehr in die Niederungen der Einzelheiten führe, mit denen mtier Verband sich zu beschäftigen hat. Da ist es zunächst meine Pflicht, namens meiner Freunde den Dank für die Fülle der geleisteten Arbeit und die Freude über die Entwicklung anszusprechen, welche der Verband genommen hat. Dieser Dank richtet sich an den Rat mvb seinen Vorsitzenden, au die Dezernenten innerhalb des Rats, an die Geschäftsführung und an das Büro. Die Arbeit ist geleistet worden trotz einer Fülle sachlicher Schwierigkeiten, die unvermeidlich sind, wenn ein ganz neuer, nach nnerprobter Apparat in Tätigkeit treten soll und trotz einer Reihe persönlicher Schwierigkeiten, die vermeidbar gewesen wären. Wir müssen aber gerade in Preußen jeden auch noch so kleinen Fortschritt begrüßen, und so kann ich feststellen, daß es endlich gelungen ist. Staatsbeibilfeu zu erlangen, die es uns ermöglicht haben, für die Witwen und Waisen von Rabbinern und Lehrern zu sorge»!, bedrohten Kleingemeinden zu helfen und manchen Notstand zu lindern. Damit ist endlich der Anfang gemacht worden, ein altes Unrecht zu beseitigen, daß darin liegt, daß die N'ittel jüdischer Steuerzahler für Zwecke anderer ReligionSgcmeiuden in Anspruch genommen wurden, ohne daß der Staat aus seinen Mitteln für die jüdischen Gemeinden sorgte. Wir wissen, welche unendliche Arbeit damit verknüpft ist, um zu diesem Ergebnis zu gelangen und wir hoffen, daß es trotz aller Schwierigkeiten möglich sein wird, in Zukunft ans diesem Wege weiterzugeheu. Meine Freunde begrüßen es dann besonders lebhaft, daß die liberale Kultuskommission und die liberale Unterrichtskommission ihre Arbeiten begonnen haben, von denen wir reiche Erfolge erwarten. Innerhalb der Reihen unserer Freunde sind weiterhin Vorarbeiten für die Schaffung eines einheitlichen Beamtenrechts geleistet worden. Eine sehr erhebliche Arbeit hat der Verband weiterhin auf dem Gebiet der Reform des preußischen Jndengcsetzes und bei den Bemühungen zur Schaffung eines Reichsverbandes geleistet, es wird über diese Dinge noch in anderem Zusammenhang zu roden sein, aber das Maß dessen, was gerade auf diesen Gebieten gearbeitet worden ist, soll nicht verkannt werden. Was daneben fehlt, ist nicht wenig. Ter ständige Ausschuß des Landesverbandes hat vor allem darüber klagen müssen, daß die Oeffentlichkeit zu wenig von der Wirksamkeit des Verbandes erfährt. Es wird uns Juden gemeinhin vorgeworfen, daß wir an eii:em Mangel an Bescheidenheit leiden, aber mir will scheinen, daß auf der anderen Seite der Verband die Bescheidenheit weitaus übertrieben hat, indem er garnicht von sich sprach. Es ist nicht angängig, daß die Mitglieder der Versammlung in den Zwischenpausen zwischen den Tagungen überhaupt nichts von ihm hören. Das Verbandsorgan ist nur in ganz wenig Nummern erschienen, und so haben die Verwaltungen der anaeschlonenen Gemeinden oarnichts von der Fülle des Stoffs erfahren, der über wichtige Materien an der Zentralstelle angesammelt worden ist und sie haben mit Recht darüber Klage geführt, daß sie überhaupt nicht informiert worden sind. Wir haben im ständigen Ausschuß immer'wieder eindringlich verlangt, daß endlich ein Presiedezernat geschaffen werde, damit diese Klagen verstummen, und ich sollte mir denken, daß es nicht allzuschwer sein sollte, in Berlin einen geeigneten jüdischen Journalisten zu finden, der sich im Nebenberuf diesem Auftrag unterzieht. Angeblich soll ja jetzt dieses Presiedezernat besetzt sein, aber man hat noch nicht viel davon gemerkt, daß es in Wirksamkeit getreten ist. Mit den so wichtigen Bcamtenfragen scheint der Rat sich überhaupt nicht befaßt zu haben, und in den Wohlfahrtsdingen ist so gut wie garnichts geschehen- Es ist tief bedauerlich, daß die wertvollen Anregungen, die auf diesem Gebiete von unserer Seite, und insbesondere von den Frauen auSgegangeu sind, so spurlos in der Versenkung verschwunden sind. Das muß anders werden, denn der Verband kann nur bestehen, wenn er nicht nur mit einem Tropfen, nein, mit einer aroßen Flasche oder bester noch einer vollen Kanne sozialen Oels befeuchtet wird. Noch stärker haben wir über formale Mängel z»c klagen. Die Vorbereitung der jetzigen Tagung war eine ganz ungenügendk'. Der Etat, d-'r uns in letzter Stunde zugekommen ist, weist eine große Anzahl von Mängeln auf, und alle wesentlichen Materialien zu den übrigen Punkten der Tagesordnung sind uns erst in den letzten Tagen zugegangen, so daß eine sachgemäße Vorbereitung der Vorlagen innerhalb der Fraktionen so gut wie unmöglich war. Wir müssen danach feststellen, daß eine Fülle von Arbeiten vom Verband nicht geleistet oder zu spät geleistet worden sind. DaS weist auf schwere organisatorische Mängel hin, auf die bereits gestern Herr Dr. Badt verwiesen bat. Wir sübren sie znm großen Teil auf die Person des Geschäftsführers zurück, der trotz seiner vielfachen Begabung unfeiner großen Verdienste unmöglich die ganzen Arbeiten, deren Bewältigung er sich voraenommen hatte, erledigen konnte und der sich nicht der Weisheit des alten Wortes bewußt geblieben ist: „0ui trop embrasre, ms! etremt." ES

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